INVESTITIONEN IN CHILE MIT VIELEN RISIKEN VERBUNDEN

INVESTITIONEN IN CHILE MIT VIELEN RISIKEN VERBUNDEN

Dezember 2016 veröffentlichte die chilenische Regierung gemeinsam mit der Agentur zur Förderung von ausländischen Investitionen (InvestChile) ein neues  Strategiekonzept, um ausländische Investoren für den global ausgerichteten Dienstleistungssektor des Landes zu gewinnen. Das ambitionierte Ziel ist eine Erhöhung des gegenwärtigen Exportvolumens von drei Milliarden auf fünf Milliarden US-Dollar bis zum Jahr 2020. Dafür werden ausländische Unternehmen gesucht, die in den Aufbau von insgesamt 20 Technologiezentren investieren.

In den letzten sechs Jahren erreichte die chilenische Wirtschaft ein nachhaltiges Wachstum von durchschnittlich 4,2 Prozent und liegt über dem globalen Durchschnitt von 2,9 Prozent. Während das Wirtschaftswachstum lateinamerikanischer Staaten seit 2014 stagnierte, blieb das chilenische Wachstum hingegen stabil. Im internationalen Vergleich wird offensichtlich, dass Chile eine überdurchschnittlich gute Bewertung in Rankings aufzeigt, die als wichtige Indikatoren für unternehmer- sowie wirtschaftsfreundliches Klima gelten. Dabei führt Chile – teils mit erheblichem Vorsprung – Lateinamerika an und steht auch im globalen Vergleich auf den vorderen Plätzen. Aus Sicht der dominanten Ratingagenturen wie Fitch (A+), Standard & Poor’s (AA-), Moody’s (Aa) und DBRS (AA-) weist Chile ein niedriges Risikoprofil für Investoren auf. Und nebenbei bemerkt, auch der Korruptionswahrnehmungsindex zeugt von einer hohen Integrität des chilenischen Wirtschaftslebens.

Aufbauend auf diese soliden Standortvorteile soll mithilfe des Dienstleistungssektors die Abhängigkeit vom Rohstoffexport, allen voran dem Kupfer, reduziert werden. Erste Erfolge zeichnen sich ab. Trotz des relativ kleinen Binnenmarktes mit seinen 17 Millionen Einwohnern konnten in den letzten Jahren hohe Investitionszuflüsse verzeichnet werden. Nach Brasilien und Mexiko ist Chile der drittgrößte Empfänger von ausländischen Direktinvestitionen in der Region. Nach den Zahlen der Welthandels- und Entwicklungskonferenz sind 130 Milliarden US-Dollar zwischen 2010 und 2015 in das südamerikanische Land geflossen, was durchschnittlich neun Prozent des Bruttoinlandsproduktes entspricht. Chile gehört damit weltweit zu den zwanzig wichtigsten Empfängerstaaten für Auslandsinvestitionen.

Invest-Chile hat die Eröffnung von Missionen in acht Ländern angekündigt, um in den direkten Kontakt mit Unternehmen aus den Bereichen Exportwirtschaft und digitalen Dienstleistungen treten zu können. Im Mittelpunkt stehen dabei IT-Unternehmen mit technologischen Know-how in den digitalen Zukunftsbranchen. Es gilt, eine Schnittstelle zwischen neuen Trends wie Internet der Dinge und Industrie 4.0 mit Branchen wie Bergbau, Gesundheitswesen, Nahrungsmittelindustrie, moderne Produktionsverfahren, Solarenergie und nachhaltige Bauwirtschaft zu schaffen.

Der chilenische Wirtschaftsminister Luis Felipe Céspedes betonte, dass die Priorität der Regierung darin liege, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen weiter zu verbessern. „Die Transformation des Dienstleistungssektors hin zu einem starken Wachstumsmotor erlaubt uns, mehr und höherwertige Arbeitsplätze für Fachkräfte bereitzustellen und dabei ein besseres Land zu schaffen“, bekräftigte er.

Daher setzt die Investitionsstrategie auf eine unerschöpfliche Ressource der chilenischen Wirtschaft für Investoren: Humankapital. Chilenische Ingenieure entwickeln in der Hauptstadt Santiago de Chile bereits heute innovative Schaltungselemente für die iPhone-Serie. Das spanische Unternehmen Everis beschäftigt in der südlichen Region Araucanfa 900 Mitarbeiter. Rund 30 Prozent der Beschäftigten gehören der indigenen Bevölkerung an und arbeiten unter anderem für den IT-Bereich des Unternehmens. Die größte US-amerikanische Wirtschaftsauskunftei Equifax möchte das unternehmenseigene Entwicklungszentrum in Chile ausbauen. Das größte Innovationszentrum des Unternehmens beschäftigt 160 Softwareentwickler und bietet Serviceleistungen für 24 Länder an, in denen der Finanzdienstleister tätig ist.

Der Schwerpunkt soll wegführen von Rohstoffen hin zu hochwertigen Dienstleistungsbranchen. Wenngleich die reichen Rohstoffvorkommen wie Kupfer und Lithium zugleich auch Argumente für einen attraktiven Industriestandort sind. Die Veredelung von Nahrungsmitteln, der Ausbau der erneuerbaren Energien und technologischen Optimierung von Ressourcennutzung sowie nachhaltiger Tourismus sind anvisierte Schwerpunkte des wirtschaftlichen Erneuerungsprozesses des Landes. Der Wille zur Veränderung ist vorhanden und verspricht zuversichtliche Aussichten für die Zukunft.