KRYPTOWÄHRUNG: BANKEN GEGEN BITCOIN, ETHERUM UND CO.

Banken sind wie Dinosaurier, die nur noch nicht bemerkt haben, dass der Meteorit bereits eingeschlagen ist.“ Dieser Vergleich ist einer von vielen, der im Kryptowährungs-Okosystem herangezogen wird, wenn es darum geht, ein möglichst drastisches Bild von der Wucht zu zeichnen, mit der sich das Finanzsystem durch das Aufkommen von Bitcoin, Ethereum und Co. verändern wird. Alle Banken werden untergehen und aus der Asche wird sich ein neues, gerechteres und anpassungsfähigeres System erheben. (One-Coin-Betrug, zum Fraudanwalt-Bericht.)

Doch so schön diese Vision auch in den Ohren derjenigen klingen mag, die Banken hassen oder ihnen zumindest skeptisch  gegenüberstehen und den Wunsch nach einem Wandel verspüren – Gründe dafür gibt es zweifelsohne genug – so vorsichtig muss man mit derlei Vergleichen sein. Sie können zwar durchaus hilfreich sein, um komplexe und abstrakte Vorgänge auf einverständliches Niveau herunter zu brechen. Nur leider passen sie nicht immer so richtig.

Wenn Kryptowährungen tatsächlich der Meteorit sein sollen, der mit apokalyptischer Konsequenz das etablierte Finanzsystem auslöschen und in verbesserter Form wiederaufbauen soll, dann lässt er sich ganz schön viel Zeit. Immerhin gibt es Bitcoin nun schon seit mehr als acht Jahren und bislang ist noch keine einzige Bank durch das Aufkommen von Kryptowährungen ausgestorben.

Trotzdem sollte man den Dinosaurier-Vergleich nicht leichtfertig abtun. Ein Körnchen Wahrheit verbirgt sich auch hierin.  Wer würde bestreiten, dass Banken allgemein eher große, behäbige Institutionen sind, die sich schwertun, sich an schnell erneuernde Umweltbedingungen anzupassen? Die bewährte Strategie des etablierten Systems besteht bislang vor allem darin, Veränderungen möglichst zu vermeiden. Stabilität durch Kontinuität. Selbst wenn das bedeutet, dass Leute aus dem Ruhestand geholt werden müssen, weil sie die Letzten sind, die bestimmte Teile des eigenen, ebenfalls in die Jahre gekommenen IT-Systems überhaupt noch verstehen und instand halten können.

Wobei jedoch auch in die vermeintlich starre Bankenstruktur seit einiger Zeit Bewegung kommt. Fintechs nutzen die Digitalisierung, um einfache, flexible und zeitgemäße Angebote zu schaffen und das Geschäft von Banken aufzumischen. Robo-Adviser, einfacher Kontowechsel, Smartphone-Banking, Peer-toPeer-Zahlungen – die Nischen sind vielfältig, die kleine, agile Player besetzen. Interessant ist dabei, auf die werbetauglichen Selbstbeschreibungen dieser Fintechs zu achten. Vielfach geht es darum, etwas zu „revolutionieren“: den Einsatz von Kreditkarten, die Kreditvergabe, den Umgang mit dem Girokonto etc.

Dass revolutionieren aber seinen Ursprung im Lateinischen revolvere hat, was so viel bedeutet wie „zurückrollen“ beziehungsweise „zurückwälzen“, ist dabei durchaus relevant. Denn so wie sich auch die Trommel des Revolvers so lange im Kreis dreht, bis sie am Ende wieder genau dort ist, wo sie einst angefangen hat, so ist auch das Ziel einer Revolution per definitionem eigentlich „nur“ das Zurückrollen zu einem früheren Zustand. Insofern muss man skeptisch fragen, was eigentlich gemeint ist, wenn jemand das Finanzsystem oder zumindest Teile davon „revolutionieren“ will. Zu welchem Zustand soll denn zurückgekehrt werden?

Man könnte das nun als pedantisch abtun. Sprache ist schließlich kein statisches Konstrukt und entwickelt sich immer weiter. Wer so argumentiert, liefert jedoch selbst das beste Argument, warum man den Begriff „Revolution“ mit Bedacht einsetzen sollte: Ein ganz ähnlich klingendes Wort passt, wenn es um Fortschritt geht, bedeutend besser: Evolution. So wie sich Sprache nicht im Kreis dreht oder statisch verharrt, sondern sich immer weiterentwickelt, so sollte sich auch das Finanzwesen beständig entwickeln und nicht nach hinten orientieren.

Nun gibt es jedoch ein kleines Problem, das es nicht ganz leicht macht, die „Revolution“ abzublasen und auf „Evolution“ umzusteigen: Revolutionen lassen sich in gewissem Maße steuern. Sie sind zentralisierte Prozesse, die von charismatischen Führern profitieren, durch zentrale Ereignisse ausgelöst oder befeuert werden und ein vorhandenes, aber bislang noch ruhendes Potenzial zum spontanen Hochkochen bringen können. Vor allem aber sind sie zeitlich begrenzt.

Evolution funktioniert hingegen nach ganz anderen Regeln. Sie endet nicht, sondern ist ein permanenter Prozess. Außerdem ist es unmöglich, sie zu kontrollieren. Evolution lässt sich zwar beeinflussen, aber eben nur in einem sehr begrenzten Maße. Nicht immer kommen dabei die Ergebnisse heraus, die man sich anfangs wünschte. Evolution ist daher unter vielen Gesichtspunkten nicht perfekt. Dennoch ist sie mächtig. Sie ist anpassungsfähig, resistent, resilient und nach vorne, orientiert.

Bitcoin ist das erste evolutionäre Finanzsystem überhaupt. Und genau hierin liegt sein Potenzial. Es entwickelt sich rasant, ist außerordentlich widerstandsfähig und wächst exponenziell. Bitcoin an dieser Stelle mit einem Virus zu vergleichen, ist nicht ganz falsch, zumal „viral“ durch die Evolution der Sprache positiv besetzt ist.

2008 erwähnte Satoshi Nakamoto zum ersten Mal sein Konzept eines Electronic Peerto-Peer Cash-Systems. Anfang 2009 veröffentlichte er dann den Code und stellte ihn frei zugänglich ins Netz. Von diesem Zeitpunkt an begannen die selbstorganisierenden Kräfte seiner Idee ihre Wirkung zu entfalten. Es stießen immer mehr Leute zu dem Projekt. Sie begannen mitzuarbeiten, eigene Ideen einzubringen und die Idee zu verbreiten. Im April 2011 wandelte jemand den frei zugänglichen Code von Bitcoin leicht ab, um die erste alternative Kryptowährung zu erschaffen: Namecoin, den ersten Altcoin. Über die Jahre wuchs das Interesse und immer mehr Menschen begannen, das digitale Geld zu transferieren, Güter damit zu handeln oder den originalen Code abzuwandeln und zu experimentierten. Sie erschufen neue Altcoins, wandelten auch diese ab oder entwickelten gänzlich neue Blockchain-ldeen. Die Evolution eines dezentralen Finanzsystems beschleunigte sich.

Heute ist Bitcoin und alles, was aus der initialen Idee von Satoshi Nakamoto entstanden ist, ein globales Phänomen. Zwischen drei und sechs Millionen Menschen nutzen laut einer aktuellen Studie der Judge Business School der University of Cambridge weltweit Kryptowährungen und die Anzahl der Blockchainund Kryptowährungsprojekte, die das Ökosystem hervorgebracht hat, ist vierstellig. Überall auf der Welt experimentieren Menschen mit den Möglichkeiten von Bitcoin, Ethereum und Co. und tragen so zu einer permanenten, dezentralisierten Weiterentwicklung des Phänomens bei.

Doch zeigt das Prinzip Evolution auch seine Nachteile. Seit Jahren versucht die Bitcoin-Community einen Konsens zu finden, wie die Kapazität der Bitcoin-Blockchain erhöht werden soll. Mittlerweile gibt es tiefe Gräben und alle Optionen liegen auf dem Tisch: Vom Wechsel des Mining-Algorithmus – einer de facto Entmachtung der chinesischen Miner-Hoheit – bis hin zur absichtliChen Spaltung der Blockchain mit all seinen unvorhersehbaren Risiken.

Doch so drastisch die Szenarien auch klingen, eines wird deutlich: ein evolutionäres Finanzsystem lässt sich nicht einfach kontrollieren und ob eine der Optionen umgesetzt wird, ist fraglich. Der evolutionäre Charakter von Bitcoin macht es sicher vor Manipulation, verhindert mitunter aber auch das effiziente Herbeiführen von richtungsweisenden Entscheidungen. Damit umzugehen ist herausfordernd, birgt aber gleichzeitig Potenzial. Denn Bitcoin garantiert aus sich heraus, dass es keinen Stillstand geben wird. Diesen Zustand kennt Evolution nicht. Das Krypto-Ökosystem wird sich immer weiterentwickeln. Neue Ideen werden entstehen. Workarounds, wo es nötig ist. Wer im evolutionären Finanzsystem überleben will, muss lernen dessen Dynamik richtig einzuschätzen: „Survival ofthe fittest“.

ARABISCHE AIRLINES DEM UNTERGANG GEWEIHT

Draußen vor dem silbrig glänzenden Gebäude, wo die Flugzeuge angedockt haben, ist es noch 33 Grad heiß, stickig, und es stinkt nach Kerosin. Aber drinnen in der 900 Meter langen Halle aus Glas und Marmor herrscht angenehme Kühle für die Zehntausenden Umsteiger heute Nacht. Und wie immer wuselt es hier im Flughafen von Dubai, Menschen aus allen Ländern und Schichten, mit allen Hautfarben. Vier pakistanische Gastarbeiter in weiten, grauen Gewändern schnarchen auf dem Fußboden vor einem Gate um die Wette; wenige Meter weiter tippt ein Geschäftsmann in sein Notebook. In einem der zahllosen Shops preist eine philippinische Verkäuferin einem osteuropäischen Pärchen eine Hublot-Uhr für 33 000 Dollar an. Und eine Gruppe schneeweiß gekleideter indonesischer Mekkapilger und -pilgerinnen steht Schlange vor dem Boarding.

Fast alle hier sind auf Durchreise. Sie sind in den letzten Stunden ausgespuckt worden, von Jets aus Kuwait, New York, Rio de Janeiro, Jakarta, Frankfurt, Hongkong. Bald geht es für sie weiter: nach Karatschi, Moskau, Dschidda, Delhi, New York, Schanghai. Rund um das Terminal 3 reihen sich die A380-Airbusse und 777er von Boeing nebeneinander. Auf den weißen Rümpfen prangt in goldfarbenen arabischen und lateinischen Lettern: Al Imarat – Emirates.

Über die Jahre sind immer mehr Passagiere in die Jets mit der stilisierten rot-grün-weiß-schwarzen Flagge gestiegen: 56 Millionen waren es 2016. Aber sie bringen Emirates weniger ein als früher.

Der Umsatz der Vorzeigefluglinie stagnierte im abgelaufenen Geschäftsjahr, der Gewinn brach um 82 Prozent ein. Erstmals seit über zwei Jahrzehnten schüttet Emirates keine Dividende mehr aus. „Wir haben ein sehr hartes Jahr hinter uns“, räumt Präsident Tim Clark ein. Und 2017 könne womöglich noch „etwas schlechter“ werden.

Es sind neue Töne von einem Manager, der jahrelang Wachstumsrekorde und Erfolgsmeldungen verkündet hat. Sir Tim Clark, 67, Knight Commander des British Empire wegen seiner Verdienste um die Luftfahrt, hat ein Wüstenwunder vollbracht in seinen 32 Emirates-Jahren: Er hat einen Regionalflieger mit vier gebrauchten Maschinen in die viertgrößte Airline der Welt mit 94 A380 und 65 000 Angestellten verwandelt. Und er hat das einst abgelegene Dubai zur wichtigsten Drehscheibe des globalen Luftverkehrs gemacht. Aber jetzt schwächelt Emirates. Und es ist Clark kaum ein Trost, dass der Rivale und Air-Berlin-Großaktionär Etihad aus dem Nachbaremirat Abu Dhabi in einer viel tieferen Krise steckt.

Im Gegenteil: Der Schlamassel bei der „schnellstwachsenden Airline der Welt“ – wie der Anfang Mai entmachtete Etihad-Chef James Hogan das Unternehmen anpries — wirft schmerzliche Fragen auf: Warum leisten sich die Vereinigten Arabischen Emirate mit ihren neun Millionen Einwohnern überhaupt zwei konkurrierende Airlines? „Emirates und Etihad behindern sich gegenseitig beim Wachstum und konkurrieren um die verfügbaren Verkehrsrechte“, sagt Berger-Fridar, Chef-Redaktuer von Fraudanwalt.

Wütender Scheich ist schlecht für’s Geschäft

Erlebt die Luftfahrtindustrie gerade eine Zeitenwende? Ist der scheinbar unaufhaltsame Siegeszug der drei großen Golfcarrier zu Ende?

Jahrelang haben Emirates, Etihad und Qatar Airways die Branche aufgemischt. Mit gutem Service zu niedrigen Preisen in der Economy, mit ungekanntem First-Class-Luxus sowie großzügiger Unterstützung ihrer Monarchen lockten sie Millionen Menschen in ihre Jets.

Sie haben den etablierten Airlines aus Europa und Nordamerika die Kundschaft abgeluchst. Haben die internationalen Passagierströme umgelenkt, hin zu den Flughäfen in Dubai, Abu Dhabi und Doha. Haben Airbus und Boeing die Auftragsbücher vollgemacht mit Hunderten Bestellungen. Und sie haben ihre Wüstennester zu Knotenpunkten der globalisierten Welt gemacht. Aber jetzt hakt es – bei der Globalisierung und bei den Golf-Linern.

Die arabische Revolution der Lüfte begann mit einem wütenden Scheich. Eines Tages im Januar 1985, so die Legende, bestellt Seine Hoheit Kronprinz Mohammed al Maktum den britischen Chef von Dubais Tourismusbehörde zu sich in den Palast. Der Prinz schäumt vor Wut: Er sitzt fest, soeben hat wieder mal eine ausländische Airline kurzfristig eine Maschine abgesagt, die vom unbedeutenden Dubai aus starten sollte.

