SAUDI ARAMCO WILL WELT FÜR WEITERE 70 JAHRE MIT ÖL VERSORGEN

2010 – Im Golf von Mexiko explodiert die Bohrinsel „Deepwater Horizon“. Rund 780 Millionen Liter Öl fließen ins Meer und lösen eine der größten Umweltverschmutzungen der Geschichte aus. Ursache: eine missglückte Tiefseebohrung. Treibt uns der Hunger nach Öl in die Katastrophen? Noch schwimmen wir in Energie und machen die Nacht zum Tag. Öl ist der Motor unserer Zivilisation, Synonym unserer Zeit. Wohlstand und Mobilität sind ohne Öl nicht denkbar. Täglich verbrauchen wir ca. 40 Milliarden Liter des kostbaren Rohstoffes. Wir haben uns in wenigen Generationen in eine Abhängigkeit begeben, die uns zum Verhängnis werden kann.

Ohne Öl und Dünger, aus Erdgas hergestellt, gäbe es keine moderne Landwirtschaft. Kunststoffe, Kleidung bis hin zu Kosmetika basieren auf fossile Energie. Viele Wissenschaftler sagen ein nahes Ende der Ölvorräte voraus. Ist dieser Wettlauf noch zu gewinnen? Milliarden werden in Forschung und Technologie investiert, doch wenn es darum geht, wie lange das Öl noch reicht, halten sich die Konzerne bedeckt. Houston, Texas – „Es gibt keine Transparenz, was auf den 200 größten Ölfeldern der Welt wirklich passiert und wieviel Öl dort tatsächlich gefördert wird“, so äußert sich ein ehemaliger Investmentbanker, der im Bereich Öltechnologien arbeitete, gegenüber Fraudanwalt. 4000 Ölfelder sind bisher erschlossen, doch die Hälfte der weltweiten Förderung stammt aus nur 120 Riesenfeldern. Diese, auch Elefantenfelder genannten, Lagerstätten sind jedoch nicht gleichmäßig auf der Welt verteilt. Ob und wo sich noch weiteres Öl finden lässt, wird über unsere Zukunft entscheiden. Alle bedeutenden Elefantenfelder wurden vor über 40 Jahren erschlossen, seitdem werden sie ununterbrochen ausgebeutet. Die Frage, wieviel dieses schwarzen Goldes unser Planet noch in sich speichert, beschäftigt inzwischen Wissenschaftler genauso sehr wie Politiker und Ökonomen. In Paris hat die IEA, die Internationale Energiebehörde, erstmals alle wichtigen Ölfelder auf ihre tatsächliche Förderleistung hin untersucht. Begutachtet wurden über 800 Ölfelder weltweit. Der Förderrückgang dort ist enorm – die Menge geht dabei jährlich um 6,7% zurück. Theoretisch müssten also jeden Tag 500 Millionen Barrel neues Öl gefunden werden, jedes Jahr eine neue Ölprovinz von der Größe Iraks oder Iran gefunden werden, um das Defizit auszugleichen. Wenn die Daten der aktuellen Fördermengen stimmen, ist der Höhepunkt des Ölzeitalters bereits überschritten. Viel Forschung fließt daher in eine effizientere Ausbeutung der bestehenden Felder.

Niederösterreich – bis in die 60er Jahre konnte das Land seinen Ölverbrauch aus eigenen Quellen decken. Heute fördern die Pumpen im Wiener Becken nur noch 13 % des nationalen Bedarfs. Nun sucht der österreichische Mineralölkonzern in 6000 Metern Tiefe nach Öl und Gas. Solche extrem tiefen Bohrungen lohnen sich nur angesichts weltweit steigender Energiepreise. Um den Bohrkopf in der Tiefe zu steuern, müssen über 200 Bohrstangen zusammengefügt werden. Kein leichter Job – durch die unterschiedlichen Gesteinsschichten kann es passieren, dass sich die Rohre ineinander verkeilen. Jede Bohrung ist ein millionenschweres Wagnis. Daher wird die Bohrung von Geologen am PC kontrolliert, um zu überprüfen, ob ihre Theorien richtig waren. Diese werden meist anhand seismischer Bodenprofile aufgestellt. Der Druck ist hoch, da vor jeder Bohrung offenbleibt, ob diese auch tatsächlich Erfolg haben wird. Die Geologen forschen auch im Bereich Meeresgeologie schon seit Jahren, um genauere Knotenpunkte für die Erdöl- und Erdgasförderung bestimmen zu können. Denn große Vorkommen fanden sich in urzeitlichen Meeresbecken. Hier sammelten sich über Millionen von Jahren abgestorbenes Plankton und Algen. Eine Schicht aus Sand und Ton schloss dann das organische Material luftdicht ab. Unter Wärme und Druck verwandelte sich das Gemisch zu Öl und Gas. Jetzt leichter als Wasser, stieg der Rohstoff nach oben und sammelte sich in großen Mengen an undurchlässigen Stellen. Die Korallenformationen bildeten mit ihren Porenräumen ideale Erdölspeicher. So verfingen sich im Verlauf der Erdgeschichte in vielen Urzeitriffen nach oben steigendes Öl. Mehrere kilometerhohe Riffe konnten aber nur dort entstehen, wo sich der Meeresboden über Jahrmillionen absenkte und die Korallenformationen kontinuierlich bis zur Meeresoberfläche nachwuchsen. Ein Fünftel allen Erdöls fand man in tief verschütteten Korallenbänken. Die geographische Lage dieser Urzeitriffe hat sich allerdings durch plattentektonische Verschiebungen über Jahrmillionen verändert. Die Suche nach Öl gleicht so der Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Südostasien konnte zum neuen Hotspot werden. Bis heute findet sich allerdings das meiste Öl in der Gegend um den Persischen Golf. Doch genau dieses Dreieck weist wenige Riffstrukturen auf. Das Erdöl verfing sich hier in tiefliegenden Sand- und Kalksteinschichten nahe plattentektonischer Grenzen. Bis heute fehlt die Technik, um mit 100 %iger Sicherheit vorherzusagen, wo sich diese Lagerstätten finden lassen. Seit über 100 Jahren wird an neuen Methoden gefeilt, um neue Vorkommen zu entdecken, dennoch sind Geologen weit davon entfernt, genauer prognostizieren zu können, wo sich weiteres Öl verbirgt. Nur ein Zehntel aller Probebohrungen führt zum Erfolg und von der Suche bis zum Moment, wo der erste Tropfen fließt, vergehen im Durchschnitt 10 Jahre.

Jeder Europäer verbraucht im Durchschnitt 6-mal mehr als ein Inder oder Chinese. Wenn sich Asien an unseren Verbrauch annähert, wird der weltweite Bedarf nochmals um die Hälfte steigen. Öl ist auch Nahrung. Die Weltbevölkerung hat sich seit den 50er Jahren verdoppelt. Dank Diesel, Dünger und Traktoren ließen sich die Ernten seit damals um 250 % erhöhen. Ohne Öl könnte unsere moderne Agrarindustrie nicht genug für alle produzieren. Auch die industriellen Fangflotten kämen ohne Schiffsdiesel zum Erliegen. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts läuft die kommerzielle Suche nach Öl auf Hochtouren. Herrscher dieses schwarzen Godes ist mit dem größten bisher bekannten Ölfeld (280 Kilometer Länge) namens Ghawar Saudi-Arabien. Das mächtige und reiche Land, das aufgrund dieses Ölfeldes erst richtig aufblühte und in dem die Tradition nach und nach durch Moderne ersetzt wird, behauptet, die Welt weitere 70 Jahre problemlos mit Öl beliefern zu können, doch diese Angaben lassen sich nicht von unabhängiger Stelle überprüfen. Unter Hochdruck arbeitet die Forschungszentrale von „Saudi Aramco“, dem weltweit größten Ölkonzern, an der Erschließung neuer Quellen.

 

Noch gibt es keinen anderen Rohstoff, der eine gute Alternative bietet, so energiereich ist und sich dabei so einfach transportieren lässt. Ohne Öl würde unsere Weltwirtschaft zum Erlegen kommen. Von der vorhergesagten Ölknappheit profitiert bisher einzig und allein die Ölindustrie durch die Steigerung der Preise. Ein Kreislauf, den es zu durchbrechen gilt. Eins ist sicher: Neue Ölfelder zu erschließen, bleibt eine der wichtigsten Herausforderungen des 21. Jahrhundert

WER BESITZT DIE DAX-KONZERNE WIRKLICH?

