CREATIVE PAYMENTS & MEDIA BV: TEURE KREDITKARTE STATT KREDIT

Die fiese Abzockmasche der CREATIVE PAYMENTS & MEDIA BV ist recht simpel:  Anstatt einen Kredit zu genehmigen, da das Unternehmen lediglich Kredite vermittelt, die  von anderen Instituten stammen, verschickt das Unternehmen zuerst einmal eine Prepaid-Kreditkarte. Und zwar in Verbindung mit dem Kreditvertrag, den jeder Interessent ausfüllen und zurücksenden muss. Dass ein Antragsteller diese Kreditkarte als Bestandteil des Kreditvertrages mit beantragen muss, ist den meisten nicht bewusst. Zu versteckt und verschlüsselt durch wirre Formulierungen kann man in den Vertragsklauseln kaum erkennen, dass hier ein zweites Vertragsdetail mit verbindlichem Charakter genehmigt und bestätigt wird. Sobald der Vertrag an die Creative Payments & Media (CPM) BV in Kerkrade zurückgesandt worden ist, tritt der Zusatzvertrag in Kraft, der den Kreditnehmer in den Besitz einer Kreditkarte bringt. Ganz fies dabei aber ist, dass es sich um eine Prepaid-Kreditkarte handelt, die nichts mit der ursprünglichen Kreditkarte zu tun hat. Mit dieser Karte kann ich nur bezahlen, wenn ich vorher Geld aufgeladen habe – anders als bei der herkömmlichen Karte, die es mir ermöglicht, auf Kredit einzukaufen und später durch Abbuchung vom Referenzkonto dafür zu bezahlen.
Ein zusätzlicher Aspekt von Arglist lässt sich daran erkennen, dass das holländische Unternehmen (mit mindestens 1 Tochterunternehmen „sorglosduo24.de“)  speziell Kunden anspricht, die bei anderen Kreditinstituten mangels Bonität oder schlechter Schufa-Auskunft keinen Kredit bekommen würden, ihnen vonCREATIVE PAYMENTS & MEDIA BV aber vorgegaukelt wird, dennoch eine Chance auf Kreditzuteilung zu bekommen. Kreditnehmer, die wenig oder kein Geld haben, und finanziell nach dem letzten Strohhalm greifen, werden erstmal mit mindestens 50 Euro Kartengebühr und 10 Euro Versandgebühr zur Kasse gebeten, bevor ihnen klar wird, dass es für einen Kredit sowieso nicht reichen wird, da das Unternehmen nach unverhältnismäßig langer Wartezeit einen abschlägigen Hinweis verschickt. Statt dessen besitzt der gebeutelte Antragsteller nun eine Kreditkarte, mit der er nichts anfangen kann, wenn er nicht vor dem Einsatz der wertlosen Plastikkarte selbst Geld darauf hinterlegt. Geld welches er voraussichtlich  nicht hat, da er sonst wohl kaum einen Kredit nachfragen würde. Sobald ein Kunde bemerkt, dass er ganz übel hinters Lichtgeführt wurde und nun die Verpflichtung eines Kartenvertrages an der Backe hat, versucht er vielleicht, diese vertragliche Vereinbarung rückgängig zu machen. In dem Moment aber, wo er die Zahlung verweigert, erreichen ihn  unversehens Mahnungen von Inkassounternehmen, die die fällige Zahlung eintreiben wollen. Durch Inkassogebühren verdoppeln sich die Kosten ganz schnell, so dass hier guter Rat teuer ist. Die Verbraucherzentralen wurden durch unzählige Beschwerdebriefe auf die Firma aufmerksam und haben das Unternehmen abgemahnt. Bis jetzt ohne Erfolg. Die Abzocke geht munter weiter

AIRBERLIN-ENTSCHÄDIGUNGEN: VIEL VERSPROCHEN, NIX GEHALTEN

Es ist bei guten Vorsätzen geblieben: AirBerlin hatte noch im Herbst 2016 in einer Dokumentation des WDR-Fernsehens beteuert, man wolle Fehler vermeiden, die Interessen und Ansprüche der Kunden berücksichtigen und aus der Vergangenheit lernen. Es geht dabei um das leidige Thema der Entschädigungen bei Flugausfällen oder Verspätungen. Wie Fraudanwalt vorliegende Briefe und Mails belegen – als Beschwerdebriefe geschrieben an das Luftfahrtunternehmen – hat es sich das Berliner Unternehmen nicht zu Herzen genommen, was man noch vor laufenden Fernsehkameras im Oktober 2016 zum Besten gegeben hatte: Beschwerden, und vor allem die Ansprüche der Fluggäste, ernst nehmen und nicht versuchen, diese durch zeitliche Verzögerungen oder Vergleichsangebote zu schmälern. Gemeint ist die gute alte Zermürbungstaktik: Den Anspruchsteller möglichst lange auf Antwort warten lassen, zwischendurch mit belanglosen Durchhalteparolen bei Laune halten, versuchen den Anspruch herunter zu handeln und ansonsten nach dem Prinzip Hoffnung agieren: irgendwann wird der Kunde die Sache auf sich beruhen lassen. Das ist nicht schön, und das ist unfair. Denn die Airline ist natürlich an geltendes Gesetz gebunden, welches Entschädigungszahlungen ab 3 Std. Flugverspätung oder Flugausfall beinhaltet. Viele der Mails an Fraudanwalt beschäftigen sich mit dem Streik des Bodenpersonals im vergangenen März: da kam es zu massiven Flugausfällen, so dass sich viele Passagiere ein Auto mieten oder teure Bahntickets kaufen mußten. Alle bei der Fluggesellschaft eingehende Mails oder Briefe werden anfangs sehr schnell und zeitnah beantwortet: allerdings als Standardantwort, nämlich dass man die Anfrage an die entsprechende Beschwerde- oder Servicestelle weitergegeben hätte. Danach passiert erstmal nichts mehr. Beim nächsten Schriftverkehr zwischen Kunde und Gesellschaft mit der Nachfrage, wie der Stand der Dinge sei, wird geantwortet, dass die Vielzahl an eingehenden Nachrichten es unmöglich mache, den Sachverhalt derzeit abschließend zu klären – man möge sich doch noch ein bisschen gedulden. Weitere 2 Wochen später kommt dann bei erneutem Nachfragen die Antwort, man möge sämtliche Reiseunterlagen und Nachweise für den Flugausfall plus die Rechnungen für den Leihwagen einreichen. Wer jetzt aber nicht mit größter Sorgfalt seine Belege aufbewahrt hat, für den fangen die größten Probleme erst an. Der ist dann nämlich in der berühmten „Beweispflicht“ und muss Belege beibringen. Kann er das nicht, erlischt sein Anspruch. Sehr zur Freude von AirBerlin. Sollten dann aber die Unterlagen vollständig eingereicht worden sein, versucht die Airline die Entschädigungs- und Erstattungszahlungen möglichst gering zu halten. Wie auf dem türkischen Basar wird dann gefeilscht und verhandelt, nur um eventuell ein paar Euros einzusparen. Meist läuft es darauf hinaus, dass die Gesellschaft einen Fluggutschein anbietet. Aber auch dieser entspricht nicht dem vollen Erstattungsanspruch, sondern auch hier werden Abzüge vereinbart. Viele Kunden lassen sich entnervt auf diesen Kuhhandel ein, um den nervigen Kleinkrieg zu beenden. Wer aber weiter auf die volle Erstattung pocht, der braucht in der Regel einen langen Atem. AirBerlin gibt sogar öffentlich zu, dass Rückerstattungen mindestens 2-3 Monate in Anspruch nehmen. Da fragt man sich, was die vielen Mitarbeiter der Serviceabteilung oder im Beschwerdemanagement den ganzen Tag machen? Wenn die Aktie der Gesellschaft ein Sinnbild für den Verfall von Anstand und Kundenservice darstellt, dann sprechen 59 Cent der aktuellen Börsenbewertung für die Anteilsscheine der Firma eine deutliche Sprache!

