DROHT DER ITALEXIT?

Das neue große Sorgenkind der EU, Italien, steht kurz vor einer Zuspitzung der Krise – ITALEXIT?. Das Bruttoinlandsprodukt ist momentan niedriger als noch vor 10 Jahren, zu Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise. Mit einer erdrückend hohen Steuerlast von durchschnittlich 61 % schaffen es weder Groß- noch Kleinbetriebe, diese abzuführen. Nebst dieser sieht die Arbeitslosenquote mit 12 %, bei der jüngeren Bevölkerung sogar mit 40%, ebenfalls düster aus. Doch wenn das nur alles wäre. Schlechte Schulen, marode Infrastruktur sowie die schleppend lahme Politik und Bürokratie bringen das Land auch nicht in Schwung. Doch die EU sieht keinen Grund zur Sorge. Die Krise wäre ja weitestgehend überwunden und Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), äußert sich sogar vorsichtig zu einem baldigen Ende der lockeren Geldpolitik. Während sich die deutschen Sparer freuen können, geht für die Italiener die Welt unter. Warum?

Draghi – Vom Retter zum Buhmann

Durch die Niedrigzinsphase, in der die EZB riesige Summen für den Aufkauf von Staatsanleihen ausgegeben hatte, konnten sich Länder wie eben Italien, günstig verschulden. Somit wurden Zinsen im 11-stelligen Bereich gespart. Wenn nun der Geldhahn aus Brüssel langsam zugedreht wird und sich die EZB aus Italien allmählich zurückzieht, könnte das Land in Schulden versinken. Schlimmeres: Es könnte zum nächsten Ausstieg kommen. Denn viele europäische Länder wie etwa Spanien, Österreich, Niederlande und die ohnehin schon lange meckernden Griechen, die nicht wie Deutschland von Europa am meisten profitieren und als eines der wenigen Länder einen Haushaltsüberschuss vorweisen können, haben vom Euro langsam aber sicher die Nase voll. Viele wünschen sich ihre alte Währung wie die Drachme, Lira oder Peseta zurück. Früher wäre noch alles besser gewesen, heißt es bei der dortigen Bevölkerung. Zudem kommt die Bevormundung aus Brüssel hinzu. So zumindest sehen zum Beispiel immer mehr Italiener und Spanier es und wollen sich nicht länger entmündigen lassen. Die Griechen ja sowieso. Von den Italienern verlangt man etwa, keine Schulden mehr zu machen. Nun, wenn man sich das Land, die dortige fast schon an arm grenzende Bevölkerung, das Bruttoinlandsprodukt sowie die Arbeitslosenquote ansieht, gleicht dieser Befehl einem an die Sonne, nicht mehr aufzugehen.

Keine neuen Schulden, nur wie?

Die Forderungen aus Brüssel sind ja nicht ganz unbegründet. Schließlich liegen Italiens Schulden bei 2,2 Billionen Euro. Wenn eine Tilgung beabsichtigt ist, sollte man darum bemüht sein, keine neuen aufzubauen. Doch scheinbar ist es den Italienern einfach nicht möglich. Diese sehen eine Schuldenerhöhung von rund 0,15% als weniger bedeutsam an. Doch die Deutschen beispielsweise sehen dies anders. Denn jedwede Lösung zur Rettung Italiens aus der Krise ist mit immens hohen Kosten verbunden. Und sie sehen nicht länger ein, warum sie für Fehler anderer und ihren unbedachten Umgang mit Geld immer wieder herhalten müssen. In den Augen der Italiener müssen „die im Norden“ allerdings auch einsehen, dass sie irgendwann nicht mehr sparen, noch mehr Steuern zahlen und nicht noch mehr kürzen können. Irgendwann ist auch mal Schluss. Und wenn sie bei der Rettung der Wirtschaft Italiens keine Hilfe erfahren können, stärke es nur die rechtspopulistischen Parteien, die ohnehin schon die Bevölkerung mit Parolen wie „raus aus der EU“, oder „Schluss mit Europa“ gegen den Zusammenschluss und für einen Ausstieg aus der EU aufhetzen. Europa müssen „denen in Brüssel“ doch mehr wert sein, heißt es.

Wenn allerdings Draghis Äußerungen nach und nach umgesetzt werden, droht bald eine Eskalation in der EU und statt ihrer Rettung könnte es langsam aber sicher zum völligen Ende kommen. Was wird Brüssel und der Rest der EU dagegen tun? Wir halten Sie auf dem Laufenden.

 

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