In einem Glasbau in London (12 Throgmorton Avenue) befindet sich eine Blackrock-Niederlassung, mit großer Macht. Von dort aus werden Entscheidungen des weltgrößten Vermögensverwalters getroffen. Bei 20 von 30 Dax-Werten ist Blackrock der größte Fonds im Aktionärskreis. An jedem zweiten Konzern hält er mehr als 5 Prozent der Anteile. Kein Fonds hat mehr Stimmrechte im DAX als Blackrock.

Mit den meisten Unternehmen im wichtigsten Deutschen Leitindex wird eher sporadisch geredet, für einen engeren Austausch fehlt schlichtweg das Personal, berichtet eine hochrangige Managerin.

Filtern, screenen, abhaken – die Kontrolle von Konzernvorständen ist für die Fonds auch eine Kostenfrage. Die drei Marktführer Blackrock, Vanguard und State Street liefern sich einen harten Konkurrenzkampf. Vanguard hat seine Gebühren seit Ende vergangenen Jahres bereits zum dritten Mal gesenkt, um sich gegen Blackrocks Tochter iShares zu behaupten: Den weltgrößten Fonds für Europa-Aktien bekommen Anleger inzwischen für 0,1 Prozent.

15 Prozent des europäischen Fondskapitals stecken heute in Indexfonds und sogenannten ETFs (Exchange-Traded Funds), in den USA sind es sogar schon 35 Prozent. Tendenz: rasant wachsend. Diese Fonds werden nicht aktiv gemanagt, sie bilden einfach nur Indizes wie den Dax ab und werden zu günstigen Konditionen gehandelt. Unlängst erst riet die US-Investorenlegende Warren Buffett Anlegern öffentlich, auf Indexfonds zu setzen statt auf überbezahlte Fondsmanager.

Doch die Fondsdiscounter haben eine gefährliche Nebenwirkung: Weltweit sind beim Marktführer Blackrock 30 Angestellte für die Kontrolle aller Aktieninvestments zuständig — es geht aber auch noch günstiger. Bei State Street etwa. Der Finanzkonzern aus Boston ist selbst an der Börse gelistet, 37 Milliarden Dollar wert und zählt zu den drei größten Indexfondsanbietern weltweit. Geahndet werde von State Street nur „extrem schlechtes Verhalten“, sagt die Leitung des Fondsriesen.

Man müsse „Prioritäten“ setzen. „Wir können uns unmöglich die Hauptversammlungen aller 17 000 Unternehmen genau ansehen, bei denen wir investiert sind.“ Ihr globales Team umfasst elf Kollegen. Drei Viertel aller Gehalts- und Bonuspakete ordnete die State-Street-Software zuletzt als unproblematisch ein, sie wurden durchgewinkt – allen Gerechtigkeitsdebatten zum Trotz. Die wenigsten Topmanager müssen sich also Sorgen um ihre Boni machen. Sofern die Aufsichtsräte die Zulagen genehmigt haben, ist von den Aktionären kein Aufstand zu erwarten. Da kann der überarbeitete Deutsche Corporate Governance Kodex noch so sehr an die institutionellen Investoren appellieren: „Von ihnen wird erwartet, dass sie ihre Eigentumsrechte aktiv und verantwortungsvoll auf der Grundlage von transparenten und die Nachhaltigkeit berücksichtigenden Grundsätzen ausüben.“

Viel wichtiger als aktive Eigentümerschaft sind den Anbietern zumeist handfeste Einnahmen aus Wertpapierleihgeschäften. Indexfonds verleihen Aktien gern an Shortseller, die diese dann verkaufen — mit dem Ziel, sie später billiger zurückzuerwerben. Wer Anteilsscheine verleiht, kann aber nicht abstimmen.

Die Leihgebühren belaufen sich oft auf nur 0,1 Prozent pro Jahr, als noch geringer erachten die Fonds offenbar die zusätzliche Rendite aus einer besseren Corporate Governance. „Wenn es einen wichtigen Punkt auf der Tagesordnung gibt, holen wir die Aktien aus der Leihe zurück, um abzustimmen“, sagt die Managerin. Wie häufig das passiert, sagt sie nicht.

Verfechter von guter Unternehmensführung finden das Verhalten der stark wachsenden Discounter schlicht fahrlässig. Er sieht die Indexfonds in der Pflicht, ihre Stimmrechte auch auszuüben. „Die können nicht einfach sagen: Das ist zu anstrengend.“ Notfalls müsse die Finanzaufsicht Bafin die trägen Riesen durch geeignete Maßnahmen dazu bringen. Von dieser Idee hält die Behörde allerdings wenig. Wo es keine „generelle Pflicht“ gebe, könne man auch nicht mit Bußgeldern drohen.

Ohne Druck von außen werden die Governance-Teams der großen Fonds indes weiterhin vor ihren Monitoren kleben. Bei Blackrock finde die Kommunikation mit Vorstand und Aufsichtsrat im Vorfeld der Hauptversammlungen statt, sagt der Chefkontrolleur des deutschen Blackrock-Ablegers: „Wir gehen hin, wir stimmen ab.“ Aber: „Wir wollen keinen öffentlichen Klamauk.“ De facto geht nicht mal einer hin.

Gegenanträge sterben in der IT-Hölle

„Wir stimmen elektronisch ab“, heißt es oft. Im schlimmsten Fall droht dann mal ein No. „Auf Grundlage unserer Gespräche mit den Unternehmen drücken wir so unsere Meinung aus.“

Die elektronische Stimmabgabe muss bereits einige Tage vor dem Aktionärstreffen geschehen, in der Regel läuft das über die Software Proxy Exchange des allgegenwärtigen Stimmrechtsberaters ISS, der sich im Besitz der Private-Equity-Gesellschaft Vestar Capital Partners befindet. ISS reicht die Stimmen weiter an einen anderen Dienstleister, das börsennotierte US-Unternehmen Broadridge. Das schickt die Ergebnisse dann an das betreffende Dax-Unternehmen — bis zu zwei Wochen vor der HV. Ob Blackrocks Stimmrecht tatsächlich ausgeübt wurde, erfahren Mitarbeiter meist nicht.

Grundlegende Aktionärsrechte könnten ohne HV-Vertreter gar nicht ausgeübt werden. So können die Remote Controller zum Beispiel nicht für Gegenanträge anderer, kritischer Aktionäre stimmen, die sich gegen die Konzernführung auflehnen – selbst wenn diese Alternativvorschläge bereits von der Gesellschaft bekannt gemacht worden sind. Denn formal werden die Gegenanträge erst dann wirksam gestellt, wenn sie mündlich auf dem Treffen verlesen werden.

WAS BEDEUTET MACRON‘S SIEG FÜR DIE EZB-ZINSPOLITIK?

Seit knapp einem Jahrzehnt schon wird versucht mit der Einführung der Niedrigzinspolitik durch die Europäische Zentralbank (EZB), die Wirtschaft in Schwung zu halten und einer gefährlichen Deflationsspirale zu entgehen – so heißt es zumindest in der Erklärung der Währungshüter.

Doch die Deutschen erkennen mehr und mehr die Auswirkungen dieser expansiven Geldpolitik, in der mehr und mehr Geld gepumpt, der Markt künstlich aufgeblasen und der Zins immer weiter nach unten bis in den Minusbereich gedrückt wird. Nach dem Wahlsieg Emmauel Macron’s als nächster Präsident Frankreichs und der von ihm suggerierten Aufbruchstimmung der Franzosen in eine „neue Ära“ zusammen mit der Europäischen Union werden die Stimmen der Deutschen in Bezug auf die Geldpolitik der EZB immer lauter, in der Hoffnung, dass mit dem neuen Präsidenten und der Zeit des Wandels sowie der geplanten Umstrukturierung auch die Zeit des Nullzinses ein Ende nimmt. Über die Macron-Leaks lesen.