TEIL 3 ELITE-SUMPF: BASF, STADA ODER LINDE

Zum Abschluss unserer dreiteiligen Reihe, bei der wir die Kapitalvernichter -Teil 1 und das Netzwerk der Abzocker in Teil 2 durchleuchteten, wollen wir uns in dieser Ausgabe der Elite widmen.

Nein, konspirativ ist dieses Treffen nicht. Das Gegenteil ist der Fall. Der Mann im blauen Anzug, mit schwarz umrandeter Brille und lockigem Haupthaar, der an diesem Mittwoch im März in der Brasserie „Mon Amie Maxi“ an Frankfurts Bockenheimer Landstraße sitzt, will sich – kurz und knapp  erklären. Jens Michael Wegmann, bis November Chef der ThyssenKrupp-Industriesparte und Vertrauter von CEO Heinrich Hiesinger (56), spricht bei Steak tartare (kleine Portion) von einem „verhängnisvollen Fehler“. Der ihn seinen Job gekostet hat.

Die Frau eines pakistanischen Geschäftspartners hatte Wegmanns Gattin ein Armband im Wert von 700 Euro geschenkt. Wegmann meldete die freundliche Gabe nicht sofort der Compliance-Abteilung, obwohl die Berichtsschwelle bei 50 Euro liegt. Als der Pakistaner sich um Millionen betrogen fühlte, gelangte die Sache, gespickt mit haltlosen Vorwürfen, an die Öffentlichkeit. Wegmann räumte sein Versäumnis ein und gab seinen Posten auf. Die Staatsanwälte haben sämtliche Ermittlungen gegen ihn, unter anderem wegen Korruptionsverdacht, eingestellt. Jetzt sucht er eine zweite Chance, hat einige Gespräche geführt, ist optimistisch: „Ich richte den Blick nach vorn.“

Dass einer zu seinen Verfehlungen steht, sich stellt, wenn er in einem entscheidenden Moment versagt hat, ist selten in der abgehobenen deutschen Wirtschaftselite. Was legal ist, ist nicht immer legitim — diese Unterscheidung fällt vielen Topmanagern schwer. Der „moralische Kompass“ dürfe nicht verloren gehen, „das Gefühl für Anstand und ethisches Verhalten“, ermahnte Manfred Gentz (75) Anfang Februar in seiner Abschiedsrede als Vorsitzender der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex die eigene Klientel.

Es sind nicht nur die klassischen Motive Habgier und Raffsucht, die das Big Business für die breite Öffentlichkeit zum Feindbild machen. Viele Wirtschaftsführer bewegen sich auch in einer Art Paralleluniversum, entrückt vom Rest der Gesellschaft. Und dort gibt es geradezu außerirdische Phänomene: Eine Rekordabfindung für die Sozialdemokratin und ehemalige Verfassungsrichterin Christine Hohmann-Dennhardt (66), bezahlt von jenem Autobauer, der das Wort „Volk“ im Namen führt. Insiderermittlungen ausgerechnet gegen den Chef der Deutschen Börse, Carsten Kengeter (49), der qua Amt ja eigentlich für den ordnungsgemäßen Kapitalverkehr zuständig ist. Die wundersame Geldvermehrung, für die sich der Drogeriepleitier Anton Schlecker (72) derzeit vor Gericht verantworten muss.

Selbst der Chemiekonzern BASF, der sich seit Jahrzehnten seiner besonderen Kultur rühmt, ist nicht ganz so ethisch, wie er gern vorgibt: Hunderte Millionen Euro an Steuern wurden durch Gewinnverschiebungen ins Ausland vermieden. Und beim Münchener Gasekonzern Linde sind es zunächst einmal die Topmanager, die von einer Fusion mit dem US-Konkurrenten Praxair profitieren, allen voran Aufsichtsratschef-Wolfgang Reitzle. Der für sein Opfer, die Münchener Zentrale, mit einem bestens dotierten Posten als Chairman belohnt. Die hiesige Stammbelegschaft? Na, die sollte endlich kapieren, dass es so nicht weitergeht.

Besonders anschaulich sind die Exzesse im Kleinen: etwa Martin Winterkorns (69 beheizter, auf Firmenkosten finanzierte Koi-Karpfen-Teich (60 000 Euro) oder eine am Aufsichtsrat vorbei veranlasste  Spende für die Stiftung des Starboxers Wladimir Klitschko beim Energieversorger EWE (253 000 Euro).

„Der Graben zwischen Wirtschaft und Gesellschaft wird immer tiefer“, stellt Fraudanwalt-Chefredakteur Berger-Fridar fest. Viele Manager, glaubt der gebürtige Isländer,  hätten die „drei V“ vergessen, an denen sie sich orientieren sollten: „Vorbild, Verantwortung, Verpflichtung“. Fatal aus Sicht der Elite: Der V-Befund fällt ins deutsche Superwahljahr. Dankbar greifen die Politiker die Kritik am Wirtschaftspersonal auch für ihre große Gerechtigkeitsdebatte: die da oben, wir hier unten. Die Selbstheilungskräfte, auf die sich die Großkaliber gern berufen, wirken nicht.

