PECHSTRÄHNE BEI VENTURE-CAPITAL-SPEZIALIST EARLYBIRD

PECHSTRÄHNE BEI VENTURE-CAPITAL-SPEZIALIST EARLYBIRD

Deals von Earlybird, wie die Beteiligung an der Finanzierungsberatung Interhyp Börsen-Chart zeigen, haben den Einsatz mehr als verfünfzigfacht, das sorgte für einen legendären Ruf. Auch beim Onlinelottodienst Tipp24 Börsen-Chart oder der Softwarefirma 6Wunderkinder, die 2015 an Microsoft ging, waren die Berliner investiert. Doch die guten Zeiten sind vorbei, so scheint es.

Die Venture-Opis von Earlybird gehören zu den Urgesteinen der hiesigen Investorenszene. Das Team um Hendrik Brandis und Christian Nagel schrieb eine der ersten VC-Erfolgsgeschichten des Landes.

Zuletzt häuften sich jedoch die Fehlgriffe: Das Auktionshaus Auctionata und der Robo-Advisor Cashboard gingen insolvent. Das Umzugs-Start-up Movinga verbrannte die Millionen im Rekordtempo. Die Pechsträhne wird zum Problem. Schon vor Monaten wollte Earlybird einen neuen Wagniskapitalfonds über mindestens 150 Millionen Euro geschlossen haben. Aber die Geldgeber zieren sich. Zuletzt sprang die Allianz ab, die für bis zu 100 Millionen Euro im Gespräch war. Jetzt soll das Geld bis Jahresende anderweitig zusammengekratzt werden. Ein „erstes Closing“ sei erreicht, aus dem bereits neun Investments gespeist wurden.

Mitverantwortlich für die Skepsis der Anleger ist die Bilanz der Vorjahre. Während die ersten Fonds die Einlagen noch mindestens verdreifachten, blieben spätere weit hinter den Versprechungen zurück. Aus Fonds Vier (128 Millionen Euro), aufgelegt 2007, flossen Geldgebern zufolge erst 14 Millionen an sie zurück. Earlybird spricht von 41 Millionen Euro, die teils „mit Einzahlungen verrechnet“ worden seien. So oder so: Ein Tagesgeldkonto wäre rentabler gewesen.

Dass sich die Earlybird-Stars Ciarån Yleary und Jason Whitmire 2016 mit ihrem Fonds BlueYard selbstständig machten, hat die Lage der verbliebenen Partner nicht verbessert. Die beiden Aussteiger brauchten nur gut sechs Monate, um ihren 120-Millionen-Dollar-Fonds vollzubekommen.