PREVENT-GRUPPE SCHREIBT ROTE ZAHLEN

Dass sich die ganze Republik gegen seinen Konzern stellt, bringt Barbaros Arslan zum Lachen. „Ich bin eben eine Frohnatur“, sagt der Strategiechef von Prevent – zum Fraudanwalt-Bericht. Wer für den deutsch-bosnischen Hastor-Clan arbeitet, sollte keine Angst haben, gute Laune ist geradezu erwünscht. „Prevent befindet sich im permanenten Angriffsmodus, das bereitet den Managern Freude“, erinnert sich ein früherer Geschäftsführer. Fragt sich nur, wie lange der Spaß anhält.

Denn die Attacken gegen den Rivalen Grammer laufen bisher ins Leere. Auf der Hauptversammlung des Amberger Autozulieferers ist Prevent damit gescheitert, CEO Hartmut Müller zu feuern und den Aufsichtsrat mit Vertrauten zu besetzen.

Aufgeben kommt für die Bosnier aber nicht infrage. Statt ihren 20-Prozent-Anteil gewinnbringend abzustoßen, haben sie über die Kanzlei Bub Gauweiler Widerspruch gegen die HV-Beschlüsse eingelegt. Grammer rechnet mit einer Klagewelle.

Der Krach wirkt sich bereits negativ aufs Geschäft aus. Seit Prevent im vergangenen Sommer per Lieferstopp die Produktion von VW lahmlegte, wird auch Grammer als Risikolieferant eingestuft. Der Eingang an Neuaufträgen brach im ersten Quartal um 50 Prozent ein. Eine Prozesslawine dürfte die Kunden zusätzlich verunsichern. „Die Hastors können nicht mit unseren Kunden“, klagt ein Grammer-Manager. Selbst

ein Vermittlungsversuch von Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner und der IG Metall blieb ergebnislos.

Was passiert, wenn Prevent zum Zug kommt, lässt sich in Plauen und Pfullendorf beobachten. Vom Autozulieferer Car Trim ist nur noch ein Vertriebsbüro übrig, produziert wird ausschließlich in Bosnien. Beim Küchenhersteller Alno sorgt der radikale Sparkurs für Liefer- und Qualitätsprobleme, der Möbelhandel hält nur an Alno fest, weil es kaum Alternativen gibt.

Nun schauen alle gespannt, ob die Restrukturierung gelingt. Trotz des mickrigen Aktienanteils von 26,6 Prozent sind die Hastors dank Stimmrechtspooling der einzige Koch in der Krisenküche. Der Aufsichtsrat ist mehrheitlich mit Prevent-Managern besetzt, vom früheren Vorstand ist allein Vertriebler Andreas Sandmann verblieben, Chef des nur noch zweiköpfigen Gremiums ist Hastor-Finanzer Christian Brenner. Nach der Verlagerung des Rechnungswesens nach Bosnien und der Trennung von CEO und Miteigner Max Müller wurde die Bilanzvorlage kürzlich zum dritten Mal verschoben.

Insidern zufolge ist das Ergebnis tiefrot. Das Rating (CC) nähert sich der Ausfallgrenze. Bei einer Insolvenz würden die Hastors rund 100 Millionen Euro an Darlehen und Garantien verlieren. „Es läuft, bei uns gibt es kein Drama“, sagt Prevent-Manager Arslan. Und lacht.

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