Denn die vermeintliche Ankurbelung der Wirtschaft scheint an den Deutschen vorbeigegangen zu sein – zumindest an den Großteil. Profitiert haben von dieser Geldpolitik vor allem die Südländer der Eurozone, die dadurch ihre Schulden ohne Schuldenschnitte abbauen konnten bzw. können und so einem Schuldenkollaps entkommen sind. Tatsächlich jedoch bringt eine hohe Inflation für den deutschen Sparer weniger Konsum und den Hang, in risikoreichere Anlageprodukte zu investieren, mit sich. Zudem werden ineffiziente Unternehmen durch die Möglichkeit, günstig an frisches Geld zu kommen, weiterhin bei der Stange gehalten und die Qualität des Kapitalstocks gesenkt. Sollten diese künstlichen Blasen platzen, stürzt die Wirtschaft in eine neue Krise.

Um nicht nur die Wirtschaft, sondern auch Politik zu schützen, hat sich der neue Präsident Macron hohe Ziele gesetzt. Mit dem Leitmotiv „sowohl als auch“ will er nicht nur die Bürger, die ihn gewählt haben, ob nun aus Protest gegen die rechtspopulistische Kandidatin Marie le Pen oder aus Überzeugung, sondern alle Franzosen, auch diejenigen, welche sich zur Wahl enthalten haben, überzeugen und auf seine Seite ziehen. Schließlich muss er noch die Mehrheit im Abgeordnetenhaus bei den bevorstehenden Parlamentswahlen im Juni erkämpfen. Diese will er unter anderem durch Vorsätze wie die „Moralisierung der Politik“, Angleichung der Renten, Reduzierung der Arbeitslosenquote und Lockerung des Arbeitsrechtes gewinnen. Weiterhin könnte Macron durch sein Einwirken zur Beendigung der Niedrigzinspolitik den Reformunwillen der Franzosen bändigen und damit seine innenpolitischen Gegner mundtot machen. Das schon längst überfällig zu scheinende Ende der expansiven Geldpolitik würde das Vertrauen der Sparer und Märkte steigern, die gefährlichen Ankäufe von Staats- und Unternehmensanleihen eindämmen und die Entstehung bzw. Vergrößerung neuer bzw. bestehender Blasen verhindern. Doch selbst mit dem jungen Staatschef, der nur so voller Tatendrang zu strotzen scheint, ist es eher unwahrscheinlich, dass sich die Währungshüter von dieser Euphorie und diesem Engagement insoweit beeinflussen lassen, dass sie ihre Vorgehensweise in diesem oder auch im kommenden Jahr ändern werden. Schließlich haben diese ja noch die anderen Südländer der EU im Nacken sitzen, die durch die Nullzinspolitik ihre hohen Schulden abbauen. Nicht, dass diese auch noch das Tabuwort „Exit“ in den Mund nehmen und mit einem Ausstieg aus der momentan sehr sensiblen Eurozone drohen.

Mit einer weiteren Senkung des Leitzinses in den Minusbereich ist jedoch auch nicht zu rechnen. Laut EZB-Direktor Yves Mersch, einem Mitglied des EZB-Führungsteams, sollten Diskussionen über jegliche Änderungen strukturiert und umsichtig diskutiert werden, ausgeschlossen werden diese aber nicht. Allem Anschein nach hängt der Verlauf der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank also von Macron’s Reformpaket ab. Sollte dieses furchten, würde es Signale in die richtige Richtung lenken, der wirtschaftlichen Entwicklung Europas in die Karten spielen und der EZB einen Anlass für schrittweise Normalisierung des Zinsniveaus geben. Zudem ist Frankreich einer der wichtigsten Handelspartner für Deutschland. Nach dem Brexit, den Diskrepanzen mit Russland, der Stagnation der chinesischen Wirtschaft und den Türkei-Unruhen liegt es nur in dem Interesse der Deutschen, dass die französische Wirtschaft sich positiv entwickelt.

RINCA GMBH UND AGRI TERRA KG: ARMUT IST DES REICHEN KUH

Die Rinca GmbH aus Berlin und Agri Terra KG aus Bielefeld locken Anleger in ein Rinderinvestment mit einer Rendite von 8% und mehr. Obwohl es in Europa genügend Weideplätze gibt und auch vermutlich genügend Kühe, suchen die Rinderinvestoren Agri Terra und Rinca ihr Glück in Paraguay. Und das nicht ohne Grund.

Paraguay ist ein „Dritte Welt Land“ mit flächendeckender Korruption in Behörden und zeichnet sich durch seine instabile politische Lage aus. Eigentlich ein perfekter Ort, um dorthin Geld zu transferieren und es in dunklen Kanälen versickern zu lassen, wenn man es denn wollte.

Paraguay gehört zu einer Gruppe von etwa 130 unterentwickelten Staaten auf der Erde, die sich vorwiegend auf der Südhalbkugel befinden und große Defizite im Bereich der Gesundheitsversorgung, der Bildung, des Sozialwesens, der Infrastruktur und in der Politik aufweisen. Im Gegensatz zu den industriell hoch entwickelten europäischen Staaten stechen diese weltlichen Randgebiete als wirtschaftlich unterentwickelt und mit langsamem Fortschritt in der Industrie hervor. Das sind nicht die besten Bedingungen, um in ein Viehinvestment von Agri Terra oder Rinca zu investieren.

Rinder eine Geldanlage mit hohem Risiko

Das Konzept von Agri Terra bzw. Rinca klingt ganz einfach. Ab 5.000 Euro können Anleger 10-15 Kälber erwerben, die Betreuung und Aufzucht übernehmen Farmer in Paraguay. Zu guter Letzt werden die Rinder, nachdem sie ihr Gewicht verdoppelt haben und etwa 500KG auf die Waage bringen, an einen Schlachthof veräußert. So zumindest die Theorie. Das Management von Agri Terra verfügt über keinerlei Erfahrungen im anvisierten Investmentbereich, dadurch steigt aus unserer Sicht das Totalverlustrisiko für den Rind-Investor in die Höhe. Dirk Pfau, der vermeintliche Kopf des Rindermärchens hat die Agri Terra KG gleich mal selbst bei Facebook mit 5 Sternen bewertet und schreibt als Kundenrezession: „Ein erfahrenes, engagiertes Team betreut die Agro-Investitionen der Agri Terra Gruppe in Paraguay“.

Anleger können ihr Kapital nicht nur in Rinderaufzucht pumpen, sondern auch in die Agri Terra KG – Orangenplantagen oder Weideland. Mit dem irreführenden Begriff „Orangen-Rente“ wirbt Agri Terra um Anleger. Die Initiatoren des mutmaßlichen Rinderschwindels greifen auf Partnerfirmen zurück, die die Bewirtschaftung in Paraguay übernehmen. Doch was ist, wenn diese plötzlich weg sind, insolvent und auf und davon mit dem Anlegergeld? Darüber erzählen die Bilder mit den gesunden Rindern und knackigen Orangen auf der Homepage der Rinder-Gurus nichts, wahrscheinlich aus gutem Grund, denn die Armut ist des Reichen Kuh…

Die Redaktion-Fraudanwalt rät interessierten Anlegern zur Vorsicht und setzt aufgrund des unplausiblen Modells beide Anbieter auf die Warnliste. Haben Sie Erfahrungen mit der Rinca GmbH oder Agri Terra KG? Dann schreiben Sie uns an [email protected].

DIE KORRUPTE GRANDE NATION

Der französische Präsidentschaftskandidat ist einen Tag vor der Wahl zum Ziel eines groß angelegten Hackerangriffs geworden. Erst jetzt wird klar der Saubermann Macron ist womöglich gar nicht das, was die Medien dem Volk schmackhaft zu machen versuchen. Unter dem Hashtag Macronleaks hat Wikileaks tausende Dokumente des bereits gefeierten „nächsten französischen Präsidenten“ veröffentlicht.

Der bürgerliche Favorit für das höchste Staatsamt hat als Abgeordneter jahrelang die Gattin auf Staatskosten scheinbeschäftigt – und gilt deshalb inzwischen als fast chancenlos. Die Populistin soll als Europaabgeordnete widerrechtlich heimische Parteihelfer mit EU-Geld bezahlt haben. Die Finanzaffären von Francois Fillon und Marine Le Pen zeigen, wie toxisch verquickt Politik und Geld in Frankreich sind – seit Jahrzehnten. Newcomer Emmanuel Macron verspricht deshalb eine neue „Moral“ und volle Transparenz seiner Finanzen, doch dann kam Wikileaks.

