EN STORAGE VERUNTREUT 50 MILLIONEN EURO

Edvin Novalic und Lutz Baier aus dem beschaulichen Schwabenland sind die nächsten Kapitalvernichter im Graumarkt. Herrenberg, wo das Unternehmen sitzt, ist eine Provinz in Baden-Württemberg, etwa 30 km südwestlich von Stuttgart und 18 km westlich von Tübingen. Vor 5 Jahren wurde erst die neue Firmenzentrale in Herrenberg gebaut, jetzt droht die Insolvenz. Angaben aus internen Dokumenten belegen, dass rund 50 Millionen € von 1.800 Anlegern eingezahlt wurden. Edvin Novalic lebt auf großem Fuß, mehrere teure Autos, darunter ein Mercedes AMG mit Luxusausstattung schmücken die Einfahrt seines Anwesens samt Villa in der Nähe des Firmensitzes.

Seit dem 27.02.2017 ist die Firmenhomepage abgeschaltet, Telefone abgemeldet und IT verschwunden. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart informierte, dass es vor wenigen Tagen Hausdurchsuchungen gegeben hat, auch bei Firmengründer Edvin Novalic – Ermittlungen wegen Verdacht des Betruges sind eröffnet.

Anlegerskandal? Creditreform zeichnete EN Storage aus

„Die heutigen geschäftsführenden Gesellschafter Edvin Novalic und Lutz Beier starteten 2009 mit dem Unternehmen „EN Storage Consulting“, schreibt die Creditreform auf ihrer Seite über die Kapitalvernichter EN Storage. Auch in anderen Fällen griff die Creditreform daneben, lesen Sie mehr.

Weiterhin wird über das „geballte Erfahrungspotenzial“ der beiden Firmengründer, zum einen aus dem IT-Bereich, zum anderen aus dem Finanzsektor, schwadroniert. Die Ratingagentur führte die Anleger in die Irre, denn die „besonderen Referenzen“, die Industriekonzerne aus Finance, Food, Nonfood, Automotive und Government sein sollen – hat es nie gegeben.

Insbesondere kleine Provinzfirmen haben bei EN Storage bestellt. Dennoch hielt es die Creditreform nicht davon ab für die vermeintlichen Anlagebetrüger zu werben: „Als Anbieter für Datensicherung, Datenspeicherung und Datenführung in der IT-Branche ist dir Firma „EN Storage GmbH“ seit 2009 für die Industrie und seit 2013 auch für staatliche Institutionen mit ihren Storage-Systemen ein wichtiger Partner und zuverlässiger Dienstleister“ – eine weitere skrupellose und ungeprüfte Stimmungsmache für EN Storage GmbH und deren Anleihen.

FUNKTIONIERT DIE ÖKOSCHIENE DER ÖKOWORLD AG ETWA IMMER NOCH?

Der Antrieb, eine Firma zu gründen und erfolgreich zu führen, wird garantiert nicht vom ökologischen Nachhaltigkeitsgedanken bestimmt, sondern von der Macht des Geldes. Soviel erst einmal vorweg.

Beim Blick in die Webseite des Unternehmens dominieren auf den ersten Blick die Porträts der Gründer und Firmenlenker, die beinahe wie aus einer anderen Zeit daherkommen: Man fühlt sich in die Endsechziger zu Zeiten von Woodstock zurückversetzt. Wie langhaarige Hippies und Weltverbesserer – als tauche man ein in die Anfangszeiten von Greenpeace – kommen die Herrschaften daher, auf den Lippen vollmundige Bekennersprüche, die zum Inhalt haben, die Welt retten zu wollen, Kinderarbeit abzulehnen und ökologisch investieren zu wollen.

So weit so umweltverträglich. Dann überrascht Pit Konkol, seines Zeichens Mitarbeiter des Unternehmens, mit der sprachlichen Ergänzung:“… Umwelt retten ja.., da es außerdem ein gigantischer Wachstumsmarkt ist.“

Der schnöde Mammon, versteckt unter dem Deckmantel der Ökoschiene, ist der (einzige) Antrieb, der die Räder ans Laufen bringt. Da es in der Bundesrepublik noch genügend Sympathisanten der Ökobewegung gibt, ist es offensichtlich ein Leichtes, diese Herrschaften zur Kasse zu bitten. Wenn man dann allerdings den Kosten/Nutzen-Faktor ins Spiel bringt, verblasst die vermeintliche Rendite zu einem Häufchen Performance auf 1-2% -Basis. Aber wenigstens wird die Welt gerettet und das Investment ist nachhaltig. Der fiese Beigeschmack, den man im Dunstkreis von nadelgestreiften Bankern hin und wieder zu verspüren scheint, der fällt beim Kontakt mit der Ökoworld AG aus Hilden im Rheinland nicht ins Gewicht, man tritt dort ohne Schlips und Manschettenknöpfe auf, beinahe kumpelhaft parliert man mit den Kunden, schließlich soll ein Vertrag am Ende dabei herausspringen. Und der bringt wiederum dicke Provisionen.

Unter anderem für den Gründer, Alfred Platow, der freimütig zu verstehen gibt: „Ökologie muss auch ökonomisch sein“, was soviel heißt: Wir wollen auch gut dran verdienen – nur zeigen wir es nicht. Am besten merkt der Kunde erst gar nicht, dass sein Ökoinvestment den teuren Lebenswandel des Managements finanziert. Beim Zitat von Pressesprecher Gunter Schäfer: “…mich interessieren aber auch die Renditen“ bekommt man den selben Eindruck, dass Öko nur der Mantel ist, der wahre Kapitalismus steckt im Detail und wird von allen vorrangig geschätzt. Im Übrigen wurde Fraudanwalt von anonymer Stelle mitgeteilt, dass besagter G. Schäfer gerne „lästige Anfragen“ zur Gesinnung der Unternehmensführung abbügeln soll, ebenso wie kritische Nachfragen im Allgemeinen.

Ein guter Gradmesser für ein erfolgreich geführtes Unternehmen ist auch der Aktienkurs, wenn es sich wie bei der Ökoworld um eine AG handelt . Der Blick auf den aktuellen Kurs zeigt wenig Begeisterung bei den Anlegern, das Handelsvolumen pendelt sich bei Stückzahlen im 3-stelligen Bereich ein, d.h. etwa 300 Papiere pro Tag. 10 – 11 Euro zahlt man für eine Aktie, die viel mehr Zulauf haben müsste, wenn Öko einen wirklich hohen Stellenwert hätte. Es geht bei der Ökoworld AG eben primär darum, in einem Nischenmarkt des Börsengeschäftes eine große Scheibe vom Ertrags-Kuchen abzuschneiden. Dafür sprechen die hohen Fondskosten für gemanagte Fonds, die sich aus Ausgabeaufschlag, Agio oder Management Kosten und Erfolgsgebühr zusammensetzen Das schmälert eindeutig die Aussicht auf eine attraktive Rendite. Ähnlich sieht es bei den vom Unternehmen emittierten Rentenfonds aus : Diese verfügen zwar über eine Kapitalgarantie, aber durch die hohen Fondskosten von 2,3% auf die Einlage geht eine gute Rendite den Bach herunter und ist nicht realisierbar. Beim Ökogeschäft wird halt auch nur mit „Wasser gekocht“.