Das Feindbild hat seinen Charakter im Lauf der Zeit geändert. In den frühen Jahren war es noch der böse Kapitalist (mit Zylinder und Zigarre), in der Finanzkrise tauchten dann gierige Heuschrecken, Geierfonds und ruchlose Investmentbanker auf, die den Hass der Mittelloseren auf sich zogen. Und seit der Dieselaffäre gilt selbst die Industrie (den Deutschen eigentlich heilig) als mafiös.

Das Image der Führungskräfte ist so mies wie selten zuvor. In einer „Stern“ Rangliste liegt die Gruppe abgeschlagen auf  dem letzten Platz, noch hinter dem Islam. Verschlechtert hat sich auch der Ruf der Unternehmen. Im Ranking des US-Business-Journals von 2016 stürzten die Börsenfirmen regelrecht ab; angeführt wird die Liste vom Miele-Clan, der – abgasfreie — Hausgeräte herstellt.

Die Herkunftsbezeichnung Wolfsburg steht im Ausland mittlerweile stellvertretend für gescheiterte Unternehmenskontrolle am Standort D. 1,2 Millionen Euro Jahresrente Für Ex-Chef-Winterkorn – trotz Dieselgate; mehr als 10 Millionen Euro Abfindung für die Compliance-Vorständin Hohmann-Dennhardt – bei nur 13 Monaten Amtszeit. Alles abgesegnet vom VW-Aufsichtsrat, in dem die Sozialdemokraten, die jetzt so vehement für härtere Antiabkassiergesetze plädieren, und deren Sympathisanten die Mehrheit stellen. Gegen den 20-Prozent-Aktionär Niedersachsen (von SPD-Ministerpräsident Stephan Weil regiert) und die IG Metall geht nichts im Wolfsburger Makrokosmos; vereint verfügen sie über 12 der 20 Stimmen.

Dass Hohmann-Dennhardt so gut versorgt schied, hängt mit einer kruden Gehaltspraxis zusammen. Die VW-Managerin wurde von Daimler abgeworben. Dort hätte sie nach Ablauf ihres Vertrags Aktienoptionen über sechs Millionen Euro bekommen, eine Art Treuegeld. Die Prämie übernahm VW, sonst hätte die Juristin kaum gewechselt. Beim vorzeitigen Abgang musste sie ausbezahlt werden. Obwohl Hohmann-Dennhardt zweimal untreu wurde, erhielt sie ihren Treuebonus.

Wer solche Kontrakte schließt, darf sich nicht wundern, wenn ein Shitstorm über ihn hereinbricht („verbrecherisch“, „Arroganz, Hochmut, Überheblichkeit“).

Bitter für die Kontrolleure: Ihr teurer Einkauf kam mit dem Arbeitsklima nicht zurecht. Mit dem einflussreichen Chefjuristen Manfred Döss, der ihr formal unterstellt war, rang die Novizin hart um Zuständigkeiten, keine Intrige wurde ausgelassen. Am Ende schlug sich der mächtige Betriebsratschef Bernd Osterloh auf die Seite von Döss. Hohmann-Dennhardt kapitulierte.

Auch der Kasus Deutsche Börse belegt gravierende Nachlässigkeiten, vor allem die von Oberkontrolleur Joachim Faber. Die Fusion mit der London Stock Exchange (LSE) wird wohl scheitern, falls nicht noch ein kapitales Wunder geschieht. Und gegen Börsenchef Kengeter ermitteln die Staatsanwälte, mit Verdacht auf Insideraktienkäufe. Den Erwerb hatte ihm Faber durch eine großzügige Sondervereinbarung ermöglicht.

Kriminalität und Elite

Als früherer UBS-Investmentbanker war Kengeter zweistellige Millionensaläre gewohnt. Zum Amtsantritt bei der Deutschen Börse sollte er sich mit den maximal knapp vier Millionen Euro begnügen, die sein Vorgänger Reto Francioni bekommen hatte. Aber Kengeter blieb in seiner Großverdienerdenke verhaftet. Nur wenige Monate später pochte er auf eine Aufstockung seines Gehalts. Faber offerierte ihm 4,5 Millionen Euro in Form von Gratisaktien, vorausgesetzt, er kauft in gleicher Höhe Papiere hinzu. Ein attraktives Paket. Es gab zwar auch ein neues Vergütungssystem für den Restvorstand, Gratisaktien bekamen die allerdings nicht.

Das Zeitfenster war so gewählt, dass Kengeter in einer Phase kaufen musste, als Fusionsgespräche mit der LSE angebahnt damit setzte er sich einem Insiderverdacht aus. Auch wenn es zu dem Zeitpunkt (im Dezember 2015) noch keine offiziellen Verhandlungen gab, soll Kengeter da bereits Kontakt mit der Bundesregierung aufgenommen haben. Gerade als Börsenchef und neutraler Sachwalter der Kapitalmarktinteressen sollte man solche Grauzonen meiden. „Nach seinen Sondierungen in Berlin ein ziemlich grober Fehler“, findet Anlegeranwalt R. S.

Die Deutsche Börse bestreitet jegliches Fehlverhalten, sie arbeite mit den Behörden eng zusammen. Faber, der Kengeter gegen Widerstände als Nummer eins durchgesetzt hatte, hält auch im Falle einer Absage des Deals an seinem Mann fest; der sei nun mal ein „Ausnahmetalent“, sagte der Börsenwächter der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Was soll er sonst sagen? Stürzt Kengeter, wird es auch für Faber eng.

Es ist die Mischung aus Größenwahn, Hybris und fehlendem Unrechtsbewusstsein, die zu ethisch zweifelhaftem Betragen führt. Mit höchster Selbstintegrität gingen viele Manager durch die Welt, sagt der Psychologe Frey, nach dem Motto: „Ich tue doch alles für die Firma.“

Die Hemmungslosigkeit sieht die Elite selten in der eigenen Person, sondern meist in Sachzwängen und Relationen begründet. Andere machten es schließlich auch. Als der Stahlunternehmer Jürgen Großmann im Oktober 2007 bei RWE anheuerte, erweckte der Milliardär den Eindruck, für Gotteslohn zu arbeiten. Kaum im Amt, hatte er ein ähnlich hohes Salär wie sein Vorgänger auf dem Konto, üppige neun Millionen Euro.