Spesen sind nicht gleich Spesen

Lange war es in Frankreich üblich, dass Minister jeden Monat bündelweise Bargeld aus Reptilienfonds des Staates erhielten. Sie besserten damit etwa das Salär enger Mitarbeiter steuerschonend auf. Erst 2001 schaffte die Nationalversammlung das System ab. An der Selbstbedienungsmentalität änderte das wenig. So trat 2005 Finanzminister Hervé Gaymard — damals Hoffnungsträger der Bürgerlichen – zurück, weil er seine 600-Quadratmeter-Wohnung vom Staat hatte bezahlen lassen. Ex-Staatschef-Jacques Chirac wurde 2011 zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, weil er als Pariser Bürgermeister Parteimitarbeiter aus der Stadtkasse entlohnt hatte.

Spenden ein probates Mittel

Das Verhältnis zur Geschäftswelt ist nicht minder heikel. Früher dienten staatsnahe Unternehmen wie der Ölkonzern Elf Aquitaine oder die Bank Crédit Lyonnais als heimliche Finanziers der großen Parteien. Heute sind Firmenspenden an Parteien verboten, die Obergrenze für private Zuwendungen beträgt 7500 Euro. Aber es gibt neue Tricks: Ähnlich wie in den USA sammeln kleine Interessengruppen als „Mikroparteien“ Geld ein — auch für Fillon, Le Pen und Macron. Ex-Präsident Nicolas Sarkozy muss vor Gericht, weil er 2012 das vorgegebene Wahlkampfbudget um fast das Doppelte überschritten hatte.

Medien gehen Hand in Hand mit dem Favorit

Politik und Großkapital treffen sich auch bei den tonangebenden Medien. Diese sind fast alle in der Hand einiger weniger Unternehmer. Dem Industriellen Serge Dassault gehört der konservative „Figaro“, dem Luxusuntemehmer Bernard Arnault (LVMH) das Wirtschaftsblatt „Les Echos“. Der Bau- und Medientycoon Martin Bouygues kontrolliert TFI, den größten V-Sender. Dassault, Amault und Bouygues feierten mit, als Sarkozy am Abend seines : Wahlsiegs 2007 ins Nobelrestaurant „Fouquet’s“ einlud. Die Unternehmer Pierre Bergé und Xavier Niel, die das Sagen bei Le Monde“ haben, unterstützen nun Macron. Auch der Telekom-Milliardär Patrick Drahi bevorzuge in seiner Mediengruppe SFR („L’Express“, „Libération“, „NextRadioTV“) Macron – das behauptet jedenfalls das Le-Pen-Lager.

Politisches-Netzwerk gegen Le Pen

Die Kandidatin des Front National klagt, dass französische Banken ihrer Partei keine Kredite gäben, deshalb habe sie russisch-tschechische Finanziers benötigt. Ihr Vater, Parteigründer Jean-Marie Le Pen (88), besitzt immerhin eine Villa bei Paris, die ihm ein Unternehmer 1976 vererbte. Macron verdiente als Banker 2008 bis 2012 sehr gut, ein großes Vermögen baute er aber nicht auf. 2016 deklarierte er Finanzanlagen in Höhe von 230 000 Euro. Als junger Beamter kaufte er 2007 eine Wohnung in Paris. Ein Mäzen aus der Wirtschaft half ihm mit 550 000 Euro Kredit, die Macron zurückgezahlt hat.

POKERN UM GALERIA-KAUFHOF

Wer die jüngere Geschichte der Warenhauskette Galeria Kaufhof verfolgt, wird das Gefühl nicht los, alles schon einmal erlebt zu haben.

Eineinhalb Jahre nach der Übernahme des Innenstadtdinos durch den kanadischen Konzern Hudson’s Bay Company (HBC) verspürt man immer deutlicher ein Déja-vu, streng genommen sogar drei: Die Vorgänge haben auffallende Ähnlichkeit mit dem laienhaften Gastspiel des US-Händlers Wal-Mart in Deutschland, mit dem fatalen Wirken von Thomas Middelhoff bei Arcandor und der desaströsen Herrschaft des zeitweiligen Karstadt-Eigentümers Nicolas Berggruen.

Der weltgrößte Retailer Wal-Mart war es, der ohne Kenntnis des deutschen Einzelhandels knapp 100 Selbstbedienungswarenhäuser in Deutschland erwarb und vergeblich versuchte, den Kunden den American Way of Life schmackhaft zu machen — ähnlich wie die Kaufhof-Eigner.

Middelhoff versilberte die Immobilien des Arcandor-Konzerns und nahm im Gegenzug exorbitante Mietsteigerungen in Kauf. Analog verfährt HBC mit einem großen Teil der Kaufhof-Immobilien.

Karstadt-Eigner Berggruen bediente sich aus der Warenhauskasse, die nach durchlaufener Insolvenz prall gefüllt war. Seine Hilfshorden verschwendeten Ressourcen, trimmten das Sortiment auf angelsächsisch und verschreckten damit die letzten Kunden. Ein vergleichbares Muster lässt sich nun bei Kaufhof erkennen.

Wal-Mart, Middelhoff, Berggruen – alle drei scheiterten grandios. Steht HBC womöglich dasselbe Schicksal mit der deutschen Tochter Galeria Kaufhofbevor? Einiges deutet darauf hin.

Die Kanadier kamen 2015 mit der Überzeugung nach Deutschland, sie wüssten alles besser — eine Überheblichkeit, die schon einige amerikanische, britische und französische Händler teuer bezahlen mussten.

Beim Kaufhofwurde bislang nichts besser, aber vieles schlechter. Den Erwerbspreis holten sich die HBC-Leute nach Private-Equity-Manier aus dem Kaufobjekt selbst. HBC saugt das Unternehmen über Mieterhöhungen aus. Seit der Übernahme schreibt Galeria Kaufhof rote Zahlen. Mit untauglichen Konzepten versuchen die Amerikaner, das Warenhaus umzukrempeln. Im Einkauf regiert das Chaos, viele Lieferanten wurden verprellt. In der Zentrale herrscht Frust, Führungskräfte sind reihenweise auf dem Absprung.

Das Wirken der transatlantischen Großkaufleute bei ihrem deutschen Ableger wäre weniger besorgniserregend, wenn hinter der Fassade von HBC ein erfolgreicher, wohlhabender Konzern steckte — ähnlich einem reichen Onkel aus Amerika, der spendabel mit seinen Dollars umgeht. Doch diese Hoffnung ist irreal: Die hoch verschuldete HBC verbrennt auch mit ihren Warenhäusern in Kanada (Hudson’s Bay) und den USA (Saks Fifth Avenue, Lord & Taylor) zunehmend Geld. Das erklärte Ziel, zum Weltmarktführer aufzusteigen, klingt schwer nach Fantasterei.

Die Führungsriege unter Executive Chairman und Großaktionär Richard Baker erweckt den Eindruck eines Klubs von Glücksspielern, die auf Verluste mit immer höheren Einsätzen reagieren. Offenbar haben das auch die Anleger erkannt: Seit dem Kaufhof-Deal halbierte sich der HBC-Kurs. Daran änderten selbst Gerüchte, HBC  könnte die angeschlagene US-Kaufhauslegende Macy’s übernehmen, nur wenig.

Dass die Amerikaner bei Galeria Kaufhof zum Zuge kamen, liegt vor allem an Olaf Koch, dem Vorstandsvorsitzenden der Metro AG. Koch wollte die Warenhaustochter unbedingt loswerden. Es gab zwei Interessenten, die Signa Holding des Österreichers René Benko, der bereits die Kaufhof-Konkurrentin Karstadt gehörte, und eben HBC.

Koch mag Benko nicht, misstraute dessen Finanzierung und fürchtete, im Fall eines Zusammenschlusses von Kaufhof und Karstadt für einen personellen Kahlschlag mitverantwortlich gemacht zu werden.

Doch der Deal mit den Kanadiern führte schon bald zu Irritationen. HBC löste die meisten Warenhausimmobilien aus dem Unternehmen heraus, verkaufte sie zum Teil an Joint-Venture-Partner und beutet Kaufhof seitdem mit höheren Mieten aus — rund 50 Millionen Euro jährlich mehr.

