SAUDI ARAMCO WILL WELT FÜR WEITERE 70 JAHRE MIT ÖL VERSORGEN

2010 – Im Golf von Mexiko explodiert die Bohrinsel „Deepwater Horizon“. Rund 780 Millionen Liter Öl fließen ins Meer und lösen eine der größten Umweltverschmutzungen der Geschichte aus. Ursache: eine missglückte Tiefseebohrung. Treibt uns der Hunger nach Öl in die Katastrophen? Noch schwimmen wir in Energie und machen die Nacht zum Tag. Öl ist der Motor unserer Zivilisation, Synonym unserer Zeit. Wohlstand und Mobilität sind ohne Öl nicht denkbar. Täglich verbrauchen wir ca. 40 Milliarden Liter des kostbaren Rohstoffes. Wir haben uns in wenigen Generationen in eine Abhängigkeit begeben, die uns zum Verhängnis werden kann.

Ohne Öl und Dünger, aus Erdgas hergestellt, gäbe es keine moderne Landwirtschaft. Kunststoffe, Kleidung bis hin zu Kosmetika basieren auf fossile Energie. Viele Wissenschaftler sagen ein nahes Ende der Ölvorräte voraus. Ist dieser Wettlauf noch zu gewinnen? Milliarden werden in Forschung und Technologie investiert, doch wenn es darum geht, wie lange das Öl noch reicht, halten sich die Konzerne bedeckt. Houston, Texas – „Es gibt keine Transparenz, was auf den 200 größten Ölfeldern der Welt wirklich passiert und wieviel Öl dort tatsächlich gefördert wird“, so äußert sich ein ehemaliger Investmentbanker, der im Bereich Öltechnologien arbeitete, gegenüber Fraudanwalt. 4000 Ölfelder sind bisher erschlossen, doch die Hälfte der weltweiten Förderung stammt aus nur 120 Riesenfeldern. Diese, auch Elefantenfelder genannten, Lagerstätten sind jedoch nicht gleichmäßig auf der Welt verteilt. Ob und wo sich noch weiteres Öl finden lässt, wird über unsere Zukunft entscheiden. Alle bedeutenden Elefantenfelder wurden vor über 40 Jahren erschlossen, seitdem werden sie ununterbrochen ausgebeutet. Die Frage, wieviel dieses schwarzen Goldes unser Planet noch in sich speichert, beschäftigt inzwischen Wissenschaftler genauso sehr wie Politiker und Ökonomen. In Paris hat die IEA, die Internationale Energiebehörde, erstmals alle wichtigen Ölfelder auf ihre tatsächliche Förderleistung hin untersucht. Begutachtet wurden über 800 Ölfelder weltweit. Der Förderrückgang dort ist enorm – die Menge geht dabei jährlich um 6,7% zurück. Theoretisch müssten also jeden Tag 500 Millionen Barrel neues Öl gefunden werden, jedes Jahr eine neue Ölprovinz von der Größe Iraks oder Iran gefunden werden, um das Defizit auszugleichen. Wenn die Daten der aktuellen Fördermengen stimmen, ist der Höhepunkt des Ölzeitalters bereits überschritten. Viel Forschung fließt daher in eine effizientere Ausbeutung der bestehenden Felder.

