DIE CAUSA SAL. OPPENHEIM

Mehr als 200 Jahre Tradition, 5000 Kunden aus den feinsten Kreisen der Republik, 137 Milliarden Euro verwaltetes Vermögen: Europas größte Privatbank. Und die gab es für läppische 1,3 Milliarden Euro. Der frühere Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann (68) glaubte an eine günstige Okkasion, als er 2010 das Kölner Bankhaus Sal. Oppenheim übernahm — und so vor dem Untergang bewahrte.

Knapp sieben Jahre später hat sich das Schnäppchen als Milliardengrab entpuppt. Von den Synergien, den tollen neuen Kunden und den Gewinnen, von denen Ackermanns Mannen damals fabulierten, ist nichts geblieben.

Die Verantwortlichen von Sal. Oppenheim rund um Ex-Boss Matthias Graf von Krockow (67) haben den Deutschbankern statt einer stolzen Privatbank einen Haufen weitgehend wertlosen Papiers vermacht. Mitverantwortlich dafür war von Krockows Kumpan Josef Esch (60). Der Maurerpolier aus dem rheinischen Troisdorf hatte gemeinsam mit dem feinen Geldhaus Dutzende geschlossener Immobilienfonds der Marke Oppenheim-Esch aufgelegt – die zum Teil verheerend performten.

Dieses konzertierte kommerzielle Versagen schädigt bis heute nicht nur die Aktionäre der Deutschen Bank. Es brachte auch die einst 40 Oppenheim-Eigner um große Teile ihres Vermögens und riss zwei ihrer langjährigen Geschäftsfreunde ins Unglück: die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz (73) und den Ex-Chef von Bertelsmann und Arcandor, Thomas Middelhoff (63). Unternehmerclans mit so klangvollen Namen wie Schwarz-Schütte, Deichmann oder Benteler bescherten die Machenschaften ebenfalls empfindliche Verluste.

Nicht in jedem Fall ist Mitleid mit der entreicherten Klientel angebracht. In ihrer Gier nach Rendite und Steuerersparnis ließen viele der Geschädigten kaufmännische Sorgfalt und Vorsicht völlig außer Acht.

Spätere Klagen konnten das Geld nur zum Teil zurückbringen. Schickedanz‘ Versuch, fast zwei Milliarden Euro zu erstreiten, mündete unlängst in einem außergerichtlichen Vergleich: Sie wird künftig immerhin über ein dreistelliges Millionenvermögen verfügen. Vom Einkaufen beim Discounter, wie sie 2009 in einem Zeitungsinterview barmte, bleibt sie also verschont.

Geschädigte überall – nur die Hauptverantwortlichen, von Krockow, Esch sowie Ex-Geschäftsführer Christopher Freiherr von Oppenheim (51) und der ehemalige Aufsichtsratschef Georg Baron von Ullmann (63), kamen bisher ziemlich ungeschoren davon. Was hat die Politik damit zutun?

Sie pflegen ihre Hobbys, verwalten ihr nach wie vor beträchtliches Restvermögen und jetsetten um die Welt — es gibt unangenehmere Formen des Zeitvertreibs für Beinahepleitiers. Das süße Leben der Versager — fast ein Skandal im Skandal. Doch noch sind in der Oppenheim-Saga die letzten Prozesse nicht ausgestanden.

Gehilfe MATTHIAS GRAF VON KROCKOW

Oktober 2016, Landgericht Köln: Als die Richterin die Personalien des Zeugen abfragt, ist der nur halb bei der Sache. Er nestelt an seinem Sakko herum und zieht sein Handy heraus. Die Vorsitzende stutzt. Er wolle das Gerät noch abschalten, sagt Matthias Graf von Krockow, fummelt ratlos am Mobiltelefon herum und gibt es dann seinem Anwalt. Der lässt es in seiner Aktentasche verschwinden. Eine halbe Stunde später, die Vernehmung des Zeugen ist in vollem Gange — es geht um 60 Millionen Euro —, klingelt es laut aus der Mappe des Advokaten.

Vor Gericht wirkt von Krockow wie aus der Zeit gefallen. Mal fahrig, dann wieder schnoddrig oder achselzuckend reagiert er auf Fragen. Ob hier im Zivilverfahren oder als Angeklagter im 2015 beendeten Strafprozess: Wer dem massigen Mann zuhört, versteht, warum Europas größte Privatbank unter ihm fast pleiteging.

Unfähigkeit ist nicht strafbar, vorsätzliche Schädigung schon. Im Strafprozess am Landgericht Köln, in dem sich von Krockow, von Oppenheim, Esch und zwei weitere Ex-Bankmanager wegen schwerer Untreue und Beihilfe verantworten mussten, wurde der Graf im Sommer 2015 nach 128 Verhandlungstagen zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt — einen Tag mehr und er hätte einsitzen müssen.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Ebenso wie drei der vier anderen wegen Untreue Verurteilten hat von Krockow Revision eingelegt. Sein Anwalt ließ einen Fragenkatalog bis Redaktionsschluss unbeantwortet.

Ehe der Grafin der Revision möglicherweise erneut in einen Gerichtssaal muss lässt er es sich gut gehen, wenngleich etwas weniger feudal als früher. Heute fliegt er Linie, wo er früher gern mit den Privatjets der eigenen Luftlinie Challenge Air abhob.

So wird von Krockow immer mal wieder auf Ibiza gesichtet, wo er eine Villa besitzt und sich gern unter die Strandschönheiten mischt. Seine Nachbarn dort? Schwager von Ullmann und Ex-Partner Esch. Oder er weilt auf seinem Anwesen in den Hamptons, dem Refugium des New Yorker Geldadels. Der Graf ist Mitglied im lokalen Golfklub Maidstone, einem der feinsten Amerikas.

Daheim in Köln, wo er ganz bürgerlich zur Miete wohnt – sein Vermieter heißt übrigens Josef Esch , erzählte er herum, wie er mitten im US-Wahlkampf mit Donald Trump (70) gespeist habe.

Sein Leben ist sicher nicht mehr so ausschweifend wie früher. Die Kölner Partys der Oppenheim-Clique waren einst ebenso legendär wie deren sommerliche Poloturniere auf Sylt. Das Vermögen, das von Krockow geblieben ist, soll sich im zweistelligen Millionenbereich bewegen. Es reicht mithin für die dringendsten Bedürfnisse. Vorausgesetzt, er darf die Restmillionen behalten.

Denn er steht bei seinem Ex-Arbeitgeber in der Kreide. 64 Millionen Euro, die er sich bei Sal. Oppenheim geliehen hat, fordert die Deutsche Bank zurück. Die ehemalige Führung und ihre Familien hatten das eigene Institut dreist angepumpt — zum Minizins und ohne hinreichende Sicherheiten. Bei der Übernahme durch die Frankfurter waren sie intern mit mehr als 800 Millionen Euro verschuldet. In erster Instanz hat die Bank gegen von Krockow obsiegt, nun liegt der Fall beim Oberlandesgericht.

Doppelt so teuer könnte den Grafen eine Regressforderung der Deutschen Bank kommen. Nach dem Schuldspruch im Strafverfahren verlangt sie 120 Millionen Euro, um den Schaden auszugleichen, den von Krockow laut erstinstanzlichem Urteil als Bankchef bei einigen Geschäften angerichtet hat.

Wenn er schon zahlen soll, dann aber nicht allein, mag sich von Krockow denken: Also hat er seinen Ex-Kollegen den Streit verkündet, wie Juristen sagen. So könnte er sie bei einer Niederlage zur Kasse bitten; auch Christopher Freiherr von Oppenheim müsste wohl zahlen.

Nestbeschmutzer CHRISTOPHER FREIHERR VON OPPENHEIM?

Dass er nicht zum Bankier geboren war, erkannte Christopher von Oppenheim zu spät. Weil er dem 2005 verstorbenen Vater Alfred („Alfie“) nicht widersprechen mochte, trat er brav das unternehmerische Erbe an. Als Privatgelehrter wie Vorfahr Max von Oppenheim (1860 bis 1946), der weiland in Mesopotamien den aramäischen Fürstenpalast Tell Halaf ausgrub (einige seiner Funde schmücken heute das Pergamonmuseum in Berlin), wäre der Bücherliebhaber wohl glücklicher geworden.

Im Strafprozess war der Namensträger der großen Bankiersfamilie der Einzige, dessen Reue überzeugte. Doch der Freiherr zeichnete ein erschreckendes Bild vom eigenen Wirken: mangelndes Risikobewusstsein, keine klare Trennung von Privat- und Bankinteressen, null Widerstand gegen das rustikale Duo Esch/von Krockow — und all das gepaart mit Pomadigkeit.