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GERMAN-WINGS: ANWÄLTE GEIERN NACH MANDANTENGELDERN

Nicht nur geschädigte Anleger sind den sogenannten Anlegerschutzanwälten ausgeliefert, die mit perfiden Methoden um die Gunst der Opfer buhlen. Nein. Auch im Fall German Wings fallen Juristen einmal mehr als gierige Geier auf. Am Ende geht es darum, den Wert eines menschlichen Lebens zu bestimmen: Gibt es Kinder, die der Tote hätte versorgen müssen? Sind Kredite abzubezahlen? Und wie viel hätte das Opfer bis zur Rente verdient, wenn es an einem Frühlingsmorgen in Barcelona nicht an Bord einer German Wings-Maschine gestiegen wäre? In jenes Flugzeug, das der Kopilot Andreas Lubitz mit 149 Personen an Bord in einen Berg in den französischen Alpen gesteuert hat.

Viele der Hinterbliebenen der Flugkatastrophe vom März 2015 haben inzwischen einen Schlussstrich unter die Tragödie gezogen, zumindest in materieller Hinsicht. Sie haben sich mit der Versicherung von Lufthansa über Entschädigungssummen geeinigt.

Allerdings nicht alle — und unter denen sorgt der nun anstehende zweite Jahrestag der Katastrophe für Unruhe. Denn 35 Familien haben den Opferanwalt Christof Wellens aus Mönchengladbach als Rechtsbeistand beauftragt.

Die Juristen hatten ihren Mandanten eine besonders hohe Entschädigungssumme in Aussicht gestellt, weil sie sich nicht nur in Deutschland außergerichtlich vergleichen, sondern die Lufthansa vor einem Gericht in den USA verklagen wollten. Der juristische Kniff: Sie prozessieren gegen die Flugschule der Lufthansa im US-Bundesstaat Arizona, an der Lubitz trotz seiner vorhergehenden schweren Depression ausgebildet worden war.

Doch der Vertrag, den die Hinterbliebenen dafür unterzeichnet haben, könnte sich jetzt als Fehler erweisen. Denn nach dem zweiten Jahrestag können die Ansprüche auf Schadensersatz in Deutschland gegen die Fluggesellschaft nicht mehr geltend gemacht werden — trotzdem hat Wellens in Deutschland bisher keine Klage für seine Mandanten eingereicht. Jetzt läuft die Zeit ab. Das Augenmerk der Juristen liegt auf dem Verfahren in den USA, glaubt man bei Lufthansa.

Je näher die Ausschlussfrist rückt, desto nervöser werden die Angehörigen. Sollten Wellens und die US-Anwälte die Ansprüche in Deutschland verspielen, will ein Teil von ihnen den Schaden von Anwalt Wellens ersetzt haben. Zwei Hinterbliebene haben deshalb bereits ihren eigenen Anwälten Schadensersatzklage angedroht. Sie lassen sich dabei von einem anderen bekannten Opferanwalt vertreten, dem Hannoveraner Ulrich von Jeinsen.

Denn es geht um durchaus hohe Summen: Die Angehörigen eines Familienvaters etwa, der bei einer solchen Flugkatastrophe umkommt, können mit Hunderttausenden Euro für den Verlust ihres Ernährers rechnen.

In internen Rundbriefen versucht Wellens seine aufgebrachten Mandanten zu beruhigen. Man werde „auch in Deutschland die notwendigen Schritte einleiten“, damit die Ansprüche „nicht der Verjährung unterfallen“. Deshalb werde man das Gespräch mit der Lufthansa suchen, notfalls Klage einreichen.

Doch aus Sicht jener, die ihren eigenen Anwalt in Regress nehmen wollen, gibt es einen entscheidenden Haken: Sie haben ihren Vertrag mit der New Yorker Kanzlei geschlossen. In dem steht, dass man den Amerikanern die „ausschließliche Berechtigung und volle Autorität zur Wahrnehmung aller juristischen Schritte“ erteile. In einer separaten Erklärung gegenüber Wellens steht, US-Anwalt Kreindler würde auch „für den Kontakt mit den Haftpflichtversicherungen“ zuständig sein.

Einen deutschen Schadensersatzprozess aber können die US-Anwälte nicht führen, weil sie dafür keine Zulassung besitzen.

Anwalt Wellens aus Mönchengladbach wäre theoretisch dazu in der Lage — das könnte jedoch als Kündigung des Mandantenvertrags zwischen den Hinterbliebenen und Kreindler ausgelegt werden.

Die Sorge der Hinterbliebenen ist, dass dann eine Klausel in Kraft tritt, nach der die Amerikaner auf alle auch in Deutschland erstrittenen Gelder ein „Pfandrecht“ haben, damit „Kosten“ aus ihrem Verfahren abgegolten werden können. Für die Angehörigen wäre das eine Horrorvorstellung: Sollte man sich mit der Lufthansa vergleichen, würde Kreindler das erstrittene Geld einfrieren lassen?

Kreindler-Anwalt Marc Moller bestreitet das, man werde den Hinterbliebenen nur ein Honorar berechnen, wenn die Klage in den USA erfolgreich sei. Was Wellens in Deutschland erstreite, wolle man nicht anrühren. „Wir alle haben uns verpflichtet, das Beste für unsere Mandanten zu erwirken“, sagt er. Wellens erklärt, seine Kanzlei sei für die deutschen Rechtsfragen zuständig und werde „nach Rechtsanwaltsvergütungsgesetz“ dafür bezahlt. Geschädigte meldeten gegenüber der Redaktion eine andere Darstellung.

Die Angehörigen, die den eigenen Anwälten nicht mehr recht trauen, wollen das allerdings schriftlich von Wellens und Kreindler. Die wiederum spekulieren darauf, dass die Lufthansa sich kurz vor dem Jahrestag vergleichen will, im Rechtsstreit in den USA und in Deutschland.

Die Juristen der Fluggesellschaft aber wehren sich gegen die Vermischung des amerikanischen Verfahrens mit den deutschen Schadensersatzansprüchen. Das juristische Spiel auf dem Rücken der Hinterbliebenen hat also erst begonnen. Vorsicht, wenn der Anwalt kommt!

DROHT POSTBANK-AKTIONÄREN DAS GRAUEN?

Josef Ackermann platzte fast vor Stolz, als er am 12. September 2008 den Einstieg der Deutschen Bank bei der Postbank verkündete. Man sichere sich so „für alle Zeiten“ eine „dominante Position“ das sei doch „ein sehr smarter Move“. Dafür wollte der Schweizer der Deutschen Post insgesamt 29,75 Prozent ihrer Postbank-Aktien abnehmen, um die Bank mit den vielen Privatanlegern bald darauf ganz zu übernehmen.

Mittlerweile hat sich der smarte Move in eine nicht enden wollendende Katastrophe verwandelt. Seit Jahren gibt es ein absurdes Hin und Her um einen möglichen Wiederverkauf der gelben Tochter. Jetzt trommeln auch noch Anlegeranwälte aus Deutschland und den USA Investoren aus aller Welt für eine Musterklage zusammen. Es geht um Schadensersatzansprüche von bis zu 1,6 Milliarden Euro wegen der Übernahme.

