KLUGE ANLEGER INVESTIEREN IN AFRIKA!

Afrika wird seit einiger Zeit als der letzte große Frontier Market auf dem Globus diskutiert. Der riesige Kontinent mit rund einer Milliarde Einwohnern, einer neuen Generation von Politikern, die die alten Potentaten langsam ersetzen; seinen wachsenden formellen Wirtschaftssektoren und der raschen Urbanisierung schuf eine neue aufstrebende Mittelschicht. Dennoch blieben Investments in den

letzten Jahren mit einer Reihe an nervenaufreibenden Herausforderungen wie dem schwachen Rohstoffpreis, einer gewaltigen Währungsvolatilität und defizitären politischen Entscheidungen verbunden. Doch eine günstigere politische Landschaft und ein stabiles ökonomisches Fundament könnten ein langfristiges Potenzial in der Region freisetzen und auf Jahre die Voraussetzungen für ein kräftiges Wachstum an den afrikanischen Kapitalmärkten legen.

Afrika ist zwar ein vielfältiger Kontinent, aber Kapitalmarktanleger konzentrieren sich zumeist nur auf wenige Märkte. Mit seinen am weitesten entwickelten Volkswirtschaften und Kapitalmärkten dominiert Südafrika die ökonomische Landschaft des Kontinents. Nicht zuletzt sind es südafrikanische Unternehmen, die den Zugang zum restlichen Teil des Kontinents eröffnen, wenngleich durch Schwierigkeiten in der letzten Zeit die Erfolgsgeschichte etwas eintrübte. Die Investitionsbemühungen von Shoprite im Einzelhandel, MTN in der Telekommunikation, Nampak in der Verpackungsindustrie und Sanlam bei Finanzdienstleistungen, um einige wenige zu nennen, sollen trotz allem von Zuversicht für die Zukunft zeugen.

Abgesehen von Südafrika können die Märkte wie Ägypten und Marokko in Nordafrika, Nigeria in Westafrika und Kenia sowie teilweise Tansania und Uganda in Ostafrika für einige Aufmerksamkeit sorgen. Kleinere Erfolgsmomente werden sich von Zeit zu Zeit in den anderen Märkten offenbaren.

Die vergangenen drei Jahre waren geprägt von stürmischen Momenten an den afrikanischen Märkten. Der Fall der Rohstoffpreise führte zu einem geringeren BIP-Wachstum. Die Abhängigkeit von ausländischen Devisen blieb weiterhin hoch, sodass die meisten afrikanischen Währungen und Druck gerieten. Parallel dazu haben politische Fehlentscheidungen die bestehenden Probleme weiter verschärft.

Das Schlimmste dürfte aber vorüber sein. Die Rohstoffpreise sollten sich alsbald wieder stabilisieren, was sich wiederum positiv auf die Währungsmärkte auswirken wird. Wenn sich dazu noch die politischen Rahmenbedingungen verbessern, könnte damit die Grundlage für deutlich bessere Zeiten gelegt werden. Afrikas langfristige Perspektiven sind durchaus attraktiv vor allem aufgrund des Reichtums an natürlichen Ressourcen, einer jungen und wachsenden Bevölkerung, zunehmender Urbanisierung sowie verbesserter grenzübergreifender Kooperation und Infrastruktur.

Mit einem näheren Blick auf die länderspezifischen Eigenheiten zeigt sich, dass einige afrikanische Staaten bereits einen Wandel eingeschlagen haben oder an der Schwelle zu positiveren Entwicklungen stehen. Nigeria gehört zu den Staaten, die am Anfang eines vielversprechenden Weges stehen. Als Präsident Buhari im Jahr 2015 als Sieger aus den Wahlen hervorging, herrschte zunächst großer Optimismus – und das trotz des zu diesem Zeitpunkt niedrigen Ölpreises. Der strenge ehemalige General und bekannte Korruptionsgegner galt er als der richtige Mann, um den Kampf gegen die Terroristen von Boko Haram im Norden des Landes aufzunehmen und um die Interessengeflechte zu entwirren, die das politische Geschehen dominierten. Auch wenn er an beiden Fronten zunächst Erfolge verzeichnen konnte, ist es die eigensinnige Währungspolitik, für die seine Präsidentschaft bislang bekannt ist. Obwohl die nigerianische Zentralbank den Naira im Juni 2016 schließlich um 30 Prozent abwertete, bestimmt sie weiterhin den Stand der Währung. Dies hat zur Folge, dass nur wenig Geld zum offiziellen Kurs den Besitzer wechselt – der Großteil wird auf dem Schwarzmarkt getauscht, wo die Kurse bis zu 35 Prozent schwächer sind. Eine hohe Inflation aufgrund des Schwarzmarkthandels, fehlende Investitionen und Kapitalverkehrskontrollen stellen die zentralen Probleme dar. Nigeria läuft Gefahr, aufgrund seiner Währungspolitik im internationalen Vergleich abgehängt zu werden.