Einen Blackberry (das iPhone war 2005 noch nicht erfunden) sparte sich der persönlich haftende Gesellschafter, weshalb ihn viele Nachrichten erst mit Tagen Verzögerung erreichten. Und als ihn Richterin Sabine Grobecker (54) fragte, warum es denn im Herbst 2008, in der bis dato größten Krise des Geldhauses, kaum persönliche Treffen der Partner gegeben habe, wand er sich in Ausflüchten. Risikochef Friedrich Carl Janssen (72) sei meist am neuen Firmensitz in Luxemburg gewesen, von Krockow bei der Tochter BHF in Frankfurt und er selbst in Köln: „Da ist das mit einem gemeinsamen Mittagessen nicht so leicht.“

Gesellschaftlich scheint von Oppenheim den Abstieg vom Bankier zum Privatier verkraftet zu haben. In Köln ist er nach wie vor präsentabel, wird immer mal wieder in teuren Restaurants gesichtet. In der Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer zu Köln sitzt er zwar nicht mehr. Aber er ist Mitglied im Großen Senat, einem Honoratiorenverein erster Güte, der Kölns wichtigstes Netzwerkevent unterstützt: den Karneval.

Angedockt hat er beim Landert Family Office, das lange mit dem Bankhaus verbunden war. Bis 2014 blieb von Oppenheim der Firma als Verwaltungsrat treu, eine Beteiligung hält er bis heute. Das Kölner Büro des Vermögensverwalters, das zwei Ex-Sal.-Oppenheim-Manager leiten, befindet sich im selben Haus wie von Oppenheims Privatkontor.

Bedarf an Portfoliomanagement dürfte es genug geben. Gattin Gabriele, eine Autonärrin und Hobbyrennfahrerin, ist eine geborene Mittelsten Scheid: Ihrem Clan gehört Vorwerk, der Hersteller des Staubsaugers Kobold und der Küchenmaschine Thermomix. Der setzte zuletzt satte 3,5 Milliarden Euro um und boomt.

Feigling GEORG BARON VON ULLMANN?

Am glimpflichsten kam Georg von Ullmann davon. Nerviges Bankdrücken in Gerichtssälen blieb ihm erspart — bisher. Dabei war der Baron, der mit einem Anteil von 30 Prozent den mächtigsten Eignerstamm anführte, seit 2005 Chef des Aufsichtsrats. Er hätte also das riskante Wirken seiner geschäftsführenden Verwandten einhegen müssen.

Aber auch von Ullmann steckte tief in Eschs Unterholz. Ein krasser Fall von Interessenkollision zulasten der Bank holt ihn nun doch noch ein. 2007 hatte ein Privatfonds, an dem neben von Krockow, von Oppenheim und Esch auch von Ullmann beteiligt war, eine Büroimmobilie in Frankfurt für 51 Millionen Euro gekauft. Als der Plan, das hauseigene Investmentbanking zum Mieter zu machen, wegen der Finanzkrise nicht mehr aufging, reichten die Eigner den Bau 2008 einfach ans eigene Bankhaus weiter, für 123 Millionen Euro – eine besonders kommode Form, ein privates Risiko zu entsorgen.

In den Augen der Staatsanwaltschaft hätte der Oberaufseher von Ullmann den Deal mit seinem Fonds stoppen müssen. Da er das nicht tat, habe er sich der Untreue durch Unterlassen schuldig gemacht. Der Baron weist die Vorwürfe zurück. Nun muss er sich in einem Strafprozess verantworten. Von Ullmanns Anwalt mochte sich auf Anfrage nicht äußern.

Seine Aussichten auf einen Freispruch stehen nicht zum Besten. Für dasselbe Geschäft sind bereits von Krockow und von Oppenheim schuldig gesprochen worden — von derselben Richterin, die auch von Ullmanns Prozess führen wird.

Bis der beginnt, widmet sich der Adlige seinen Hobbys. Die Zigarrenmanufaktur in der Dominikanischen Republik, die für seine eigene Marke Baron Ullmann Cigars (Claim: „Das Beste vom Besten“) fertigt, besitzt er mit einem Partner noch immer. Und auch das Gestüt Schlenderhan in Quadrathlchendorf nahe Köln ist dem Pferdefan geblieben.

Der Hintermann JOSEF ESCH

Gleich nach der Sal.-Oppenheim-Übernahme hatten die Deutschbanker versucht, die Beziehungen zu Josef Esch zu kappen. Viele sehen in ihm den Spiritus Rector jener fatalen Deals, die das Geldhaus ins Verderben rissen: immer größere Immobilienfonds, zu 100 Prozent auf Pump finanziert – und der Plan, Karstadt-Quelle (später Arcandor) an sich zu reißen und zu filetieren.

Die Trennung von Esch erwies sich für die Deutsche Bank als kompliziert. Sal. Oppenheim war über zahlreiche Deals und Untergesellschaften heillos in Eschs Universum verheddert. Ohne sein Herrschaftswissen wären die neuen Eigner in vielen Rechtsstreitigkeiten aufgeschmissen gewesen. So pflegte man nolens volens weiterhin Umgang mit ihm.

Seine Ex-Partner hingegen haben gar nicht erst versucht, mit Esch zu brechen. So sind von Krockow und von Ullmann nach wie vor neben Esch Besitzer der Privatfluglinie Challenge Air. Deren Flotte ist zwar von vier Jets auf einen geschrumpft. Die verbliebene Challenger CL 604 bietet aber laut Firmenwebsite immerhin auch noch „jeden erdenklichen Komfort“.

Ullmann Krockow Esch sind zudem offenbar Eigentümer weitläufiger Liegenschaften auf Ibiza. Von den 372 000 Quadratmetern eines Villenviertels besitzen laut einer Eigentümerliste aus dem Jahr 2015 die Ullmann Krockow Esch GbR sowie Eschs Gattin Irma (75), von Krockow und von Ullmann fast 20 Prozent. Bei einem Quadratmeterpreis von 500 Euro wären die Parzellen 35 Millionen Euro wert. Die Villen der drei stehen samt Gästehaus kuschelig nebeneinander, verbunden von einer Ringstraße, die lästigen Durchgangsverkehr fernhält.

Bisher musste Esch um sein Idyll nie bangen. Aus dem Strafprozess spazierte er gegen eine Geldauflage von sechs Millionen Euro und eine Strafe von 495 000 Euro hinaus, während die anderen vier Angeklagten zu Haftstrafen verurteilt wurden, drei davon auf Bewährung.

Ob Esch weiterhin ungeschoren bleibt, dürfte sich dieses Jahr erweisen. Verärgerte Fondszeichner wie die Schuhsippe Deichmann oder der Industrielle Hubertus Benteler (70) haben sich nach diversen Zivilprozessen mit der Deutschen Bank verglichen. Nicht aber mit Esch.

Intern ließ der bereits Ende 2015 prüfen, was ihn all das kosten könnte. Seine Anwälte bezifferten den Rückstellungsbedarf auf einen hohen zweistelligen Millionenbetrag. Gut 40 Millionen davon betrafen indes den Fall Schickedanz, der nun abgeschlossen ist. Ein Sprecher Eschs streitet auf Anfrage eine solche Kalkulation ab.

Schlimmer als ein Vermögensverlust wäre für Esch eine Verurteilung im nächsten Strafprozess. Der dürfte im Frühjahr beginnen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Untreue und Beihilfe dazu sowie Bestechung vor. Esch weist die Vorwürfe zurück.

Es geht um seine Verquickung mit der Sparkasse KölnBonn (SKB) beim Bau von Filmstudios in KölnOssendorf und Messehallen im Stadtteil Deutz. Ein Kernvorwurf: Der Immobilienmann soll dem Geldinstitut 9,9 Millionen Euro zugeleitet haben, damit Ex-Sparkassenchef Gustav Adolf Schröder (73) dafür sorgte, dass Esch an den Messeauftrag kam. Gelenkt worden sein sollen die Geldflüsse mittels Briefkastenfirmen und Scheingeschäften.

Ohne die Hilfe der SKB hätten viele von Eschs Plänen kaum funktioniert. Die Sparkasse besorgte Grundstücke, beschaffte Mieter oder mietete selbst und reichte Kredite an Fondszeichner aus – gut zwei Milliarden Euro.

Die Ermittler beziffern den strafrechtlich relevanten Schaden für die SKB aus den Esch-Deals für die Jahre 1997 bis 2010 auf mehr als 80 Millionen Euro. Auch Schröder und ein weiterer Ex-SKB-Manager sind angeklagt. Sie weisen die Vorwürfe zurück.