Drei Tage nach Ackermanns Auftritt im Post-Tower ging die US-Bank Lehman Brothers pleite, die Finanzkrise eskalierte — und Ackermanns Pläne wurden Makulatur. Ein Übernahmeangebot an die übrigen Postbank-Aktionäre in diesen Zeiten? Das wollte Ackermann vermeiden. Er spielte in der Causa Oppenheim ebenfalls eine besondere Rolle.

So achtete die Deutsche Bank darauf, dass ihr Anteil an der Postbank jahrelang nicht über die magische Grenze von 30 Prozent erhöht, ab der man zu einem solchen Angebot gesetzlich verpflichtet ist. Erst 2010 machten die Frankfurter ein Übernahmeangebot an alle Aktionäre — für 25 Euro pro Aktie. Vor der Lehman-Pleite hätte der Kaufpreis bei über 57 Euro gelegen.

Diese Differenz wollen etliche Investoren wiederhaben. Ihre Argumentation: Selbst wenn die Deutsche Bank formal zunächst nur Minderheitsaktionär gewesen sei, habe sie seit September 2008 bei der Postbank quasi durchregiert. Die Deutsche Bank hatte sich über Optionen weitere Postbank-Aktien der Post gesichert. Das Vorgehen von Post und Deutscher Bank bei der Postbank sei zudem abgestimmt gewesen. Das werde dadurch deutlich, dass die Deutsche Bank im Frühjahr 2009 zwei Aufsichtsräte bei der Postbank installiert habe — Exmanager Tessen von Heydebreck sowie Werner Steinmüller, der heute dem Vorstand der Deutschen Bank angehört. Diese Vorwürfe haben schon andere erhoben, ein erstes Verfahren in der Angelegenheit zieht sich seit Jahren zäh durch die Instanzen. Anwälte haben aber nicht nur interne Dokumente der Postbank aufgetan, die den Einfluss des Mutterkonzerns seit 2008 eindeutig belegen. Sondern sie stehen auch in Kontakt mit einem ehemaligen Postbank-Mitarbeiter, der seinen früheren Arbeitgeber schwer belastet.

Vor allem Steinmüller übte demnach in der Postbank einen maßgeblichen Einfluss aus, weil er nicht nur Aufsichtsrat, sondern auch Vorsitzender des Kreditausschusses war. Dieser bekommt Darlehensentscheidungen ab einer bestimmten Größenordnung vorgelegt, sei aber vor Steinmüllers Berufung „stets den Empfehlungen der Fachabteilungen“ gefolgt, schreibt ein Whistleblower in einem Statement.

Dann aber habe es intern Weisung gegeben, dass es für jegliche Entscheidung des Kreditausschusses „auf die Stimme von Herrn Steinmüller ankomme“, schreibt der Mann dazu. „Wir müssen Herrn Steinmüller an Bord haben“, habe es geheißen.

Steinmüller zeigte Engagement in seiner neuen Rolle. Er ließ sich Kreditanträge in sein Deutsche-Bank-Büro faxen und sandte von dort auch seine Entscheidung zurück, teils versehen mit etlichen „Empfehlungen“ für sein Plazet. Eine Kreditlinie für VW über 100 Millionen Euro etwa wurde im Sommer 2009 „aufgrund von erheblichen Konzentrationsrisiken“ auf 50 Millionen Euro beschränkt — Konzentrationsrisiken beider Kreditinstitute, der Deutschen Bank und der Postbank, so zumindest der Whistleblower.

Insgesamt will Anwältin Radtke-Rieger bei 32 Kreditentscheidungen den Einfluss der Deutschen Bank nachweisen können. Sie und ihre Kollegen sind sich ihrer Sache so sicher, dass sie zum Großangriff blasen und einen Prozess nach dem sogenannten Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetz (KapMuG) planen. Der Entscheid wäre anwendbar für alle klagenden Investoren.

Fünf von zehn nötigen Anträgen für ein solches Prozedere hat die Kanzlei schon eingereicht, und dass der zuständige Richter in Köln nicht abgeneigt ist, hielt er in einem schriftlichen Hinweis fest: „Es ist damit zu rechnen, dass noch weitere Personen gleichgelagerte Ansprüche anhängig machen werden“, deshalb sei es „erwägenswert, ein Musterverfahren einzuleiten“. Um auch internationale Investoren für eine solche Klage zu begeistern, haben sich Radtke-Rieger und ihre Kollegen mit der US-Kanzlei Hausfeld zusammengetan, die gerade schon 20 000 Kläger gegen VW aktiviert hat.

Die Deutsche Bank gibt sich gelassen. Man habe sich „im Rahmen der Übernahme der Postbank stets korrekt verhalten. Entsprechende Klagen sind unserer Überzeugung nach unbegründet“, erklärt sie.

Allerdings hat das Institut schon rund zwei Milliarden Euro für die Integration und die neuerliche Abtrennung der Postbank verpulvert.

Denn die war jahrelang Schlachtfeld für den Machtkampf zwischen Ackermann-Nachfolger Anshu Jain und Privatkundenchef Rainer Neske um die strategische Ausrichtung des Konzerns. 2015 stellte Jain die Postbank erneut zum Verkauf. Jain und Neske sind mittlerweile weg — die Postbank nicht.

Und schon wird am nächsten Kapitel des Dramas geschrieben: Nach Informationen von Fraudanwalt hat der neue Vorstand um John Cryan die Verkaufspläne ad acta gelegt. Die Vollintegration der Postbank in die Deutsche Bank gilt intern als sicher. Gerungen wird nur noch um die Modalitäten — und um die Frage, wie man die neuerliche Kehrtwende den eigenen Aktionären erklären will.

VERDAMMT, WIEDER MAL REINGEFALLEN!

Es ist zwar zum Heulen, aber dennoch ein immer wiederkehrendes Thema, das Anleger in Deutschland beschäftigt. Man hat im guten Glauben an die Worte des Kundenberaters oder an die Wunschvorstellung der Anzeigenwerbung einen Vertrag abgeschlossen, z.B. über einen Goldsparplan oder ein Nachrangdarlehen, der sich als absoluter Flop oder sogar Betrug herausstellt. Dann ist in aller Regel nichts oder nur noch wenig zu machen und das Geld meistens weg. Abgezockt, belogen, falsch beraten oder mit Scheinangeboten geködert – die Palette der Enttäuschungen ist breit. Obwohl es unzählige Warnhinweise in allen möglichen Magazinen wie Finanztest oder Gomopa, oder von Institutionen wie Stiftung Warentest, von Fernsehsendern und nicht zuletzt von Fraudanwalt gibt, treibt die Niedrigzinsphase viele Anleger in die Arme der Finanzbetrüger oder zumindest unseriösen Geschäftemacher. Obwohl viele Kunden bereits schlechte Erfahrungen gemacht haben, heißt es dann doch erneut eines Tages: Verdammt, wieder mal reingefallen.