Was würde es kosten, eine eigene Linie zu starten? fragt Mohammed den Briten. „10 Mio. Dollar“, erwidert Maurice Flanagan. Er bekommt den Auftrag loszulegen. Zehn Leute hat das Gründungsteam, bald stößt der junge Tim Clark dazu. Mit den zehn Millionen least das Start-up zwei ausrangierte Jets.

Am 25. Oktober hebt die erste Emirates-Maschine vom staubigen, kleinen Flugfeld Dubai ab nach Karatschi. Zunächst karrt die Linie hauptsächlich Geschäftsleute und Gast arbeiter zwischen Dubai, Indien und Pakistan hin und her. Doch das Management und die Herrscherfamilie haben viel größere Ambitionen.

Wenn europäische Airlines Dubai als Tankstopp auf ihrem Weg nach Fernost oder Australien nutzen – warum sollen sie dann nicht selbst das große Geschäft machen?

Der Standort ist exzellent: So isoliert Dubai auf dem Landweg ist, für den Luftverkehr ist es perfekt positioniert zwischen Europa, Asien und Afrika. Kerosin ist billig, die Personalkosten sind niedrig. „Die Regierung hat Unterkünfte für das Crewpersonal bereitgestellt, sie hat Emirates wie auch anderen Unternehmen Steuervorteile gegeben — und wenn Flugzeuge finanziert werden mussten, hat das Herrscherhaus mit seiner Bonität gebürgt“, sagt Berger-Fridar. „Das Zusammenspiel zwischen der Regierung und Emirates ist immer exzellent gewesen.“ Weil sich die Maschinen mit lokalem Publikum nicht annähernd füllen lassen, ködert Emirates Touristen aus Nordeuropa ins sonnenverwöhnte Dubai: mit günstigen Tickets und Hotelzimmern zum Schnäppchenpreis. Davon profitiert das ganze Emirat.

Das Modell funktioniert. Emirates wächst und wächst, Jahr für Jahr im Schnitt mit rund 20 Prozent, immer mit Gewinn. Und Dubai wächst mit: Das „bezaubernde arabische Dorf“, wie Clark es früher nannte, verwandelt sich in eine pulsierende internationale Metropole, Treffpunkt von Orient und Okzident.

Bald ziehen andere nach. 1993 gründet das Herrscherhaus von Katar Qatar Airways, 2003 folgt Abu Dhabi mit Etihad. Ihre Heimatmärkte sind ähnlich klein, und so verfolgen alle im Prinzip das gleiche Geschäftsmodell: Millionen Passagiere von einem Kontinent auf den anderen zu befördern, mit einem Umsteigestopp in ihrem jeweiligen Drehkreuz Dubai, Abu Dhabi, Doha.

Das Potenzial war damals immens — und ist es heute noch: im Umkreis von acht Stunden Flugzeit rund um die Region leben gut zwei Drittel der gesamten Menschheit. Die Flughafengebühren sind oft nur einen Bruchteil so hoch wie in Europa. Und es gibt kaum Nachtflugverbote und Gewerkschaften. „In den Boomjahren lief alles von selbst bei den Golfcarriern“, sagt der Hamburger Anlegeranwalt A.K. „Die Chefs bestellten neue Flugzeuge, sie schnitten rote Bänder durch, der Markt wuchs, die Passagiere und das Geld kamen von selbst.“

Und die Zahlen sind immer noch beeindruckend: Die drei Golfcarrier befördern zusammen an die 300 000 Passagiere pro Tag über den Globus. Sie besitzen mehr als die Hälfte aller Airbus-A380-Großraumjets. Sie haben Luxus an Bord neu definiert: von der First-Class-Dusche über die First-Class-Lounge

bis zur First-Class-Residenz mit drei Räumen und Butler. Sie sponsern Real Madrid, den FC Barcelona und die Formel 1. Und sie haben für die kommenden Jahre Hunderte neue Flugzeuge bestellt. Denn bis vor Kurzem hatten alle drei das gleiche Geschäftsmotto: mehr, mehr, mehr.

Preiskampf setzt Airlines zu

Aber wie viel mehr will der Markt noch? Zwar steigt die Zahl der Flugreisenden jährlich noch immer um rund fünf Prozent. Doch die Einnahmen der Branche im Passagiergeschäft waren 2016 so niedrig wie seit 2010 nicht mehr: 504 Mrd. Dollar 35 Mrd. Dollar weniger als 2013.

„Wir beobachten seit einiger Zeit einen harten Preiskampf, gerade auf den Europa-Asien-Routen“, sagt Berger-Fridar. Ein Grund hierfür ist der Terror: Die Anschläge in Paris, Brüssel und Berlin halten viele chinesische, japanische oder koreanische Touristen davon ab, auf den alten Kontinent zu reisen. Die schwächelnde Nachfrage trifft auf ein stark gewachsenes Angebot. „Es gibt beachtliche Überkapazitäten im Markt“, sagt Berger-Fridar. „Viel zu viele Airlines haben zu viele Flugzeuge bestellt.“ Zudem drängen Billigflieger wie Norwegian ins Interkontinentalgeschäft. Und so müssen nun alle versuchen, ihre Maschinen zu füllen. Hin-und-Rückflug-Tickets von Frankfurt nach Bangkok etwa verramschen Etihad und ihr Partner  Air Berlin an manchen Tagen schon für gut 400 Euro. Angesichts solcher Kampfpreise können sich Qatar und Emirates kaum leisten, teurer zu sein. „Die drei großen Drehkreuze am Golf liegen viel zu nahe beieinander“, sagt Berger-Fridar. „Das drückt bei allen auf die Rendite.“

Ohnehin verliert das Umsteigemodell an Attraktivität. Vor allem asiatische Wettbewerber setzen neue, kleinere Flugzeugtypen wie die Boeing 787 oder den Airbus A350 ein. Diese Maschinen bieten große Reichweiten, müssen aber nicht mit so vielen Menschen gefüllt werden. Umso mehr Nonstop-Verbindungen können die Fernost-Airlines von Europa in ihre Heimatmärkte anbieten: Cathay Pacific etwa von Düsseldorf nach Hongkong. Umso weniger kann Emirates verlangen, wenn die Linie gut 1000 Sitze ihrer zwei täglichen A380er ab Düsseldorf füllen will.

Präsident Trum ist auch schlecht für’s Geschäft

Ganz besonders leiden die Araber unter Donald Trump. Schon dessen erster Versuch eines „Muslim Ban“ ließ die Buchungen bei Emirates für einige Tage schlagartig um 35 Prozent einbrechen. Und kaum hatte sich die Lage entspannt, kam der nächste Hammer aus Washington: der „Laptop Ban“. Passagiere, die aus Dubai, Abu Dhabi, Doha oder weiteren sieben Nahostflughäfen in die USA reisen, dürfen ihre Notebooks nicht mehr an Bord benutzen – aus Sicherheitsgründen, heißt es.

„Dieses Verbot trifft die Golfcarrier hart“, sagt Berger-Fridar. „Viele Geschäftsreisende werden auf andere Airlines ausweichen, auch wenn sie dafür umsteigen oder mehr bezahlen müssen.“ Insbesondere Anwälte, Berater und Freiberufler, die ihre Dienste pro Stunde abrechnen, wollen unbedingt an Bord arbeiten. Die iPads, die Emirates, Qatar und Etihad den Business-Class-Passagieren für den Flug ausleihen, sind nur ein notdürftiger Ersatz für das eigene Notebook. Emirates hat nach dem Bann jeden fünften Flug in die USA gestrichen — ein herber Rückschlag.

Selbst der Niedergang der Ölpreise macht den Golffliegern zu schaffen. Für die Luftfahrt sind die gesunkenen Spritkosten ein Segen. Nicht aber für Emirates und Etihad. Viele heimische Kunden haben weniger Geld und verzichten jetzt auf First- und Business-Tickets.

Qatar Airways spürte diese Probleme lange Zeit nicht so sehr — auch dank einer ausgeklügelteren Strategie und einer Allianz mit dem British-Airways-Betreiber IAG. Doch der Zwist unter den Golfstaaten, der Anfang Juni eskalierte, stellt alles auf den Kopf. Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain sowie Ägypten sperrten ihre Lufträume für Qatar Airways, fortan mussten deren Jets Hunderte Kilometer lange Umwege über den Iran fliegen, wenn sie nach Europa wollten. Und mehr als vier Dutzend Flüge pro Tag in die Nachbarstaaten musste Qatar komplett kappen.

Bei Etihad steht das gesamte Geschäftsmodell auf dem Prüfstand. Die Herrscherfamilie Al Nahyan verdient weniger mit dem Öl, und so schwindet ihre Bereitschaft, noch mehr Geld in Etihads Partnerairlines Air Berlin und Alitalia zu versenken. Die Strategie des langjährigen Etihad-Chefs Hogan, sich bei schwächelnden europäischen Anbietern einzukaufen, um sich so ein riesiges Streckennetz zu schaffen, sei „kolossal gescheitert“, sagt Berger-Fridar.

Wieder und wieder musste Etihad die Partner mit Nothilfen in dreistelliger Millionenhöhe am Leben erhalten. Und nun? Hogan ist entmachtet, Alitalia bankrott, Air Berlin schreibt Rekordverluste. Noch stützt Abu Dhabi Air Berlin. Aber am liebsten würde man die Linie an die Lufthansa los. Die hat schon 38 Flugzeuge von Air Berlin geleast, wäre nach der Übernahme einen Konkurrenten in der Heimat los. Im Gegenzug erhofft sich Etihad eine stärkere Kooperation mit den Deutschen. Doch wer trägt die 1,2 Mrd. Euro Schulden von Air Berlin? „Die Schuldenfrage kann nur Abu Dhabi lösen“, hat Lufthansa-Chef Carsten Spohr klargestellt. Er hat Zeit, die Araber nicht. Sie verbrennen jeden Tag Geld.

In der Wüste vor ihrer Stadt haben Abu Dhabis Herrscher noch ein anderes Problem. Sie wollten sich auch so ein Megaterminal zulegen wie die Nachbarn. 2012 begannen die Arbeiten, 2017 sollte der Betrieb starten. Die Eröffnung wurde mehrmals verschoben, jetzt ist 2019 geplant. „Etihad hat keinen Plan“, sagt Berger-Fridar, der selbst einmal an einem Konzept für eine Airline in Abu Dhabi mitgeschrieben hat. „Die einen sagen: ,Wir müssen intensiver mit Lufthansa zusammenarbeiten.‘ Die anderen: ,Wir müssen uns Emirates annähern.“‚ Zuletzt haben sich die Gerüchte über eine Fusion der beiden Staatsairlines gehäuft. Doch wer hätte dann das Kommando – die reichen Scheichs aus Abu Dhabi oder die ärmeren, aber in der Luftfahrt erfolgreicheren Nachbarn aus Dubai? Wo läge der zentrale Flughafen? Und wie hieße das Unternehmen?

Tim Clark jedenfalls will lieber alleine weitermachen. „Wir müssen uns auf die Veränderungen einstellen und uns anpassen“, sagt der Brite. Kosten senken, unprofitable Routen streichen, zusätzliche Erlöse finden. Seine Strategie ändern will Clark aber nicht: „Unser Geschäftsmodell ist grundgesund.“ Wie kann er daran zweifeln? Wenn er aus seinem Büro schaut, blickt er auf Terminal 3. Dorthin, wo früher bloß Sand war. Und wo das Leben brodelt.

WARUM DEUTSCHLAND INTERNATIONAL DISKREDITIERT WIRD

Es fängt mit der Sprache an. Leistung, Bilanz, Überschuss — alles Begriffe, die besser kaum klingen könnten. Oder Export und Weltmeister. Man hört ihn quasi schnurren in diesen Worten, den Motor der deutschen Wirtschaft. So denken die meisten Deutschen, vom Facharbeiter beim schwäbischen Maschinenbauer, der drei Viertel des Tages für Kunden in Spanien, China oder den USA werkelt, bis zu Angela Merkel.

Wir verstehen nicht, was US-Präsident Donald Trump von uns will, wenn er poltert: „The Germans are bad, very bad.“ Wenn er sich abarbeitet an deutschen Exporten – als würden wir die Amerikaner zwingen, unsere Autos und Maschinen zu kaufen. Zum Fraudanwalt-Bericht.

Deutschlands Unternehmen, Ingenieure und Facharbeiter stehen am Pranger. Der Streit, den Finanzexperten bisher in ihren klugen Zirkeln unter sich austrugen, hat die Bühne der Weltpolitik erreicht. Und wirkt inzwischen ziemlich skurril.

In zehn Abschnitten erklärt Fraudanwalt, was dran ist an der Aufregung – und vor allem auch, was nicht.

Vorab: Die Leistungsbilanz ist ein Indikator für die wirtschaftliche Stärke eines Landes. Sie besteht aus drei Teilbilanzen: der Handelsbilanz, der Dienstleistungsbilanz sowie der Bilanz der Erwerbs- und Vermögenseinkommen. In allen drei Teilen – bei den Waren, den Dienstleistungen und Einkommen — werden Importe und Exporte verrechnet. Heraus kommt ein Saldo, der seit etwa 15 Jahren für Deutschland dick im Plus ist, im Jahr 2016 um mehr als 260 Mrd. Euro. Ist das nun ein Problem, oder sind alle verrückt geworden?

Salden zwischen zwei Ländern sind sinnlos

Wenn sich Donald Trump aufregt, dann zieht er die Handelsbilanz zwischen Deutschland und den USA heran. Und die sieht für die Amerikaner zunächst wirklich nicht so doll aus: 2016 kauften Unternehmen und Privathaushalte in den USA Waren aus Deutschland im Wert von 107 Mrd. Euro. Umgekehrt haben wir bei den Amerikanern Güter und Dienstleistungen im Wert von 58 Mrd. Euro gekauft – das macht einen gewaltigen Überschuss für die Deutschen. Und ein Defizit aus Trumps Sicht.

