STAR OIL PRODUCTION UND PROVEN OIL SIND BRÜDER IM GEISTE

Das Öl- und Gas-Geschäft in Kanada, seit Jahrzehnten ein Eldorado für Goldgräber und Ölfirmen, verkommt zunehmend zum Milliardengrab für deutsche Anleger. HCI Capital AG, MPC Deepsea Oil Explorer oder auch Proven Oil bringen tausenden Anleger heute noch um den Schlaf, weil Ersparnisse sich in Luft aufgelösthaben.

Jedoch versuchen immer wieder neue Firmen mit öligen Geschäftsideen an das Anlegerkapital zu gelangen, ein Ende der Öl-Rallye scheint nicht in Sicht. Die Star Oil Production GmbH aus Hamburg bietet Anlegern Anteile an einer LLC an, in diesem Jahr sollen laut Aussagen von Geschäftsführer Thomas Ruf bereits drei Quellen erschlossen worden sein. Die Teilhaberschaft an einer US-LLC ist für Anleger aus Deutschland umfangreich und komplex.

Der Kopf des Unternehmens ist Thomas Ruf, der gleiche Thomas Ruf, der noch bis vor wenigen Wochen bei Proven Oil war. Das Modell von Star Oil Production GmbH „weicht von der Blindfonds- Konstruktion der genannten anderen Firmen Proven Oil stark ab. Wir haben ein Direktinvestitionskonzept mit Grundbuchabsicherung der Investoren“, erläutert Ruf gegenüber Fraudanwalt.

Nachdem der Star Oil Production-Geschäftsleiter Thomas Ruf kürzlich bei Proven Oil Canada oder besser gesagt bei dem, was von POC noch übrig ist -gefeuert wurde – kritisiert er Fraudanwalt für die ungefragte Berichterstattung in der vergangenen Woche. „Man sollte zuerst verstehen, bevor man kommentiert“, erzürnte Ruf in einer E-Mail an die Redaktion. Vorangegangen war ein Fraudanwalt-Bericht über die riskante Wette auf Öl der Hamburger Star Oil Production GmbH, Ruf’s eigentlicher Hauptfirma. Diese Erwähnung ist insofern wichtig, weil Thomas Ruf versucht hat einige Anleger der Proven Oil Canada Fonds zu seiner Star Oil Production zu locken und bot ihnen Beteiligungen in fünfstelliger Höhe an.

Daraufhin wollten wir es genauer wissen und übersandten Ruf einen Fragenkatalog:

Fragen an Thomas Ruf:

 

Haben Sie Ihre Nähe zu Proven-Anlegern genutzt, um sie für Ihr eigenes Projekt anzuwerben?

Keine Antwort.

 

Was war der Grund für Ihre Entlassung bei Proven Oil?

Keine Antwort.

 

Weshalb sind nach wie vor Kontakt-Informationen von Ihnen bei Proven Oil zu finden?

https://proven-oil-canada.com/impressum/

Keine Antwort.

 

Sind Edmund Kockartz oder Klaus Christochowitz in Ihre Handlungen involviert?

Keine Antwort.

 

Wie viel von den einbezahlten 15 Millionen Euro sind noch vorhanden?

Keine Antwort.

 

Ist es wahr, dass sich Kockartz oder Christochowitz an den Geldern bedienen/ten? (Spesen)

Keine Antwort.

 

Schätzen Sie die finanzielle Situation Ihres Unternehmens ein.

Keine Antwort.

 

Halten Sie den Verkauf von LLC-Anteilen für eine sichere Kapitalanlage?

Keine Antwort.

 

Weshalb blockiert sich plötzlich Thomas Ruf von der Star Oil Production GmbH? Und ist zu keiner Stellungnahme mehr bereit?!

Kein weiterer Kommentar…

AKTIENFONDS DANK TRUMP IM AUFWIND

Seit Donald Trump im November 2016 die Wahl zum US-Präsidenten gewonnen hat, sind die Kurse US-amerikanischer Aktien kräftig gestiegen. Der Leitindex S&P 500 hat in den vergangenen Monaten neue Rekordhöhen erklommen, ebenso das Industriebarometer Dow Jones und der Technologie-lndex Nasdaq. Analysten weisen zwar darauf hin, dass US-Aktien mittlerweile hoch bewertet sind. Sie gehen davon aus, dass die Kurse im weiteren Jahresverlauf nicht mehr so stark steigen werden wie bisher. Insgesamt bleiben die Aussichten für den US-Aktienmarkt aber gut: Die Gewinne vieler amerikanischer Unternehmen klettern, ihre Aktien haben nach wie vor Kurssteigerungspotenzial.

Fest steht: Ohne Titel aus der größten Volkswirtschaft der Welt ist ein Aktienportfolio nicht komplett, nicht nur aus Diversifizierungs-, sondern auch aus Renditegründen. US-Standardwertefonds der Kategorie „Blend“, die weder eine Value- noch eine Growth-Strategie verfolgen, haben in den 34 vergangenen drei Jahren im Schnitt um rund 17 Prozent pro Jahr an Wert zugelegt, zeigen Zahlen der Fondsratingagentur Morningstar.

