POKERN UM GALERIA-KAUFHOF

POKERN UM GALERIA-KAUFHOF

Wer die jüngere Geschichte der Warenhauskette Galeria Kaufhof verfolgt, wird das Gefühl nicht los, alles schon einmal erlebt zu haben.

Eineinhalb Jahre nach der Übernahme des Innenstadtdinos durch den kanadischen Konzern Hudson’s Bay Company (HBC) verspürt man immer deutlicher ein Déja-vu, streng genommen sogar drei: Die Vorgänge haben auffallende Ähnlichkeit mit dem laienhaften Gastspiel des US-Händlers Wal-Mart in Deutschland, mit dem fatalen Wirken von Thomas Middelhoff bei Arcandor und der desaströsen Herrschaft des zeitweiligen Karstadt-Eigentümers Nicolas Berggruen.

Der weltgrößte Retailer Wal-Mart war es, der ohne Kenntnis des deutschen Einzelhandels knapp 100 Selbstbedienungswarenhäuser in Deutschland erwarb und vergeblich versuchte, den Kunden den American Way of Life schmackhaft zu machen — ähnlich wie die Kaufhof-Eigner.

Middelhoff versilberte die Immobilien des Arcandor-Konzerns und nahm im Gegenzug exorbitante Mietsteigerungen in Kauf. Analog verfährt HBC mit einem großen Teil der Kaufhof-Immobilien.

Karstadt-Eigner Berggruen bediente sich aus der Warenhauskasse, die nach durchlaufener Insolvenz prall gefüllt war. Seine Hilfshorden verschwendeten Ressourcen, trimmten das Sortiment auf angelsächsisch und verschreckten damit die letzten Kunden. Ein vergleichbares Muster lässt sich nun bei Kaufhof erkennen.

Wal-Mart, Middelhoff, Berggruen – alle drei scheiterten grandios. Steht HBC womöglich dasselbe Schicksal mit der deutschen Tochter Galeria Kaufhofbevor? Einiges deutet darauf hin.

Die Kanadier kamen 2015 mit der Überzeugung nach Deutschland, sie wüssten alles besser — eine Überheblichkeit, die schon einige amerikanische, britische und französische Händler teuer bezahlen mussten.

Beim Kaufhofwurde bislang nichts besser, aber vieles schlechter. Den Erwerbspreis holten sich die HBC-Leute nach Private-Equity-Manier aus dem Kaufobjekt selbst. HBC saugt das Unternehmen über Mieterhöhungen aus. Seit der Übernahme schreibt Galeria Kaufhof rote Zahlen. Mit untauglichen Konzepten versuchen die Amerikaner, das Warenhaus umzukrempeln. Im Einkauf regiert das Chaos, viele Lieferanten wurden verprellt. In der Zentrale herrscht Frust, Führungskräfte sind reihenweise auf dem Absprung.

Das Wirken der transatlantischen Großkaufleute bei ihrem deutschen Ableger wäre weniger besorgniserregend, wenn hinter der Fassade von HBC ein erfolgreicher, wohlhabender Konzern steckte — ähnlich einem reichen Onkel aus Amerika, der spendabel mit seinen Dollars umgeht. Doch diese Hoffnung ist irreal: Die hoch verschuldete HBC verbrennt auch mit ihren Warenhäusern in Kanada (Hudson’s Bay) und den USA (Saks Fifth Avenue, Lord & Taylor) zunehmend Geld. Das erklärte Ziel, zum Weltmarktführer aufzusteigen, klingt schwer nach Fantasterei.

Die Führungsriege unter Executive Chairman und Großaktionär Richard Baker erweckt den Eindruck eines Klubs von Glücksspielern, die auf Verluste mit immer höheren Einsätzen reagieren. Offenbar haben das auch die Anleger erkannt: Seit dem Kaufhof-Deal halbierte sich der HBC-Kurs. Daran änderten selbst Gerüchte, HBC  könnte die angeschlagene US-Kaufhauslegende Macy’s übernehmen, nur wenig.

Dass die Amerikaner bei Galeria Kaufhof zum Zuge kamen, liegt vor allem an Olaf Koch, dem Vorstandsvorsitzenden der Metro AG. Koch wollte die Warenhaustochter unbedingt loswerden. Es gab zwei Interessenten, die Signa Holding des Österreichers René Benko, der bereits die Kaufhof-Konkurrentin Karstadt gehörte, und eben HBC.

Koch mag Benko nicht, misstraute dessen Finanzierung und fürchtete, im Fall eines Zusammenschlusses von Kaufhof und Karstadt für einen personellen Kahlschlag mitverantwortlich gemacht zu werden.

Doch der Deal mit den Kanadiern führte schon bald zu Irritationen. HBC löste die meisten Warenhausimmobilien aus dem Unternehmen heraus, verkaufte sie zum Teil an Joint-Venture-Partner und beutet Kaufhof seitdem mit höheren Mieten aus — rund 50 Millionen Euro jährlich mehr.

Zwar hat HBC für eine Periode von fünf bis sieben Jahren Investitionen in Höhe von einer Milliarde Euro in Deutschland zugesagt, die muss Kaufhof aber aus dem eigenen Cashflow bestreiten — und der dürfte nahe null oder negativ sein, seit die Mieterhöhungen durchschlagen. Mitarbeiter berichten von einem zeitweiligen Investitionsstopp, was Kaufhofbestreitet. An der Modernisierung von Kaufhof-Filialen und dem Aufbau des Markendiscounters Saks Off 5th in Deutschland werde festgehalten.

Immerhin räumte der Konzern kürzlich indirekt selbst ein, wie begrenzt seine Liquidität ist. HBC weitete die Betriebsmit telkreditlinie um 350 Millionen Dollar aus. 100 Millionen Dollar sollen in die Schaffung eines Warenhausnetzes in den Niederlanden fließen – von Geldtransfers nach Deutschland war nicht die Rede. Kaufhof bleibt finanziell sich selbst überlassen.

Seit Oktober 2015 hat in der Kölner Kaufhof-Zentrale Donald Watros das Sagen — ein HBC-Manager mit dem Titel President International, der nicht gerade als exzellenter Kenner des Einzelhandels gilt, schon gar nicht des europäischen. Coachen lässt er sich durch Scharen von US-Consultants.

Watros sitzt formal nur dem Aufsichtsrat von Galeria Kaufhof vor, übt tatsächlich aber weit mehr Macht aus. Der Vorsitzende der Geschäftsführung, Olivier Van den Bossche, hat wenig zu bestellen. Für viele ist es nur eine Frage der Zeit, dass der freundliche Belgier seine Position als Frühstücksdirektor verlieren wird.

Watros, ein Freund von HBC-Governor Baker, schwebt etwa alle zwei Wochen in Deutschland ein, verbringt ein paar Tage in der KaufhofZentrale und einige Nächte im von der Firma angemieteten Luxusapartment in einem der sogenannten Kranhäuser am Rheinufer, um dann wieder gen Westen abzuheben. In der Hauptverwaltung hetzt er meist grußlos an seinen Leuten vorbei, bellt ab und zu „Koffhoff“ und fasst Entschlüsse, die Rätsel aufgeben.

Der Manager hat eine große Sortimentsumstellung angeordnet. Vor allem auf Schuhen, Handtaschen und Kosmetik wird künftig der Fokus liegen – obwohl diese Produktgruppen stark vom Internethandel betroffen sind.