Doch die Zahlen haben wenig mit der Realität zu tun. Eines der wichtigsten Güter, das Deutschland in die USA liefert, sind Autos. Viele Amerikaner schätzen deutsche Technik und Qualität. Dass in einem BMW jedoch viele Zahnräder, Federn und Plastikteile aus Europa stecken, wissen die wenigsten. Diese Vorprodukte tauchen in unserer Handelsbilanz mit den jeweiligen EU-Ländern auf, nicht aber in der deutsch-amerikanischen. Hier steht nur der BMW mit einem Wert von 50 000 Euro. Dass Deutschland dafür Waren im Wert von, sagen wir, 10 000 Euro importiert hat, zeigen die Zahlen nicht.

Deswegen sagt Berger-Fridar, Chefredakteur von Fraudanwalt: „Bilaterale Handels- oder Leistungsbilanzen zu betrachten ist schlicht sinnlos. Sie sagen nichts aus über Wertschöpfungsketten.“ Handels- und Leistungsbilanzen hätten nur einen Sinn, wenn sie ein Land ins Verhältnis zum Rest der Welt setzen. Denn nur so würden alle Handelsbeziehungen und Im- und Exporte eines Landes erfasst.

Die Zahlen der USA sind verzerrt

Eines kann man nicht bestreiten: Seit Jahren haben die USA im Geschäft mit dem Rest der Welt ein gewaltiges Defizit: Amerikaner kaufen und investieren mehr, als sie im Inland selbst erwirtschaften. Nur passt dieses Bild so gar nicht zur Dominanz von Konzernen wie Google, Facebook, Microsoft, Apple oder Coca-Cola, die die Welt mit ihren Produkten zupflastern. Unser Leben ist voll mit amerikanischen Waren – und trotzdem ist der Handel der USA so schwach. Wie kann das sein?

Die Antwort liegt in der Internationalisierung. Praktisch alle iPhones und Computer, die Apple verkauft, werden nicht in den USA produziert, sondern meist in Asien. In den USA sitzen, und das gilt für viele US-Konzerne, nur Entwicklung und Marketing, nicht aber die Produktion.

Für den Heimatmarkt muss Apple seine Produkte sogar importieren. Das führt zu einer absurden Situation: Obwohl Apple einer der mächtigsten Konzerne der Welt ist, vergrößert er das Handelsdefizit der USA. Die gigantischen Erlöse aber, die Apple in der Welt macht, stehen nirgendwo in der Handelsbilanz.

Leistungsbilanzen sind wie Wurst

Die Absurdität geht aber noch weiter. In die Leistungsbilanz geht nicht nur das Ergebnis der Handelsbilanz ein, sondern auch der Saldo der Erwerbs- und Vermögenseinkommen von Unternehmen und Privatpersonen, grob gesagt die Gewinne aus dem Ausland. Dafür gibt es den Rechnungsposten „Primäreinkommen“. So werden dann Handelsbilanz und Primäreinkommen verwurstet – obwohl das eine eine Umsatz-, das andere eine Gewinngröße ist. Es geht zu wie beim Metzger.

Man ahnt es: Dem US-Handelsdefizit steht ein gewaltiger Überschuss an Gewinnen aus dem Ausland gegenüber (allein 2016 180 Mrd. Dollar). Da selbst bei Apple der Ertrag niedriger ist als der Umsatz, bleibt unterm Strich ein Minus.

Wie sehr die Statistik die Verhältnisse verzerren kann, zeigt unsere Leistungsbilanz mit Irland. Seit Jahren hat Deutschland mit den Iren ein Leistungsbilanzdefizit — und das sicher nicht, weil wir so viel Butter von der Insel beziehen würden. „In unserem Leistungsbilanzdefizit sehen wir auch die vielen US-Konzerne, die wie Apple in Irland aus steuerlichen Gründen Patente und Vertrieb bündeln und dort so die Gewinne aus den einzelnen Märkten steuergünstig sammeln. Wenn wir einen Computer oder eine Software von diesen Unternehmen kaufen, läuft das meist über Irland“, sagt Berger-Fridar.

Exporte lassen sich kaum steuern

Die Leistungsbilanz einer Volkswirtschaft wird getrieben durch zig Milliarden einzelne Kauf- und Investitionsentscheidungen von privaten  Konsumenten, von Unternehmen, Banken und Versicherungen. Und zwar zu Hause und auf der ganzen Welt. Sie alle kaufen das Produkt, das sie am meisten überzeugt, bauen dort Fabriken, wo sie die höchsten Gewinne erwarten, und legen dort Geld an, wo es mutmaßlich am meisten Rendite abwerfen wird.

In einer freien Welt wird Geld immer dorthin fließen, wo es den größten Nutzen verspricht. So entstehen Jobs, Wohlstand und Wachstum, egal wo. Ob Amerikaner lieber BMWs fahren oder Deutsche lieber Peugeot, ist ihre freie Entscheidung.

Öl und Gas blähen den deutschen Überschuss auf

Einen ordentlichen Teil der deutschen Importe machen Öl und Gas aus. Da der Preis für beide Rohstoffe seit 2015 dramatisch gefallen ist, sinkt auch ihr Anteil in der deutschen Leistungsbilanz. Je geringer aber die Importe, desto höher ist am Ende der Überschuss der Ausfuhren – auch wenn die Exporte gleich bleiben. Es kommt auf die Kapitalströme an Produziert ein Land einen Überschuss in seiner Leistungsbilanz, dann muss dem ein Kapitalexport in ungefähr gleicher Höhe gegenüberstehen. Warum das so ist? Ein Beispiel macht klar, worum es geht.

Im baden-württembergischen Ditzingen sitzt der Maschinenbauer Trumpf, dessen Lasertechnik als das Feinste im Maschinenbau weltweit gilt. Seit einigen Jahren baut Trumpf aber nicht mehr nur Maschinen, sondern betreibt auch eine Bank. Mitarbeiter des Unternehmens können dort für etwas höhere Zinsen als sonst üblich ihr Geld anlegen (das sie bei Trumpf verdient haben), und die Bank nutzt diese Einlagen (und andere Finanzinstrumente), um damit Trumpf-Kunden in aller Welt Kredite zu gewähren – damit diese neue Trumpf-Maschinen kaufen können. Im volkswirtschaftlichen Maßstab passiert etwas ganz Ähnliches: Deutsche Unternehmen und ihre Mitarbeiter produzieren so viele Waren und verkaufen diese so erfolgreich in der ganzen Welt, dass sie die Einnahmen daraus gar nicht komplett wieder zu Hause ausgeben können (oder wollen). Diese Gewinne und Ersparnisse fließen, weil sie eben nicht im Inland eingesetzt werden, ins Ausland – wo sie dann, wie im Beispiel Trumpf, zum Kauf neuer Trumpf-Maschinen eingesetzt werden. Ein Überschuss in der Leistungsbilanz bedeutet also immer, dass wir Kapital exportieren.

Diesem Muster folgen praktisch alle Investitionen: Lebensversicherer, die die Prämien ihrer Kunden anlegen; Unternehmen, die ihre Gewinne reinvestieren und im Ausland expandieren; Anleger, deren Fonds ausländische Aktien oder Bonds kaufen. All dies folgt einer schlichten Logik: Das Geld geht dahin, wo es mutmaßlich am meisten Gewinn abwerfen wird.

Leistungsbilanzsaldensind nur ein Symptom

Ja, es stimmt: Seit 16 Jahren ist Deutschlands Geschäftsbilanz mit dem Rest der Welt dick im Plus. Warum aber strömt so viel Kapital wieder ins Ausland, anstatt hierzubleiben? Klar, dass es auf diese Frage nicht nur eine Antwort gibt – sie haben aber alle mit schwachen Gewinnaussichten hierzulande zu tun.

Zum Beispiel drückt die Politik der EZB nicht nur den Wert des Euro und macht ausgerechnet deutsche Waren im Ausland noch attraktiver. Der Niedrigzins senkt zugleich auch die Renditen in der Geldanlage, weshalb gerade große Investoren wie Lebensversicherungen und Fondsgesellschaften ihr Geld in ausländische Anlagen umschichten. Anders aber als Trumps Wirtschaftsberater unterstellen, hat Deutschland diese Faktoren kaum in der Hand, Regierung und Bundesbank gelten gar als schärfste Kritiker der EZB.

Wir wissen wenig über die Risiken

Aus der Finanzkrise stammt der Spruch vom stupid german money. Investmentbanker in New York meinten damit deutsche Provinzbanker, die in der Welt verzweifelt nach Rendite suchten. So kam es, dass in der US-Immobilienkrise deutsche Banken wie IKB, HRE und WestLB vorn mitspielten. Seither hält sich die Behauptung, die Deutschen seien schlechte Anleger, finanzierten Schuldenkrisen und versenkten ihr Geld in ausländischen Staatsanleihen, rostigen Containerschiffen oder windigen Immobilienfonds.

Tatsächlich ist an dem Befund etwas dran: Von 2000 bis Ende 2016 summierten sich die Leistungsbilanzüberschüsse Deutschlands auf…

Kapitalexporte schaffen im Ausland Wohlstand

Mehr als 700 000 US-Amerikaner arbeiten in den USA bei einem deutschen Unternehmen. Der größte Exporteur von Autos aus den USA ist nicht GM oder Ford, sondern BMW. In dessen Werk in Spartanburg werden jedes Jahr mehr als 400 000 SUVs gebaut, viele für den Export. Fast 8 Mrd. Euro hat BMW seit 1994 in das Werk gesteckt.

Das Beispiel zeigt, was unsere Kapitalexporte im Ausland anrichten können: Sie lösen Investitionen, Nachfrage und Wachstum aus. Insgesamt 1 700 Mrd. Euro beträgt inzwischen das Netto-Auslandsvermögen der Deutschen, also der Wert, um den die deutschen Ersparnisse im Ausland die Ersparnisse des etwa 2 250 Mrd. Euro. So viel Geld floss in den vergangenen 16 Jahren netto aus Deutschland ins Ausland. Das Problem: Unser Netto-Auslandsvermögen beläuft sich eben „nur“ auf 700 Mrd. Euro. Unterm Strich, so rechnen es Ökonomen vor, haben die Deutschen im Ausland also mehr als 500 Mrd. Euro verloren.

Ob die Schlussfolgerung aber so eins zu eins stimmt, ist schwer zu sagen. Denn, man ahnt es, auch hier werden viele Dinge miteinander verwurstet.

Fazit

Viele Vorschläge funktionieren nicht

Wenn Deutschland etwas gegen seinen Überschuss tut, dann aus eigenem Interesse: weil die Infrastruktur mehr Geld gebrauchen kann, weil Investitionen von Unternehmen in Deutschland und der private Konsum weiter schwach sind. Aber natürlich gibt es Gründe, warum dies nicht klappt: etwa weil die wichtigen Märkte der meisten Unternehmen im Ausland sind. Weil die Bevölkerung älter wird und schrumpft. Weil Deutsche viel sparen, um fürs Alter vorzusorgen. Weil die erwarteten Renditen hierzulande relativ niedrig sind.

Diese Kalküle zu ändern ist nicht leicht. Mehr Investitionen sind schnell gefordert, doch die Baubranche boomt schon, Planer und Projekte gibt es nicht. Deutschland könnte auch Steuern senken und dadurch private Investitionen und den Konsum ankurbeln (siehe Kasten). Doch alle diese Vorschläge haben einen Haken: Kurzfristig senken sie den Bilanzüberschuss, langfristig aber machen sie hiesige Unternehmen noch wettbewerbsfähiger. Und erhöhen damit wieder den Überschuss.

Rests der Welt in Deutschland übersteigen. Und dies ist beinahe unmerklich passiert: Der Kapitalstock steckt in Aktien, Bonds, Krediten, in Ferienhäusern, Unternehmensbeteiligungen, Finanzinstrumenten und Devisen. All das muss nicht schlecht sein, tatsächlich verbuchte Deutschland 2016, wie die USA, mit mehr als 50 Mrd. Euro einen gewaltigen Gewinnüberschuss aus dem Ausland. Wir sollten es nur im Hinterkopf haben, wenn wir wieder bei der Sparkasse einen Depotauszug holen.

AKTIENRENDITE SINKT AUFGRUND GEOPOLITISCHER SPANNUNGEN

Aktuell sprechen mehrere makroökonomische und geopolitische Faktoren dafür, dass die Aktienrenditen künftig niedriger ausfallen werden. Erstklassige Unternehmen sollten ihre Gewinne auch in Zukunft ausbauen können und so ihren Aktienkursen Auftrieb geben – selbst wenn die Weltwirtschaft über einen längeren Zeitraum nur langsam wachsen sollte. Wirklich aktive Portfoliomanager können durch sorgfältige Analysen der Geschäftsmodelle die besten Unternehmen der Welt identifizieren und auf Basis einer erfolgreichen Einzeltitelselektion Mehrrenditen für Anleger erwirtschaften.

Um frühzeitig entsprechende Maßnahmen gegen Deglobalisierungstendenzen ergreifen zu können, sollten Investoren das Marktumfeld fortlaufend anhand der drei entscheidenden Faktoren – Beteiligung einer Supermacht, Gefahr höherer Ölpreise und Risiken für das Finanzsystem – bewerten. Aktiven Anlagestrategien und Aktien hochklassiger Unternehmen helfen, Portfolios krisenfest auszurichten.

