VERBRAUCHERZENTRALE OBSIEGT GEGEN YELLO STROM

Yello Strom hat in den vergangenen Jahren die eigenen Kunden sehr verärgert. Undurchsichtiges Vertragswerk und kostspielige Klauseln haben die Stromkunden auf die Barrikaden gebracht. Die schlechten Erfahrungen mit Yello Strom machen Stromkunden nicht nur in Bewertungsportalen publik, sondern wendeten sich vermehrt an die Verbraucherzentrale. Die oberste Instanz für Verbraucherschutz in Deutschland sah es als wettbewerbswidrig an, dass bei der Online-Bestellung des Stromtarifs Basic von Yello Strom –  die Erteilung eines SEPA-Lastschriftmandats und damit die Angabe von Kontodaten erforderlich ist.

Yello Strom verstößt gegen geltendes Recht

Der Billig-Stromanbieter Yello Strom hat gegen das Gesetz verstoßen, bestätigten die Richter des Oberlandesgerichts Köln das Urteil des Landgerichts Köln aus 2016. Die Yello Strom GmbH hatte gegen das Urteil des Landgerichts Berufung eingelegt, aber erfolglos. Das Urteil ist rechtkräftig.

Begründung der Richter:

„Das Energiewirtschaftsgesetz sehe vor, dass Verbrauchern vor Vertragsabschluss mehrere Zahlungsmöglichkeiten zur Verfügung gestellt werden müssen. Allein das Lastschriftverfahren reiche nicht aus“, so die Begründung der Richter des Oberlandesgerichts Köln. Den Einwand von Yello Strom, dass bei Energieverträgen eine freie Wahl bestimmter Zahlungsmethoden nicht notwendig sei, da über 90 Prozent der Haushaltskunden die Lastschrift als Bezahlungsmethode wünschten, ließen die Richter nicht gelten. „Das Argument widerspreche der Wertung des Gesetzgebers, der ausdrücklich fordere, vor Abschluss von Energielieferungsverträgen verschiedene Zahlungsmöglichkeiten anzubieten“, so das Oberlandesgericht.

Wie kündige ich meinen Tarif bei Yello Strom?

Wie bei vielen anderen Verträgen ist hierbei zunächst die Kündigungsfrist von Yellow Strom zu beachten. Denn wer seinen Stromanbieter kündigen will, sollte rechtzeitig aktiv werden. Im Fall, dass der Yello-Stromvertrag nicht sechs Wochen vor Ablauf der Erstlaufzeit von 12 Monaten gekündigt wird, hat der Kunde weitere 12 Monate einen Tarif von Yello Strom. Wer glaubt, dass eine Kündigung per Telefon schneller geht, der irrt. Telefonanrufe beim Stromanbieter Yello Strom kann man sich beim Kündigungswunsch sparen, weil eine Kündigung in Textform erfolgen muss. Die Textform ist erst erfüllt, wenn eine E-Mail oder ein Brief versendet werden. Empfehlenswert ist ein Brief per Einwurfeinschreiben. Wer vor der eigentlichen Kündigung individuelle Fragen beim Kundenservice klären will, kann diesen unter 0221-99690123 montags bis samstags von 6 bis 22 Uhr erreichen. Auch bei einem Umzug, kann der Vertrag bei Yello Strom nicht einfach gekündigt werden. Ist Yello Strom auch am neuen Wohnort verfügbar, bleibt der Vertrag bestehen. Man ist sogar verpflichtet, Yello Strom einen Umzug zwei Wochen vor dem Umzugstermin mitzuteilen, zu empfehlen sind vier Wochen vorher. Die Mitteilung sollte aus schriftlich erfolgen, weil es in der Vergangenheit vorgekommen sein soll, dass Kundenschreiben nicht mehr auffindbar waren.

Im persönlichen Bereich auf der Yello-Strom-Website können sich Kunden einloggen. Dort befindet sich ein Kontaktformular, über das der Umzug registriert werden kann. Der Yello-Strom-Kundenservice wird sich daraufhin mit dem Stromkunden in Verbindung setzen. Ist Yello Strom am neuen Wohnort nicht verfügbar, dann kann von einem Sonderkündigungsrecht Gebrauch gemacht werden und der Vertrag zum Umzugstermin per Mail oder Brief gekündigt werden.

HAMBURGER HANDELSKAMMER: DIE ODYSSEE NACH DEN WAHLVERSPRECHEN

Die Decke ist nicht einfach hoch, sie scheint zehn Meter weit weg. An der Wand Ölgemälde, wilde See und Schiffe, darunter schwarze Ledersessel, eine Couch, Stehlampen und am Fenster ein Schreibtisch. Ein Raum aus einer Zeit, als Männer im Frack ihre Geschäfte noch bei Whiskey und Zigarre besiegelten.

Tobias Bergmann schreitet durch die Pracht seines Arbeitszimmers in der Handelskammer Hamburg, deutet auf eine kleine Sitzgruppe und einen schwarzen Sessel. „Mein Platz ist hier“, sagt Bergmann: der Präsidentensessel. Links daneben sitze der Gast, der in der Hierarchie am nächsthöchsten rangiert, dann gehe es absteigend weiter, „den Kaffee serviert eine Sekretärin nach Rangordnung“.

So war das mehr als 350 Jahre lang – bis Tobias Bergmann im April den Raum bezogen hat. Bergmann ist der 234. Präses der Handelskammer, gewählt in diesem Frühjahr in einem Akt bürgerlicher Rebellion: Von den 58 Sitzen im Kammerparlament eroberte Bergmanns Initiative aus dem Stand 55 Mandate. Seither ist nichts mehr, wie es war in Hamburg, all die schönen Jahrhunderte. Kaffee gibt es heute Morgen keinen, die Sekretärin ist noch nicht da, und Bergmann hatte auch keine Zeit. Über dem Stuhl am Schreibtisch hängt seine Notkrawatte, er geht aber lieber ohne. Der Computer ist neu, demnächst kommt noch ein Flipboard. Aus der Kammer will er eine „coole Company“ machen.

Bergmann ist ein quirliger, kumpeliger, nicht allzu großer Mann mit Haaren, die sich schon ein wenig lichten, vorn frech nach oben stehen, und mit einer dicken schwarzen Hornbrille, die seine Augen ungewöhnlich groß aussehen lassen. 45 Jahre alt ist er, aus Niederbayern, Unternehmensberater. Ein Schnellsprecher, Lautlacher. Modell Business-Punk statt Pfeffersack.

Dass er hier sitzt, ist eine ziemlich verrückte Geschichte. Eine, die er selbst nicht für möglich gehalten hätte. Und die einige des alten Regimes für eine unglaubliche Frechheit halten, sagt Bergmann, „ein Bengel wie ich hier in diesen heiligen Hallen“. Denn die Hamburger Kammer ist ja kein kleines Kämmerlein, sie ist die älteste Industrie- und Handelskammer Deutschlands. Entstanden als Schutz gegen Piraten und Politiker, ein Bollwerk der Wirtschaft, ein imposanter Bau gleich neben dem Rathaus. Fast 400 Menschen arbeiten hier, den ehrbaren Kaufmann führen sie dabei ständig im Munde.

Und so ist sein Aufstieg auch mehr als eine kleine Rebellion — es ist die Geschichte einer Auflehnung gegen ein verkrustetes Stück Deutschland. Ein System, das auf Zwangsmitgliedschaft und Zwangsbeiträge setzt und sich für unfehlbar hält. Das in Hamburg an seiner Arroganz zugrunde gegangen sei, sagt Bergmann.

Im Wahlkampf versprachen er und seine Mitstreiter von der Initiative „Die Kammer sind WIR“, das alte System der IHKs auszumisten. Die Pflichtbeiträge wollten sie abschaffen, Geschäftsführergehälter und Altersbezüge kürzen, den Apparat verschlanken und die Klüngel- und Klientelwirtschaft beenden. Eine Art gläserne Kammer, für die ihre Mitglieder im Idealfall sogar freiwillig zahlen würden. So der Plan.

Die alten Geschichten

Ein milder Juniabend. Bergmann hat auf die Dachterrasse der Handelskammer geladen, rund drei Dutzend Männer und Frauen stehen an Biertischen. Ein IT-Unternehmer in Jeans und T-Shirt; die Kauffrau, die ein Online-Business mit handgemachten Wellnessprodukten aufzieht. Ein Mittvierziger im Anzug, sonnengebräunt, der mit dem Verkauf eines Onlineportals viel Geld verdient hat und nun Holzhochhäuser baut; und Torsten Teichert, Redenschreiber des einstigen Bürgermeisters Klaus von Dohnanyi und Literaturwissenschaftler, was ihn, wie er sagt, für jeden Job qualifiziere – heute macht er in Private Equity, ist Bergmanns rechte Hand und bei jeder Revolution in der Stadt dabei.

