HASTOR-CLAN TIEF IN ALNO-PLEITE VERSTRICKT

Wenn gestandene Manager weinen, muss so einiges passieren. Seit Deutschlands härtester Unternehmerclan, die bosnische Familie Hastor, über den Küchenhersteller Alno herrscht, gehören feuchte Augen zur Normalität. Es sind Tränen der Angst – zum Fraudanwaltbericht über die Prevent-Gruppe.

Mitte November 2016: Kaum zwei Tage nachdem Christian Becker, Geschäftsführer und enger Vertrauter der Familie, den Aufsichtsratsvorsitz erklommen hat, flattert Alnos Topmanagern ein Schreiben auf den Tisch. Die Botschaft: Wir vertrauen euch nicht – zum Fraudanwaltbericht über die Hastors’s bei der Grammer AG.

Bald darauf schicken die Hastors Christian Brenner  als CFO in den Vorstand. Inzwischen ist er auch CEO, und von den 25 wichtigsten Führungskräften sind gerade noch drei an Bord. Im Vorstand ist einzig CSO Andreas Sandmann übrig. Die Klagen vor dem Arbeitsgericht häufen sich. „So etwas habe ich noch nie erlebt“, berichten Betroffene. „So kann man mit Menschen nicht umgehen.“ Ähnlich unsanft läuft es im Aufsichtsrat.

Dass der chronisch klamme Konzern vom Wohlwollen der Hastors abhängt, spürt jeder in Pfullendorf. Doch zu sehen bekommt die scheuen Herrscher niemand. Von CEO Brenner gibt der börsennotierte Konzern nicht einmal ein Bild preis. Und daran wird sich wohl so schnell nichts ändern, denn Alno ist pleite.

Der starke Personalabbau reduzierte zwar den operativen Fehlbetrag in den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres auf minus 1,3 Millionen Euro, aufgrund der hohen Verbindlichkeiten habe es aber keine Alternative zum Insolvenzantrag (auf ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung) gegeben. Heißt es offiziell.

Gläubigern zufolge soll durchaus frisches Kapital in Aussicht gestanden haben. Sie vermuten, dass die Pleite kalkuliert ist: „Die wollen möglichst günstig an ein entschuldetes Unternehmen ran.“ Andere zweifeln die Kompetenz von CEO Brenner an und glauben an einen Unfall. Die Buchhaltung sei nach Bosnien verlagert worden, über die Zahlen habe quasi im Nebenjob der Hastor-Angestellte und Aufsichtsrat Almir Jazvin gewacht.

„Mit potenziellen Investoren und Gläubigern konnte keine Einigung erzielt werden“, sagt ein Sprecher des Clans. „Absolut vorrangiges Ziel ist jetzt der Erhalt der Alno AG. Weitergehende Spekulationen sind nicht zielführend.“ Die Wahrheit wollen nun BaFin und die Staatsanwaltschaft Hechingen herausfinden, sie gehen den Vorfällen routinemäßig nach. Fakt ist: Auch Darlehen und Garantien der Hastors (rund 90 Millionen Euro) stehen im Feuer. Und die übrigen Gläubiger, bei denen Alno mit 150 Millionen Euro verschuldet ist, pochen auf Einfluss. Kernforderung: „Die Hastors müssen weg.“

Bereits um die Insolvenzverwalter gibt es Streit. Großgläubiger wie der Haushaltsgerätehersteller Whirlpool und der Kreditversicherer Coface haben zwar keine Einwände gegen Sachverwalter Martin Hörmann, halten aber Stefan Denkhaus, einen Anwalt mit Verbindung zur Familie Hastor, und dessen früheren Kanzleikollegen Andreas Ziegenhagen für befangen. Das Amtsgericht Hechingen setzte Ziegenhagen als Chief Restructuring Officer ein, Denkhaus begleitet das Verfahren beratend, der per Gegenantrag vorgeschlagene Detlef Specovius kam nicht zum Zug.

Ein No-Go aus Sicht der Gläubiger, die weitere Schritte prüfen. Als einer der wenigen dürfte Max Müller, ehemaliger CEO und Miteigentümer, auch mit einem lachenden Auge auf das Hastor-Engagement schauen. Seinen Job und Teile seines Geldes mag er los sein. Wenigstens hat er vorher an anderer Stelle abkassiert. Müller hat sich eine Finder’s Fee für den Einstieg der Sippe bezahlen lassen: 850 000 Euro sind ein nettes Sümmchen für einen folgenschweren Anruf.

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