KANN MAN ISLAMIC BANKING TRAUEN? ETHISCHER ALS WESTLICHE BANKEN?

KANN MAN ISLAMIC BANKING TRAUEN? ETHISCHER ALS WESTLICHE BANKEN?

Die Finanzkrise hat das Bewusstsein der Menschen für wertebasierte Geschäftsmodelle geschärft. Die Öffentlichkeit fordert, dass Banken sich im Zuge dessen ihrer volkswirtschaftlichen und sozialen Verantwortung bewusst sind. Islamkonform arbeitende Banken kommen einem wichtigen Bedarf der Menschen nach. Islamic Banking zeigt auf, dass Profit und Ethik miteinander vereinbar sind und ist Teil des „Socially Responsible Investment“-Bereichs. Der Fokus liegt auf nachhaltigem, integrem und verantwortungsbewusstem Investieren. Alle Produkte und Dienstleistungen sind auf den Grundsätzen des islamischen Wertekanons aufgebaut. Gleichzeitig entsprechen sie den allgemeingültigen ethischen Prinzipien, was das Angebot einer islamischen Bank prinzipiell für jeden wertebewussten Menschen attraktiv macht.

Im islamischen Wirtschaftsrecht haben die Herstellung von Gerechtigkeit und das Wohlergehen der Gesellschaft oberste Priorität. Der Markt symbolisiert im Islam seit Anbeginn die menschliche Freiheit und Solidarität, gepaart mit wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Verantwortung. Die moralische Forderung an die Marktteilnehmer verlangt seit jeher Nachsicht, Gutmütigkeit und Gottesfurcht. Auf diesen Grundsätzen basiert das islamische Bankwesen. Die erste zinslos arbeitende Bank wurde im Jahr 1963 eingeführt in Mit-Ghamr in Ägypten nach dem Modell der deutschen Sparkassen gegründet.

Mit der Eröffnung des ersten islamischen Finanzinstituts im Euroraum werden erstmals die speziellen Finanzierungsbedürfnisse der Millionen Muslime berücksichtigt. Für Herausforderungen wie beispielsweise den Kfz-Kauf und die islamische Immobilienfinanzierung hat die erste islamische Bank im Euroraum Regularien erarbeitet, die konform mit der deutschen Gesetzgebung gehen und von den deutschen Behörden anerkannt wurden. Islamic Banking bedeutet für das Aktivgeschäft, dass die islamische Bank den Finanzierungswunsch des Kunden entweder als Handel oder als Beteiligung strukturiert.

Da es im Islamic Banking im Unterschied zum konventionellen, westlichen Bankwesen verboten ist, Geld gegen Zins zu verleihen, liegt der Fokus islamischer Banken auf der Realwirtschaft. Eine islamische Bank finanziert beispielsweise keine Urlaubsreisen oder einen aufwendigen Lebenswandel. Einfach das Konto überziehen gibt es bei einer islamischen Bank nicht. Zudem müssen alle Zahlungsströme zwingend mit Realgütern unterlegt werden. So wird sichergestellt, dass die volkswirtschaftliChen Ersparnisse in den Realsektor kanalisiert werden.

Das Zinsverbot ist im Islamic Banking als der prägnanteste Unterschied zu herkömmlichen Bankgeschäften bekannt. Ohne Zinsen zu arbeiten bedeutet für eine islamische Bank dennoch nicht, dass Kredite zum Nulltarif vergeben werden. Der Handel  zum Erhalt eines angemessenen Gewinnaufschlags ist im Islam erlaubt und wird an vielen Stellen sogar gefördert. Aus Sicht des Kunden wird dabei nicht allzu selten die Frage gestellt, worin der Unterschied zum konventionellen Bankwesen besteht – schließlich zahlt der Kunde sowohl im islamischen als auch beim herkömmlichen Bankwesen einen Aufpreis auf die tatsächlich erhaltene Kreditsumme. Der Anspruch einer Bank, islamisch zu sein und die Bezeichnung des Erlöses als Profit, kommen an dieser Stelle oft etwas zu kurz und reichen selbst für viele Muslime als alleinige Unterscheidungsmerkmale meist nicht aus. Daher besteht aktuell ein großer Bedarf daran, dass die relevanten Hintergründe und Zusammenhänge des islamischen Bankwesens ausreichend in den Mittelpunkt der Debatten gerückt werden, um die wahre Nachhaltigkeit und die vorhandenen Vorzüge des Islamic Bankings sowohl für den einzelnen Kunden als auch für die gesamte Volkswirtschaft erkennbar zu machen. Für das Zinsverbot gibt es, ähnlich wie bei dem Verbot des Alkoholkonsums, sowohl direkte moralische Argumente als auch volkswirtschaftliche Gründe, die aufgrund ihrer schädlichen Auswirkung auf die Gesellschaft zugleich auch ethische Werte involvieren. Das Verlangen von unverhältnismäßig hohen Wucherzinsen für den Verleih von Geld an jemand Bedürftigen ist direkt als unmoralisches Verhalten anzusehen. Der Erhalt eines angemessenen „marktüblichen“ Zinses jedoch, für den Verzicht auf die Verfügbarkeit über das eigene Geld für eine bestimmte Zeit, erscheint im konventionellen Banking zunächst völlig legitim und auch moralisch vertretbar.

