STEINHOFF INTERNATIONAL: IMMER NEUE BETRUGSVERDACHTE

STEINHOFF INTERNATIONAL: IMMER NEUE BETRUGSVERDACHTE

Liegen die Aktien der Steinhoff International Holdings im Feuer? Bruno Steinhoff könnte zufrieden sein mit seinem Lebenswerk. 1964 gründete der Bauernsohn und Industriekaufmann eine Firma für den Import von Polsterbezügen. Die lief gut an. Heute beschäftigt die im MDax notierte Steinhoff International Holdings mehr als 130 000 Menschen auf fünf Kontinenten.

Der nach Ikea zweitgrößte Möbelkonzern Europas produziert und vertreibt Hausrat (hierzulande in 118 Filialen der Marke Poco), handelt aber auch mit Bekleidung und vermietet Autos. Mit einem Vermögen von etwa 1,4 Milliarden Euro sind die im niedersächsischen Westerstede ansässigen Steinhoffs zu einer der reichsten Familien der Republik aufgestiegen. Ihr Besitz umfasst rund 5 Prozent an der Holding sowie Pflegeheime, Biogasanlagen und Ländereien in Ostdeutschland.

Der hemdsärmelige und öffentlichkeitsscheue Bruno Steinhoff hat, so scheint es, eine Erfolgsgeschichte geschrieben, die nur der ewige Rivale Ingvar Kamprad toppt. Ein zweites Ikea zu schaffen war von jeher Traum des Selfmademilliardärs.

Dieser Traum könnte nun schon bald zum Albtraum werden, vor allem für die Investoren. Denn wie die Recherchen von Fraudanwalt offenbaren, ist das Steinhoff-Konstrukt so einsturzgefährdet wie manche aus billigem Pressspan gefertigten Schränke und Schubladen in seinen Discounthäusern. Der Konzern scheint auf Treibsand gebaut zu sein.

Für einen eventuellen Schadensfall wäre der Namensgeber nur noch am Rande verantwortlich. Der Gründer wechselte bereits 2008 von der Firmenspitze in den Board, in dem auch seine Tochter Angela Krüger-Steinhoff wacht. Das Unternehmen leiten heute Christo Wiese, seit 2015 Chairman, und CEO Markus Jooste. Der Pate und sein Exekutor bewegen sich nicht selten am Rande der Legalität.

Hasardeuren gleich blähen sie die Umsätze mit waghalsigen  Zukäufen und fragwürdigen Buchungen auf; die Erlöse sind allein 2016 um ein Drittel auf 13,4 Milliarden Euro in die Höhe geschnellt. Verluste werden mitunter zwischen verbundenen Firmen hin- und hergeschoben, sodass sie im Jahresabschluss nicht mehr auftauchen. In mindestens drei Fällen haben die Wirtschaftsprüfer ihr Testat nur mit Einschränkung erteilt.

Mehrere Kapitalerhöhungen haben die Aktie verwässert, ihr Kurs ist abgeschmiert. Die Ratingagentur Moody’s bewertet Steinhoff mit Baa3, eine Stufe über Ramschniveau; Goldman Sachs und die Commerzbank warnten ihre Kunden jüngst vor dem Kauf des Papiers.

In drei Ländern ermitteln Fahnder wegen Steuervermeidung. Die Staatsanwaltschaft 01denburg hegt den Verdacht der gesetzeswidrigen Bilanzierung. Auch eine Strafanzeige wegen Urkundenfälschung liegt vor.

„Die mächtige Stellenbosch-Mafia“, titelt MM

Das Management hat einigen Ehrgeiz in den Aufbau eines Schattenreichs gesteckt, eines sogenannten Off-Balance-Sheet. Zudem ist das Konglomerat absichtsvoll verschachtelt: Der rechtliche Firmensitz liegt in den Niederlanden, die Aktie notiert seit 2015 in Frankfurt und nebenher in Johannesburg, wo Steinhoff 1998 an die Börse ging.

Gesteuert wird das Imperium von Stellenbosch aus. In dem südafrikanischen Weinstädtchen haben sich viele einflussreiche Unternehmer angesiedelt. CEO Jooste bewohnt dort ebenso ein Anwesen wie Chairman Wiese.