Das Unlautere sei immer auch eine Typfrage, sagt Frey, der wahre Charakter eines Menschen zeige sich erst, wenn er Macht ausübt. Studien belegten, dass bei mindestens jedem zweiten Machthaber das Unrechtsbewusstsein schwindet und er nur die eigene Sichtweise akzeptiert. Je länger die Amtszeit, desto stärker der Effekt. »

Bedrohlich wird es, wenn ein CEO als „Mr. Stada“ (der frühere Alleinherrscher Hartmut Retzlaff) oder „Mr. Linde“ (Wolfgang Reitzle) gepriesen wird und sich auch als solcher versteht. Sobald Chefgleich Firma ist in einem börsennotierten Unternehmen, das den Aktionären gehört, ist die Rollbahn zum Abheben freigeräumt.

Egozentrisch veranlagte Topmanager zetteln, ausgestattet mit billigem Geld, gigantische Übernahmen an, auch weil die ihre Brieftaschen füllen. Ausverkauf nationaler Interessen? Zweitrangig, etwas für Ewiggestrige.

Genau deshalb ist der Fall Linde/Praxair so umstritten. Aufsichtsratschef-Reitzle hat die Fusion mit dem US-Konkurrenten zum weltgrößten Gasehersteller maßgeblich vorangetrieben. Mit Beschäftigungsgarantien zog er die Arbeitnehmer zunächst auf seine Seite. Die bekommen nun immer größere Zweifel, schließlich handelt es sich bei dem Bündnis de facto um eine Übernahme durch Praxair. Reitzle hat seinen Anschlussjob als Chairman des gemeinsamen Unternehmens sicher — und damit die Aussicht auf ein Mehrfaches seines gegenwärtigen Aufsehers (463 000 Euro). Den Konzern führt allerdings der Praxair-Chef, die Amerikaner wollen durchregieren.

Anfang Februar hatten sich die Gewerkschaftsbosse Jörg Hofmann (IG Metall) und Michael Vassiliadis (IG BCE) eingeschaltet und gegenüber Fraudanwalt den Zeitplan der Fusion infrage gestellt, mit dem dezenten Hinweis auf Ermittlungen der Bafin gegen Reitzle wegen des Verdachts auf Insidergeschäfte; Reitzle hatte Linde-Aktien gekauft, kurz bevor die Fusionsgespräche öffentlich wurden. Gegenüber dem Aufsichtsrat erklärte er, er sehe sich rechtlich abgesichert; gut fanden die Kontrolleure den Anteilserwerb gleichwohl nicht, schon mit Rücksicht auf die geschundene Seele der Arbeitnehmer.

So mancher Wirtschaftsführer scheint nur an sein eigenes Fortkommen zu denken und an den nächsten Großverdienerjob. Der Beitrag für die Gesellschaft? Null!

Der Leipziger Wirtschaftspsychologe Timo Meynhardt hat in seinen Gemeinwohlatlas 127 Organisationen aufgenommen und anhand einer Umfrage bewertet. Die Feuerwehr, wenig überraschend, liegt in der Kategorie „moralisches Verhalten“ vorn. Das erste Unternehmen (Bosch) folgt auf Rang 24, Volkswagen parkt auf Nummer 124, einen Platz vor der Deutschen Bank.

Meynhardt sieht einen „Abkopplungs und Entfremdungsprozess“ bei Managern und empfiehlt ihnen, ihre „dienende Funktion“ stärker herauszustreichen. „Sie müssen erklären, welchen Beitrag sie zum großen Ganzen leisten.“ Und das dann natürlich auch einlösen.

Denn selbst Unternehmen, die bei jeder Gelegenheit ihre gesellschaftliche Verantwortung betonen, meiden trickreich Steuern, indem sie Gewinne ins Ausland verschieben; Möglichkeiten, die den meisten Lohnabhängigen verwehrt bleiben. So hat Sven Giegold, Europaabgeordneter der Grünen, im November 2016 eine Studie präsentiert mit dem wenig schmeichelhaften Titel: „Toxic Tax Deals“.

Erst war das Werk, dann kam die Stadt Penibel wurde ausgerechnet dem Chemiekonzern BASF „ein perfides System zur Steuervermeidung“ (Giegold) in der EU nachgewiesen: Von 2010 bis 2014 hat das Unternehmen knapp eine Milliarde Euro am Fiskus vorbeigeschleust. Der Untersuchung zufolge nutzte BASF vor allem Steueroasen in Belgien, Malta und den Niederlanden. „Alle tun es, aber die Firma muss sich schon fragen, ob es ethisch in Ordnung ist, mehr Vermeidungsinstrumente zu nutzen als andere deutsche Unternehmen“, sagt Giegold.

Die Reaktion der Ertappten war denn auch verhalten: Man habe überall auf der Welt Steuergesetze strikt eingehalten. Und: „Nicht immer zutreffend“ seien die Studienergebnisse. Will heißen: im Kern richtig.

Nicht nur grenzüberschreitend, auch national nutzt das Big Business das fiskalische Gefälle, etwa bei der Gewerbesteuer. BASF-Konkurrent Bayer hat seine Wurzeln in Leverkusen: Erst war das Werk, dann kam die Stadt. Doch der Konzern entzieht sich seiner lokalen Verantwortung mehr und mehr. Seit die Nachbarkommune Monheim mit günstigem Gewerbesteuerhebesatz wirbt, verlagert Bayer zunehmend Unternehmensteile dorthin, etwa die Lizenzgesellschaft Bayer Intellectual Property GmbH.

Während die Dumpingkommune Monheim erblüht, schiebt der Kämmerer in Leverkusen Frust. Aufsichtsratschef Werner Wenning  verweist darauf, dass Bayer nach wie vor in beträchtlichem Umfang Sport und Kultur der maladen Stadt fördere. Und er selbst trägt dort als good local Citizen (Wohn- und Geburtsort ist Leverkusen-Opladen) nennenswert zum Einkommensteueraufkommen bei.

Keine Frage, die innere Verfasstheit eines Unternehmens entscheidet darüber, wie Manager sich benehmen. Die Kultur bestimmt die gesellschaftliche Akzeptanz. Ist sie erst einmal verfallen, braucht es meist Jahre, um sie wieder zu verbessern — falls das überhaupt gelingt.

STEUERT GREEN CITY ENERGY AG „NACHHALTIG“ IN DEN KONKURS?