Dass ihm eine Haftstrafe drohen könnte, dürfte Esch bewusst sein. Sein ehemaliger Geschäftsfreund Middelhoff wurde wegen Untreue im Umfangvon nur 500 000 Euro zu drei Jahren Gefängnis verurteilt.

Thomas Middelhoff in der Rolle des Einfaltspinsels

Der ehemalige Arcandor-Chef ist am tiefsten gefallen. Noch im Gerichtssaal verhaftet, die Gesundheit im Gefängnis ruiniert, Privatinsolvenz, in Scheidung lebend — aus dem Topmanager mit Motorjacht und Villa in Saint-Tropez ist ein gebrochener Mann geworden.

Als Freigänger verbüßt er seine Strafe in der Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Senne, ein paar Kilometer von daheim entfernt. Tagsüber arbeitet er als Hilfskraft in einer Behindertenwerkstatt der von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel, für knapp 1800 Euro brutto im Monat.

Middelhoff, der früher weit mehr als das Hundertfache verdiente, darf vom Nettolohn keinen Cent behalten: 200 Euro führt er monatlich als Unterkunftszuschuss an die Justiz ab, der Rest geht an den Insolvenzverwalter.

Einziger Lichtblick: Wenn Middelhoff sich weiterhin gut führt, kann er ab Juni 2017 mit dem Erlass seiner verbleibenden Haftstrafe rechnen – mit der Aussicht auf einen Lebensabend in Freiheit, aber auch in Bescheidenheit.

Als er vor mehr als einer Dekade in die Fänge von Sal. Oppenheim und Esch geriet, war er mit einer zweistelligen Millionenabfindung aus seiner Zeit als Bertelsmann-Chef und satten Einkünften aus seiner Londoner Tätigkeit beim Private-Equity-Fonds Investcorp ein gemachter Mann. Fast all sein Geld, das seiner Ehefrau Cornelie (64) und obendrein geliehenes floss in Immobilienfonds, an denen Esch und Co. prächtig verdienten – die sich aber später meist als weit weniger werthaltig erwiesen.

Zudem lockte die Korona den gefallsüchtigen Middelhoff zu KarstadtQuelle. Für eine dreistellige Millionenprämie sollte er der Oppenheim-Esch-Clique und ihrer Kundin Madeleine Schickedanz helfen, den Handelskonzern gewinnbringend zu zerlegen.

Der wurde erst in Arcandor umfirmiert und ging zwei Jahre später pleite. Middelhoff musste vor Gericht, weil er mit Firmengeldern großzügiger umgegangen war als erlaubt. Einmal ist er schon verurteilt worden, ein zweites Verfahren wegen angeblich ungerechtfertigt erhaltener Bonuszahlungen beginnt bald.

Middelhoff und seine Frau verklagten Sal. Oppenheim auf Schadensersatz. Während das von Cornelie Middelhoff angestrengte Verfahren noch läuft, einigte sich ihr Ehemann vor einigen Monaten mit der Deutschen Bank. Wie nun auch Madeleine Schickedanz.

Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz blöd oder naiv?

Für die Kölner Bankiers und ihren Helfer Esch erwies sich Madeleine Schickedanz als eine ideale Zielperson: Die Erbin des Fürther Versandhauses Quelle war geschäftlich unerfahren bis zur Naivität, völlig arglos gegenüber vorgeblichen Freunden — zugleich aber nicht uninteressiert daran, noch reicher zu werden. Und so vertraute sie der Kölner Mischpoke ihr Milliardenvermögen an.

Mit der Arcandor-Pleite 2009 war Schickedanz plötzlich – an Milliardärsmaßstäben gemessen – verarmt, sah sich überdies Forderungen in dreistelliger Millionenhöhe gegenüber. Auf ihren umfangreichen Immobilienbestand hatten sich die Bankiers noch im Niedergang von Arcandor Zugriff verschafft. Die Angst der verwöhnten Kaufmannstochter war, Privatinsolvenz anmelden zu müssen und vollends vom dritten Gatten Leo Herl (73) abhängig zu sein.

Mehr als sieben Jahre lebte sie mit dieser Bedrohung. Erst kurz vor Weihnachten 2016 gelang es mithilfe des Mediators Clemens Vedder (69), einen Vergleich zu erzielen, der ihr einen standesgemäßen Lebensabend garantiert.

Ihr wird zunächst ein Vermögen von etwa 70 Millionen Euro belassen. Ihre Beteiligungen an zwei Kölner Immobilienfonds kauft Sal. Oppenheim zurück. Zudem behält Schickedanz zwei Immobilien vor den Toren Nürnbergs — ihr Elternhaus in Hersbruck und eine Villa im nahen Zirndorf, in der ihr Ehemann Nummer zwei, der ehemalige Quelle-Chef-Wolfgang Bühler (84), lebenslanges Wohnrecht hat.

Auch die übrigen Immobilien sind nicht verloren, Vedder als Verwertungsbeauftragter soll sie binnen zwei Jahren verkaufen. Die etwa 100 Objekte liegen teilweise in Gesellschaften, an denen Schickedanz Anteile besitzt. Der Verkehrswert wird bei der Deutschen Bank aufmehr als eine halbe Milliarde Euro geschätzt. Schickedanz bekommt vom Erlös rund ein Fünftel, das Geldhaus den Rest.

Bis zum Vergleich war es ein weiter Weg. Zunächst stellte sich die Bank stur. Weil Verjährung drohte, verfertigten Schickedanz‘ Anwälte, ihre langj ährige Nürnberger Sozietät Beisse & Rath und die Kölner Kanzlei Ringstmeier & Kollegen, Ende 2011 eine Klageschrift, die sie erst einmal der Bank übersandten. Auf gut 130 Seiten zeichneten sie das Bild einer Frau, die benutzt, drangsaliert, getäuscht und betrogen worden war.

Der Schriftsatz las sich wie ein Thriller, warf aber die Frage auf, ob sich Schickedanz tatsächlich alle Dispositionen über ihr Vermögen hatte abnehmen lassen — als wehr- und willenloses Opfer.

Im Mai 2012, die Bank zeigte sich immer noch unbeeindruckt, wurde beim Landgericht Köln Klage eingereicht — gegen Sal. Oppenheim und 13 andere Beteiligte aus dem Dunstkreis des Instituts. Schickedanz forderte 1,2 Milliarden Euro Schadensersatz plus die Negativfeststellung, dass sie 700 Millionen Euro an Krediten nicht zurückerhält.

 

 

Zircon Invest GmbH

Der Tipp zur Zircon Invest GmbH stammt von einer aufmerksamen Leserin: Da wird der alte Vorstand der Berliner Zircon Invest GmbH aus dem Amt gejagt, und schon taucht eine neue Gestalt am Horizont der Firmenleitung auf: Oliver Halbach, seines Zeichens Geschäftsführer und „Mann der Praxis“. Tatsächlich macht er viel, fährt offensichtlich mehrgleisig und wird ebenfalls als Geschäftsführer einer Firma Selandia Finanz GmbH aus Berlin, geführt. Auch mit derselben Adresse wie Zircon Invest, nämlich Bauhofstrasse 1, in 10117 Berlin. Merkwürdig: Ein Geschäftsführer, der eingestellt wird, um den Karren aus dem Dreck zu ziehen, den ein Andreas Greiling mit Mißmanagement dorthin befördert hatte. Wie kann der gute Mann, also O. Halbach, sich auf die Führung zweier unterschiedlicher Unternehmen konzentrieren, wo das Image der Zircon Invest bereits arg ramponiert ist? Eigentlich geht das nicht. Sucht man dann weiter, um etwas mehr über O. Halbach zu erfahren, findet man bei „Linked-in“ ein Profil mit der Information, dass er aktuell Geschäftsführer von Selandia ist.

Kein Wort zu Zircon Invest, wo er erst im vergangenen Jahr als Geschäftsführer eingestellt wurde. Dass die sozialen Netzwerke ein wichtiger Bestandteil der Firmenpräsentation sind, scheint zu dem guten Mann bis dato nicht durchgedrungen zu sein. Bedingt durch seine Doppelfunktion ist ihm vielleicht ja auch keine Zeit geblieben, um seine eigene Webpräsenz einmal zu ordnen. Allerdings: um ein Top-Manager zu sein, braucht es schon etwas mehr, als nebulöse Strukturen und undurchsichtige Managementaufgaben hinter sich herzuziehen. Kein Wunder, dass sich Kunden der Zircon Invest, die ärgerlicherweise in ein Nachrangdarlehen der Firma investiert haben, sich sehr besorgt im „Netz“ äußern. Die Angst geht um, dass die Zircon Invest GmbH ihren Rückzahlungs-Verpflichtungen nicht nachkommt. Und dass ein Manager mit Mehrfachbelastung seinen Aufgaben nicht gewachsen ist. Kein schönes Gefühl für Anleger, die täglich in den Medien über Veruntreuung und Betrug und Firmenpleiten lesen können.

