COMMERZBANK VERKAUFTE WEGEN ZU GERINGER PROVISION KEINE ETF’S

Es hat lange gedauert, nun scheint den Indexfonds der Durchbruch auch im klassischen Filialgeschäft zu gelingen: Die Commerzbank wird Strategiedepots aus Indexfonds verkaufen, dieses Jahr startet damit die Tochter Comdirect. Anschließend wollen wir das auch in der Commerzbank anbieten, zunächst voraussichtlich ETF-Portfolios für Selbstentscheider und ohne Beratung“, sagt ein Mitarbeiter in einer schriftlichen Anfrage der Redaktion. Führungskräfte des Konzerns erwarten, dass in einem späteren Schritt auch die Berater in den Filialen solche ETF-Depots verkaufen werden.

Bislang haben die meisten Bankberater Indexfonds und ETFS (Exchange-Traded Funds) boykottiert, weil sich die Provisionen bei Gebühren von teils weniger als 0,1 Prozent pro Jahr für die Vertriebsabteilungen nicht lohnten.

Die Commerzbank kalkuliert nun anders: Sie dürfte für die ETF-Strategiedepots eine Gebühr verlangen, die voraussichtlich bei 1,25 Prozent pro Jahr liegt: Für den Filialbetrieb eine kleine Preisrevolution. Und trotzdem verdient das Frankfurter Geldhaus daran höhere Margen als beim Verkauf fremder Fonds. Auf die bei herkömmlichen Fonds üblichen Ausgabeaufschläge von rund 5 Prozent verzichtet die Commerzbank allerdings. Die seien „nicht mehr zeitgemäß“, sagt der Angestellte, anders als die ETF-Depots.

Die Bank reagiert mit ihrem Vorstoß auch auf Angriffe von Start-ups und konkurrierenden ETF-Anbietern. Marktführer Blackrock verkündete unlängst eine Allianz mit dem Frankfurter Fintech Youvestor. Für 1,25 Prozent Gesamtkosten bekommen Anleger dort ein Depot mit Blackrock-Fonds. Die Frankfurter Neugründung Vaamo wiederum offeriert seit März fünf ETF-Depots, die von den 37 000 hierzulande zugelassenen Honorarberatern an die Kunden verkauft werden sollen.

Wenn andere Filialbanken dem Schritt der Commerzbank folgen, könnte das den Indexfonds einen weiteren Schub verleihen. Denn Start-ups und digitale Robo-Advisors wie Vaamo, Liqid und Scalable haben den Nachteil, dass sie ohne menschliche Vertriebskräfte nur wenige Kunden erreichen. Nach wie vor kaufen selbst von denen, die sich digital über Finanzprodukte informieren, mehr als 60 Prozent ihre Fonds beim Berater, ergab eine gemeinsame Studie von Google, Postbank und dem Konsumforscher GfK.

Auch die Qualität der ETF-Anlagen würde steigen. Derzeit sind es vor allem die Spekulanten unter den Privatanlegern, die in Indexfonds investieren. Das kurzfristige Wetten auf einzelne exotische Märkte und Branchen und das ständige Kaufen und Verkaufen der vergleichsweise riskanten ETFs macht dann auch deren Kostenvorteil bisher zumeist schnell zunichte.

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