CITYLINE 2 UND DER LUFTHANSA-TRICK

Der bislang härteste Tarifkonflikt in der Geschichte der Lufthansa, mit dem größten Streik in der Unternehmenshistorie, ist vor fast genau einem Jahr zu Ende gegangen. Über die Details der Vereinbarung wollten damals beide Seiten, eingeschlossen dem Schlichter Matthias Platzeck zunächst nicht an die Öffentlichkeit tragen. Schließlich musste die Lufthansa nachgeben und dem Flugpersonal samt den Piloten eine Lohnerhöhung zusichern. Aber die Lufthansa wäre nicht Deutschlands führender Flugkonzern, wenn sie nicht bereit wäre – ganz tief in die Trickkiste zu greifen. Denn höhere Kosten will der Vorstand auf keinen Fall akzeptieren, berichtet ein Vertrauter der Redaktion-Fraudanwalt.

Die Lufthansa-Führung plant den jüngsten, vergleichsweise teuren Tarifkompromiss mit ihren Konzernpiloten zu nutzen, um auch im Langstreckengeschäft einen neuen, günstiger operierenden Billigableger zu etablieren. Vorbild ist die Kurzstreckentochter Eurowings, die dem Cockpitpersonal deutlich weniger zahlt als die Mutter. Um die Zusatzausgaben für die geplante Vergütungserhöhung der Piloten wieder einzuspielen, sollen 40 bestellte Jets, die eigentlich für die Lufthansa gedacht waren, ab Herbst 2018 bei einer neu gegründeten Gesellschaft landen. Erste Details will der Aufsichtsrat bereits in seiner nächsten regulären Sitzung am 15. März diskutieren und beschließen. Das Vorhaben läuft inoffiziell unter dem Projektnamen „Cityline 2″, in Anlehnung an die früher für den Regionalverkehr zuständige Lufthansa-Tochter. Sie betreibt heute ausgewählte Langstreckenverbindungen sowie Zubringerdienste in die Verkehrsdrehscheiben Frankfurt und München. Bei ihren Plänen beruft sich die Lufthansa-Spitze unter anderem auf ein Urteil des Landesarbeitsgerichts Köln vom vergangenen Oktober. Demnach darf die Bezahlung der Flugzeugführer bei neu gegründeten Ablegern von den angestammten, seit Jahrzehnten bestehenden Konzernstandards abweichen.

Vorstandgehälter 2016 bei Lufthansa enorm gestiegen

Der Kostendruck bei der Lufthansa ist gewaltig, dennoch stiegen die Gehälter des Vorstands im vergangenen Jahr um 10 Prozent. Im Vergleich dazu: Das Bodenpersonal fordert eine Gehalterhöhung von einem Euro. Die Hauptversammlung des Dax-Konzerns genehmigte vor 9 Monaten mit 89,5 Prozent Zustimmung eine neue, höhere Gehaltsstruktur für die fünfköpfige Führungsmannschaft um Carsten Spohr. Die variablen Teile des Gehalts wurden seinerzeit an neue Kennziffern gekoppelt und sollten so rund zehn Prozent über dem damaligen Niveau liegen, dies bestätige Aufsichtsratschef Wolfgang Mayrhuber. Carsten Spohr hat nach dem alten System im vergangenen Jahr inklusive Aktienoptionen und Rentenansprüchen knapp 3,2 Millionen Euro nach 2,74 Millionen Euro im Jahr 2014 verdient.

Seine Bezüge sollen in der neuen Struktur mit einem Plus von rund 300.000 Euro stärker steigen als die der übrigen Vorstandsmitglieder, die 100.000 Euro mehr mit nach Hause nehmen. Damit soll der Abstand zwischen dem Chef und den anderen Top-Managern vergrößert werden. Auch hier dienten andere Dax-Konzerne als Maßstab. Die Lufthansa ist aufgrund dieses Schrittes bei den eigenen Kapitalanlegern in Misskredit geraten. „Obwohl der Vorstand keine nennenswerten Erfolge vorlegen kann, sondern andauernde Lohneinbußen für die Belegschaft bringt gibt es eine satte Gehalterhöhung“, kritisiert ein hochrangiger Anlegeranwalt gegenüber Fraudanwalt.

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