AURELIUS SANIERUNGSHOLDING UND CALLISTA PRIVATE EQUITY IM FADENKREUZ DER STAATSANWALTSCHAFT

AURELIUS SANIERUNGSHOLDING UND CALLISTA PRIVATE EQUITY IM FADENKREUZ DER STAATSANWALTSCHAFT

Knapp drei Jahre nach ihrer Pleite schippert die MS „Deutschland“ längst wieder über die Weltmeere. Neulich ging es entlang der grönländischen Küste Richtung Polarkreis. Es war regnerisch und kalt. Frösteln könnten in diesen Tagen auch ein paar ehemalige Verantwortliche des einstigen TV-„Traumschiffs“, das 2010 von der umstrittenen Sanierungsholding Aurelius aus der ersten Insolvenz herausgekauft und Anfang 2014 für einen Euro an Callista Private Equity weitergereicht wurde. Denn Pleite Nummer zwei (Oktober 2014) und deren Vorgeschichte hat ein juristisches Nachspiel: Die Staatsanwaltschaft Lübeck führt, so Oberstaatsanwältin Ulla Hingst, „ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der vorsätzlichen Insolvenzverschleppung, des Kapitalanlagebetrugs, des Betrugs, der Untreue und der Urkundenfälschung gegen verschiedene Personen“.

Fünf schwere Vorwürfe und umfangreiche Nachforschungen, über die Hingst „zum Schutze der Ermittlungen“ keine weiteren Auskünfte erteilen will.

Die MS „Deutschland“ ist ein weiterer Fall in der Geschichte misslungener Sanierungen von Aurelius, die Dirk Markus vor elf Jahren gründete. Seit gut anderthalb Jahren klagen Gläubiger einer Anleihe auf Schadensersatz, sie monieren Fehler im Prospekt. Von den strafrechtlichen Ermittlungen soll unter anderem Callista-Chef Olaf Meier betroffen sein, der zum Insolvenzzeitpunkt die Geschäfte führte. Aurelius und Meier teilen mit, sie hätten keine Kenntnis von dem Ermittlungsverfahren. Meier betont, bislang seien keine Vorwürfe gegen ihn erhoben worden.

Er sollte sich trotzdem auf schwere See einstellen. Ob die nächsten Presseerklärungen des der MS Deutschland weiterhin so optimistisch klingen werden?

Auszug:

„Die MS Deutschland, das ehemalige ZDF-Traumschiff, beendet morgen früh in Bremerhaven die diesjährige Phoenix-Kreuzfahrtsaison nach elf erfolgreichen Kreuzfahrten bzw. 139 Tagen in Nord- und Ostsee und wird in den Wintermonaten erneut für die schwimmende Universität, Semester at Sea, unter dem Namen World Odyssey unterwegs sein. Der Bonner Reiseveranstalter übernimmt im nächsten Frühjahr wieder planmäßig das Schiff und läuft mit der MS Deutschland am 21.04.2018 von Bremerhaven in Richtung Azoren und Kanaren aus“.