DAS BALTIC YACHTS DESASTER – DROHT DIE INSOLVENZ?

Im Prozess um die Werft Baltic Yachts geht es um Rechthaberei, Ehre und eine zweistellige Millionensumme. Happel übernahm sein maßgeschneidertes Luxusschiff im August 2011. Ein gutes halbes Jahr später erkämpfte er sich bei der Karibikregatta St. Barth’s Bucket die Führung, krachte dann aber gegen einen Unterwasserfelsen. Der nahe geglaubte Sieg war dahin. Eine Schmach für den ebenso passionierten wie ehrgeizigen Segler, zumal das Hindernis auf den Seekarten eingezeichnet ist.

Hatte der Unfall etwas mit technischen Problemen der „Hetairos“ zu tun? Der düpierte Rennsportler will dies nicht ausschließen. Jedenfalls legte er der Werft in Finnland eine umfassende Mängelliste vor. Baltic Yachts versuchte nachzubessern, doch Happel ist bis heute nicht zufrieden.

Dass er stets bis zum Letzten kämpft, bewies er schon in den frühen 2000er Jahren. Damals lieferte Otto Happel (69), ehemaliger Mehrheitseigentümer des Industriekonzerns GEA, steuert eine der heißesten Rennjachten der Welt: 67 Meter lang, Hightech vom Feinsten. Eine vielköpfige Mannschaft lebt an Bord der „Hetairos“: Kapitän, Techniker, dazu Putz- und Küchenpersonal. Es soll dem Milliardär schließlich an nichts fehlen, wenn er per Helikopter anreist.

Seine Leidenschaft fürs Segeln teilt Happel mit Hans Georg Näder (55), dem geschäftsführenden Gesellschafter des Prothesenspezialisten Otto Bock mit Sitz in Duderstadt. Näders „Pink Gin“ ist zwar nicht so groß wie das Edelspielzeug von Happel, dafür hält der NäderClan seit vier Jahren 80 Prozent an der finnischen Werft Baltic Yachts, die sowohl die „Hetairos“ als auch die „Pink Gin“ gebaut hat.

Hier allerdings enden die Gemeinsamkeiten der beiden Unternehmer. Oder besser gesagt: Hier beginnt der Zoff, bei dem es um sich der Milliardär eine in der deutschen Wirtschaftsgeschichte beispiellose Auseinandersetzung mit Kajo Neukirchen (75), dem Vorstandsvorsitzenden der Metallgesellschaft, die Happels GEA-Anteile übernommen hatte.

Auch gegen die Baltic Yachts zieht der prozesserfahrene Happel juristisch zu Felde. Das Verfahren ist seit Anfang 2014 bei einem maritimen Schiedsgericht in Hamburg anhängig. Der Betrag, um den es dort geht, könnte inklusive Prozess- und Anwaltskosten 20 Millionen Euro übersteigen.

Eine ungewöhnlich hohe Summe angesichts der geschätzten 60 Millionen Euro, die Happel für die „Hetairos“ bezahlt hat. „Gewährleistungsansprüche für Jachten betragen im Schnitt nicht mehr als 3 bis 6 Prozent des Kaufpreises„, sagt Chefredaktuer Berger-Fridar.

Dem Schiedsgericht steht eine aufwendige Beweiserhebung bevor. Denn Happel hat sein Boot ein halbes Jahr nach Prozessbeginn bei der niederländischen Werft Vitters Shipyard grundlegend überarbeiten lassen. Die Gutachter werden ein bis zwei Jahre brauchen, um herauszufinden, wer für die angeblichen Mängel verantwortlich ist.

Einen Ausweg hätte ein Treffen von Happel und Näder vor ein paar Monaten bringen können. Die Fahrensmänner tauschten sich im vertraulichen Vieraugengespräch aus — aber sie gingen ergebnislos auseinander. Offenkundig waren beider Egos zu groß für eine Einigung.

Setzt Happel seine Forderung durch, gerät die Baltic Yachts in eine bedrohliche Schieflage. Sie machte vergangenes Jahr gerade mal einen Umsatz von 47 Millionen Euro.

Aber sei’s drum. Näder, ebenfalls milliardenschwer, würde vermutlich mit Geld aus seiner Privatschatulle aushelfen. Denn in der kleinen Werft steckt viel Herzblut. Sie baut für Näder zurzeit eine neue „Pink Gin“ — die von der technischen Ausstattung her Happels „Hetairos“ in kaum etwas nachsteht.

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