Zwar hat HBC für eine Periode von fünf bis sieben Jahren Investitionen in Höhe von einer Milliarde Euro in Deutschland zugesagt, die muss Kaufhof aber aus dem eigenen Cashflow bestreiten — und der dürfte nahe null oder negativ sein, seit die Mieterhöhungen durchschlagen. Mitarbeiter berichten von einem zeitweiligen Investitionsstopp, was Kaufhofbestreitet. An der Modernisierung von Kaufhof-Filialen und dem Aufbau des Markendiscounters Saks Off 5th in Deutschland werde festgehalten.

Immerhin räumte der Konzern kürzlich indirekt selbst ein, wie begrenzt seine Liquidität ist. HBC weitete die Betriebsmit telkreditlinie um 350 Millionen Dollar aus. 100 Millionen Dollar sollen in die Schaffung eines Warenhausnetzes in den Niederlanden fließen – von Geldtransfers nach Deutschland war nicht die Rede. Kaufhof bleibt finanziell sich selbst überlassen.

Seit Oktober 2015 hat in der Kölner Kaufhof-Zentrale Donald Watros das Sagen — ein HBC-Manager mit dem Titel President International, der nicht gerade als exzellenter Kenner des Einzelhandels gilt, schon gar nicht des europäischen. Coachen lässt er sich durch Scharen von US-Consultants.

Watros sitzt formal nur dem Aufsichtsrat von Galeria Kaufhof vor, übt tatsächlich aber weit mehr Macht aus. Der Vorsitzende der Geschäftsführung, Olivier Van den Bossche, hat wenig zu bestellen. Für viele ist es nur eine Frage der Zeit, dass der freundliche Belgier seine Position als Frühstücksdirektor verlieren wird.

Watros, ein Freund von HBC-Governor Baker, schwebt etwa alle zwei Wochen in Deutschland ein, verbringt ein paar Tage in der KaufhofZentrale und einige Nächte im von der Firma angemieteten Luxusapartment in einem der sogenannten Kranhäuser am Rheinufer, um dann wieder gen Westen abzuheben. In der Hauptverwaltung hetzt er meist grußlos an seinen Leuten vorbei, bellt ab und zu „Koffhoff“ und fasst Entschlüsse, die Rätsel aufgeben.

Der Manager hat eine große Sortimentsumstellung angeordnet. Vor allem auf Schuhen, Handtaschen und Kosmetik wird künftig der Fokus liegen – obwohl diese Produktgruppen stark vom Internethandel betroffen sind.

TIPPS UND TRICKS: WAS ANGEHENDE IMMOBILIENBESITZER WISSEN MÜSSEN

Das Gespräch mit dem Bankberater ist Georg Fahrenschon (Name geändert) noch gut in Erinnerung: „Auf gar keinen Fall! „, sagte er und schob das Angebot für den Baukredit über den Schreibtisch zurück. „Auf so eine riskante Sache lassen wir uns nicht ein.“

Bis hierhin war das Gespräch freundlich verlaufen. Der BWL-er und seine Frau Margerith hatten einen Termin, um über ihre Baufinanzierung zu sprechen. Als sie in das Besprechungszimmer in der Mittelbrandenburgischen Sparkasse kamen, duftete frisch gebrühter Kaffee aus einer Kanne. Gebäck lag bereit. „Die gute Nachricht gleich vorweg“, hatte der Berater das Gespräch eröffnet: „Wir finanzieren Ihre Immobilie gern — und haben schon ein Angebot parat.“

Nichts anderes hatte das Paar erwartet: 295 000 Euro kostet das Haus, das die Fahrenschons in einem kleinen Ort vor den Toren Berlins gefunden haben. Hinzu kommen Nebenerwerbskosten: fünf Prozent Grunderwerbsteuer, 6,25 Prozent Maklercourtage und rund zwei Prozent an Gebühren für Notar und Grundbucheintragungen. Ergibt insgesamt 334 987 Euro. Das Paar verfügt über 35 000 Euro an Ersparnissen. Zudem buttern die Eltern beider 73 000 Euro zu. Das macht 108 000 Euro Eigenkapital 32 Prozent der Gesamtkosten.

„Dass wir damit einen Kredit über die restlichen 226 987 Euro bekommen würden, war klar“, sagt der BWL-er. „Schließlich verlangen viele Banken nicht mal 20 Prozent Eigenkapital.“ Georg Fahrenschon kennt sich aus. Seit das Paar erfahren hat, dass Margerith schwanger ist, hat der 39-Jährige viele Nächte damit verbracht, sich in das Thema Baufinanzierung einzulesen.

Eine Immobilie war schnell gefunden: ein zehn Jahre altes Haus mit 135 Quadratmetern Wohnfläche auf einem 800-QuadratmeterGrundstück mit alten Bäumen. „Alles sieht heimelig aus, und das Haus ist gut in Schuss“, sagt die Frau Fahrenschon. Auch sonst stimmt alles: Es gibt zwei große Kinderzimmer, und die nächste S-Bahn-Station für die Fahrt zur Arbeit ist nicht weit.

Für die Wunschimmobilie ist Flexibilität gefragt

Was dem Paar nicht gefällt, ist die Offerte der Bank. Das Institut hat die Kreditsumme in zwei Tranchen mit unterschiedlichen Laufzeiten aufgeteilt. Ein Darlehen über 110 000 Euro wurde mit zehnjähriger Laufzeit (Zins: 1,55 Prozent) angeboten, für den Restbetrag von 116 987,50 Euro parallel ein Kredit mit nur fünfjähriger Laufzeit (Zins: 1,19 Prozent). „Dadurch reduzieren sich in den ersten fünf Jahren ihre Zinskosten“, lockte der Berater im Gespräch. „Wenn die Kinder noch klein sind, ist ein wenig Luft in der Haushaltskasse immer gut.“ Die Fahreschons lehnten ab. „Die Bank könnte uns bei der Refinanzierung der kleineren Darlehenstranche in fünf Jahren hohe Zinsen diktieren“, sagen sie. Stimmt, denn andere Institute übernehmen Experten zufolge bei gesplitteten Krediten keine Anschlussfinanzierung von Teildarlehen. Ihnen genügen die Sicherheiten im Grundbuch nicht.

Mithilfe von Forward-Darlehen lassen sich günstige Konditionen für die Zukunft sichern

Baugeld ist immer noch günstig, aber längst nicht mehr so billig wie zum Tiefpunkt im Oktober 2016. Damals lag der Effektivzinssatz für zehnjährige Annuitätendarlehen bei durchschnittlich 1,18 Prozent, Anfang April betrug er 1,4 Prozent. Wer von steigenden Zinsen ausgeht und in einigen Monaten oder Jahren eine Anschlussfinanzierung benötigt, kann allerdings heute schon vorbeugen – mit einem sogenannten Forward-Darlehen. So können sich Eigentümer weitgehend die heutigen Konditionen für die Zukunft sichern.

Vorsorgliche Kalkulation treffen, aber Sicherheit kostet

Banken erheben für jeden Monat, der bis zur Auszahlung des Anschlusskredits fällig wird, einen Zinsaufschlag. Dieser beträgt — je nach Anbieter — zwischen 0,01 und 0,06 Basispunkten. Wird ein Forward-Darlehen in 24 Monaten benötigt, beträgt der Aufschlag also 0,24 bis 1,44 Basispunkte. Der Zinssatz für ein Annuitätendarlehen zu 1,4 Prozent würde also auf 1,64 bis 2,84 Prozent steigen.

Vergleichsangebote einholen

Zudem lohnt es für Interessenten, beim Vergleich von Angeboten auf den Effektivzins zu schauen. Entscheidend ist nicht nur der Aufschlag, sondern auch der Basiszins des zugrundeliegenden Kredits.

Beispiel: Ein Forward-Darlehen wird in zwölf Monaten benötigt. Anbieter A erhebt einen Monatsaufschlag von 0,01 Basispunkten und einen Grundzins von 1,64 Prozent für den Immobiliendarlehen. Der Effektivzins für den Vorauskredit: 1,76 Prozent. Bei Anbieter B beträgt der Aufschlag hingegen 0,02 Basispunkte, der Darlehenszins aber nur 1,48 Prozent. Unterm Strich ist B günstiger, weil sich ein Effektivzins von nur 1,72 Prozent ergibt. Der erste Kreditgeber steht an erster Stelle in der Gläubigerrangfolge und hat bei Zahlungsunfähigkeit des Kunden zunächst allein Zugriff auf den Ertrag aus einer Zwangsversteigerung. Alle anderen Gläubiger bekommen ihr Geld nur, wenn danach noch etwas übrig ist.

