GANZ RAFFINIERT: FORESTFINANCE KOMMT MIT DEM WALDSPARBUCH DAHER

GANZ RAFFINIERT: FORESTFINANCE KOMMT MIT DEM WALDSPARBUCH DAHER

Wenn gar nichts mehr geht, bleibt immer noch die Öko-Schiene. Dachten sich wohl auch die Macher vonForestFinance, als sie ihr WaldSparBuch mit irreführender Namensgebung den staunenden Investoren vorlegten. Wie eine Metapher aus der Märchenwelt, zugeschnitten auf die liebenswert naiven Umweltgedanken moderner „Weltverbesserer“, versucht das Bonner Unternehmen dem Anleger eine besonders umweltverträgliche und dem Gemeinwohl zuträgliche Geldanlage aufzuschwätzen.

Als Erstes aber mal zum Wohle der Erfinder dieses Unfugs. Denn mit dem Wesen eines Sparbuchs hat diese Anlage rein gar nichts zu tun. Dieser Umstand rief dann auch als erstes die Verbraucherzentrale auf den Plan, die diese irritierende Bezeichnung für eine Kapitalanlage gar nicht lustig, sondern eher als arglistige Täuschung empfand. Vor Gericht kam man mit diesem Vorwurf zwar nicht weiter, aber dennoch sei jeder Anleger an dieser Stelle noch einmal deutlich gewarnt: Dieses Baum-Investment in den nachhaltigen Naturrohstoff Holz ist eine Risikoanlage mit integriertem Totalverlust-Risiko !

Diese „Geschäfte mit Woodstock“, wie die ZEIT 2014 titelte, gehören zur Kategorie „Hochspekulativ“, und können am Ende dazu führen, dass schlechte Witterungen, Naturkatastrophen und höhere Gewalt, Schädlinge oder einfach ein Brand den gesamten Baumbestand zerstören. Dann ist das Geld weg. Trotzdem: Diese Symbiose von Ökologie und Ökonomie, die Anbieter von Holzinvestments immer wieder gern beschwören, lässt sich glänzend vermarkten. Allerdings nur vor dem Hintergrund der Tatsache, dass der Investor nicht genau auf die Vertragsformulierungen achtet, die da sagen, dass diese meist geschlossenen Fonds kein Hintertürchen offen halten, falls der Anleger vorzeitig den Vertrag kündigen will, sondern auf Verdeih und Verderb vom Erfolg des Unternehmens abhängig ist und bis Laufzeitende dabei bleiben muss.

Bäume wachsen eben nicht mal schnell in den Himmel, sondern es vergehen Jahre und Jahrzehnte. Nur mit sehr viel Wohlwollen kann ein Anleger sich ausmalen, dass seine Einlage dann nach zehn Jahren oder mehr auch wirklich zurückgezahlt wird. Gibt es dann den Emittenten überhaupt noch? Wie haben sich bis dahin die Holzpreise entwickelt? Ist die Holzart meines Investments überhaupt noch im Trend? Wie sind überhaupt die topografischen und politischen Gegebenheiten in dem Land, in dem meine Baumplantagen liegen? Meist in Südamerika oder der Karibik, oder auch wie hier in Panama, wo niemand weiß, wie die Zukunft sich entwickelt? Alles Fragezeichen, die Ihnen bei Vertragsabschluß niemand beantworten kann. Da merkt selbst der unerfahrenste Anleger, dass solch ein Investment eigentlich ein „Überraschungs-Ei“ oder von Anfang an eine „Mogelpackung“ ist. Der „grüne Gedanke“ als überzeugendes Argument allein reicht nicht aus, denn auch eine Gebührenstruktur, bei Banken Agio genannt, von bis zu 5% auf die Einlage, sind Kriterien, die eine Anlage in Holzinvestments dieser Art eher unwahrscheinlich machen. So kommt es nicht von ungefähr, dass Kritiker und kritische Anleger immer wieder von falschen und unrealistischen Renditeberechnungen sprechen.