AUCH KLEINANLEGER KÖNNEN IN SCHWELLENLÄNDERANLEIHEN INVESTIEREN

Um in Schwellenländeranleihen zu investieren, brauchen Anleger einen flexiblen und opportunistischen Ansatz und den Willen, sich gegen Markttrends zu positionieren. Sie müssen selektiv vorgehen, spezifische Risiken eingehen und langfristig orientiert sein, um Chancen bei Anleihen zu nutzen, welche von Schwellenländern wie Venezuela begeben werden.

Schwellenländeranleihen galten lange Zeit als eine den „Spezialisten“ vorbehaltene Anlageklasse, aber in den letzten Jahren ist das verwaltete Vermögen stark gewachsen. Dennoch gewichten die meisten Anleger diese Anlageklasse in ihren Portfolios unter. Seit einigen Monaten müssen sich Investoren mit niedrigen und sogar negativen Renditen auf europäische Staatsanleihen zufriedengeben. Doch das Rentenmarktsegment der Schwellenländeranleihen hat sich erfreulich entwickelt.

Schwellenländeranleihen sind heute eine eigene Anlageklasse. Sie bieten potenziell attraktive Renditen, sowohl relativ aus auch absolut betrachtet, und gute Möglichkeiten, ein Portfolio zu diversifizieren. Das Segment macht aktuell nur zwölf Prozent des globalen Rentenmarkts aus. Dieser Anteil dürfte aber größer werden, da Schwellenländer inzwischen rund die Hälfte zum weltweiten Bruttoinlandsproduktes (BIP) beisteuern.

Schwellenländeranleihen können auf Hart- oder Lokalwährung lauten und werden als Staatsanleihen, Quasi-Staatsanleihen und Unternehmensanleihen angeboten. Dank der steigenden Zahl von Emittenten und Anlegern hat sich der Markt in den letzten Jahren diversifiziert. Doch auch wenn sich die Mittelzuflüsse 2016 erholt haben, sind Schwellenländer in den Anleiheportfolios großer internationaler Investoren noch untergewichtet.

Die Anlageklasse wird durch langfristige Trends unterstützt. Die Fundamentaldaten von Schwellenländern sind mittlerweile wesentlich solider als in der Vergangenheit: So haben sie ihre Schuldenquoten im Allgemeinen unter Kontrolle und auch ihre Devisenreserven nehmen stetig zu. Das Bevölkerungswachstum und der Aufstieg einer Mittelschicht sind weitere wichtige unterstützende Faktoren. Natürlich gibt es Unterschiede zwischen einzelnen Wirtschaftsräumen und Ländern, und es bestehen Risikofaktoren, die gesteuert werden müssen. Eine selektives Vorgehen ist deshalb unerlässlich.

Seit 2014 achtet Edmond de Rothschild insbesondere auf das China-Risiko, welches vom Markt unterschätzt wird, und das Portfolio ist seitdem zum Teil gegen dieses systemische Risiko abgesichert. Von China geht nach wie vor die größte makroökonomische Gefahr aus. Trotz vereinzelter ermutigender Meldungen zur Wirtschaft hat das Land mit vielen Ungleichgewichten zu kämpfen. Die Schuldenquote beläuft sich auf circa 250 Prozent. Der von offizieller Seite genannte Anteil Notleidender Kredite am gesamten Kreditvolumen ist weit von der Realität entfernt und der Immobilienmarkt zeigt Überhitzungserscheinungen. Angesichts dieser Risiken hat Edmond de Rothschild seine Absicherungsmaßnahmen aufrechterhalten. Um die Chancen wahrzunehmen, muss man Themen, Länder und Unternehmen mit einem asymmetrischen Chance-Risiko-Verhältnis untersuchen, statt regional zu selektieren. In Lateinamerika hat es auf Länder und Unternehmensebene in den letzten Jahren etliche Beispiele für eine Trendwende gegeben.

