DIE GEA-GROUP UND IHRE DUBIOSE VERGANGENHEIT

DIE GEA-GROUP UND IHRE DUBIOSE VERGANGENHEIT

Und plötzlich ist da dieser Schatten. Ein Auto, das ihm folgt. Jemand, der sein Büro fotografiert. Männer, die auffällig unauffällig herumlungern, wo auch immer er auftaucht. Otto Happel, größter Einzelaktionär der MG Technologies, ist sich sicher: Er wird beobachtet.

Die Beschattung des Milliardärs war der Tiefpunkt in einemjahrelangen Streit zwischen Kajo Neukirchen, dem Vorstandsvorsitzenden der MG Technologies (ehemals Metallgesellschaft), und dem Großaktionär Happel. Neukirchen räumte später ein, eine Berliner Wirtschaftsletektei beauftragt zu haben, nannte die Aktion aber „legitim“.

Der knallharte Sanierer Neukirchen war 1993 zur Metallgesellschaft gekommen. Er sollte den hoch verschuldeten Konzern im Auftrag des Hauptgläubigers Deutsche Bank aus der Krise führen, wie zuvor den Stahlhersteller Hoesch und FAG Kugelfischer. 1999 kaufte Neukirchen von Otto Happel den Bochumer Anlagenbauer GEA, für 1 Mrd. D-Mark und zehn Prozent der MG-Aktien. Dafür sollte sich Happel aus dem Management raushalten.

Das tat er jedoch nicht. Aus der Schweiz orchestriert Happel Attacken auf den CEO. Er wirft ihm Milliardenverluste, Missmanagement und Bilanzfälschung vor, fordert seinen Rücktritt und eine Sonderprüfung. MG weist die Vorwürfe zurück. Die Schlammschlacht beginnt.

Plötzlich kursieren Gerüchte, Happel sei steuerflüchtig, paktiere mit Beteiligungsgesellschaften und ausländischen Hedgefonds, um MG zu übernehmen. Die angeblich Beteiligten weisen die Gerüchte zurück. Happels Versuche, Neukirchen aus dem Vorstand zu drängen und selbst in den Aufsichtsrat einzuziehen, scheitern 2001 zunächst. Die Aktie stürzt um 36 Prozent ab. Happels Bemühungen, sich als Vertreter der Kleinaktionäre zu gerieren, misslingen. Die Schlammschlacht, die in den Bespitzelungen Happels gipfelt, geht weiter.

Zwei Jahre später hat Happel nach Kursverlusten seinen Aktienanteil auf 20 Prozent ausgebaut. Neukirchen, mürbe von den Querelen, bangt um den Rückhalt. Im April 2003 gibt er auf, schmeißt hin. Endlich kann Happel in den Aufsichtsrat einziehen — und dirigiert fortan die Geschicke des Konzerns. Durch einen Squeeze-out werden 2004 die Aktionäre abgefunden, die Metallgesellschaft wird zur GEA Group umbenannt – Stolz und Name sind wiederhergestellt. Im März 2006 verkauft Happel seine Aktien erneut.