ANLEGERSCHÜTZER HALTEN HABONA INVEST FÜR RISIKOANLAGE

Die Habona Invest GmbH aus Frankfurt am Main steht mit Kapitalanlagen (Immobilienfonds) in der Kritik zweier Anlegerschutzkanzleien sowie bei Finanztest. Die Immobilienfonds sind überweigend Blindpools, das bedeutet, dass ein Anleger keine Transparenz erwarten darf, wenn er wissen will – worin sein Kapital investiert wird. „Stehen mehr als 10 Prozent der direkten oder indirekten Immobilien­investitionen des Fonds bei Zeichnung durch den Anleger noch nicht fest, spricht man von einem Blindpool“, schreibt Finanztest. Es handelt sich bei Immobilieninvestments  von Habona Invest um eine Vertrauens­investition in das Fondsmanagement Johannes Palla & Guido Küther.

Nur wenn die Fondsmanager die richtigen Immobilien kaufen, kann sich die Investition für Anleger lohnen. Das Risiko ist für den Anleger nur schwer kalkulierbar… Wollen Anleger dennoch in Immobilien investieren, dann stoßen sie zwangsläufig auf die Firma Habona Invest GmbH, die stolz berichtet, dass sie ihren Immobilienfonds EFH 05 vorzeitig voll platzieren konnte. Zusätzlich findet man dann bei weiterer Recherche noch einige wohlklingende Umschreibungen von anderen Fonds der Gesellschaft, die vorgeben, den Anleger restlos glücklich zu machen, weil sie über kurze Laufzeiten und gute Renditen verfügen.

Allerdings gibt es niemand, der das bestätigen kann. Kein Anleger, der seine guten Erfahrungen mitteilt, keine Ratingagentur, die den finanziellen Erfolg bestätigen kann. Da fragt man sich zu Recht, wer zum Teufel ist Habona Invest GmbH? Bislang eine Blackbox.

Nachdem das Unternehmen jahrelang am Markt aktiv ist und das Management stolz von sich berichtet, über 30 Jahre Erfahrung im Fondsgeschäft vorzuweisen, sind lediglich gekaufte Werbeanzeigen bei Handelsblatt und Fokus zu finden. Die redaktionellen Berichte sollen suggerieren, dass das Unternehmen über eine gewisse mediale Größe verfügt. Erst auf dem zweiten Blick ist zusehen, dass alle schönen Berichte über Habona Invest nur gekauft sind. Und das vom Anlegergeld, vermutlich.  Und überhaupt: Jeder kann von sich behaupten, der Beste zu sein – beweisen muss er es nur. Und das kann Habona Invest aus Sicht der Redaktion nicht.

Im Gegenteil: Es melden sich Anwälte zu Wort, die vor den Produkten des Unternehmens warnen. Deren Vorwurf: Totalverlust-Risiko!  Und woran liegt das? Natürlich – geschlossene Immobilienfonds sind nun mal hochspekulativ und riskant – zudem Intrasparent, urteilte Finanztest über Habona-Invest-Fonds. Auch wenn das Unternehmen für verschiedene Auszeichnungen (Awards) vorgeschlagen war, so hat es in den letzten 5 Jahren nie eine bekommen. Das muss seine Gründe haben.

Auf der Webseite von Habona Invest erwähnen die Frankfurter diese Auszeichnungen von 2012, wahrscheinlich verbunden mit dem stillen Wunsch, dass es eines Tages vielleicht wirklich mal zu einem echten 1.Platz-Award reichen wird. Aber in welcher Kategorie? Vielleicht in der von Einzelhandelsfonds, wo das Unternehmen sich vor langer Zeit im Jahr 2011 einmal hat zertifizieren lassen, dass es da über die besten Fonds dieser Kategorie verfügte. Lange ist’s her. „Das sieht alles so aus, als interessiere sich wirklich kaum jemand für die Fondsgesellschaft, die das schöne Wort „Nachhaltigkeit“ im Firmennamen trägt, aber keinen Beweis dafür erbringen kann“, kommentiert ein Anlegerschützer gegenüber Fraudanwalt.

Anleger-Schutzanwälte und Produkttester wie die renommierte „Finanztest“, die die Angebote der Habona Invest GmbH kritisieren, warnend den Zeigefinger heben und ihre Dienste anbieten, damit Anleger ihr Kapital zurückbekommen. Was hat das bitte schön mit Nachhaltigkeit zu tun?

Die Suchergebnisse in Google zum Firmennamen ergeben dann noch einige „gekaufte“ Anzeigenplätze, die mit sogenannten redaktionellen Texten aufgefüllt sind und den Anschein erwecken sollen, hier hätten renommierte Journale wie Börse Online oder Focus Online oder auch das Handelsblatt journalistisch sauber recherchierte Empfehlungen veröffentlicht – verantwortlich zeichnet dafür einzig und allein der unternehmenseigene Mitarbeiter aus der PR-Abteilung, der seine „journalistischen Ergüsse“ ins „Netz“ gestreut und als echte Berichterstattung getarnt hat. Etwa 5.000 Kunden, die angeblich die Fondsprodukte gezeichnet haben, aber kein lobendes Wort darüber verlieren, das erscheint uns recht unglaubwürdig. Oder sind die Herrschaften einfach nicht bereit, etwas Positives zu äußern, weil die gesamte Performance einfach nicht gut genug ist? Aus unserer Sicht ist Habona Invest ein Fall für die Warnliste.

 

BRALE HAUS GMBH: WENIG BEMÜHEN UM TRANSPARENZ, INFORMATION ODER ERFAHRUNGEN

Wer sich ein Haus bauen will und nach Referenzen der Brale Haus GmbH im Internet sucht, der wird arg enttäuscht. Die Einträge sind veraltet, ein Klick auf den Button „Website“ der Brale GmbH bei Google öffnet eine „traurige Unternehmensseite“, Unterpunkte oder Informationen fehlen. Lediglich eine vollmundige Umschreibung der Firmenphilosophie und der Hinweis, dass Brale-Häuser „Wohlfühlhäuser“ sein sollen. Das mag ja vielleicht stimmen, aber es fehlen die authentischen Beweise. „Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube“ (aus: Faust, von J.W. von Goethe) ist das Einzige, was uns dazu einfällt.

Entweder ist in Zahna-Elster im tiefsten Sachsen-Anhalt, dem Ort der Firmenzentrale, die Zeit stehen geblieben, oder die beiden verantwortlichen Firmengründer brauchen dringend etwas Nachhilfe. Aber was hier geboten wird, um Neukunden zu gewinnen oder seinen guten Namen bekannt zu machen, ist rein gar nix. Marcel Reich Ranicki hätte in seinen legendären Buchbesprechungen des literarischen Quartetts orakelt: „Das ist nichts, sondern Mist – ohne Sinn und Verstand.“ Und genau so denken wir auch bei der Überlegung, dass ein Dienstleistungsunternehmen aus der Baubranche viel mehr Wert auf Kundenmeinungen und Referenzen legen sollte, ansonsten kauft der Kunde die berühmte Katze im Sack, wenn er sich für ein Hausbauprojekt von Brale entscheidet.

Allerdings sind die oben angesprochenen aber veralteten Kundenmeinungen zum Großteil auch keine Lobeshymnen auf die Qualität des sächsischen Häusle-Bauers, sondern böse Abrechnungen enttäuschter oder genervter Kunden. Aussagen wie: „Läuft alles jetzt über den Anwalt“ oder „Bei unserem Bau nahe Dresden sind massive Probleme aufgetreten“ oder auch Eintragungen in Hausbau-Blogs, die von desaströsen Erfahrungen sprechen, sind keine gute Visitenkarte für ein Unternehmen, dessen Dienstleistungen den Kunden oft mehrere Hunderttausend Euro kosten. Umso erstaunlicher ist die Tatsache, dass die Firmenleitung offenbar nach dem Motto agiert: Was schert uns die Meinung der Kunden, wenn wir immer wieder ein „Doofen“ finden, der uns sein Geld anvertraut.

Diese Einstellung scheint mehr als grenzwertig und ist darüber hinaus völlig unzeitgemäß. Aber in einem Punkt ist das Unternehmen hellwach und kennt alle Tricks und Schlichen, um die Kunden zur Ader zu lassen: nämlich dann, wenn es ums Geld geht. Da hat es Brale GmbH offensichtlich sehr eilig, Anwälte zu engagieren, die sich um ausstehende Gelder kümmern oder dem Kunden das Leben schwermachen – besonders wenn dieser sich in der Materie nicht richtig auskennt.

Das alte Lied der fehlerhaften Kostenvoranschläge kann auch bei Brale aus vollem Hals gesungen werden, wie sich aus Beschwerden von Bauherren entnehmen lässt. Vieles, was niedrig kalkuliert wird, wird hinterher viel teurer und bereitet dem Kunden oftmals schlaflose Nächte. Deshalb erinnern wir an dieser Stelle zum wiederholten Mal an die sogenannten „Baunebenkosten“, die einen erheblichen Anteil der kompletten Baufinanzierung ausmachen und mit etwa 25% zu Buche schlagen. Wenn diese im Vorfeld nicht richtig kalkuliert werden, kann das gesamte Bauvorhaben zu einem „Luftschloss“ werden. Und es gibt immer wieder Kundenberater, die wichtige Details dieser langen Liste unter den Tisch fallen lassen, um erst einmal die Unterschrift des Kunden unter den Vertrag zu bekommen. Was danach kommt, ist oftmals die böse Überraschung, die auch schon einmal ein ganzes Bauprojekt scheitern lassen kann. Zu Lasten des Kunden, der dann nämlich gigantische Stornokosten berappen muss. Von diesen Vorwürfen kann sich auch die Brale GmbH nicht freisprechen.

Aufgrund der negativen Bauherren-Erfahrungen mit Brale GmbH setzten wir die Baufirma auf die Warnliste.

SCHWERE ZEITEN WARTEN AUF DEUTSCHE AUTOMOBILINDUSTRIE

Feuerbach könnte zum Symbol werden, zum Symbol für den vielleicht einschneidendsten Strukturwandel, dem die deutsche Wirtschaft je ausgesetzt war. Seit 1909 ist der Stuttgarter Stadtteil Heimat der Robert Bosch GmbH, er beherbergt die größte Produktions- und Entwicklungsstätte des größten Automobilzulieferers der Welt. 13 000 Menschen arbeiten hier für Bosch, heute wie vor 25 Jahren. Während früher Motorenteile und Komponenten gefertigt wurden, wird heute Software für Motoren entwickelt.

Modernisierung ohne Jobverluste. „Feuerbach ist zum Muster geworden für industrielle Transformation“, sagt Frank Iwer, Autoexperte der IG Metall.

Doch kann das noch mal funktionieren, wenn die nächste Stufe der Disruption gezündet und der Verbrenner vom Elektroantrieb verdrängt wird? „Die Motorenentwickler in Feuerbach langweilen sich schon jetzt“, bemerkt ein Aufsichtsrat, so wenig gebe es zu tun. „Die beschäftigen sich mit ihren Smartphones, basteln an der Steuerung ihrer Heizungen und Kühlschränke.“

Nichts mehr zu tun bei Bosch? Der Konzern sucht doch ständig Ingenieure und Programmierer; gerade wieder 700, die am fahrerlosen Auto arbeiten sollen.

Stimmt, nur werden die woanders gebraucht. Die Motorexperten aus Feuerbach umschulen? Funktioniert nicht, das Know-how ist ein völlig anderes.

Der Traum von der reibungslosen Transformation scheint vorbei, in Feuerbach wie im automobilen Rest des Stuttgarter Technologiekonzerns. Seit der Dieselskandal das Image des Selbstzünders zerstört hat, sacken die Aufträge weg. Ein schnelles Umschichten auf Benziner ist nicht möglich, intern geht man davon aus, dass in der umsatzstärksten und profitabelsten Sparte des Konzern mittelfristig etwa die Hälfte der Erlöse verloren geht.