Die meisten von ihnen waren noch nie hier oben, es sind „Neu-Plenarier“, zum ersten Mal gewählt in das Parlament der Hamburger Handelskammer. Jetzt regieren sie, kleine und mittelständische Unternehmer. Bis auf die Hamburger Sparkasse sitzt kein großes Unternehmen mehr im Parlament der Kammer. Airbus, Siemens, Vattenfall, M.M.Warburg — alle raus.

Es gibt Würstchen, Koteletts, Kartoffelsalat, Bier, Wein. Bloß kein Prassen auf Kosten der Mitglieder mehr. Dass jeder Euro zählt, hat Bergmann in der Plenarversammlung klargemacht. Die Stimmkarten dürften künftig nicht mehr bemalt oder mitgenommen werden. „Die verwenden wir wieder.“ Er will auch den Getränkelieferanten wechseln, den Papierverbrauch eindämmen.

Was nach Pillepalle klingt, hat einen ernsten Hintergrund: Über Jahre hat die Kammer das Geld der Mitglieder nur so rausgehauen, trotz fast 50 Mio. Euro Budget (davon 40 Mio. Euro Zwangsbeiträge) standen am Ende des Jahres rote Zahlen. Viel zu hohe Sach- und Personalkosten, galoppierende Pensionslasten, nun ist die Kasse leer. Wie leer, das prüfen sie gerade. Auch, ob es dabei Selbstbedienung und Versäumnisse der Aufsicht gab. So waren bei vielen Mitarbeitern die Pensionen so großzügig, dass ihr Netto bei Renteneintritt um 20 Prozent stieg.

Ab sofort gilt eine neue Regel: Wer mehr Geld ausgeben will, muss an anderer Stelle sparen. Auch an die Gehälter will er ran. Der künftige Hauptgeschäftsführer wird sich mit 150 000 Euro, ohne Altersvorsorge, begnügen müssen, der Vorgänger hatte mehr als das Dreifache.

Bergmann geht von Tisch zu Tisch, schüttelt Hände, klopft Schultern. Das ist seine Mannschaft hier, mit einigen ist er befreundet. Die Stimmung ist aufgekratzt, die Sieger-Euphorie immer noch greifbar. Viele erzählen, wie sie Flyer entworfen, Youtube-Spots gedreht und Briefe an 84 000 Unternehmen verschickt haben, wie sie gebloggt, getwittert, gekämpft haben. Von den Rebellengeschichten müssen sie noch lange zehren, aber sie beflügeln auch für das, was jetzt kommt.

Bergmann sitzt inzwischen bei Teichert, seinem Vize und Schöngeist. Sie diskutieren, wie sie die drei Vertreter des alten Regimes besser einbinden können, sie wollen keine Dauerfehde. Die Verlierer hatten nach der Wahl angekündigt, in außerparlamentarische Opposition zu gehen. Bergmann amüsiert die Vorstellung, seine Eltern waren APO, er selbst früh in der SPD aktiv, seine Mitgliedschaft ruht gerade.

Vorhin im Plenum hatten die drei Herren beklagt, unter den Mitarbeitern gebe es eine „große Verunsicherung“. Sie warnten vor einem Aderlass und forderten „kurzfristig stabilisierende Maßnahmen“ für die Beschäftigten. Es klang wie ein Gewerkschaftspamphlet aus dem Munde eines Arbeitgebers. Bergmann schlug vor, den Antrag zu vertagen. Doch die Herren blieben stur, verloren die Abstimmung und waren düpiert. „Ich hätte mit ihnen sprechen müssen“, räsoniert er nun.

Die bittere Realität

Es ist eine neue Rolle für ihn. Statt Sturm zu laufen, muss er nun taktieren. Und seine großen Versprechen von Transparenz und geringeren Kosten umsetzen. Alltag nach der Revolution.

Drei Jahre haben Bergmann und seine Rebellen Zeit, ihre Wahlversprechen umzusetzen. Um ihr wichtigstes Vorhaben, die Abschaffung der Zwangsbeiträge, sieht es schon nicht gut aus: Wegen der drückenden Pensionslasten – in den Rückstellungen klafft eine Lücke von 62,4 Mio. Euro – könnten die Beiträge bald sogar steigen. Bergmanns wichtigstes Wahlversprechen wäre perdu. Was also tun?

Unternehmen können Insolvenz anmelden, eine Kammer nicht. Eine Bad Bank für die Altlasten wäre eine Option. Bergmann könnte auch die Politik um Hilfe bitten, die aber schon oft versagt hat.

BMW WAPPNET SICH GEGEN US-STRAFZÖLLE

Für den Fall von US-Strafzöllen gegen Importe aus Mexiko setzt der deutsche Autobauer BMW auf Produktionsverlagerungen innerhalb seines Netzwerks. „Die Antwort bei Volatilitäten wie Zöllen und Steuern ist Flexibilität“, sagte BMW-Chef-Harald Krüger am Rande eines Besuchs in Spartanburg im Bundesstaat South Carolina, wo das Unternehmen sein weltweit größtes Werk betreibt. „Wir haben immer wieder schnell reagiert und neue Autos notfalls an anderen Standorten gebaut.“ Krüger hielt sich anlässlich des 25-jährigen Jubiläums des Werks in South Carolina auf.

US-Präsident Donald Trump hatte BMW explizit mit hohen Abgaben gedroht, falls der Konzern versuche, Autos aus seinem neuen Werk in Mexiko auf dem US-Markt zu verkaufen. BMW — der größte US-Exporteur von Autos — fährt im Umgang mit dem Präsidenten nun eine Doppelstrategie: Zum einen versucht man, mit einer Ausbildungsinitiative und neuen Investitionen in den USA das Wohlwollen der Regierung zu gewinnen. Zum anderen wappnet sich BMW für den Fall, dass es tatsächlich zu Strafzöllen kommt. Die Produktion in Mexiko könnte dann zum Teil auf den südamerikanischen Markt gehen. Zugleich würde in Spartanburg dann noch stärker für die US-Abnehmer produziert.

Im Ernstfall würde das eine Umschichtung bei den Modellen bedeuten. Im mexikanischen Werk San Luis Potosi wird ab 2019 die 3er-Limousine gebaut. In Spartanburg werden nur Geländewagen produziert.

Krüger sagte mit Blick auf Strafzölle, er „glaube im Augenblick nicht, dass das kommt“. Allerdings betonte der BMW-Chef das Prinzip des Freihandels, das Trump infrage gestellt hatte. „Wenn man 70 Prozent exportiert, ist ein solches Modell natürlich auch angewiesen auf freien Welthandel“, sagte Krüger. Unterstützung bekam BMW vom republikanischen

Senator Lindsey Graham, der in Spartanburg eine Rede hielt. Er sei ein „amerikanischer Politiker, der deutsche Autos liebt“, so Graham.

VEGAS COSMETICS: FERNANDES VERPRASST 20.000 € FÜR LÖSCHUNG, MÜSSEN VERTRIEBSPARTNER WARTEN?

Die Vegas Cosmetics GmbH unter der Leitung des „Cosmetic-Papsts“ Carlos Fernandes mit Sitz in der Lise-Meitner-Str. 4-6, Groß-Umstadt ist in die Kritik des Verbraucherverbundes Fraudanwalt geraten – zum Fraudanwalt-Bericht. Grund dafür ist eine Mitteilung eines ehemaligen Vertriebspartners, der kein gutes Haar am Strukturvertrieb oder auch MLM-System (Multi-Level-Marketing) von Carlos Fernandes und seinem „Kosmetik-Konzern“ gelassen hat.

Er sagte gegenüber der Redaktion-Fraudanwalt, dass Vegas Cosmetics auf ihn einen Eindruck machte, als würden in den Schulungen „sektenartige“ Methoden vorherrschen und kritisierte, dass neue Vertriebspartner zum Einstand die Produkte von Vegas Cosmetics aus eigener Tasche kaufen müssten. Das bedeutet, dass Vegas Cosmetics an neuen Vertriebspartnern verdient und als Gegenleistung eine Verkaufsschulung anbietet, um später an dem Vertriebsmitarbeiter gleich vielfach zu verdienen. Das Provisionsmodell ist als Pyramide aufgebaut, weshalb die Spitze – Carlos Fernandes natürlich das größte Stück vom Kuchen abbekommt- immer! Wir empfanden diese Umstände als unseriös und folgten unserer Aufgabe, vor Betrug und Missmanagement zu warnen – ohne jedoch dabei Vegas Cosmetics zu verurteilen. Jedoch, wie es bei MLM Struktur-Vertrieben oder dubiosen Anbietern von Geldanlagen häufig der Fall ist, wenn sie ertappt wurden, beginnen sie scharfe Geschütze aufzufahren. Doch wir bleiben für unsere Leser standhaft und löschen die Berichte nicht.

