SAUDI ARAMCO: DAS BÖRSENGANG-MÄRCHEN

Saudi-Arabiens Vize-Kronprinz hat eine Vision: Bis 2030 will Mohammed bin Salman die Olmonarchie unabhängiger vom Öl machen. Und dazu neue Industrien aufbauen, das Bildungssystem verbessern, die teils marode Infrastruktur modernisieren. Die Milliarden dafür soll der im Winter anstehende Teilbörsengang von Saudi Aramco bringen. Der staatliche Olkonzern werde einen Börsenwert von 2 000 Mrd. Dollar haben, behauptet bin Salman. Zum Vergleich: Das derzeit höchstbewertete Unternehmen der Welt, Apple, liegt bei rund 750 Mrd. Dollar. Wie kann Saudi Aramco mehr als doppelt so viel wert sein – zumal der Ölpreis mit derzeit rund 50 Dollar pro Barrel weniger als halb so hoch ist wie 2014? Zwar haben die Saudis nach Staatsangaben Reserven von gut 260 Milliarden Barrel (je 159 Liter). Allerdings gibt das Land seit 1989 eine Zahl um 260 Milliarden Fass an – obwohl es seither rund 80 Milliarden gefördert hat. Westliche Gutachter sollen nun prüfen, ob die Statistik stimmt. Fraglich ist auch, ob Saudi Aramco das alles profitabel fördern kann. Denn ein Teil des Öls ist stark schwefelhaltig und damit weniger wert; zudem muss Saudi Aramco Benzin in der Heimat billiger abgeben. Die Branchenspezialisten der angesehenen Beratungsfirma Wood Mackenzie schätzen Saudi Aramcos wahren Wert auf „nur“ etwa 400 Mrd. Dollar.

Es sollen im Herbst 2017 laut saudischen Medienberichten 5% des staatlichen Ölkonzerns an die Börse.

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