Trotzdem finden routinierte Verkäufer oder Berater immer wieder ein Hintertürchen, um mit einem windigen Angebot die Kunden einzuwickeln und zu einem Abschluss zu bewegen. Aktuelles Argument neben den Niedrigzinsen ist derzeit die immer wieder beschworene Bedeutung der Gold-Investments, die vor Inflation, Währungsrisiken oder Börsenabstürzen bewahren sollen. Da wird den Anlegern gebetsmühlenartig vorgegaukelt, dass ein Goldsparplan selbst für Kleinanleger mit wenig Geld eine Chance sei, um am Goldboom zu partizipieren. Dass es dabei aber hauptsächlich ums Geld verdienen für den Anbieter dieser Goldsparpläne geht, wird bewusst verschwiegen. Einer dieser Schlawiner, die viele Millionen mit dieser Praxis einsammeln, ist die Aurum Plus GmbH aus Saarbrücken, die sich in 2016 einem aufwendigen Verfahren der Staatsanwaltschaft Saarbrücken wegen des Verdachts der Veruntreuung und des Betruges durch ehemalige Geschäftsführer stellen musste. Als sogenanntes Edelmetallhandelshaus bietet das Unternehmen den Kunden an, Edelmetalle wie Gold, Silber oder Platin zu erwerben und aufzubewahren. Außerdem empfiehlt die Firma den Erwerb von Goldbeständen mittels monatlicher Ratenzahlung, dem Goldsparplan. So etwas ist nicht nur teuer, sondern auch ineffektiv, wenn man sich die anhängende Gebührenstruktur genau ansieht. Nicht ohne Grund hat bereits im Jahr 2012 das Handelsblatt getitelt. „Die teuren Tücken eines Goldsparplans.“ Im Jahr 2001 wäre es günstig gewesen, Gold als Wertsteigerung oder Geldanlage zu kaufen und mit den Jahren wachsen zu lassen, aber heutzutage bei einem Preisniveau von etwa 1.280.- Euro  pro Feinunze lohnt sich dieses Investment nicht mehr. In einem weiteren Blog im Internet findet man die noch deutlichere Formulierung:“ Warum Goldsparpläne Unsinn sind.“ Damit ist eigentlich alles gesagt. Umso erstaunlicher ist es, dass solche Unternehmen immer noch auf Kundenfang gehen und den Traum vom eigenen Goldvorrat anheizen, obwohl der Kauf von Kleinstbarren auf Gramm-Basis, der für diese Art der Geldanlage üblich ist, eine teure und unrentable Angelegenheit ist. Darüber hinaus ist es nicht absehbar, wann und warum der Goldpreis überhaupt in Zukunft steigen sollte.

Je länger die Zinsen auf diesem niedrigen Niveau bleiben, desto eher sind die Kunden bereit sich auf fast jedes Angebot einzulassen, welches mindestens um 2-3% höher verzinst ist, als bei den Banken. Es ist sehr viel Kapital bei Privatinvestoren vorhanden, und dafür suchen diese eine passende Anlage. Eine Chance für alle Betrüger, die sich die oftmals verzweifelte Lage zunutze machen und die Leute ansprechen. Von den vollmundigen Versprechungen bleibt am Ende oftmals nur Totalverlust und bittere Reue. Das möge jeder bedenken, der sich auf diese Offerten einlässt.

CARE ENERGY: EINE FRAGE DER ZEIT

Martin Kristek, der österreichische Strominvestor ist tot und sein Unternehmen Care Energy pleite. Der dubiose Hamburger Strom-Discounter soll seit Jahren als Zombie zwischen Staatsanwaltschaft und Insolvenz Kunden und Anleger in die Stromfalle gelockt haben. Netzbetreiber waren es, die den Betrug stoppen wollten, gestoppt hat Martin Kristek sich selbst. Sein Tod war der Anfang vom Ende von Care Energy, das traurige Finale.

Anhand der Zahl von 12.000 Klägern werden die Gerichtsprozesse nach Einschätzung von Fraudanwalt-Chefredakteur R.T. frühestens 2019 enden. Der Chef des Hamburger Billigstromanbieters Care Energy nahm auf illegalem Wege im Juni 2015 einen Container voller vermeintlicher Beweisstücke auf dem Parkplatz des Oberlandesgerichts Düsseldorf entgegen. Die Dokumente sahen nie die Verhandlungsräume, trotzdem zeigt die Aktion, mit welchen Methoden der österreichische Strom-Manager und Hobby-Discjockey („DJ Columbus“) hantierte. Sein Name stand mit mafiösen Strukturen und Kundenbetrug in Verbindung, Aufsichtsbehörden und Anleger rügten sein Fehlverhalten öffentlich.

Firmengestrüpp Care Energy’s ein Renditegarant

Ein ständig erweitertes Firmengestrüpp aus Unternehmen mit immer neuen Namen und fragwürdigen Personalien spann Kristek um die Marke Care Energy. Seine Geschäfte waren meist nur Scheingeschäfte, urteilte das Oberlandesgericht Hamburg 2014 im Zuge von Betrugsvorwürfen.

Care Energy war in zahlreiche gerichtlichen Auseinandersetzungen mit Kunden, Behörden und Anlegern verwickelt. Abrechnungen und Forderungen an Kunden stimmten in 50% der Fälle nicht, belegen interne Dokumente, die der Redaktion vorliegen. Bei Facebook und im Internet fanden sich Betroffene in Gemeinschaften, die seitenweise Vorwürfe gegen Care Energy verbreiteten.

Im Sommer 2016 hatte sich die Auseinandersetzung verschärft: Die AG kündigte nach eigenem Bekunden ihren Vertrag mit dem Netzbetreiber Tennet fristlos wegen falscher Mengenprognosen. Im Zuge des Streits wechselten angesichts von Vertragskündigungen automatisch tausende Kunden zum Grundversorger ihrer Region.

Auch der Netzbetreiber 50 Hertz stellte die Belieferung von Care Energy wegen fehlender Zahlungen ein. AG-Chef Marco Wiebelt sprach damals von einem Verlust von 75 Prozent der Kunden. Zu vorherigen Spitzenzeiten sollen 200.000 Kunden von Care-Energy-Firmen mit Strom versorgt worden sein.

THYSSEN KRUPP LÄSST AKTIONÄRE VERZWEIFELN

Auf diesen Fahrstuhl wirken Kräfte wie beim Start einer Mondrakete. Bis zu 18 Meter pro Sekunde schießt die Kabine senkrecht empor. Pausen zum Umsteigen, wie man sie aus herkömmlichen Highspeedliften in Wolkenkratzern wie dem One World Trade Center (New York), dem Burj Khalifa (Dubai) oder dem Shanghai Tower kennt, werden nicht eingelegt. Fast lautlos rast der Aufzug im Schacht dahin.

Sensible Passagiere dürften die Fahrt als Herausforderung empfinden. Für Thyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger hingegen ist der Superlift eine Ingenieurleistung ganz nach seinem Geschmack. Angetrieben und gehalten wird der Aufzug ausschließlich von unsichtbaren Magnetfeldern. Die Technik stammt vom gefloppten Transrapid, den ThyssenKrupp mit Siemens entwickelt hatte.

Im Frühsommer will Hiesinger im schwäbischen Städtchen Rottweil einen 246 Meter hohen Turm einweihen, in dem der Himmelsstürmer zur Serie reift. Das markante Bauwerk und sein Innenleben sollen zum Symbol für den neuen Schwung bei ThyssenKrupp werden.