Bosch insgesamt mit seinen 390 000 Beschäftigten wird das nicht umwerfen, die vielen Tausend Dieselspezialisten jedoch schon. Denn aus dem geordneten Übergang zum Elektroantrieb, den sie bei Bosch eigentlich erst „zwischen 2040 und 2050″ erwartet haben, wird nun nichts.

Der schwäbische Konzern steht stellvertretend für eine Branche, die gerade die Nerven verliert. Bosch gilt seit Jahrzehnten als Symbol für erstklassige Produkte, gute Gewinne, fair behandelte Mitarbeiter. „Made in Germany“ at its best. Ähnlich tadellos war auch der Ruf der anderen großen Zulieferer Continental, ZF Friedrichshafen, Schaeffler und Mahle. Den drei Premiumherstellern Daimler, BMW und Volkswagen lag sowieso die halbe Welt zu Füßen – bis zur Dieselaffäre.

Seit auch noch Kartellvorwürfe hochkamen, werden deutsche Automanager behandelt wie Aussätzige. Selbst Musterschüler Bosch wird als Mittäter der Abgasmanipulation verdächtigt.

Das lässt Uber, Tesla, LG oder Samsung, die neuen Auto- und Mobilitätsrivalen aus dem Silicon Valley und Südkorea, noch gefährlicher wirken. Die Investoren scheinen das Vertrauen in die alten Kraftprotze verloren zu haben. „Wer deutsche Autowerte zum Kauf empfiehlt, macht sich fast schon zum Gespött“, sagt Analyst Arndt Ellinghorst von Evercore ISI. Langjährige Low-Performer wie PSA Peugeot Citroön werden im Verhältnis zum Gewinn inzwischen höher bewertet als Daimler. Und der Aufsteiger Tesla, in seiner 14-jährigen Historie noch nie profitabel, war an der Börse zwischenzeitlich mehr wert als BMW.

War es das jetzt für die deutsche Vorzeigeindustrie? Ubern auch die Deutschen in ein paar Jahren freihändig durch die Republik?

So weit ist es noch lange nicht. Zum einen ist weder Tesla mit seinen E-Modellen noch Google mit seiner Software für autonom gesteuerte Autos uneinholbar enteilt, und schon gar nicht der skandalgeschüttelte Taxidienst Uber. Zum anderen sind die großen Zulieferer an so ziemlich allen bedeutenden Zukunftsprojekten beteiligt. Gefährdet sind vor allem hoch spezialisierte Mittelständler und Maschinenbauer, die vom Verbrenner abhängen — Schätzungen zufolge etwa 15 Prozent der Branche.

Und so angekratzt das Image der Hersteller in der Heimat auch sein mag — ihre Karossen sind auf den Weltmärkten nach wie vor äußerst begehrt. Das gehobene Premiumsegment dominieren die Deutschen fast allein, zu etwa 70 Prozent. Mercedes, Porsche und BMWs Mini gehörten letzthin zu den zehn am stärksten im Wert gestiegenen globalen Topmarken.

Die Autobosse haben vieles falsch gemacht in den vergangenen Jahren, sie haben ihre Ingenieure manipulieren und betrügen lassen, sie haben die Politik und ihre Behörden unterjocht und zuletzt nicht einmal den Mumm besessen, ihre Fehler offen einzugestehen. Doch historisch betrachtet könnte es ausgerechnet der Dieselskandal sein, der die deutsche Autoindustrie zwingt, sich selbst zu retten. Weil sie radikaler umdenken muss, als sie sich eigentlich getraut hätte. Weil die Affäre und die drohenden Dieselfahrverbote beim Käufer mehr Wirkung erzielen als jede Elektroprämie. Und weil die Politik endlich die richtigen Rahmenbedingungen setzen muss, will sie sich nicht vollends lächerlich machen.

Sieben Thesen, die untermauern, warum Elon Musk lind all die anderen Superstars aus dem Valley weiter mit den Deutschen rechnen müssen.

DIE KASSEN SIND VOLL

Daimler hat 2016, Zinsen und Steuern nicht berücksichtigt, 12,9 Milliarden Euro verdient und hatte netto knapp 20 Milliarden Euro in der Kasse. BMW kommt aufknapp 10 Milliarden Euro Gewinn. Conti und selbst die malade Schaeffler AG weisen nach wie vor zweistellige Umsatzrenditen aus. Sogar Volkswagen schwimmt noch in fast 24 Milliarden Euro Liquidität, obwohl Dieselgate allein im ersten Halbjahr knapp 10 Milliarden Euro Cash gekostet hat.

Finanziell geht es der deutschen Autoindustrie so gut wie nie. Die vollen Geldspeicher helfen dabei, die gigantischen Kosten zu stemmen, die der Wandel hin zum E-Auto und zum autonomen Fahren verschlingt. Daimler-Chef Dieter Zetsche  hat die Ausgaben für Forschung und Entwicklung 2016 bereits um 15 Prozent auf 7,6 Milliarden erhöht und weitere Steigerungen angekündigt. Volkswagen investiert trotz Dieselstrafen mehr als jeder andere Industriekonzern der Welt, CEO Matthias Müller hat das Budget im ersten Halbjahr 2017 noch mal angehoben.

Angstgegner Tesla hingegen kriegt ohne neue Anleihe nicht mal sein Model 3 in ausreichender Stückzahl vom Hof.

Sowohl Volkswagen als auch BMW, Schaeffler und Conti werden im Eignerkreis dominiert von mächtigen Familien. ZF und Bosch gehören Stiftungen. Es wäre für die CEOs mithin kein Problem, in der Phase der Transformation auch mal ein paar Jahre auf Marge zu verzichten. So wie Bosch-ChefVolkmar Denner , der einmal gesagt hat: „Die nächsten 2 bis 3 Prozent Rendite interessieren mich nicht.“ Die Zukunft sei wichtiger.

„Die Umsatzrenditen werden sinken, 3 bis 5 Prozentpunkte weniger als heute dürften 2025 normal sein“, prognostiziert auch Roland Bergers Autochef Marcus Berret. Ob das die Börse mitmacht? Warum eigentlich nicht. Richtig kommuniziert, könnten die Aktionäre ein Bekenntnis zu mehr Investments statt Ausschüttung sogar honorieren. Tesla ist seit Jahren der unprofitable Beweis.

DER VERBRENNER LÄUFT NOCH

Es wäre ein Coup gewesen, der die Branche erschüttert hätte. Die Zulieferer Conti und Delphi wollten die Automobile Vergangenheit an den Kapitalmarkt bringen. Der Plan der Vorstände: Die Sparten für Motortechnik sollten abgespalten und fusioniert werden. Gemeinsam, so die Story für den angedachten Börsengang, würden Deutsche und Amerikaner dann den Marktführer Bosch herausfordern.

Die Zweifler merkten an, dass es sich bei dem Konstrukt doch eher um Erblasten handle als um eine Story. Hat nicht Volvo-Chef Häkan Samuelsson unlängst angekündigt, die Schweden böten neue Modelle ab 2019 nur noch mit Elektromotor an?

Hat er. Aber dass es sich dabei vor allem um Hybride handelt, ging unter. Ebenso, dass Mildhybride von reinen Elektroautos in etwa so weit entfernt sind wie ein Einparkassistent vom vollautonomen Fahren. Insbesondere in Wolfsburg und München staunte man nicht schlecht über die schwedischen Ökopläne. Samuelssons Leute hatten bei Volkswagen und bei BMW gerade angefragt, ob sie dort Benzinmotoren kaufen könnten. Verbrenner made in Germany haben noch lange nicht ausgedient. BMW etwa könnte längst ein Zusatzgeschäft als Zulieferer aufbauen. Neben Volvo klopfte auch Ford schon wegen möglicher Motorenkäufe an. Ähnliche Bitten von Jaguar wiesen die Münchener mehrfach ab.

Daimler baut in Polen ein neues Motorenwerk, ZF plant eine zusätzliche Getriebefabrik in Osteuropa. Grund: Die Kapazitäten reichen nicht aus. Erst 2025 werde der Bedarf an Verbrennern seinen Zenit erreichen und noch bis 2030 über dem heutigen Niveau liegen, sagt ZF-Chef Stefan Sommer voraus.

20 Jahre mindestens hätte eine mit Delphi fusionierte Motorengruppe attraktive Margen erwirtschaftet, behaupten die Befürworter von Contis Abspaltplan. Bloß, weil Elektroantriebe in Kalifornien, Deutschland und China wichtiger würden, stürbe der Verbrenner ja nicht gleich aus.

Das Projekt ist trotzdem abgeblasen. Erstens erwies sich die Trennung der Powertrain-Sparte vom Rest des Konzerns als enorm kompliziert. Zweitens befürchteten die Entscheider um Vorstandschef Elmar Degenhart (58) eine ablehnende Reaktion ihrer Aktionäre.

Die Kollegen bei Delphi waren da mutiger. Sie spalten das Unternehmen auf. Die Börse war begeistert. Um 11 Prozent stieg die Aktie am Tag der Ankündigung.

ES GEHT AUCH OHNE DIESEL

In der Öffentlichkeit ist BMW-Chef Harald Krüger vorsichtig. Moderne Diesel seien sauber, wiederholt er gewissenhaft. Natürlich werde BMW die Autos weiter mit Dieselaggregaten ausstatten.

Intern redet Krüger anders, mutiger. Es lohne sich kaum noch, in neue Diesel zu investieren. Er könnte auch gleich sagen: In ein paar Jahren ist Schluss.

Porsche-Lenker Oliver Blume traut sich da schon weiter vor. Er hat seinen Leuten eine neue Linie vorgegeben: keine Diesel mehr in den USA, Lilid demnächst wohl auch nicht mehr im Rest der Welt.

Das Aus für den Selbstzünder wäre kein Opfer für eine säubere Umwelt. Es wäre einfach nur logisch, betriebswirtschaftlich. Schon heute verdienen die Autobauer mit Benzinern deutlich mehr als mit Dieselmodellen. Im Schnitt liege der Abstand bei mehr als 1000 Euro, heißt es im VW-Vorstand. Jetzt müssen die meisten Diesel – alt wie neu — obendrein noch teuer verbessert werden, damit sie weniger Stickoxid in die Luft blasen.

Die Technik ist am Ende, sie steht für Betrug, Umweltvergehen und Kartell. Das Image ist nicht mehr zu retten. Und das wissen die Autobosse auch.

Solange der Durchbruch bei den reinen Elektroantrieben auf sich warten lässt, weil die Kunden schwere, spritfressende SUVs präferieren, müssen die Hersteller auf  teure Hybridmodelle ausweichen. Denn allein mit Benzinern halten sie die ab 2021 geltenden EU-Grenzwerte für den Klimakiller Kohlendioxid nicht ein. Aktuelle Prognosen gehen davon aus, dass die Autobauer das C02-Ziel anfangs um rund zehn Gramm verfehlen werden. Dann müsste allein Volkswagen 1,8 Milliarden Euro Strafe pro Jahr bezahlen, Daimler und BMW gut eine halbe Milliarde Euro.

Doch so weit muss es nicht kommen. Knapp 1000 Euro pro Auto kostet es, BenZiner mit 48-Volt-Spannung und kleinem Elektromotor zu Mildhybriden aufzurüsten und damit annähernd so sparsam wie einen Diesel zu machen. Noch scheinen erst Daimler und mit Abstrichen auch Audi so weit, mit diesér Technik bis 2020 einen spürbaren C02-Effekt zu erzielen. Mittelfristig können das aber die anderen auch.

