MITTELSTANDSANLEIHEN – DER BRENNOFEN FÜR GELD

Die Gründung von Mittelstandsanleihen im Jahre 2010 hätte fast nicht besser laufen können. Nahezu raketenhaft stieg das Segment auf und ließ viele Sparerherzen höherschlagen. Doch wie auch bei noch so aufwändig geplanten und durchdachten Raketenstarts kommt es mal zum Absturz – bei Mittelstandsanleihen nur leider zu oft, zum Fraudanwalt-Bericht über die BDT Automation-Anleihe. Und dennoch ließen sich unbedarfte Sparer immer wieder von Unternehmensanleihen begeistern und warfen ihr Geld voller Euphorie nur so hinterher, bis sie ihr blaues Wunder erlebten. Vor zwei Jahren schien jede fünfte Emission entweder pleite zu gehen, ihre Investoren nicht rechtzeitig bezahlen zu können oder im Rahmen einer Umstrukturierung ein Teil des Geldes einzubehalten. Mittlerweile ist die Zahl der notleidenden Mittelstandanleihen auf jede dritte gestiegen. Sprich: Vom gesamten platzierten Volumen letzten Jahres in Höhe von ca. 6 Milliarden Euro gelten über 30 % als gefährdet. Damit sind Papiere gemeint, deren Zinsen nicht pünktlich gezahlt werden können oder deren Emittenten bereits Insolvenz oder eine Aussetzung der Tilgung angekündigt haben. Wie kommt es, dass zwar die Zahl der sich von Mittelstandsanleihen locken lassenden unwissenden Sparern weiter abnimmt, diese jedoch immer noch Anklang finden und nicht bereits dem Tode geweiht sind?

Der Name trügt. Mittelstand steht in Augen der Deutschen für Solidität, Zuverlässigkeit, ja sogar als eine Art Gütesiegel. Doch hier wird nach Meinung vieler Experten Etikettenschwindel betrieben. Mit utopisch hohen Renditeversprechen warben sie um Anleger. Doch ein Blick auf die Kreditwürdigkeit hätte schon so manch ein getrübtes Auge aufklaren lassen. Denn diese liegt meist bei befriedigender oder gering- bis hochausfallgefährdeter Bonität. Statt risikoarmer und sicherer Investments tummeln sich hochriskante Papiere am Markt, deren Wertentwicklung stets starken Schwankungen unterliegt und den Anlegern selbst nach vier Jahren keine Gewinne bescheren. Und die Indizes wie BondM, die ja schon nicht gut aussehen, zeigen nicht einmal das wahre Ausmaß des regelrechten Börsengrauens, da hier die Insolvenzen bei der Berechnung ausgeschlossen werden.

Nach mehreren Schlagzeilen hintereinander dürften viele Anleger verstanden haben, dass es sich bei den ach so sicheren Mittelstandanleihen um alles andere als risikoarme Papiere handelt. Einen so tragreichen Fehler begehen die wenigsten ein zweites Mal. Auch die Börsen haben in den letzten Jahren reagiert, indem sie gleich das ganze Segment aus ihrem Portfolio streichen ließen – man nehme zum Beispiel die Stuttgarter oder Düsseldorfer Börse. Auch die Zahl der Neuemissionen von Mittelstandsanleihen ist rückläufig.

Während 2015 insgesamt ein Emissionsvolumen von rund 500 Millionen Euro platziert wurde, lag das Volumen am Ende des Jahres 2016 bei rund 817 Millionen Euro. Wie das kommt? Nun, 48 % oder 410 Millionen Euro entfielen auf die Platzierung der Anleihe von Prokon. Doch mit niedrigeren Kupons (diese fielen von 6,4 auf 5,6 %), geringeren Erfolgsquoten und des ohnehin schon seit langem vorliegenden Verdachts auf ein Schneeballsystem bei Prokon verdient dieser Wert bei den Mittelstandsanleihen wenig Beachtung.

Manch ein Optimist erwartet aufgrund der derzeit lockeren Geldpolitik und der leicht zunehmenden Weltwirtschaft, die allerdings wegen weltweit politischer Unruhen und Stagnationen, wie beim wichtigen Handelspartner China, eher zu schwächeln droht, eine Erholung des IPO-Marktes (Initial Publich Offering). Doch bei aller Liebe zum Mittelstand dürften die hohe Volatilität an der Börse, die sinkenden Kupons, geringere Emissionsvolumina und vergangenen Skandale nur noch wenige Anleger anziehen. Es sei denn, durch die in den letzten Jahren stattgefundene große Auslese hat nun den Markt von Betrügern und Versagern bereinigt und den seriösen und tatsächlich zuverlässigen Emittenten den Weg geebnet. Doch der seit Gründung dieses Segments zerstörte Ruf muss zunächst mühselig und aufwendig wiederaufgebaut werden, damit die Anleger wieder Vertrauen in sie gewinnen.

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