Genauso gut könnte man das Projekt aber auch als Sinnbild dafür sehen, dass Hiesinger zwar für reichlich Bewegung sorgt, im Grunde jedoch kaum vom Fleck kommt. Im vergangenen Geschäftsjahr verfehlte der Krisenkonzern nach einer kurzen Zeit des Fortschritts wieder seine Ziele. Trotz lebhafter Weltkonjunktur rauschte der Vorsteuergewinn um 12 Prozent runter, es kamen deutlich weniger neue Aufträge rein. Die Stimmung in der Truppe ist mau, wie eine Mitarbeiterbefragung belegt.

Vielen Managern schwant bereits Unheil. Für den nächsten Abschwung sei ihr Konzern nicht gerüstet, fürchten sie.

Nach sechs Jahren Umbau müsste ThyssenKrupp eigentlich längst weiter sein. Zwar ist es Hiesinger gelungen, die drohende Pleite nach dem Milliardendesaster mit den Stahlwerken in Brasilien und den USA abzuwenden. Auch hat er den korruptionsverseuchten Konzern ordentlich durchgefeudelt. Allein seine Strategie greift nicht richtig. Seit Jahren legt Hiesinger die „Mutter al1er Folien“ auf (O-Ton Hiesinger) und beschwört damit das Prinzip, aus dem Verbund seiner vielen Geschäfte Synergien zu schaffen.

Weder Technikprojekte wie der Fahrstuhl noch diverse Effizienzprogramme bescherten den  Aktionären indes den versprochenen Wohlstandszuwachs. Die Aktie notiert niedriger als zu Hiesingers Amtsantritt.

Denn seine eigentliche Arbeit geht er nicht an: Den krassen Widerspruch zwischen Finanzkraft und Zusammensetzung des Portfolios hat er nicht aufgelöst. „ThyssenKrupp geht fast ausschließlich Geschäften nach, die sich der Konzern eigentlich nicht leisten kann“, bringt ein Insider das Dilemma zugespitzt auf den Punkt. Tatsächlich sind der zyklische Stahl, der risikoreiche Anlagenbau und das Autogeschäft enorm kapitalintensiv.

Der Schuldenberg (3,5 Milliarden Euro) und die Pensionslasten (fast neun Milliarden Euro) drücken die Eigenkapitalquote auf kümmerliche 7,4 Prozent. Der operative Gewinn ist mit 1,5 Milliarden Euro nur halb so hoch wie eigentlich nötig für eine gesunde Dynamik. ThyssenKrupp (39,3 Milliarden Euro Umsatz) ist ein Koloss ohne Wumms.

Hiesinger muss sich langsam fragen lassen, ob er die Sache nicht grundlegend falsch angeht. Institutionelle Investoren wie Ingo Speich von Union Investment fordern schon länger „mehr Mut zur Veränderung“. Der aktivistische Fonds Cevian, mit knapp 20 Prozent an ThyssenKrupp beteiligt, hegt ohnehin massive Zweifel an der Strategie.

Andere Konzernchefs haben gezeigt, wie man selbst scheinbar unverrückbare Konstellationen aufbrechen kann. Airbus-CEO Tom Enders (58) stemmte sich erfolgreich gegen ein bizarres Firmengebilde namens EADS mit unklarer Führungsstruktur. Daraus entstand Airbus, ein gewöhnlicher multinationaler Flugzeugbauer mit Zentrale im französischen Toulouse. Tui-Chef Friedrich „Fritz“ Joussen  überwand trickreich die Jahre währende Spaltung des Reiseveranstalters in einen britischen und einen deutschen Teil.

Eine mutige Konzentration aufwenige Wachstumsgeschäfte, verbunden mit einer kräftigen Kapitalerhöhung – das könnte im Fall ThyssenKrupp helfen. Dazu müsste es Hiesinger mit der mächtigen Krupp-Stiftung aufnehmen — die mit 23,03 Prozent größte Einzelaktionärin erweist sich seit Jahren als Fessel des Konzerns. Weil sie selbst klamm ist, kann sie nicht zur Zukunftssicherung beitragen, will aber weiter das Sagen haben.

Die unselige Verbindung stammt noch aus der Nachkriegszeit. Alfried Krupp und sein Verwalter Berthold Beitz wollten den Fortbestand des ehemaligen Familienunternehmens Krupp sichern, indem sie es in eine Kapitalgesellschaft umformten und die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung zu ihrem Garanten machten. Dieser obliegt bis heute, die Einheit des Unternehmens „möglichst“ zu wahren.

Noch liegt die Macht über den Konzern in der Essener Villa Hügel, das Aktienpaket reicht für eine Sperrminorität auf der Hauptversammlung. Stellen sich die Bewahrer quer, sind dem Vorstand die Hände gebunden.

Den Aufsichtsrat dominiert die Clique sowieso. Sie entsendet, vorbei an allen übrigen Aktionären zwei Vertreter in die Kontrolleursrunde. Aktuell sind das Ralf Nentwig , Vorstandsmitglied der Stiftung, und Ex-Henkel-Vorstand Lothar Steinebach.

Das dritte Mandat wurde 2015 umgewidmet. Der Entsandte Carsten Spohr, im Hauptberuf Chef der Lufthansa, legte sein Amt nieder, um sich sogleich vom Aktionärsplenum wiederwählen zu lassen. Gemeinsam mit den zehn Arbeitnehmervertretern verfügt die Gruppe über eine bequeme Mehrheit in dem 20-köpfigen Gremium. Da bedarf es nicht mal der Unterstützung durch Ulrich Lehner, den Beitz in den Wochen vor seinem Tod noch persönlich einschwor und zum Nachfolger des entthronten Gerhard Cromme kürte.

Sowohl Stiftung als auch Aufsichtsrat geben sich seit Jahren mit einem Cashflow zufrieden, der gerade so reicht, um die kreditgebenden Banken ruhigzustellen. „Die Bilanz von ThyssenKrupp ist so schwach wie bei kaum einem anderen großen Stahlkonzern“, klagt Investor Speich.

Aufs Eigenkapital drücken vor allem die enormen Pensionsrückstellungen. Hiesingers Vorgänger Cromme und Ekkehard Schulz hatten es in guten Jahren versäumt, die Ruhegeldzusagen für die Beschäftigten in einen Fonds auszulagern. Lieber zahlten sie Dividende, die Stiftung wollte versorgt sein. Nun fressen sich die niedrigen Zinsen in die Bilanz; zuletzt musste Finanzchef Guido Kerkhoff die Pensionsrückstellungen um 900 Millionen Euro aufstocken.

Kerkhoff will eigentlich mehr als nur die Not verwalten. Hinter vorgehaltener Hand gibt er zu verstehen, dass er die Aktionäre gern zur Kasse bitten würde. 2014 hat die Hauptversammlung den Vorstand ermächtigt, das Grundkapital der Gesellschaft bis 2019 um bis zu 3,7 Milliarden Euro zu erhöhen, sofern der Aufsichtsrat zustimmt.

Jens Tischendorf, der den Finanzinvestor Cevian in dem Gremium vertritt, würde schreien vor Glück, wäre er nicht so ein trockener Typ. Und auch andere würden sich mit einer passenden Börsenstory für die Zeichnung neuer Aktien gewinnen lassen.