JOBABBAU BLEIBT ÜBERSCHAUBAR

Der Kampf um die Arbeitsplätze hat ausgerechnet in Untertürkheim begonnen. Daimlers Stammwerk läuft unter Volllast. Die 19 000 Mitarbeiter können die Motoren, Getriebe und Achsen kaum so schnell fertigen, wie die neuen Aufträge hereinkommen. Daran haben die Ermittlungen amerikanischer und deutscher Behörden nichts geändert.

Trotzdem wurde vor zwei Monaten die Produktion lahmgelegt. Dabei ging es vor allem darum, wie viele Menschen 2030 noch in Untertürkheim arbeiten, wenn die schöne neue Elektrowelt erst mal Realität ist. Unter Gewerkschaftern macht sich Angst breit: „Geriete die deutsche Autoindustrie im Sog des Dieselskandals aus dem Tritt, wäre das fatal“, sagt IG-Metall-Bezirksleiter Roman Zitzelsberger. Für Elektromotoren und Batterien benötigt man deutlich weniger Personal in der Produktion als für Verbrenner mit Getriebe. Bei Volkswagen rechnen sie damit, dass 10 bis 15 Werke überflüssig werden könnten.

Doch es werden andere Jobs neu hinzukommen. Zuletzt hat der Strukturwandel eher mehr Stellen geschaffen als vernichtet. Bosch hat in den vergangenen vier Jahren 15 000 zusätzliche Arbeitsplätze in Deutschland geschaffen, BMW 11000, Volkswagen sogar 32 000.

Experten vermuten, dass es im anbrechenden E-Zeita1ter zunächst zu einem Verteilungskampf zwischen Autobauern und Zulieferern kommen könnte. Als das Daimler-Management einen Auftrag für die Mercedes-Elektromarke EQ an ZF Friedrichshafen vergab, statt die Achsen in Untertürkheim zu fertigen, geriet dies bereits zum Eklat. „Eure Kompetenz reicht nicht, ihr könnt euch ja für die nächste Generation neu bewerben“; das war den Belegschaftsvertretern zu viel. Betriebsratschef Michael Brecht und sein Untertürkheimer Kollege Wolfgang Nieke schwenkten auf Konfrontationskurs um.

ZF hatte einen Kampfpreis geboten. Auch Vorstandschef Sommer muss seine Werke füllen, auch er will seinen Beschäftigten eine Zukunft bieten. Sein Untertürkheim heißt Saarbrücken. Gut 8000 Beschäftigte bauen dort Getriebe, das Geschäft boomt, Überstunden sind zur Gewohnheit geworden.

Von Massenarbeitslosigkeit sind alle Beteiligten noch sehr weit entfernt.

DAS E-AUTO BLEIBT KEIN TESLA-MONOPOL

Die von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) geforderten eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen bis 2020 werden erst mal eine Illusion bleiben. Ende Juli kurvten hierzulande gerade mal 100 000 Stück herum, die Plug-in-Hybride eingerechnet.

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hat daher im Wahlkampf die EU-weite Elektroquote als Thema entdeckt. „Millionenschwere Manager“ bei VW und Daimler hätten „die Zukunft verpennt“, tönt er.

Tatsächlich sind die bisherigen Elektrooffensiven der Deutschen gescheitert. Daimler schaltete sein Batteriezellen-Joint-Venture im sächsischen Kamenz mangels Erfolgs ab, BMW stufte sein „Project i“ zwischenzeitlich zurück auf Schwachstrom, während Rivale Tesla auf bestem Weg ist, die 100oooer-Marke in diesem Jahr zu knacken. 2019 will Musk sogar eine elektrische Lkw-Zugmaschine anbieten.

Musks Eifer hat die Deutschen wachgerüttelt. Dieter Zetsche gelobt, in den nächsten Jahren zehn Milliarden Euro in seine Elektromarke EQ und andere Batterieprojekte zu investieren. VW-Markenchef-Herbert Diess will 2025 eine Million Elektroautos verkaufen; zwei Drittel davon in China. Ab 2020 rollt er eine ganze E-Flotte aus. Der Golf-große I.D. soll — mutig, mutig – nicht mehr kosten als ein gut ausgestatteter Golf Diesel.

Dabei hilft, dass die Batteriezellen, die vor drei Jahren noch 330 Dollar je Kilowattstunde kosteten, nun für ein Drittel angeboten werden. Technisch werden die neuen E-Modelle überzeugen, da sind sich die neutralen Testfahrer einig.

Die Etablierten haben auch deshalb so lange mit ihrer Offensive gezögert, weil sich mit Batteriemobilen kein Geld verdienen lässt. So versteckt General Motors den 2016 stolz präsentierten Chevrolet Bolt (Reichweite 500 Kilometer) regelrecht vor den Kunden.

Noch fehlt es zudem an schnellen Stromtankstellen. Teslas Model S und X sind vor allem Spielzeuge für Reiche, die daheim in der Garage in Malibu aufgeladen werden können.

Weil die Porsche-Kundschaft ähnlich liquide ist wie die von Tesla, bietet Oliver Blume die nächste Generation des SUVs Macan nur noch elektrisch an. Der Elektrosportwagen Mission E steht bis dahin ebenfalls beim Händler. Schon in sechs Jahren könnte Porsche damit womöglich auf einen Elektroanteil von 40 bis 50 Prozent kommen.

Power on! Die Zukunft verpennen sieht anders aus.

KOOPERATIONEN WERDEN SALONFÄHIG

Die Scharmützel, die die Autobauer öffentlich austragen, sind bisweilen hauptsächlich Show. So war es.auch, als BMW dem Stuttgarter Rivalen Daimler vor einigen Wochen die Freundschaft aufkündigte.

Kurz zuvor war bekannt geworden, dass Daimler sich selbst (und damit auch BMW, Volkswagen, Audi und Porsche) in aller Heimlichkeit wegen Kartellverdachts angezeigt hatte – zum Fraudanwalt-Bericht. In unterschiedlichsten Kreisen hatten sich Techniker und Manager der „Fünfer-Runde“ über unterschiedlichste Themen ausgetauscht. In einigen Fällen könnten die Gespräche zu weit gegangen sein, fürchteten sie 2014 bei Daimler. Den Stuttgartern drohte bereits eine Milliardenstrafe der EU-Kommission für ein Truckkartell. So teuer würde es diesmal nicht werden, waren sich die Konzernjuristen sicher.

Doch noch einmal zahlen? Wollte Daim1er nicht. Und erstattete Anzeige. Denn der erste Melder kommt meistens ohne Geldbuße davon.

Volkswagen hatte später ebenfalls bei den Behörden den Finger gehoben. Nur BMW ahnte nichts.

Dabei hatten sich die Vorstände aus München zuletzt wiederholt mit ihren Kollegen aus Stuttgart getroffen. Krüger und Zetsche wollen ihre Carsharingdienste Car2Go und DriveNow zusammenlegen und zusammen großmachen.

Mobile Services, Motoren, Plattformen, eine Ausweitung des gemeinsamen Einkaufs – gesprochen vwrde noch über manChes mehr, was früher undenkbar erschien. Nur nicht über die Kartellproblematik.

Daimler ist nicht zu trauen; die Zweifler in München hatten es immer gewusst. Man erinnerte sich wieder, wie Daimlers früherer Entwicklungschef Thomas Weber seinen BMW-Kollegen Klaus Fröhlich überredet hatte, außer der Reihe die Führung der Fünfer-Runde zu übernehmen nach der Selbstanzeige.

Einstweilen würde man mit Daimler nicht mehr kooperieren, ließ BMW an die Medien durchsickern. Die internen Kritiker hörten es gern: Krüger griff durch.

Doch die Herren sind viel pragmatischer, als sie vorgeben. Den Kartendienst Nokia Here haben BMW, Audi und Daimler Ende 2015 zusammen gekauft. Nun starten die drei — es hat lange gedauert — ein im November mit Porsche und Ford angekündigtes Joint Venture, um schnelle Ladesäulen hochzuziehen. Nach anfänglichem Streit übernimmt der BMW-Stratege Michael Hajesch die Führung, Porsche-Mann Marcus Groll wird Chief Operating Officer. Daimler und Bosch basteln gemeinsam an einer Technologieplattform für autonomes Fahren. BMW, Intel und Mobileye haben mit Continental, Delphi und jetzt auch FiatChrysler eine ähnliche Allianz gebildet.

Ach ja, und die Fusion von Car2Go und DriveNow steht ebenfalls kurz bevor. Trotz der Selbstanzeige: Kartellrechtlich erwarten die künftigen Partner keine großen Probleme.

Bis zur Frankfurter Automesse IAA können die Verträge wohl noch nicht unterschrieben werden, aber für Ende September sind Aufsichtsratssitzungen angesetzt.

Wenn sie jetzt keine gravierenden Feh1er mehr macht, könnte die deutsche Autoindustrie womöglich noch so manchen gehypten Angreifer überleben. Die Entwürfe für die Grabreden dürfen jedenfalls erst mal abgeheftet werden.

AURELIUS SANIERUNGSHOLDING UND CALLISTA PRIVATE EQUITY IM FADENKREUZ DER STAATSANWALTSCHAFT

Knapp drei Jahre nach ihrer Pleite schippert die MS „Deutschland“ längst wieder über die Weltmeere. Neulich ging es entlang der grönländischen Küste Richtung Polarkreis. Es war regnerisch und kalt. Frösteln könnten in diesen Tagen auch ein paar ehemalige Verantwortliche des einstigen TV-„Traumschiffs“, das 2010 von der umstrittenen Sanierungsholding Aurelius aus der ersten Insolvenz herausgekauft und Anfang 2014 für einen Euro an Callista Private Equity weitergereicht wurde. Denn Pleite Nummer zwei (Oktober 2014) und deren Vorgeschichte hat ein juristisches Nachspiel: Die Staatsanwaltschaft Lübeck führt, so Oberstaatsanwältin Ulla Hingst, „ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der vorsätzlichen Insolvenzverschleppung, des Kapitalanlagebetrugs, des Betrugs, der Untreue und der Urkundenfälschung gegen verschiedene Personen“.

Fünf schwere Vorwürfe und umfangreiche Nachforschungen, über die Hingst „zum Schutze der Ermittlungen“ keine weiteren Auskünfte erteilen will.

Die MS „Deutschland“ ist ein weiterer Fall in der Geschichte misslungener Sanierungen von Aurelius, die Dirk Markus vor elf Jahren gründete. Seit gut anderthalb Jahren klagen Gläubiger einer Anleihe auf Schadensersatz, sie monieren Fehler im Prospekt. Von den strafrechtlichen Ermittlungen soll unter anderem Callista-Chef Olaf Meier betroffen sein, der zum Insolvenzzeitpunkt die Geschäfte führte. Aurelius und Meier teilen mit, sie hätten keine Kenntnis von dem Ermittlungsverfahren. Meier betont, bislang seien keine Vorwürfe gegen ihn erhoben worden.

Er sollte sich trotzdem auf schwere See einstellen. Ob die nächsten Presseerklärungen des der MS Deutschland weiterhin so optimistisch klingen werden?

Auszug:

„Die MS Deutschland, das ehemalige ZDF-Traumschiff, beendet morgen früh in Bremerhaven die diesjährige Phoenix-Kreuzfahrtsaison nach elf erfolgreichen Kreuzfahrten bzw. 139 Tagen in Nord- und Ostsee und wird in den Wintermonaten erneut für die schwimmende Universität, Semester at Sea, unter dem Namen World Odyssey unterwegs sein. Der Bonner Reiseveranstalter übernimmt im nächsten Frühjahr wieder planmäßig das Schiff und läuft mit der MS Deutschland am 21.04.2018 von Bremerhaven in Richtung Azoren und Kanaren aus“.