Edmond de Rothschild sucht nach Anleihen, welche die eingegangenen Risiken durch Renditen kompensieren. Die Bepreisung von Risiken ist im Falle einiger Emittenten mit Investment-Grade-Rating unattraktiv. Dazu gehören osteuropäische Länder, Peru, Chile oder Thailand. Zudem sind diese Länder anfälliger für einen weiteren Zinsanstieg in den USA. Die größte Position im Edmond de Rothschild Fund Emerging Bonds ist Venezuela. Ertragsrenditen von knapp 20 Prozent und die Tatsache, dass die Kurse der meisten Anleihen unter ihren potenziellen langfristigen Rückholwerten im Fall eines Zahlungsausfalls liegen, sind Argumente, in diese Papiere zu investieren.

Venezolanische Anleihen besitzen nach wie vor Kurspotenzial und weisen eine Asymmetrie zwischen ihrem langfristigen Wert und den kurzfristigen Verlustrisiken angesichts aktueller Marktbewertungen auf. In der Politik des Landes hat nach über 15 Jahren Chavismus der Wandel begonnen. Die Opposition hat die letzten Parlamentswahlen gewonnen und kontrolliert jetzt den Kongress. Der Machtkampf zwischen Regierung und Opposition geht weiter, denn die Kosten einer Machtaufgabe sind für das amtierende Regime hoch. Das Militär besitzt aufgrund seiner politischen und wirtschaftlichen Macht eine Schlüsselstellung und nimmt anscheinend eine pragmatischere Haltung ein, indem es den Willen des Volkes beachtet. Zudem steigt der äußere Druck auf die Regierung, den Volkswillen zu respektieren. In vielen verbündeten lateinamerikanischen Ländern wie Argentinien und Brasilien gibt es neue Regierungen, die den Machtmissbrauch des Regimes von Präsident Nicolas Maduro wesentlich kritischer sehen als ihre Vorgänger.

Der venezolanischen Regierung war es stets wichtig, ihre Schuldendienstzahlungen aufrechtzuerhalten und Konflikte mit ihren internationalen Kreditgebern zu vermeiden, um die Ölwirtschaft des Landes vor Schaden zu bewahren, Venezuela nimmt durch den Ölexport mehr als 95 Prozent seiner US-Dollar-Devisen ein. Die Verschuldung des Landes ist moderat, und  es verfügt über die Mittel, langfristig seine Schulden zu begleichen, da es die weltweit größten Erdölvorkommen besitzt. Die Zahlungsbereitschaft ist hoch, auch wenn es wegen einer verfehlten Wirtschaftspolitik kurzfristig Liquiditätsprobleme gibt. Daher sieht Edmond de Rothschild selbst bei Betrachtung des ungünstigsten Szenarios mit einem möglichen Zahlungsausfall und einer Umschuldung Wertpotenzial.

Mexiko könnte ein eindrucksvolles Comeback erleben. Das Land ist gegenwärtig eines der attraktivsten Länder im Edmond de Rothschild Anlageuniversum – insbesondere auf der Lokalwährungsseite. Nach den US-Wahlen sind mexikanische Vermögenswerte massiv unter Druck geraten. Der mexikanische Peso ist weltweit eine der billigsten Währungen, und wenn man der Überzeugung ist, dass die Regierung Trump wegen der engen Verflechtung beider Länder eine vorsichtige Politik verfolgen muss, gibt es gute Argumente zu investieren.

Der mexikanische Peso ist durch zwei Entwicklungen ab 2013 beeinflusst wurden. Zunächst wurden die Währungen der Schwellenländer durch das „Taper Tantrum“ aufgeschreckt, die Besorgnis über die erwartete Ankündigung der US-Notenbank Fed, ihre Anleihekäufe allmählich zu drosseln. Trotz der Fundamentaldaten haben Anleger den mexikanischen Peso als Stellvertreter benutzt, um den Markt leer zu verkaufen, denn der Peso ist die liquideste Schwellenländerwährung und weist ein geringes Carry auf, sodass Leerverkäufe nicht zu teuer sind. Die Folge war eine erste, nicht gerechtfertigte Abwertung des Pesos.