In einigen Fällen können Teildarlehen dennoch sinnvoll sein, zum Beispiel wenn in einigen Jahren eine Kapitallebensversicherung zur Auszahlung ansteht. Dann lohnt es sich, den Kredit in unterschiedliche Laufzeiten zu splitten. Eine Kredittranche wird dann in Betrag und Auszahlungszeitpunkt der Lebensversicherung angepasst – und zum Termin mit der Auszahlung abgelöst.

Die Finanzierung einer Immobilie ist kompliziert. Bauspar- und Fondsspar-Kombikredite, Annuitäten- und Volltilgerdarlehen – die Liste der Finanzierungsmöglichkeiten ist lang und unübersichtlich. Entsprechend viele Fallstricke gibt es. Um private Haus- und Wohnungskäufer besser zu schützen, hat die EU zwar die Wohnimmobilienkreditrichtlinie geschaffen, die in Deutschland seit 2016 gilt. „Seither müssen Darlehensgeber prüfen, ob ein Käufer langfristig in der Lage ist, die Finanzierung zu stemmen“, erläutert Sebastian. Das bedeutet aber nicht, dass seither nur Baukredite angeboten werden, die perfekt auf die Bedürfnisse der Darlehensnehmer zugeschnitten sind. „Das ureigene Interesse der Banken und Versicherungen besteht darin, profitable Geschäfte zu machen“, sagt der Immobilien-Experte. „Wohneigentumserwerber müssen deshalb weiterhin penibel kontrollieren, ob vorgelegte Finanzierungsangebote für sie selbst von Vorteil sind.“

Die wichtigste Regel lautet: „Keep it simple — halte es einfach“.

Käufer sollten komplizierte Finanzierungen meiden, weil sie diese im Detail kaum durchschauen könnten. Genau aus diesem Grund bieten manche Banken solche Produkte gerne an. Dies erfuhren die Fahrenschons, als sie bei einem weiteren Institut nachfragten. „Uns wurde ein Kombidarlehen mit einem Fondssparplan angeboten“, erzählen die Beiden. Das Paar lehnte ab: Die Kosten und die Risiken seien zu hoch. „Eine gute Entscheidung“.

Vorsicht bei Kombikrediten und versteckten Kosten

Bei einem Kombidarlehen wird ein Immobilienkredit mit fester Zinsbindung aufgenommen und zugleich ein Aktienfonds- oder Bausparvertrag abgeschlossen. Kredit und Sparvertrag haben dieselbe Laufzeit. Beim Darlehen begleicht der Kreditnehmer nur die Zinsen, leistet aber keine Tilgung. Gleichzeitig zahlt er jeden Monat in den Sparvertrag ein. Am Ende der Laufzeit dient das im Sparvertrag angesammelte Kapital dazu, den Kredit zu tilgen.

Bei der Variante mit Fondssparplan profitiert der Immobilienkäufer, wenn die Börsenkurse steigen. In diesem Fall kann das angesparte Vermögen am Ende der Laufzeit den Kreditbetrag übersteigen. „Doch der Aktienmarkt ist keine Einbahnstraße“. „Brechen die Börsen ein, schmilzt der Wert der Fondsanteile dahin.“ Dann reicht der Sparvertrag nicht mehr für die Tilgung. „Schlimmstenfalls verlieren die Schuldner ihr Haus“, sagt der Immobilienökonom. Der wahre Gewinner bei Fondssparplänen seien die Banken, sagt Hauskäufer Georg Fahrenschon: „Sie kassieren beim Verkauf der Fondsanteile Ausgabeaufschläge von rund fünf Prozent.“

Die zweite Variante — Kombidarlehen mit Bausparvertrag – ist sogar fast immer ein Minusgeschäft für den Kreditnehmer. „Bei Unterzeichnung des Bausparvertrags fällt eine Abschlussgebühr von meist einem Prozent der Bausparsumme an“.

Da Bausparkassen Sparguthaben aktuell meist nur mit 0,1 Prozent pro Jahr verzinsten, übersteige die Abschlussprovision in der Regel den erzielten Zinsertrag.

Dies zeigt eine Beispielrechnung mit derzeit üblichen Konditionen: Bausparsumme 100 000 Euro, Laufzeit zehn Jahre, Abschlussgebühr ein Prozent (also 1000 Euro), Sparzins 0,1 Prozent pro Jahr. Bis zur Fälligkeit nach zehn Jahren addiert sich der Zinsertrag insgesamt auf gerade einmal 550 Euro – das sind 55 Prozent der Abschlussprovision. „Der Immobilienkäufer verliert also 450 Euro“. Hinzu kommt: Die Zinskosten sind bei Kombidarlehen häufig überdurchschnittlich hoch, weil die Zinsen bis zum letzten Tag auf die gesamte Kreditsumme fällig werden.

Schnelle Tilgung lohnt sich

Anders läuft es bei Annuitätendarlehen. Hier starten Kreditnehmer von der ersten Rate an mit der Tilgung. „Da der monatlich an die Bank zu überweisende Betrag gleichbleibt, steigt der in die Tilgung fließende Anteil mit jeder Zahlung, während die Schuldsumme zugleich immer weiter sinkt“. Eine wichtige Kennziffer bei diesen Krediten ist deshalb die „anfängliche Tilgungsrate“ – der Anteil der Monatsrate, der bei der ersten Zahlung in die Tilgung fließt. „Je höher er ist, desto schneller wird die Immobilie entschuldet“, sagt der Ökonom.

Zusätzlich sind Kreditgeber bei Annuitätendarlehen verpflichtet, den Effektivzins auszuweisen die Kosten in Prozent des Darlehensbetrags, die der Kunde zahlen muss. „Verschiedene Angebote lassen sich deshalb sehr gut vergleichen.

Das Darlehen mit dem niedrigsten Effektivzins ist am günstigsten

Nicht zuletzt können Annuitätendarlehen auch Sicherheit vor künftigen Zinsanstiegen bieten, weil der Kunde die Laufzeit beliebig wählen darf. Sogar Volltilgerdarlehen sind möglich. Dabei sind Laufzeit und Zinssatz bis zur endgültigen Tilgung von Anfang an festgezurrt.

Die Zinskosten steigen jedoch mit der Länge der Bindung. Für fünfjährige Annuitätendarlehen verlangten Kreditgeber in diesem Frühjahr laut Finanzierungsvermittler Interhyp im Schnitt einen Effektivzins von 1,18 Prozent, für Kredite mit 20-jähriger Laufzeit 2,33 Prozent.

Immerhin können Annuitätendarlehen nach zehn Jahren stets gekündigt werden. Sind die Zinsen 2027 niedriger, können Kreditnehmer sogar ein heute aufgenommenes Volltilgerdarlehen dann aufsagen und in eine für sie   günstigere Finanzierung wechseln. Berger-Fridar rät ebenfalls zu Annuitätendarlehen – warnt aber davor, allzu sehr auf die teure Sicherheit langer Kreditlaufzeiten zu setzen. „Um die Immobilie schnell zu entschulden, ist es besser, höher zu tilgen, als höhere Zinsen für eine längere Laufzeit zu zahlen.“ Warum Schnelltilger oft im Vorteil sind. Demnach müssten die Zinsen für eine Anschlussfinanzierung nach zehn Jahren schon um deutlich mehr als zwei Prozentpunkte steigen, damit sich das 20-Jahres-Darlehen lohnt.

Unabhängig von der Laufzeit solle „die anfängliche Tilgungsrate mindestens drei Prozent betragen“, rät Georg F.. „Wer das nicht schafft, sollte sich eine billigere Immobilie suchen.“ Andernfalls nimmt das Risiko zu: Käufern droht das Aus, wenn die Zinsen bis zur Anschlussfinanzierung deutlich steigen – oder sie zahlen Jahrzehnte länger für ihre Schulden. Bei Volltilgerdarlehen mit einer Anfangstilgung von drei Prozent vergehen bis zur Entschuldung 23 Jahre und drei Monate; bei einer Starttilgungsrate von einem Prozent sind es 46 Jahre und fünf Monate. Am flexibelsten bleiben Kunden mit einem Kredit, der zusätzliche Tilgungen – etwa nach einer Erbschaft — zulässt. „Sondertilgungen reduzieren die Zinskosten und die Restschuld bei der Anschlussfinanzierung“ – weiterlesen.