Vegas Cosmetics zahlt Kölner Kanzlei 20.000 €

Der Verbraucherverbund Fraudanwalt erhielt ein Schreiben von einer Anwaltskanzlei aus Köln im Auftrag von Vegas Cosmetics und dem Drahtzieher des Kosmetik-Imperiums Carlos Fernandes. Darin heißt es, dass die Redaktion Fraudanwalt gegenüber Vegas Cosmetics und ihren Anwälten eine Unterlassungserklärung abgeben soll. „Denn die Berichterstattung würde ihnen missfallen“. Aus dem Schreiben geht hervor, dass Vegas Cosmetics an die Kanzlei 20.000 € für diesen Dienst zahlte und nunmehr von Fraudanwalt neben der Unterlassungserklärung auch noch eine „Aufwandentschädigung“ fordert. Weshalb versucht die Vegas Cosmetics GmbH aus Groß-Umstadt seine Kritiker mundtot zu machen und investiert eine fünfstellige Summe? Wäre dieses Geld nicht besser bei Vertriebspartnern oder Kosmetik-Produkten angelegt?

Schulden: Zahlt Vegas Cosmetics die Vertriebspartner aus?

Ein Blick in die letzte Bilanz (2015) von Vegas Cosmetics lässt mehrere Deutungsmöglichkeiten zu. Einerseits stellt sich die Frage, weshalb das Unternehmen um Carlos Fernandes keine Bilanz von 2016 vorlegt. Waren möglicherweise die Zahlen ungenügend und eine anwaltliche Löschung wie er es bei seinen Kritikern versucht, nicht möglich? Versucht er deshalb, den Veröffentlichungszeitpunkt hinauszuschieben?

Es ist aus der 2015er Bilanz erkennbar, dass sich die Verbindlichkeiten der Kosmetikverkäufer deutlich erhöht haben. Knapp 1 Mio. € müssen innerhalb eines Jahres zurückgezahlt werden, so steht es im Vermerk innerhalb der Bilanz. Werden möglicherweise die Provisionsgelder von Vertriebspartnern nicht rechtzeitig ausbezahlt? Oder welche Art von „Schulden“ türmen sich dort Jahr für Jahr auf. Die von Vegas Cosmetics beauftragte Kölner Anwaltskanzlei kostete allein 20.000 € und warf der Redaktion vor, fälschlicherweise die Vermutung eines Schneeballsystems aufzuwerfen. Die Anwältin so wörtlich: “Ein Schneeballsystem würde niemals so lange funktionieren…“. Das ist die Begründung dafür, dass Carlos Ferndandes kein Schneeballsystem betreibt – damit geben wir uns nicht zufrieden. Auf Werbeseiten von Vertriebspartnern des Unternehmens sind häufig Villen, Anzugträger und schnelle Autos zu sehen, trügt möglicherweise der Schein? Klar ist, dass das Unternehmen weitaus höhere „Schulden“ als „Einnahmen“ ausgleichen muss – und das innerhalb von 12 Monaten. Wer noch offene Provisionsforderungen hat, sollte sie nicht auf die lange Bank schieben. Denn, wie immer, beißen den Letzten die Hunde. Unsere Vermutung zu dem mutmaßlichen Schneeballsystem erhärtet sich die neue Situation, denn zu Beginn werden immer Gelder ausbezahlt um weitere Mitstreiter zu finden – irgendwann, wenn genug verdient ist, platzt die Blase.

Haben Sie Erfahrungen mit Vegas Cosmetics gemacht oder sind ehemaliger Vertriebsmitarbeiter? Dann schreiben Sie uns Ihren Bericht an [email protected]

DIE VERDECKTEN MONOPOLISTEN

Die Frühjahrsauktionen seltener Uhren in Genf dominierte in diesem Jahr eine Marke: Rolex. Starauktionator Aurel Bacs feierte bei Phillips einen neuen Rolex-Preisrekord. Für eine goldene „Oyster Perpetual“ mit Vollkalender und Mondphase von 1952 wurden 5,1 Millionen Schweizer Franken gezahlt. Die Uhr gehörte dem letzten vietnamesischen Kaiser Bao Dai. Den zweit- und vierthöchsten je für eine Rolex gezahlten Auktionspreis konnte Bacs ebenfalls ausrufen. Bei Christie’s trugen vier der fünf Toplose die markante Krone.

Das zeigt: Rolex ist bei Sammlern nach wie vor extrem begehrt. Und daran wird sich auch so schnell nichts ändern.

Für bestimmte Vintagemodelle werden die Preise weiter steigen.

Die Gründe für diese anhaltende Dominanz: Durch die konsistente Modellpolitik, die über Jahrzehnte kaum verändert wurde, hat Rolex den höchsten Wiedererkennungswert. Bis heute passen die robusten Modelle zur gängigen Vorstellung von exklusivem Lifestyle, Abenteuer und Sport. Prägend sind die wasserdichten Gehäuse in der Oyster-Form, bei der Krone und Boden verschraubt sind. Früher als alle anderen hat Rolex den Starkult für sich genutzt. Nahezu alle Spitzenmodelle tragen heute die Namen von Filmhelden und Schauspielern. Die „Submariner“ Taucheruhr läuft unter Sammlern als „James Bond“, die 5512 hört auf „Steve McQueen“.

Die „Daytona“-Stoppuhren mit den markantesten Zifferblättern heißen „Paul Newman“. Für die seltene Version im Stahlgehäuse werden Preise ab 100 000 Euro verlangt, trotzdem übersteigt die Nachfrage das Angebot bei Weitem. Ihr Wert hängt davon ab, ob der Chronograf mit einem Originalzifferblatt ausgestattet ist (und wie gut dessen Zustand ist).

Günstigere „Daytona“Modelle haben ebenfalls Potenzial. Die Preise sind in den vergangenen drei Dekaden fast nur gestiegen. Die klassische Stoppuhr mit Zähler und Handaufzugwerk, die zwischen 1964 und 1986 mit verschiedenen Referenzen (6239, 6240, 6241, 6262, 6264, 6263, 6265) angeboten wurde, kostet heute als Stahlmodell zwischen 35 000 und 60 000 Euro —je nach Zustand und Vollständigkeit. Ganz wichtig: Originalpapiere samt Etui.

Die Tech-Monopolisten

Dass die gut bei Facebook, Google, Amazon und Co. verdienen, hat mittlerweile jeder mitgekriegt. Dabei müssen sich die Tech-Giganten nicht einmal besonders anstrengen. Sie profitieren davon, dass kaum einer um sie herumkommt, weil sie einfach fast jeder nutzt. Zum Fraudanwalt-Bericht.

Dieser Netzwerkeffekt lässt sich von neuen Konkurrenten kaum aushebeln. Er wirkt umso stärker, je größer die vorhandene Klientel bereits ist.

Doch diese Mechanik funktioniert nicht nur bei den ganz Großen der Branche – auch Anbieter wie Scout24 (Immobilienscout24 und Autoscout24) sind dank der Netzwerkkomponente ihres Geschäftsmodells hochinteressant. Wer hierzulande eine Wohnung oder ein Auto kaufen oder verkaufen will, steuert in der Regel diese Seiten an. (Vorsicht, nicht zu verwechseln mit wir-kaufen-dein-auto.de -zum Fraudanwalt-Bericht).

Trotzdem ist die Aktie seit dem Börsengang schlecht gelaufen. Der Ausgabekurs war viel zu hoch. Anschließend stellte Berlin das Courtagesystem für die Makler (die Hauptkunden von Scout24) auf den Kopf, sodass deren Umsätze einbrachen. Hinzu kam, dass viele Altaktionäre ihre Pakete loswerden wollten.

Diese Altlasten sind nun weitgehend abgearbeitet. Der durchschnittliche Umsatz pro Nutzer steigt, und die Zahl der Makler hat sich bei etwas über 17 000 stabilisiert. Im Unternehmen selbst ist Ruhe eingekehrt, demnächst dürfte auch der letzte Altaktionär verkauft haben. Dann ist der Blick frei aufein solide wachsendes Unternehmen mit einer operativen Marge von 32 Prozent. Und auf eine Aktie, die mit einem geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 20 (für 2018) zwar kein Schnäppchen ist, aber auch nicht mehr wirklich teuer.