Nach Trumps Wahlsieg verlor die Währung erneut an Wert. Aber wie sich inzwischen zeigt, ist die Trump-Regierung anscheinend pragmatischer und bereit, eine für beide Seiten vorteilhafte Vereinbarung mit Mexiko anzustreben. Diese beiden Episoden haben zu einer Unterbewertung des mexikanischen Pesosgeführt. Deshalb ist Edmond de Rothschildt in Anbetracht der Fundamentaldaten und der technischen Faktoren von einer Long-Positionierung in der mexikanischen Währung überzeugt. Brasilien, das ebenfalls einen tiefgreifenden politischen Wandel erlebt, gehört zu den südamerikanischen Ländern, von denen Edmond de Rothschild unter Anlagegesichtspunkten am meisten überzeugt ist. Eine Zäsur in der Politik brachte die erwartete Amtsenthebung von Präsidentin Dilma Roussef. Das stellte einen Wendepunkt dar, nachdem viele brasilianische Vermögenswerte Anfang letzten Jahres aufgrund des zu dieser Zeit herrschenden Bewertungsniveaus und der Markpositionierung attraktiv waren. Seitdem sind die Chancen wieder gesunken.

Auch Argentinien hat einen interessanten Wandel erlebt und gehörte zwischen 2013 und 2016 zu den drei überzeugendsten Anlageideen. Das Wachstumspotenzial ist noch positiv, allerdings sind das Bewertungsniveau und die Marktpositionierung nicht mehr so attraktiv, wie sie einmal waren. Edmond de Rothschild befasst sich zurzeit auch mit einem viel kleineren Land, nämlich Belize, das mit seinen Kreditgebern über eine Umschuldung verhandelt. Zum zweiten Mal in weniger als fünf Jahren.

Vor einer Investition betrachtet Edmond de Rothschild neben den wirtschaftlichen Fundamentaldaten und möglichen wirtschaftlichen und politischen Wendepunkten immer auch alle technischen Elemente. Es ist wichtig, diese technischen Aspekte wie Mittelflüsse, Marktpositionierung und Bewertungsniveau zu berücksichtigen, vor allem wegen der im Vergleich zu vor zehn Jahren geringeren Liquidität am Markt. Ausschließlich auf die wirtschaftlichen Fundamentaldaten abzustellen, ist nicht effizient. In diesem Sinne müssen Reisen opportunistisch sein – vor allem dort, wo wenig Analysen verfügbar sind. Man sollte vorsichtig sein, um nicht von den Eindrücken vor Ort getäuscht zu werden und diese ohne Beachtung aller übrigen Faktoren überzugewichten. Das Risiko liegt darin, allein auf dieser Grundlage falsche Anlageentscheidungen zu treffen.

Der Edmond de Rothschild Fund Emerging Bonds verfolgt einen flexiblen, opportunistischen Ansatz. Das Anlageuniversum ist breit, und der Fonds kann seine Renditequellen diversifizieren, indem er in Hart- und Lokalwährungsanleihen, in Devisen, Staats-, Quasi-Staats- und Unternehmensanleihen investiert. Allerdings tendiert er dazu, hauptsächlich in auf Hartwährung lautende Staats- und Quasi-Staatsanleihen zu investieren, da dieses Segment eine deutlich größere Auswahl an Anlageinstrumenten bietet. Auf Hartwährung lautende Staatsanleihen, die weltweit von circa 80 Ländern emittiert werden, bilden das größte Anlageuniversum. Dagegen sind die Märkte für Lokalwährungsanleihen hauptsächlich auf 15 Länder konzentriert.

Der Edmond de Rothschild Fund Emerging Bonds kann sich deutlich von großen Indizes für Schwellenländeranleihen entfernen und hohe Wetten abschließen, die manchmal auf Argumenten basieren, die vorherrschenden Anlageüberzeugungen widersprechen. Benchmark orientierte Anlagestrategien eignen sich wegen der einseitigen Ausrichtung von Indizes nicht für Schwellenländeranleihen. Es ist wichtig, auf starke langfristige Überzeugungen zu setzen. Jahr für Jahr hängt die Performance in diesen Märkten davon ab, dass man eine begrenzte Zahl spezifischer Investments identifiziert.

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