BAUFINANZIERUNG GILT UNTER MAKLERN ALS VERKAUFSSCHLAGER

Die Zahlen der Commerzbank sind symptomatisch: Bis zum Jahr 2020 will die Großbank ihr Neugeschäft mit privaten Immobilienfinanzierungen um 40 Prozent steigern. Auf 17 Milliarden Euro würde sich die Neukreditsumme des Instituts dann belaufen, nachdem im vergangenen Jahr 12 Milliarden zu Buche standen und für das laufende mit 14 Milliarden Euro gerechnet wird. „Wir gehen davon aus, dass der Markt für Immobilienfinanzierung kontinuierlich weiter wachsen wird“, ließ sich Privatkunden-Vorstand Michael Mandel in der „Welt“ zitieren. Ein anderes Beispiel: Die höchsten Provisionserlöse unter den deutschen Spezialvertrieben wurden 2016 nicht im Segment Immobilien und nicht mit Versicherungen oder Sachwerten erwirtschaftet, sondern mit Baufinanzierungen. Gleich die ersten beiden Plätze sicherten sich die Platzhirsche unter den Immobilienkreditvermittlern, Interhyp und Postbank Finanzberatung. Erst auf Rang drei folgt mit Planet-Home ein Immobilienmakler.

Der Markt für Baufinanzierungen läuft, wie diese Beispiele zeigen, auf Hochtouren. Dafür sind vor allem zwei Gründe ausschlaggebend: Zum einen erleben wir in puncto Hypothekenzinsen historische Zeiten, von denen wir unseren Enkeln  noch mit Tränen in den Augen erzählen werden. Im Oktober 2016 kratzte die Zinskurve bei zehnjähriger Bindung an der 1-Prozent-Marke, übers Jahr blieb der effektive Durchschnittszins ebenso deutlich unter 2 Prozent wie 2017. Ab hier kann und wird es nur noch aufwärtsgehen, und das wissen Invegeht. Aus diesem Nachfrageüberhang resultieren die satten Preisanstiege, die seit Jahren zu den Standard-Wirtschaftsnachrichten gehören. Minizins, viele Käufer, hohe Kreditsummen, das sind die Treiber für den Bullenmarkt der Baufinanzierung. Im letzten Jahr summierte sich das Baufi-Neugeschäft in Deutschland auf über 209 Milliarden Euro.

Bis zum 21. März dieses Jahres konnte man sogar noch ohne spezifische Qualifikation in diesem Markt vermitteln. Zu dem Stichtag hat der Gesetzgeber die Zügel mit der Wohnimmobilienkreditrichtlinie (WIKR) angezogen, für Kreditnehmer wie für Berater. Während die Kreditvergabe an schärfere Solvenzbedingungen geknüpft wird, brauchen Immobiliardarlehensvermittler nun eine Lizenz zum Beraten.

Deren Voraussetzungen sind in Paragraf 34i der GewerbeOrdnung (GewO) festgeschrieben: Zuverlässigkeit,  geordnete Vermögensverhältnisse, Berufshaftpflichtpolice und Sachkunde. Wer keine 34i-Erlaubnis vorweisen kann, dem bleibt nur noch das Tippgebermodell, bei dem angehende Immobilienkäufer gegen eine kleine Provision an einen 34iVermittler vermittelt werden. Auch mehr als nichts, aber doch kein Vergleich zur „echten“ Finanzierungsvermittlung. Die Erwartungen hinsichtlich der Zahl der lizensierten Vermittler wurden denn auch bereits weit übertroffen: Mit rund 25.000 hatte man zum 21. März gerechnet, im Register des DIHK standen am 1. April knapp 45.000. Bis Anfang Juli hat sich diese Zahl zuzüglich der Honorarvermitt1er der 50.000ef-Marke stark angenähert. Baufi ist in.

Dass die erforderliche Sachkunde nun nachgewiesen werden muss, wird der Thematik nur gerecht. Denn Baufinanzierungsberatung bedeutet mehr, als „nur“ Geld zu günstigen Zinsen zu organisieren — und schon dies ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Doch zunächst gilt es zu klären, welche Kreditsumme der Kunde sich langfristig überhaupt leisten kann, welche Ratenhöhe ihn auch in ungünstigen Zukunftsszenarien nicht überfordert, wie viel für ein avisiertes Objekt am Ende mit Nebenkosten unterm Strich benötigt wird und einiges mehr. Auch infrage kommende Förderungen sollten bekannt sein und zur Sprache kommen. Nicht wenige Makler unterstützen Interessenten zudem schon bei der Auswahl und Bewertung des Wunschobjekts. Es braucht also Know-how, um fundiert Immobilienfinanzierungen vermitteln zu können.

Dass bei Weitem nicht alle Berater es mitbringen oder einsetzen, zeigte kürzlich ein Test der Zeitschrift „Finanztest“. 21 Banken und Kreditvermittler wurden zu einem Standardfall jeweils mehrfach in verschiedenen Filialen um Beratung und Angebote gebeten. Nicht nur unterschieden sich die Zinsen um bis zu 0,5 Prozent pro Jahr, was summa summarum schnell einen fünfstelligen Betrag ausmachen kann. Überdies wurde auch die Ratenhöhe in jedem vierten Tilgungsplan zu hoch angesetzt. Hinzu kamen noch Defizite in der Festsetzung der Kreditsumme und der Information der Kunden. Am Ende erhielten nur fünf Anbieter ein „gut“ keiner ein „sehr gut“. Zwei Institute, die Sparda-West und die Sparkasse Köln-Bonn, wurden sogar mit einem „mangelhaft“ abgestraft. Nun ist bekannt, dass die Prüfkriterien von Verbraucherschützern nicht über jeden Zweifel erhaben sein müssen. Doch dass in der Baufinanzierungsberatung an manchen Stellen einiges im Argen liegt, dürfte unzweifelhaft sein. Problematisch wird es vor allem dann, wenn ein Anbieter — eine Bank — seine eigene Finanzierung an den Mann oder die Frau bringen will, ohne einen echten Vergleich zuzulassen.

Umso mehr können sich Finanzprofis mit unabhängiger Vermittlung und kundenorientiertem Service als Positivbeispiele etablieren. Wer als Allfinanzmakler eine gute Finanzierung vermittelt, hat gute Chancen, vom zufriedenen Kunden auch in anderen Bereichen zurate gezogen zu werden — von den immobiliennahen Versicherungen über die Altersvorsorge bis hin zur biometrischen Absicherung. Und das häufig für ganze Familien und über Jahrzehnte, denn Immobilienkäufer (für den Eigenbedarf) sind im Schnitt um die 40 Jahre alt.

Kreditbedarf hängt von der Region ab

Die Baufinanzierungsvermittlung ist aber nicht nur und nicht in erster Linie als Türöffner fürs Cross-Selling interessant. Auch die Provisionen selbst rechtfertigen den Beratungsaufwand. Für deren Höhe gibt es verschiedene Angebotsmodelle von Finanzhäusern. Zudem hängt es stark vom Standort ab, wie viel Provision eine Vermittlung — in absoluten Zahlen — durchschnittlich einbringt. Denn die Lage hat großen Einfluss auf die Immobilienpreise und damit auch auf die erforderliche Kreditsumme. Zwar verdienen die Bewohner teurer Städte wie München in der Regel auch mehr und können so mehr Eigenkapital ansammeln, doch am Ende müssen sie dennoch mehr als in anderen Städten fremdfinanzieren. Konkret: rund 420.000 Euro im Durchschnitt. Leipziger dagegen nehmen im Schnitt knapp 226.000 Euro auf. Deutschlandweit benötigen Immobilienkäufer jeweils 243.000 Euro, während Häuslebauer 320.000 Euro in Anspruch nehmen.

Eklatant werden die Unterschiede zwischen hoch- und niedrigpreisigen Regionen, wenn man die Kaufpreise in Relation zum Jahresdurchschnittseinkommen setzt. Konkret: zum Gesamtnettoeinkommen einer Region geteilt durch die Anzahl aller ihrer Bewohner. Die durchaus gut verdienenden Münchener müssen für eine 100-Quadratmeter-Wohnung im Schnitt 21 Jahreseinkommen hinlegen; nur für die Nordfriesen stellt eine solche Immobilie einen noch größeren Luxus dar: 23,3 Jahreseinkommen. Teuer sind auch Freiburg (18,1), Miesbach (17,6), Hamburg (15,9) und Berlin (15,8). Geradezu traumhaft erscheinen dagegen die Bedingungen in den Landkreisen Kyffhäuserkreis, Wunsiedel und Vogtlandkreis, wo kaum mehr als drei Jahresdurchschnittseinkommen für eine solche Wohnung aufgerufen werden. Da sich die Preisentwicklung in zahlreichen Städten von der Einkommensentwicklung abgekoppelt hat, sind auch die erforderlichen Kreditsummen gestiegen. Die niedrigen Zinsen führen indes dazu, dass die Erschwinglichkeit darunter nicht unbedingt leiden muss. Zumindest in den letzten beiden Jahren bewegt sich der entsprechende Index der Deutsche Bank Research seitwärts — im letzten Jahrzehnt ist er allerdings um mehr als die Hälfte gefallen.

Zinsewende bereits im Gang?

Relation zum Jahresdurchschnittseinkommen setzt. Konkret: zum Gesamtnettoeinkommen einer Region geteilt durch die Anzahl aller ihrer Bewohner. Die durchaus gut verdienenden Münchener müssen für eine 100-Quadratmeter-Wohnung im Schnitt 21 Jahreseinkommen hinlegen; nur für die Nordfriesen stellt eine solche Immobilie einen noch größeren Luxus dar: 23,3 Jahreseinkommen. Teuer sind auch Freiburg (18,1), Miesbach (17,6), Hamburg (15,9) und Berlin (15,8). Geradezu traumhaft erscheinen dagegen die Bedingungen in den Landkreisen Kyffhäuserkreis, Wunsiedel und Vogtlandkreis, wo kaum mehr als drei Jahresdurchschnittseinkommen für eine solche Wohnung aufgerufen werden. Da sich die Preisentwicklung in zahlreichen Städten von der Einkommensentwicklung abgekoppelt hat, sind auch die erforderlichen Kreditsummen gestiegen. Die niedrigen Zinsen führen indes dazu, dass die Erschwinglichkeit darunter nicht unbedingt leiden muss. Zumindest in den letzten beiden Jahren bewegt sich der entsprechende Index der Deutsche Bank Research seitwärts — im letzten Jahrzehnt ist er allerdings um mehr als die Hälfte gefallen.

Dass die goldenen Hypothekenzinszeiten nicht ewig anhalten werden, sagt nicht nur der gesunde Menschenverstand, sondern auch Mario Draghi. Wie man es gewohnt ist, nicht expressis verbis, sondern hintenrum: „Die Gefahr einer Deflation ist vorüber“, ließ der EZB-Präsident am 27. Juni verlauten. Das heißt nichts anderes, als dass der Hauptgrund für die quantitative Lockerung entfallen ist. In absehbarer Zeit wird die EZB auf den Pfad ihres US-amerikanischen Pendants einschwenken und die Zinsen wieder zaghaft erhöhen. Das kann zwar noch dauern, wie Draghi in seiner verklausulierten Art andeutete, als er „Ausdauer“ in der Geldpolitik für wichtig erklärte. Doch die Hypothekenzinssätze schnellten nach seiner Äußerung bereits in der Breite nach oben, um bis zu 0,2 Prozent. Auch wenn nicht ausgeschlossen ist, dass sie noch einmal nach unten nachgeben — mittelfristig werden sie unweigerlich steigen. Es gilt also für Kaufinteressenten wie auch für Kreditnehmer mit bald ablaufender Zinsbindung, sich möglichst zügig die günstigen Konditionen zu sichern. Am besten gelingt das Mit fachkundiger und unabhängiger Beratung. Kunden, die auf eigene Faust im Internet vergleichen und abschließen, machen selten den besten Fang; schon allein, weil viele einschlägige Vergleichsportale gar nicht so umfassend und neutral den ganzen Markt abdecken, wie sie den Anschein erwecken. Noch mehr aber, weil viele individuelle Faktoren und Kennzahlen zu berücksichtigen sind, die ein Laie in der Regel nicht allesamt auf dem Schirm hat. Hinzu kommen Abwägungsentscheidungen wie: Ist ein Zinsvorteil von 0,3 Prozent den Verzicht auf die Option der Tilgungsänderung wert? Welchen Aufschlag kann man für eine längere Zinsfestschreibung akzeptieren?

