DIE KORRUPTE GRANDE NATION

Der französische Präsidentschaftskandidat ist einen Tag vor der Wahl zum Ziel eines groß angelegten Hackerangriffs geworden. Erst jetzt wird klar der Saubermann Macron ist womöglich gar nicht das, was die Medien dem Volk schmackhaft zu machen versuchen. Unter dem Hashtag Macronleaks hat Wikileaks tausende Dokumente des bereits gefeierten „nächsten französischen Präsidenten“ veröffentlicht.

Der bürgerliche Favorit für das höchste Staatsamt hat als Abgeordneter jahrelang die Gattin auf Staatskosten scheinbeschäftigt – und gilt deshalb inzwischen als fast chancenlos. Die Populistin soll als Europaabgeordnete widerrechtlich heimische Parteihelfer mit EU-Geld bezahlt haben. Die Finanzaffären von Francois Fillon und Marine Le Pen zeigen, wie toxisch verquickt Politik und Geld in Frankreich sind – seit Jahrzehnten. Newcomer Emmanuel Macron verspricht deshalb eine neue „Moral“ und volle Transparenz seiner Finanzen, doch dann kam Wikileaks.

Spesen sind nicht gleich Spesen

Lange war es in Frankreich üblich, dass Minister jeden Monat bündelweise Bargeld aus Reptilienfonds des Staates erhielten. Sie besserten damit etwa das Salär enger Mitarbeiter steuerschonend auf. Erst 2001 schaffte die Nationalversammlung das System ab. An der Selbstbedienungsmentalität änderte das wenig. So trat 2005 Finanzminister Hervé Gaymard — damals Hoffnungsträger der Bürgerlichen – zurück, weil er seine 600-Quadratmeter-Wohnung vom Staat hatte bezahlen lassen. Ex-Staatschef-Jacques Chirac wurde 2011 zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, weil er als Pariser Bürgermeister Parteimitarbeiter aus der Stadtkasse entlohnt hatte.

Spenden ein probates Mittel

Das Verhältnis zur Geschäftswelt ist nicht minder heikel. Früher dienten staatsnahe Unternehmen wie der Ölkonzern Elf Aquitaine oder die Bank Crédit Lyonnais als heimliche Finanziers der großen Parteien. Heute sind Firmenspenden an Parteien verboten, die Obergrenze für private Zuwendungen beträgt 7500 Euro. Aber es gibt neue Tricks: Ähnlich wie in den USA sammeln kleine Interessengruppen als „Mikroparteien“ Geld ein — auch für Fillon, Le Pen und Macron. Ex-Präsident Nicolas Sarkozy muss vor Gericht, weil er 2012 das vorgegebene Wahlkampfbudget um fast das Doppelte überschritten hatte.

Medien gehen Hand in Hand mit dem Favorit

Politik und Großkapital treffen sich auch bei den tonangebenden Medien. Diese sind fast alle in der Hand einiger weniger Unternehmer. Dem Industriellen Serge Dassault gehört der konservative „Figaro“, dem Luxusuntemehmer Bernard Arnault (LVMH) das Wirtschaftsblatt „Les Echos“. Der Bau- und Medientycoon Martin Bouygues kontrolliert TFI, den größten V-Sender. Dassault, Amault und Bouygues feierten mit, als Sarkozy am Abend seines : Wahlsiegs 2007 ins Nobelrestaurant „Fouquet’s“ einlud. Die Unternehmer Pierre Bergé und Xavier Niel, die das Sagen bei Le Monde“ haben, unterstützen nun Macron. Auch der Telekom-Milliardär Patrick Drahi bevorzuge in seiner Mediengruppe SFR („L’Express“, „Libération“, „NextRadioTV“) Macron – das behauptet jedenfalls das Le-Pen-Lager.

Politisches-Netzwerk gegen Le Pen

Die Kandidatin des Front National klagt, dass französische Banken ihrer Partei keine Kredite gäben, deshalb habe sie russisch-tschechische Finanziers benötigt. Ihr Vater, Parteigründer Jean-Marie Le Pen (88), besitzt immerhin eine Villa bei Paris, die ihm ein Unternehmer 1976 vererbte. Macron verdiente als Banker 2008 bis 2012 sehr gut, ein großes Vermögen baute er aber nicht auf. 2016 deklarierte er Finanzanlagen in Höhe von 230 000 Euro. Als junger Beamter kaufte er 2007 eine Wohnung in Paris. Ein Mäzen aus der Wirtschaft half ihm mit 550 000 Euro Kredit, die Macron zurückgezahlt hat.

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