Niederösterreich – bis in die 60er Jahre konnte das Land seinen Ölverbrauch aus eigenen Quellen decken. Heute fördern die Pumpen im Wiener Becken nur noch 13 % des nationalen Bedarfs. Nun sucht der österreichische Mineralölkonzern in 6000 Metern Tiefe nach Öl und Gas. Solche extrem tiefen Bohrungen lohnen sich nur angesichts weltweit steigender Energiepreise. Um den Bohrkopf in der Tiefe zu steuern, müssen über 200 Bohrstangen zusammengefügt werden. Kein leichter Job – durch die unterschiedlichen Gesteinsschichten kann es passieren, dass sich die Rohre ineinander verkeilen. Jede Bohrung ist ein millionenschweres Wagnis. Daher wird die Bohrung von Geologen am PC kontrolliert, um zu überprüfen, ob ihre Theorien richtig waren. Diese werden meist anhand seismischer Bodenprofile aufgestellt. Der Druck ist hoch, da vor jeder Bohrung offenbleibt, ob diese auch tatsächlich Erfolg haben wird. Die Geologen forschen auch im Bereich Meeresgeologie schon seit Jahren, um genauere Knotenpunkte für die Erdöl- und Erdgasförderung bestimmen zu können. Denn große Vorkommen fanden sich in urzeitlichen Meeresbecken. Hier sammelten sich über Millionen von Jahren abgestorbenes Plankton und Algen. Eine Schicht aus Sand und Ton schloss dann das organische Material luftdicht ab. Unter Wärme und Druck verwandelte sich das Gemisch zu Öl und Gas. Jetzt leichter als Wasser, stieg der Rohstoff nach oben und sammelte sich in großen Mengen an undurchlässigen Stellen. Die Korallenformationen bildeten mit ihren Porenräumen ideale Erdölspeicher. So verfingen sich im Verlauf der Erdgeschichte in vielen Urzeitriffen nach oben steigendes Öl. Mehrere kilometerhohe Riffe konnten aber nur dort entstehen, wo sich der Meeresboden über Jahrmillionen absenkte und die Korallenformationen kontinuierlich bis zur Meeresoberfläche nachwuchsen. Ein Fünftel allen Erdöls fand man in tief verschütteten Korallenbänken. Die geographische Lage dieser Urzeitriffe hat sich allerdings durch plattentektonische Verschiebungen über Jahrmillionen verändert. Die Suche nach Öl gleicht so der Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Südostasien konnte zum neuen Hotspot werden. Bis heute findet sich allerdings das meiste Öl in der Gegend um den Persischen Golf. Doch genau dieses Dreieck weist wenige Riffstrukturen auf. Das Erdöl verfing sich hier in tiefliegenden Sand- und Kalksteinschichten nahe plattentektonischer Grenzen. Bis heute fehlt die Technik, um mit 100 %iger Sicherheit vorherzusagen, wo sich diese Lagerstätten finden lassen. Seit über 100 Jahren wird an neuen Methoden gefeilt, um neue Vorkommen zu entdecken, dennoch sind Geologen weit davon entfernt, genauer prognostizieren zu können, wo sich weiteres Öl verbirgt. Nur ein Zehntel aller Probebohrungen führt zum Erfolg und von der Suche bis zum Moment, wo der erste Tropfen fließt, vergehen im Durchschnitt 10 Jahre.

Jeder Europäer verbraucht im Durchschnitt 6-mal mehr als ein Inder oder Chinese. Wenn sich Asien an unseren Verbrauch annähert, wird der weltweite Bedarf nochmals um die Hälfte steigen. Öl ist auch Nahrung. Die Weltbevölkerung hat sich seit den 50er Jahren verdoppelt. Dank Diesel, Dünger und Traktoren ließen sich die Ernten seit damals um 250 % erhöhen. Ohne Öl könnte unsere moderne Agrarindustrie nicht genug für alle produzieren. Auch die industriellen Fangflotten kämen ohne Schiffsdiesel zum Erliegen. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts läuft die kommerzielle Suche nach Öl auf Hochtouren. Herrscher dieses schwarzen Godes ist mit dem größten bisher bekannten Ölfeld (280 Kilometer Länge) namens Ghawar Saudi-Arabien. Das mächtige und reiche Land, das aufgrund dieses Ölfeldes erst richtig aufblühte und in dem die Tradition nach und nach durch Moderne ersetzt wird, behauptet, die Welt weitere 70 Jahre problemlos mit Öl beliefern zu können, doch diese Angaben lassen sich nicht von unabhängiger Stelle überprüfen. Unter Hochdruck arbeitet die Forschungszentrale von „Saudi Aramco“, dem weltweit größten Ölkonzern, an der Erschließung neuer Quellen.

 

Noch gibt es keinen anderen Rohstoff, der eine gute Alternative bietet, so energiereich ist und sich dabei so einfach transportieren lässt. Ohne Öl würde unsere Weltwirtschaft zum Erlegen kommen. Von der vorhergesagten Ölknappheit profitiert bisher einzig und allein die Ölindustrie durch die Steigerung der Preise. Ein Kreislauf, den es zu durchbrechen gilt. Eins ist sicher: Neue Ölfelder zu erschließen, bleibt eine der wichtigsten Herausforderungen des 21. Jahrhundert

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