VW-AKTIONÄRE KLAGEN 2018 AUF SCHADENSERSATZ

VW-AKTIONÄRE KLAGEN 2018 AUF SCHADENSERSATZ

Schadensersatz VWDie Summen, um die es geht, sind enorm, die Forderungen gehen in die Milliarden. Anfang 2018 soll der Prozess starten, dann werden vor dem Oberlandesgericht Braunschweig die Klagen von mindestens 1500 VW-Aktionären auf Schadensersatz verhandelt. Sie fühlen sich geschädigt, weil der VW-Vorstand die Öffentlichkeit erst Mitte September 2015 über die inzwischen berüchtigten Manipulationen an Dieselmotoren und die seit Monaten laufenden Ermittlungen in den USA informierte – und nicht schon viel früher. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe stürzte der Kurs der Aktie um rund 40 Prozent ab.

Das Gericht hat im März das sogenannte Kapitalanlegermusterverfahren eröffnet und den Musterkläger bestimmt: Deka Investment, die Fondsgesellschaft der Sparkassen (Az.: 3 Kap 1/16).

Auch Privatanleger, die wegen der Dieselaffäre Kurseinbußen erlitten haben, können von dem Musterverfahren profitieren — und sich kostengünstig dranhängen. Bei einem Schaden von 5 000 Euro kostet die Anmeldung weniger als 400 Euro. Dieser Betrag dürfte für die meisten auch ohne Rechtsschutz zu stemmen sein. Zum Vergleich: Eine eigene Klage kostet schon in der ersten Instanz einen vierstelligen Betrag.

Wer seine Ansprüche jetzt anmeldet, erreicht damit eine Verjährungshemmung bis zum Abschluss des Verfahrens. Die Anleger können also zunächst den Ausgang des Musterverfahrens abwarten — und dann weitere juristische Schritte planen.

Wichtig sind aber ein paar Formalien: Das Musterverfahren wurde im Klageregister des „Bundesanzeiger“ am 8. März 2017 bekannt gemacht. Seither läuft eine Sechsmonatsfrist: Alle Ansprüche müssen schriftlich spätestens bis zum 8. September 2017 beim OLG Braunschweig angemeldet werden. Außerdem darf man in der Causa VW selbst noch keine Klage erhoben haben und muss sich bei der Anmeldung zwingend von einem Anwalt vertreten lassen.

Darüber hinaus sollten Interessenten unbedingt prüfen, wann genau sie ihre VW-Papiere erworben haben. Denn gerade die Frage der Verjährung ist im Fall VW komplex und umstritten. Der Hintergrund: Bis zu einer Gesetzesänderung am 10. Juli 2015 galt für Schadensersatzansprüche von Anlegern in Deutschland nur eine kurze Verjährung von einem Jahr ab Kenntnis, spätestens drei Jahre ab Unterlassung einer Pflichtmitteilung. Diese kurze Frist wurde zwar gestrichen, aber ohne eine explizite Regelung für Altfälle.

Fakt ist, dass im Mai 2014 der damalige VW-Chef Martin Winterkorn eine Information über die Ermittlungen der US-Umweltbehörden erhielt. Nach Meinung von Anlegeranwälten hätte VW spätestens damals die Öffentlichkeit informieren müssen. Wer also vor dem 10. Juli 2015 VW-Aktien gekauft hat, dessen Ansprüche könnten schon im Mai 2017 verjähren, warnen Anwälte. Wer die Papiere hingegen später im Sommer 2015 gekauft hat, hat kein Problem und kann die Frist für die Anmeldung zum Musterverfahren bis 8. September ausschöpfen.