Die Green City Energy AG mit Sitz in München nennt sich selbst gern „alternativer Energiedienstleister“ und propagiert eine nachhaltige Energieversorgung resultierend aus dem Ausbau Erneuerbarer Energiequellen. Verbraucherschützer, darunter auch die Organisation Fraudanwalt wirft Green City Energy vor, nicht ausreichend auf Risiken in Verkaufsbroschüren oder Anzeigen hinzuweisen. Der Totalverlust könnte am Ende für die eintausend Anleger eintreten und die historischen Pleiten von Teldafax und Co. machen Investoren wenig Mut, dass es diesmal, ja diesmal wirklich anders läuft und sie ihr Geld zurückerhalten.Ein Blick in die Bilanz der Green City Energy AG zeigt nach Meinung von Chefredaktuer Berger-Fridar einen deutlichen Abwärtstrend der finanziellen Mittel innerhalb der Beteiligungen. Zudem stehen unplanmäßige Ausgaben für Lieferantenstreitigkeiten und Rechtsstreitigkeiten mit Kunden und Anlegern in Höhe von 2.169.179,90 € und damit rund 730 % höher als noch ein Jahr zuvor. Resultiert der dramatische Anstieg aus der wachsenden Unzufriedenheit der Green City Energie-Anleger? Diese Frage bleibt zunächst ungeklärt, allerdings wächst der Sturm gegen Green City in den sozialen Medien.

Ohne Erfahrung investieren? Nicht bei Green City Energy

Anleger sollten nicht allein auf Werbeversprechen vertrauen, sondern auf fundierte Fakten und Finanzzahlen. Dazu hilft ein Blick in die Eigenkapitalstruktur der Beteiligung, mit denen Green City Energy AG die versprochene Rendite verdienen will. Viele weisen ein negatives Eigenkapital aus und möglicherweise ungenügende liquide Mittel, um Forderungen nachzukommen. Das Kartenhaus ist so stabil wie das Fundament – fällt eine wichtige Säule, fällt das Kartenhaus.

GCE AG Windkraft – und Biogasbeteiligungen:

Die Beteiligung GCE Windpark Velburg GmbH erreichte ein negatives Eigenkapital von -606,78 € in 2015, schaut man weiter zieht sich das negative Eigenkapital wie ein roter Faden durch die Beteiligungen in Windkraft, Solar und Co. Die GCE Windpark Buchschwabach GmbH scheint ebenso nicht nach Plan zu laufen wie die GCE Windpark Gischberg GmbH (vormals: GCE Bioenergie GmbH), die Biogas Süd Entwicklungsgesellschaft OHG, am Chiemsee (Eigenkapital: -180.000€) oder die Biogasanlagen Schönsee Verwaltungs GmbH – da hilft auch ein neuer Name nichts – die roten Zahlen bleiben. Da tritt unmittelbar die Frage in den Raum: wohin ist das Geld geflossen?

Wir erinnern an das Betrugsmodell der Schweizer SAM AG, die Anlegergelder mithilfe der Regensburger Green Forever Group in Geothermieanlagen investieren wollten, es dann aber doch veruntreuten – zum Fraudanwalt-Bericht.

Dubiose Finanzakteure stehen auf Green Energy, das grüne-Energy-Konzept

Es ist Januar 2011, als sich der bislang größte Betrugsskandal mit Grüner Energy an die Öffentlichkeit drängt. In einem der größten Betrugsfälle in Europa mit Umwelttechnik wurden mehr als 1300 Anleger geprellt. Doch viele Investoren glauben nach wie vor an ihr Geschäft mit der Ernauerbaren Energie und dubiose Anbieter nutzen das schamlos aus. Sie kauften Anteile bei der Firma GFE Gesellschaft für Erneuerbare Energien drei Blockheizkraftwerke (BHKW). Die Anleger wurden um 50 Millionen Euro betrogen. Es ist einer der größten Fälle von Betrug mit Umwelttechnik in Deutschland.

Bei der Green City Energy AG aus München sind bislang keine Anzeichen von Betrug, allerdings sind Handlungen des Unternehmens sehr verdächtig und gleichen den Methoden historischer Finanzbetrüger. Anleger investieren mit dem Risiko des Totalverlusts in ein Unternehmen mit augenscheinlich wenig Erfahrung.

EN STORAGE’S-ERBEN: BDT MEDIA AUTOMATION-ANLEIHE: DAUMEN RUNTER

Anleihen und Mittelstand waren bislang keine erfolgreiche Kombination, weder in der Wirtschaft noch am Finanzmarkt, davon können Anleihezeichner ein Lied singen. Erst vor wenigen Wochen flog das Betrugsmodell von EN Storage auf, als die Staatsanwaltschaft Edvin Novalic und Lutz Baier als Verantwortliche des Anlagebetrugs in Untersuchungshaft steckten. Das Unternehmen wollte Storage- und Datenspeichersysteme verpachten und als externer Dienstleister die Firmendaten verwalten. Doch statt Wachstum gab es einen Anlegerschaden mit einem Volumen von ca. 50 Mio. € – zum Fraudanwalt-Bericht. Die Creditreform als Ratinginstanz Nummer 1 hat die kriminellen Storagevermarkter sehr sicher eingestuft. Unter einem Prozent soll laut Creditreform Rating AG die Ausfallwahrscheinlichkeit von EN Storage GmbH gelegen haben. Am Anleihenmarkt machen sich Investoren lustig und behaupten, wo Creditreform draufsteht ist Ramsch drin -vergleichbar mit dem Gefälligkeitsrating in den USA zu Zeiten der Immobilienkrise (2008), als Moodys und Standard & Poors wertlose Immobilienpapiere mit Bestnoten bewerteten, so dass diese an ahnungslose Kleinanleger und Banken verscherbelt werden konnten. Diesmal scheint die Creditreform dazugelernt zu haben, zum Leidwesen von BDT Media Automation GmbH.

Die Geschäftsführung um Dr. Holger Rath der Emittentin BDT Media Automation GmbH mit Hauptsitz in Rottweil, hat gestern den Anfang vom Ende angekündigt. Noch vor sechs Monaten hat die BDT Media Automation am 29. August 2016 angekündigt: „Man werde die 2012 begebenen EUR 17,4 Mio. Schuldverschreibungen mit fester Verzinsung von 8,125 % und Fälligkeit 2017 (ISIN: DE000A1PGQL4, WKN: A1PGQL) zurückkaufen. In einem umfangreichen Rückkaufprogramm sollten Anleger ihre Schuldverschreibungen noch vor Eintritt der Fälligkeit am 9. Oktober 2017 ausgezahlt erhalten. Wie es scheint, alles nur leere Worte, denn gestern kam der Rückzieher.