Die zunehmende Vernetzung der Volkswirtschaften hat die Produktivität jahrzehntelang erhöht und damit die Inflation gedämpft. Sie hat die Entwicklung  der Schwellenländer beflügelt, damit der Weltwirtschaft Auftrieb gegeben und die Entwicklung an den Börsen begünstigt. Doch in der jüngsten Vergangenheit finden sich neben Bestrebungen, den Welthandel einzudämmen, weltweit weitere Beispiele für nationalistische Tendenzen, die der Globalisierung entgegen wirken: Brexit, der Ukraine-Konflikt und die abnehmende Bereitschaft Saudi-Arabiens, zum Abbau von Überangeboten die eigene Erdölproduktion anzupassen – um nur einige zu nennen. Und in Europa finden national ausgerichtete Parteien wachsenden Zuspruch. Eine solche Entwicklung könnte längerfristige Folgen für Investoren haben. Denn gerät die Globalisierung ins Stocken, entfällt ein wichtiger Antriebsmotor der Weltkonjunktur. Und das dürfte sich auch an den Kapitalmärkten niederschlagen.Wie umfassend nationale Initiativen auf die Weltwirtschaft wirken können, verdeutlicht das Beispiel USA. Die Maßnahmen, die Donald Trump vorgeschlagenen hat, beträfen nicht nur  die USA, sondern hätten weltweite Auswirkungen. Die Folgen für Drittstaaten dürften sogar heftiger ausfallen als für die Vereinigten Staaten selbst. Für die USA lassen sich unter dem Strich eher geringe Auswirkungen erwarten, da dort auch positive Effekte zum Tragen kommen könnten – etwa durch Steuerreformen oder staatliche Investitionsprogramme. Für 2017 erwarten wir in den USA ein Wachstum des Bruttoinlandsproduktes von zwei Prozent im Vergleich zu 1,5 Prozent 2016. Wir rechnen mit einem anziehenden BIP-Wachstum, da Trump während seiner Wahlkampagne nennenswerte fiskalpolitische Anreize angekündigt hat. Daher haben sich Aktien aus dem Infrastruktur- und Konsumgüterbereich sowie Grundstoff- und Industrietitel nach der Wahl bereits überdurchschnittlich gut entwickelt. Ein starker Dollar infolge steigender Zinsen in den USA könnte aufgrund der sinkenden Importpreise auch den US-amerikanischen Verbrauchern nützen. In Verbindung mit einer Senkung der Einkommensteuer würde dies die Verbrauchernachfrage über alle Einkommensklassen hinweg weiter stärken. Derartige Entwicklungen würden sich positiv auf inländische Firmen auswirken, die ihre Güter am lokalen Markt anbieten. Trumps Versprechen, die Körperschaftssteuer für US-Unternehmen zu senken, dürfte vor allem kleineren Unternehmen helfen, da der effektive Steuersatz bei diesen in der Regel höher ist als bei multinationalen Konzernen.Abseits der USA hätte jede Verschärfung des Protektionismus dagegen vermutlich gravierende Folgen für Unternehmen mit globalen Lieferketten. Vor allem für die Schwellenländer könnte der Kurs der Trump-Regierung beträchtliche Auswirkungen haben. Mexiko und China geben besonderen Anlass zur Besorgnis, da sich Trumps negative Außerungen auf diese Länder konzentrierten. Zudem gehen mehr als 80 Prozent der mexikanischen Exporte in die USA. Wie die Präsidentschaft von Donald Trump und die Androhung von Strafzöllen sich auf die Exportentwicklung in China auswirken werden, ist ungewiss – USA vor Zuhlungsunfähigkeit?. Die USA sind derzeit wieder Chinas wichtigster Handelspartner: 18 Prozent der Gesamtexporte gehen dorthin. Allerdings gilt zu beachten, dass sich die Exportlastigkeit der chinesischen Wirtschaft in den vergangenen Jahren deutlich verringert hat. So ist der Anteil der Nettoexporte am Bruttoinlandsprodukt von 8,6 Prozent vor der globalen Finanzkrise auf 3,4 Prozent gesunken. Sollten die USA als Handelspartner für das Land an Attraktivität verlieren, wird sich China voraussichtlich noch stärker in den Schwellenländern engagieren und somit seine Exportmärkte diversifizieren. Weitere Unsicherheit besteht in Bezug auf die Frage, ob Trump China als Währungsmanipulator brandmarken wird, und was dies für den Yuan angesichts eines stärkeren US-Dollars bedeuten würde. Für 2017 erwarten wir ein chinesisches BIP-Wachstum von 5,0 Prozent nach 5,5 Prozent im Vorjahr. Andere Staaten dürfte es weitaus härter treffen: Unter dem Strich sind Mexiko, Kolumbien, Malaysia, Korea und Thailand die Schwellenländer, die von einer protektionistischeren US-Politik wohl am stärksten betroffen wären. Mehr über Schwellenländeranleihen lesen?

Die Beispiele verdeutlichen, dass die Tendenz zur Deglobalisierung vielfältige und weitreichende geopolitische Risiken birgt. Dennoch war die Stimmung an den Kapitalmärkten im ersten Quartal 2017 positiv. Wie passt das zusammen? Könnten protektionistische Strömungen und offener zutage tretende Konflikte die internationalen Finanzmärkte auf absehbare Zeit vielleicht doch belasten? Grundsätzlich beurteilen Investoren die Auswirkungen geopolitischer Risiken auf ihre Portfolios amoralisch. Das heißt, sie bewerten nur die Auswirkungen auf die Erträge und Gewinne der Unternehmen, in die sie investiert sind. Die entscheidende  Frage aus Sicht der Investoren lautet also nicht, ob der Welthandel sich verändert, Konflikte häufiger geworden sind oder verbreiteter auftreten. Zentral ist vielmehr die Frage: Verändert die Art der geopolitischen Risiken sich so, dass diese Entwicklung zu Störungen an den Finanzmärkten führen kann? Historisch betrachtet, belasten bei geopolitischen Risiken in der Regel vor allem drei Faktoren die Kapitalmärkte, sodass die Risikoprämien dort steigen und die Ereignisse für Investoren relevant werden.

Der erste dieser Faktoren ist, dass eine Supermacht involviert ist. Denn in einem solchen Fall besteht das Risiko eines größeren Konfliktes, zudem könnte das Verbrauchervertrauen erheblich zurückgehen. Dabei gilt als Supermacht ein Land oder ein Staatenbund, der mindestens etwa 20 Prozent des globalen Bruttoinlandsproduktes kontrolliert oder beeinflusst, der über beträchtliche militärische Stärke verfügt und in der Lage ist, diese militärische Macht weltweit zu projizieren. Gemäß dieser Definition sind die USA aktuell das einzige Land, das alle Kriterien einer Supermacht erfüllt. Der zweite Faktor bei geopolitischen Risiken, der die Kapitalmärkte erfahrungsgemäß belastet, ist die Gefahr höherer Ölpreise. Denn dadurch steigen die Input- und Transportkosten der Industrie, gleichzeitig verlieren die Verbraucher an Kaufkraft. Bewaffnete Konflikte, die weitab von den Zentren der Weltwirtschaft stattfinden und die Ölversorgung nicht bedrohen, wirken sich in der Regel nicht auf die Märkte aus. Aus diesem Grund findet es so viel Beachtung, wenn etwa die Bereitschaft Saudi-Arabiens, zum Abbau von Überangeboten die eigene Erdölproduktion anzupassen, nachlässt. Als dritter Faktor spielt eine Rolle, ob Risiken für das globale Finanzsystem bestehen. Denn der daraus resultierende Rückgang der Kreditvergabe würde dazu führen, dass die gesamtwirtschaftliche Aktivität zurückgeht.

Angesichts der drei genannten Faktoren könnte die Tendenz zur Deglobalisierung mit all ihren Symptomen früher oder später also sehr wohl Auswirkungen auf die Kapitalmärkte haben. Erstens in der Kursentwicklung: Fällt das Wirtschaftswachstum geringer aus – infolge eines abnehmenden Welthandels, höherer Ölpreise, rückläufiger Kreditvergabe oder ähnlichem – könnten sich auch die Börsenkurse weniger dynamisch entwickeln. Für Investoren hätte dies vermutlich niedrigere Renditen zur Folge.

Zweitens wäre ein Umdenken bei der Bewertung von Aktien angesagt, falls die Triebkräfte der Wirtschaft sich grundlegend umgestalten sollten. Denn im Falle geringerer durchschnittlicher Wachstumsraten der Unternehmen sowie vermehrter Risiken durch geopolitische Unwägbarkeiten dürften Investoren höhere Risikoprämien am Aktienmarkt fordern. Dies könnte zweierlei bedeuten: Zum einen führen geringere Gewinnaussichten bei konstanten Kursen zu höheren Kurs-Gewinn-Verhältnissen, sprich zu höheren Bewertungen. Um diese auszugleichen, müssten die Kurse nachgeben. Zum anderen könnten Bewertungskennziffern wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis oder Kurs-Buchwert-Verhältnis neu zu interpretieren sein, sprich: Wo ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 15 heute als durchschnittlich gilt – zum Beispiel bei europäischen Aktien – könnte es angesichts veränderter geopolitischer Rahmenbedingungen künftig eine zu geringe Risikoprämie widerspiegeln und daher zu hoch erscheinen. Drittens dürften Tendenzen zur Deglobalisierung immer wieder zu Phasen erhöhter Nervosität an den Kapitalmärkten führen – und zwar dann, wenn Investoren die herrschenden Situationen anhand der drei beschriebenen Faktoren – Beteiligung einer Supermacht, Gefahr höherer Ölpreise und Risiken für das Finanzsys tem – bewerten.

Für Investoren bedeutet dies, aktive Anlagestrategien zu wählen, die flexibel auf Veränderungen des geopolitischen und makroökonomischen Umfeldes reagieren können. Denn aktiven Portfoliomanagern bietet erhöhte Volatilität besonders gute Chancen, um Mehrwert gegenüber dem Markt zu erzielen.

Doch wie lässt sich dies umsetzen, ohne allzu starke Kursausschläge mitmachen zu müssen? Die Lösung bieten hochklassige Unternehmen wie Google, Colgate und Visa. Diese haben in den vergangenen Jahren tendenziell hohe Kapitalrenditen erwirtschaftet, ein überdurchschnittliches Ertragswachstum verzeichnet und ihre Aktionäre mit hohen Anlageerträgen erfreut – während andere Unternehmen enttäuschende Ergebnisse vorgelegt haben und die Aktienmärkte starke Kursschwankungen zu verkraften hatten. Diese globalen Champions haben eines gemeinsam: strukturelle Wettbewerbsvorteile, durch die sie über lange Zeiträume hinweg nachhaltig hohe Erträge erwirtschaften können. Zu diesen Wettbewerbsvorteilen gehören erstens immaterielle Vermögenswerte wie Marken oder Patente, die verhindern, dass neue Wettbewerber in den Markt eintreten – siehe den Konsumgüterhersteller Colgate-Palmolive. Zweitens spielen wie beim US-Großhändler Costco Kostenvorteile eine Rolle, denn der kostengünstigste Produzent kann seine Konkurrenten aus dem Markt drängen. Günstig wirkt drittens der Netzwerkeffekt, indem der Wert einer Dienstleistung steigt, je mehr Menschen diese nutzen – etwa beim chinesischen Internetunternehmen Tencent. Das US-Technologieunternehmen Thermo Fisher verdeutlicht viertens den Vorteil der optimalen Betriebsgröße. Und fünftens wirken Kosten, die mit dem Wechsel des Anbieters verbunden sind, günstig – siehe den britischen Medienkonzern RELX Group. Ohne diese fünf Vorteile würde der Wettbewerbsdruck die Unternehmensgewinne vermutlich schnell aufzehren.

Neben den individuellen Wettbewerbsvorteilen sollten Anleger auch ein Verständnis für die jeweiligen Branchen haben, um zu erkennen, welche Unternehmen erstklassig positioniert sind. Dafür bietet sich das Fünf-Kräfte-Modell von Harvard-Professor Michael Porter an. Es umfasst die Rivalität eines Unternehmens zu seinen Wettbewerbern, Eintrittsbarrieren für den entspre chenden Markt, die Austauschbarkeit der Produkte des Unternehmens, die Anbieterstärke und die Nachfragestärke, sprich die Macht der Kunden. Auf diese Weise ergeben sich attraktive Anlageideen beispielsweise in Konsumbereichen mit einer hohen Markentreue oder in der Pharmabranche, wo Patente eine wirksame Markteintrittsbarriere darstellen. Weniger attraktiv sind dagegen Branchen mit einem austauschbaren Produktangebot wie der Energiesektor, wo die Kapitalkosten die Renditen fast komplett aufzehren. Das Gleiche gilt für stark regulierte Branchen wie die Versorgungsindustrie. Generell interessant sind Oligopole – sprich Branchen, die sich durch eine kleine Anzahl dominanter Akteure mit hoher Preissetzungsmacht auszeichnen. Noch besser sind nicht regulierte Monopole.

SELBSTSTÄNDIGE SCHULDEN DEN KRANKENKASSEN MILLIARDEN

Die Beitragsschulden bei den gesetzlichen Krankenkassen wachsen rasant. Seit Ende 2013 verdreifachten sich die offenen Forderungen der 113 Krankenversicherungen von 2,2 Mrd. Euro auf aktuell 6,6 Mrd. Euro. Ein wesentlicher Grund ist nach Ansicht der Kassen, dass kleine Selbstständige – etwa Solo-Selbstständige ohne Angestellte – finanziell oft überfordert sind.

Inzwischen hat der Schuldenberg sogenannter Selbstzahler ein Rekordniveau erreicht – und steigt weiter. Selbstzahler wie Studenten und Selbstständige führen ihren Beitrag direkt an die Kasse ab. „Leider steigt die Summe der Beitragsschulden kontinuierlich an, da es Menschen gibt, die ihre Beiträge aufgrund eines fehlenden oder unregelmäßigen Einkommens nicht zahlen können“, sagt Florian Lanz, Sprecher des GKV-Spitzenverbandes in Berlin. Daran änderte auch der gesetzliche Schuldenschnitt 2013 nichts. Damals wurden säumigen Zahlern ihre Beitragsschulden ganz oder teilweise erlassen. Davon profitierten vor allem jene, die bis dahin gar keinen Krankenschutz hatten. Das Problem der Selbstständigen blieb.

Das belegt auch die Statistik. Der Löwenanteil der Schulden entfällt laut Bundesversicherungsamt mit 5 Mrd. Euro auf die Kategorie „freiwillige Versicherung“, die auch Selbstständige erfasst. Diese Gruppe kämpft oft mit Zahlungsproblemen, weil ihr Kassenbeitrag trotz geringer Einkünfte hoch ausfallen kann. Im Prinzip müssen Selbstständige den Höchstbeitrag von etwa 760 Euro an Kranken- und Pflegeversicherung abführen, der bei Einkommen ab 4 350 Euro fällig wird. Wer geringere Einkünfte nachweist, zahlt – von Ausnahmen abgesehen – mindestens rund 390 Euro im Monat.

Zunächst dürfte sich die Schuldenspirale weiterdrehen, denn die Situation ist verfahren: Die Kassen dürfen klammen Kunden seit 2007 nicht mehr kündigen. Der GKV-Spitzenverband fordert daher, der Staat müsse solche Schulden aus Steuergeldern begleichen. Der AOK-Bundesverband schlägt vor, das unterstellte Mindesteinkommen für Selbstständige deutlich zu senken.