Da ist es nicht überraschend, dass sich auch Rechtsanwälte, wie der erfolgreiche Anlegeranwalt Seimetz, für das Geschäftsmodell der Zircon Invest interessieren und ihre Dienste anbieten, wenn es um das Thema „arglistige Täuschung“ oder nicht erfolgte Rückzahlung von Zinsen oder Einlage geht. Dass der dubiose Rechtsanwalt Resch mit seinen Resch Rechtsanwälten noch nicht darüber berichtete, ist selten wie verwunderlich. Das Unternehmen zahlt utopische Zinsen in Höhe von 10% p.a. auf die Einlage, da kann man sich gut vorstellen, dass es da hin und wieder zu einem Zahlungsverzug kommt. Und überhaupt: Wer mit solch einer schlechten Webpräsenz „glänzt“ und meint, er müsse mit Kundengeldern seine operativen Geschäftstätigkeiten im Immobilien- und Bau-Business finanzieren, dem bleibt ja bald gar nichts anderes übrig, als mit überhöhten und völlig unrealistischen Zinsversprechen neue Investoren zu gewinnen. Darum sei jedem geraten, bevor er irgendwo Geld anlegt, erst einmal kurz in den Suchmaschinen zu stöbern. Das kann einem hin und wieder im letzten Moment die Augen öffnen.

ZIRCON INVEST GMBH: NEBULÖSE MANAGEMENT- UND UNTERNEHMENSSTRUKTUREN

Der Tipp zur Zircon Invest GmbH stammt von einer aufmerksamen Leserin: Da wird der alte Vorstand der Berliner Zircon Invest GmbH aus dem Amt gejagt, und schon taucht eine neue Gestalt am Horizont der Firmenleitung auf: Oliver Halbach, seines Zeichens Geschäftsführer und „Mann der Praxis“. Tatsächlich macht er viel, fährt offensichtlich mehrgleisig und wird ebenfalls als Geschäftsführer einer Firma Selandia Finanz GmbH aus Berlin, geführt. Auch mit derselben Adresse wie Zircon Invest, nämlich Bauhofstrasse 1, in 10117 Berlin. Merkwürdig: Ein Geschäftsführer, der eingestellt wird, um den Karren aus dem Dreck zu ziehen, den ein Andreas Greiling mit Mißmanagement dorthin befördert hatte. Wie kann der gute Mann, also O. Halbach, sich auf die Führung zweier unterschiedlicher Unternehmen konzentrieren, wo das Image der Zircon Invest bereits arg ramponiert ist? Eigentlich geht das nicht. Sucht man dann weiter, um etwas mehr über O. Halbach zu erfahren, findet man bei „Linked-in“ ein Profil mit der Information, dass er aktuell Geschäftsführer von Selandia ist.

Kein Wort zu Zircon Invest, wo er erst im vergangenen Jahr als Geschäftsführer eingestellt wurde. Dass die sozialen Netzwerke ein wichtiger Bestandteil der Firmenpräsentation sind, scheint zu dem guten Mann bis dato nicht durchgedrungen zu sein. Bedingt durch seine Doppelfunktion ist ihm vielleicht ja auch keine Zeit geblieben, um seine eigene Webpräsenz einmal zu ordnen. Allerdings: um ein Top-Manager zu sein, braucht es schon etwas mehr, als nebulöse Strukturen und undurchsichtige Managementaufgaben hinter sich herzuziehen. Kein Wunder, dass sich Kunden der Zircon Invest, die ärgerlicherweise in ein Nachrangdarlehen der Firma investiert haben, sich sehr besorgt im „Netz“ äußern. Die Angst geht um, dass die Zircon Invest GmbH ihren Rückzahlungs-Verpflichtungen nicht nachkommt. Und dass ein Manager mit Mehrfachbelastung seinen Aufgaben nicht gewachsen ist. Kein schönes Gefühl für Anleger, die täglich in den Medien über Veruntreuung und Betrug und Firmenpleiten lesen können.

Da ist es nicht überraschend, dass sich auch Rechtsanwälte, wie der erfolgreiche Anlegeranwalt Seimetz, für das Geschäftsmodell der Zircon Invest interessieren und ihre Dienste anbieten, wenn es um das Thema „arglistige Täuschung“ oder nicht erfolgte Rückzahlung von Zinsen oder Einlage geht. Dass der dubiose Rechtsanwalt Resch mit seinen Resch Rechtsanwälten noch nicht darüber berichtete, ist selten wie verwunderlich. Das Unternehmen zahlt utopische Zinsen in Höhe von 10% p.a. auf die Einlage, da kann man sich gut vorstellen, dass es da hin und wieder zu einem Zahlungsverzug kommt. Und überhaupt: Wer mit solch einer schlechten Webpräsenz „glänzt“ und meint, er müsse mit Kundengeldern seine operativen Geschäftstätigkeiten im Immobilien- und Bau-Business finanzieren, dem bleibt ja bald gar nichts anderes übrig, als mit überhöhten und völlig unrealistischen Zinsversprechen neue Investoren zu gewinnen. Darum sei jedem geraten, bevor er irgendwo Geld anlegt, erst einmal kurz in den Suchmaschinen zu stöbern. Das kann einem hin und wieder im letzten Moment die Augen öffnen.

7×7 AUS BONN SCHÜTTET AUS, ABER NUR FÜR ANWÄLTE

In der Finanzbranche gibt es die Experten, die aus wenig Kapital sehr viel machen und es gibt die jenigen, die das Gegenteil bewirken – nämlich Anlegergelder verbrennen oder verprassen. Zu welcher Sorte gehört Westfale Andreas Mankel und sein 7×7 Firmengestrüpp? Fraudanwalt berichtet über die hochriskanten Geldanlagen, die Mankel & Friends konzipieren. Die Redaktion stellte auch eine direkte Anfrage an Schwätzer Woltiri, den Pressemanager der 7×7 Unternehmensgruppe und bat um die Beantwortung von Fragen im Anlegersinne, denn jeder Anleger dürfte erfahren – wohin seine Gelder versickern – fraudanwalt berichtete.

Listige Methoden von 7×7 Unternehmensgruppe – aber trotzdem keine Löschung

Der Name der internationalen Kanzlei Flick Gocke Schaumburg mit Sitz im feudalen Bürokomplex in der Friedrich-Ebert-Allee 13 in Bonn, ist vielen ein Begriff. Die Kanzlei steht für Glaubwürdigkeit, Seriosität und die Durchsetzung der Mandanteninteressen. Jedoch handelt der Kanzleianwalt Dr. Carsten Quilitzsch mutmaßlich nicht nach diesen Grundsätzen. Listig versuchte er über scheinbar illegale Methoden eine Löschung der kritischen Berichte über das 7×7 Gestrüpp zu erreichen. In einer Mail an die Redaktion gab er sich nicht als Anwalt zu erkennen, sondern gab sich als ein von 7×7 Geschädigter aus, um auf diesem Weg auf die Berichterstattung Einfluss zu nehmen. Erfolglos, denn Fraudanwalt ist ehrlich, unbequem und vor allem unbestechlich!

Dr. Carsten Quilitzsch’s Honorar durch 7×7-Anlegergelder finanziert?

Dr. Carsten Quilitzsch ist dem Anschein nach ein Advokat, den es nicht interessiert, aus welchen Kassen sein Honorar gezahlt wird – egal ob seine Mandanten gewinnen oder verlieren – er, Dr. Carsten Quilitzsch von der Kanzlei Flick Gocke Schaumburg, verdient immer. Der 7×7 Unternehmensgruppe kritisch gegenüber stehende Insider, berichten in mehreren EMails an die Redaktion Fraudanwalt, dass Andreas Mankel nicht nur für Anwälte, sondern hauptsächlich für Werbung und sein Gehalt (ca. 150.000 € berichtet ein Mitarbeiter) das Anlegergeld verprasst. Wen wundert es noch, dass jedes Jahr aufs neue seine Unternehmen aus der 7×7 Unternehmensgruppe nur rote Zahlen schreiben? Plant Mankel vielleicht ein großes Ding, wie die Frankfurter Immobilienbetrüger S & K oder ist er nur ein gescheiterter Manager, der Anlegergelder in alles investiert – außer werthaltige Geldanlagen? Eines lässt sich feststellen: er gehört nicht zu der eingangs erwähnten Gattung von Finanzgurus, die aus wenig Geld viel machen… Die Redaktion bleibt dran.