Hier stellt sich nun die Frage, wieso im islamischen Wertekanon ein absolutes Zinsverbot vorgegeben ist. Beispielsweise heißt es im Koran im dritten Satz des 275. Verses im zweiten Kapitel, „…Allah hat den Handel/ den An- und Verkauf erlaubt und den Zins untersagt.“ Was also ist der Unterschied zwischen dem Gewinnaufschlag beim Handel und dem Verlangen von Zinsen auf den Verleih von Geld? Geld hat im Wesentlichen drei Funktionen – es wird als Tausch- und Zahlungsmittel eingesetzt, gilt als Recheneinheit, beziehungsweise als Wertmaßstab und als Wertaufbewahrungsmittel. Wird nun aufgrund des Verzichts auf die Verfügbarkeit über das eigene Geld für eine bestimmte Zeit eine Leihgebühr durch den Zins verlangt, wird das Geld faktisch selbst zum Handels- beziehungsweise Mietgegenstand gemacht. Zudem verzerrt der Zins die Ermittlung der Geldmenge innerhalb der Wirtschaft. Die ausgewiesene Geldmenge ist nicht mehr die gleiche Summe der sich im Wirtschaftskreislauf befindlichen Waren und Dienstleistungen. Frühe islamische Wirtschaftswissenschaftler und Philosophen definierten aufgrund dieser Eigenschaft des Geldes selbiges als „Spiegel“, der den realen Gesamtwert einer Wirtschaft wiedergibt. Wird diese Eigenschaft verzerrt, verliert das Geld an seinen Funktionen als Recheneinheit, Wertmaßstab und Wertaufbewahrungsmittel. Zins kann damit als Zuwiderhandlung gegen die Natur des Geldes klassifiziert werden.

Überwiegend britische Philosophen und Ökonomen wie Sir William Petty im 17. Jahrhundert, Adam Smith im 18. Jahrhundert, David Ricardo im 19. Jahrhundert und schließlich John Maynard Keynes im 20. Jahrhundert,schufen durch ihre historisch bedeutsamen Theorien und Modelle das Grundlagenregelwerk des heutigen Kapitalismus. Auch wenn hin und wieder Theorien wie die sogenannte „unsichtbare Hand“ zur Erklärung der Selbstregulierung der Märkte moralphilosophisch von Adam Smith aufgeworfen wurden, entwickelten jene Wissenschaftler allesamt Theorien und Modelle ohne den Faktor „Gottheit“. Die Theorien dieser westlichen Ökonomen besagen, dass es dem Menschen, dem „Homo Oeconomicus“ obliegt, bei vorliegender Ressourcenknappheit zu versuchen, seinen Nutzen zu maximieren.

Das islamische Wirtschaftssystem hingegen setzt einen Schöpfer aller Menschen und aller Ressourcen voraus, der zudem in Kapitel 35 Vers 20 Satz eins des heiligen Buches der Muslime, des Korans, besagt, dass alles auf Himmel und Erden – und somit auch die Gesamtheit aller Ressourcen – zu Diensten der Menschheit erschaffen und unter den Menschen verteilt worden ist, diese Ressourcen jedoch, wie beispielsweise Bodenschätze, Rohstoffe oder Arbeitskraft und auch Wissen, nicht zu gleichen Anteilen unter den Menschen verteilt werden. Zum einen besteht eine Unterscheidung darin, wer wovon bekommt. Diese Unterscheidung ermöglicht und macht notwendig, dass Menschen, Völker oder Nationen untereinander Handel betreiben.

Zum anderen besitzen nicht alle Menschen im gleichen Maße Ressourcen. In diesem Zusammenhang wird an vielen Stellen im Koran erwähnt, dass diejenigen, die mehr an Reichtum besitzen, eine Verantwortung und Abgabeverpflichtung gegenüber Armeren haben und dass der Besitz von Reichtum eine Prüfung darstellt, in welcher der Mensch die Bereitschaft zum Teilen der Ressourcen unter Beweis stellen muss. Somit liegt einer der größten Unterschiede des islamischen Wirtschaftssystems gegenüber dem konventionellen darin, dass die gerechtere Umverteilung der vorhandenen Ressourcen anstelle der im Kapitalismus angenommenen Ressourcenknappheit eine zentrale Rolle einnimmt. Eine derartig grundlegend unterschiedliche Herangehensweise wirkt selbstverständlich unter anderem einem der größten ökonomischen Probleme unserer Zeit entgegen dem gesellschaftlichen Ungleichgewicht.