KARTELLAMT: GOOGLE, FACEBOOK UND CO.

Wurst und Bier. Darum ging es bei den höchsten Strafen, die das Bundeskartellamt bisher verhängt hat. Auch Zucker, Kaffee und Tondachziegel rangieren unter den Bußgeld-Top-Ten. Dieses Jahr nun dürfte ein deutlich abstrakteres Thema die Rangliste stürmen: Daten. Die Bonner Behörde hat sich das soziale Netzwerk Facebook vorgeknöpft. Ein so ungewöhnlicher Fall, dass er international Beachtung findet.

Für Kartellamtspräsident Andreas Mundt geht es darum, „dass die Märkte offen bleiben“ – trotz der gewaltigen Machtfülle der Internetgiganten. Wer die meisten Nutzer hat, bietet den besten Service und bekommt noch mehr Nutzer — in immer mehr Geschäftsfeldern. Die Tech-Konzerne von der US-Westküste geben dem Wort Monopol eine ganz neue Dimension.

Mithilfe von Daten und künstlicher Intelligenz sind Apple, Alphabet (Google), Amazon, Facebook und Microsoft zu den fünfwertvollsten Börsenunternehmen der Welt aufgestiegen. Zusammengenommen sind sie gut 2800 Milliarden Dollar wert – mehr als doppelt so viel wie der gesamte Dax-30. Alphabet und Apple sind allein jeweils mehr als 600 Milliarden Dollar schwer, weshalb an der Wall Street inzwischen Wetten laufen, wann die erste „Trillion Dollar Company“ aus dem Valley oder aus Seattle auf dem Kurszettel steht.

Der Auslöser des Hypes ist die erdrückende Dominanz der „Tech Five“. Sie beherrschen die wichtigsten Zukunftsmärkte – mit Marktanteilen von teils mehr als 80 Prozent, so wie Google (als größter Brocken von Alphabet) bei der Internetsuche und bei den Betriebssystemen für Smartphones. Sobald sich ein neues Wachstumsfeld auftut, wird es sogleich unter den Fantastischen Fünf aufgeteilt. Den Messenger-Dienst WhatsApp schluckte Facebook, das Geschäft mit der Cloud teilen Amazon (44 Prozent Marktanteil), Microsoft (11 Prozent) und Google (6 Prozent) untereinander auf.

Trotz ihrer enormen Größe wachsen die IT-Konzerne nach wie vor rasant: 2017 sollen die Umsätze um 18 Prozent (Alphabet), 23 Prozent (Amazon) und 36 Prozent (Facebook) anschwellen.

Jeder hat die Tech Five im Depot Verglichen mit den Tech-Konzernen ist Mundts Behörde so winzig wie die Rheinfähre vor seinem Bürofenster neben einem US-Flugzeugträger. Doch den Kartellamtschef schreckt das nicht. Während Facebook-Gründer Mark Zuckerberg Tausende Kilometer entfernt in Menlo Park eigene Filmproduktionen fürs Fernsehen der Zukunft in Auftrag gibt und Pläne für ein Bezahlsystem vorantreibt, erklärt Mundt geduldig, dass er das soziale Netzwerk und die anderen großen Plattformen zu einem faireren Umgang mit ihren Nutzern und deren Daten erziehen will. Sein Amt müsse „die Verbraucher davor schützen, dass die Internetgiganten ihre Marktmacht missbräuchlich ausnutzen“, sagt er.

Dass Europas Behörden auch zubeißen können, hat unlängst Google festgestellt. Die EU-Kommission brummte dem Suchmaschinenkonzern die Rekordstrafe von 2,4 Milliarden Euro auf. Begründung: Google habe seinem Preisvergleichsdienst unrechtmäßige Vorteile verschafft und so die Konkurrenz pulverisiert. Auch bei zwei noch laufenden Verfahren zum Betriebssystem Android und dem Werbedienst AdSense ist Brüssel „zu dem vorläufigen Schluss gelangt, dass Google seine beherrschende Stellung missbraucht hat“.

Dumm nur: An die einstigen Marktführer bei Preisvergleichen, die Google mit seiner Masche zerstörte, kann sich kaum noch jemand erinnern. Die Strafe mag zu Recht verhängt worden sein, aber sie kommt zu spät.

Das Unbehagen wächst — nicht nur bei den Kartellwächtern, auch am Finanzmarkt. „Große US-Tech-Werte sind so hoch bewertet wie zuletzt 2007, vor der Finanzkrise“, warnt Russ Koesterich, Investmentstratege beim Vermögensverwalter Blackrock. „Der Ansturm auf einige wenige Aktien hat dazu geführt, dass der Markt fragiler ist, als einige Indikatoren es vermuten lassen.“

Selbst wer ein Tech-ETF auf einen Index wie den MSCI All Country World Information Technology kauft, wagt de facto eine erstaunlich hoch konzentrierte Wette: Denn der Index besteht zu knapp einem  Drittel aus Alphabet, Apple, Facebook und Microsoft.

Anfang Juni schlugen die Strategen von Goldman Sachs erstmals vorsichtig Alarm: Die fünf größten Tech-Firmen seien für 40 Prozent des Kursanstiegs beim US-Leitindex S&P 500 verantwortlich. Seit Jahresbeginn ist ihr Börsenwert um 600 Milliarden Dollar angeschwollen – also um mehr, als die Dickschiffe SAP, Siemens, Bayer, Allianz und BASF gemeinsam auf die Waage bringen.

Ob Hedgefonds, traditionelle Fondsmanager, Trendfolger oder risikoscheue Anleger — inzwischen ist fast jeder stark bei den Tech Five investiert. Trotz der Kursrallye, warnt Goldman, sei der Free Cashflow der Techies zuletzt nicht mehr gestiegen, er stagniere bestenfalls. „Die Parallelen zu 1999 /2000 werden größer“, mahnt die Investmentbank.

Die Botschaft zeigte Wirkung: In den vier Wochen nach Erscheinen der Studie fielen die Tech-Indizes um mehr als 5 Prozent.

Folgt auf die Euphorie nun der Crash? Oder sind die Fantastischen Fünf nicht mehr zu stoppen und haben tatsächlich das Zeug, die Marke von einer Billion Dollar Börsenwert zu knacken?

Fest steht: Das Schicksal von Apple, Amazon und Co. entscheidet nicht nur über Auf und Ab im TechSektor, sondern über die Aktienrallye insgesamt. Das Kursbeben vom 4. Juli, als Amazons Börsenwert um 396 Milliarden Dollar und der von Apple um 104 Milliarden Dollar schrumpfte, entpuppte sich zwar als ein IT-Fehler von Bloomberg und anderen Datenanbietern. Tatsache ist: Schon ein gewöhnlicher Kursrücksetzer von 10 Prozent bei den Tech Five würde mehr als 250 Milliarden Dollar Börsenwert vernichten und den gesamten Aktienmarkt stark unter Druck setzen.

Von ihren Wettbewerbern werden sie ohnehin längst gefürchtet. Selbst anscheinend unangreifbare Marktführer aus anderen Branchen fühlen sich bedroht. Der Sportartik1er Nike knickte im Juni nach langem Kampf gegen Amazon ein und verkauft seine Sneaker nun auch über den Onlinehändler. Daimler schaue  nicht mehr auf BMW, wenn es um die Zukunft des Fahrens geht, sondern darauf, „was Google mit Waymo macht“, so Strategiechef Wilko Stark. Wenn Autos irgendwann wie Flugzeuge zu reinen Verkehrsmitteln verkommen und der entscheidende Unterschied der Dienstleister ist, der den selbststeuernden Transport anbietet, wird das Spiel ein völlig anderes sein. Eines, bei dem Uber, Lyft oder Google die besseren Karten haben.

Allesfressende Datenkraken  „Die Auto-CEOs zittern zu Recht“, sagt Stefan Rehder, Gründer der Münchener Fondsgesellschaft Value Intelligence Advisors. Die Tech-Riesen würden inzwischen viele BranChen im Kern bedrohen. Denn die Datenkraken sind Allesfresser. Wenn sie morgen damit anfangen würden, Versicherungen zu verkaufen, könnten sie den Etablierten „signifikante Marktanteile“ abjagen, sagt Rehder. Die Techies wüssten mehr über deren Kunden als die Versicherer selbst.