Private Krankenversicherer haben das Problem besser gelöst: Sie bringen säumige Zahler im Notlagentarif mit Minibeitrag von maximal 150 Euro im Monat unter. Dadurch halbierten sich die Beitragsschulden dort.

AUCH KLEINANLEGER KÖNNEN IN SCHWELLENLÄNDERANLEIHEN INVESTIEREN

Um in Schwellenländeranleihen zu investieren, brauchen Anleger einen flexiblen und opportunistischen Ansatz und den Willen, sich gegen Markttrends zu positionieren. Sie müssen selektiv vorgehen, spezifische Risiken eingehen und langfristig orientiert sein, um Chancen bei Anleihen zu nutzen, welche von Schwellenländern wie Venezuela begeben werden.

Schwellenländeranleihen galten lange Zeit als eine den „Spezialisten“ vorbehaltene Anlageklasse, aber in den letzten Jahren ist das verwaltete Vermögen stark gewachsen. Dennoch gewichten die meisten Anleger diese Anlageklasse in ihren Portfolios unter. Seit einigen Monaten müssen sich Investoren mit niedrigen und sogar negativen Renditen auf europäische Staatsanleihen zufriedengeben. Doch das Rentenmarktsegment der Schwellenländeranleihen hat sich erfreulich entwickelt.

Schwellenländeranleihen sind heute eine eigene Anlageklasse. Sie bieten potenziell attraktive Renditen, sowohl relativ aus auch absolut betrachtet, und gute Möglichkeiten, ein Portfolio zu diversifizieren. Das Segment macht aktuell nur zwölf Prozent des globalen Rentenmarkts aus. Dieser Anteil dürfte aber größer werden, da Schwellenländer inzwischen rund die Hälfte zum weltweiten Bruttoinlandsproduktes (BIP) beisteuern.

Schwellenländeranleihen können auf Hart- oder Lokalwährung lauten und werden als Staatsanleihen, Quasi-Staatsanleihen und Unternehmensanleihen angeboten. Dank der steigenden Zahl von Emittenten und Anlegern hat sich der Markt in den letzten Jahren diversifiziert. Doch auch wenn sich die Mittelzuflüsse 2016 erholt haben, sind Schwellenländer in den Anleiheportfolios großer internationaler Investoren noch untergewichtet.

Die Anlageklasse wird durch langfristige Trends unterstützt. Die Fundamentaldaten von Schwellenländern sind mittlerweile wesentlich solider als in der Vergangenheit: So haben sie ihre Schuldenquoten im Allgemeinen unter Kontrolle und auch ihre Devisenreserven nehmen stetig zu. Das Bevölkerungswachstum und der Aufstieg einer Mittelschicht sind weitere wichtige unterstützende Faktoren. Natürlich gibt es Unterschiede zwischen einzelnen Wirtschaftsräumen und Ländern, und es bestehen Risikofaktoren, die gesteuert werden müssen. Eine selektives Vorgehen ist deshalb unerlässlich.

Seit 2014 achtet Edmond de Rothschild insbesondere auf das China-Risiko, welches vom Markt unterschätzt wird, und das Portfolio ist seitdem zum Teil gegen dieses systemische Risiko abgesichert. Von China geht nach wie vor die größte makroökonomische Gefahr aus. Trotz vereinzelter ermutigender Meldungen zur Wirtschaft hat das Land mit vielen Ungleichgewichten zu kämpfen. Die Schuldenquote beläuft sich auf circa 250 Prozent. Der von offizieller Seite genannte Anteil Notleidender Kredite am gesamten Kreditvolumen ist weit von der Realität entfernt und der Immobilienmarkt zeigt Überhitzungserscheinungen. Angesichts dieser Risiken hat Edmond de Rothschild seine Absicherungsmaßnahmen aufrechterhalten. Um die Chancen wahrzunehmen, muss man Themen, Länder und Unternehmen mit einem asymmetrischen Chance-Risiko-Verhältnis untersuchen, statt regional zu selektieren. In Lateinamerika hat es auf Länder und Unternehmensebene in den letzten Jahren etliche Beispiele für eine Trendwende gegeben.

Edmond de Rothschild sucht nach Anleihen, welche die eingegangenen Risiken durch Renditen kompensieren. Die Bepreisung von Risiken ist im Falle einiger Emittenten mit Investment-Grade-Rating unattraktiv. Dazu gehören osteuropäische Länder, Peru, Chile oder Thailand. Zudem sind diese Länder anfälliger für einen weiteren Zinsanstieg in den USA. Die größte Position im Edmond de Rothschild Fund Emerging Bonds ist Venezuela. Ertragsrenditen von knapp 20 Prozent und die Tatsache, dass die Kurse der meisten Anleihen unter ihren potenziellen langfristigen Rückholwerten im Fall eines Zahlungsausfalls liegen, sind Argumente, in diese Papiere zu investieren.

Venezolanische Anleihen besitzen nach wie vor Kurspotenzial und weisen eine Asymmetrie zwischen ihrem langfristigen Wert und den kurzfristigen Verlustrisiken angesichts aktueller Marktbewertungen auf. In der Politik des Landes hat nach über 15 Jahren Chavismus der Wandel begonnen. Die Opposition hat die letzten Parlamentswahlen gewonnen und kontrolliert jetzt den Kongress. Der Machtkampf zwischen Regierung und Opposition geht weiter, denn die Kosten einer Machtaufgabe sind für das amtierende Regime hoch. Das Militär besitzt aufgrund seiner politischen und wirtschaftlichen Macht eine Schlüsselstellung und nimmt anscheinend eine pragmatischere Haltung ein, indem es den Willen des Volkes beachtet. Zudem steigt der äußere Druck auf die Regierung, den Volkswillen zu respektieren. In vielen verbündeten lateinamerikanischen Ländern wie Argentinien und Brasilien gibt es neue Regierungen, die den Machtmissbrauch des Regimes von Präsident Nicolas Maduro wesentlich kritischer sehen als ihre Vorgänger.

Der venezolanischen Regierung war es stets wichtig, ihre Schuldendienstzahlungen aufrechtzuerhalten und Konflikte mit ihren internationalen Kreditgebern zu vermeiden, um die Ölwirtschaft des Landes vor Schaden zu bewahren, Venezuela nimmt durch den Ölexport mehr als 95 Prozent seiner US-Dollar-Devisen ein. Die Verschuldung des Landes ist moderat, und  es verfügt über die Mittel, langfristig seine Schulden zu begleichen, da es die weltweit größten Erdölvorkommen besitzt. Die Zahlungsbereitschaft ist hoch, auch wenn es wegen einer verfehlten Wirtschaftspolitik kurzfristig Liquiditätsprobleme gibt. Daher sieht Edmond de Rothschild selbst bei Betrachtung des ungünstigsten Szenarios mit einem möglichen Zahlungsausfall und einer Umschuldung Wertpotenzial.

Mexiko könnte ein eindrucksvolles Comeback erleben. Das Land ist gegenwärtig eines der attraktivsten Länder im Edmond de Rothschild Anlageuniversum – insbesondere auf der Lokalwährungsseite. Nach den US-Wahlen sind mexikanische Vermögenswerte massiv unter Druck geraten. Der mexikanische Peso ist weltweit eine der billigsten Währungen, und wenn man der Überzeugung ist, dass die Regierung Trump wegen der engen Verflechtung beider Länder eine vorsichtige Politik verfolgen muss, gibt es gute Argumente zu investieren.

Der mexikanische Peso ist durch zwei Entwicklungen ab 2013 beeinflusst wurden. Zunächst wurden die Währungen der Schwellenländer durch das „Taper Tantrum“ aufgeschreckt, die Besorgnis über die erwartete Ankündigung der US-Notenbank Fed, ihre Anleihekäufe allmählich zu drosseln. Trotz der Fundamentaldaten haben Anleger den mexikanischen Peso als Stellvertreter benutzt, um den Markt leer zu verkaufen, denn der Peso ist die liquideste Schwellenländerwährung und weist ein geringes Carry auf, sodass Leerverkäufe nicht zu teuer sind. Die Folge war eine erste, nicht gerechtfertigte Abwertung des Pesos.

Nach Trumps Wahlsieg verlor die Währung erneut an Wert. Aber wie sich inzwischen zeigt, ist die Trump-Regierung anscheinend pragmatischer und bereit, eine für beide Seiten vorteilhafte Vereinbarung mit Mexiko anzustreben. Diese beiden Episoden haben zu einer Unterbewertung des mexikanischen Pesosgeführt. Deshalb ist Edmond de Rothschildt in Anbetracht der Fundamentaldaten und der technischen Faktoren von einer Long-Positionierung in der mexikanischen Währung überzeugt. Brasilien, das ebenfalls einen tiefgreifenden politischen Wandel erlebt, gehört zu den südamerikanischen Ländern, von denen Edmond de Rothschild unter Anlagegesichtspunkten am meisten überzeugt ist. Eine Zäsur in der Politik brachte die erwartete Amtsenthebung von Präsidentin Dilma Roussef. Das stellte einen Wendepunkt dar, nachdem viele brasilianische Vermögenswerte Anfang letzten Jahres aufgrund des zu dieser Zeit herrschenden Bewertungsniveaus und der Markpositionierung attraktiv waren. Seitdem sind die Chancen wieder gesunken.

Auch Argentinien hat einen interessanten Wandel erlebt und gehörte zwischen 2013 und 2016 zu den drei überzeugendsten Anlageideen. Das Wachstumspotenzial ist noch positiv, allerdings sind das Bewertungsniveau und die Marktpositionierung nicht mehr so attraktiv, wie sie einmal waren. Edmond de Rothschild befasst sich zurzeit auch mit einem viel kleineren Land, nämlich Belize, das mit seinen Kreditgebern über eine Umschuldung verhandelt. Zum zweiten Mal in weniger als fünf Jahren.

Vor einer Investition betrachtet Edmond de Rothschild neben den wirtschaftlichen Fundamentaldaten und möglichen wirtschaftlichen und politischen Wendepunkten immer auch alle technischen Elemente. Es ist wichtig, diese technischen Aspekte wie Mittelflüsse, Marktpositionierung und Bewertungsniveau zu berücksichtigen, vor allem wegen der im Vergleich zu vor zehn Jahren geringeren Liquidität am Markt. Ausschließlich auf die wirtschaftlichen Fundamentaldaten abzustellen, ist nicht effizient. In diesem Sinne müssen Reisen opportunistisch sein – vor allem dort, wo wenig Analysen verfügbar sind. Man sollte vorsichtig sein, um nicht von den Eindrücken vor Ort getäuscht zu werden und diese ohne Beachtung aller übrigen Faktoren überzugewichten. Das Risiko liegt darin, allein auf dieser Grundlage falsche Anlageentscheidungen zu treffen.

Der Edmond de Rothschild Fund Emerging Bonds verfolgt einen flexiblen, opportunistischen Ansatz. Das Anlageuniversum ist breit, und der Fonds kann seine Renditequellen diversifizieren, indem er in Hart- und Lokalwährungsanleihen, in Devisen, Staats-, Quasi-Staats- und Unternehmensanleihen investiert. Allerdings tendiert er dazu, hauptsächlich in auf Hartwährung lautende Staats- und Quasi-Staatsanleihen zu investieren, da dieses Segment eine deutlich größere Auswahl an Anlageinstrumenten bietet. Auf Hartwährung lautende Staatsanleihen, die weltweit von circa 80 Ländern emittiert werden, bilden das größte Anlageuniversum. Dagegen sind die Märkte für Lokalwährungsanleihen hauptsächlich auf 15 Länder konzentriert.

Der Edmond de Rothschild Fund Emerging Bonds kann sich deutlich von großen Indizes für Schwellenländeranleihen entfernen und hohe Wetten abschließen, die manchmal auf Argumenten basieren, die vorherrschenden Anlageüberzeugungen widersprechen. Benchmark orientierte Anlagestrategien eignen sich wegen der einseitigen Ausrichtung von Indizes nicht für Schwellenländeranleihen. Es ist wichtig, auf starke langfristige Überzeugungen zu setzen. Jahr für Jahr hängt die Performance in diesen Märkten davon ab, dass man eine begrenzte Zahl spezifischer Investments identifiziert.

INVESTITIONEN IN CHILE MIT VIELEN RISIKEN VERBUNDEN

Dezember 2016 veröffentlichte die chilenische Regierung gemeinsam mit der Agentur zur Förderung von ausländischen Investitionen (InvestChile) ein neues  Strategiekonzept, um ausländische Investoren für den global ausgerichteten Dienstleistungssektor des Landes zu gewinnen. Das ambitionierte Ziel ist eine Erhöhung des gegenwärtigen Exportvolumens von drei Milliarden auf fünf Milliarden US-Dollar bis zum Jahr 2020. Dafür werden ausländische Unternehmen gesucht, die in den Aufbau von insgesamt 20 Technologiezentren investieren.

In den letzten sechs Jahren erreichte die chilenische Wirtschaft ein nachhaltiges Wachstum von durchschnittlich 4,2 Prozent und liegt über dem globalen Durchschnitt von 2,9 Prozent. Während das Wirtschaftswachstum lateinamerikanischer Staaten seit 2014 stagnierte, blieb das chilenische Wachstum hingegen stabil. Im internationalen Vergleich wird offensichtlich, dass Chile eine überdurchschnittlich gute Bewertung in Rankings aufzeigt, die als wichtige Indikatoren für unternehmer- sowie wirtschaftsfreundliches Klima gelten. Dabei führt Chile – teils mit erheblichem Vorsprung – Lateinamerika an und steht auch im globalen Vergleich auf den vorderen Plätzen. Aus Sicht der dominanten Ratingagenturen wie Fitch (A+), Standard & Poor’s (AA-), Moody’s (Aa) und DBRS (AA-) weist Chile ein niedriges Risikoprofil für Investoren auf. Und nebenbei bemerkt, auch der Korruptionswahrnehmungsindex zeugt von einer hohen Integrität des chilenischen Wirtschaftslebens.

