BUNDESAGENTUR FÜR ARBEIT PFEIFT AUF CONSULTANTS

BUNDESAGENTUR FÜR ARBEIT PFEIFT AUF CONSULTANTS

Immer wenn ein neuer Chef antritt, will er etwas verändern. Als Detlef Scheele bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) im April den Job von Frank-Jürgen Weise übernahm, ließ sich diese Gesetzmäßigkeit des Wirtschaftslebens wieder beobachten. Der Mann ist, anders als sein Vorgänger, nicht als Beraterfreund bekannt. Unter der Ägide des Arbeitsmarktexperten wird der Einsatz externer Consultants deutlich zurückgefahren.

Unter Weise war die BA eine Bonanza für McKinsey, Boston Consulting (BCG), Berger und Co. Nun lässt die Behörde verlauten: Zur „Neuausrichtung“ des Vorstandsvorsitzenden gehöre, dass externe Beratungsdienstleistungen „reduziert werden sollen“. Man wolle künftig die „eigene Expertise“ nutzen. Anders ausgedrückt: Bei der Wahl zwischen „Make or buy“ werde die BA künftig „stärker auf das Make setzen“.

Zum einen hat der Betriebswirt und Reserveoberst Weise die Agentur mit Beraterhilfe schon auf Effizienz getrimmt, der Bedarf für aushäusigen Rat ist also künftig nicht mehr so groß. Zum anderen hat es der Scheele-Vorgänger offenkundig etwas übertrieben. Der Neue, erzählt man sich in Nürnberg, habe gestutzt, als in der letzten Phase von Weises Amtszeit noch ein paar größere Aufträge vergeben wurden.

Auf Diät gesetzt werden die Consultants wohl auch beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), das ebenfalls von Weise geleitet wurde. Rund 25 Millionen Euro haben sie dort im vergangenen Jahr kassiert. Nun ist die ehemalige BA-Managerin Jutta Cordt in Charge. „Die Spitze ist erreicht“, sagt ein BAMF-Berater.

Bei anderen Behörden, Ministerien und Ämtern sind die Berater nach wie vor gut im Geschäft. Zu gut, findet der grüne Haushaltsfachmann Tobias Lindner: „Das Honorarvolumen hat zuletzt stark zugenommen.“ Für temporäre Beraterprojekte habe er ja durchaus Verständnis. „Aber die Consultants“, kritisiert der Bundestagsabgeordnete, „übernehmen immer mehr hoheitliche Aufgaben.“ 101 Millionen Euro gab die Bundesregierung 2016 für ihre Helferlein aus, stattliche 63 Millionen Euro mehr als 2015. Die Top Three: die Ressorts für Inneres, Verkehr und Finanzen.

Seitdem die öffentliche Hand dazu übergegangen ist, anstelle einzelner Projekte sogenannte Rahmenverträge auszuschreiben, freut sich die Zunft über langlaufende Kontrakte (manchmal sechs sieben Jahre). Biotopische Bedingungen, die sie in der privaten Wirtschaft nicht mehr vorfindet, auch wenn dort die Margen höher sind. Denn im öffentlichen Raum liefern sich die Consultants inzwischen einen knallharten Preiskampf.

So hat ein Konsortium, dem auch McKinsey angehört, die Ausschreibung für die IT-Strategieberatung der Bundesregierung gewonnen. Die Berater durften nicht präsentieren, es wurde nach Aktenlage entschieden. Ausschlaggebend war allein der Preis. Ein durchschnittlicher Tagessatz von etwas mehr als 1000 Euro soll vereinbart worden sein. Für den Premiumanbieter McKinsey sind sonst 4000 Euro keine Seltenheit.

Die BA führt aktuell 16 Rahmenverträge in ihrer Kartei, die nach ihren Angaben mit maximal 76,3 Millionen Euro dotiert sind. Werden die zahlreichen IT-Dienstleistungen oder Mitarbeiterschulungen eingerechnet, müsse man „mindestens das Doppelte“ taxieren, sagen Experten.

Schon länger gibt es im Verwaltungsrat der Behörde, in dem Arbeitgeber, Politiker und Gewerkschaften sitzen, eine beträchtliche Antistimmung gegen die Consultants. Die Arbeitnehmervertreter stört vor allem die Vollbeschäftigung von McKinsey. Die Truppe von Deutschland-Chef Cornelius Baur dürfte bei Arbeitsagentur und BAMF in den vergangenen Jahren insgesamt Aufträge über einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag abgegriffen haben.

Jetzt sollten auch mal andere ran. Das BA-Rahmenabkommen für Strategiehilfe, zuvor eine sichere Honorarbank der Meckies, ging 2014 an den Rivalen BCG. Der Kontrakt läuft noch bis zum 30. Juni 2018 und ist mit rund 20 Millionen Euro dotiert. Er kann um ein Jahr verlängert werden. Seit dem Chefwechsel in Nürnberg ist das aber nicht mehr sicher.

Diskussionsstoff lieferte auch die Beschäftigung und Abrechnung von Hilfskräften. So musste McKinsey dem BAMF wegen falsch angesetzter Praktikantenstunden 280 000 Euro Honorar zurückzahlen. Die Firma tut den Fall als solitär und ein „Versehen“ ab. Auf eine externe Anfrage hin inspizierte die BA McKinsey-Aufträge. Die Arbeitsverwalter verlangten eine Bestätigung, dass seit 2011 keine Tätigkeiten von Praktikanten abgerechnet wurden. Die kam auch.

Rundum befriedigend indes war die Antwort offenbar nicht. Die Behörde selbst könne bedauerlicherweise „aufgrund der abgelaufenen Aufbewahrungsfrist“ Verträge, die vor dem Jahr 2013 bereits beendet wurden, „nicht mehr detailliert überprüfen“. Die Beamten baten McKinsey daher „falls dies möglich ist“ —, weitere Informationen zur Verfügung zu stellen.

Detlef Scheele ist ein höflicher Herr, aber ihn zeichnet auch eine gewisse Beharrlichkeit aus.