Im resultierenden Beratungsbedarf liegen jede Menge Chancen für freie Finanzmakler, ob sie nun — wie die Mehrheit— mit der Baufi-Abteilung eines Pools, mit einem Finanzierungsvermittler, einer Bank oder Bausparkasse kooperieren.

WOHLFÜHLREISEN AG: WENN EINER EINE REISE… DANN MUSS ER BÖSE BLECHEN!

Eigentlich müsste der altdeutsche Liedtext von Matthias Claudius im Original ja ein wenig positiver klingen, nämlich: „Wenn jemand eine Reise tut, dann kann er was erzählen, drum nehm ich meinen Stock und Hut und tät das Reisen wählen“. Bezogen auf die Angebote der Deutsch/Schweizer Wohlfühlreisen AGwürde manch einer der lieben Reisenden das Reiseangebot im Nachhinein am liebsten rückgängig machen, denn zu schal ist der Beigeschmack, der sich mit den Urlaubsangeboten dieses etwas ominösen Reiseveranstalters offenbar verbinden lässt.

Ein kurzer Blick ins Internet genügt, um Gewissheit zu erlangen, dass die Angebote der Wohlfühlreisen AG wohl doch nicht so gut sind wie der Firmenname vermuten lässt. Denn wenn man „Wohlfühlreisen“ hört, möchte man meinen, in besten Händen zu sein, und einen schönen entspannten Urlaub zu verleben. Doch die Realität sieht offenbar ganz anders aus. Da gibt es viele Beschwerden, negative Einträge und Bewertungen von enttäuschten Kunden. Reisende, die mit sogenannten Lockangeboten angeworben, dann aber kräftig abkassiert wurden. Außerdem stiftet die Tatsache Verwirrung, dass die Firma drei verschiedene Kontaktadressen benutzt, sowohl in der Schweiz im Örtchen Chur, dann in Wolfratshausen und in Oldenburg. Das sieht eher nach Verwirr-Taktik aus, als nach transparenter Darstellung. Auch der Blick ins Impressum der Webseite lässt kaum Rückschlüsse auf Standorte oder Verantwortliche zu. Alles sehr nebulös. Und vielleicht auch gewollt, denn die Klagen häufen sich von unzufriedenen Kunden. Es ist sogar von Abzocke und arglistiger Täuschung die Rede. Ob das zu einer gelungenen Reise beiträgt, ist sicherlich fraglich.

Es wird offensichtlich mit der immer gleichen Masche gearbeitet: Es werden Adressen angekauft oder selbst recherchiert, dann folgt ein Anschreiben mit Reiseangebot, verpackt in ein Vorzugsangebot zu besonders günstigem Preis oder sogar kostenlos – allerdings mit integrierter Kostenfalle (die versteckten Zusatzkosten stehen im Kleingedruckten wie Benzinbeteiligung oder anteilige Buchungsbeteiligung, etc). Damit das Ganze nicht wie billiger Kundenfang aussieht, gaukelt man eine Beteiligung eines irgendwann erfolgten Gewinnspiels vor. Blöd nur, wenn wie im Netz berichtet, ein Kunde das Lockangebot bekam mit dem Hinweis, er hätte im laufenden Jahr an einem Rätsel-Gewinnspiel teilgenommen, obwohl selbige Person bereits vor 5 Jahren verstorben ist. Da ist jeder weiterer Kommentar überflüssig.

Und so häufen dich Kritik, Vorwürfe und negative Bewertungen – wie die Verbraucherschutzzentrale  in einer Mitteilungbestätigt. Besonders in der Hinsicht, dass das Unternehmen bei Verweigerung der angemahnten Zahlungen des Kunden mit Anwalt droht, selbst wenn die Mahnungen unwirksam und rechtswidrig sind. Irgendwie versucht Wohlfühlreisen AG auf jede erdenkliche Art an das Geld der ahnungslosen Rentner zu kommen – auf diese hat die Firma sich nämlich mit ihren Kaffeefahrt-Angeboten im größeren Stil spezialisiert. Nur die guten alten Heizdecken werden nicht zum Kauf angeboten: Da fühlt man sich dann doch wohl ein bißchen zeitgemäßer mit seiner Abzock-Masche und schnürt stattdessen lieber ein Reiseangebot, welches seriöser aussieht. Doch wenn man sich die sogenannten Reiseinformationen zu den einzelnen Destinationen „herunterlädt“, so trifft man auf eine antiquierte einzelne Seite mit Reisebeschreibung und Fotos aus den 50er Jahren – absolut veraltet, im Retro-Style. Dass darauf eigentlich niemand hereinfallen sollte, würde sich der klar denkende User vorstellen. Doch offensichtlich fühlen sich unsere betagten Senioren in die gute alte Zeit versetzt und fallen deshalb reihenweise auf den Schwindel herein. Wie einige sagen, wird die angebotene kostenlose „Werbereise“ hinterher teurer als eine regulär gebuchte. Und damit ist dann wirklich alles gesagt!

Die Wohlfühlreisen AG wird auf die Warnliste gesetzt.

INFLUENCER: DER GROSSE BETRUG AM VERBRAUCHER

Während seines Maschinenbaustudiums fing Fuchs an, Fotos von seinen Outfits im sozialen Netzwerk Instagram zu veröffentlichen („posten“) inzwischen sollen Modemarken ihm bis zu 6000 Euro pro Post zahlen, damit er darauf ihre Shirts, Sneaker oder Uhren anhat. Fuchs ist Deutschlands mächtigster männlicher Fashion-Influencer, zu seinen Kunden gehören Levi’s, Puma und Calvin Klein.

Nicht jeder Beitrag ist bezahlt, die Quote liege bei 20 bis 30 Prozent, schätzt Fuchs. Doch zufällig landet schon lange nichts  mehr in seinem Account. Und was dort aufpoppt, ist anschließend regelmäßig in Onlineshops ausverkauft.

Bei Instagram und in anderen sozialen Netzwerken ist eine neue Werbemacht entstanden: Marketing per Influencer. Eine chinesische Fashion-Göre verkaufte gerade 100 Mini Cooper einer türkisfarbenen Sonderedition zum Stückpreis von 36 000 Euro – in nur fünf Minuten.

Die mächtigsten Einflüsterer stammen aus den USA, Selena Gomez (125 Millionen Abonnenten) oder Kim Kardashian (102 Millionen) sollen Preise von bis zu 550 000 Dollar pro Post abrufen können, in Deutschland werden aber auch schon mal über 100 000 Euro für eine Produktplatzierung auf YouTube gezahlt.

Auf der Videoplattform hat alles angefangen. Doch nirgendwo boomt der Influencer-Markt gerade so gewaltig wie bei Instagram, dem Fotonetzwerk, das zu Facebook gehört und allein in Deutschland inzwischen 15 Millionen Nutzer zählt (weltweit sind es über 700 Millionen).

Es ist ein gigantisches Geschäft entstanden, das auf keinen Fall als Geschäft enttarnt werden soll. Wenn Produktplatzierungen gekennzeichnet werden, und das wurden sie lange Zeit so gut wie nie, dann bevorzugt mit einem Hashtag wie #ad, möglichst versteckt zwischen anderen.

Die neue Milliardenindustrie ist eine Parallelwelt, in der Schleichwerbung die Regel, nicht die Ausnahme ist. Agenturchefs nennen sie gern den Wilden Westens des Werbens. Eine sehr romantisierende Sichtweise. Tatsächlich zieht Influencer-Marketing ähnlich dubiose Typen an wie die Automatenhölle am Bahnhof. Es wird betrogen und gefälscht.

Post erst nach Freigabe Öffentlich betonen Markenmanager und Agenturen gern die kreative Freiheit, die sie ihren Influencern gewähren. „Die wirklich Erfolgreichen sind nicht käuflich, denn sie wissen: Wenn sie nicht mehr authentisch sind, verlieren sie ihre Glaubwürdigkeit“, sagt Christoph Werner, Sohn des dm-Gründers und bei der Drogeriekette für das Marketing zuständig.

Schön wär’s. De facto sind die hübschen Bild-Posts oft bis ins Detail vorgegeben. Es gibt Anweisungen, wie etwa der Rucksack auf dem Influencer-Foto platziert werden soll und in welchem Winkel der Sneaker auf keinen Fall abgelichtet werden darf.

In vielen Fällen zeigen die Influencer nur, was die Auftraggeber vorher freigegeben haben. Und wenn etwa die Uhr am Gelenk von Fitness-Influencerin Pamela Reif (drei Millionen Follower) nicht genug auffällt, muss sie eben ein neues Foto einreichen.

Hashtags, Zeitraum sowie der Abstand zum nächsten Post – das alles wird gern minutiös vertraglich festgehalten, die Kommentare werden mitunter gleich mitgeliefert.

Echt sind manchmal nicht mal die Likes unter den Bildern. Es ist eine ganze Branche entstanden, die sich darauf spezialisiert hat, Reichweite und Engagement vorzutäuschen. Wer nicht genau hinschaut, bezahlt dafür, dass Fake-Follower Zombie-Likes vergeben. Realer Effekt gleich null.

Mehrere Zehntausend Dollar pro Monat, also weit mehr als ein Mittelklasse-Influencer, könnten gewiefte Anbieter damit verdienen, sagt ein Mann aus Indien, der solche Dienste anbietet. Follower, Likes, Kommentare — alles ist käuflich; zahlbar über PayPal wie bei einem seriösen Onlineshop, mit „Geld-zurück-Garantie“ und „24-Stunden-Support“. Natürlich gibt es die Influencer, die mit ihren Posts den Abverkauf bestimmter Produkte stark beeinflussen. Wenn Deutschlands bekannteste YouTuberin Bibi, alias Bianca Heinicke, ihren eigenen Duschschaum promotet, werden am Tag darauf bei dm die Regale leer gekauft. Und L.-A.-Friseur und Instagram-Star Guy Tang hat Henkels Haarfärbemarke Kenra mit seinen Beiträgen ordentlich Schub verliehen.

Fake-Follower-Epidemie

Doch die Betrügereien mit den Fake-Followern seien mittlerweile zu einem echten Branchenproblem geworden, sagt Sachar Klein, der die Berliner Agentur Hypr führt. Von deutschen Modebloggern hätten sicherlich 60 Prozent bei den Zahlen nachgeholfen, sagt die Berlinerin Vreni Frost. Und gibt zu: sie selbst auch.

Sie sitzt im grauen Shirt aus der eigenen Kollektion (Aufdruck „Lovers Gonna Love“) in einem Café in Berlin-Friedrichshain und erzählt, wie sie für 700 Dollar eine Agentur beauftragte, um auf 100 000 Follower zu kommen. Sie hatte Sorge, Kunden zu verlieren, da plötzlich „die 21-jährigen Modemädchen“ an ihr vorbeirauschten. „Ich dachte, ich verpasse den Anschluss.“ Zunächst liefes super, sagt Frost. Dann folgten ihr immer mehr „ekelhafte Accounts“, teils „krass gewaltverherrlichend“. Frost war verzweifelt, sie entschied sich auszusteigen. Öffentlich. Auf ihrem Blog rief sie dazu auf, es ihr gleichzutun — und es passierte: nichts.