Die Herren der „Stellenbosch Mafia“, wie sie in Südafrika heißt, machen ihre Geschäfte bei der Jagd und beim Besuch von Rugbyspielen. Auch Bruno Steinhoff und Wiese fanden so zusammen.

Wiese investiert sein Geld in Firmenbeteiligungen, er ist der drittreichste Südafrikaner, rund fünf Milliarden Euro schwer. 2014 verkaufte er seine Textil und-Schuhkette Pepkor für 4,6 Milliarden Euro an Steinhoff ein Deal aus Bargeld und Aktien.

BRISANTER FUND bei Steinhoff

Mittlerweile hält Wiese 23 Prozent an dem Möbelmulti. Seine Anteile sind zusammen mit jenen des Managements und der Familie Steinhoff in einem Pool gebündelt, der knapp 33 Prozent der Stimmrechte vereint.

Der mächtigste Steinhoff Aktionär beherrscht das Spiel mit der Intransparenz virtuos. Die letzte Kapitalerhöhung im September 2016 konstruierte Hauptaktionär Wiese so, dass er seinen Anteil zwar aufstocken, auf ein Prospekt mit detaillierten Informationen aber verzichten konnte. Dafür musste er zur Finanzierung des Aktienkaufs seine Papiere an Goldman Sachs, HSBC, Citigroup und Nomura verpfänden – die Banken gingen lieber auf Nummer sicher.

Mit seinen Machenschaften hat sich der Bure so manchen Ärger eingehandelt. Zollbeamte erwischten ihn beim Einchecken am Londoner City Airport mit dicken Bündeln von Banknoten insgesamt 750 000 Euro. Er habe das mit Diamantengeschäften verdiente Geld auf ein Konto in Luxemburg einzahlen wollen, rechtfertigte sich Wiese.

Der brisante Fund alarmierte die südafrikanischen Behörden. Die stellten fest, dass der Tycoon wesentliche Teile seines Vermögens in Offshorefirmen verlagert hatte — und forderten eine Steuernachzahlung von 200 Millionen Euro.

Wie sich Wiese mit den Beamten arrangiert hat, ist unbekannt. Das in Großbritannien beschlagnahmte Geld erhielt er jedenfalls zurück. Auch die südafrikanische Börsenaufsicht, die den Juristen — ebenso wie Jooste und Bruno Steinhoff— wegen Insiderhandels verfolgt hatte, stellte ihre Ermittlungen ein. Die Beschuldigten hatten die Vorwürfe zurückgewiesen.

Großes Talent zeigt das Steinhoff-Management darin, Steuern zu drücken oder ganz zu vermeiden. Zwischen 2010 und 2015 zahlte der Konzern im Schnitt 11,7 Prozent auf das Bruttoergebnis; die Branche liegt bei mehr als 20 Prozent. Fahnder in Österreich, Südafrika und Deutschland ermitteln, ob Gewinne widerrechtlich in steuergünstige Länder transferiert wurden.

So geschickt die Manager in Steuerfragen agieren, so problematisch ist ihr Geschäftsmodell. Während Ikea allein auf seine blau-gelbe Marke vertraut und damit beträchtliche Synergien hebt, macht Steinhoff in KleinKlein: Die Gruppe führt in Europa, Afrika, Australien, Neuseeland und Amerika 50 Labels und mehr als 12 000 Läden.

Dieses Sammelsurium soll nun auch noch um Lebensmittel erweitert werden. Die Südafrika-Tochter von Steinhoffplant, über einen Aktientausch im Wert von 2,2 Milliarden Euro die Kontrollmehrheit an Shoprite zu erwerben – der größten Supermarktkette Afrikas, bei der Wiese (wer sonst!) wichtigster Aktionär und Chairman ist.

Es wirkt, als würde gekauft, was zu haben ist. Hauptsache, die Gruppe wiegt Investoren und Geldgeber mit zweistelligen Wachstumsraten in Sicherheit.

