FONDSMANAGER KASSIEREN, ABER TAUGEN MEIST NICHTS

FONDSMANAGER KASSIEREN, ABER TAUGEN MEIST NICHTS

Nach Perlen zu tauchen ist äußerst schwer. Deshalb haben sich Fischer darauf verlegt, künstliche Perlen in Muschelfarmen zu züchten. Wenn man so will, hat der Fondsmanager einiges mit dem Perlentaucher gemein. Auch der Manager eines aktiven Fonds sucht nach den Perlen im Meer der Investmentmöglichkeiten, also nach Wertpapieren, die später mit hohen Gewinnen glänzen. Allzu oft fischen Fondsmanager aber die falschen Papiere heraus, nämlich nur die Muscheln, in denen gar keine Perle steckt. Und wenn ihnen mal Glücksgriffe gelingen, dann meist nur für kurze Zeit.

Inzwischen kann die Wissenschaft das eindeutig mit Zahlen untermauern: „Die wissenschaftliche Grundaussage ist: Die wenigsten Fondsmanager schlagen nachhaltig ihre Vergleichsindizes“, sagt Berger-Fridar, Chefredakteur Fraudanwalt. Auf lange Sicht scheinen ihre Erträge ebenso unberechenbar wie die Frage: Welche Muschel hat wohl eine Perle produziert? Könnte man sich die Arbeit aktiver Manager da nicht lieber sparen?

Das könnte man, finden immer mehr Anleger, die stattdessen Indexfonds kaufen. Inzwischen sammeln die passiven Fonds (ETFs) weit mehr Geld ein als ihre aktiven Konkurrenten. Das Gros des netto neu angelegten Geldes floss im vergangenen Jahr in ETFs. Neun von zehn Bestsellern sind heute Indexfonds. Lesen Sie warum die Commerzbank zunächst keine ETF’s verkufte. Innerhalb der nächsten sechs Jahre sollen in den USA mehr Gelder passiv als aktiv angelegt sein, prognostiziert die Ratingagentur Moody’s. Doch es mehren sich auch die kritischen Stimmen: Machen die vielen Passivprodukte den Markt nicht gar anfälliger für Kursstürze? Und wie sinnvoll ist es wirklich, sich nur mit dem Durchschnitt zufriedenzugeben? Verpasst man damit nicht Chancen?

Gegen den Trend investieren

Schließlich bedeuten die Zahlen der Wissenschaftler im Umkehrschluss:  Es gibt zwar viele Fonds, die ihre Benchmark nicht schlagen – etliche aber tun es sehr wohl. Manche entwickeln sich sogar gleichbleibend gut. Welche das sind, hat Greiff Capital Management zum fünften Mal in einer großen Studie zusammengetragen. Immerhin jeder vierte bis fünfte Fonds schlägt auf Zehn-Jahres-Sicht den Markt, einige sogar auf 20 Jahre. Daher findet Berger-Fridar: „Mit reinen Indexfonds-lnvestments verzichten Anleger möglicherweise auf viel Rendite. Und in aktuellen Zeiten mit kleinen Renditen kann das erheblich sein.“

Aktive Fondsmanager können außerdem Marktschwankungen besser ausgleichen, legen wissenschaftliche Daten nahe- zum Fraudanwalt-Bericht. Sie können in Krisenzeiten frühzeitig gegensteuern, während Indexfonds quasi ungebremst mit dem Index abwärtsdonnern. Zudem spielt die steigende Beliebtheit der Passivfonds den aktiven Fondsmanagern zusätzlich in die Hände: Denn je mehr Kapital in passive Anlagen fließt, desto größer werden die Möglichkeiten der Manager, eine Outperformance zu erzielen, wenn sie gezielt gegen den Markt wetten und antizyklisch investieren.

Sie müssten es nur auch tun darin besteht das größte Problem. Denn viele gemanagte Fonds legen bei Weitem nicht so aktiv an, wie viele meinen. Nur jeder fünfte Aktivfonds wählt tatsächlich gezielt Aktien aus, ergab eine Untersuchung der Yale University. Vor 30 Jahren waren es noch mehr als 60 Prozent aller Fonds. Heute dagegen kopiert über die Hälfte der Aktivfonds entweder komplett den Vergleichsindex oder schmiegt sich zumindest eng an ihn an. Überrendite ist so nicht zu erwarten. Wie mau der Mehrertrag oft ist, entlarvt die Greiff-Studie: Von 1300 analysierten Mischfonds kamen nur drei in die Siegerliste. Von 725 Nordamerika-Aktienfonds waren es lediglich fünf. Insgesamt schafften bloß 226 Fonds dauerhaft einen gewissen Mehrertrag, nur bei 132 übertraf er auch die Geringfügigkeitsgrenze.