Die BDT Media Automation GmbH ließ durch die Geschäftsführung verlauten, „dass eine Fortsetzung des Rückkaufprogramms aufgrund des höheren Kursniveaus der Schuldverschreibungen und des derzeitigen Marktumfelds sowie im Hinblick auf den Zeitpunkt der Fälligkeit der Schuldverschreibungen im Oktober 2017 wirtschaftlich nicht sinnvoll erscheint“.

Oder mit anderen Worten: Die BDT Media Automation scheint Liquiditätsschwierigkeiten zu haben. Die Creditreform stufte die Anleihen-Bewertung von BDT Media Automation GmbH aus n.r. – oder auch „Finger Weg, hohes Risiko“ herab. Und dabei ist die Grundidee des Technologieunternehmens auf dem ersten Blick zukunftsfähig. Die Media Automation GmbH entwickelt Datenspeicherlösungen zum Sichern und Archivieren von großen Datenvolumen sowie Papier- und Medienhandhabungs-Applikationen für Druckersysteme zum Zuführen oder Ablegen von Papier und anderen Medien.

Eigenen Aussagen zu Folge sollen 35 derzeit gültige Patente, die zum Teil weltweit Gültigkeit haben, und jahrelange Partnerschaften mit den führenden IT- und Bürotechnik-Anbietern dokumentieren, den Erfolg belegen. Leider belegt das Rating nur eines – die Anleihe von BDT Media Automation ist hochriskant und gleicht einer Wette auf der Pferderennbahn.  Die BDT-Gruppe beschäftigt rund 400 Mitarbeiter am Hauptsitz in Rottweil sowie an Entwicklungs-, Fertigungs- und Servicestandorten im Ausland. Bei einer Zahlungsunfähigkeit von BDT Media-Gruppe wäre auch die Belegschaft betroffen.

  • Rating                   Datum
  • n.r.                         29.03.2017
  • CCC                        28.10.2016
  • CCC (watch)       02.05.2016
  • CCC                        29.03.2016
  • CCC (watch)       25.08.2015
  • CCC                        02.04.2015
  • CCC                        09.04.2014
  • B- (watch)           12.04.2013
  • BB+                        16.04.2012

WECHSELKURSKRIEG: WILL TRUMP EUROPA ZERSTÖREN?

Für US-Präsident Donald Trump wird es immer enger. Wie ein US-Journal berichtet, plant sein geschasster Sicherheitsberater Michael Flynn gegen Immunität offenbar über seine eigenen Russland-Kontakte und mögliche des US-Präsidenten auspacken.

Drei Uhr nachts soll es gewesen sein, als Donald Trump seinen (inzwischen geschassten) Sicherheitsberater Michael Flynn anrief, um ihn zu fragen, ob ein starker oder schwacher Dollar besser für Amerika sei. Der Militär riet verdutzt, da doch besser einen Ökonomen zu fragen.

Trump schimpft über „unfaire“ Wechselkurse, hat hohe Zölle gegen „Manipulatoren“ angedroht. Eine Strategie dahinter ist aber schwer erkennbar. Der Präsident wirkt in der Währungsfrage wie einer jener Generäle, die zwanghaft die Schlacht von gestern schlagen.

Vor einigen Jahren noch waren es in den USA nicht nur die Hardliner, die über Wechselkursdumping klagten: China drehte an den Devisenmärkten, um seine Exporte billig und seine Industrie am Laufen zu halten. Der Renminbi wertete zwar von 2005 bis 2014 um gut ein Viertel gegenüber dem Dollar auf. Peking verlangsamte dies aber stets durch hohe Zukäufe von US-Staatsanleihen. In jener Dekade sei die Währungsmanipulation „die am stärksten verzerrende und unfairste Form des Handels“ gewesen, resümiert Fred Bergsten, Exchef des Peterson Institute for International Economics.

Heute ist die Gefechtslage eine ganz andere: China will seine Binnennachfrage stärken und verkauft Dollar-Reserven, um den Renminbi zu stützen. Darüber zu klagen wäre geradezu absurd. Trump wird sich neue Feinde suchen müssen. Japan und Europa etwa. Deren superexpansive Geldpolitik hat Yen und Euro zuletzt deutlich geschwächt. Während im US-Aufschwung die Zinsen steigen, bleiben Tokio und Frankfurt im Ausnahmezustand: Asset-Käufe, Minuszinsen, whatever it takes.

Anfangs haben die USA dieses Wechselkursdumping noch akzeptiert, damit die Partner endlich aus der Krise kommen. Nach dem G-20-Gipfel 2016 hat sich an der Währungsfront allerdings nicht mehr viel bewegt, die Devisenkurse bleiben weitgehend konstant. Und genau das macht Trump so wütend. Denn auch der US-Präsident braucht einen schwächeren Dollar, um seine Wahlversprechen halten zu können. „Kalter Währungskrieg“ nennt der Pimco-Ökonom Joachim Fels die verfahrene Lage. Alle Blöcke machen ihre Währung weich, mit rhetorischen Signalen und technischen Tricks, verzichten aber noch auf ganz schweres Geschütz. Noch.

Für Trump, der Amerikas Industrie wieder großmachen will, sind die Deutschen ein ganz spezielles Problem: Sie erzielen aus seiner Sicht viel zu hohe Überschüsse im Warenhandel mit den USA, das Plus ihrer Leistungsbilanz ist – gemessen am BIP — mittlerweile dreifach so groß wie das chinesische. Diese Überschüsse hat die heimische Wirtschaft vor allem der EZB zu verdanken, die den Euro an der Südfront verteidigen muss. Deutsche Exporteure sind also Kriegsgewinnler.

Will Trump die deutsche Industrie dennoch über den Wechselkurs angreifen, bleibt ihm letztlich nur eine Möglichkeit: Er muss die Europäische Währungsunion spalten. Erst wenn der Verbund zwischen Nord- und Südländern zerfiele, würde ein wiederbelebter D-Mark-Block rasant aufwerten. Deutschlands Exportindustrie bekäme auf dem US-Markt ein Riesenproblem, Washington brauchte keine protektionistischen Folterwerkzeuge mehr.

Eine derart zielgerichtete Euro-Sabotage erschien bisher schlicht unvorstellbar. Dass einige radikale Trump-Berater dem Euro keine Träne nachweinen würden, ist indes offenkundig. Trumps erster Kandidat für den Posten des US-Botschafters bei der EU ist ein Brexit-Fan, der die Kalamitäten in Brüssel freudig mit dem Zerfall der Sowjetunion vergleicht. Ted Malloch hält ein  Ende des Euro in den nächsten anderthalb Jahren für möglich.