Vergangenes Jahr übernahm Steinhoff den US-Bettwarenhändler Mattress. Die Erlöse der Firma schrumpfen auf vergleichbarer Fläche, was Jooste und Wiese nicht hinderte, satte 3,4 Milliarden Euro zu zahlen – ein Aufpreis auf den Aktienkurs von 115 Prozent. Berater Tushar Jain von Goldman Sachs alarmierte Anfang August seine Kunden, die US-Tochter könnte zu einem Mühlstein für Steinhoff werden.

Ähnlich kurios mutet der Kauf von Poundland im September 2016 an, eine britische Ladenkette, die ihr Sortiment für jeweils ein Pfund verkloppt und mit sinkenden Umsätzen und Gewinnen kämpft. Trotzdem bot Steinhoff ein Premium von 43 Prozent. Anfang Juni gab KPMG sein Mandat als Wirtschaftsprüfer von Poundland zurück.

AUFGEBLÄHTE BILANZ bei Steinhoff International

Die überzogenen Preise stehen als Goodwill in der Bilanz — und das nicht zu knapp: Allein für 2016 verzeichnet der Steinhoff-Konzernabschluss einen Goodwill von gut neun Milliarden Euro. Hinzu kommen immaterielle Werte wie Patente und Lizenzen im Wert von mehr als sieben Milliarden Euro.

Nur gut ein Fünftel des Anlagevermögens entfällt auf Güter wie Maschinen und Fabriken. Und selbst diese Sachwerte werden üppig angesetzt, die Gruppe belässt es bei marginalen Abschreibungen: für 2016 knapp 5 Prozent, bei Ikea waren es 2015 rund 37 Prozent.

Zweifelhafte Vermögenswerte beschäftigen inzwischen die Gerichte. Mehrere Verfahren sollen klären, ob die im Steinhoff-Zahlenwerk ausgewiesenen Anteile an der Poco-Kette und dem französischen Möbelanbieter Conforama zu hoch angesetzt sind.

DUBIOSER VERTRAG, dubioses Joint Venutre

Die Poco-Filialen gehören einem Joint Venture von Steinhoff und Andreas Seifert, dem Co-Geschäftsführer der XXXLutz Einrichtungshäuser. Beide sind jeweils zu 50 Prozent an der Gemeinschaftsfirma beteiligt. Nun behauptet Steinhoff, Seifert habe seine treuhänderischen Pflichten verletzt und damit seinen Anteil verloren.

Vom Conforama-Eigenkapital standen Seifert und Steinhoff ebenfalls je die Hälfte zu. Vonseiten Steinhoffs heißt es jetzt, Seifert habe Zusagen nicht erfüllt, daher habe er nur noch Anrecht auf ein knappes Viertel.

Sowohl Poco als auch Conforama, die aufaddierte Erlöse von rund fünf Milliarden Euro erzielen, stehen als 100-ProzentTöchter in der Steinhoff-Bilanz. Obsiegt Seifert vor Gericht, muss der Konzern die beiden Firmen möglicherweise aus den Büchern nehmen, zumindest zum Teil. Die Assets würden dann deutlich schrumpfen, Umsätze und Gewinne in sich zusammensacken.

Finanziell vorgesorgt hat die Holding kaum. Die Rückstellungen betragen lediglich 491 Millionen Euro – eine geringe Summe angesichts der Risiken.

Der zurückgezogen lebende Österreicher Seifert könnte den Südafrikanern noch weitere Schwierigkeiten bereiten. Der sonst ruhige Mann reagierte fassungslos, als er im Juli 2016 in den Räumen der Polizeiinspektion Osnabrück als Zeuge zu diversen Dokumenten befragt wurde, die er unterzeichnet haben soll. „Ich habe die Papiere nie zuvor gesehen und sie nicht unterschrieben“, beteuert Seifert. Er hat mittlerweile Strafanzeige wegen Urkundenfälschung gestellt.

Unter den Schriftstücken befindet sich ein Vertrag vom 15. Januar 2012, in dem Seifert angeblich der Offshoregesellschaft Winecott, die damals der Steinhoff-Gruppe nahestand, die exklusive Nutzung seiner Marke Möbelix in mehreren europäischen Ländern zusichert. Die Urkunde legt fest, dass „nach Beendigung des Vertrages“ eine Einmalgebühr von 3 Prozent fällig wird — gemessen am MöbelixNettoumsatz. Wie lange die Vereinbarung läuft, ist nicht definiert. Will heißen: Dem Lizenznehmer entstehen zunächst keine Kosten, und er darf den Wert der Markenrechte in seiner Bilanz verbuchen.