Aufbauend auf diese soliden Standortvorteile soll mithilfe des Dienstleistungssektors die Abhängigkeit vom Rohstoffexport, allen voran dem Kupfer, reduziert werden. Erste Erfolge zeichnen sich ab. Trotz des relativ kleinen Binnenmarktes mit seinen 17 Millionen Einwohnern konnten in den letzten Jahren hohe Investitionszuflüsse verzeichnet werden. Nach Brasilien und Mexiko ist Chile der drittgrößte Empfänger von ausländischen Direktinvestitionen in der Region. Nach den Zahlen der Welthandels- und Entwicklungskonferenz sind 130 Milliarden US-Dollar zwischen 2010 und 2015 in das südamerikanische Land geflossen, was durchschnittlich neun Prozent des Bruttoinlandsproduktes entspricht. Chile gehört damit weltweit zu den zwanzig wichtigsten Empfängerstaaten für Auslandsinvestitionen.

Invest-Chile hat die Eröffnung von Missionen in acht Ländern angekündigt, um in den direkten Kontakt mit Unternehmen aus den Bereichen Exportwirtschaft und digitalen Dienstleistungen treten zu können. Im Mittelpunkt stehen dabei IT-Unternehmen mit technologischen Know-how in den digitalen Zukunftsbranchen. Es gilt, eine Schnittstelle zwischen neuen Trends wie Internet der Dinge und Industrie 4.0 mit Branchen wie Bergbau, Gesundheitswesen, Nahrungsmittelindustrie, moderne Produktionsverfahren, Solarenergie und nachhaltige Bauwirtschaft zu schaffen.

Der chilenische Wirtschaftsminister Luis Felipe Céspedes betonte, dass die Priorität der Regierung darin liege, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen weiter zu verbessern. „Die Transformation des Dienstleistungssektors hin zu einem starken Wachstumsmotor erlaubt uns, mehr und höherwertige Arbeitsplätze für Fachkräfte bereitzustellen und dabei ein besseres Land zu schaffen“, bekräftigte er.

Daher setzt die Investitionsstrategie auf eine unerschöpfliche Ressource der chilenischen Wirtschaft für Investoren: Humankapital. Chilenische Ingenieure entwickeln in der Hauptstadt Santiago de Chile bereits heute innovative Schaltungselemente für die iPhone-Serie. Das spanische Unternehmen Everis beschäftigt in der südlichen Region Araucanfa 900 Mitarbeiter. Rund 30 Prozent der Beschäftigten gehören der indigenen Bevölkerung an und arbeiten unter anderem für den IT-Bereich des Unternehmens. Die größte US-amerikanische Wirtschaftsauskunftei Equifax möchte das unternehmenseigene Entwicklungszentrum in Chile ausbauen. Das größte Innovationszentrum des Unternehmens beschäftigt 160 Softwareentwickler und bietet Serviceleistungen für 24 Länder an, in denen der Finanzdienstleister tätig ist.

Der Schwerpunkt soll wegführen von Rohstoffen hin zu hochwertigen Dienstleistungsbranchen. Wenngleich die reichen Rohstoffvorkommen wie Kupfer und Lithium zugleich auch Argumente für einen attraktiven Industriestandort sind. Die Veredelung von Nahrungsmitteln, der Ausbau der erneuerbaren Energien und technologischen Optimierung von Ressourcennutzung sowie nachhaltiger Tourismus sind anvisierte Schwerpunkte des wirtschaftlichen Erneuerungsprozesses des Landes. Der Wille zur Veränderung ist vorhanden und verspricht zuversichtliche Aussichten für die Zukunft.

KANN MAN ISLAMIC BANKING TRAUEN? ETHISCHER ALS WESTLICHE BANKEN?

Die Finanzkrise hat das Bewusstsein der Menschen für wertebasierte Geschäftsmodelle geschärft. Die Öffentlichkeit fordert, dass Banken sich im Zuge dessen ihrer volkswirtschaftlichen und sozialen Verantwortung bewusst sind. Islamkonform arbeitende Banken kommen einem wichtigen Bedarf der Menschen nach. Islamic Banking zeigt auf, dass Profit und Ethik miteinander vereinbar sind und ist Teil des „Socially Responsible Investment“-Bereichs. Der Fokus liegt auf nachhaltigem, integrem und verantwortungsbewusstem Investieren. Alle Produkte und Dienstleistungen sind auf den Grundsätzen des islamischen Wertekanons aufgebaut. Gleichzeitig entsprechen sie den allgemeingültigen ethischen Prinzipien, was das Angebot einer islamischen Bank prinzipiell für jeden wertebewussten Menschen attraktiv macht.

Im islamischen Wirtschaftsrecht haben die Herstellung von Gerechtigkeit und das Wohlergehen der Gesellschaft oberste Priorität. Der Markt symbolisiert im Islam seit Anbeginn die menschliche Freiheit und Solidarität, gepaart mit wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Verantwortung. Die moralische Forderung an die Marktteilnehmer verlangt seit jeher Nachsicht, Gutmütigkeit und Gottesfurcht. Auf diesen Grundsätzen basiert das islamische Bankwesen. Die erste zinslos arbeitende Bank wurde im Jahr 1963 eingeführt in Mit-Ghamr in Ägypten nach dem Modell der deutschen Sparkassen gegründet.

Mit der Eröffnung des ersten islamischen Finanzinstituts im Euroraum werden erstmals die speziellen Finanzierungsbedürfnisse der Millionen Muslime berücksichtigt. Für Herausforderungen wie beispielsweise den Kfz-Kauf und die islamische Immobilienfinanzierung hat die erste islamische Bank im Euroraum Regularien erarbeitet, die konform mit der deutschen Gesetzgebung gehen und von den deutschen Behörden anerkannt wurden. Islamic Banking bedeutet für das Aktivgeschäft, dass die islamische Bank den Finanzierungswunsch des Kunden entweder als Handel oder als Beteiligung strukturiert.

Da es im Islamic Banking im Unterschied zum konventionellen, westlichen Bankwesen verboten ist, Geld gegen Zins zu verleihen, liegt der Fokus islamischer Banken auf der Realwirtschaft. Eine islamische Bank finanziert beispielsweise keine Urlaubsreisen oder einen aufwendigen Lebenswandel. Einfach das Konto überziehen gibt es bei einer islamischen Bank nicht. Zudem müssen alle Zahlungsströme zwingend mit Realgütern unterlegt werden. So wird sichergestellt, dass die volkswirtschaftliChen Ersparnisse in den Realsektor kanalisiert werden.

Das Zinsverbot ist im Islamic Banking als der prägnanteste Unterschied zu herkömmlichen Bankgeschäften bekannt. Ohne Zinsen zu arbeiten bedeutet für eine islamische Bank dennoch nicht, dass Kredite zum Nulltarif vergeben werden. Der Handel  zum Erhalt eines angemessenen Gewinnaufschlags ist im Islam erlaubt und wird an vielen Stellen sogar gefördert. Aus Sicht des Kunden wird dabei nicht allzu selten die Frage gestellt, worin der Unterschied zum konventionellen Bankwesen besteht – schließlich zahlt der Kunde sowohl im islamischen als auch beim herkömmlichen Bankwesen einen Aufpreis auf die tatsächlich erhaltene Kreditsumme. Der Anspruch einer Bank, islamisch zu sein und die Bezeichnung des Erlöses als Profit, kommen an dieser Stelle oft etwas zu kurz und reichen selbst für viele Muslime als alleinige Unterscheidungsmerkmale meist nicht aus. Daher besteht aktuell ein großer Bedarf daran, dass die relevanten Hintergründe und Zusammenhänge des islamischen Bankwesens ausreichend in den Mittelpunkt der Debatten gerückt werden, um die wahre Nachhaltigkeit und die vorhandenen Vorzüge des Islamic Bankings sowohl für den einzelnen Kunden als auch für die gesamte Volkswirtschaft erkennbar zu machen. Für das Zinsverbot gibt es, ähnlich wie bei dem Verbot des Alkoholkonsums, sowohl direkte moralische Argumente als auch volkswirtschaftliche Gründe, die aufgrund ihrer schädlichen Auswirkung auf die Gesellschaft zugleich auch ethische Werte involvieren. Das Verlangen von unverhältnismäßig hohen Wucherzinsen für den Verleih von Geld an jemand Bedürftigen ist direkt als unmoralisches Verhalten anzusehen. Der Erhalt eines angemessenen „marktüblichen“ Zinses jedoch, für den Verzicht auf die Verfügbarkeit über das eigene Geld für eine bestimmte Zeit, erscheint im konventionellen Banking zunächst völlig legitim und auch moralisch vertretbar.

Hier stellt sich nun die Frage, wieso im islamischen Wertekanon ein absolutes Zinsverbot vorgegeben ist. Beispielsweise heißt es im Koran im dritten Satz des 275. Verses im zweiten Kapitel, „…Allah hat den Handel/ den An- und Verkauf erlaubt und den Zins untersagt.“ Was also ist der Unterschied zwischen dem Gewinnaufschlag beim Handel und dem Verlangen von Zinsen auf den Verleih von Geld? Geld hat im Wesentlichen drei Funktionen – es wird als Tausch- und Zahlungsmittel eingesetzt, gilt als Recheneinheit, beziehungsweise als Wertmaßstab und als Wertaufbewahrungsmittel. Wird nun aufgrund des Verzichts auf die Verfügbarkeit über das eigene Geld für eine bestimmte Zeit eine Leihgebühr durch den Zins verlangt, wird das Geld faktisch selbst zum Handels- beziehungsweise Mietgegenstand gemacht. Zudem verzerrt der Zins die Ermittlung der Geldmenge innerhalb der Wirtschaft. Die ausgewiesene Geldmenge ist nicht mehr die gleiche Summe der sich im Wirtschaftskreislauf befindlichen Waren und Dienstleistungen. Frühe islamische Wirtschaftswissenschaftler und Philosophen definierten aufgrund dieser Eigenschaft des Geldes selbiges als „Spiegel“, der den realen Gesamtwert einer Wirtschaft wiedergibt. Wird diese Eigenschaft verzerrt, verliert das Geld an seinen Funktionen als Recheneinheit, Wertmaßstab und Wertaufbewahrungsmittel. Zins kann damit als Zuwiderhandlung gegen die Natur des Geldes klassifiziert werden.

Überwiegend britische Philosophen und Ökonomen wie Sir William Petty im 17. Jahrhundert, Adam Smith im 18. Jahrhundert, David Ricardo im 19. Jahrhundert und schließlich John Maynard Keynes im 20. Jahrhundert,schufen durch ihre historisch bedeutsamen Theorien und Modelle das Grundlagenregelwerk des heutigen Kapitalismus. Auch wenn hin und wieder Theorien wie die sogenannte „unsichtbare Hand“ zur Erklärung der Selbstregulierung der Märkte moralphilosophisch von Adam Smith aufgeworfen wurden, entwickelten jene Wissenschaftler allesamt Theorien und Modelle ohne den Faktor „Gottheit“. Die Theorien dieser westlichen Ökonomen besagen, dass es dem Menschen, dem „Homo Oeconomicus“ obliegt, bei vorliegender Ressourcenknappheit zu versuchen, seinen Nutzen zu maximieren.

Das islamische Wirtschaftssystem hingegen setzt einen Schöpfer aller Menschen und aller Ressourcen voraus, der zudem in Kapitel 35 Vers 20 Satz eins des heiligen Buches der Muslime, des Korans, besagt, dass alles auf Himmel und Erden – und somit auch die Gesamtheit aller Ressourcen – zu Diensten der Menschheit erschaffen und unter den Menschen verteilt worden ist, diese Ressourcen jedoch, wie beispielsweise Bodenschätze, Rohstoffe oder Arbeitskraft und auch Wissen, nicht zu gleichen Anteilen unter den Menschen verteilt werden. Zum einen besteht eine Unterscheidung darin, wer wovon bekommt. Diese Unterscheidung ermöglicht und macht notwendig, dass Menschen, Völker oder Nationen untereinander Handel betreiben.

Zum anderen besitzen nicht alle Menschen im gleichen Maße Ressourcen. In diesem Zusammenhang wird an vielen Stellen im Koran erwähnt, dass diejenigen, die mehr an Reichtum besitzen, eine Verantwortung und Abgabeverpflichtung gegenüber Armeren haben und dass der Besitz von Reichtum eine Prüfung darstellt, in welcher der Mensch die Bereitschaft zum Teilen der Ressourcen unter Beweis stellen muss. Somit liegt einer der größten Unterschiede des islamischen Wirtschaftssystems gegenüber dem konventionellen darin, dass die gerechtere Umverteilung der vorhandenen Ressourcen anstelle der im Kapitalismus angenommenen Ressourcenknappheit eine zentrale Rolle einnimmt. Eine derartig grundlegend unterschiedliche Herangehensweise wirkt selbstverständlich unter anderem einem der größten ökonomischen Probleme unserer Zeit entgegen dem gesellschaftlichen Ungleichgewicht.

Aufgrund des erhöhten Stellenwerts der Notwendigkeit einer gerechteren Vermögensumverteilung sieht das islamische Wirtschaftssystem neben dem Privatsektor und dem Fiskus eine weitere dritte Instanz vor. Dieser gewissermaßen autonome „Sektor“ übernimmt wichtige

Rechte und Pflichten aus dem Sozialbereich des Staates, um ein ausgewogeneres soziales Gleichgewicht in der Gesellschaft anzustreben. Dieser Sektor übernimmt beispielsweise die Regulierung des „Zakat“, einer jährlichen Vermögenssteuer und die Abwicklung von „Qard Hassan“-Transaktionen, der einfachsten Form von Geldverleih auf bestimmte Zeit ohne jeglichen Aufschlag auf die verliehenen Finanzmittel.

Die Ergänzung des Wirtschaftssystems um eine dritte, unabhängige Autonomie auf makroökonomischer Ebene, welche als Wohlfahrtssektor ein gesundes soziales Gleichgewicht anstrebt, ermöglicht eine effektivere Bekämpfung von Armut und einer übergroßen Ungleichheit zwischen den Superreichen und den Bedürftigen.