Andere Unternehmen sind schon heute weitgehend von der Westküste abhängig. Beim zehntgrößten TecDax-Mitglied Dialog Semiconductor etwa brach der Börsenwert Mitte April binnen Stunden um zeitweise 36 Prozent ein. Als Auslöser reichte eine Studie der Lampe Bank, in der ein Analyst spekulierte, dass die Chips von Dialog ab 2019 im iPhone möglicherweise nicht mehr verbaut würden. Neun Tage zuvor hatte Apple die Zusammenarbeit mit dem britischen Chiphersteller Imagination Technologies beendet, woraufhin dessen Kurs um 72 Prozent kollabierte.

Auch in den Branchen, die von den Big Five derzeit aufgemischt werden, herrscht Angst vor dem Untergang. Nachdem Amazon im Juni bekannt gab, für knapp 14 Milliarden Dollar die amerikanische Biomarktkette Whole Foods zu kaufen, stürzten die Aktienkurse der großen Lebensmittelhändler ab. Den

Werbe- und Medienkonsum haben Google, Facebook und Co. längst neu definiert — zu ihren Gunsten, versteht sich.

Die Hoffnung vieler Manager etablierter Konzerne, dieser Spuk werde vorübergehen, wenn die Tech-Blase im Valley erst einmal geplatzt sei, stirbt zuletzt. Anders als Ende der 90er Jahre wird das Potenzial der Tech-Giganten diesmal nicht über-, sondern unterschätzt; und von Außenstehenden allenfalls in Ansätzen verstanden.

Kaum ein unabhängiger Beobachter hat sich intensiver mit den Konzernen befasst als Susan Athey. Die 46-jährige Ökonomin, Mathematikerin und Informatikerin forscht an der Stanford Graduate School of Business, im Herzen des Silicon Valley.

WIDERSTAND IST ZWECKLOS

Athey geht davon aus, dass durch die Kombination aus Daten und maschinellem Lernen monströs mächtige Unternehmen entstehen, die von ihren Konkurrenten kaum mehr einzuholen sind. Denn erst die exklusiven Nutzerdaten von Google oder Facebook machten viele Al-

gorithmen so großartig. Dank der ständigen Tests neuer Ideen an kleinen Kundengruppen im laufenden Geschäft könne bei Facebook sogar ein Praktikant zu Innovationen beitragen.

Dank eines solchen Trial-andError-Verfahrens entschied sich auch Amazon, ins Cloud-Computing einzusteigen, das Geschäft mit ausgelagerter Datenspeicherung und Rechenkraft. Konzernboss Jeff Bezos hatte vor mehr als zehn Jahren die Idee, externe Softwareentwickler für die E-Commerce-Plattform zu entlasten. Zuvor hatten sie zwei Drittel ihrer Zeit und ihres Kapitals für ihre Computerinfrastruktur aufwenden müssen; heute können sie Speicher- und Rechenkraft zu einem Bruchteil dieser Kosten von Amazon mieten.

Das Cloudbusiness ist mittlerweile derart erfolgreich, dass es in einigen Jahren ebenso viel zum Unternehmenswert beitragen könnte wie der Onlinehandel. Zumal die Kunden zusätzlich von Amazons Analysekraft profitieren, die auf künstlicher Intelligenz (KI) basiert.

Die Gefahr dabei: Die Konzernmaschinen tendieren zur Monopolbildung. Wer beim maschinellen Lernen vorn ist, werde seinen Vorsprung eher noch ausbauen, glaubt Stanford-Expertin Athey. Wenn sich bald die gesamte Wirtschaft auf künstliche Intelligenz stÜtze, „müssen wir damit rechnen, dass sich Behemoths entwickeln“, warnt sie. Wie das biblische Ungeheuer, das Gott zur Züchtigung der Menschheit auf die Erde schickte, erscheinen die Tech-Riesen schon jetzt manchem Rivalen. Dabei steht uns die KI-Revolution erst noch bevor.

Behält Athey recht, werden sich die Tech Five auch untereinander heftig bekämpfen. Die Machtverhältnisse könnten sich noch stark verschieben. Für Google steht einiges auf dem Spiel, wenn die Nutzer ihre Stichworte nicht mehr in einen Suchbalken eingeben, sondern in das ständig eingeschaltete Mikrofon in ihrem Wohnzimmer oder Auto sprechen. Der Empfänger des Suchbefehls ist dann vielleicht nicht mehr Google, sondern Amazons Sprachassistent Alexa, Apples Siri oder Microsofts Cortana.

 

mobilen Internet, Finanzchefin Ruth Porat sorgt für Ausgabendisziplin, und Geschäftsfelder wie YouTube werfen langsam messbaren Gewinn ab“, listet der TechExperte die Proargumente auf.

Selbst nach Kalkulationen von traditionell eher knauserigen Value-Investoren wie Oakmarks Bill Nygren ist Alphabet zum Kurs von 900 Dollar immer noch attraktiv. Gewiss, Google Search trägt nach wie vor mehr als 90 Prozent zum Umsatz bei, doch allein mit den Bargeldreserven des Konzerns und der Videoplattform YouTube — bewertete man sie nach den Kriterien eines Kabelfernsehanbieters — käme man auf mehrere Hundert Dollar pro Aktie. Viel Potenzial billigt Nygren auch dem autonomen Fahren und der Cloud zu: „Die Geschäfte abseits der Internetsuche maChen bereits die Hälfte des Unternehmenswerts aus.“

Die hohen Markteintrittsbarrieren ziehen mittlerweile auch andere Value-Investoren an. „Die außergewöhnliche Qualität dieser Unternehmen wird immer deutlicher: Sie stechen an der Börse hervor wie Giraffen in einem Kornfeld“, sagt der Münchener Fondsmanager Rehder. Vorübergehende Kursverluste machen ihn da nicht nervös, als einzige große Herausforderung sieht er die Regulierer.

Vor dem Crash zur Jahrtausendwende hatten Value-Fonds die Tech-Aktien wegen der hohen Bewertungen noch aus ihren Portfolios verbannt. Dafür wurden sie von den Anlegern verhöhnt. Am Ende behielten die Profis recht.

Inzwischen sind sie zu wahren TechFans mutiert — weil die hohen Aktienbewertungen auf hohen Wachstumsraten basieren und weil die Markteintrittsbarrieren groß sind. Warren Buffett nennt das den „breiten Burggraben“, er schÜtzt die Tech Five vor Rivalen und Preiskämpfen.

Leichte Zweifel an der Unüberwindbarkeit dieses Burggrabens herrschen lediglich bei Apple, ausgerechnet jenem TechInvestment, das in Buffetts Holding BerkShire Hathaway am schwersten wiegt. Clearbridge-Manager Bourbeau würde bei Apple nicht auf die eine Billion Dollar Börsenwert mitwetten, auch wenn der Konzern aus Cupertino dieser magischen Grenze am nächsten ist. „In fünfJahren wird ein iPhone für 1000 Dollar nicht das Gerät sein, auf das wir uns verlassen.“

Buffetts Team hält die Marktposition des iPhone-Herstellers indes für dauerhaft gesichert. Apple sei es gelungen, mit Fotos und Apps ein Ökosystem zu erzeugen, in dem die Kunden stärker verhaftet sind, als sie es etwa beim strauchelnden Rivalen Blackberryje waren, begründet Ted Wesch1er, einer der beiden designierten BuffettNachfolger, die Investitionsentscheidung. „Das Geschäftsmodell hat etwas von einem Abonnement. Das ist der Burggraben.“ Berkshire stieg zu Kursen von rund 100 Dollar ein, inzwischen kostet die Aktie mehr als 140 Dollar.

Während die Analysten des Research-Hauses Morningstar Apples Burggraben flir durchaus bezwingbar halten, wegen der hohen Abhängigkeit vom iPhone und dessen kurzem Produktlebenszyklus im hart umkämpften Smartphonemarkt, müssen die Gräben der anderen vier Tech-Giganten streng reguliert werden. Andernfalls sind sie für potenzielle Rivalen irgendwann gar nicht mehr zu überwinden. Dann greift das Motto: The winner takes it all.

Dass Facebook und Co. über eigene Feh1er stolpern, so wie Uber, wo Gründer Travis Kalanick wegen zu viel Großspurigkeit und zu wenig Führungskompetenz gerade aus dem Amt gejagt wurde, ist unwahrscheinlich. Im Gegenteil: Jeff Bezos etwa trauen Investoren noch viel mehr zu als die vier Milliarden Dollar Gewinn aus dem vergangenen Jahr. Hedgefondsmanager Ed Schneider, dessen Quan Technology Fund zu den erfolgreichsten der Branche zählt, sagt: „Das ist gar nichts. Die fangen gerade erst an, Geld zu verdienen.“

DIE GEA-GROUP UND IHRE DUBIOSE VERGANGENHEIT

Und plötzlich ist da dieser Schatten. Ein Auto, das ihm folgt. Jemand, der sein Büro fotografiert. Männer, die auffällig unauffällig herumlungern, wo auch immer er auftaucht. Otto Happel, größter Einzelaktionär der MG Technologies, ist sich sicher: Er wird beobachtet.