BMWI UND KFW GEMEINSAM GEGEN DEN KLIMAWANDEL

Liebe fraudanwalt Leser, mal angenommen, Sie kaufen in einer Bäckerei ein Stück Apfelkuchen für 2,50 Euro. Haben Sie einmal bedacht, wie viel Sie für die Energie bezahlen, die der Bäcker für das Kuchenstück aufgewendet hat? Wirtschaftsprüfer von PricewaterhouseCoopers haben einmal verschiedene Mittelständler gebeten, den Anteil der Energiekosten an ihren Produkten und Dienstleistungen zu überschlagen. Die Spannbreite war hoch, doch im Durchschnitt kamen die Unternehmer auf 21 Prozent vom Bruttoverkaufspreis. Im Falle des Apfelkuchens wären das 49 Cent. Was für ein Stück Kuchen überschaubar klingt, summiert sich auf der Energiekostenrechnung des Bäckers zu vielen tausend Euro im Jahr — und schmälert seinen Gewinn. Dabei wäre ein Teil dieser Kosten zu vermeiden.

Ob Maschinen, Prozesse oder Gebäude – in Unternehmen verstecken sich zahlreiche Energiefresser. Oder andersherum: Es warten diverse Energiesparpotenziale darauf, entdeckt und genutzt zu werden. Doch viele Firmenchefs zögern noch, wie eine Sonderauswertung des KfW-Mittelstandspanels zeigt: Nur ein Drittel der Unternehmer mit weniger als zehn Beschäftigten haben zwischen 2012 und 2015 in Efflzienzmaßnahmen investiert. Bei Unternehmen mit bis zu 50 Beschäftigten sind es 48 Prozent.

Vor allem kleinere Unternehmen scheuen die Kosten einer energetischen Modernisierung. Oft übersehen sie dabei, dass Investitionen sich dank niedriger Zinsen und hoher Tilgungszuschüsse schon nach wenigen Jahren rechnen können. Große Unternehmen zeigen sich dagegen investitionsfreudiger: 61 Prozent haben bereits erfolgreich in Energieeffizienz investiert. Hier rechnet die KfW mit weiteren Impulsen. Denn seit Juli 2015 fällt die Umsatzgrößenbeschränkung für das KfW-Energieeffzienzprogramm weg.

Seitdem stehen viele Förderprodukte auch großen Unternehmen zur Verfügung. Wer zum Beispiel in energieeffziente Anlagen, Maschinen oder Prozesse investiert, kann bereits ab einer zu erwartenden Energieeinsparung von 10 Prozent eine KfW-Förderung in Anspruch nehmen. Vor allem Motoren, Druckluftanlagen, Pumpen sowie Steuer- und Regelungstechnik bergen hohe Einsparpotenziale. Auch Investitionen in Gewerbeimmobilien lohnen sich. Von Einzelmaßnahmen wie der Dämmung der Gebäudehülle oder dem Einsatz effizienter Heiz- oder Lüftungssysteme über die Sanierung zum KfW-Effizienzhaus bis hin zum Neubau im Effizienzhaus-Standard, je nach Ausgangszustand lassen sich bis zu 80 Prozent Energie einsparen. Bei all diesen Maßnahmen gilt stets: Je höher der angestrebte energetische Standard, desto höher die Tilgungszuschüsse. Im Gebäudebereich sind bis zu 17,5 Prozent der Kreditsumme möglich. Neu im Programm der KfW-Unternehmensfinanzierung ist das KfW-Energieeffzienzprogramm Abwärme, gefördert durch das BMWi. Mit ihm wendet sich die KfW seit Mai 2016 einem Bereich zu, der besonders hohe Sparpotenziale aufweist. In der Industrie macht die Prozesswärme rund zwei Drittel des Gesamtenergiebedarfs aus. Es ist Energie, die nach einmaliger Nutzung meist verlorengeht. Wer in Anlagen investiert, die diesen Verlust minimieren oder dabei helfen, die Abwärme weiterzunutzen, kann von Tilgungszuschüssen von bis zu 50 Prozent profitieren.

Im Beispiel des Bäckers bedeutet das: Investitionen von rund 100.000 Euro könnten ihm helfen, rund 13.000 Euro Energiekosten im Jahr zu sparen. Bei 40 Prozent Tilgungszuschüssen – ein realistisches Szenario — rechnet sich die Investition schon nach etwa sechs Jahren. Ein wichtiger Beitrag zur Energiewende bleibt sie weit darüber hinaus.

CONERGY: TOTGESAGTE LEBEN LÄNGER

Die Leichenfledderei beim Pleiteunternehmen Conergy geht weiter. Im Sommer 2016 verlassen die ersten Manager das Hamburger Solarunternehmen Conergy, dann verlieren zahlreiche Mitarbeiter ihre Jobs, schließlich gehen Untergesellschaften an andere Eigentümer über. In diesem Jahr werden die Reste des Sonnenparkbauers, die ein US-Private-Equity-Haus übernommen hatte, vermutlich ganz abgewickelt — dreieinhalb Jahre nach der Insolvenz.

Conergy war einmal der größte Solarkonzern Europas. Eine deutsche Hightechperle mit mehr als 2700 Angestellten, an der Börse 2,2 Milliarden Euro wert. Doch der Erfolg hielt nicht lange. Chinesische Wettbewerber machten der Firma ebenso zu schaffen wie Fehlentscheidungen des Führungspersonals.

Das Geschäftsgebaren der früheren Conergy-Manager beschäftigt bis heute die Gerichte. Der dubiose Kaufmann muss sich unter anderem wegen Manipulation verantworten. So wurde Ex-Chef Hans-Martin Rüter wegen leichtfertiger Marktmanipulation zu einer Geldbuße von 650 000 Euro verurteilt. Er legte Revision ein.

Firmengründer Rüter, der beim Conergy-Börsengang und durch den Verkauf eines Aktienpakets ein Vermögen von schätzungsweise 50 Millionen Euro aufbaute, muss sich mittlerweile finanziell bescheiden. Der Grund: Hohe Anwaltskosten und die nicht immer erfolgreichen Beteiligungen seiner neuen Firma Rütinvest. Rüter will hierzu keine Stellung nehmen. RütInvest investiert eigenen Aussagen zur Folge in Projekte sowie in mittelständische Unternehmen und begleitet diese in der Weiterentwicklung und Professionalisierung ihrer Geschäftstätigkeit. Der Conergy-Pleitier will mittelständischen Unternehmen zeigen, wie man erfolgreich wird. Ein schlechter Scherz? Nein.

Als Conergy 2013 in die Pleite schlitterte, kaufte der Finanzinvestor Kawa Capital Management mehrere Vertriebs- und Servicegesellschaften und brachte sie in die Kawa Solar Holdings mit Sitz auf den Cayman Islands ein. Module stellen die Amerikaner nicht her; sie konzentrieren sich auf die Planung, den Bau und Betrieb sowie die Finanzierung von Photovoltaikanlagen.

Für die Expansion holte sich Kawa vom US-Finanzspezialisten Tennenbaum Capital Partners eine verbindliche Kreditzusage in Höhe von 75 Millionen Dollar. Eine Kapitalerhöhung, die zu Teilen eine Tochter des Energiekonzerns RWE zeichnete, brachte zusätzlich 45 Millionen Dollar.

Doch die im Solarsektor unerfahrene Kawa-Crew zeigte sich völlig überfordert. Der Bau von Sonnenparks dauerte oftmals länger als vorgesehen und geriet zu teuer. Für manches Projekt fand sich kein Käufer.

Die Kosten stiegen und stiegen. Allein für die Tennenbaum-Gelder zahlte Conergy mehr als 10 Prozent Zinsen. Und auch die Kawa-Muttergesellschaft verdiente an der Tochter – Kawa-Leitende berechneten üppige Beraterhonorare.

Zugleich reduzierten mehrere europäische Staaten die Solarsubventionen oder strichen sie ganz. Kawa-Repräsentant Andrew de Pass, der noch im März 2015 fürs laufende Jahr ein Umsatzplus von 50 Prozent prophezeit hatte (auf 700 Millionen Dollar), musste sich mit einem kleinen Erlöszuwachs auf 472 Millionen Dollar begnügen, die Nettoverluste stiegen von 9,3 auf 31,1 Millionen Dollar. Die rasante Talfahrt alarmierte die Tennenbaum-Manager. Zur Absicherung ihrer Kredite verlangten sie Anteile an Kawa Solar Holdings. Da im Sommer 2016 RWE seine Kawa-Papiere abgab, ist der Finanzspezialist nun mit mehr als 80 Prozent Hauptgesellschafter von Kawa.

Hilfe bei Schließung und Verkauf von Conergy-Firmen leistet FTI Consulting. Unlängst ging Conergy Services an Greentech. In der Hamburger Zentrale arbeiten nur noch ein Dutzend Angestellte.

