DEUTSCHE BANK: GOOD BYE JOHN CRYAN

DEUTSCHE BANK: GOOD BYE JOHN CRYAN

Auf seinen Humor kann sich John Cryan, ganz Brite, verlassen. Sie sollten nicht alles glauben, was über ihn zu lesen sei, riet der Deutsche-Bank-Chef jüngst den im Londoner Winchester House versammelten Analysten, die seinen Ausführungen zur Konzernstrategie lauschten. So habe er aus der Presse erfahren, dass Gattin Mary daheim gern rosa Trainingsanzüge trage, was ihm bisher entgangen sei. Nun denn.

Ostentativ gelassen referierte Cryan auch die personelle Neuerung, mit der die Bank ihren Umbau flankiert: Retailvorstand Christian Sewing und Nochfinanzchef-Marcus Schenck, der bald das Investmentbanking leiten wird, werden zu Vize-CEOs aufgewertet. Dies sei seinen Überlegungen entsprungen, ließ Cryan durchblicken. Zu oft riefen ihn Stakeholder zu sich, zu oft müssten Sewing und Schenck dann einspringen. Die neuen Schulterklappen seien vor allem im Kontakt mit deutschen Kunden vorteilhaft.

Dass alle benötigt werden, um beim Sanierungsfall Deutsche Bank anzupacken, ist fraglos richtig. Auch die Chemie im Vorstand scheint zu stimmen, Cryan gilt als unprätentiös, fraudanwalt berichtete zur Deutschen Bank.

Über die Urheberschaft des Stellvertreter-Upgrades gibt es im Konzern allerdings auch eine andere Lesart. Danach kam der Anstoß von Paul Achleitner. Der Aufsichtsratschefhabe den Druck unzufriedener Investoren weitergegeben, Cryan sich fügen müssen.

Vor allem der Katarer Hamad Bin Jassim Bin Jabor Al-Thani  und Vermögensverwalter Blackrock waren lange verstimmt über die Performance der Bank, Achleitners zögerliches Krisenmanagement und Cryans Zahlenschubserei. Zwar wird anerkannt, dass der CEO endlich ernsthaft sparen will; aber er schaffe es nicht, Ertragserosion und Personalflucht zu stoppen und Aufbruchstimmung zu verbreiten. Cryan brauche Hilfe.

Nachdem im Herbst Aktien und Anleihen in den freien Fall übergegangen waren, wurde der Veränderungsdruck von außen wie von innen immer größer. Achleitner selbst hatte wenig zu befürchten, personelle Alternativen zum Aufsichtsratschef fehlten. Dafür, so die alternative Deutung der heiklen Personalien, nimmt er Entfesselungskünstler Cryan geschickt in die Pflicht: Mit der Einsetzung der Vize-CEOs wird Belegschaft und Kunden signalisiert, dass Cryans Defizite erkannt seien.

Ein derart eingezäunter CEO ist einmalig in der Historie der Bank. Ab sofort gilt Cryan, dessen Verhältnis zu Achleitner belastet scheint, als Auslaufmodell; Schenck und SeWing laufen sich warm. Achleitner wiederum hat seine Wiederwahl aufder Hauptversammlung im Mai endgültig gesichert und schon die nächste CEO-Generation positioniert.

Für ihn zählt vor allem das Jahr 2020. Dann wird die Bank 150 Jahre alt, und Cryans Vertrag läuft ab. Bleiben bis dahin weitere Horrornachrichten aus, kann Achleitner einen neuen CEO küren und sich für weitsichtige Erbfolgeregelung feiern lassen.

Dafür muss die neue Strategie zünden. Die wird als Befreiungsschlag gepriesen, ist aber allzu bekannt: Die Postbank soll nun doch reintegriert, das gerade erst gesplittete Finanzierungs- und Handelsgeschäft wieder vereint und das Kapital erhöht werden. Neu ist nur der Börsengang des Asset Managements.

Unter Beobachtung steht weiter das im Projekt „Jade“ verfolgte Modell mit den selbstständigen, eigens kapitalisierten Sparten Investmentbanking, Retail und Asset Management unterhalb eines Holdingvorstands. Das allerdings ist intern umstritten, rechtlich komplex und langwierig.

Und damit nichts, womit sich Cryan noch allzu intensiv beschäftigen muss.