An der Spitze der US-Aktienfonds, die für deutsche Privatanleger erhältlich sind, steht beim Blick auf die vergangenen drei Jahre ein Fonds der US-Investmentgesellschaft AB. Der AB US Thematic Research Portfolio legte in diesem Zeitraum um 20,4 Prozent pro Jahr im Wert zu. Fondsmanager Daniel Roarty sucht nach Aktien von Unternehmen unterschiedlicher Branchen, die von technologischen oder demografischen Trends profitieren könnten. Zu den größten Positionen gehören aktuell Aktien von Facebook, Apple und der Google-Mutter Alphabet. IT-Titel machen rund ein Viertel des Portfolios aus.

Die Morningstar-Analysten bewerten die Strategie des Managers als überdurchschnittlich ris9nt. In Aufwärtsphasen war sie zuletzt allerdings auch überdurchschnittlich erfolgreich: In den vergangenen zwölf Monaten hat der Fonds um satte 30 Prozent zugelegt, seit Jahresbeginn um 12 Prozent. Damit erzielte Roarty ein deutlich höheres Plus als seine Konkurrenten.

Am zweitbesten schnitt auf Dreijahressicht ein Fonds der österreichischen Walser Privatbank ab. Der Walser Portfolio Aktien USA investiert ausschließlich in Aktien, die im S&P 500 gelistet sind. Fondsmanager Florian Zelder wählt Titel aus, die weniger stark schwanken als der Gesamtmarkt und möglichst wenig miteinander korreliert sind, sich also ungleich entwickeln. Zu den größten Positionen im Portfolio zählen derzeit Aktien von Wells Fargo, Wal-Mart und Intel.

Der sogenannte Minimum-Varianz-Ansatz, den das Management verfolgt, soll in Abwärtsphasen Verluste begrenzen, kann aber in Aufwärtsphasen die Renditechancen schmälern. Für Anleger, die auf kurzzeitige Kurs-Feuerwerke an der Wall Street spekulieren, eignet der Walser-Fonds sich deshalb nicht. Seit Januar verzeichnet er unter den Top Vier mit 1,6 Prozent den geringsten Wertzuwachs. Langfristig macht sich ein gutes Risikomanagement dafür in stabilen Erträgen bemerkbar. Der Fonds schaffte seit seiner Auflegung im Jahr 2000, über die Nachwehen der Dotcom-Blase und die Finanzkrise hinweg, ein jährliches Plus von knapp 4 Prozent.

Der Fonds T. Rowe Price US Large Cap Equity, aufgelegt von der US-Investmentgesellschaft T. Rowe Price, verzeichnet seit Jahresbeginn ein Plus von 5,5 Prozent. Fondsmanager Jeff Rottinghaus investiert querbeet in US-Standardwerte und zieht dabei sowohl Wachstums- als auch Substanzwerte in Betracht. Unter den zehn größten Positionen im Portfolio finden sich derzeit Aktien von Apple, PepsiCo und JPMorgan.

Je nachdem, ob Substanz- oder Wachstumswerte dominieren, kann der Fonds zeitweise stark schwanken. Nach Einschätzung der Morningstar-Analysten eignet er sich deshalb vor allem für risikobereite Langfrist-Anleger, die keine Angst vor der potenziell höheren Volatilität von Wachstumsaktien haben. Ein Blick auf die langfristige Wertentwicklung zeigt: In Abwärtsphasen ist der Fonds zeitweise tiefer gefallen als der S&P 500. Im laufenden Jahr hat er den Index dafür bislang deutlich übertroffen.

Auf Rang vier der besten US-Aktienfonds der vergangenen drei Jahre liegt ein Produkt von Allianz Global Investors. Der Allianz US Equity erzielte in diesem Zeitraum ein Plus von 19 Prozent pro Jahr. Im laufenden Jahr steht bislang ein Plus von 3,6 Prozent zu Buche. Fondsmanager Steve Berexa investiert in US-Standardwerte, ohne dabei einen fixen Investmentstil zu verfolgen. Zu den zehn größten Portfolio-Positionen zählen aktuell Aktien von Microsoft, General Electric und der Bank of America. Eine breite Streuung soll das Verlustrisiko minimieren.

Ebenso wie seine Kollegen hat Berexa zuletzt von der Trump-Rallye an der Wall Street profitiert. Er rechnet allerdings damit, dass jene nicht unbedingt von Dauer sein wird. „Anleger sollten flexibel bleiben und sich auf Veränderungen einstellen“ sagt er. „Man muss zwischen kurzfristigen Stimmungsschwankungen und tatsächlichen Veränderungen der fundamentalen Unternehmensdaten unterscheiden.“ Die Regierung Trump werde in der kommenden Zeit sowohl positive als auch negative Auswirkungen auf die US-Wirtschaft haben. Insgesamt bleibe das Umfeld für Investments in US-Aktien aber günstig, nicht zuletzt dank solider Unternehmensgewinne.

DUELL: COMPLIANCE UND WIRTSCHAFTSKRIMINALITÄT

Der Schreibtisch bei Compliance-Fachleuten ist voll, das Geschäft scheint gut zu laufen. Das tut es. Auch bei Kollegen, die mit dem Thema Compliance zu tun haben, also der Einhaltung von Regeln in Unternehmen. Dieses Geschäft boomt seit Jahren.