Das wertvollste verbliebene Asset ist die Tochter in Singapur; sie verdient ordentlich Geld. Die Chint Group aus Shanghai hat Interesse angemeldet. Greift sie zu, steht Conergy ein drittes Leben bevor — diesmal mit Sitz in Fernost, statt in Europa.

KEIN ENDE FÜR DEUTSCHE BANK AG?

Der alte Kenneth McCallion hat in den USA in seinem Berufsleben schon viel Angst und Schrecken verbreitet: Anwalt in New York und irischer Abstammung, allein das ist eine Furcht einflößende Kombination. Vor allem aber stürzt er sich in Fälle, die den Mandanten fette Vergleichssummen und den Gegnern schmerzhafte Schlagzeilen bescheren. Anders als es in Deutschland seine Amtskollegen tun, die sogenannten Anlegerschutzanwälte, die sich am Leid der Mandanten bereichern, fraudanwalt berichtete.

Die Liste seiner Klagen liest sich wie eine Ansammlung von Katastrophen und Verbrechen an der Menschheit: das Exxon-Valdez-Tankerunglück, der Chemieunfall im indischen Bhopal, die Entschädigung von NS-Zwangsarbeitern. Gerade hat er für die namibischen Herero Entschädigungsklage gegen die Bundesrepublik eingereicht wegen des Genozids wilhelminischer Truppen.

Wie ein Pitbull kämpft der Jurist mit dem dünnen Haar und der monotonen Stimme für Opfer und Angehörige, die öffentliche Moral stets im Rücken. So einen hat man lieber im eigenen Team als beim Gegner. Jetzt hat sich der Topjurist, dessen Büro zwischen Grand Central Station und Empire State Building liegt, in einen Fall verbissen, der ins waidwunde Herz der deutschen Finanzwirtschaft zielt: McCallion vertritt eine Gruppe jüdischer Organisationen, die die Deutsche Bank mit einer Milliardenklage vor ein US-Gericht zerren will. Ausgerechnet in einem Moment, in dem das angeschlagene Geldhaus versucht, seine größten Rechtsstreitigkeiten beizulegen, mit der skandalösen Vergangenheit abzuschließen und wieder nach vorn zu blicken. Stattdessen rollt auf die Bank nun ein Rechtsfall zu, der wegen der Höhe seines Streitwerts, der klägerfreundlichen US-Justiz und der illustren Prozessgegner äußerst unangenehm werden könnte. Es geht um das Erbe des Frankfurter Zweigs der einst steinreichen, jüdischen Wertheim-Sippe. Deren Vermögen wäre laut Klägern heute mehr als drei Milliarden Dollar wert, gilt aber seit dem Tod des letzten Familienmitglieds 1990 als verschollen. Die Kläger glauben, die Schuldigen gefunden zu haben: unter anderem frühere Mitarbeiter der Deutschen Bank.

Und genau von dort will sich ein Teil der Erbberechtigten – jüdische Organisationen das Geld zurückholen. Noch Mitte Januar soll die Klage vor dem District Court in Fort Lauderdale, Florida, eingereicht werden. Der Schriftsatz, mit Anhang über 200 Seiten, liegt der Redaktion Fraudanwalt vor.

Aufsichtsrat und Vorstand kennen die Causa seit Jahren; die Konzernjuristen halten die Forderung für unbegründet.

Laut Klageschrift soll sich ein Ex-Topmann der Bank in Spanien als Wertheim-Treuhänder ausgegeben und das Vermögen von der Credit Suisse zu seinem Arbeitgeber in Genf transferiert haben. Dort verliere sich die Spur des Erbes.

Die Geschichte der Frankfurter Wertheims ist ein faszinierendes und zugleich erschreckendes Zeugnis deutsch-jüdischer Vergangenheit. Vom 19. bis lange ins 20. Jahrhundert hinein beherrschte die Familie den Weltmarkt für Nähmaschinen und häufte ein Vermögen an. Firmengründer Joseph war einflussreicher Zentrumspolitiker, eng mit Reichskanzler Bismarck verbunden und einer der größten Wohltäter seiner Heimatstadt Frankfurt.

Viele Nachkommen, darunter Sohn Karl, siedelten später nach Spanien über, verschmolzen ihre Firma mit der Rapida SA und verdienten weiter prächtig. In der alten Heimat dagegen tilgten die Nazis fast alle Spuren der Frankfurter Wertheims; im Gedächtnis blieben nur deren Berliner Verwandte als Kaufhauskönige („KaDeWe“).

Aus Angst, von den Nazis im ebenfalls faschistischen Spanien aufgespürt zu werden, änderte Karl Wertheim seinen Namen in Carlos Vallin Ballin — Gattin Maria war über Ecken verwandt mit Albert Ballin, legendärer Chef der Hamburger Reederei Hapag.

Das Paar blieb kinderlos, einigte sich aber darauf, dass Karl mit Marias Schwester Viktoria Bäuml einen Stammhalter zeugen sollte. Der skurrilen Ménageå-trois entsprang ein Junge namens Ambrosius Wolfgang Bäuml, den Maria in Vermögensdinge einweihte — etwa Nummernkonten bei der Credit Suisse in der Schweiz, wohin die Wertheims den Großteil ihres Besitzes gebracht hatten. Nach Marias Tod zog sich Bäuml zurück und widmete sich seiner Kunstsammlung.

Den Wertzuwachs seines Erbes hielt er in Tagebüchern fest. 1961 etwa, Aufzeichnungen jüngeren Datums liegen nicht vor, addierte es sich auf gut 144 Millionen Franken – was  die Kläger auf Basis gängiger Aktienindizes in die Gegenwart extrapoliert haben: auf rund 3 Milliarden Dollar.

1990, kurz vor seinem Tod, setzte Bäuml das befreundete Ehepaar Sutor als Erben ein. Die Sutors aber sahen davon: fast nichts. Denn nach Bäumls Ableben habe der angebliche Treuhänder rechtswidrig den Übertrag von der Credit Suisse zur Deutschen Bank arrangiert, so die Kläger. Eine Sicht freilich, die etwa das Oberlandesgericht Frankfurt nicht teilt. Es sei nicht belegt, dass es sich um Bäumls Treuhandkonto handelt. Inzwischen hat der Bundesgerichtshof den Fall zurückverwiesen mit der Bitte, doch Zeugen zu vernehmen.

Die US-Juristen werden sich ihr eigenes Bild machen können. Folgt man den Anwälten, hatte der mutmaßliche Verschwörer Zugriff auf die Credit-Suisse-Nummernkonten der Frankfurter Wertheims. Bei der Deutschen Bank wiederum habe er als langjähriger Chef der Rechtsabteilung der Spanien-Tochter (1974 bis 2005) mehrere Mitwisser gehabt. Das Geld sei auf deren Konten geflossen, so die Kläger, um sämtliche Spuren zu tilgen. So hätten sich die Verschwörer das Geld teilen können.

Die Sutors kämpften jahrelang vergeblich um Erstattung des angeblichen Wertheim-Erbes. Sämtliche Anläufe bei Credit Suisse und Deutscher Bank prallten ab. 2012 schließlich traten sie das Erbe an den deutschen Geschäftsmann Tim Fuhr ab. Dessen Berechtigung am Erbe wird teilweise angezweifelt, Fuhr aber machte in ganz Europa Rabbinate auf den Fall aufmerksam und nahm Kontakt zur Deutschen Bank auf.

In Briefen an Aufsichtsräte um Chef Paul Achleitner (60) sowie die damaligen CEOs Anshu Jain (54) und Jürgen Fitschen (68) mahnte Fuhr eine friedliche Lösung an, andernfalls wolle er klagen. Die Bankjuristen wiesen die Ansprüche zurück, Bäuml/Wertheim sei nie Kunde gewesen. Tatsächlich sollen die Konten ja auf Namen der angeblichen Konspiranten gelaufen sein.

Das vorerst letzte Schreiben, in dem sich die Bankspitze verteidigt („Wir haben keine Hinweise darauf gefunden, die die Anschuldigungen stützen“), datiert vom Juli 2015 und trägt die Unterschrift von CEO John Cryan (56). Gerichtet ist es an Rabbi Menachem Margolin (34). Der Generaldirektor der European Jewish Association hatte sich zuvor per Brief über das „unkooperative Verhalten“ beklagt und indirekt gedroht, jüdischen Gemeinden in aller Welt zu empfehlen, keine Geschäfte mehr mit der Bank zu machen.

Jetzt will der Wertheim Jewish Education Trust, dem Fuhr teils den Erbanspruch abgetreten hat, das Institut vor dem District Court in Fort Lauderdale zwingen, drei Milliarden Dollar zu zahlen sowie alle Kontounterlagen herauszugeben.