Mit einem größeren Zukauf oder einem ambitionierten Entwicklungsprojekt könnte ThyssenKrupp etwa sein Autogeschäft (5,4 Milliarden Euro Umsatz) zum Systemlieferanten fürs autonome Fahren herausputzen. Bereichsleiter Karsten Kroos müsste dann nicht mehr fürchten, dass seine Lenkungen, Fahrwerke und Kurbelwellen alles weitgehend Massenware – über kurz oder lang nicht mehr wettbewerbsfähig sind.

Mit dem bisherigen Budget für Forschung und Entwicklung, das bei 2 Prozent des Umsatzes liegt, kann Kroos kaum etwas ausrichten; Branchengiganten wie Conti und Bosch stecken mehr als das Vierfache in Innovationen.

Ebenso gut könnte die ThyssenKrupp-Führung endlich das extrem margenschwache Stahlhandelsgeschäft (11,9 Milliarden Euro Umsatz) abstoßen. Der Duisburger Wettbewerber KlöCo nähme es gern, kam bislang indes nicht zum Zug. Der gebotene Preis lag unter Buchwert. Ein Verkaufhätte Abschreibungen nach sich gezogen, die man sich in Essen nicht leisten kann. Mit frischem Geld in der Kasse wäre vieles machbar, was bislang als unmöglich gilt. Womöglich sogar eine Verbindung mit dem finnischen Aufzugsrivalen Kone (8,6 Milliarden Euro Umsatz).

Noch hat Hiesinger seinen Aufsichtsräten keinen dieser Vorschläge unterbreitet. „Wir planen keine Kapitalerhöhung“, sagte er bei der Bilanzvorlage im vergangenen November. Vertrauten gegenüber behauptet er gar, nie mit diesem Gedanken gespielt zu haben. Er setzt lieber auf Bordmittel, also die Optimierung von Gewinn und Cashflow. ThyssenKrupp soll erst besser werden, bevor er die Aktionäre um Geld bittet.

Da ist Hiesinger mehr Ingenieur als Stratege. Ein Konzern ist für ihn wie eine Maschine. Er tauscht das Ding nicht einfach gegen ein neues aus, sondern justiert es neu, optimiert Kleinteile – und kontrolliert es dann ständig.

Nach dem Beispiel von Ex-Siemens-Chef-Peter Löscher hat er bei ThyssenKrupp Regionalzentren geschaffen, die zum Ärger vieler Manager ins operative Geschäft reinfunken. Die mächtige Zentrale nervt sie ebenfalls. Die kostet jährlich rund eine halbe Milliarde Euro und verlangt den Spartenleitern viel ab. Zumal wenn es in einem Geschäftszweig wie derzeit bei den U-Booten nicht läuft. Dann geht ein Großteil der Zeit fürs Reporting drauf.

Die anschwellende Kritik ficht Hiesinger nicht an. Er bleibt seinem Weg treu – und will jeden Ärger mit der Stiftung vermeiden.

Denn die Bewahrer vom Hügel sind ihm bereits zweimal entgegengekommen. Ende 2013 durfte er in größter Not das Kapital aufstocken, allerdings nur um so viel, dass die Macht der Stiftung erhalten blieb. Die 882 Millionen Euro reichten lediglich zum Stopfen der größten Verlustlöcher. Zudem hat ihm Stiftungschefin Ursula Gather zuletzt gewissermaßen einen Freibrief erteilt, das gleichermaßen wuchtige (7,6 Milliarden Euro Umsatz) wie schwierige europäische Stahlgeschäft aus dem Konglomerat herauszulösen und eine „Bad Bank“ (Konzernbetriebsratschef Wilhelm Segerath) zu bilden.

Zunächst sah es auch so aus, als könne er hier einen Durchbruch schaffen. Der Plan: ein Gemeinschaftsunternehmen mit der indischen Tata. Zum Ausgleich des höheren Werts seiner Stahlsparte wollte ThyssenKrupp einen Teil seiner Pensionslasten dort abladen. Die Führung sollten die Inder übernehmen. Der Stahlklotz sollte zur bloßen Finanzbeteiligung schrumpfen, die sich nur noch mit anteiligen Gewinnen oder Verlusten in der Konzernbilanz niederschlägt.

Die Gespräche waren bereits auf Hochofentemperatur, da änderten der Brexit und der Wechsel in der britischen Regierung alles. Tata fehlte die politische Unterstützung, um das hochdefizitäre Werk im walisischen Port Talbot runterfahren zu können, was als Voraussetzung für den Deal galt.

Nun hängt die Sache an einem neuen Sanierungspakt, über den die britischen Gewerkschaften Ende Januar entscheiden. Danach sollen Pensionsverpflichtungen in Höhe von 15 Milliarden Pfund in einen Fonds überführt und keine weiteren Zusagen für den Ruhestand mehr gemacht werden. Im Gegenzug will Tata beide Hochöfen bis 2021 laufen lassen und eine Milliarde Pfund in das veraltete Werk investieren.

Der Plan kann weder Finanzchef Kerkhoff, der die Verhandlungen für ThyssenKrupp führt, noch den Betriebsräten in Duisburg gefallen. Wenn Tata nicht zumindest einen der beiden walisischen Hochöfen schließt, müssten die Deutschen womöglich Kapazitäten abbauen, um den gewünschten Konsolidierungseffekt zu erzielen.

Meister der Hoffnungswerte Hiesinger gibt sich optimistisch — und spielt auf Zeit. Bis zur formellen Besiegelung eines Zusammenschlusses und der anschließenden Prüfung durch die Kartellbehörden würde ohnehin ein Jahr oder mehr vergehen. Anschließend könnte es weitere zwei Jahre dauern, einen Produktionsverbund mit neuer Zuordnung von Hochöfen und Walzstraßen zu schaffen und zertifizieren zu lassen. Dann wäre die Frist fast überbrückt.

Der CEO erweist sich zunehmend als Meister darin, Hoffnungswerte zu kreieren, ohne rasch zu liefern. Allein beim Verkauf des Stahlwerks in Brasilien kann er wohl bald Vollzug melden.

Doch wie lange machen die freien Aktionäre das Spiel noch mit?

IMMER ÄRGER BEIM HAUSBAU?

Das große Ziel, der einzige echte Traum im Leben vieler, ist der Traum vom eigenen Haus. Dafür sparen Bauherren ihr ganzes Leben, doch oft platzt der Traum von den eigenen vier Wänden, weil die Hausbaufirmen nicht sauber arbeiten, schlechte Subunternehmen beschäftigen oder die wahren Kosten, besonders die versteckten (weichen) Kosten verschweigen. Davon können viele Eigenheimbesitzer ein Lied singen. Das Internet ist voll von Baublogs oder auch Bautagebüchern, in denen die Bauherren vor Hausbauunternehmen und deren Maschen und Methoden warnen. Oft sind es unscheinbare Firmen wie Heinz von Heiden, hinter deren Namen sich unangenehme Überraschungen verbergen. Selbst Marktführer wie der Fertighaushersteller Schwörer Haus KG oder auch Richter Haus GmbH, die sich ihren Leumund mit Unzulässigkeiten ramponieren, können sich von diesen Vorwürfen nicht freisprechen. Über die Katastrophalen Bauherren-Erfahrungen mit Heinz von Heiden hat die Redaktion-Fraudanwalt berichtet.