Die Beschattung des Milliardärs war der Tiefpunkt in einemjahrelangen Streit zwischen Kajo Neukirchen, dem Vorstandsvorsitzenden der MG Technologies (ehemals Metallgesellschaft), und dem Großaktionär Happel. Neukirchen räumte später ein, eine Berliner Wirtschaftsletektei beauftragt zu haben, nannte die Aktion aber „legitim“.

Der knallharte Sanierer Neukirchen war 1993 zur Metallgesellschaft gekommen. Er sollte den hoch verschuldeten Konzern im Auftrag des Hauptgläubigers Deutsche Bank aus der Krise führen, wie zuvor den Stahlhersteller Hoesch und FAG Kugelfischer. 1999 kaufte Neukirchen von Otto Happel den Bochumer Anlagenbauer GEA, für 1 Mrd. D-Mark und zehn Prozent der MG-Aktien. Dafür sollte sich Happel aus dem Management raushalten.

Das tat er jedoch nicht. Aus der Schweiz orchestriert Happel Attacken auf den CEO. Er wirft ihm Milliardenverluste, Missmanagement und Bilanzfälschung vor, fordert seinen Rücktritt und eine Sonderprüfung. MG weist die Vorwürfe zurück. Die Schlammschlacht beginnt.

Plötzlich kursieren Gerüchte, Happel sei steuerflüchtig, paktiere mit Beteiligungsgesellschaften und ausländischen Hedgefonds, um MG zu übernehmen. Die angeblich Beteiligten weisen die Gerüchte zurück. Happels Versuche, Neukirchen aus dem Vorstand zu drängen und selbst in den Aufsichtsrat einzuziehen, scheitern 2001 zunächst. Die Aktie stürzt um 36 Prozent ab. Happels Bemühungen, sich als Vertreter der Kleinaktionäre zu gerieren, misslingen. Die Schlammschlacht, die in den Bespitzelungen Happels gipfelt, geht weiter.

Zwei Jahre später hat Happel nach Kursverlusten seinen Aktienanteil auf 20 Prozent ausgebaut. Neukirchen, mürbe von den Querelen, bangt um den Rückhalt. Im April 2003 gibt er auf, schmeißt hin. Endlich kann Happel in den Aufsichtsrat einziehen — und dirigiert fortan die Geschicke des Konzerns. Durch einen Squeeze-out werden 2004 die Aktionäre abgefunden, die Metallgesellschaft wird zur GEA Group umbenannt – Stolz und Name sind wiederhergestellt. Im März 2006 verkauft Happel seine Aktien erneut.

AVG EG UND KARRIERE AG: GEMEINSAM ZOCKT’S SICH BESSER

Die AVG eG aus Potsdam wird vom Finanzgelehrten Andreas Lechtenfeld geleitet. Die Redaktion-Fraudanwalt kritisierte bereits einmal das Geschäftsmodell der AVG eG, weil es zu undurchsichtig ist. Andreas Lechtenfeld legt keinen Wert auf Transparenz und dabei haben Betrugsfälle wie die Genogen und Co. gezeigt – wie einfach Genossen um ihre Einlagen gebracht werden können. Weder im Prospekt noch auf der Homepage ist zu erfahren, wie die AVG eG eine Traumrendite oberhalb von 6% erwirtschaften will – zum Fraudanwalt-Bericht. Dadurch stellt sich zwangsläufig die Frage, weshalb daraus ein Geheimnis gemacht wird. Liegt es daran, dass das eigentliche Geschäftsmodell ein Schneeballsystem ist, wobei Altanleger durch frische Gelder der Neumitglieder ausgezahlt werden? Oder liegt es daran, dass die angeblichen Renditen mit einem enorm risikoreichen Handelssystem erzielt werden? In der Satzung der Genossenschaft aus Potsdam wird ebenfalls nicht näher erläutert, wie die Traumrenditen erwirtschaftet werden – es gibt lediglich einen Verweis auf einen sogenannten Profipartner. Wer jetzt an J.P Morgan oder einen Hedgefonds denkt, der irrt – der „Profipartner“ ist die Karriere AG mit Sitz unter der gleichen Adresse wie die AVG eG.

Karriere AG Vorstand auch gleichzeitig Aufsichtsrat bei AVG eG

Noch zu Beginn dieses Jahres war beim Videostreamdienst Youtube ein Video von Andreas Lechtenfeld zu sehen, wie er die Strategie erklärt, um die Traumrenditen zu erwirtschaften. Mittlerweile ist dieses Video gelöscht, möglicherweise weil zu viele Interessenten feststellen mussten, dass die AVG eG keinen sicheren Sparplan anbietet, sondern mithilfe der Karriere AG mit dem Genossenschaftsgeld wettet. Die Karriere AG betreibt ein hochriskantes Handelssystem mit Future-Kontrakten (Derivate). Diese Chart-technisch-basierten Handelssysteme sind ausschließlich eine Spekulation auf eine eventuelle Entwicklung eines Index-Basiskurses. Der Handel mit Future-Kontrakten ist ein Hoch-Risiko-Geschäft, bei dem es immer möglich ist, dass es zu einem Total-Verlust kommen kann, verbunden mit dem zusätzlichen Risiko einer Nachschusspflicht. Nun wirbt erstaunlicherweise die AVG eG ständig mit positiven Dividenden, die sie angeblich mit diesem Future-Handelssystem seit 2008 erwirtschaftet haben will. Einen seriösen Rendite-Beweis kann die AVG eG merkwürdigerweise auf Nachfrage nicht erbringen. Auch ein seriöses Testat oder einen überprüfbaren Track-Record als Renditen- und Erfolgs-Nachweis des Future-Handelssystems kann oder will die Genossenschaft nicht leisten. „Fragt man gezielt nach der genauen Arbeitsweise des Future-Handelssystems erhält man keinerlei Antworten“, berichtete ein Genosse gegenüber Fraudanwalt. Scheinbar wird auch den Genossen und nicht nur der Öffentlichkeit gegenüber das gesamte Geschäftsmodell versucht zu verschleiern. Unwissendheit und Intransparenz sind für die Seriosität der AVG-Genossen kein gutes Signal.

Karriere AG-Vorstand ehemaliges Vorstandsmitglied von Betrugsgenossenschaft?

Zum nebulösen Geschäftsgebaren der AVG eG und unserer negativen Einschätzung zur Seriosität der Genossenschaft folgen weitere unerfreuliche Fakten. Der Karriere AG-Vorstandsvorsitzende James Henry Klein ist nicht nur Aufsichtsrat der AVG eG, nein er ist mitverantwortlich für einen Anlegerskandal mit 80.000 Geschädigten. James Henry Klein war vor 16 Jahren im Vorstand der Atlantis Genossenschaft tätig. Laut Tagessiegel.de und test.de hat diese Atlantis Genossenschaft 80.000 Anleger geschädigt.

 

Tagesspiegel

Test

Test Atlantis Genossenschaft

 

Die fragwürdige Person James Henry Klein, zudem das intransparente unseriöse und hoch riskante Geschäftsmodell der Genossenschaft und ihrer fragwürdigen Partnerfirma Karriere AG, lässt vermuten, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis hier die Genossenschaftsanteile verzockt werden oder für andere Zwecke missbraucht werden. Denn eine Verwendungskontrolle von Genossenschaftsanteilen existiert in der Satzung bei der AVG eG nicht.

Dieser unglaubliche Derivate-Handel wird im Exposé der AVG eG in keinster Weise erwähnt. Es ist lediglich von einem Börsenhandelssystem die Rede, das aus gutem Grunde nicht näher beschrieben wird. Auf dieser Basis wird im Exposé eine harmlose Altersvorsorge („Express-Rente“) angeboten. Für Anleger ab € 200.000,- bekommt man ein Angebot direkt von der Karriere AG, die allerdings in ihrer Beschreibung „Das Geschäftsmodell der Karriere AG“ ihre 8 halbautomatisierten Handelssysteme in Dax- und Dow-Jones-Futures erwähnt.

Die AVG eG und Karriere AG setzen wir auf die Warnliste.