Hinter dem Trust verbergen sich jüdische Wohlfahrtsorganisationen, darunter indirekt auch Ronald Lauder (72), der einflussreiche Präsident des Jüdischen Weltkongresses. Der hatte 2003 die Lauder Business School (LBS) in Wien gegründet, eine Kaderschmiede jüdischer Wirtschaftsstudenten. Deren Förderverein „Friends of LBS“ gehört zur Gruppe der Kläger, die das Geld jüdischen Einrichtungen in aller Welt zugute kommen lassen wollen.

Gelingt es der Deutschen Bank und der ebenfalls beschuldigten Credit Suisse – nicht, die Klage abweisen zu lassen, geht es in die Hauptverhandlung in Fort Lauderdale. Das könnte teuer werden angesichts der ausgeprägten Neigung amerikanischer Gerichte, die Suche nach der Wahrheit mit einem kostspieligen Vergleich abzukürzen.

Für McCallion jedenfalls ist die Causa Wertheim ein Leckerbissen: ein schillernder Fall, prominente Prozessgegner, eine enorme Streitsumme. Und Grund genug, doch nicht nach Kanada auszuwandern. Das nämlich hatte er in seinem jüngst erschienenen Buch „The Essential Guide to Donald Trump“ versprochen, falls der aus seiner Sicht mafiöse Immobilentycoon das Weiße Haus erobern sollte.

NÄCHSTE BRUCHLANDUNG FÜR ROCKET INTERNET

Der ehemalige McKinsey-Berater Praveen Sinha war so etwas wie Rockets Rockstar und sollte den indischen Markt für die von Oliver Samwer geführte Start-up Holding Rocket Internet erobern, den wichtigsten Zukunftsmarkt im E-Commerce nach China. Bei Rocket galt Sinha als einer der „Besten der Besten“. Selbst im Werbespot für den Börsengang im Oktober 2014 trat er auf.

Der Film zeigt, wie im Lager des indischen Onlinemodehändlers Jabong Pakete verschnürt werden. Während Sinha spricht, sieht man Jabong-Fahrer Päckchen ausliefern.

Herbst 2014, das war die Zeit der großen Versprechungen bei Rocket. Mitgründer und CEO Samwer wollte die größte Internetplattform außerhalb der USA und Chinas aufbauen. Die Komplexität entlegener Märkte wie Indien erklärte er kurzerhand zu Rockets Vorteil. Für sein Unternehmen bedeute diese „höhere Margen, höhere Marktanteile und höhere Netzeffekte“, tönte er. Tatsächlich überforderte die Komplexität des indischen Marktes die Rocket-Führung. Indien hat sich zum Desaster Rir Samwer entwickelt. „Rocket ist abgezockt worden“, sagt ein Ex-Manager.

Ausgerechnet Oliver Samwer, der mit der Optimierung des Eigennutzes reich geworden ist, traf seinen Meister. Während Sinha im Film zum Börsengang als Samwers Vorzeigemanager für die Rocket-ExpanSion auftrat, betrieb er nebenher schon fleißig privaten Vermögensaufbau. Zwar bekommen die Führungskräfte der Berliner Holding Anteile im niedrigen einstelligen Prozentbereich an den von ihnen geführten Töchtern. Doch Sinha hatte einen darüberhinausgehenden Plan.

Der Schlüssel dazu: das Logistikunternehmen GoJavas. Anfang 2014 übernahm Sinha rund 50 Prozent der GoJavas-Anteile. Das Start-up war eng mit

Rocket verbandelt. Es war aus Jabong hervorgegangen (laut Beteiligten saß man anfangs im gleichen Gebäude), zudem blieb der Onlinehändler sein zentraler Kunde. Sprich: Sinhas Beteiligung lieferte für jenes Unternehmen aus, das er selbst managte.

Und das bemerkenswert erfolgreich. Der Logistiker, an dem Rocket keine Anteile hielt, wuchs rasant. Dank der Aufträge des Rocket-Ablegers Jabong war GoJavas nach eigenen Angaben schon bald profitabel — die Samwer-Beteiligung selbst fuhr derweil hohe Verluste ein (siehe Grafik unten).

Tatsächlich entwickelte sich Sinhas Investment so erfolgreich, dass sogar Rockets Konkurrenz aufmerksam wurde. So stieg der vom chinesischen Internetgiganten Alibaba finanzierte Jabong-Kontrahent Snapdeal Anfang 2015 bei GoJavas ein. Sinha persönlich verkaufte rund 15 Prozent der Firmenanteile – und könnte dafür nach einem Bericht der Wirtschaftsprüfung PwC knapp 20 Millionen Dollar kassiert haben. „Rocket bekam viel zu spät mit, was in Indien los war“, sagt ein Insider. „Die Kontrollen haben nicht funktioniert.“ Dann aber fiel die Reaktion umso heftiger aus. In einer Mail an Sinha drohte Oliver Samwer im August 2015, dass er rechtliche Schritte gegen alle vorbereiten werde, „die daran beteiligt waren, dieses Business von uns zu stehlen“. Er ärgerte sich, „dass wir nicht das bekommen, was uns zusteht“.

Es blieb offenbar bei der Drohung. Praveen Sinha jedenfalls betont, Rocket Internet sei nie rechtlich gegen ihn vorgegangen. Alles sei einwandfrei abgelaufen, das Geschäft wiederholt von unabhängigen Prüfern ohne Beanstandungen durchleuchtet worden.

Rocket schweigt zu den Vorgängen, auch die Global Fashion Group, in der die Berliner und der schwedische Co-Investor Kinnevik mehrere Onlinemodehändler gebündelt haben, äußert sich nicht.

Fest steht: Anfang September 2015 hat die Global  Fashion Group die schwedische Sektion von PwC mit einer unabhängigen Untersuchung der Vorgänge in Indien („Project Flush“) beauftragt. Das Ergebnis: Praveen Sinha soll offenbar im Eigeninteresse Geschäftsentscheidungen getroffen haben, die mit den Interessen seines Unternehmens kollidierten. Von Gesetzesverstößen ist nicht die Rede.

Dokumente der Prüfer belegen allerdings, dass ihre Auftraggeber den Fokus der Untersuchung schnell eingrenzten. Ausgerechnet beim Schlüsselunternehmen der Jabong-Gruppe sollte nicht weiter nach Vergehen Sinhas und anderer Rocket-Manager gesucht werden.

Woher diese Nachsicht rührt? Die Global Fashion Group mag sich nicht zu dem sonderbaren Vorgehen äußern, doch Beteiligte haben eine Erklärung. Die restriktiven indischen Gesetze für ausländische Direktinvestitionen könnten die Jabong-lnvestoren abgeschreckt haben. Denn bei einer allzu genauen Prüfung der Vorgänge rund um Jabong wären womöglich Verstöße gegen diese Gesetze ans Licht gekommen.

Jabongs Investoren, so die Vermutung,  könnten entgegen den damaligen Vorschriften direkt in das Endkundengeschäft involviert gewesen sein und nicht nur mit indischen Partnerunternehmen gehandelt haben. Wäre dem so, drohten Strafzahlungen, die bis zu dreimal so hoch sind wie die Summen, um die es bei den Vorgängen geht.

Klar ist inzwischen, dass Indien für Rocket ein verlorener Staat ist. Während Amazon angekündigt hat, dort Milliarden zu investieren, werden Rockets Unternehmen vor Ort verramscht wie im Schlussverkauf. Gerade einmal 70 Millionen Dollar brachte Jabong beim Verkauf an einen Konkurrenten ein – ein Bruchteil der Milliardenbewertung, die Samwer ursprünglich angestrebt hatte.

Auch den indischen Lieferdienstableger Foodpanda hat Rocket inzwischen abgestoßen. Er ging im Paket mit anderen Lieferdiensten an Delivery Hero.

Im Dunstkreis der indischen Rocket-Firmen indes haben sich diverse lukrative Geschäfte entwickelt, das Sinha-lnvestment GoJavas ist nicht das einzige. Da ist auch der von einem Ex-Jabong-Mann geführte Shoppingklub Value Shoppe oder die aus Jabong hervorgegangene Kreativagentur Moksha Designs.

Rocket Internet war in Indien als Startup-lnkubator also durchaus erfolgreich. Nur profitiert haben davon andere.

POLITISCHER DIEBSTAHL AM ANLEGER

Der deutsche Anleger steckt in der Falle: Die Inflation ist im Dezember angestiegen und zwar sprunghaft, während die Zinsen weiterhin nahe null bleiben. Eines ist da fast gewiss: Die Kaufkraft auf dem Sparbuch oder dem Cash-Konto wird im Frühjahr schmelzen wie der Schnee, der gerade fällt. Und alternative Anlagen sind riskant oder renditefrei, manchmal sogar beides.