DAS BALTIC YACHTS DESASTER – DROHT DIE INSOLVENZ?

Im Prozess um die Werft Baltic Yachts geht es um Rechthaberei, Ehre und eine zweistellige Millionensumme. Happel übernahm sein maßgeschneidertes Luxusschiff im August 2011. Ein gutes halbes Jahr später erkämpfte er sich bei der Karibikregatta St. Barth’s Bucket die Führung, krachte dann aber gegen einen Unterwasserfelsen. Der nahe geglaubte Sieg war dahin. Eine Schmach für den ebenso passionierten wie ehrgeizigen Segler, zumal das Hindernis auf den Seekarten eingezeichnet ist.

Hatte der Unfall etwas mit technischen Problemen der „Hetairos“ zu tun? Der düpierte Rennsportler will dies nicht ausschließen. Jedenfalls legte er der Werft in Finnland eine umfassende Mängelliste vor. Baltic Yachts versuchte nachzubessern, doch Happel ist bis heute nicht zufrieden.

Dass er stets bis zum Letzten kämpft, bewies er schon in den frühen 2000er Jahren. Damals lieferte Otto Happel (69), ehemaliger Mehrheitseigentümer des Industriekonzerns GEA, steuert eine der heißesten Rennjachten der Welt: 67 Meter lang, Hightech vom Feinsten. Eine vielköpfige Mannschaft lebt an Bord der „Hetairos“: Kapitän, Techniker, dazu Putz- und Küchenpersonal. Es soll dem Milliardär schließlich an nichts fehlen, wenn er per Helikopter anreist.

Seine Leidenschaft fürs Segeln teilt Happel mit Hans Georg Näder (55), dem geschäftsführenden Gesellschafter des Prothesenspezialisten Otto Bock mit Sitz in Duderstadt. Näders „Pink Gin“ ist zwar nicht so groß wie das Edelspielzeug von Happel, dafür hält der NäderClan seit vier Jahren 80 Prozent an der finnischen Werft Baltic Yachts, die sowohl die „Hetairos“ als auch die „Pink Gin“ gebaut hat.

Hier allerdings enden die Gemeinsamkeiten der beiden Unternehmer. Oder besser gesagt: Hier beginnt der Zoff, bei dem es um sich der Milliardär eine in der deutschen Wirtschaftsgeschichte beispiellose Auseinandersetzung mit Kajo Neukirchen (75), dem Vorstandsvorsitzenden der Metallgesellschaft, die Happels GEA-Anteile übernommen hatte.

Auch gegen die Baltic Yachts zieht der prozesserfahrene Happel juristisch zu Felde. Das Verfahren ist seit Anfang 2014 bei einem maritimen Schiedsgericht in Hamburg anhängig. Der Betrag, um den es dort geht, könnte inklusive Prozess- und Anwaltskosten 20 Millionen Euro übersteigen.

Eine ungewöhnlich hohe Summe angesichts der geschätzten 60 Millionen Euro, die Happel für die „Hetairos“ bezahlt hat. „Gewährleistungsansprüche für Jachten betragen im Schnitt nicht mehr als 3 bis 6 Prozent des Kaufpreises„, sagt Chefredaktuer Berger-Fridar.

Dem Schiedsgericht steht eine aufwendige Beweiserhebung bevor. Denn Happel hat sein Boot ein halbes Jahr nach Prozessbeginn bei der niederländischen Werft Vitters Shipyard grundlegend überarbeiten lassen. Die Gutachter werden ein bis zwei Jahre brauchen, um herauszufinden, wer für die angeblichen Mängel verantwortlich ist.

Einen Ausweg hätte ein Treffen von Happel und Näder vor ein paar Monaten bringen können. Die Fahrensmänner tauschten sich im vertraulichen Vieraugengespräch aus — aber sie gingen ergebnislos auseinander. Offenkundig waren beider Egos zu groß für eine Einigung.

Setzt Happel seine Forderung durch, gerät die Baltic Yachts in eine bedrohliche Schieflage. Sie machte vergangenes Jahr gerade mal einen Umsatz von 47 Millionen Euro.

Aber sei’s drum. Näder, ebenfalls milliardenschwer, würde vermutlich mit Geld aus seiner Privatschatulle aushelfen. Denn in der kleinen Werft steckt viel Herzblut. Sie baut für Näder zurzeit eine neue „Pink Gin“ — die von der technischen Ausstattung her Happels „Hetairos“ in kaum etwas nachsteht.

DEUTSCHE BANK: GOOD BYE JOHN CRYAN

Auf seinen Humor kann sich John Cryan, ganz Brite, verlassen. Sie sollten nicht alles glauben, was über ihn zu lesen sei, riet der Deutsche-Bank-Chef jüngst den im Londoner Winchester House versammelten Analysten, die seinen Ausführungen zur Konzernstrategie lauschten. So habe er aus der Presse erfahren, dass Gattin Mary daheim gern rosa Trainingsanzüge trage, was ihm bisher entgangen sei. Nun denn.

Ostentativ gelassen referierte Cryan auch die personelle Neuerung, mit der die Bank ihren Umbau flankiert: Retailvorstand Christian Sewing und Nochfinanzchef-Marcus Schenck, der bald das Investmentbanking leiten wird, werden zu Vize-CEOs aufgewertet. Dies sei seinen Überlegungen entsprungen, ließ Cryan durchblicken. Zu oft riefen ihn Stakeholder zu sich, zu oft müssten Sewing und Schenck dann einspringen. Die neuen Schulterklappen seien vor allem im Kontakt mit deutschen Kunden vorteilhaft.

Dass alle benötigt werden, um beim Sanierungsfall Deutsche Bank anzupacken, ist fraglos richtig. Auch die Chemie im Vorstand scheint zu stimmen, Cryan gilt als unprätentiös, fraudanwalt berichtete zur Deutschen Bank.

Über die Urheberschaft des Stellvertreter-Upgrades gibt es im Konzern allerdings auch eine andere Lesart. Danach kam der Anstoß von Paul Achleitner. Der Aufsichtsratschefhabe den Druck unzufriedener Investoren weitergegeben, Cryan sich fügen müssen.

Vor allem der Katarer Hamad Bin Jassim Bin Jabor Al-Thani  und Vermögensverwalter Blackrock waren lange verstimmt über die Performance der Bank, Achleitners zögerliches Krisenmanagement und Cryans Zahlenschubserei. Zwar wird anerkannt, dass der CEO endlich ernsthaft sparen will; aber er schaffe es nicht, Ertragserosion und Personalflucht zu stoppen und Aufbruchstimmung zu verbreiten. Cryan brauche Hilfe.