WARNUNG: SIKURA LIFE AG VERGIBT MANDAT AN ZWEIFELHAFTE FRITZ NOLS AG-TOCHTER

Die Liechtensteiner Sikura Life AG, die zu dem Firmenverbund von Benjamin J. Fischer und Cedric Borer gehören, hat der Fritz Nols AG-Tocher Da Vinci Invest AG übertragen. Vordergründig steht laut Aussagen Fritz Nols‘ „der Schwerpunkt der Allokation in Alternative Investments“. Ob den Versicherten bei der Sikura Life damit geholfen ist oder ob die nächste Geldvernichtungsmaschine ins Rollen kommt, ist momentan nur zu vermuten. Ein Faktencheck.

Bei Sikura Leben AG wirklich „Sicher durchs Leben“?

Auf der Homepage von Sikura Life sind nur wenige Informationen zu finden – Transparenz? Fehlanzeige! Aber von Werbesprüchen und blumigen Formulierungen wimmelt es nur so auf der Homepage. Versicherte wissen gar nicht, welches Motto sie zuerst lesen sollen. „Sicher durchs Leben“ oder „maßgeschneiderte Lebensversicherungslösungen“ sollen interessierten Versicherungssuchenden eine Umgebung von „Innovation, Sicherheit und Rentabilität“ suggerieren. Aber es scheint wie so oft nicht alles Gold zu sein, was glänzt. Im letzten Fraudanwalt-Bericht über die Sikura Life AG und die beiden Lenker des Unternehmens Benjamin J. Fischer und Cedric Borer hat die Redaktion das Firmengestrüpp rund um die Versicherungsgesellschaft aufgedeckt. Über 25 Firmen aus dem Finanz- und Immobilienmarkt konnten identifiziert werden. Manche Firmen mussten scheinbar liquidiert werden, um an anderer Stelle neue zu gründen. Es geht immer um Immobilien im Umfeld der Sikura Life. Dieser Fall erinnert an die Deutschen S&K Gründer Jonas Köller und Stefan Schäfer, die über 300 Mio. Euro von Anlegern veruntreuten und verprassten. Auch sie haben sich ein undurchsichtiges Gewirr aus Firmen gebaut, um unentdeckt die Anlegergelder ins Ausland zu transferieren. Auch Benjamin J. Fischer, dem unter anderem die Fischer Acquisitions AG gehört, und Cedric Borer werden an anderer Stelle Verbindungen in Steuer- und Korruptionsparadiese wie die Karibik nachgesagt.

Müssen Sikura Life Versicherte bald mit dem Totalverlust Erfahrungen machen?

Mit dem Mandat an die Fritz Nols-Tochter Da Vinci Asset Management haben Benjamin J. Fischer und Cedric Borer ihren Kunden keinen Gefallen getan. Erst vor einer Woche, am 27.07.2017 wurden durch die Bafin Zwangsgelder in Höhe von 325.000 € bei der Fritz Nols AG festgesetzt. Die schlechte Liquidität bei Fritz Nols wirft die Frage auf, wohin das Geld versickert? Sind auch Versicherte von Sikura Life betroffen? Das ist noch nicht abschließend festzustellen, aber die Zeichen stehen ungünstig. Bereits 2004 ist die Fritz Nols AG, damals noch in Frankfurt am Main als Fritz Nols Global Equity Services AG, in eine finanzielle Schieflage gerutscht. Damals hieß es in einer Bafin-Mitteilung:“ Ein Sprecher der Wertpapieraufsichtsbehörde Bafin sagte, das Frankfurter Unternehmen habe nicht mehr das gesetzlich verlangte Mindestanfangskapital von fünf Millionen Euro aufweisen können. Deswegen habe sich die Behörde nach mehrwöchiger Prüfung zum Lizenzentzug entschieden. „Kurzfristig hat Nols kein neues Kapital erhalten und uns auch kein tragfähiges Sanierungskonzept vorgelegt“, ergänzte der Bafin-Sprecher. Nols müsse nun alle Geschäfte abwickeln und dürfe keine Neugeschäfte mehr generieren. Den Kunden müsse ihr Geld zurückgezahlt werden“.

Mit diesen Geschäftspartnern wird ein neues Licht auf die Seriosität von Cedric Borer und Benjamin J. Fischer geworfen, auch an die Vermutung der Geldverschiebung erhält neues Futter – Versicherte sollten bei Sikura Life AG und Sikura Leben AG weiterhin vorsichtig sein, empfiehlt die Redaktion.

Dieser Auszug der Sikura Life-Homepage klingt wie Hohn, angesichts der belastenden Umstände:

„Die Sikura Life hat ein neues Lebens- bzw. Rentenversicherungsprodukt entwickelt: Innovativ – Sicher – Rentabel“.

MACRON VERBÜNDETET SICH MIT TECH-SZENE

Es spricht zur Eröffnung: der französische Präsident. Ein Donnerstagabend Ende Juni im 13. Arrondissement von Paris. Emmanuel Macron steht in der Mitte eines riesigen Startup-Campus. Es ist, als sei er endlich dort angekommen, wo er hingehört.

„Ich muss Ihnen etwas gestehen“, hebt der Staatschef leise an. Vor drei Jahren habe er seiner Frau Brigitte versprochen, mit der Politik aufzuhören und eine Firma zu gründen. Er habe vieles ausprobiert, immer wieder sein „Business Model“ ändern müssen. Freunde hätten ihm gesagt, das klappe nie. Nun ja, schließt er mit einem Augenzwinkern: Am Ende sei „En Marche!“ dabei herausgekommen — seine neue Bewegung, an deren Spitze er jetzt bei den Wahlen triumphiert hat.

Emmanuel, der Entrepreneur. „Ich bin einer von euch“, lautet seine Botschaft. Geht es um den Gründercampus, spricht er von „unserem Projekt“. Der junge Chef der Republik hat sich mit der Tech-Szene verbündet. Dafür liebt und feiert sie ihn.

„Frankreich wird zur Start-upNation“, verspricht Macron seinen Fans. Die Energie der Gründer soll die verkrustete, träge Wirtschaft Frankreichs reanimieren und wieder dahin zurückführen, wo ihr Platz ist: an die Weltspitze. Technologisch, ökonomisch, gesellschaftspolitisch.

Das hypermoderne, an ein Raumschiff erinnernde Gebäude steht exemplarisch für das Land, das der Präsident einmal hinterlassen will. Monumentaler könnte der Unterschied zum großen Nachbarn Deutschland kaum sein. Die Regierung von Kanzlerin Angela Merkel tut sich seit Jahren schwer, die digitale Revolution als Chance zu begreifen, der Breitbandausbau stockt auf dem Niveau eines Schwellenlands und wenn irgendwo die Digitalisierung vorangetrieben wird, dann geschieht dies eher leise und akademisch, ohne viel Wagniskapital und Welteroberungseifer. Max Planck statt Tech-Glamour .

Da ticken die Franzosen ganz anders. Der Mann, der Macrons Projekt erfunden, mitfinanziert und gepusht hat, ist sein vielleicht wichtigster Verbündeter in der Wirtschaft: Xavier Niel, aggressiver Telekomunternehmer und Multimilliardär, ein Außenseiter und Aufsteiger, den sie in Paris den „Paten“ der Gründerszene nennen. Niel hat den alten Rangierbahnhof Freyssinet nahe der Seine für rund eine Viertelmilliarde Euro in einen Megainkubator umbauen lassen: Die „Station F“ tritt an als „größter Start-up-Campus der Welt“.

Ein ganzes Ökosystem aus Gründern, Geldgebern und Beratern zieht dort ein. Mit dabei die US-Konzerne Facebook, Amazon und Microsoft, sie erhoffen sich etwa Impulse bei der Entwicklung künstlicher Intelligenz. 1000 Teams in 26 verschiedenen Programmen erhalten Arbeitsräume mit Designermöbeln, Cafés und technischen Helfern, ab nächstem Jahr können die Gründer in der Station F sogar wohnen. Die hohen Mieten in Paris sollen keinen Jungunternehmer abschrecken.

Während die rund 1500 Gäste bei spanischen Tapas und Aperol Spritz Eröffnung feiern und Silicon-Valley-Größen wie Nathan Blecharczyk von Airbnb das Projekt via Großbildschirm loben, steht Xavier Niel still, mit verschränkten Armen am Rand und kann nicht aufhören zu lächeln. „Ich bin so glücklich“, sagt der introvertierte Investor, der mit seiner kräftigen Statur, dem offenen weißen Hemd und den zurückgegelten Haaren an einen gutmütigen Mafiaboss erinnert. „Wir haben wirklich etwas Großes erschaffen.“

Er hat den Campus als Mäzen finanziert, beteiligt an den Start-ups ist er nicht. Er wolle etwas für die Gesellschaft tun, einer neuen Unternehmergeneration den Aufstieg ermöglichen, erklärt er sein Engagement. Reich genug ist er ja schon.