Irgendwann musste es für die Deutschen so kommen. Die Inflation ist höher als in Frankreich und Italien, weil die Konjunktur bei uns besser läuft. Und die Rendite auf der Bank ist niedriger. Was klingt wie eine Perversion des Leistungsgedankens, ist im Währungsverbund des Euro nur folgerichtig: Die Zentralbank drückt den Leitzins zwar für alle und überschwemmt die Mitgliedsländer gleichermaßen mit Geld, aber in Deutschland sind die Ausfallrisiken für Kredite von Wirtschaft und Staat besonders niedrig — weshalb vom Zins hier besonders wenig übrigbleibt.

Jetzt erhalten die Sparer die Rechnung für die Euro-Krise. So weit, so erwartbar. Was aber verwundern sollte: Die deutsche Politik lässt sie damit allein, tut so, als ginge sie es nichts an.

EZB pfeift auf Warnungen aus Deutschland

Die Geldpolitik ist das geworden, was sie nie sein wollte: hochpolitisch. Offiziell strebt die Europäische Zentralbank nur an, dass Europa eine moderate Inflation von knapp zwei Prozent bekommt. In den internen Debatten geht es indes um politische Gefahren. Kippt Italien? Wählen die Franzosen Le Pen? Was droht durch Trump? Oft hat man den Eindruck, die Zentralbanker um Mario Draghi wollten nicht nur Geldhüter sein, sondern fühlten sich als Bewahrer Europas. Nur so ist zu erklären, dass sie entgegen deutschen Warnungen entschieden haben, mindestens noch 2017 monatlich für viele Milliarden Euro Anleihen zu kaufen — oder deutlicher gesagt: noch mehr Geld zu drucken als bisher schon.

Die Inflation kehrt auch so zurück. Ende vergangenen Jahres war es vor allem der Preis für Öl, der für einen kräftigen Preisschub sorgte. Doch die Geldentwertung trifft ebenso Menschen, die kein Auto fahren und nicht mit Öl heizen. So haben die Rohstoffpreise insgesamt ihr Tief überwunden, der teure Dollar treibt die Preise für Importe aus Übersee, und gerade in Deutschland steigen die Löhne, weil oft eher die Arbeitnehmer rar sind als die Arbeitsplätze. Deshalb sagten führende Ökonomen schon im Herbst voraus, dass die deutschen Preise 2017   um 1,5 Prozent steigen würden. Jetzt gibt es noch höhere Prognosen, auch in Europa soll die Inflation anziehen.

So politisch die Zentralbank also handelt, so wenig interessiert sich die Politik für die Folgen dieses Handelns. Das gilt für Krisenländer, die all die gekaufte Zeit kaum nutzen, um sich zu erneuern. Es gilt aber auch für Deutschland, wo den Sparern die Optionen ausgehen. Kauft Aktien!, hören sie von überall her. Natürlich sollten sie auf Dauer auch mit Aktien sparen. Aber sollen sie ausgerechnet jetzt auf einmal einsteigen, da die Kurse fast doppelt so hoch sind wie vor fünf Jahren? Auch Wohnungen sind teuer geworden. Und es gibt zwar staatliche Anleihen, deren Zinsen mit der Inflation mitwachsen. Nur sind sie so gefragt, dass ihre Rendite meist negativ ist.

Natürlich gibt es kein Menschenrecht auf Zinsen. Aber darf man nicht wenigstens erwarten, dass sich die Politik kümmert, wenn viele Bürger verunsichert sind? Zumal heute, da die neuen Nationalisten versuchen, die Mittelschicht für sich zu gewinnen.

Schon mehrfach hat Deutschland seine sparenden Bürger enttäuscht, hat sie in die Volksaktie Telekom getrieben, die sich kurze Zeit später als Flop erwies. Hat sie zur privaten Altersvorsorge angehalten, aber überteuerte Riester-Verträge zugelassen und dann so lange an dieser Rente herumgedoktert, bis alle verunsichert waren. Jetzt sollte die Politik es besser machen und zeigen: Wir nehmen eure Sorgen ernst.

Die etablierten Parteien könnten dafür sorgen, dass die Deutschen mehr über Finanzen lernen. Sie könnten wie in Schweden einen gut geführten öffentlichen Vorsorgefonds auflegen, in den Bürger gegen geringe Gebühren investieren. Auf jeden Fall sollten sie den Anlegern neue Wege zeigen, ohne wie früher die Finanzlobby mit zu bedienen. Die liberale Demokratie muss dabei helfen, die Verwerfungen des Kapitalismus abzufedern. Gerade jetzt wäre es an der Zeit, doch es geschieht — nichts.

ADVOTAX – ÄRZTE UND APOTHEKERBERATUNG KG: WINKELADVOKAT MICHAEL GRIEGER VERLANGT LÖSCHUNG

Die Redaktion Fraudanwalt sieht sich in ihrer Rolle als aufklärendes Organ gegen Unregelmäßigkeiten und Betrug bestätigt. Der umstrittene Justitiar Michael Grieger von der Rechtsanwaltskanzlei Daxhammer – Grieger & Kollegen mit Sitz in der Bronnbachergasse 43, Würzburg reagiert auf einen Bericht über die Limes Ärzte- und Apothekerberatung KG von Fraudanwalt ungehalten. Was war geschehen? Die Würzburger Limes Deutsche Apotheker und Ärzteberatungs KG sowie die Advotax KG stehen im dringenden Verdacht Vertriebspartner und Investoren vorsätzlich getäuscht zu haben – die Redaktion Fraudanwalt berichtete.

Rechtsanwalt Grieger unterstellt Fraudanwalt falsche Behauptungen aufzustellen, so bestreitet er im Namen von Steffi Schlöffel, Advotax, Limes Ärzte-und Apothekerberatung KG, sowie des ominösen M. Schmelz – dass Vertriebler und Anleger getäuscht wurden. Doch die Wahrheit sieht vermeintlich ganz anders aus.

Limes Ärzte- und Apothekerberatungs KG prellt Vertriebsmitarbeiter und Investoren

In mindestens zwei Fällen wird es sehr brenzlig für die selbsternannten Solarprofis um Steffi Schlöffel. Nämlich dann, wenn die Prozesseröffnungen gegen Limes Deutsche Ärzte- und Apothekerberatung KG beginnt. Provisionen im mittleren fünfstelligen Bereich hat Limes unterschlagen, dies behaupten die Geschädigten Vertriebsmitarbeiter. Die Dunkelziffer liegt nach Aussagen von Insidern deutlich höher bei ca. 150.000 €.

Limes Solarzentrum: Getroffene Hunde bellen

Die Reaktion von Limes Solarzentrum ist auf dem ersten Blick überaus verwunderlich: Anstatt den Kontakt zur Fraudanwalt-Redaktion zu suchen und um möglicherweise weitere Ausführungen zum Sachverhalt zu geben, entschied sich die Deutsche Ärzte und Apothekerberatung KG den Winkeladvokaten Michael Grieger von der Würzburger Kanzlei Daxhammer – Grieger & Kollegen zu mandatieren. Der listige Rechtsanwalt Grieger dachte, es genüge einen bösen Brief aufzusetzen und pauschal alle Vorwürfe, seien sie noch so nachweislich – zu bestreiten. Bei den letzten großen Anlegerskandalen war die Vorgehensweise gleichermaßen. Die Infinus-Gruppe bestreitet bis heute Anlegerbetrug begangen zu haben, obwohl führende Personen im Knast sitzen. Oder das German-Pellets Millionengrab, was erst von investigativen Journalisten aufgedeckt wurde, als es für die Anleger bereits zu spät war. Die Macher der S&K Immobiliengruppe kauften bis zum Schluss positive Presseberichte – das alles mit dem einen Ziel: von den eigenen Verfehlungen abzulenken. Ist es auch das Ziel von Advotax – Ärzte und Apothekerberatung KG und Winkeladvokat Grieger?

Anlegergelder von Limes Advotax –Deutsche Ärzte und Apothekerberatung KG verprasst?

Wohin die Anlegergelder bei Limes fließen ist ungewiss. Werden wirklich die Anlegergelder für Investitionen in Photovoltaikanlagen verwendet oder greift Limes lieber auf günstigere Anlagen zurück und verprasst das restliche Geld für Anwälte, Provisionen und Werbung? Diese Fragen sollten sich Ärzte und Apotheker einmal stellen, die Ihr Kapital in die brandgefährlichen Finanzprodukte von Limes investieren.