Sie Profitieren davon, dass es in den Firmen heute so viele schlimme Finger gibt. Der Eindruck könnte täuschen. Erfahrungsgemäß ist die Zahl der guten und bösen Manager über all die Jahre gleichgeblieben. Was sich erhöht hat, ist die Zahl der Straftatbestände bei Weiße-Kragen-Kriminalität: vom Nichtabführen von Sozialversicherungsbeiträgen bis hin zu Verstößen gegen das Wettbewerbsrecht. Außerdem werden diese Delikte viel intensiver verfolgt, was wiederum zivilrechtliche Folgen hat. So stellen Insolvenzverwalter heute gern Strafanzeige wegen Untreue oder Insolvenzverschleppung gegen Vorstände oder Geschäftsführer, wenn der Verdacht besteht, dass diese sich zu Unrecht an der Firma bereichert haben. Das spart dem Insolvenzverwalter Zeit und Geld, denn die Staatsanwaltschaft ermittelt ja auf Kosten der Steuerzah1er. Eine solche Taktik war früher unüblich.

Wirkt diese härtere Gangart abschreckend?

Ja. Außerdem ist das Risiko, erwischt zu werden, mittlerweile sehr groß. Die Aufklärungsquote bei Wirtschaftsstraftaten liegt bei 94 Prozent, also viel höher als zum Beispiel bei Diebstählen oder Einbrüchen. Hinzu kommt der Einfluss von Organisationen wie Transparency International, die das Geschäftsgebaren weltweit unter die Lupe nehmen. Und dann sind da noch die Medien, die zum Beispiel über den tiefen Fall des ehemaligen Bertelsmann- und Karstadt-Chefs Thomas Middelhoff in aller Ausführlichkeit berichten. Das beeindruckt Führungskräfte durchaus, jedenfalls gewöhnliche.

Wen interessieren solche Berichte nicht?

Selbstherrliche Manager vom Typus Martin Winterkorn, die in ihrem eigenen Kosmos leben und sich ihre Regeln selbst machen. Sie meinen, dass ihnen aufgrund der Marktmacht ihrer Unternehmen und der schützenden Hand der Regierung nichts passieren könne. Doch da täuschen sie sich, wie unter anderem die Kartellverfahren zeigen, die in jüngster Zeit bekannt wurden. Solche Absprachen sind für alle Beteiligten extrem gefährlich, denn sie machen sich nicht nur nach deutschem, sondern auch nach EU-Recht strafbar. Das gilt übrigens auch für Anwälte, die Unternehmen beraten. Wenn sie dabei von einem Kartellverstoß Kenntnis haben und daran aktiv mitwirken, kann das eine Straftat darstellen.

Albert Lande vom American Antitrust Institute kam in einer Studie zu dem Ergebnis, dass es sich beim Kartell um eine „rationale Geschäftsstrategie“ handle, die sich unter dem Strich auszahle. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht mag das auf kurze Sicht so sein. Wenn es also beispielsweise tatsächlich über Jahre Absprachen deutscher Automobilkonzerne unter anderem über unzureichende Reinigung von Dieselabgasen gegeben haben sollte, könnte sich das für die Firmen trotz der zu erwartenden Kartellstrafen vielleicht gerechnet haben. Nur ist es jetzt vorbei damit, und die weiteren Folgen — man denke nur an irreparable Imageschäden — sind nicht absehbar. Strafrechtlich wird das für die am Kartell beteiligten Vorstände und Geschäftsführer sehr unangenehm, sie müssen damit rechnen, für Jahre ins Gefängnis zu wandern. Und mit ihrem Privatvermögen zu haften, wenn zum Beispiel Autohändler oder Kunden Schadenersatzforderungen gegenüber dem jeweiligen Unternehmen geltend machen. Diese werden dann an die Verantwortlichen weitergereicht. Sie können sich also auch für sehr reiche Manager als ruinös erweisen. Allein das Verfahren um das Schienenkartell, an dem ThyssenKrupp beteiligt war, verdeutlicht dies eindrucksvoll. Das Unternehmen nimmt derzeit einen an den Kartellabsprachen beteiligten Manager auf mehr als 190 Millionen Euro Schadenersatz in Anspruch — das Verfahren ist beim Bundesarbeitsgericht anhängig. Sollte es zu einer Verurteilung kommen, dürfte die Manager-Haftpflichtversicherung, die das Unternehmen für seine leitenden Angestellten abgeschlossen hat, kaum ausreichen, wenn sie denn überhaupt eintrittspflichtig ist.

Solche Schicksale drohen lediglich denen, die erwischt werden.

Nur diese Fälle landen auf meinem Schreibtisch. Und sie werden meist aufgeklärt, das ist nicht nur meine Erfahrung, sondern die der gesamten Anwaltsbranche. Ich rede jetzt nicht von Kleinkram wie dem angeblichen Geschäftsessen, zu dem in Wahrheit die Geliebte eingeladen wird, sondern von strategischer Kriminalität: Bestechung, Bestechlichkeit, Bilanzfälschung, Kartellabsprachen, Steuerhinterziehung in großem Stil. Ein wesentlicher Faktor sind Whistleblower-Regelungen, die es heute in vielen Großunternehmen gibt: Wer als Kronzeuge plaudert und Kollegen oder Vorgesetzte belastet, kann den eigenen Kopf retten. Außerdem haben die Staatsanwaltschaften aufgerüstet. Noch vor fünf, sechs Jahren saß man dort Leuten gegenüber, die bestimmte Finanzprodukte oder Steuerstraftaten wie die Cum-Ex-Geschäfte nicht durchschauten. Heute gibt es dort mehr Personal und Know-how sowie die entsprechende IT. Daher ist es nicht mehr so leicht möglich, Wirtschaftskriminalität als Kavaliersdelikt darzustellen. Aus Sicht der Straftäter kommt hierzulande noch eine kulturelle Besonderheit erschwerend hinzu.