Niel, der als Mittelklassekind in der Banlieue von Paris aufwuchs, hat sich mit einer Kombination aus Chuzpe und Glück gegen Frankreichs etablierte Mächte durchgesetzt. „Le self-made man“ taufte ihn die „Financial Times„. Bereits als Teenager fing der Computerfreak an zu programmieren, sein erstes Geld  verdiente er mit der Entwicklung von Erotikchats für den französischen Internetvorläufer Minitel.

Reich wurde er mit dem Verkauf des Internetproviders World-Net, den er kurz vor dem Platzen der Dotcom-Blase für 40 Millionen Euro an die französische Neuf-Telecom losschlug. 2004 brachte Niel dann sein Unternehmen Iliad an die Börse. Wegen Unterschlagung in seinem früheren Erotikbusiness wurde er 2006 zu einer Bewährungsstrafe und einem hohen Bußgeld verurteilt.

Für das Pariser Establishment, die alten Familien und die Eliteabsolventen der Grandes Ecoles, ist der Kerl eine Provokation. Als er mit der Billigmarke Free 2012 den Festnetz- und Mobilfunkmarkt aufmischte, empörte sich der konservative Telekom- und Bautycoon Martin Bouygues über die „Zigeunerei“. Ex-Präsident Nicolas Sarkozy soll von Niel als dem „Peepshow-Mann“ gesprochen haben. Mehr lesen über die korrupte Grande Nation.

Inzwischen ist der Bad Boy in den allerhöchsten Kreisen angekommen, sein Ver- mögen wird heute auf knapp acht Milliarden Euro geschätzt. 2010 erwarb Niel mit zwei anderen Investoren die damals von der Pleite bedrohte Zeitungsikone „Le Monde“. Im Zuge des Deals lernte er einen jungen Rothschild-Banker kennen und schätzen – Emmanuel Macron.

Seit dieser Zeit ist Niel auch mit Delphine Arnault liiert, die Vizechefin von Louis Vuitton wurde 2010 von ihrem ersten Mann geschieden. Delphine Arnault ist die einzige Tochter und mutmaßliche Thronerbin von LVMH-Boss Bernard Arnault, dem mit Abstand reichsten Franzosen. 2014 sollen sich die Macrons und das Paar Xavier/Delphine bei einem Frühstück in New York nähergekommen sein. Die Freundschaft hat dazu geführt, dass Louis Vuitton die neue First Lady schon seit Längerem ausstattet — sauber verbucht als Kleiderleihe.

Niel und Delphine Arnault meiden die Öffentlichkeit, auch von der Politik hält sich der Multiunternehmer fern. Er gehe grundsätzlich nie wählen, sagt Niel auf die Frage eines Radioreporters — und lacht dabei entschuldigend. Während andere schrill über die französischen Zustände lamentieren, die Steuern, das starre Arbeitsrecht, den tief sitzenden Antikapitalismus, zeigt er, dass es auch anders geht.

Frankreich sei „ein fantastischer Ort, um etwas zu unternehmen“, sagt Niel. Auch mit den hohen Steuern könne er im Prinzip leben. Die Franzosen hätten ja „nichts gegen Unternehmer, sondern nur etwas gegen Erben“.

Für den neuen Präsidenten ist Niel der perfekte Partner. Frankreichs Wirtschaft wächst wieder, die extrem lockere Geldpolitik und einige Reformen der vergangenen Jahre zeigen Wirkung. Gelingt Macron in den nächsten Wochen sein schmerzhaftes Pflichtprogramm, die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes, dann sei der Weg zu neuem Wachstum frei, glauben viele Volkswirte. Frankreich stehe dann vor einer „goldenen Dekade“ wie sie Deutschland nach den Agenda-Reformen erlebt habe, sagt Berenberg-Chefökonom Holger Schmieding.

Echte Aufbruchstimmung, den Geist eines neuen Frankreichs, erhofft sich Macron aber vor allem von der Tech-Revolution. Schon als sozialistischer Minister für Wirtschaft und Digitales (2014 bis 2016) hat er sich dafür besonders engagiert.

Die Voraussetzungen für einen Neustart sind gut: Das Land verfügt über eine gepflegte Infrastruktur, in den Naturwissenschaften zählen französische Absolventen von jeher zur Weltklasse. London, Europas Wagniskapitalhauptstadt, ist von Paris nur gut zwei Stunden Zugfahrt entfernt. Unter den Expats an der Themse tummeln sich Zehntausende französische Finanz und Tech-Experten wie etwa Ning Li, Gründer des Onlinemöbelshops Made.com. Li floh einst aus Paris in die britische Diaspora — mitfinanziert von französischem Wagniskapital. Solche Geschichten sollen sich nicht wiederholen. Bereits als Wirtschaftsminister bemühte sich Macron um die Rückkehr dieser Auswanderer. Mit der 2013 gestarteten Initiative „La French Tech“ hat die Regierung einen kräftigen Schub entfacht. 13 übers Land verteilte Hightech-Metropolen“ gibt es inzwischen, die staatliche Investitionsbank BPI stellt großzügig Risikokapital bereit. Das zentralistische Frankreich hat mit solchen Top-down-lmpulsen viel Erfahrung, Venture-Fonds auf Länderebene, wie es sie in Deutschland gibt, wirken dagegen geradezu provinziell. Anfang des Jahres legte eine Arbeitsgruppe „FranceIA“ vor, eine nationale Strategie für das Wachstumsfeld der künstlichen Intelligenz (KI). International mischen einige Franzosen schon ganz vorn mit: Yann Le Cun leitet die KI-Forschung von Facebook, die auch ein Standbein in Paris hat. Antoine Blondeau ist Chairman des US-Investors Sentient Technologies, dem nach eigener Darstellung „weltweit am besten finanzierten KI-Fonds“.

Das Werbelogo von „La French-Tech“, ein aus rotem Papier gefalteter Hahn, kräht längst lauthals in den USA. Bei der Consumer Electronic Show (CES) in Las Vegas stellten die Franzosen zuletzt die stärkste Auslandsdelegation. Anfang 2016 bestritt Macron, damals als Minister, persönlich die Bühnenshow — mit einem szenetypischen Dreitagebart, den er sich über Weihnachten schnell hatte wachsen lassen.

Um die Kooperation zwischen französischen und US-Start-ups auszubauen, werden regelmäßig „La French Touch“ Konferenzen veranstaltet – zuletzt Ende Juni in New York. Dem transatlantischen Dealflow hat das geholfen: Vor wenigen Wochen kaufte Snapchat für kolportierte 200 Millionen Dollar Zenly, ein französisches Lokalisierungs-Start-up; der Netzwerkgigant Cisco investierte Mitte Juli in einen neuen, 400 Millionen Euro schweren Fonds des französischen Wagnisfinanzierers Partech Ventures.

„Paris ist gerade besonders heiß“, sagt Anton Waitz, Partner beim Berliner Risikokapitalgeber Project A. Das lange vernachlässigte Frankreich sei für Investoren mittlerweile einer der attraktivsten Märkte. Mitte Juni zog die Pariser Viva Tech, eine neue Gründerkonferenz, über 65 000 Besucher an.

Präsident Macron kündigte dort weitere Initiativen an: Ein erleichtertes „Tech-Visum“ für internationale Talente, einen Zehn-Milliarden-Euro-Fonds für Innovationen. Wissenschaftler und Unternehmer, die genug von Trumps xenophobem Amerika oder Mays Brexit-Britannien haben, hat er ausdrücklich nach Frankreich eingeladen, per Videobotschaft, auf Englisch.

Der Aufbruch trifft auch deshalb einen Nerv, weil viele junge Franzosen längst die Hoffnung aufgegeben haben, im Staatsdienst oder bei einem der Großkonzerne noch ebenso abgesichert und gut bezahlt Karriere machen zu können wie ihre Eltern. Die Alternative heißt: Selbstständigkeit. „Es ist akzeptabel, ja sogar erstrebenswert geworden, ein Start-up-Unternehmer zu sein“, sagt Frédéric Mazzella, der als Gründer von BlablaCar Frankreichs erstes Einhorn großgezogen hat. Der Mitfahrdienst wird mit 1,5 Milliarden Euro bewertet.

Xavier Niel investiert über seinen Fonds Kima Ventures Einmalbeträge von je 150 000 Euro in etwa 100 Deals pro Jahr. Auch bei Zenly war er dabei. Frankreichs Start-up-Pate will die erstarrten Strukturen aufbrechen und eine hierarchiearme Kultur fördern, die Innovationen begünstigt.