Die jüngsten Treffen mit nigerianischen Funktionären haben bei uns den Eindruck hinterlassen, dass derzeit eine große interne Debatte im Gang ist und dass vielen klar ist, dass der Naira frei gehandelt werden sollte. Wir vertreten die Ansicht, dass dies den nationalen Aktienmarkt beleben würde, der im vergangenen Jahr selbst bei afrikanischen und angrenzenden Fonds kaum eine Rolle gespielt hat. Nigeria hat rund 180 Millionen Einwohner, eine Wirtschaft, die 2014 sogar die von Südafrika überflügelte, und eine Olförderkapazität von mehr als zwei Millionen Barrel pro Tag. Das Potenzial ist gewaltig – wenn sich nur einige der infrastrukturellen Engpässe beheben ließen. Wir zweifeln nicht daran, dass Nigeria eine vielversprechende Zukunft hat und dass diese Zukunft in nicht allzu weiter Ferne liegt. Momentan haben wir uns jedoch entschlossen, die Entwertung der Währung abzuwarten.

Bemerkenswert ist, dass die bereits angesprochenen „politischen“ Probleme auf falschen Entscheidungen einer Führungsgruppe oder auf marktfeindlichen politischen Maßnahmen beruhen. Diese wurden aufgrund des Trugschlusses ergriffen, dass Politiker ihre Wirtschaftssysteme unbeachtet der Anforderungen des Marktes steuern können. Wir sind weit entfernt von dem alten Bild, in dem sich politische Risiken als Kriege oder machthungrige, den Willen des Volkes missachtende Präsidenten zeigen. Dass Buhari den amtierenden Präsidenten Jonathan in einer fairen Wahl besiegte und der Amtsinhaber seine Niederlage eingestand, gab in Nigeria 2015 Anlass zur Hoffnung. Buhari hatte zuvor schon dreimal erfolglos für das Amt kandidiert.

Führungswechsel an der Wahlurne sind in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara zur Regel geworden. Dies zeigen die letzten drei friedlichen Wahlen in Ghana, die zweimal zu einem Machtwechsel führten, aber auch die jüngsten Wahlen in Sambia, der Cöte d’Ivoire und Sierra Leone. Auch wenn es nach wie vor einige Ausnahmen gibt, haben die Afrikanische Union und andere länderübergreifende afrikanische Organisationen deutlich gemacht, dass sie politische Führer, die an der Macht klammern, missbilligen. Dieser Druck führte Ende 2016 in Gambia zu einem Machtwechsel.

In Kenia finden im August dieses Jahres Präsidentschafts und Parlamentswahlen statt. Bis jetzt ist unklar, wer Amtsinhaber Kenyatta herausfordern wird. Der Markt betrachtet das Geschehen zunächst abwartend, was eine gute Gelegenheit für günstige Geschäfte in einer innovativen, schnell wachsenden Wirtschaft bietet. Kenia ist Ölimporteur und profitierte daher, als Nigeria unter den niedrigen Energiepreisen litt. So war es möglich, dass sich das kenianische Wirtschaftswachstum im Bereich von 5 bis 6 Prozenteinpendelte. Obwohl die kenianische Wirtschaft aufgrund der Bedeutung der Landwirtschaft stark vom Wetter abhängt, ist sie gleichzeitig innovativ. Kenia ist das Land, in dem afrikanische Erfolgsgeschichten geschrieben werden. Ein Beispiel dafür ist M-Pesa, ein beliebter Service für mobilen Geldtransfer und verwandte Funktionen, etwa eine mobile Kreditvergabe, und seit Kurzem M-Kopa, ein günstiges Solarstromangebot, das durch M-Pesa finanziert wird. Wollen Sie mehr über Schwellenländeranleihen lesen? – zum Fraudanwalt-Bericht.