Der Deutsche hat im Zweifel irgendwo eine Akte. Zum Beispiel, um sich abzusichern und zu dokumentieren, wer ihm heikle Anweisungen gab. Auch daher gilt: Am Ende kommt alles raus.

Wird insgesamt sauberer gewirtschaftet als früher?

Davon ist auszugehen. Ein Wendepunkt hierzulande war der 2006 aufgeflogene Korruptionsskandal bei Siemens: Es stellte sich heraus, dass in diesem vermeintlich blitzsauberen Unternehmen in Wahrheit sizilianische Zustände herrschten. Das wurde über Jahre aufgearbeitet, und andere Firmen haben aus dem Fall gelernt. Was nicht heißt, dass es keine Unregelmäßigkeiten mehr gäbe, doch insgesamt geht es in der Wirtschaft transparenter und regelkonformer zu als früher.

Wie konnte es dann zum Dieselskandal kommen?

Zu vermuten ist, dass dafür bei Volkswagen wenige Leute an der Spitze verantwortlich waren, die den Ingenieuren befahlen, beide Augen zuzudrücken. Damit wären wir wieder beim Typus des selbstherrlichen Alpha-Männchens. Doch von dieser Sorte Manager gibt es immer weniger — der Dieselskandal wird diese Entwicklung noch beschleunigen.

Mancher sieht die zunehmende Verrechtlichung des Wirtschaftslebens kritisch: Viele Führungskräfte seien nur noch damit beschäftigt, sich juristisch abzusichern, statt ihre Firma voranzubringen.

Diese Kritik ist nicht ganz unberechtigt. Ich staune selbst, welch aussichtslose Fälle wir manchmal vor Gericht bringen sollen, nur weil ein Aufsichtsrat der Ansicht ist: Lieber verliere ich den Prozess gegen den Vorstand, als mir hinterher vorhalten lassen zu müssen, ich hätte ihn nicht in die Haftung genommen. Das Urteil dient dann als teures Feigenblatt, das schon mal 500 000 Euro Anwalts- und Gerichtskosten verschlingen darf. Hintergrund ist die Managerhaftung. Ein Aufsichtsrat, der merkt, dass ein Vorstand zumindest fahrlässig einen Schaden beim Unternehmen verursacht hat, darf darüber nicht, wie früher üblich, aus alter Freundschaft das Mäntelchen des Schweigens breiten. Sonst kann die Aktiengesellschaft ihn womöglich selbst auf Schadenersatz verklagen. Manche Aufsichtsräte sind daher übervorsichtig oder gar paranoid und lassen jede Kleinigkeit prüfen — mit ein Grund, weshalb wir Anwälte so gut zu tun haben. Früher hat man gesagt: Augen zu und durch; heute ist man sensibler. Aber das wird sich künftig auf ein vernünftiges Maß einpendeln.

Ist das nicht ein Wettbewerbsnachteil für Firmen hierzulande, die sich an die Regeln halten?

Es ist ein offenes Geheimnis, dass auch deutsche Unternehmen in solchen Ländern ihre Geschäfte so betreiben, wie das dort üblich ist. Manche Manager behaupten auch, sie müssten Aktivitäten ins Ausland verlagern, weil die Regeln bei uns zu streng seien. Ich bin anderer Ansicht: Die Einsicht, dass Geschäfte korrekt abgewickelt werden sollten, verbreitet sich weltweit; das Niveau steigt, und irgendwann wird es international verbindliche Standards geben. Dazu tragen übrigens auch Investoren zum Beispiel aus China oder Indien bei, die europäische Firmen übernehmen und sich deshalb an die hiesigen Regeln halten müssen. Das färbt auch auf ihre Heimatmärkte ab.

In den USA gibt es mit dem Unternehmensstrafrecht und Sammelklagen schärfere Waffen im Kampf gegen Wirtschaftskriminalität. Wären die hierzulande nicht auch sinnvoll?

Ich denke, dass die nationalen und EU-Regelungen durchaus ausreichen, um kriminelles Gebaren der Wirtschaft zu sanktionieren und strategisch rechtswidrigem Verhalten Einhalt zu gebieten. Problematisch für global agierende Unternehmen — zum Beispiel Automobilhersteller — ist aber, dass diese sich neben den Verfahren in Deutschland und Europa auch in den USA Sammelklagen ausgesetzt sehen, wenn sich deren kriminelles Handeln in den USA auswirkt. Der Diesel-Skandal zeigt dies sehr deutlich.

Herr Berger-Fridar, Sie beraten neben Unternehmen auch allerhand Topmanager: Für wie viele würden Sie die Hand ins Feuer legen?

Für sehr wenige. Bei den meisten liegt zumindest eine Leiche im Keller. Mein Job ist es, da nachzubohren. Früher rannte ich in den Unternehmen häufig gegen eine Mauer des Schweigens, das hat sich verbessert. Immer mehr Unternehmen haben den Anspruch, dass es bei ihnen rechtmäßig zugehen soll.