Aufgetaucht waren die Akten bei mehreren Razzien, die der Oldenburger Oberstaatsanwalt Frank Lohmann in der Steinhoff-Europa-Zentrale in Westerstede sowie in den Privathäusern von zwei Steinhoff-Vertrauten durchführte. Die Verfahren laufen seit Anfang 2015.

Die Fahnder ermitteln wegen „überhöhter Umsatzerlöse“. Hintergrund sind Verträge, die den Verkauf von immateriellen Gütern beziehungsweise Gesellschaftsanteilen belegen. Verkäufer und Käufer waren Firmen, die dem Umfeld von Steinhoff  entstammen sollen. Es gehe bei den diversen Transaktionen um „jeweils dreistellige Millionenbeträge“, so die Staatsanwaltschaft.

Steinhoff hätte also, wenn sich der Verdacht bestätigt, Vermögenswerte in die Bilanz aufgenommen, die zu hoch angesetzt sind oder nicht existieren. Das Steinhoff-Management ist der Auffassung, dass die konsolidierten Abschlüsse der Gruppe die Sachverhalte zutreffend reflektieren.

Beschuldigt werden zwei Männer, die seit Jahren zum Netzwerk von Steinhoff gehören – Siegmar Schmidt und George Alan Evans—, sowie Steinhoff-Manager Dirk Schreiber und CEO Jooste.

Seit ermittelt wird, zieht es Jooste offensichtlich seltener nach Deutschland. Selbst zur Erstnotiz von Steinhoff in Frankfurt erschien er nicht. Der Vorstandsvorsitzende entschuldigte sich mit Nackenschmerzen. Um den ersten Kurs zu läuten, musste noch mal der Gründer ran.

Bruno Steinhoff und Jooste kennen sich seit Langem. Der Wirtschaftsprüfer stieß 1988 zu Steinhoff, 2000 stieg er zum CEO auf. Nebenbei betätigt er sich als Pferdezüchter, was erklären könnte, warum ausgerechnet Steinhoff mit seiner Discounttochter Poco das piekfeine Galopprennen in Iffezheim bei Baden-Baden sponsert.

Der Südafrikaner sagt von sich selbst, er sei „erfolgshungrig“. Weggefährten beschreiben ihn als durchtriebenen Manager mit einem geschickten Händchen für Steuern und Bilanzen.

Welche Kreativität Jooste und seine Zuarbeiter bei der Buchführung entwickeln, zeigt sich am Wirken des Mitbeschuldigten Siegmar Schmidt.

Schmidt stand Steinhoff mehr als zehn Jahre lang unter anderem als Finanzchef des Europa-Geschäfts zu Diensten. Heute führt er aus seinem Einfamilienhaus im nordwestdeutschen Provinzstädtchen Bad Zwischenahn ein halbes Dutzend Firmen. Mit dem bunten Strauß schafft er ein dichtes Geflecht, das unter anderem dabei hilft, den beunruhigenden Zustand des Steinhoff-Imperiums zu verbergen.

VERSTECKTE VERLUSTE im Steinhoff Imperium

Aktiv wird Schmidt etwa beim Kauf des österreichischen Möbeldiscounters Kika-Leiner, für den FC-Bayern-Star David Alaba ebenso schlicht wie eingängig wirbt: „I bin a Kika.“

Im Juni 2013 gibt Steinhoff bekannt, die europaweit gut 70 Kika-Leiner-Einrichtungshäuser mit einem Umsatz von rund 1,2 Milliarden Euro zu übernehmen. Alsbald reift die Erkenntnis, dass eine Vollkonsolidierung des verlustreichen Billiganbieters wohl keine so gute Idee sei.