Andere Insta-Girls wollten ihre Fake-Follower nicht hergeben. Stattdessen bekam Frost ein Paket Fake-Likes „spendiert“. Eine Horde russischer Accounts begann wie verrückt ihre Posts zu liken. Ein kleiner Gruß aus dem Insta-Untergrund.

Brancheninsider erzählen, dass auch Agenturen „ihren Influencern“ zusätzliche Follower und Likes einkaufen, die dann mit den Auftraggebern abgerechnet werden. Mit Fake-Likes lasse sich der Algorithmus austricksen, um mehr echte Reichweite zu generieren, sagt ein Influencer-Manager, der das selbst macht.

Ein Konzernmanager: „Der Markt zieht Typen mit der Seriosität eines Zuhälter an“, ätzt die Führungskraft eines Konzerns, der ein lukrativen Auftraggeber für diese Art des Marketings ist. „Die Dubiosesten im Klub sind die Chefs der Influencer-Agenturen. Mir haben schon vier verschiedene Typen erzählt, sie seien der Manager von Pamela Reif.“

48 Prozent Wachstum pro Jahr

Alle setzen darauf, dass der Markt weiter wächst. US-Marken wollen ihre Budgets in diesem Jahr um 48 Prozent erhöhen, auch in Deutschland wird immer mehr Geld ins Influencer-Marketing gepumpt. Einer, der davon möglichst viel abhaben möchte, ist Christoph Kastenholz, ein umtriebiger Studienabbrecher mit zurückgegelten Haaren.

In seinem Büro am Stephansplatz in Hamburg erzählt Kastenholz, dass er eigentlich mit seiner Freundin ein Fashionlabel aufbauen wollte. Dann entdeckten sie, wie gut der Abverkauf funktionierte, wenn einige Personen die Produkte auf Instagram priesen. Also schwenkten sie um aufs Influencer-Business.

Inzwischen arbeiten 60 Leute für seine Agentur Pulse Advertising, Kastenholz hat bereits Büros in New York und Mailand eröffnet. Die Logos der Auftraggeber stehen eingerahmt wie Trophäen auf drei Regalbrettern in der Lobby: LVMH, Cartier, aber auch Lidl und Uber. 20 bis 50 Prozent kassieren die Agenturen für die Vermittlung der Influencer und Umsetzung der Kampagnen.

Hinter den professionellen Accounts steht nicht selten ein kleines Heer an Personal, schließlich müssen Kooperationen ausgehandelt und Shootings organisiert  werden. Top-Influencer Fuchs sagt, sein Leben sei „über Wochen strikt durchgeplant“. Selbst Instagramerin Frost beschäftigt eine Projektmanagerin, einen Fotografen und – natürlich – eine Praktikantin.

„Erfolgreiche Influencer begreifen sich als Unternehmen, sie agieren wie GmbHs“, sagt Tarek Müller, Mitgründer und Geschäftsführer von About You, einem Onlineshop der Otto-Gruppe, der wie kein zweiter auf Influencer setzt, um Kleidung zu verkaufen. Knapp 60 Influencer hat Müller unter Vertrag — auch Daniel Fuchs. 4000 bis 5000 Euro soll er Insidern zufolge pro Produktionstag bekommen, um für About You Modeoutfits zu schießen.

Im Mai hat Müller Deutschlands größte Influencer-Awards veranstaltet – mehr als drei Millionen haben über Livestreams bei Instagram, Facebook und YouTube zugeschaut. „Mehr als beim Echo“, sagt Müller stolz. 2018 soll alles noch größer werden.

Manche Marken befinden sich bereits in einer brutalen Abhängigkeit von den neuen Stars. Als Kendall Jenner (83 Millionen FolIower) mal eine Instagram-Pause einlegte, versank der US-Kosmetikkonzern Estée Lauder (11,3 Milliarden Dollar Umsatz) in der digitalen Irrelevanz. Er verlor auf einen Schlag fast zwei Drittel des Engagements auf der Plattform.

Die einflussreichsten Influencer wollen längst nicht mehr nur für andere werben. Sie schicken sich an, den Etablierten Konkurrenz zu machen — mit eigenen Marken.

Niemand ist in Deutschland damit so weit vorangekommen wie die dauerstrahlende Bibi mit den langen blonden Haaren. Berühmt geworden ist sie über ihren YouTube-Kanal Bibis Beauty Palace, inzwischen hat die 24Jährige auch bei Instagram 5,3 Millionen Abonnenten und kann hohe fünfstellige Summen abrufen, wenn sie bei Konferenzen auftritt. Diese Macht nutzt sie nun.

Bibi ist längst ihre eigene Marke Bereits im November 2015 hat Heinicke ihre eigene Duschmarke herausgebracht, Bilou. Ein Schaum, der nach Donuts oder Schokotorte riecht. Das Unternehmen gehört Heinicke und ihrem Freund (43 Prozent) sowie ihrem Manager (15 Prozent) und der Agentur Philosophy Brands (42 Prozent), die das Produkt für sie entwickelt hat. Mit Bilou gelang Bibi ein Markteintritt, wie ihn sich L’Oréal und Co. nur erträumen können.

Bilou war in vielen dm-Filialen schon wenige Stunden nach Marktöffnung ausverkauft, die gesamte Jahresproduktion von über einer halben Million Packungen war nach kürzester Zeit komplett weg. Seither kommen immer neue Line-Extensions (Schaumlotionen, Bodysprays), Sorten (Zuckerwatte) und Sondereditionen (Kirschblüte) hinzu. Bibis Marktanteil im Duschbadsegment liegt in deutschen Drogerien bei stolzen 4 bis 5 Prozent.

„Erst verdienen Influencer an den Marken, dann machen sie ihnen Konkurrenz“, sagt Elijah Whaley von der chinesischen Agentur ParkLu, die auch von westlichen Unternehmen wie Esprit oder Macy’s gebucht wird, um sich in China Gehör zu verschaffen. „Wenn die Labels auf die Influencer keine Antwort finden, werden sie durch sie ersetzt.“

Eine steile These. Aber tatsächlich ist es Influencern in der Volksrepublik gelungen, binnen kürzester Zeit zu einer Macht im Onlinehandel zu werden. Einige der erfolgreichsten E-Commerce-Shops werden von ihnen betrieben, hohe zweistellige Millionenumsätze sind keine Seltenheit. Das Datenhaus CBN-Data taxierte die chinesische Influencer-Ökonomie 2016 auf 8,83 Milliarden Dollar.

Es gibt sogar schon Inkubatoren. Der Tech-Konzern Alibaba hat vergangenes Jahr 46 Millionen Dollar in die Einheit Ruhan investiert. Sie kümmert sich um Produktdesign und Kontakt zu Fabriken, um neue Influencer-Produkte schnell auf den Markt zu bringen.

Der Abverkauf aus den sozialen Netzwerken wird zunehmen. Was in China üblich ist, testet inzwischen auch Instagram. Die Facebook-Tochter will nicht länger nur zuschauen, wie andere auf ihrer Plattform abkassieren.

Agenturchefs befürchten, dass Instagram bald die Reichweite der Posts herunterfährt — und wie bei Facebook dafür gezahlt werden muss, die eigenen Abonnenten zu erreichen.

Zudem experimentiert Instagram damit, bezahlte Posts gesondert anzuzeigen. Über Daniel Fuchs‘ Bildern steht nun manchmal „Bezahlte Partnerschaft mit Puma“.

Eine Reaktion auf die Kritik an der grassierenden Schleichwerbung? Vielleicht, viele vermuten indes, dass es dem Netzwerk noch um etwas ganz anderes geht: ein eindeutiges Label für die bezahlten Posts zu etablieren — um irgendwann auch daran zu partizipieren.

Die Abmahnwelle rollt. Der Wind dreht sich jedenfalls. In den USA rollt eine Abmahnwelle der Wettbewerbsbehörde FTC wegen Schleichwerbung, in Deutschland geht der Verband sozialer Wettbewerb gegen rund zwei Dutzend Instagram-lnfluencer vor. Auch Caro Daur ist betroffen. Die hierzulande beliebte Mode-Influencerin (1,1 Millionen Follower) markiert bezahlte Fotos, seit eine Wirtschaftsredaktion vor sieben Wochen ein Interview mit ihr veröffentlicht hat, in dem sie die Fragen zur Kennzeichnungspflicht ihrer Werbung nicht beantworten wollte.

Das Interview hatte in der Szene ein kleines Beben ausgelöst. Zuvor hielt sich bei manchen Influencern und Markenartiklern tatsächlich der Glaube: „Im Internet gibt es keine Gesetze.“

Neben Daur haben auch einige andere Influencer eingelenkt (bei erneuter Falschkennzeichnung droht ein Strafgeld von 5100 Euro), gegen den Rest wird nun prozessiert. Eine Beauty-Influencerin (1,3 Millionen Follower), die für die Drogeriekette Rossmann Schleichwerbung gemacht hatte, unterlag im Juni vor Gericht. Kennzeichnung der bezahlten Posts mit dem Hashtag #ad, versteckt zwischen anderen Hashtags, reiche nicht aus, befand das Oberlandesgericht Celle. Seitdem steht immer öfter das hässliche Wort Anzeige am Anfang ihrer Posts.

Willkommen im echten Leben ihr Influencer.

ZIEMLICH BESTE FREUNDE: GALERIA KAUFHOF DROHT HBC HERUNTERZUZIEHEN

Olaf Koch gab sich begeistert. Gerade hatte der Metro-CEO die Warenhaustochter Galeria Kaufhof für 2,8 Milliarden Euro an seinen Wunschpartner, die Hudson’s Bay Company (HBC), veräußert. Als „solide“ lobte er die Kanadier und pries deren „kristallklare Finanzierung“. Koch, der selbst aus dem Finanzfach kommt, litt anscheinend unter selektiver Wahrnehmung. Denn Misstrauen war schon damals, im Herbst 2015, angebracht – zum Fraudanwalt-Bericht.

Knapp zwei Jahre später scheinen die schlimmsten Befürchtungen wahr zu werden. Die Geschäfte von HBC laufen dramatisch schlecht. Der Konzern ist noch höher verschuldet als zur Zeit des Kaufhof-Erwerbs, die Liquidität wird immer knapper, die Banken setzen HBC unter Druck, und Warenkreditversicherer weigern sich, die Kaufhof-Lieferanten wie bisher abzusichern.

HBC droht in einen Abwärtsstrudel gerissen zu werden — einschließlich Galeria Kaufhof mit ihren 21 500 Mitarbeitern.

Zum zentralen Problem entwickelte sich in diesem Sommer ein Kredit, dessen Konsortialführerin die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) ist. Zur Bezahlung der Kaufhof-Immobilien hatte sich eine HBC-Tochter vor zwei Jahren 1,34 Milliarden Euro bei der LBBW und deren Partnern Helaba, HSH Nordbank und Ergo geliehen. Die Schuldnerin namens HBS Global Properties gehört HBC zu 63 Prozent.

Die Finanzkonstruktion wurde derart ausgereizt, dass sich die Banken mit rigiden Kreditbedingungen absicherten, sogenannten Covenants. Bei deren Verletzung können die Konsorten die sofortige Rückzahlung des Darlehens verlangen.

Eine der Vorschriften lautet, dass die Kreditsumme in den ersten fünf Jahren der Laufzeit höchstens 68 Prozent des Immobilienwerts betragen darf. Vor Abschluss des Vertrags am 26. September 2015 lag der Gebäudewert allerdings zu niedrig; das Darlehen wäre in der gewünschten Höhe nicht genehmigt worden.