Wirtschaftskriminelle gelten als clever

Es gibt solche und solche. Und überraschenderweise etliche naive, um nicht zu sagen: dumme Manager. Mein skurrilster Fall war der einer Führungskraft, die sich nicht nur bestechen, sondern sich diese Bareinkünfte auch quittieren ließ — um sie dann als angebliche Einnahme aus selbstständiger Tätigkeit bei der Steuer anzugeben. Der Fiskus prüfte, ob der Geldgeber eine entsprechende Ausgabe verbucht hatte, was selbstverständlich nicht der Fall war, und die Sache flog auf. Nicht sehr clever.

FERIENIMMOBILIEN AUF MALLORCA ALS KAPITALANLAGE GEEIGNET?

Über zwei Jahre hat es gedauert, die Villa bei Sol de Mallorca zu planen und zu bauen. Ein Jahr lang leben Roland Maucher und seine Familie nun schon dort. Also: langsam Zeit weiterzuziehen. „Irgendwann passt eine Immobilie nicht mehr“, sagt der Hausherr, sonnengebräunt, das Haar so weiß wie sein Leinenhemd. „Wir haben jetzt die Idee, in Palma zu wohnen. In einem alten Stadtpalast. Das ist ein anderes Lebenskonzept.“ Seit die vierköpfige Familie im Jahr 2000 von Frankfurt nach Mallorca gezogen ist, hat sich an ihrem Lebenskonzept einiges verändert. In ihren anderthalb Jahrzehnten auf der Insel haben der Arzt und die Fotokünstlerin fünf Häuser erworben oder gebaut, aufgewertet, bewohnt und weiterverkauft. „Wenn man ein gutes Feeling dafür hat sagt Maucher, hält inne und setzt noch einmal neu an: „Wir haben ganz gut Geld gemacht mit Immobilien.“

Und weil nicht nur die Mauchers, sondern etliche Immobilieninvestoren ihre Häuser und Wohnkonzepte weiterentwickelt haben, verändert sich die gesamte Mittelmeerinsel: Sie wird teurer, exklusiver und bedient zunehmend einen gehobenen Geschmack. Der Immobilienmarkt auf der Lieblingsinsel der Deutschen brummt wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr. Während der Lehman- und der Eurokrise war er praktisch kollabiert. 12 386 Immobilien wechselten 2016 auf Mallorca den Besitzer, 30 Prozent mehr als im Vorjahr. Auf den gesamten Balearen wurden Immobilien für rund 3,6 Mrd. Euro verkauft, das war der höchste Wert seit 2007. Fast die Hälfte des Transaktionsvolumens entfiel auf Ausländer.

Die lassen sich ihr Inselglück immer mehr kosten: Im Spitzensegment, in dem sich viele internationale Käufer tummeln, sind die Preise laut Engel & Völkers allein 2016 im Schnitt um 21 Prozent gestiegen. Das Maklerunternehmen vermittelte fast jede dritte Immobilie, die Ausländer 2016 auf den Balearen erwarben. C Im aktuellen Marktbericht von Engel & Völkers heißt es: „Eine Auswertung aller 2016 auf Mallorca angebotenen Immobilien zeigt, dass sich der Immobilienmarkt der Insel im vergangenen Jahr von einem Käufer- zu einem ausbalancierten Markt gewandelt hat — mit der Tendenz, zum Verkäufermarkt zu werden.“ Deutlich mehr Immobilien wurden verkauft als neu hinzukamen. „Objekte in der ersten Meereslinie sind im letzten Jahr um bis zu 50 Prozent rauf“, sagt Christina Deutsch, Managing Partner Engel & Völkers Mallorca Süd. „Grundstücke sind kaum noch welche da. Wahnsinnig viele Investoren sind auf der Suche nach guten Projekten. Neubauprojekte verkaufen wir wie geschnitten Brot. Es gibt allerdings nicht viele.“ Dass der Markt bereits überhitzt sei, befürchtet sie dennoch nicht: „Ich glaube, da ist noch Luft.“ „Wir erleben eine Bonanza“, sagt auch Heidi Stadler, Gründerin und CEO der Luxusimmobilienagentur First Mallorca, die auch Roland Maucher vertritt. „Vom Gefühl her — und von dem, was wir hören — ist der Markt so stark wie früher, wenn nicht stärker.“

Gute Nachrichten für die Mauchers. Ihre Villa ist etwas für Interessenten mit exquisitem Stil und dem passenden Portemonnaie.

Viereinhalb Meter hohe Decken. Ein Leuchter groß wie ein Lkw Reifen. An der Wand eine Fotoserie birmanischer Buddha-Statuen. Eiserne Türen und Treppen, Fenster vom Boden bis zur Decke. Der Blick schweift über den Infinity-Salzwasserpool und den Wald im gegenüberliegenden Naturschutzgebiet bis aufs Meer. Ein Pfad führt hinab zu einer kleinen Bucht, die unter Touristen nicht so bekannt ist, weil sie keinen guten Zugang hat – de facto ein Privatstrand.

Wie viel die Villa einem Neueigentümer wert sein sollte? „Ich mag es immer gar nicht sagen“, windet sich Maucher, wird dann ernst: „Sechs.“ Millionen Euro, heißt das.