Die Dernbachs sind am Ende mit einer dritten Bank ins Geschäft gekommen. Deren Angebot: ein Annuitätendarlehen über zehn Jahre zu einem Zinssatz von 1,51 Prozent und einer anfänglichen Tilgungsrate von 3,2 Prozent – inklusive möglicher Sondertilgungen bis zu drei Prozent des Kreditbetrags pro Jahr. Gegen ein 20-Jahres-Darlehen zu höheren Zinsen und mit geringerer Tilgung hat sich Georg Fahrenschon bewusst entschieden: „Mit dem zehnjährigen Kredit kommen wir schneller von den Schulden runter.“

Gut möglich — zumal die Eltern des Paares zugesagt haben, jedes Jahr noch ein wenig Geld für Sondertilgungen zu stiften.

DROHT STUTTGART EINE IMMOBILIENBLASE?

Eine bunte Truppe hat sich zusammengefunden, um der Stuttgarter Städteplanung neuen Schub zu geben: Mehr als 500 Vertreter aus Politik, Bauwirtschaft, Architektur und Kunst wollen die Internationale Bauausstellung (IBA) 2027 am Neckar ausrichten. Anders als etwa bei der IBA Emscher Park in den 90erJahren müssen sich die Wegbereiter im Südwesten nicht mit Problemen wie Schrumpfung oder Deindustrialisierung herumschlagen. Ihnen geht es laut Memorandum um „den zukunftsweisenden Umbau und die Weiterentwicklung einer prosperierenden Industriestruktur“.

Dazu gehört eine intensivere Zusammenarbeit mit dem Umland. Die ist schon deshalb nötig, um zusätzlichen Wohnraum zu schaffen. In Stuttgart sind kaum mehr größere Flächen für neue Häuser vorhanden, ausgenommen bereits projektierte Vorhaben wie die am Neckarpark oder im Rosensteinviertel.

Noch steigen die Preise für Wohneigentum in der Landeshauptstadt rasant, wie der jüngste Bericht des städtischen Gutachterausschusses zeigt. Bestandsimmobilien kosteten demnach Ende 2016 bis zu 15 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Im Mittel mussten Käufer fast 3 200 Euro pro Quadratmeter aufbringen, in Einzelfällen lag der Preis sogar bei 10 000 Euro.

Was für ein Unterschied zu 2011! Damals waren noch mehr als 20 Prozent der Bestandsobjekte für weniger als 1500 Euro pro Quadratmeter zu haben – aktuell sind es nur noch drei Prozent. Manche Projekte bewegen sich preislich indes in ganz anderen Sphären: Die Bietigheimer Wohnbau, ein bekannter Bauträger aus der Region, hat sich an der viel befahrenen Haußmannstraße in Halbhöhenlage ein Filetgrundstück gesichert. Dort baut das Unternehmen exklusive Etagenwohnungen. Eine Dreizimmereinheit in den „Haussmann Homes“ wird für 444 444 Euro zum Kauf angeboten – macht 6 000 Euro für jeden der 74 Quadratmeter.

Nach oben geht es auch bei den Mieten. Sie liegen in Degerloch bei Neubauten im Mittel um 16,30 Euro pro Quadratmeter, bei Altbauten um 14,60 Euro. Der Westen ist mit 15,60 Euro (Altbau) beziehungsweise 13,10 Euro (Neubau) kaum günstiger. Wer sich unter Maklern und Wohnungssuchenden umhört, erfährt immer wieder von Angeboten wie einer renovierungsbedürftigen Zweizimmerwohnung mit 55 Quadratmetern, für die 700 Euro kalt aufgerufen werden.

Ist das die berüchtigte Blase, über die vor allem Wohnungssuchende jetzt immer öfter reden?Chefredaktuer Berger-Fridar hält das für abwegig: „Welche Blase? Wer eine Immobilie in Stuttgart für den Eigenbedarf oder als Kapitalanlage kauft und auf eine nachhaltige Vermietbarkeit achtet, kann nicht viel falsch machen“. Er verweist auf eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln, die Stuttgart bescheinigt, nach Berlin den wenigsten Wohnraum in Deutschland zu schaffen: gerade einmal 27 Prozent des Bedarfs. Selbst wenn die von der Stadt angepeilten 1800 Wohneinheiten jährlich fertiggestellt würden, wäre die Nachfrage nur zu knapp 35 Prozent gedeckt. Die Angebotslücke wird also auf längere Sicht erhalten bleiben.

Und so gibt es in Stuttgart weiterhin hochzufriedene Eigentümer, einige glückliche Neustarter und viele frustrierte Interessenten, die vergebens nach ihrem Traumobjekt suchen.

Ob die IBA etwas daran ändern würde? Die erste Bauausstellung in Stuttgart dient als leuchtendes Vorbild: 1927 entstanden am Killesberg 21 Musterhäuser, unter anderem von Le Corbusier, Walter Gropius oder Mies van der Rohe. Die Weißenhofsiedlung gilt heute als eine der bedeutendsten Architektursiedlungen der Neuzeit. Den Planern ging es um helle, zeitlose Architektur – aber auch um bezahlbaren Wohnraum durch rationelle Baumethoden. Vielleicht setzt Stuttgart 100 Jahre später wieder ein Zeichen.

Leben in Birkach

Das Quartier ist gefragter denn je. Bestandsobjekte kosteten zuletzt im Mittel gut 4 500 Euro, mehr als dreimal so viel wie noch 2011. Wer so eine Wohnung mietet, muss durchschnittlich 11,40 Euro pro Quadratmeter einkalkulieren. Erstaunlich für einen Stadtteil, der bis vor 40 Jahren noch dörflich geprägt war. Immerhin liegt er auf den Fildern, rund zehn Kilometer von der City entfernt.

Der Reiz erschließt sich spätestens, wenn unten im Kessel Feinstaubalarm ausgegeben wird. Neben frischer Luft, Wiesen und Wäldern zählen die gute Anbindung an die Stadt, die Nähe zu Flughafen und Autobahnen zu den Vorzügen Birkachs. Geschäfte, Schulen und Freizeitangebote gibt es vor Ort oder in den Nachbarquartieren Degerloch und Sillenbuch. Der Campus der Uni Hohenheim grenzt direkt ans Viertel. Wer den Botanischen Garten besucht oder bei Sternekoch Frank Oehler auf der Terrasse der Speisemeisterei einen Kaffee trinkt, weiß die Gegend umso mehr zu schätzen. Derzeit werden in Birkach nur Bestandsobjekte zum Verkauf angeboten — und selbst die sind rar.

Immobilienpreise in Gablenberg

In der Klingenstraße wurde vor wenigen Wochen ein größerer Mehrfamilienkomplex bezogen – es war so ziemlich die letzte größere Fläche im Viertel, die für Wohnbebauung genutzt werden konnte. Zuvor war hier eine Tankstelle mit Autowerkstatt ansässig. Wohnungssuchende halten in Gablenberg allerdings primär nach Bestandsobjekten Ausschau. Einen Kompromiss bieten ausgebaute Dachetagen, wie sie zum Beispiel in den Altbauten rund um die Gablenberger Hauptstraße ab und zu in den Verkauf kommen – zu Preisen zwischen 3 500 und 4 500 Euro pro Quadratmeter. Teile von Gablenberg befinden sich in Hanglage unterhalb des Buchwalds und des Edelwohngebiets Gänsheide. Hier gilt die alte Regel: Je höher, desto teurer.

An ihrem Viertel schätzen die Einheimischen besonders die Buslinie 42, die sie in sechs Minuten in die City bringt, das Traditionslokal Hasen und den Pub Alte Schule, der als offizielle VfB-Kneipe Fußballfans von weither anlockt. Wer mag, kann von Gablenberg aus in 20 Minuten gemütlich ins Stadion laufen.

Immobilienwirtschaft in Sillenbuch

„Hier Immobilien zu besitzen ist das höchste der Gefühle“, sagt R.Linger über Sillenbuch, jenen Höhenstadtteil unweit des Fernsehturms, in dem schon lange altes Geld und junge Besserverdiener residieren. Der Quadratmeterpreis beim Kauf eines Bestandsobjekts hat sich laut iib-lnstitut bei durchschnittlich rund 3 900 Euro eingependelt. Bei älteren Einfamilienhäusern mit Garten, von denen es hier noch viele gibt, werden 4 500 bis 5 000 Euro aufgerufen. Wer eine neue Wohnung mietet, sollte 12 bis 15 Euro pro Quadratmeter bezahlen können.