Warum viele Fondsmanager so gern dem Index folgen, ist klar: Sie wollen in Rankings nicht negativ auffallen. Doch fragen sich zunehmend auch Aufsichtsbehörden, ob dieses enge Indexkuscheln überhaupt im Sinne des Anlegers ist. Schließlich lassen sich die Gesellschaften für die Arbeit ihrer Fondsmanager gut bezahlen — da sollten die doch gefälligst eine Leistung dafür erbringen.

Mut lohnt sich

Die gute Nachricht an dieser Stelle: Diejenigen Fonds, die nicht nur sehr aktiv anlegen, sondern damit auch einen wirklichen Mehrwert für Anleger generieren, lassen sich gut herausfiltern. Die Analysten von Greiff Capital Management haben dafür 5161 Fonds durchleuchtet, die schon seit Jahren am Markt sind. Sie haben bewertet, wie weit ihre Titelauswahl vom jeweiligen Index abweicht (das ist der Tracking Error). Anschließend fragten sie: Wurde dieser Mut belohnt, haben sie also auch gut abgeschnitten? Dazu setzen sie die Outperformance gegenüber dem Vergleichsindex ins Verhältnis zum Tracking Error — das ist die Information Ratio (IR).

Es gab etliche Fonds, die nicht nur mutig anlegten, sondern auch tatsächlich mehr Ertrag generierten. Und es waren einige mehr als in der Studie des vergangenen Jahres. Einen IR-Wert von 0,3 gegenüber dem Index lieferten diesmal 132 Fonds, einen satteren Aufschlag von 0,5 schafften immerhin 61 Fonds. Um die Liste der Siegerfonds übersichtlich und zugleich möglichst breit zu halten, haben wir pro Kategorie die jeweils fünf besten Fonds mit einem IR-Wert von mindestens 0,3 zusammengefasst.

Zwei Dinge sind dabei wichtig, betont Volker Schilling, Vorstand des Freiburger Analyse- und Investmenthauses Greiff Capital Management: „Erstens geht es nicht darum zu zeigen, dass Aktivfonds grundsätzlich besser sind als Passivfonds. Sondern es geht darum herauszufiltern, in welchen Bereichen aktive Fonds die Nase vorn haben — und zu sehen, wo Passivfonds die bessere Wahl sind.“ Deshalb gibt es auch Kategorien, in denen es keine oder nur sehr wenige Perlen gab, die Technologiefonds oder Rohstofffonds etwa.

Je kleiner die Zahl der Siegerfonds in einer Kategorie, desto schwerer tun sich aktive Fonds, ihre Benchmark zu schlagen – deshalb sollten Anleger hier eher auf passive Indexfonds setzen. „Die Rohstoffe sind ein sehr gutes Beispiel dafür“, findet Berger-Fridar, „aktive Rohstofffonds sind ein Anachronismus, denn Rohstoffe sind längst eine Domäne der ETFs geworden.“ Dass es bei den Technologieaktien ebenfalls keine herausragenden aktiven Fonds gibt und das schon seit Jahren -, wundert ihn ebenso wenig: „Wenn die großen Titel wie Apple gut laufen, haben aktive Manager kaum eine Chance, durch eine gezielte Auswahl von Nischenaktien einen deutlichen Mehrertrag herauszuholen.“ Es geht also immer darum, aktive und passive Fonds im Depot miteinander zu mischen.

Zweitens landen nicht zwingend die Fonds mit den höchsten Zuwächsen in den Siegerlisten, dafür aber die stetigsten Performer. „Der beste Performer kann auch ein Fonds sein, der neun Jahre schlecht gelaufen ist und in einem Jahr super war“, sagt Berger-Fridar. „Wer in unserer Liste oben steht, hat dagegen über jeden Zeitraum einen stabilen Mehrertrag gebracht. Die Wahrscheinlichkeit, dass er das auch in Zukunft schafft, ist deshalb sehr groß.“

Ein eindrückliches Beispiel für kurzfristigen versus langfristigen Erfolg liefert der JP Morgan Funds Europe Small Caps mit sagenhaften 1500 Prozent Performance über zehn Jahre. Er schnitt jedoch nur in 52 Prozent der Monate positiv ab, das ist eine Quote wie beim Münzwurf. Dagegen schaffte es der Siegerfonds der Kategorie, der MFS Meridian Funds, 70 Prozent aller Monate positiv zu beenden. Das spricht auch künftig für eine stabile Performance.