Gut möglich, dass diese Forderung sich als realistisch herausstellt. „In den Jahren nach der Krise hatten wir kein starkes neues Produkt, und das ist ausschlaggebend für den hochpreisigen Sektor“, sagt Maklerin Heidi Stadler. „Heute gibt es ein Angebot, das im Preis sehr gestiegen ist und die Anforderungen der Kunden bedient, die wir früher nicht befriedigen konnten. Es ist für uns unheimlich interessant geworden.“

Das lockt eine neue Klientel nach Mallorca. „Es wird internationaler, auch durch die vielen Expats“, sagt Stadler. Noch immer sind Deutsche die mit Abstand größte Gruppe; bei Engel & Völkers stellten sie über die Hälfte der Kunden. 17 Prozent der Käufer waren Briten, sieben Prozent Schweden und sechs Prozent Schweizer. Die große Mehrheit stammt also nach wie vor aus Europa, auch wenn Maklern zufolge auch immer öfter US-Amerikaner, Araber und Chinesen zuschlagen. Das sei noch vor Kurzem nur selten der Fall gewesen.

Preise wie in Deutschland

2016 hat sich laut Engel & Völkers der Trend verstärkt, dass Käufer die Immobilien nicht nur für den Urlaub nutzen. Stattdessen lässt sich eine steigende Zahl gut situierter ausländischer Familien dauerhaft auf Mallorca nieder. Dabei nutzt der Hauptverdiener unter der Woche die guten Fluganbindungen für Geschäftsreisen und verbringt nur die Wochenenden auf der Insel. Solche Familien können auf eine hervorragende Infrastruktur zurückgreifen, etwa die 13 internationalen Schulen.

Für diese polyglotte Kundschaft haben internationale Architekten und Bauträger neue Häuser geschaffen, die von der rustikalen Finca höchstens noch Zitate aufnehmen. Klare Formen, mehr Helligkeit, modernste Materialien und Haustechnik statt dicker Feldsteinmauern und kleiner Fenster, deren wichtigste Funktion es war, Sonnenlicht und Hitze draußen zu halten.

„Die Architektur, die heute am meisten Zuspruch findet, geht in die Natürlichkeit“, sagt Stadler. „Natürliche Farben, Gerüche – Jasmin, Kräuter, Lavendel. Es wird mit Wasser gespielt, mit japanischen Zen-Gärten. Die Kunst heute ist, Häuser mit 1000 Quadratmetern so zu gestalten, dass man sich dort heimelig fühlt.“

Klingt nach den oberen Zehntausend? Stimmt. „Mallorca ist vor allem von Immobilien der gehobenen beziehungsweise Luxusklasse geprägt“, heißt es in der „Marktstudie Ferienimmobilienmarkt Mallorca 2017″. Dafür hat das Freiburger Center für Real Estate Studies mehr als 4 700 Objekte ausgewertet, die Anfang 2017 zum Verkauf standen. Ergebnis: Die durchschnittlichen Quadratmeterpreise in den beliebtesten Regionen liegen in Höhen, die man auch in München-Schwabing bezahlt: im Südwesten um Port d’Andratx bei 5 800 Euro, in Palma und Umgebung um die 700 Euro. Auch im Nordwesten um Soller und im Nordosten um Cala Ratjada werden mehr als 4 000 Euro fällig.

Für Meerblick kommt je nach Region ein Aufschlag von zehn bis 50 Prozent hinzu; für Objekte in der ersten Meereslinie gilt als Faustregel, dass diese Aufschläge sich verdoppeln. Dementsprechend solvent ist die Käuferschaft. „Alle, die sich was auf der Insel leisten, gehören zu einer Minorität“, sagt Stadler. „Wer kann sich schon eine Zweit-, Dritt-, Viertimmobilie leisten?“

Das zeigt sich auch an der Finanzierung. Laut einer Studie des Vermietportals Fewo-direkt gaben 41 Prozent der befragten Immobilienbesitzer an, sie hätten ihr Ferienhaus auf Mallorca komplett aus Eigenkapital finanziert. Bei deutschen Ferienimmobilien sind es nicht halb so viele. 64 Prozent wollen ihre mallorquinische Immobilie selbst nutzen und vermieten, 38 Prozent erwarben sie als Altersruhesitz. Um die reine Rendite ging es nur einer Minderheit von knapp einem Drittel. Im besten Fall hat man das Geld also einfach. Jedoch: „Was sich verändert hat über die Jahre: Die Leichtigkeit, mit der um das Jahr 2000 gekauft wurde, damals mit der Pesete, ist vorbei“, sagt Christina Deutsch von Engel & Völkers. „Man möchte sein Geld so anlegen, dass man nicht verliert.“ Fast wortgleich Heidi Stadler: „Die Mehrzahl der Kunden kauft zum eigenen Gebrauch. Wenn sie einmal verkaufen, wollen sie ihr Geld zurückbekommen, keine große Gewinne machen.“ Palma, Carrer de Vista Alegre, die Straße zur schönen Aussicht. Zu Füßen das Kreuzfahrtterminal, der Sommerpalast des spanischen Königs liegt direkt um die Ecke. Miguel Llinås, Sales Director bei First Mallorca, besichtigt die Baustelle eines Apartmenthauses. Eine Eigentums-wohnung gibt es hier ab 800 000 Euro, ein paar sind noch zu haben.