Mit der Stadtbahnlinie U7 gelangen die Bewohner schnell in die City oder zum nahen Sportgebiet Waldau. Von hier kann man auch zu kleinen oder großen Radtouren auf die Filder starten. Als charmante Besonderheiten bietet das Viertel ein altes „Kommunisten-Waldheim“, den Eichenhain-Park mit Schafen und das „Bädle“, ein kleines Freibad ganz wie früher. Ältere Villen oder Mehrfamilienhäuser aufgerufen — Mieter zahlen 13 bis 16 Euro pro Quadratmeter.

An der Grenze zum Bezirk Mitte entstehen zurzeit größere Wohneinheiten: im Quartier „Das Rosenberg“ neun Stadthäuser (186 Wohnungen mit 44 bis 270 Quadratmetern), im „Villengarten“ am Herdweg 115 exklusive Wohnungen und auf dem Gelände des Olgahospitals an der Bismarckstraße auf fast 30 000 Quadratmetern Geschossfläche verschiedene Wohngebäude, die 2018 bezugsfertig sein sollen. Bereits eingezogen sind die Bewohner von 50 Niedrigenergie-Wohnungen am Diakonissenplatz. Viele von ihnen erleben 2017 ihren ersten Sommer im „Stuttgarter Kessel“.

MANAGER BEI TRUMP ZU GAST

Unlängst rückte wieder eine ganze Kohorte von Unternehmenschefs im Weißen Haus in Washington an. Nach den Automobil-CEOs waren es diesmal die Chefs der privaten Krankenkassen, die Donald Trump zu einer seiner listening sessions in den Roosevelt Room beordert hatte. Auch Joe Swedish kam zu Wort, Chef des zweitgrößten US-Gesundheitsversicherers Anthem. Der hob an, sich bei der neuen Regierung für ihr Vorgehen gegen die Gesundheitsreform von Barack Obama zu bedanken.

Trump unterbrach ihn: „Wir mussten das tun“, trötete der Präsident. „Wir danken Ihnen vielmals“, sagte Swedish. Und noch mal: „Thank you, Sir. Thank you.“ Eine unfassbare Unterwerfungsgeste.

Wie soll man Trump begegnen-zum Fraudanwalt-Bericht? Das fragen sich die Top-Manager der US-Unternehmen. Immerhin hat dieser Präsident die Kernforderungen des Wirtschaftsvertreters zu seiner Leitlinie gemacht: Steuern senken, lästige Regulierung abschaffen. Zugleich aber legt Trump die Axt an den Freihandel und jagt Firmen, die nicht spuren, per Tweet in den Börsenkeller. Insidern zufolge starten die Konzernchefs Telefonketten, um sich auf die Lehrstunden beim US-Präsidenten vorzubereiten.

Noch mehr zu schaffen macht den Managern die Frage, wie sie sich öffentlich äußern sollen. In Trumps polarisierter Welt gilt die Regel nicht mehr, der Firmen weltweit folgen: Raushalten aus der Politik.

Disney-Chef Bob Iger bekam das zu spüren. Auf der Hauptversammlung knallten ihm Aktivisten eine halbe Million Unterschriften auf den Tisch. Die Forderung: Iger sollte Trumps Beratergremium verlassen.

Uber-Chef Travis Kalanick hat diesen Schritt bereits vollzogen — widerwillig, nach einem Boykottaufruf gegen seine Taxi-App. Der Budweiser-Konzern wiederum löste wütenden Protest bei konservativen Biertrinkern aus. Er hatte in einem Spot die Geschichte des deutschen Firmengründers Adolphus Busch erzählt, der in Amerika „unerwünscht“ gewesen sei — eine Breitseite gegen Trumps restriktive Immigrationspolitik.

US-Unternehmen, sagt die Wirtschaftshistorikerin Nancy F. Koehn von der Harvard Business School, seien „in unbekanntem Gelände“. Sie stünden vor einer schwierigen Wahl. „Es geht um das langfristige eigene Interesse. Und um die richtigen kurzfristigen Aktionen.“

Je extremer die Politik, desto leichter fällt die Entscheidung. Als Trump den Einreisestopp für Muslime verhängte, vergaßen die Chefs von Google & Co jede Zurückhaltung und protestierten laut. Auf dem Spiel standen sowohl kurzfristige Interessen – die Anwerbung von Fachkräften — als auch die Prinzipien, auf denen der Erfolg dieser Firmen beruht: Offenheit und Austausch. Corporate Citizenship gewinnt im Trumpland eine ganz neue Bedeutung: Steh zu deinen Werten.

AKTIVE FONDSMANAGER BESSER ALS IHR RUF?

Der liebe Gott sieht bekanntlich alles, auch die Zukunft. Stellen wir uns daher vor, er könnte die Aktienkurse in fünf Jahren sehen und würde sich als Fondsmanager betätigen. Sein Anlagekonzept: heute die drei Aktien des Dax kaufen, die über die kommenden fünf Jahre am besten abschneiden. Dann liegen lassen.

Sie ahnen, dass dieser Fonds in den vergangenen 20 Jahren aberwitzig hohe Renditen erwirtschaftet hätte. Aus einer Anlage von 10 000 Euro wären gut 1,1 Mio. geworden, wenn Sie seit 1997 jeweils in den Top-Dax-Titeln der vier Fünfjahreszeiträume investiert gewesen wären.

Ich ahne allerdings auch etwas. Nämlich dass die meisten Anleger zwischenzeitlich das Vertrauen in das numinose Fondsmanagement verloren hätten. Denn auch mit dem Wunderportfolio der besten Aktien der kommenden Jahre sind seit 1997 in 35 Prozent der Monate Verluste angefallen. Es gab mehr Monate mit Verlusten von über zehn Prozent als im Dax selbst, im schlechtesten Monat waren 37 Prozent futsch (im Dax nur 28 Prozent). Einmal ging es fünf Monate in Folge abwärts (im Dax nur vier). Der Maximalverlust vom Hoch fiel mit 54 Prozent kaum geringer aus als der des Dax selbst (59 Prozent).

Zahlenspielerei? Mitnichten. Der US-Vermögensverwalter Wes Grey (von dem ich auch die Überschrift übernommen habe) hat errechnet, dass sich die Zwischenverluste eines Portfolios der jeweils besten US-Aktien aller Fünfjahreszeiträume seit 1926! kaum von denen des Gesamtmarkts unterschieden haben. Auch hier gilt: Ist man jeweils in den fünf Jahren im besten Zehntel des US-Gesamtmarkts investiert, rappelt es dennoch kräftig.

Maximal waren mit diesem Wunderportfolio zwischenzeitlich 76 Prozent futsch, im schlechtesten Monat 33 Prozent.

Die Berechnungen zeigen, dass Rendite und Risiko immer zwei Seiten einer Medaille sind. Misstrauen Sie Versprechen vieler Finanzdienstleister, Rendite ohne lästige Einbrüche erwirtschaften zu können.

Andererseits sind die Zahlen eine Warnung: Die Empirie zeigt, dass Anleger weit stärker auf Verluste als auf Gewinne achten. Und daher die größten Fehler in Verlustphasen begehen. Dann werden Anlagen liquidiert, bricht Hektik aus, fließen den „Crash-Gurus“ Mittel zu.

Gerade bei Fonds wird kurzfristiger gedacht denn je, feuern Anleger ihre Manager immer rascher: Nur das beste Viertel der aktiven Fonds der vergangenen zwölf Monate verzeichnete in Europa noch Nettozuflüsse. Die übrigen drei Viertel können langfristig noch so überzeugen – ihnen fließen Mittel ab.

Seien Sie nie hektisch. Legen Sie sich eine Strategie zurecht, die Sie auch in Krisen diszipliniert durchziehen. Denken Sie dabei ebenfalls an ganz turbulente Phasen: Aktionäre gelten zwar als Gewinner der Hyperinflationen in Deutschland 1923 und 1948. Die realen Verluste mit deutschen Aktien betrugen aber auch damalsjeweils über 80 Prozent. Hätten Sie die Nerven gehabt, das durchzustehen?