Also fand der Konzern einen Trick, den die Kreditgeber tolerierten: Seit 1. Oktober 2015 muss Galeria jährlich etwa 40 Millionen Euro mehr für Miete, Erbbauzinsen und Instandhaltung an HBS zahlen. Dank der Mehreinnahmen konnte die Vermieterin den Gebäudewert um mehrere Hundert Millionen Euro hochschreiben — die Loan-to-Value-Ratio schnurrte in den grünen Bereich.

Dabei ist die Mieterhöhung rechtlich fragwürdig, denn sie wurde während eines laufenden Vertrags und ohne adäquate Gegenleistung vereinbart – weshalb der damalige Chef der Galeria Holding, Lovro Mandac, seine Unterschrift verweigerte. Kurz darauf musste er gehen.

Wer auch immer schließlich aufseiten von Galeria Kaufhof den Vertrag unterzeichnete — er könnte sich der Untreue zum Schaden der Firma schuldig gemacht haben. Ein Risiko bleibt auch für HBC: Ginge die deut sche Tochter pleite, würde der Insolvenzverwalter unweigerlich die zu viel gezahlte Miete zurückfordern — bislang etwa 80 Millionen Euro.

Schon heute wackelt das waghalsige Konstrukt. Denn der Kreditvertrag schreibt ferner vor, dass bei jeder der 41 beliehenen Kaufhof-Filialen der Gewinn in der Definition Ebitdar (vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Miete) die Mietzahlung um 20 Prozent zu überschreiten hat. Zudem muss Kaufhof insgesamt einen Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) erwirtschaften.

Beide Vorgaben hat Kaufhof im jüngsten Geschäftsjahr, das am 28. Januar 2017 endete, gerissen. Allein beim Ebit lief ein Minus in zweistelliger Millionenhöhe auf — vor allem wegen der Mieterhöhung.

Spätestens bis zum 31. Juli musste die Schuldnerin dem Konsortium den doppelten „Event of default“ melden — was auch geschehen ist. Seither treffen sich HBC und Banken laufend zu Krisengesprächen. „Wir er-Rillen vollumfänglich alle unsere geschlossenen Kreditvereinbarungen“, heißt es bei HBC.

Der Bruch der Ebitdar-Bedingung lässt sich zwar heilen — wenn die Kreditnehmerin für jedes betroffene Haus einen festgelegten Teilbetrag vorzeitig tilgt. Angesichts der angespannten Kassenlage bei HBC scheint das jedoch unrealistisch. Die Verletzung des zweiten Covenants, wonach das Ebit „a positive number“ sein muss, ist laut Kreditvertrag nicht heilbar.

Die Kanadier machen die Anschläge in Berlin, München und Brüssel (in Belgien betreibt die Kaufhof-Tochter Galeria Inno 16 Warenhäuser) sowie den Umbau von Filialen für den Verlust verantwortlich. Ohne solch widrige Ereignisse wäre das Ebit positiv gewesen, sagen sie.

Die Bankenvertreter halten die Rechtfertigungen für fadenscheinig. Der Konfliktfall, so die Hardliner, wäre nur aufgeschoben, wenn die Gläubiger diesmal den Covenant-Bruch hinnähmen. Denn im aktuellen Geschäftsjahr hat sich das Ebit weiter verschlechtert; 30 der 113 Filialen arbeiten mit Verlust.

In ihrer Not sondierten die Kanadier im August einen Verkauf des zum HBS-Paket gehörenden Kaufhof-Gebäudes an der Frankfurter Hauptwache. Mindestens 400 Millionen Euro sollte es einbringen nach einer angedachten Mietverdoppelung auf 20 Millionen Euro, zulasten der Betreiberin Kaufhof.

Zu allem Übel kommt, dass die Bonität von Galeria Kaufhof auch von den Warenkreditversicherern immer kritischer beurteilt wird. Sie garantieren den Lieferanten die Bezahlung. Ohne Versicherung bekommt ein Händler keine Ware, allenfalls gegen Vorkasse.

Im Juli hatte der Branchenriese Euler Hermes, der bis dahin für Galeria Kaufhof etwa 40 Prozent der Lieferantenforderungen absicherte, die Deckung empfindlich zurückgefahren. Der seit Mai amtierende Kaufhof-Chef Wolfgang Link und HBC beeilten sich mitzuteilen, dass sie ja noch andere Kreditversicherer hätten und außerdem der Mutterkonzern bei der Bank of America (BofA) über einen Dispokredit von 2,25 Milliarden US-Dollar verfüge, den auch Kaufhof nutzen könne.

Doch diese Verteidigungslinie bricht Stück für Stück zusammen. Auch der Rückhalt bei Kaufhofs zweitem großen Warenkreditversicherer, der Metro-Tochter Miag, nimmt ab. Die Assekuranzkonzerne Zurich, Swiss Re und Chubb, die das Miag-Volumen rückversichern, forderten von HBC mit Fristsetzung per Mitte August die Hinterlegung von 150 Millionen US-Dollar oder einer Bankbürgschaft. Die Kaufhof-Mutter bat um Aufschub. HBC bestreitet, dass der Versicherer gedroht habe, die Deckung zurückzufahren.

Dass Miag überhaupt noch im Obligo ist, gehört zum Deal zwischen Metro und HBC. Auch der dritte Warenkreditversicherer, Atradius, prüft sein Engagement intensiv.

Zudem führt der Verweis auf die BofA-Kreditlinie in die Irre. Erstens war sie Ende Juli bereits zu zwei Dritteln ausgeschöpft, zweitens darf Galeria Kaufhof laut Kreditvertrag höchstens 350 Millionen der 2,25 Milliarden Dollar ziehen – verfügbar ist davon noch gut die Hälfte.

Auch daheim gerät HBC immer stärker unter Druck. Aktionäre verlangen die Abberufung von HBCCEO Jerry Storch und Executive Chairman Richard Baker, falls sie nicht schnellstens Galeria Kaufhof wieder verkaufen. Denn wenn die deutsche Tochter fiele, drohte auch HBC der Zusammenbruch – und umgekehrt. Zu eng sind beide verwoben.

Der Konzern bürgt dem LBBW-Konsortium für die Mietzahlungen von Kaufhof („Sponsor Guarantee“) —jährlich etwa 150 Millionen Euro. Bei acht Jahren Restlaufzeit des Kredits summiert sich die Haftung auf 1,2 Milliarden Euro.

Wenn Galeria Kaufhof unter den Mietzahlungen kollabierte, würde nicht nur die Bürgschaft fällig. HBC müsste dann wegen des Eintritts eines „Cross-default“ auch den BofA-Kredit sofort zurückzahlen.

Nur – wovon? Bislang rühmt sich HBC seiner Sicherheiten, nach Abzug von Schulden und Minderheitsanteilen seien die Immobilien sechs Milliarden kanadische Dollar wert. Experten bezweifeln das: Wegen der Misere des amerikanischen Einzelhandels sei nur die Hälfte realistisch, etwa 2,4 Milliarden US-Dollar — bei einem Notverkauf noch weniger.

In der Kölner Kaufhof-Zentrale regiert denveil nervöse Hektik; die Stimmung sei „grausam“, heißt es. Die Anlaufverluste der umgebauten Vorzeigefiliale an der Düsseldorfer Königsallee und der neuen Saks-Off5th-Läden sprengen das Budget. Das Geld fehlt überall. Investitionen sind eingefroren, der Tarifvertrag wurde infrage gestellt, Kunden werden die Bonuspunkte halbiert, die sie bei Einkäufen mit ihrer Payback-Karte erhalten. Geplante Neueröffnungen liegen hinter dem Zeitplan, wie in den Niederlanden, oder wurden gar storniert — wie in Luxemburg, wo Galeria Inno Bauverzögerungen zur Kündigung des Mietvertrags nutzte.

Generös fällt dagegen der Umgang mit dem von HBC-Gesandten dominierten Aufsichtsrat aus. Dessen Kosten addieren sich aufbald eine Million Euro pro Jahr — wegen der Spesen der Transatlantikreisenden.

Allein die Miete für das Apartment des nur tageweise in Köln weilenden Aufsichtsratschefs Don Watros in einem der luxuriösen Kranhäuser am Rhein kostet Galeria Kaufhof knapp 4000 Euro monatlich.

Immerhin: Zum Oktober Soll die Wohnung gekündigt worden sein.

LUFTHANSA UND ETHIDAD BESTENS MITEINANDER VERNETZT

Für einen Schlussstrich braucht man wenig Tinte. Eine dürre Mitteilung Anfang August reichte der Fluggesellschaft Etihad, um sich von ihrer deutschen Beteiligung Air Berlin (29,2 Prozent) zu trennen. Die vereinbarten Finanzspritzen von zweimal 50 Millionen Euro werde es nicht geben, übermittelten die Araber. Damit war die mehr als fünf Jahre währende Fürsorge beendet, Air Berlin pleite.

Doch so abrupt der Rückzug wirkt — er war keine Kurzschlusshandlung, sondern Endpunkt eines Pokers, in dem die Lufthansa die weitaus besseren Karten hatte.

Wie harmonisch ging es dagegen noch im Juni vergangenen Jahres zu, als Lufthansa-Chef Carsten Spohr und der damalige Etihad-Boss James Hogan sich heimlich in Abu Dhabi trafen. Sie fanden gemeinsame Interessen: Hogan wollte die Verlustflieger loswerden, Spohr war an einer Verstärkung durch AirBerlin-Maschinen interessiert.

Es war der erste Schritt eines unausgesprochenen Deals: Die Lufthansa würde die begehrten Flieger und Strecken irgendwann bekommen, Etihad im Gegenzug eine enge Partnerschaft mit der europäischen Nummer eins. Sogar über eine Kapitalverflechtung wurde sinniert.

Es folgten weitere Treffen, etwa Anfang November in München, und ein paar verheißungsvolle Momente. Die Lufthansa durfte 38 Maschinen von Air Berlin leasen; Etihad bekam Gemeinschaftsflüge mit dem Kranich und Anfang Februar Kooperationen bei Catering und Technik.

Was nach dem Auftakt einer engen Freundschaft aussah, war allerdings schon der Endpunkt. Über einen Pakt wollte Spohr fortan nicht mehr reden. Warum auch? Viele Sorgen, die ihn im Sommer 2016 noch umgetrieben hatten — Pilotenzoff, Kursrutsch, düstere Prognosen — lösten sich zuletzt in Luft-auf.

Für den finalen Air-Berlin-Deal stellte er knallharte Bedingungen. Etihad sollte die Berliner noch bis zum Closing irgendwann Ende des Jahres alimentieren. Das hätte Extrakosten von mehreren Hundert Millionen Euro bedeutet. Zudem verlangte Spohr, dass die Araber die Schuldenlast von Air Berlin (1,2 Milliarden Euro) deutlich reduzieren — und das alles, ohne dass dabei etwas für Etihad herausgesprungen wäre. „Die Mathematik hat nicht gestimmt“, sagt ein Etihad-Mann. Zumal Thomas Winkelmann, seit Februar Air-Berlin-Chef und zuvor fast 20 Jahre in Diensten der Lufthansa, Anfang August plötzlich niederschmetternde Prognosen präsentierte. Etihad befürchtete, mit weiteren Hilfen zu positive Signale zu senden und damit für neue Geschäftspartner von Air Berlin und deren Investitionen haftbar zu werden.

Spohr ließ den Arabern keine andere Wahl, als den Rückzug anzutreten. Nun kann er sich bei einer schuldenbefreiten Air Berlin bedienen.