„In den letzten vier, fünf Jahren hat es wieder angefangen mit Neubauprojekten, weil die Nachfrage wieder da ist“, sagt Llinås. „Aber Mallorca ist halt eine Insel – wir haben nicht unbegrenzt Land. Früher oder später wird es Probleme mit den Alteingesessenen geben.“

Gentrifizierung auf Mallorca

Um genau zu sein, gibt es die bereits. Die Gentrifizierungsdebatte hat Mallorca längst erreicht. 2017 haben Aktivisten zwei Demonstrationen in Palma organisiert, um gegen die Verdrängung durch wohlhabende Ausländer und kurzurlaubende AirbnbTouristen zu protestieren. Gerade die Kurzvermietung von Privatwohnungen verknappt das Angebot für die Mallorquiner. „Ich habe zurzeit drei Mitarbeiter, die auf der verzweifelten Suche nach einer bezahlbaren Wohnung sind“, sagt Christina Deutsch. „Ein WG-Zimmer bekommt man nicht unter 500 Euro.“ Gentrifizierung existiert auch in Deutschland – zum Fraudanwalt-Bericht.

Im alten Fischerviertel Santa Catalina, einst heruntergekommen, heute beliebt für seinen lebhaften Markt und das Nachtleben, hat jemand ein Graffito an eine Fassade gesprüht: „Ciutat per a qui l’habita“ die Stadt denen, die drin leben.

Das beschreibt die aktuelle politische Stimmung. Natürlich sind die Mallorquiner nach wie vor herzliche Gastgeber. 2016 kamen rund zwölf Millionen Touristen; rund die Hälfte der Arbeitnehmer auf den Balearen arbeitet im Tourismus. Mallorca braucht auch die vielen Pauschalurlauber – sie sorgen dafür, dass die Flugverbindungen in alle Länder Europas nicht abreißen, und sichern damit einen Standortvorteil.

Dennoch war es auch der angespannte Mietmarkt, der 2015 zu einem Machtwechsel geführt hat: Die neue Präsidentin der Balearen ist Sozialistin, ihre Koalition mit einer linksgrünen Lokalpartei wird von Podemos toleriert. „Die Situation ist delikat“, sagt Stadler. Die Regierung pflege „eine angeborene Eifersucht gegenüber allen Erfolgreichen“.

Zu ihrem Programm gehört, den Sauftourismus einzudämmen und die Verdrängung der Einheimischen zumindest zu verlangsamen. Das hat Konsequenzen für Käufer, die ihre Ferienimmobilie auf Mallorca durch Vermietungen an Touristen refinanzieren wollen. „Das darf nur derjenige, der eine Lizenz für Ferienvermietungen besitzt“, sagt Deutsch. „Die Beantragung ist aber für ein Jahr ausgesetzt.“ Zudem: Offiziell dürfe man nur frei stehende Häuser vermieten, aber keine Wohnungen.

Wer sich auf Mallorca eine Immobilie zulegen möchte, sollte daher besonders auf gute Beratung durch eine seriöse Agentur achten – gerade in Zeiten, in denen die Immobilienpreise in die Höhe und Makler „wie Schwammerl aus dem Boden“ schießen, wie Stadler es ausdrückt. Auch sollten sich Käufer einen örtlichen Anwalt suchen, der auf spanisches Immobilienrecht spezialisiert ist und durch die Untiefen der Lokalverwaltung navigieren kann.

Wer all das bewältigt, der wird allerdings belohnt. „Es soll ja Leute auf Mallorca geben, die das Meer nicht mehr sehen können“, sagt Villenbesitzer Maucher. „Ich persönlich freue mich noch jeden Tag darüber.“

AKTIEN-VERLUSTE STEUERLICH GELTEND MACHEN?

Ja, aber nur, wenn Sie drei Voraussetzungen erfüllen. Erstens müssen Sie das Papier nach dem 1. Januar 2009 gekauft haben, also nachdem die Abgeltungsteuer eingeführt worden ist. Seitdem fließen pauschal 25 Prozent aller Kapitalerträge an den Staat, im Gegenzug können Sie Verluste auf die Abgeltungsteuer anrechnen lassen. Das geht zweitens aber nur, wenn Sie einen Verlust realisiert haben, die Aktie also mit einem Minus verkauft haben. Drittens ist bei insolventen Unter nehmen entscheidend, dass Sie sich beeilen und das Papier rechtzeitig veräußern.

Rechtzeitig bedeutet: Die Aktie der Pleitefirma muss weiter an der Börse notieren, Investoren müssen mit dem Papier handeln. „Das zeigt, dass jemand dem Unternehmen noch einen Wert zuschreibt“, sagt ein Steuerexperte beim Wirtschaftsprüfer Ernst & Young (EY).

Der Bonner Solarzellenhersteller Solarworld ist ein Beispiel für ein Unternehmen, das nach der Insolvenz weiter an der Börse gelistet ist. Seit der Pleite im Mai handeln Investoren das Papier recht rege, inzwischen jedoch im Cent-Bereich. Die Gründe, warum Investoren Aktien insolventer Unternehmen kaufen: Mancher Anleger mag schlicht noch an eine Firma und ihr Produkt glauben, rechnet mit der Wiederauferstehung. Manch anderer kauft die Papiere billig, spekuliert auf eine große Insolvenzmasse — und hofft, dass etwas für die Eigner übrig bleibt, sobald die Gläubiger ihr Geld zurückerhalten haben.