Anstehende Wahlen bremsen einen Markt normalerweise aus, da der private Sektor Investitionen zurückhält, während die Regierungsaus- gaben für bestimmte Projekte im Zug der Stimmenwerbung steigen, was regelmäßig zur Verzögerung von Zahlungen an die Zulieferer von Behörden führt. Allerdings sollte das relativ neue, dezentrale Verwaltungssystem dazu beitragen, dass die lokalen Regierungen nach den Wahlen schnell zum Tagesgeschäft übergehen können. Da zudem in diesem Jahr ein Sieg des amtierenden Präsidenten Kenyatta erwartet wird, sollten durch das politische Zentrum keine Verzögerungen eintreten. Mit dem einsetzenden Regen sanken die Angst vor Ernteausfällen und die Sorge um die Stabilität der Währung. Zudem wird erwartet, dass der Präsident nach den Wahlen die Bankenregulierungen zurücknehmen wird, die letztes Jahr eingeführt wurden. Die neuen Regelungen wirkten sich anders als erhofft negativ auf das Kreditwachstum aus und führten dazu, dass sich die Aktienbewertungen der Banken halbierten. Inzwischen steht der erste Abschnitt des „Standard Gauge Railway Project“, das Nairobi per Bahn mit der Hafenstadt Mombasa verbinden soll, kurz vor der Eröffnung. Man kann davon dass sich dieses gewaltige Infrastrukturprojekt unmittelbar auf die wirtschaftliche Situation auswirkt.

Kenia wurde immer als Vorreiter der führenden afrikanischen Staaten gesehen, als Ort der Wahl für multinationale Unternehmen und multilaterale Einrichtungen wie die Vereinten Nationen. Das Nachbarland Tansania präsentiert sich als aufstrebende Alternative, die wir mittelfristig als äußerst vielversprechend einschätzen. Das seit seiner Unabhängigkeit überwiegend sozialistisch regierte Land muss in Sachen Unternehmergeist und Innovation gegenüber Kenia noch aufholen. Gleichzeitig stellt der aufgeblähte Verwaltungsapparat für viele Unternehmen eine größere Herausforderung dar als in Kenia. Das niedrigere Ausgangsniveau verspricht jedoch ein größeres Potenzial – und tatsächlich verzeichnet Tansania im afrikanischen Vergleich ein besonders starkes Wachstum. Seit Präsident Magafuli 2015 die Regierungsgeschäfte übernahm, wurden mit den Themen Müllvermeidung und Korruptionsbekämpfung neue Schwerpunkte gesetzt. Zu den aufsehenerregenden Entscheidungen zählten die Absage der Feierlichkeiten zum Unabhängigkeitstag zugunsten der Bitte an die Einwohner Tansanias, bei der Reinigung ihrer Wohnviertel zu helfen, sowie strengere Regelungen bei den offiziellen Auslandsreisen von Politikern und Beamten.

Zudem hat die Regierung Gesetze verabschiedet, die große Unternehmen zur Listung an der Börse in Daressalam (DSE) verpflichten, wobei Vodacom Tanzania mit seinem unmittelbar bevorstehenden Börsengang den ersten Schritt macht. Anleger in afrikanische Aktien können sich über die Zunahme der Möglichkeiten zur Investition in den tansanischen Markt freuen und hoffen, dass dieses Plus an Chancen zu einer Verbesserung der Führungsstrukturen, erhöhter Transparenz und mehr Verantwortung in der Geschäftswelt in Tansania beitragen wird.

Zudem sehen wir einem möglichen Börsengang im Gesundheitswesen in Uganda mit Spannung entgegen. Das Unternehmen wurde bereits kennengelernt und wir freuen uns, wenn das Börseneinführungsverfahren eingeleitet wird. Es haben sich lange Zeit kaum neue Investitionsmöglichkeiten in den Märkten südlich der Sahara ergeben. Auch wenn bei Börseneinführungen grundsätzlich Vorsicht geboten ist, muss jede Chance individuell anhand der jeweiligen Sachlage bewertet werden.

