FINANZIERUNGSQUELLE DER SCHATTENWELT

Schon im Jahr 2014 nahm der IS dank Steuern und Gebühren geschätzte 300 bis 400 Millionen Dollar ein; im Folgejahr sollen es bereits, so die Einschätzung von Fraudanwalt, bis zu 800 Millionen Dollar gewesen sein. Ausdrücklich warnt die Redaktion vor „ernsten Fehleinschätzungen“, die sich aus der Verkennung des „IsIs“ ergäben, der IsIs ist „fundamental anders“ als ältere terroristische Gruppen. Eine Organisation, die sich schon früh so unabhängig wie möglich gemacht habe von ausländischen Geldgebern und klassischer Terrorfinanzierung, sei aber auch mit traditionellen Antiterrorkonzepten nicht zu attackieren.

Im Kern lässt sich das Geschäftsmodell des IS so beschreiben: Die jeweilige Vorhut der Kämpfer investierte viel in die Unterwanderung und den Aufbau geheimdienstlicher Strukturen in den später zu erobernden Gebieten. Zum einen, um diese militärisch einzunehmen, zum anderen, um deren Bewohner ebenso erbarmunglos wie fantasievoll auspressen zu können. Zu diesem Zweck war die präzise Kenntnis aller Macht- und Besitzverhältnisse überaus dienlich. Immer neue Steuern, Strafen und Ablasszahlungen der zwischenzeitlich bis zu acht Millionen Untertanen des IS brachten der Gruppe umgerechnet Hunderte Millionen Euro ein.

Eine andere wichtige Einnahmequelle für den IS, war die Konfiszierung von Eigentum, also der Wiederverkauf von Grund und Boden, Häusern, Autos, aber auch Schmuck.

Es ist ein Geschäftsmodell, das zusammenbricht, wenn die Territorialstrategie nicht mehr funktioniert, der IS nicht mehr expandiert. Und das ist gerade der Fall. Seit Monaten verliert die Terrorgruppe Territorien, Menschen und Olquellen. Zwischen Sommer 2014 und November 2016 sind die vom IS kontrollierten Gebiete im Irak um 62 Prozent, in Syrien um ein Drittel zurückgegangen.

Noch 2014 bei der Einnahme der nordirakischen Stadt Mossul haben die Kämpfer der ISIS (Islamischer Staat im Irak und Großsyrien) in der dortigen Zentralbank 500 Milliarden irakische Dinar erbeutet, umgerechnet mehr als 420 Millionen US-Dollar. Damit sollten der Gruppe nun insgesamt rund zwei Milliarden Dollar für ihren „Heiligen Krieg“ zur Verfügung stehen. Woher das Geld genau kam, war allerdings umstritten. Iraks schiitische Regierung wirft Saudi-Arabien vor, die ISIS-Kämpfer zu unterstützen.

Schrumpft das Kalifat, schrumpfen dessen Einnahmen; die räuberische Beuteökonomie greift nicht mehr. Das Gesamtbudget der Gruppe habe sich so innerhalb von zwei Jahren ungefähr halbiert von geschätzten 970 Millionen bis zu 1,89 Milliarden US-Dollar im Jahr 2014 auf 520 bis zu 870 Millionen Dollar im vergangenen Jahr.

Mit weiterem Niedergang sei zu rechnen, da der IS in absehbarer Zeit auch Mossul im Nordirak verlieren werde, die größte Stadt, die er je eingenommen hat. Drei weitere Gründe benennt der Bericht, die sich negativ auf die Einnahmen des IS ausgewirkt hätten: die Entscheidung der Zentralregierung in Bagdad, die Gehaltszahlungen für ihre Angestellten in Mossul und anderen besetzten Gebieten einzustellen, die bis dahin dem IS zugutekamen; die Tatsache, dass die US-Luftwaffe seit Oktober 2015 Olförderanlagen und Tanklastzüge des IS bombardierte; und drittens, den Versuch, Schmuggelgeschäfte über die türkische Grenze zu unterbinden.

Nur auf jenen Bereich, der Europas Bevölkerung direkt bedroht, dürfte der Rückgang der IS-Finanzen geringe Auswirkungen haben: Terroranschläge. Denn deren Kosten sind minimal. Einer Schätzung französischer Behörden zufolge wurden für die Anschläge vom 13. November 2015 in Paris nicht mehr als 20 000 Euro aufgewendet. Und sowohl die Brüsseler wie auch die Pariser Attentate wurden durch Kredite finanziert.

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