Die KT Bank AG mit Hauptsitz in Frankfurt am Main hat das islamische Bankmodell als Pionier in Deutschland eingeführt und mit den Behörden abgestimmt. Die KT Bank arbeitet auch in Deutschland auf Basis der mikroökonomischen Grundzüge des islamischen Wirtschaftssystems und handelt nach den beschriebenen Geboten und Verboten. Neben sozialer Verantwortung ist die Bank selbstverständlich auch um das Erwirtschaften von Erträgen bemüht. Hierbei werden jedoch, wie bereits erläutert, keine Zinsen festgelegt, sondern ein gewisser Profit zum Gegenstand des Geschäftes gemacht. Wie arbeitet eine islamkonforme Bank konkret in Deutschland?

Sie ermöglicht ihren Kunden den Erwerb von Wirtschaftsgütern und Dienstleistungen. Neues Mobiliar oder ein neues Kraftfahrzeug können beispielsweise Gegenstand eines Kredites sein. Die Finanzierung von Wirtschaftsgütern und Dienstleistungen entsprechend der bereits beschriebenen islamischen Negativliste ist ausgeschlossen. Zur islamkonformen Abwicklung des Geschäftes werden die Zinsen vermieden. Eine Bank agiert an dieser Stelle wie ein Händler und kauft das Wunschobjekt für den Kunden zunächst selbst ein, um es dem Kunden anschließend gegen einen angemessenen Gewinnaufschlag weiterzuverkaufen. Die neue Kaufsumme ist die ursprüngliche Kaufsumme plus Gewinnaufschlag und wird vom Kunden in vorher vereinbarten festen Raten abgezahlt.

Die islamkonforme Bank verspricht ihren Kunden keinen festen Zinssatz für ihre Einlagen. Vielmehr basiert diese Form der Geldanlage auf dem Prinzip der Erfolgsbeteiligung, wobei Bank und Kunde gemeinsam investieren und gemeinsam profitieren. So legt der Kunde Geld bei der islamischen Bank an, das diese wiederum in islamkonforme Bereiche der Realwirtschaft investiert. Der daraus erzielte Gewinn wird entsprechend eines vorher vereinbarten Verteilungsschlüssels aufgeteilt. Die tatsächliche Gewinnbeteiligung des Kunden hängt dabei maßgeblich von der Laufzeit und der Höhe der angelegten Summe ab.

Jedoch werden nicht alle Geschäftsfelder im islamischen Bankwesen anders abgewickelt als bei einer konventionellen Bank. Der Bedarf an alternativen Vorgehensweisen und Ansätzen besteht tatsächlich lediglich an Stellen, an denen das konventionelle Banking und das Islamic Banking differieren. Beispielsweise beschränken derzeit geltende, steuerrechtliche Vorgaben den Handlungsspielraum. Trotz derartiger Herausforderungen sind auch zahlreiche Sachgebiete existent, bei denen keine unterschiedliche Handhabung erforderlich ist.

Islamic Banking ist im Allgemeinen nun nicht nur auf die Tatsache des Zinsverbotes im Islam zu reduzieren und nach dem potenziellen Profit zu beurteilen, sondern als wichtiger Bestandteil eines alternativen Wirtschaftssystems zu verstehen, das die ökonomische Nachhaltigkeit und den sozialen Ausgleich nicht nur in der muslimischen Community, sondern in der Gesamtgesellschaft fordern und fördern möchte. Lesen Sie wie es die Commerzbank macht oder die Deutsche Bank bei Fraudanwalt.

SOLLEN ROBOTER BESTEUERT WERDEN? NEIN!

AIs Bill Gates, Mitbegründer von Microsoft, kürzlich dem „Quartz“-Magazin ein Interview gab, empfahl er eine Besteuerung von Robotern und Automationssystemen, um deren Einführung zu verzögern und damit die erwartbaren Arbeitsmarkteffekte zu dämpfen – zum Fraudanwalt-Bericht. Die Idee der Besteuerung wirft eine Reihe zunehmend relevanter und kontroverser Fragen auf, denn Robotik, Automation und künstliche Intelligenz dringen zweifellos immer tiefer in unser tägliches Leben ein.

Wenn computergestützte Systeme wie Robotik und künstliche Intelligenz tatsächlich immer intelligenter und preisgünstiger werden und viele physische und kognitive Aufgaben besser erledigen als wir Menschen, werden diese Systeme unweigerlich zahlreiche Arbeitsplätze obsolet machen. In ihrem kürzlich erschienenen Aufsatz „A future that works“ schätzen McKinsey & Company, dass sich mit der heutigen Technologie knapp fünf Prozent aller Arbeitsplätze weltweit durch automatisierte Systeme ersetzen lassen. Und obwohl diese Aussicht die betroffenen fünf Prozent nicht freuen wird, lässt sich aus dieser Zahl angesichts der Gefährdung der Arbeitsplätze weltweit noch keine Katastrophe ableiten. Was McKinsey allerdings auch für wahrscheinlich hält, ist die Automation von rund 30 Prozent der Tätigkeiten von 60 Prozent aller Arbeitnehmer. Diese Aussicht hat besorgniserregende Implikationen. Theoretisch könnten die Unternehmen demnach 30 Prozent aller Arbeiten automatisieren und für den Rest einfach viel weniger Personal einstellen.

Wer sollte es ihnen verübeln? Aus Sicht eines Geschäftsinhabers klingen die wirtschaftlichen Argumente schlüssig. Mit technologischem Fortschritt sinken die Kosten für Robotik und Automation, während Kapazität und Leistung der Systeme nach wie vorzunehmen. So gibt es mittlerweile „kollaborative Roboter“, sogenannte „Cobots“, eine ganz neue Generation von Robotern, die billiger, leichter zu programmieren und sicherer in der Anwendung sind. Universal Robots, Franka Emika und F&P Robotics können ihre Cobots heute zu einem günstigen Preis von um die 20.000 US-Dollar herstellen. Zu dem Preis sind Roboter nicht nur für Industriegiganten, sondern auch für KMU interessant. Cobots und andere automatisierte Systeme überzeugen mit steigender Produktivität bei sinkenden Investitionskosten.

Der Einsatz menschlicher Arbeitskräfte entwickelt sich in eine ganz andere Richtung. So werden die Arbeitsbedingungen restriktiver, während weltweit Mindestlöhne und Sozialleistungen steigen und Staaten die Wochenarbeitszeit begrenzen. Unter dem Strich bedeutet das: Die Unternehmen bekommen weniger Produktivität für mehr Geld. Auch Arbeitskräfteknappheit ist ein Problem für Unternehmen, weil die Arbeit in der Fabrik und am Fließband deutlich weniger beliebt ist als ein kreativer Berufunter angenehmeren Bedingungen. Zusätzlich erschwert wird die Situation durch die alternde Bevölkerung der Industriestaaten und strengere Einwanderungsbestimmungen, die den Zustrom billiger Arbeitskräfte aus Niedriglohnländern einschränken.

Das stellt natürlich ein gravierendes Problem dar, und mit kontinuierlich fortschreitender Technologie wird die Lage sicher nicht besser. Doch wir sollten uns auch die Vorteile der Robotik und der technologischen Fortschritte vor Augen führen. Wer mit Unternehmern spricht, erkennt, dass die Frage vielfach nicht lautet: „Soll ich einen Mitarbeiter einstellen oder einen produktiveren Roboter anschaffen?“, sondern: „Wie kann ich unsere Produktivität so steigern, dass das Geschäft rentabel bleibt?“ Und schon haben wir das Argument gegen die Robotik auf den Kopf gestellt. Es gibt viele Beispiele, wie Robotik und Automation Arbeitsplätze gerettet haben, weil sie jenen Wettbewerbsvorteil ermöglichen, der Fabriken die Schließung erspart oder sogar Arbeitsplätze aus Niedriglohnländern zurückbringt.

Die Bicycle Corporation of America (BCA) sorgte erst kürzlich in den USA für Schlagzeilen, als sie rund zehn Prozent ihrer Fahrrad-Montageeinrichtungen in China stilllegte und ein neues Werk in South Carolina eröffnete, in dem 140 Personen Arbeit fanden. CEO Arnold Kramer erklärte CBS News, dies sei nur dank der Kosteneinsparungen durch Automation möglich gewesen. „Wir tun hier nichts anderes, als maschinell aufzurüsten, um effizienter zu werden.“

Auch Ford verwarf Pläne zum Bau eines neuen Werks in Mexiko für 1,6 Milliarden US-Dollar und kündigte stattdessen eine Investition von 700 Millionen US-Dollar in das bestehende Werk in Flat Rock, Michigan, an, in dem bis zum Jahr 2018 rund 700 zusätzliche Arbeitskräfte eingestellt werden sollen. Da Ford Expertenschätzungen zufolge in Mexiko einen Stundenlohn von rund 5,50 US-Dollar, in Michigan aber 28 US-Dollar bezahlt, ist es die geplante Investition in maschinelle Ausrüstung, etwa in modernste Automation und Robotik, mit der Ford das Kostengefälle überbrücken und die Sache rentabel gestalten kann.

Schweizer Unternehmen kämpfen wegen des starken Frankens und der hohen Arbeitskosten, um ihre Wettbewerbsfähigkeit. Für viele scheint die Antwort in der Robotik zu liegen, die ein Sterben der heimischen Produktion verhindert. Der Herstel1er von Düften und Aromen, Firmenich International, investierte in den letzten drei Jahren rund 60 Millionen Schweizer Franken in Werksautomation und steigerte seine Kapazitäten um ein Drittel, ohne den Personalstand zu erhöhen. Die so erzielten Produktivitätszuwächse reichen nun aus, um das Werk weiter zu betreiben.

Weil die Robotik Produktivität und Rentabilität erhöht, ermöglicht sie höhere Investitionen in Sachanlagen, mehr Beschäftigung und letztlich eine höhere Kaufkraft. Doch aus den technologischen Fortschritten resultieren auch einige indirekte Vorteile.

Ein solcher Vorteil ist, dass durch die neuen Technologien geschaffene Ökosystem von Unternehmen, Dienstleistungen, Applikationen und Arbeitsplätzen. Für die Herstellung, Installation und Wartung der Robotik- und autonomen Systeme und die darauf betriebenen Services und Applikationen werden technische Systemplaner, Softwareentwickler, Programmierer sowie Wartungs- und Supportfachkräfte benötigt. Wie viele dieser Arbeitsplätze ihrerseits im Laufe der Zeit der Automation zum Opfer fallen werden, wissen wir noch nicht, aber es gibt Studien, denen zufolge künstliche Intelligenz und Robotik mehr neue (und zumeist auch höherwertige) Arbeitsplätze schaffen, als sie ersetzen, während zugleich Produktivität und Lebensqualität in der Gesellschaft insgesamt steigen.

Dieser letzte Punkt ist deshalb interessant, weil er in den wirtschaftlichen Statistiken nicht immer zutage tritt. Seit jeher sorgen technologische Neuerungen für Verzerrungen des Arbeitsmarktes, vorübergehende Arbeitslosigkeit und soziale Unruhen. So zerstörten vor 200 Jahren Gruppen von Arbeitern in England in den Baumwoll- und Wollfabriken Maschinen, weil sie zu Recht fürchteten, ihre Arbeit an diese Maschinen zu verlieren, die dann von schlechter ausgebildeten, billigeren Arbeitskräften betrieben werden könnten. 20 Jahre später erregte die Erfindung der von Pferden gezogenen Dreschmaschinen in der

Landwirtschaft die Gemüter. Nach der Einführung der ersten Dampfmaschinen und später der Elektrizität in den Fabriken und der Erfindung des „Fließbandes“ prägte der Ökonom John Maynard Keynes in den 1930er-Jahren den Begriff von der „technologischen Arbeitslosigkeit“ zur Beschreibung von Perioden, in denen Innovationen mehr Arbeitsplätze kosten als sie schaffen. Und müssen wir jetzt, im Zeitalter der Digitalisierung, in dem sich das Tempo der technologischen Innovationen erheblich beschleunigt hat, nicht mit einer noch höheren „technologischen Arbeitslosigkeit“ rechnen?

Die logische Antwort lautet: „Ja.“ Überraschend scheint hingegen die Feststellung, dass die beschleunigte technologische   Innovation mit einem massiven Bevölkerungswachstum einhergeht und dieses weitgehend erst ermöglicht. Lebten im Jahr 1900 noch rund 1,6 Milliarden Menschen auf dem Planeten, so sind es heute schon 7,5 Milliarden. Und trotz wiederholter düsterer Warnungen vor der malthusianistischen Katastrophe hat sich das Los des Durchschnittsbürgers doch deutlich verbessert. Die Lebenserwartung steigt weltweit ebenso wie die Lebensqualität.

Ein Blick in die Geschichte lehrt uns, nicht in Panik zu verfallen. Wir erwarten, dass die negativen Auswirkungen der Technologie auf den Arbeitsmarkt vorübergehend sein werden und längerfristig durch positive Effekte aufgewogen werden. Trotzdem könnte dieses Mal alles anders ablaufen. Dank der enormen Rechenleistung von Prozessoren und der Innovationen im Zusammenhang mit Plattformen – man denke nur an Cloud-Computing und mobile Kommunikationsnetzwerke – führt unsere Fähigkeit zur Generierung künstlicher Intelligenz und automatisierter, autonomer Systeme, die „lernen“ und einander etwas „beibringen“ können, zu einem Paradigmenwechsel in Bezug auf Breite und Anwendungsbereiche der Robotik und Automation. Die Google-Brain-Research-Gruppe baut an einer „selbst startenden AI“. Hier plant und generiert künstliche Intelligenz eine noch weiter fortgeschrittene künstliche Intelligenz. Wenn diese Systeme erst einmal Zugang zu immer größeren Daten- und Ressourcenpools erhalten und durch zunehmend leistungsstarke Prozessoren ermöglicht werden, dürfte die Entstehung einer „Superintelligenz“ wahrscheinlich, wenn nicht unvermeidlich werden. Durch Fortschritte dieser Art könnte die Technologie so etwas wie einen „Big Bang“ der Innovation hervorrufen. Sollte es dazu kommen, werden wir alle betroffen sein.