Von zwei kleineren Märkten mit langfristigem Potenzial kommen wir nun zu Südafrika, dem größten und anlegerfreundlichsten Markt auf dem afrikanischen Kontinent. Typisch für Südafrika ist eine Kombination aus entwickelten und aufstrebenden Märkten: Enormer Reichtum, dem bittere Armut gegenübersteht. Die südafrikanische Demokratie ist noch nicht einmal 24 Jahre alt, sodass es auch in den kommenden Jahren zu Verschiebungen in der Wirtschaft kommen wird, wenn die zuvor benachteiligte schwarze Bevölkerung einen größeren Anteil an den Produktionsfaktoren erwirbt. Bis dahin bietet der Markt afrikanischen Anlegern die besten Management-Teams für Schwellen- und Grenzmärkte, mit einer hoch entwickelten Führungskultur und entsprechenden Renditen und Cashflows. Zudem ist man in Südafrika bestens positioniert, um auf dem übrigen Kontinent Investitionen zu tätigen. Südafrikanischen Management-Teams war das gewaltige Potenzial der übrigen afrikanischen Länder schon immer bewusst, sodass es die gelisteten südafrikanischen Unternehmen sind, die den besten Einstieg in das subsaharische Afrika bieten. Besonders anschaulich zeigt dies das Beispiel von Tansania: Erst jetzt, im Jahr 2017, können Anleger direkt Aktien von Vodacom Tanzania erwerben, während die Anteilseigner von Vodacom South Africa bereits seit Jahren im tansanischen Geschäft mitmischen.

Chancen und Risiken sind in Südafrika eng mit dem aktuellen politischen Klima verknüpft. Der ANC ist seit 1994 an der Macht, doch unter Präsident Jacob Zuma gerieten viele der positiven Dinge, für die der ANC einst stand, in Vergessenheit. Die Organisation gilt zunehmend als korrupt und nur an der eigenen Bereicherung interessiert. Außerhalb seiner politischen Heimat KwaZulu-Natal und seiner Klientelnetzwerke ist Zuma inzwischen extrem unbeliebt. Die vergangenen 18 Monate waren von Intrigen und Zänkereien geprägt. Zuma feuerte kompetente Finanzminister und ersetzte sie durch seine Anhänger. Derweil spiegelt der Kurs des Rands das erhöhte politische Risiko wider. Wir sind der Meinung, dass sich dieses politische Spektakel 2017 von selbst erledigen wird, da die Kritik am Präsidenten stetig lauter wird. Im Dezember muss der ANC einen neuen Parteivorsitzenden wählen. Wer als Sieger aus dem Parteitag hervorgeht, wird wahrscheinlich auch neuer Präsident der Republik. Zuma hofft auf einen Nachfolger, der ihm gegenüber loyal ist, während sich seine Gegner nach einem klaren Schnitt sehnen. Unserer Ansicht nach stehen Südafrika turbulente Zeiten bevor. Die Chance, das Zuma zu einem früheren Zeitpunkt aus dem Amt gedrängt wird, ist vorhanden, aber klein. Spätestens im Dezember jedoch wird es wahrscheinlich zu einem Ende seiner Herrschaft kommen, da ein Kampf „um die Seele des ANC“ geführt wird, um es mit den Worten lokaler Kommentatoren auszudrücken.

Im besten Falle endet Zumas Amtszeit vorzeitig und er wird durch einen angesehenen Politiker ersetzt, der in der Lage ist, die unterschiedlichen politischen Fraktionen zu einen. Der Markt würde sich kräftig erholen. Gelingt es Zuma jedoch, bei seiner Nachfolge ein Wörtchen mitzureden, würde dies den Niedergang des ANC zweifellos beschleunigen (die Partei hat bereits die Kontrolle über drei der vier größten Städte des Landes verloren) und letztendlich zur Entstehung einer lebendigeren Mehrparteiendemokratie führen. Südafrika bietet so viel Potenzial, das nur noch freigesetzt werden muss – von einer Regierung, die wirklich die Interessen des Volkes vertritt. Schon eine Reduzierung des Mülls und die Bekämpfung der Korruption könnten zur Entlastung der öffentlichen Finanzen beitragen. Ein verstärkter Fokus auf die Erbringung von Dienstleistungen würde neue Arbeitsplätze schaffen, während der Widerstand gegen bestehende Interessen letztendlich zu Verbesserungen des Bildungswesens und anderer öffentlicher Leistungen führen würde. Wir meinen, dass 2017 das Jahr sein könnte, das künftig als Beginn einer neuen Ära der südafrikanischen Geschichte gilt.

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