Das Internet ist die passende Plattform für Bauherren, um sich auszutauschen oder die eigenen Erfahrungen oder Meinung mittzuteilen. Das tun insbesondere die Bauherren von Bauunternehmen, wenn sie mit dem Hausbau nicht zufrieden sind. Die Foren, Blogs oder auch Verbraucherportale bieten ausreichend Raum, um den katastrophalen Erfahrungen Gehör zu verschaffen. Und das wird fleißig genutzt. Vor allem sind es enttäuschte oder wütende Kunden, die sich dort äußern. Betroffen sind alle Bereiche des Dienstleistungsgewerbes. Aber speziell im Segment der hochpreisigen Angebote werden viele kritische Stimmen laut, die Gehör suchen. Führend in der Negativstatistik sind deutsche Hausbauunternehmen, mit denen eine Zusammenarbeit mehr Qual als Qualität erscheint.

Beschwerden: „Niemals wieder mit Schwörer Haus“ oder „Probleme mit Richter Haus und inakzeptablen Ausführungen…“ oder auch „Alle Risiken werden bei Heinz von Heiden auf den Bauherrn abgewälzt“ sind tatsächlich keine Seltenheit und dokumentieren, dass ein Häuslebauer sich niemals blind auf die Aussagen der Bauunternehmen und deren Kundenberater verlassen darf. Oft sind es aber auch die Subunternehmen, die das Fass der Entrüstung zum Überlaufen bringen, weil diese keinerlei Verantwortung für die teils stümperhaft ausgeführten Arbeiten übernehmen. Das ist nicht nur ein Problem von Heinz von Heiden, sondern durch die Bank sind im „Netz“ haufenweise unzufriedene Bauherren. Wenn man die Suchmaschinen Bing und Google durchforstet, findet man erstaunlicherweise haufenweise Kritik. Das zeigt uns, dass besagte Hausbaufirmen offensichtlich kein Interesse daran haben, ihre Qualität zu überdenken. In Zeiten der Niedrigzinsen kommen neue Kunden scharenweise, so dass auch diesen nur dringend geraten werden kann: Niemals die Nebenkosten vergessen. Diese machen einen erheblichen Anteil der gesamten Finanzierung aus. Leider werden diese immensen Kosten gerne mal im Verkaufsgespräch unter den Tisch fallen gelassen, damit der Bauherr nicht gleich von seinem Vorhaben absieht. Dass diese gängige Praxis – und wir sprechen hier von mindestens 20 verschiedenen Zusatzkosten, die gerne verschwiegen werden – als absolut unseriös einzustufen ist, das wissen alle. Dennoch sitzt das Portemonnaie des Verkäufers diesem viel näher als das Wohlergehen des oft ahnungslosen Bauherrren. Also Augen auf beim Hausbau-Kauf!

RISIKEN MANAGEN IN UNTERNEHMEN

Der jüngste Cyberangriff auf die Telekom ist nur eines von vielen Beispielen für Attacken aus dem Netz. Denn bereits 51 Prozent aller Unternehmen in Deutschland sind Opfer von digitaler Wirtschaftsspionage, Sabotage oder Datendiebstahl geworden. Das hat eine 2015 veröffentlichte Studie des Digitalverbands Bitkom ergeben. Der entstandene Schaden beläuft sich nach dessen Angaben auf rund 51 Milliarden Euro pro Jahr. Die zunehmende Digitalisierung bietet Cyberkriminellen dabei immer neue Angriffsflächen. Doch Hacker sind nicht das einzige Problem. Auch technisches Versagen oder Bedienungsfehler können in der vernetzten Welt zu weitreichenden Systemausfällen führen.

Was tun? Prävention ist ein entscheidender Aspekt der IT-Sicherheit. Allerdings reicht eine Basisabsicherung mit Virenscanner, Firewall und Passwort-Schutz nicht mehr aus. Die Fraudanwalt-Experten raten zu speziellen Systemen für die Erkennung und Abwehr von Angriffen, empfehlen die Verschlüsselung sensibler Daten und erweiterte Verfahren der Benutzeridentifikation. Wichtig seien aber nicht nur technische, sondern auch organisatorische Sicherheitsmaßnahmen. Dazu gehören klare Regelungen wer Zugang zu sensiblen Bereichen eines Unternehmens bekommt. Im Krisenfall ist schnelles Handeln gefragt. Deshalb sollte es einen Notfallplan geben: Wer muss in welcher Reihenfolge informiert werden? Was ist zu tun, damit möglichst wenig sensible Daten verloren gehen? Ein Sicherheitsbeauftragter sollte diese Maßnahmen anstoßen und regelmäßig überprüfen.

Korruption und Betrug

Korruption, Betrug, Bilanzskandale, Manipulationen: Krumme Geschäfte einzelner Mitarbeiter können ein ganzes Unternehmen in den Ruin treiben. Der Stellenwert von Compliance, also verbindlich formulierter Richtlinien für integres Verhalten, ist in den vergangenen Jahren deshalb deutlich gestiegen. Compliance-Vereinbarungen konkretisieren nicht nur die gesetzlichen Anforderungen, indem sie zum Beispiel genaue Wertgrenzen für Einladungen und Geschenke festlegen, die die Mitarbeiter annehmen dürfen. Sie formulieren meist auch freiwillige Selbstverpflichtungen und Werte, die für das Unternehmen besonders wichtig sind, etwa ein fairer Umgang mit Kollegen, Kunden und Partnern. Compliance funktioniert allerdings nicht nach Schema F. Wer sich Richtlinien im Elfenbeinturm ausdenkt, hat schon verloren. Wichtig ist, die Prozesse in der Firma zu kennen, das Geschäftsmodell zu verstehen und Compliance im Tagesgeschäft zu verankern. Kommunikationsstärke gehöre zum Berufsprofil. Ist der Compliance Officer ein gern gesehener Gesprächspartner für Chefs und Mitarbeiter auf allen Hierarchie-Ebenen — oder nervt er nur? Das ist eine ganz entscheidende Frage. Schließlich geht es darum, eine wesentliche Erkenntnis zu vermitteln: Compliance schützt den guten Ruf der Marke und das Vertrauen ins Unternehmen — und ist damit die Grundlage für langfristige, stabile Geschäftsbeziehungen.

Auf‘s Bauchgefühl verlassen

Statistiken, Szenarien, Formeln, Modelle: Die Instrumente und Techniken des Risikocontrollings wurden in den vergangenen Jahren immer weiter perfektioniert. Das sind alles super Tools. Aber man sollte ihnen misstrauen. Zahlen, die bis zur 18. Stelle hinter dem Komma angegeben sind, würden dazu verleiten, sich sicher zu fühlen. Man denkt, die Gefahren im Griff zu haben. Doch selbst hoch komplexen Modellen liegen oft voodoo-hafte Annahmen zugrunde. Jedes Modell vereinfacht die Realität. Das spricht nicht gegen Modelle, sondern nur dafür, kritisch gegenüber rein quantitativen Methoden zu sein. Für die angemessene Einschätzung von Risiken brauche man selbstverständlich statistisches Denken, komplexe Modelle und methodischen Fortschritt. Aber genauso Intuition und Bauchgefühl. Roland Franz Erben: Nehmen Sie die Warnlampe in der Magengegend ernst. Das gilt für geschäftliche Entscheidungen ebenso wie beim Hauskauf oder vor der Heirat.