Dass bei Etihad neue Nüchternheit eingekehrt ist, zeigt auch die Weigerung der Airline, auf bizarre Avancen ihres Ex-Chefs Hogan einzugehen. Der hat unlängst in Zürich die Knighthood Capital Partners AG aufgemacht. „Knighthood“ bedeutet „Ritterschaft“, wobei Hogan eher als Glücksritter gilt.

Der Schweizer Firma ist eine Tochter auf Malta unterstellt, die sich mit Vermietung und Management von Flugzeugen beschäftigen will. An Bord sind alte Bekannte: James Rigney, ehemals Hogans rechte Hand und Finanzchef von Etihad, sowie Ulf Hüttmeyer, lange Finanzvorstand von Air Berlin und damit einer der Hauptverantwortlichen für deren Niedergang. Die Neu-Malteser spekulieren darauf, überschüssige Flugzeuge zu vermarkten — etwa von Etihad.

Am Golf ist derzeit keine Neigung zu erkennen, das tollkühne Angebot der Ex-Angestellten anzunehmen. der Führung auch frische Impulse verleihen. Das täte allen gut. Zuletzt hat sich so etwas wie eine Erfolgsdepression über die Mannschaft gelegt.

Die Zahlen sind glänzend: Ein Rekord jagt den nächsten, Daimler wies für 2016 fast 13 Milliarden Euro operativen Gewinn aus. Mercedes hat BMW überholt und ist wieder die Nummer eins der automobilen Premiumwelt. Auch das Truckbusiness zieht nach zwei schwächeren Jahren an.

Die Investoren freilich vermissen neue Anstöße. Die Daimler-Aktie verlor in diesem Jahr 15 Prozent an Wert — so viel wie keine andere im Dax. Im Dieselskandal wird inzwischen auch gegen Daimler ermittelt; nach den Kartellvorwürfen sprach die Kanzlerin sämtlichen Autochefs der Republik die Glaubwürdigkeit ab. Neue Modelle sind da zur Nebensache geworden.

Schon wagen sich intern wieder erste Zetsche-Kritiker vor. Nachdem er in den letzten Jahren völlig unangefochten regiert hat, heißt es nun, es bleibe zu viel liegen.

Die Holding könnte da zum Befreiungsschlag werden. Zumal sie auch personell neue Möglichkeiten schafft.

Der Vertrag von CEO Zetsche läuft noch bis Ende 2019; besonders die Arbeitnehmervertreter monieren seit Längerem seine Rolle als Doppelche fvon Konzern und Mercedes-Benz. Sie würden Ola Källenius gern möglichst bald an die Mercedes-Spitze befördern, als Zwischenstation. Der Schwede gilt als Daimlers Kronprinz.

Für Zetsche böte die Holding eine ideale Gelegenheit abzutreten. Entweder er macht die Mercedes-Spitze frei und bleibt noch ein Weilchen Holdingboss – oder er verlässt den Vorstand ganz, um dann nach einer Abkühlphase als Aufsichtsratschef wieder einzusteigen.

Den Vorstandsvorsitz übernähme dann wahrscheinlich übergangsweise ein dritter: Bodo Uebber. Der CFO als Holdingchef — das passt. Er kommt gut mit Källenius aus und würde ihn operativ machen lassen. In der Trucksparte kann Uebber auf Martin Daum  bauen.

Laut Aktiengesetz müsste Zetsche eigentlich zwei Jahre aussetzen, bevor er in den Aufsichtsrat darf. Es sei denn, mehr als 25 Prozent der Anteilseigner schlagen ihn für einen früheren Wechsel vor. Mit Uebber als Puffer zwischen Aufsichtsratsspitze und den operativen Spartenchefs Källenius und Daum könnte das einfacher werden.

Vorausgesetzt natürlich, die Ermittlungen der Stuttgarter Staatsanwälte gehen für Daimler gut aus. Denen ist die Holding reichlich egal.

CAUSA VEGAS COSMETICS: CARLOS FERNANDES BESCHWICHTIGT

Die Firma Vegas Cosmetics unter der Leitung des gebürtigen Südamerikaners Carlos Fernandes ist ein umstrittenes MLM-System für Kosmetik-Produkte, wenn man ihren Kritikern Glauben schenkt. Auf den MLM-Vertrieb von Vegas Cosmetics wurde die Redaktion vor wenigen Wochen aufmerksam gemacht. Mehrere Vertriebsangestellte und Käufer meldeten sich zu Wort – zum Fraudanwalt-Bericht. Daraufhin reagierte Carlos Fernandes ungehalten und beauftrage eine Kölner Anwaltskanzlei, um Drohgebärden in Form von Anwaltsmahnbriefen mit überzogener Kostenstruktur und einem Streitwert im unteren fünfstelligen Bereich auszusenden. Anders als etwas in den USA, erfreuen sich Anwälte in Deutschland der Gegebenheit, immer als Sieger aus dem Prozess zu gehen und dabei ist es egal – wie der Prozess endet. Anwaltsgebühren werden immer im Vorfeld fällig und nicht bei erfolgreichem Prozessausgang des Mandanten. So kam es wie es kommen musste und Fernandes verprasste eine saftige Summe – zum Fraudanwalt-Bericht.

Im Laufe der Berichterstattung ist die Redaktion vielen Verdachtsfällen nachgegangen und bat auch Vegas-Gründer Fernandes zu einem Statement.

 

Redaktion:

a) Beurteilen Sie die Qualität Ihrer Vegas Cosmetics-Produkte, wer produziert die Produkte mit welcher Zutatenqualität? 

Antwort von Carlos Fernandes (Vegas Cosmetics):

Unsere Produkte werden nach deutschen und europäischen Standards produziert, erfüllen alle gesetzlichen Bestimmungen und haben stets alle Qualitätskontrollen bestanden. Gerne sende ich Ihnen Proben unserer Produkte zu, damit Sie sich selbst ein Urteil von der fraglosen Qualität unserer Produkte bilden können. Es kann nicht sein, dass Sie unsere Waren allein auf Basis der Aussagen des zur Konkurrenz abgewanderten Herrn Niemeyer negativ darstellen!

Anmerkungen der Redaktion:

Offensichtlich geht Herr Fernandes davon aus, dass ein ihm bekannter Vertriebsmitarbeiter Informationen weitergegeben hat, der Redaktion ist ein Herr Niemeyer unbekannt.

 

b) Ist es möglich, dass ein Produkt ranzig riechen kann oder sind Ihnen andere Beanstandungen bekannt?

Antwort von Carlos Fernandes (Vegas Cosmetics):

Ich kann mir nicht erklären, wie eines unserer Produkte ranzig riechen kann! Welches Produkt genau sollte das denn sein? Schmuck sicherlich nicht! Eine Crème oder ein Parfum? Bei uns hat sich noch kein Kunde über die Qualität unserer Produkte beschwert! Herr Niemeyer jedoch hat seine Gründe!

Anmerkungen der Redaktion:

In einschlägigen Internetforen beklagen sich vermeintliche Käufer über die Produktqualität von Vegas Cosmetics. Zwei unabhängige User sprachen davon, dass die Produkte ranzig riechen sollen. Dies kann von der Redaktion nicht abschließend bestätigt werden.

 

c) Haben Sie eine berufliche Qualifikation inne?

Antwort von Carlos Fernandes (Vegas Cosmetics):

Ich fühle mich durch über 24 Jahre Branchenzugehörigkeit hinreichend zur Leitung der Vegas Cosmetics GmbH qualifiziert.

Anmerkungen der Redaktion:

Der Vegas Comsmetics-Gründer Carlos Fernandes verfügt dementsprechend nicht über eine schulische Ausbildung. Unter dem Begriff „Branchenzugehörigkeit“ soll vermutlich die MLM-System-Laufbahn gemeint sein, das lässt Fernandes offen. Aus Sicht von Fernandes scheint es ausreichend zu sein, 24 Jahre lang irgendwelche Produkte in Strukturvertrieben zu verkaufen, um hochwertige Kosmetik zu produzieren. Kein weiterer Kommentar.

 

d) Liegt bei Ihren Produkten ein dermatologischer Test vor?

Antwort von Carlos Fernandes (Vegas Cosmetics):

All unsere Produkte werden bereits im Entwicklungsstadium diversen Tests unterzogen, unter anderem auch dermatologischen Tests. Nicht von ungefähr bescheinigt uns Dermatest mit dem Siegel „very good“, dass Vegas Produkte von sehr guter Qualität sind.

Anmerkungen der Redaktion:

Die meisten Siegel sind nichts wert und sollen Verbraucher in die Irre führen. Bei Dermatest ist ein Siegel schon für 540 Euro pro Produkt zu erhalten. Ein Schnäppchen.

 

e) Ist es üblich, dass neue Vertriebspartner die Produkte bezahlen müssen, um sie zu testen?

Antwort von Carlos Fernandes (Vegas Cosmetics):

Unsere Partner müssen keine Produkte kaufen und werden auch nicht zum Kauf gezwungen. Um unsere Produkte zu verkaufen, muss der Vertriebspartner die Ware aber natürlich erstmal bei Vegas kaufen. Und wenn Partner Produkte selber testen wollen, müssen sie die Produkte selbstverständlich auch vorher kaufen (wie bei allen anderen Firmen auch). Oder können Sie in den Supermarkt gehen und alles probieren? Diese Frage ist eigentlich etwas lächerlich, denn welche Firma verschenkt seine Produkte?

Anmerkungen der Redaktion:

Unserer Meinung nach hingt der Vergleich ein wenig. Fernandes findet es lächerlich, dass Vertriebler, bevor sie für ihn und seine Vegas Cosmetics arbeiten, die Produkte nicht kostenlos erhalten, sondern bezahlen müssen. Sein Vergleich mit dem Supermarkt müsste lauten: „Wenn eine Kassiererin in einem Supermarkt einen Probearbeitstag macht, dann muss sie die Produkte, die sie verkauft erstmal bezahlen“.

f) Wie ist die finanzielle Situation von Vegas Cosmetics GmbH, existiert eine Bonitätsbewertung?

Antwort von Carlos Fernandes (Vegas Cosmetics):

Ich würde mich freuen, wenn Sie sich (endlich) bei unabhängigen Dritten über die Bonität von Vegas Cosmetics und über meine persönliche Bonität erkundigen würden. Sowohl Vegas wie auch ich sind im Creditreform-Bonitätsindex mit guter Bonität gelistet. Bei der Schufa bin ich und ist auch die Vegas Cosmetics GmbH mit der Ratingstufe A eingeordnet. Bei Legende sogar Doppel ++ deutlich unterdurchschnittliches Risiko!

Finanziell steht das Unternehmen sehr gut da, weder gibt es Kredite noch bestehen Schulden. Bilanzmäßig sind ja auch die stillen Reserven sichtbar. 

 

g) Bestehen ausstehende Forderungen von Vertriebsmitarbeitern?

Antwort von Carlos Fernandes (Vegas Cosmetics):

Nein definitiv nicht und auch nicht in der Vergangenheit, es laufen auch keine Verfahren diesbezüglich gegen mich oder die Vegas Cosmetics GmbH.

Anmerkung der Redaktion:

Dies kann leider nicht überprüft werden.

Das war das Statement von Carlos Fernandes im Namen der Vegas Cosmetics GmbH.

 

Fraudanwalt-Fazit:

Das Unternehmen Vegas Cosmetics GmbH konnte die Redaktion nicht überzeugen. Ein Management ohne nennenswerter Qualifikation, eine authentizitätslose Internetwerbung, schlechte Erfahrungen von Produktkäufern in Internetforen, schlechte Erfahrungen von Vertriebsmitarbeitern und mutmaßlich ehemaligen Vertriebsmitarbeitern und ein aggressives Vorgehen gegen Kritiker mit teuren Anwälten sind die Basis unserer Kritik. Zur Warnliste.