Steinhoff findet einen Weg, die Übernahme zu verstecken: In der Bilanz von 2014 heißt es, man habe „den unabhängigen Kauf von Kika-Leiner ermöglicht, durch die Genesis Investment Holding“. Genesis indes ist alles andere als unabhängig. Ihre Muttergesellschaft Triton wird von Steinhoff mit 375 Millionen Euro finanziert, dem Kaufpreis von Kika-Leiner.

Mittendrin und zwischenzeitlich Hauptaktionär von Kika-Leiner: Der Steinhoff-Vertraute Schmidt. Er sorgt dafür, dass sich Kika-Leiner für rund zwei Jahre auf einer Geisterbahn außerhalb der Steinhoff-Bilanz verstecken konnte.

Als Schmidt über Zwischengesellschaften zu den Eignern von Kika-Leiner gehört, nimmt ihm Steinhoff die Immobilien der Möbelkette ab. Der Konzern zahlt dafür 452 Millionen Euro — 77 Millionen Euro mehr, als das gesamte Unternehmen gekostet hatte. Seitdem weist Steinhoff erkleckliche Mieteinnahmen aus, 2015 rund 70 Millionen Euro.

Das defizitäre Einzelhandelsgeschäft von Kika-Leiner gesundet zwischen 2013 und 2015 auf wundersame Weise. Ein Verlust von 11 Millionen Euro verwandelt sich in 38 Millionen Euro operativen Gewinn, obwohl der Umsatz um ein Fünftel einbricht.

Die Quelle des Profits mutet absurd an. 46 Millionen Euro verbucht Kika-Leiner-Besitzer Genesis für „Wissens-Dienstleistungen und Zuschüsse für die Förderung der Markennamen“. Das Geld kommt vermutlich erneut von Gesellschaften, die Steinhoff nahestehen.

Ende 2015, unmittelbar vor dem Börsengang in Frankfurt, werden die notdürftig aufgemöbelten Läden wieder in die offizielle Steinhoff-Bilanz eingefädelt. Immerhin geben die Wirtschaftsprüfer von Deloitte & Touche einen Warnhinweis: Im Börsenprospekt bekennen sie, dass sie nicht nachgeschaut hätten, ob alle Daten tatsächlich stimmten.

Ähnlich trickreich wie bei Kika-Leiner verfuhr Steinhoff mit anderen defizitären Töchtern, etwa JD Consumer Finance, eine Firma für Konsumentenkredite in Afrika. Sie wurden an Unternehmen weitergereicht, mit denen der Konzern zwar verbunden ist, die er aber nicht konsolidiert. Wie etwa Campion Capital, zu deren Gründern und Direktoren wiederum Schmidt gehört.

Was passiert nun, wenn die im Verborgenen schlummernden Einheiten zusätzliche Defizite anhäufen und die von Steinhoff ausgereichten Kredite in dreistelliger Millionenhöhe nicht zurückgezahlt werden können? Wer trägt dann den Schaden?

Fest steht: In den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres hat sich die Finanzlage zunehmend verschlechtert. Die operative Gewinnmarge fiel von 11,6 auf 8,8 Prozent. Vom Vorsteuerüberschuss in Höhe von 816 Millionen Euro kam in der Endabrechnung kaum Hartgeld an: Der Netto-Cashflow sackte auf 13 Millionen Euro was den Verdacht nährt, dass ein Großteil des Profits auf obskuren Buchungen fußt. Zugleich stieg die Nettoverschuldung von 2,9 auf 6,5 Milliarden Euro.

Steinhoff braucht vermutlich bald frisches Geld. Die Restrukturierung und Integration der milliardenteuren Zukäufe verursacht Kosten. Und die Behörden könnten Steuern nachfordern. In ihrer Not sind Jooste und Wiese auf einen neuen Kunstgriff verfallen. Das Duo hat alle afrikanischen Handelsaktivitäten, die für ein Viertel des Gesamtumsatzes verantwortlich sind, in eine Tochtergesellschaft eingebracht. Die soll bis Ende September an die Börse in Johannesburg gehen, der Emissionserlös die Kassen der Holding auffüllen.

Ganz so, als würde man eine auf Treibsand gebaute Bretterbude mit einem Hering absichern wollen. Die Steinhoff International Holdings setzt die Redaktion auf die Warnliste.