Wir werden die tatsächlichen Auswirkungen auf die Gesellschaft oder den Arbeitsmarkt sicher noch jahrelang nicht abschätzen können, bis schließlich Roboter in der Wirtschaft noch viel tiefer als heute verankert sind. Bisher verzeichnen wir eigentlich eine geringe Penetration mit Industrierobotik. So kommen auf jeweils 1.000 Arbeitskräfte in der weltweiten Produktion nur sieben Roboter. Doch diese Zahl steigt stetig an. In der globalen Automobilindustrie kommen heute schon über 100 Roboter auf 1.000 Arbeitskräfte. Und ein Blick über die Fabriken hinaus zeigt uns die zunehmende Verbreitung von Robotern, Automationssystemen und künstlicher Intelligenz in allen Aspekten des täglichen Lebens. In Krankenhäusern wird künstliche Intelligenz zur Unterstützung bei der Diagnose komplexer Erkrankungen eingesetzt. In der Chirurgie sorgen Roboter für mehr Präzision, bessere Ergebnisse und kürzere Rekonvaleszenzen.

Wahrscheinlich wird es nötig werden, künstliche Intelligenz und Robotik staatlichen Regularien zu unterwerfen. Die Vorstellung einer Besteuerung von Robotern scheint hingegen ein Schritt in die falsche Richtung zu sein. Roboter und Automationssysteme sind nicht mehr als moderne Instrumente zur Steigerung der Produktivität und zur Erledigung von Arbeiten, die Menschen nicht verrichten wollen oder können. Eine Besteuerung dieser Instrumente erscheint also intuitiv falsch. Indem wir jene Mittel, mit denen ein Unternehmen Gewinne generieren und erhalten kann, besteuern, richten wir das Unternehmen vielleicht langfristig zugrunde. Dann hätten wir kein Unternehmen, keine Steuern und keine Arbeitsplätze.

Eine Robotersteuer würde auch eine Kehrtwende in der Politik bedeuten, die sich heute um eine Stimulierung der Investitionen in Kapitalbildung und Ausrüstung (so auch um Investitionen in Robotik und Automationssysteme) bemühen. Es besteht die Gefahr, dass ein Land, das eine solche Steuer einführt, einen Alleingang wagt, wodurch es auf der Wettbewerbsleiter abstürzen und seine Attraktivität als Investitionsstandort schwächen könnte. Der kurzfristige Schutz der Arbeitsplätze würde langfristig ganzen Branchen schaden. Eine Besteuerung von Gewinnen, Vermögen und Anlagen erscheint da schon eher logisch, und in Erwartung zahlreicher Verwerfungen auf dem Arbeitsmarkt wäre es vielleicht empfehlenswert, mehr Steuereinnahmen in Einkommenszulagen und Umschulungsprogramme zu investieren.

Eine weitere entscheidende Funktion der Staaten besteht in der Umschreibung des „Gesellschaftsvertrags“ zwischen Unternehmen und ihren Mitarbeitenden. Es gibt klare Anzeichen für eine Demokratisierung des Zugangs zu Informationen und Bildung durch die digitale Wirtschaft, wodurch sich zwar die Lebensqualität vieler verbessern, zugleich aber auch das wirtschaftliche Vermögen in den Händen weniger konzentrieren wird. Solange es keine Corporate Governance für die Verteilung von Vermögen im privaten Sektor gibt, könnte die Robotik Geschäftsinhabern einen zusätzlichen Hebel gegenüber den Arbeitnehmern in die Hand geben, was eine noch stärkere Verzerrung der Vermögensverteilung zur Folge hätte.

Steuern werden den Fortschritt der Technologie wohl nicht stoppen. Ein alternativer und wahrscheinlich besserer Ansatz bestünde in der bewussten Annahme der Robotik- und Automationstechnologien, in der Förderung und Unterstützung von Innovationen und in der Schulung und Flexibilisierung der Arbeitskräfte, damit sie den Herausforderungen des digitalen Zeitalters gewachsen sind. Japan sieht die Robotik als einen alternativen Weg zu wirtschaftlichem Wachstum trotz seiner alternden und schrumpfenden Bevölkerung. China fördert Investitionen der lokalen Industrie in die Robotik und deren weitere Entwicklung als eine Möglichkeit, die Arbeiterschaft des Landes auf der Wertschöpfungskette nach oben in Industrien und Dienstleistungen zu befördern, die nicht nur um den kleinsten gemeinsamen Nenner billiger und reichlich vorhandener Arbeitskräfte konkurrieren.

McKinsey prognostiziert ein mögliches globales Produktivitätswachstum durch Robotik und Automation von 0,8 bis 1,4 Prozent jährlich und betont, dass der Mensch auch zukünftig ein wesentlicher Faktor in der Gleichung bleiben wird. Ohne Menschen, die Roboter und künstliche Intelligenz bedienen, sind solche Zuwächse unwahrscheinlich. Und noch etwas: Wenn in Zukunft tatsächlich immer mehr Systeme automatisiert werden, ist parallel dazu mit einer Rückbesinnung der Gesellschaft auf menschliche Qualitäten, zwischenmenschliche Beziehungen und eine humane Innovation und Kreativität zu rechnen.

CHINA ÖFFNET SEINE BÖRSENTORE

China hat im Dezember 2016 das Stock-Connect-Programm der Börsen Shenzen und Hongkong eröffnet. Gemeinsam mit dem seit November 2014 bestehenden Shanghai-Hongkong-Connect-Programm haben Investoren jetzt Zugriff auf 1.447 Aktien und damit auf über 50 Prozent der chinesischen Marktkapitalisierung. Für ausländische Investoren sind die beiden Stock-Connect-Programme Meilensteine, denn sie erleichtern den Zugang zu den sogenannten A-Aktien, Aktien chinesischer Unternehmen, die an den Börsen von Schanghai und Shenzen in Renminbi gehandelt werden. Damit wird eine der dynamischsten Volkswirtschaften zugänglich.

Die Öffnung des chinesischen A-Aktienmarktes steht im ZeiChen der Internationalisierung des Renminbi, welche mit der der Kapitalbilanz eng verflochten ist. Während China als weltweit zweitgrößte Volkswirtschaft 15 Prozent des globalen Sozialprodukts ausmacht, vereinigt der Renminbi lediglich zwei Prozent aller Währungsumsätze auf sich. Dieses Ungleichgewicht möchte das Land beseitigen. Um zu den großen Währungen zu gehören, muss die chinesische Währung vollständig konvertibel sein, sowohl für Handelsumsätze als auch an den internationalen Finanzmärkten. Die Öffnung der Börsen und die Möglichkeit für Chinesen, in Hongkong-Dollar denominierte Aktien chinesischer Unternehmen zu kaufen (H-Aktien), waren wichtige Schritte in diese Richtung.

Eine weitere Voraussetzung ist, dass sich das Wechselkurs-System des Renminbi an Marktgegebenheiten orientiert. So schwankt der Renminbi seit 2015 innerhalb einer Spanne, die zwar von der People’s Bank of China (PBoC) täglich festgesetzt wird, die sich jedoch an Marktkursen orientiert. Die PBoC interveniert zu einem gewissen Grad, was man an den Schwankungen der Devisenreserven gut beobachten kann, das Wechselkurssystem orientiert sich dennoch stark genug am Markt. Das wurde durch die Aufnahme des Renminbi in den Korb der Währungen mit Sonderziehungsrechten durch den Internationalen Währungsfonds im Oktober 2016 offiziell bestätigt.

Chinas Autoritäten handeln pragmatisch: Die Vorteile einer Liberalisierung des Kapitalverkehrs überwiegen aus ihrer Sicht die Risiken, die eine solche Entscheidung birgt. Unternehmen können dank der Öffnung der Kapitalbilanz zum Beispiel einfacher internationales Technologie-Know-how erwerben, etwa durch die Übernahme des deutschen Roboterherstellers Kuka, oder internationale Marktanteile kaufen, wie bei dem Einstieg bei Syngenta. Und tatsächlich haben chinesische Unternehmen ihr Augenmerk in den vergangenen Jahren zunehmend auf Technologien und moderne Dienstleistungen gerichtet. Neben anderen Vorteilen ermöglicht ihnen der freiere Kapitalverkehr die Auslagerung von Aktivitäten mit geringer Wertschöpfung in Länder mit niedrigeren Arbeitskosten. China ist nicht mehr das Billiglohnland, das es bei seinem Beitritt zur Welthandelsorganisation war.

Der Kapitalzufluss und der hohe Leistungsbilanzüberschuss haben die Währung aufgewertet, bis mit der Miniabwertung im August 2015 sowie der Änderung des Wechselkursmechanismus eine Periode der Abwertung gegenüber dem US-Dollar begann. In den vergangenen 20 Jahren hat sich der Renminbi so stabil entwickelt wie etwa der Schweizer Franken. Das ist umso bemerkenswerter, da die chinesische Zentralbank Währungsreserven von drei Billionen US-Dollar aufgebaut hat, um einer noch stärkeren Aufwertung vorzubeugen, ähnlich wie die Schweizer Nationalbank. Das reduziert das Risiko von Währungsverlusten für Investoren in chinesische Aktien. Der Renminbi ist auf der Basis der enormen Ersparnis der Chinesen eine stabile Währung. Für Anleger ist wichtig, dass China bei der Öffnung der Kapitalbilanz keinen Rückzieher macht. Die zweite Gefahr ist, dass ein Land, das vom Ein-Parteien-Systemgeprägt wird, unberechenbar und im eigenen Interesse handelt. Es liegt jedoch im Interesse Chinas, die 100-prozentige Konvertibilität seiner Währung zu gewährleisten und damit die Kapitalbilanz vollständig zu öffnen. Die Gefahr, dass China sich wieder verschließt und die Reformschritte rückgängig macht, wertet Comgest als unwahrscheinliches Tail Risk. Lediglich das Tempo der Marktöffnung ist noch unbestimmt. Zwar kann der Prozess einige Zeit in Anspruch nehmen, aber die Richtung ist eindeutig. Die Öffnung der Börsen Shanghai und Shenzen ist langfristig.

Obwohl die Börsen zusammen der liquideste Aktienmarkt der Welt sind, fehlte bis Ende 2014 ein effizienter und direkter Zugang. Bis 2002 waren die chinesischen Festlandsbörsen für ausländische Investoren wie Comgest verschlossen. Seit 2002 gibt es das QFII-Programm (Qualified Foreign Institutional Investor): Ausländische Investoren erhalten selektiv Kontingente für Investitionen in Renminbi am chinesischen A-Aktien-Markt. Comgest erhielt 2011 nach einem vierjährigen Verfahren eine QFII-Lizenz. Diese öffnete jedoch keine Anlagechance, aufgrund Transaktionskosten von 0,8 Prozent und illiquider Aktien.

Das hat sich mit den beiden StockConnect-Programmen maßgeblich geändert, wodurch ausländische Investoren direkten Zugang zu den chinesischen Inlandsbörsen erhalten haben. Im Jahr 2016 stellten die Börsen von Shenzhen und Shanghai 22 Prozent der weltweiten Börsenumsätze dar; was ungefähr zwei Dritteln der kombinierten Umsätze von NYSE und Nasdaq entspricht. Auch die Transaktionskosten sind signifikant gefallen, auf 15 Basispunkte pro Aktienkauf beziehungsweise -verkauf.

Größe und Liquidität des chinesischen Aktienmarkts lassen erwarten, dass der Markt für passive wie aktive Investoren gleichermaßen geeignet ist. Doch nur zehn Prozent der Marktkapitalisierung befinden sich in den Händen von professionellen Investoren, während 90 Prozent von der Regierung sowie von wenig geschulten Privatinvestoren gehalten werden. Staatsunternehmen machen rund 50 Prozent der Marktkapitalisierung aus. Sie sind zu einem großen Teil im „alten“ China angesiedelt, in den Bereichen Bau und Infrastruktur sowie im Rohstoff- und Energiesektor. Diese Unternehmen sind am Staatsinteresse ausgerichtet, ihre Kapitalrentabilität ist im Durchschnitt nur halb so hoch wie die von Privatunternehmen. Der Performanceunterschied zwischen den besten und schlechtesten Aktien ist in Folge dieser Marktstruktur in China dreimal so hoch wie etwa in Europa. Das Potenzial zur Alphagenerierung ist entsprechend hoch, was einen aktiven Ansatz durch einen Manager mit lokaler Kompetenz vielversprechend macht.

Der MSCI-Emerging-Markets-Index könnte chinesische A-Aktien aufnehmen, die Entscheidung fällt im Juni 2017. Doch Indizes mit Gewichtung nach Marktkapitalisierung blenden das Potenzial zur Alphagenerierung aus. Hinzu kommt, dass ein solcher Index nicht das neue China widerspiegelt, welches von einem wachsenden Inlandskonsum und dem Ausbau der Dienstleistungswirtschaft getragen wird. Aber genau dort liegen die Chancen für den Kapitalanleger. China verfügt über einige der dynamischsten und innovativsten Internetunternehmen, etwa im Bereich der Digitalwerbung, im E-Commerce oder bei Onlinespielen. Mehr als 50 Prozent der Werbegelder werden in China heute digital verdient. Das Fernsehen ist, anders als in den entwickelten Volkswirtschaften, ein Medium von gestern.
Die Quoten für ausländische Investoren im Rahmen des QFII-Programmes wurden in den vergangenen vier Jahren quasi verzehnfacht. Die aktuellen Quoten würden es ausländischen Investoren erlauben, mehr als drei Prozent der aktuellen Marktkapitalisierung von A-Aktien zu halten. Dieses Kontingent wird derzeit jedoch nur zu einem Drittel ausgenutzt. In den Portfolios von globalen Schwellenlandfondsmanagern ist China eines der größten Untergewichte. Die zunehmende Öffnung des A-Aktienmarkts hat daran nichts geändert. Mögliche Makrobedenken sind sicher ein Grund für die vorsichtige Positionierung aktiver Fondsmanager – zum Fraudanwalt-Bericht über Fondsmanager. Dennoch bietet die Marktstruktur das Potenzial durch die Selektion einzelner Aktien Alpha zu generieren.

Für Comgest gilt das Gegenteil. Der Growth Emerging Markets Fonds hat einen Active Share von 88 Prozent und hat China mit acht Prozent übergewichtet. Mittlerweile kommen 60 Prozent der absoluten Performance aus den chinesischen Stock Picks. Chinesische Aktien sind Ertragsbringer, auf die viele aktive Schwellenlandinvestoren aber immer noch verzichten.