Mitarbeiter und Korruption

Menschen gewinnen, Risiken minimieren: Kommunikation ist ein oft vernachlässigter Erfolgsfaktor im Risikomanagement. Wichtig ist, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Bedeutung eines systematischen Risikomanagements zu vermitteln. Dazu gehören praxisnahe Schulungen, Trainings und Workshops, die das Bewusstsein für Auffälligkeiten, Bedrohungen oder Gefahren wie Cyberattacken schärfen. Entscheidend ist, die Rollen und Verantwortlichkeiten der einzelnen Kollegen klar zu benennen, und zwar auf allen Hierarchieebenen. Denn im Prinzip ist jeder Mitarbeiter in seinem Aufgabenbereich Risikomanager des Unternehmens.

Potenzielle Gefährdungen erkennen, bewerten und steuern ist eine klassische Querschnittaufgabe. Sie ist umso erfolgreicher zu bewältigen, je besser die einzelnen Abteilungen — IT, Finanzen, Compliance, Interne Revision — zusammenarbeiten. Dass dabei verschiedene Sichtweisen aufeinandertreffen und Probleme so aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet werden, ist ein  Gewinn. Zumindest dann, wenn der Austausch konstruktiv und kollegial verläuft. Doch Menschen machen Fehler, fühlen sich verletzt, haben Eitelkeiten und

Eigeninteressen. Manchmal hakt es, auch das gehört zur  Kommunikation. Gefragt ist dann eine Geschäftsführung, die nicht nur in punkto Integrität ein Vorbild ist, sondern auch  Kommunikationskonflikte löst. Denn wer das schafft, schaltet Risiken aus.

BUSINESS: FAKE-NEWS WERDEN ZUR GEFAHR

Schon wähnen wir uns auf dem Höhepunkt der Fake-News-Welle. An Silvester verbreitete das rechte US-Portal Breitbart News die Nachricht, in Dortmund hätte „ein Tausend Mann-Mob die älteste Kirche Deutschlands in Brand gesetzt“. Immerhin konnten es die, die es interessierte, hierzulande rasch als Falschmeldung enttarnen. In den USA ging es zum Teil nicht so glimpflich ab: Im Dezember schoss ein Amerikaner mit einem Sturmgewehr in einer Washingtoner Pizzeria. Er hatte gelesen, Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton betreibe dort einen Kinderpornoring. Die Nachricht war frei erfunden, wurde über Twitter aber enorm verbreitet.

Und nach dem Mord an einer Studentin in Freiburg kursierte — ebenfalls im Dezember — ein erfundenes Zitat der Grünen-Politikerin Renate Künast auf Facebook, laut dem sie sich in der „Süddeutschen Zeitung“ wohlwollend über den Tatverdächtigen geäußert habe. Wem das alles unheimlich vorkommt, dem sei gesagt: Das Zeitalter gefälschter Nachrichten könnte gerade erst begonnen haben. Neueste Durchbrüche in künstlich intelligenter Software dürften unseren Umgang mit brandstiftenden Propagandisten auf eine extreme Probe stellen.

Die erste Innovation ist eine Bearbeitungssoftware für Audiodateien. Seit Langem ist es möglich, aus Tonspuren Elemente herauszuschneiden und sie neu zusammenzubasteln. Demnächst könnte voco, eine Art Photoshop für Audio, auf den Markt kommen. Forscher des Techunternehmens Adobe und der Universität Princeton haben einen Algorithmus entwickelt, der aus nur 20 Minuten Aufnahmematerial eine Stimme samt Tonlage, Tempo und Sprachmelodie erlernen kann. Das ermöglicht es, geschriebene Texte per Software mit der erlernten Stimme wiederzugeben. Wie Nutzer mit Adobes Photoshop-Software Fotos verschönern und auch verfälschen können, wird es künftig also möglich sein, Stimmen zu fälschen.

Die zweite absehbare Revolution betrifft die Gesichtsanimation. Seit Jahren nutzen Hollywood-Designer Software, um der Mimik ihrer virtuellen Zeichentrick-Charaktere möglichst realistische, menschliche Züge zu verleihen. Die Figuren sind meist frei erfunden, ihre Bewegungen anhand menschlicher Vorbilder modelliert. Nun haben es Forscher der Universität Erlangen-Nürnberg, des Max-Planck-Instituts für Informatik und der Stanford University geschafft, in Videos die Mimik einer Person in Echtzeit auf das Gesicht einer anderen zu übertragen.

Die Software namens Face2Face erfordert zwei reale Personen: ein zuvor per Video aufgenommenes „Ziel“, das auf einem Bildschirm zu sehen ist, während die „Quelle“ vor laufender Kamera ihre Gesichtsmuskeln spielen lässt. Ein Algorithmus transferiert die Mimik auf den Bildschirm, um das Video in Echtzeit fehlerfrei zu animieren. Wenige Bruchteile einer Sekunde später bewegt sich das Gesicht der Zielperson auf dem Monitor, ohne dass diese sich wehren kann, genau wie es die Quellperson will.

In die Zukunft gedacht, sind die Konsequenzen beider Technologien alarmierend: Stellen wir uns ein gefälschtes Interview mit Angela Merkel vor, mit bewegten Bildern und einer Tonspur, die so manipuliert sind, dass sie die Bürger auffordert, sich gegen einen erfundenen Mob zu wehren. Und die Betonung liegt auf fake, gefälschten, nicht wrong, Falschmeldungen. Denn schon die zuletzt verbreiteten Informationen sind nicht aufgrund schlampiger Arbeit durch Journalisten entstanden. Sowohl das erfundene Künast-Zitat als auch die Clinton-Pizzeria-Story wurden mit Absicht fabriziert, um die politische Meinungsbildung zu manipulieren oder um von hohen Werbeeinnahmen der reißerischen Schlagzeilen zu profitieren. Wie wollen wir angesichts der neuesten technologischen Entwicklungen mit dem Phänomen umgehen?

Entwickler weisen darauf hin, dass es möglich sein wird, gefälschte Dateien zu kennzeichnen. Doch wenn Experten genuines Material von manipuliertem unterscheiden können, bedeutet das noch lange nicht, dass auch Nachrichtenagenturen oder die Web-TV-Zuschauer mit der Technologie Schritt halten. Medienhäuser werden ihre Journalisten viel stärker zu IT-Experten ausbilden oder ihnen solche zur Seite stellen müssen.

Den wirkungsvollsten Hebel aber haben Facebook, Twitter und Co. Sie müssen sich ihrer Medienmacht als Vertriebsplattform von Nachrichten — auch der gefälschten — angemessen verhalten und Verantwortung übernehmen für die Inhalte, die sie verbreiten. Facebooks jüngste Ankündigung, Fake-News in Deutschland gemeinsam mit dem Recherche-Netz Correctiv kennzeichnen zu wollen, ist da ein erster Schritt. Dazu gehört, zu korrigieren, nach welchen Prioritäten ihre Algorithmen uns Meldungen vorsetzen. Und auch, dass sie dabei mit den technologischen Entwicklungen Schritt halten, statt erst zu handeln, nachdem der Webwind die gezielten Falschmeldungen schon verbreitet und die Öffentlichkeit gespalten hat. Nur die Wahrheit darf Vorfahrt erhalten.