METRO AG-AKTIE: EIN STURM ZIEHT AUF

Die beiden Registerrichter Frank Pollmächer und Stephan Poncelet mussten sich fühlen wie die Geburtshelfer von etwas ganz Großem. Als das Düsseldorfer Amtsgericht Mitte Juli die Aufspaltung der Metro AG in eine FoodSparte („Metro“) und einen Elektronik-Retailer („Ceconomy“) in das Handelsregister eintrug, schien damit das wichtigste Projekt seit Bestehen des Konzerns abgeschlossen. Die „Neue Zürcher Zeitung“ rief für die bisherige Metro-Tochter Media-Saturn schon den „Unabhängigkeitstag“ aus.

Tatsächlich jedoch könnten die Begleitumstände der Neuformierung unvorteilhafter kaum sein. Die Notierung zweier neuer Börsenwerte fällt zusammen mit einem Sammelsurium rechtlicher Auseinandersetzungen und Problemen im operativen Geschäft. Besonders fatal: Die Anführer der Metro AG haben mit Fehlentscheidungen in Serie persönlich dafür gesorgt, dass aus der Selbstzerlegung ein Opfergang werden könnte.

Und das, obwohl der Konzern für eine Armada von Bankern, Anwälten, Steuerberatern, Wirtschaftsprüfern, Strategie und Kommunikationsconsultants bis April schon 44 Millionen Euro ausgegeben hat. Satte 100 Millionen könnten es werden, prognostiziert Metro selbst. Und das wird am Ende vermutlich nur ein Teil des immensen Aufwands für das Großprojekt namens „2Morrow“ sein.

In den Mediationsgesprächen soll Kellerhals sich noch versöhnlich gegeben haben: „Klagen sind immer wieder rücknehmbar, wenn wir uns einigen“, wird er von der Gegenseite zitiert. Was zum Ritual jeder Schlichtung gehört, trug ihm den arg konstruiert wirkenden Vorwurf der versuchten Erpressung ein — in einem Schriftsatz der von Metro mandatierten Kanzlei Hengeler Mueller. Das Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorftat die Bezichtigung als haltlos ab – nun erwägt Kellerhals, sich gegen die Anschuldigung zu wehren.

Immerhin stellte das OLG im Juni auf Eilantrag der Metro AG fest, dass die Anfechtungsklagen wohl unbegründet seien und den Eintragungen ins Handelsregister nicht entgegenstünden. Weniger eindeutig sieht es bei den Feststellungsklagen aus. Es geht unter anderem darum, dass die Vorzugsaktionäre, die 0,82 Prozent des Metro-Kapitals halten, nicht gesondert zur Spaltung befragt wurden. Das sei laut Metro „rechtlich nicht notwendig“.

Nach Ansicht der Kläger sind die Rechte der Vorzugsaktionäre verletzt worden. Zwar hat jeder Aktionär der Ceconomy AG (Metro alt) eine Aktie der abgespaltenen Firma bekommen. Die Vorzugsaktien der neuen Metro sind jedoch — anders als die Ceconomy-Vorzüge – nicht mit einem Dividendenzuschlag von sechs Cent ausgestattet.

Wie immer am Ende des Instanzenwegs das Urteil ausfällt — dass die Abspaltung rückgängig gemacht werden könnte, gilt als zweifelhaft. Realistischer wären nachträgliche Zugeständnisse an die Vorzugsaktionäre.

Die Ausgliederung der Foodsparte bringt große finanzielle Risiken mit sich. Der wesentliche Immobilienbesitz der Metro liegt im Lebensmittelgeschäft. Die Übertragung an die neue AG droht laut Klägern Grunderwerbsteuern von bis zu 100 Millionen Euro auszulösen. Zudem gingen steuerlich nutzbare Verlustvorträge mit einem Barwert von 500 bis 630 Millionen Euro verloren. Metro bestreitet diese Dimensionen.

Abseits der Wirren um die Aufspaltung spielt sich eine andere kostspielige Affäre ab. Nachdem Media-Saturn bis 2010 die Digitalisierung völlig verschlafen hatte, erwarb das Unternehmen für 139 Millionen Euro den Onlinehändler Redcoon.

Sehr sorgfältig kann die Due Diligence nicht gewesen sein. Die IT des Onlineshops war veraltet. Die Hoffnung, die Einkaufskonditionen von Redcoon konzernweit nutzen zu können, zerschlug sich. Zudem kam heraus, dass Redcoon Teil eines illegalen Umsatzsteuerkarussells war. Es drohen Nachforderungen des Fiskus von bis zu 64,4 Millionen Euro.

Operativ erwies sich das Geschäft als völlig desolat. Laut internen Papieren lag der Rohertrag im Geschäftsjahr 2015/16 bei minus 45,2 Millionen Euro: Um diesen Betrag waren die Einkaufspreise höher als der erzielte Umsatz – ein händlerischer Offenbarungseid. Redcoon hat bereits in sechs von acht Ländern seine Shops vom Netz genommen. Damit verbunden wuchs der Verlust (Ebit) im letzten Geschäftsjahr auf 120,3 Millionen Euro, fast 40 Prozent des geschrumpften Umsatzes.

Eine gigantische Geldvernichtung. Kaum verwunderlich, dass die MSH-Führung den Kauf am liebsten ungeschehen machen will. Sie klagt auf Erstattung des Kaufpreises und der Verluste in Höhe von bis zu 300 Millionen Euro und beruft sich dabei auf Compliance-Verstöße eines der Alteigner. Tatsächlich erging ein erstes Urteil gegen den Mann. Dennoch wirkt das Verfahren, als wolle MSH von einem eigenen, eklatanten Fehler ablenken. Kein guter Einstand für den neuen Börsenwert Ceconomy.

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