Aufgrund des erhöhten Stellenwerts der Notwendigkeit einer gerechteren Vermögensumverteilung sieht das islamische Wirtschaftssystem neben dem Privatsektor und dem Fiskus eine weitere dritte Instanz vor. Dieser gewissermaßen autonome „Sektor“ übernimmt wichtige

Rechte und Pflichten aus dem Sozialbereich des Staates, um ein ausgewogeneres soziales Gleichgewicht in der Gesellschaft anzustreben. Dieser Sektor übernimmt beispielsweise die Regulierung des „Zakat“, einer jährlichen Vermögenssteuer und die Abwicklung von „Qard Hassan“-Transaktionen, der einfachsten Form von Geldverleih auf bestimmte Zeit ohne jeglichen Aufschlag auf die verliehenen Finanzmittel.

Die Ergänzung des Wirtschaftssystems um eine dritte, unabhängige Autonomie auf makroökonomischer Ebene, welche als Wohlfahrtssektor ein gesundes soziales Gleichgewicht anstrebt, ermöglicht eine effektivere Bekämpfung von Armut und einer übergroßen Ungleichheit zwischen den Superreichen und den Bedürftigen.

Die KT Bank AG mit Hauptsitz in Frankfurt am Main hat das islamische Bankmodell als Pionier in Deutschland eingeführt und mit den Behörden abgestimmt. Die KT Bank arbeitet auch in Deutschland auf Basis der mikroökonomischen Grundzüge des islamischen Wirtschaftssystems und handelt nach den beschriebenen Geboten und Verboten. Neben sozialer Verantwortung ist die Bank selbstverständlich auch um das Erwirtschaften von Erträgen bemüht. Hierbei werden jedoch, wie bereits erläutert, keine Zinsen festgelegt, sondern ein gewisser Profit zum Gegenstand des Geschäftes gemacht. Wie arbeitet eine islamkonforme Bank konkret in Deutschland?

Sie ermöglicht ihren Kunden den Erwerb von Wirtschaftsgütern und Dienstleistungen. Neues Mobiliar oder ein neues Kraftfahrzeug können beispielsweise Gegenstand eines Kredites sein. Die Finanzierung von Wirtschaftsgütern und Dienstleistungen entsprechend der bereits beschriebenen islamischen Negativliste ist ausgeschlossen. Zur islamkonformen Abwicklung des Geschäftes werden die Zinsen vermieden. Eine Bank agiert an dieser Stelle wie ein Händler und kauft das Wunschobjekt für den Kunden zunächst selbst ein, um es dem Kunden anschließend gegen einen angemessenen Gewinnaufschlag weiterzuverkaufen. Die neue Kaufsumme ist die ursprüngliche Kaufsumme plus Gewinnaufschlag und wird vom Kunden in vorher vereinbarten festen Raten abgezahlt.

Die islamkonforme Bank verspricht ihren Kunden keinen festen Zinssatz für ihre Einlagen. Vielmehr basiert diese Form der Geldanlage auf dem Prinzip der Erfolgsbeteiligung, wobei Bank und Kunde gemeinsam investieren und gemeinsam profitieren. So legt der Kunde Geld bei der islamischen Bank an, das diese wiederum in islamkonforme Bereiche der Realwirtschaft investiert. Der daraus erzielte Gewinn wird entsprechend eines vorher vereinbarten Verteilungsschlüssels aufgeteilt. Die tatsächliche Gewinnbeteiligung des Kunden hängt dabei maßgeblich von der Laufzeit und der Höhe der angelegten Summe ab.

Jedoch werden nicht alle Geschäftsfelder im islamischen Bankwesen anders abgewickelt als bei einer konventionellen Bank. Der Bedarf an alternativen Vorgehensweisen und Ansätzen besteht tatsächlich lediglich an Stellen, an denen das konventionelle Banking und das Islamic Banking differieren. Beispielsweise beschränken derzeit geltende, steuerrechtliche Vorgaben den Handlungsspielraum. Trotz derartiger Herausforderungen sind auch zahlreiche Sachgebiete existent, bei denen keine unterschiedliche Handhabung erforderlich ist.

Islamic Banking ist im Allgemeinen nun nicht nur auf die Tatsache des Zinsverbotes im Islam zu reduzieren und nach dem potenziellen Profit zu beurteilen, sondern als wichtiger Bestandteil eines alternativen Wirtschaftssystems zu verstehen, das die ökonomische Nachhaltigkeit und den sozialen Ausgleich nicht nur in der muslimischen Community, sondern in der Gesamtgesellschaft fordern und fördern möchte. Lesen Sie wie es die Commerzbank macht oder die Deutsche Bank bei Fraudanwalt.