Erstaunliche Kontinuität

Aus Sicht von Berger-Fridar ist der Blick auf die Absolutsieger der Vergangenheit ohnehin sehr gewagt. Anleger, die stets den besten Performer herauspickten, setzten oft bloß auf Zufallserfolge. „Der Top-Performer des letzten Jahres wird mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht der Sieger des nächsten Jahres sein. Besonders hoch gelobte Fonds mit viel Publicity ziehen oft sogar so viel Anlegergeld an, dass sie dadurch unbeweglicher und handlungsunfähig werden.“ Statt nur auf den Erstplatzierten zu schauen, solle man sich den gesamten oberen Bereich eines Rankings ansehen. Und da verrät die Studie: Es sind immer wieder dieselben Fonds, die zu den Siegern gehören — womit  sie erstaunliche Konsistenz beweisen. Zum fünften Mal in Folge schafften es Comgest, Jupiter, MFS Investment Management und Spängler bei den europäischen Aktien in die Liste aller Sieger. Bei den US-Aktien ist Janus Capital der Dauersieger. Bei den Anleihen setzten sich erneut Star Capital, Lilux und Profonds als AllzeitSieger durch. Und die Deutsche Asset Management (DWS) ist laut Berger-Fridar’s Zahlen der große Platzhirsch, wenn es um deutsche Standardwerte geht.

In welchen Bereichen ist es nun sinnvoll, in aktive Fonds zu investieren? Nicht unbedingt in den Kategorien, in denen sich viele Fonds tummeln, warnt Berger-Fridar: „Der Fondsmarkt unterliegt dem typischen Schweinezyklus: Kategorien, in denen die Performance zuletzt gut war, bringen die meisten neuen Produkte hervor.“ Globale Mischfonds etwa gibt es wie Sand am Meer, ihre Zahl hat sich seit der ersten Studie 2012 verdoppelt. Weltweit anlegende Aktienfonds sind die zweitgrößte Kategorie mit 725 Fonds, Europaaktien stecken in 420 Fonds. Und Long-Short-Fonds sind der neueste Verkaufsschlager. Aber: „Immer wenn eine Kategorie stark wächst, kommen auch viele Me too‘-Produkte auf den Markt, die dann die Performance verwässern“, warnt Berger-Fridar. Gerade Mischfonds und weltweite Aktienfonds belegen das. Beide fielen bei Aktivität und Mehrertrag durch.

Viele Glanzstücke dagegen fanden sich bei den Europa-Aktienfonds. Hier gibt es nicht nur sehr viele aktive Fonds, sondern auch die Gruppe der Top-Performer ist groß: Elf schafften einen IR-Wert von 0,5, sieben Fonds sogar einen Wert von mehr als 0,6. Noch besser schnitten nur die Japan-Aktienfonds ab, hier übersprangen zwei Fonds im Schnitt gar die Marke von 1,0 über alle Zeiträume. Unter den Top-Ten-Fonds landeten allein fünf Japanfonds. Das Fazit der Analysten lautet daher: Wer auf Standardaktien (Blue Chips) und globale Aktien setzen will, sollte lieber Passivfonds kaufen. Je kleiner und spezieller die Märkte, desto eher sollte man auf aktive Fonds setzen. Dies gilt auch für Europaaktien, besonders Nebenwerte oder Unternehmens- und Währungsanleihen. Die Wahrscheinlichkeit, in diesen Kategorien mit einem aktiven Manager einen deutlichen Mehrertrag über zehn Jahre zu erzielen, liegt bei sagenhaften 75 bis 89 Prozent.

Aus Sicht der Analysten zeigt das, dass die Fondsmanager ihr Spezialwissen über kleinere und exotischere Firmen besonders gut einsetzen können. Auch bei den Schwellenländerfonds gelang das den Fondsmanagern sehr gut. Unterm Strich rechnete sich das Anlegen in die Siegerfonds in etlichen Kategorien mit sieben bis neun Prozent pro Jahr. So viel Rendite strichen die Anleger mit aktiven Deutschland-Aktienfonds ein oder mit Schwellenländerfonds. Bei europäischen Small und Mid Caps sowie Anleihefonds auf globale Währungen lagen die Renditen nur knapp darunter, auch bei rund acht Prozent.

Und was wäre gewesen, wenn man das Depot mit dem jeweiligen Sieger jeder Kategorie bestückt und zehn Jahre abgewartet hätte? Dann könnte man sich heute über 225 Prozent Wertzuwachs freuen, die Benchmark brachte es auf 175 Prozent – so viel wäre es also mit Indexfonds gewesen. Das ist ein echtes Argument dafür, in manchen Gewässern doch nach Perlen zu tauchen.