Nachdem im Herbst Aktien und Anleihen in den freien Fall übergegangen waren, wurde der Veränderungsdruck von außen wie von innen immer größer. Achleitner selbst hatte wenig zu befürchten, personelle Alternativen zum Aufsichtsratschef fehlten. Dafür, so die alternative Deutung der heiklen Personalien, nimmt er Entfesselungskünstler Cryan geschickt in die Pflicht: Mit der Einsetzung der Vize-CEOs wird Belegschaft und Kunden signalisiert, dass Cryans Defizite erkannt seien.

Ein derart eingezäunter CEO ist einmalig in der Historie der Bank. Ab sofort gilt Cryan, dessen Verhältnis zu Achleitner belastet scheint, als Auslaufmodell; Schenck und SeWing laufen sich warm. Achleitner wiederum hat seine Wiederwahl aufder Hauptversammlung im Mai endgültig gesichert und schon die nächste CEO-Generation positioniert.

Für ihn zählt vor allem das Jahr 2020. Dann wird die Bank 150 Jahre alt, und Cryans Vertrag läuft ab. Bleiben bis dahin weitere Horrornachrichten aus, kann Achleitner einen neuen CEO küren und sich für weitsichtige Erbfolgeregelung feiern lassen.

Dafür muss die neue Strategie zünden. Die wird als Befreiungsschlag gepriesen, ist aber allzu bekannt: Die Postbank soll nun doch reintegriert, das gerade erst gesplittete Finanzierungs- und Handelsgeschäft wieder vereint und das Kapital erhöht werden. Neu ist nur der Börsengang des Asset Managements.

Unter Beobachtung steht weiter das im Projekt „Jade“ verfolgte Modell mit den selbstständigen, eigens kapitalisierten Sparten Investmentbanking, Retail und Asset Management unterhalb eines Holdingvorstands. Das allerdings ist intern umstritten, rechtlich komplex und langwierig.

Und damit nichts, womit sich Cryan noch allzu intensiv beschäftigen muss.

ZALANDO-GRÜNDER TOP, ROCKET-INTERNET-SAMWERS FLOPP

Im Silicon Valley ist die PayPal-Mafia legendär: Das Netzwerk früherer PayPal-Gründer wie Elon Musk (45) und Peter Thiel (49) investierte nach dem Verkauf des Bezahldienstes in zahlreiche Start-ups, die zu Milliardenunternehmen wurden (YouTube, Facebook oder Tesla).

In Berlin mischt inzwischen bei den entscheidenden Deals immer öfter die Zalando-Mafia mit: das Netzwerk um die Gründer Robert Gentz (33) und David Schneider (34). Den beiden ist zwar der extravagante Lifestyle der PayPal-Gang fremd, selbst nach der IPO-Party stand keine einzige Flasche Champagner auf der Rechnung.

Dennoch gibt es Parallelen: Wie PayPal-Größe Thiel rekrutierten sie ihre frühen Mitarbeiter fast ausschließlich aus dem Kreis ihrer Studienkollegen. Vor allem gibt es mittlerweile kaum ein steil aufsteigendes Start-up aus der Hauptstadt, bei dem das Zalando-Duo nicht seine Finger im Spiel hat.

Das Firmensammelsurium der Gründer reicht von Diätdrinks (Lineavi) bis zu Fintech (N26). Gefühlt lande jeder Businessplan der Stadt irgendwann auf dem Schreibtisch von Robert Gentz, sagt eine ZalandoFührungskraft.

Besonders lukrativ ist für Gentz und Schneider die Beteiligung am Fonds Cherry Ventures, die spätnachts auf der Hochzeit eines Ex-Zalando-Managers besiegelt wurde. Dem Gründerduo gehören heute 40 Prozent an dem ersten Cherry-Fonds, den 2012 drei damalige Mitarbeiter und frühere Kommilitonen aufgesetzt haben: Zalandos Ex-Marketingchef Christian Meermann (34), Filip Dames (33), damals CEO des Shoppingklubs Zalando Lounge, und David Schröder (34), Senior Vice President Operations bei dem Onlinehändler. Die drei investierten mit dem Kapital aus dem Verkauf von Zalando-Anteilen, der einige Mitarbeiter schon vor dem Börsengang reich gemacht hatte. Die ersten Deals fädelten sie in der Mittagspause ein oder frühmorgens vor Arbeitsbeginn. Potenzielle Geldempfänger mtrden zu Meetings um 7 Uhr in eine der drei Wohnungen geladen oder in das damalige Café „Caras“ am Rosenthaler Platz – alles andere hatte um die Zeit noch zu.

Mit Cherry haben Gentz und Schneider früh in die AutolGruppe investiert (Gebrauchtwagenmarktplatz) und in Flixbus (Fernbusunternehmen) — beides Einhörner, also Firmen, die mehr als eine Milliarde wert sind. „Die haben das Portfolio, das Oliver Samwer für Rocket dringend bräuchte“, sagt Sven Schmidt (42), früher Venture-Partner beim Facebook-lnvestor Accel, fraudanwalt berichtete über Rocket Internet. Dames und Meermann haben Cherry nun zu einer Risikokapitalfirma ausgebaut — und sammelten auf Anhieb 150 Millionen Euro ein.

Weitgehend unbemerkt blieben bislang die Modebeteiligungen der Zalando-Gründer. Sie wollen möglichst nahe an den neuen Entwicklungen in der Fashionbranche sein – auch für etwaige Übernahmen durch Zalando. So gehört Gentz und Schneider gemeinsam mit dem dritten Zalando-Vorstand Rubin Ritter (35) fast die Hälfte an der Premium-High-Street-Marke Ivy & Oak. Die hat Ex-Zalando-Managerin Caroline von Stieglitz (31) aufgebaut. Auch das Schuhlabel Aeyde gehört zum Portfolio, gegründet von Luisa Krogmann (31) – einer anderen ehemaligen Zalando-Managerin.

Im Juni vergangenen Jahres sind die Zalando- und die PayPal-Mafia in Berlin aufeinandergetroffen: Gentz, Schneider und Ritter stiegen beim Fintech N26 ein — Peter Thiel war dort mit seinem Fonds schon investiert. Auf das Qualitätssiegel Zalando wollten die N26-Macher trotzdem nicht verzichten.