Ist die Aktie an der Börse unverkäuflich, veräußert mancher Sparer ein Papier schon mal an einen Freund oder ein Familienmitglied, etwa zum Preis von einem Euro. „Die Chancen stehen schlecht, dass die Finanzämter so etwas anerkennen“, sagt Steuerkenner Schmitt. In diesem Fall ist ja offensichtlich, dass es nicht um den Wert des Unternehmens geht – sondern bloß um einen Steuervorteil.

Können Sie die Aktie nicht verkaufen und erleiden einen Totalverlust, können Sie den Verlust nicht absetzen – und nur noch auf den Bundesfinanzhof (BFH) hoffen, Deutschlands oberstes Steuergericht. Dort läuft ein Verfahren, in dem eine Investorengruppe gegen diese Regel klagt (Az. VIII R 34/16).

Sie sollten das nutzen: Zuerst sollten Sie den Verlust in der Einkommensteuererklärung geltend machen, auch wenn das Finanzamt den Antrag ablehnen wird. „Anleger sollten dagegen im zweiten Schritt Einspruch einlegen und sich auf das Verfahren am BFH berufen“, rät EY-Experte Schmitt. Die Folge: Das Finanzamt entscheidet über Ihren Antrag final erst, wenn der BFH geurteilt hat. Entscheidet das Gericht in Ihrem Sinne, vermutlich fällt das Urteil in der zweiten Jahreshälfte 2018, erkennt das Finanzamt den Verlust nachträglich an.

WARUM REGIOGELD VON BANKEN GEFÜRCHTET WIRD

Sparer haben es momentan in der Eurozone nicht einfach. In Folge der schweren Finanzkrise zwischen 2007-2009 wurde nicht nur von der amerikanischen Notenbank Fed (Federal Reserve), sondern auch von der Europäischen Zentralbank (EZB) der Leitzins im Laufe der folgenden Jahre stetig herabgesenkt, um einer Deflationsspirale zu entgehen, die Wirtschaft anzukurbeln und ein Massenaussterben von Unternehmen zu verhindern. Als dann vor einem Jahr der Leitzins die historische 0%-Marke erreichte, waren die Aussichten auf ertragreiche Kapitalanlagen düsterer denn je. Wie es scheint, wird sich auch so schnell noch nichts an der momentanen Situation ändern, obwohl die Deutschen langsam ihre Geduld verlieren und die Kritik an dem Währungshüter Mario Draghi immer lauter wird. Dieser jedoch muss nicht nur die immer noch recht hohe Verschuldung anderer Mitgliedsstaaten wie Italien und Spanien oder Griechenland berücksichtigen, sondern auch die nach wie vor bestehende Gefahr, in eine Deflation zu rutschen, bewachen und die stagnierende Wettbewerbsfähigkeit Frankreichs und Spaniens dämmen. Die Bundesrepublik kann die Beweggründe nicht nachvollziehen und hat sogar schon mit dem Bundesbank-Chef Jens Weidmann einen Nachfolger für Draghi aus dem Ärmel geschüttelt, muss sich jedoch mit dem Entschluss des jetzigen EZB-Chefs wohl oder übel zufriedengeben. Zumindest hat der Europäische Gerichtshof den zügellosen Kauf von Staatsanleihen mit Auflagen verhängt, wodurch die EZB diese im Laufe der nächsten Jahre drosseln werden muss. Doch damit allein ist es nicht getan, denn die Zinserhebung wird bei gleichbleibender Geldpolitik frühestens ein halbes Jahr nach Auslaufen der Anleihekäufe denkbar. Dementsprechend ist eine Erhebung der Zinsen vor dem Frühling 2019 nicht möglich. Zudem sieht die generelle Ausgangslage der USA, in denen die Fed bereits mit der allmählichen Anhebung des Leitzinses begonnen hat, deutlich besser aus. Das heißt im Grunde genommen für den deutschen Sparer, das weiterhin alles teurer wird und man immer weniger für sein beiseite geschaffenes Geld bekommt.

Dementsprechend ist es also nicht verwunderlich, dass immer mehr kleinere Regionen auf die Idee kommen, eine Parallelwährung zu gründen – das „Regiogeld“. Ganz zum Vorbild des unorthodoxen Geldtheoretikers Silvio Gsell (1862-1930) sollte das Geld wie auch die sich mit diesem erkauften Waren und Lebensmittel an Wert verlieren und nicht mit der Aufbewahrung durch Zinsen und Zinseszinsen auch noch an Wert gewinnen, denn darin liege seiner Meinung nach das Grundübel aller Finanzen. Folglich baute er darauf eine ganze Theorie auf, um das Geld der Vergänglichkeit alles Irdischen nicht länger zu entziehen und „rosten zu lassen“. Doch war es bis dahin nur eine Theorie. Dies sollte sich allerdings nach dem von ihm vorhergesagten Börsencrash in New York im Jahre 1929 ändern. Ein ehemaliger Lokomotivführer namens Michael Unterguggenberg, der mit viel Engagement und etwas Glück Bürgermeister des österreichischen Dorfes Wörgl wurde und dessen Namen durch das „Wunder von Wörgl“ berühmt machte, indem er Gsells Theorien in die Tat umsetzte.

Denn er war es, der in der Kriegszeit den Dienst an sein Vaterland für einen kurzen Moment unterbrach, um eine kriegszensierte Zeitschrift mit kleiner Auflage und skurrilem Namen „Physiokrat“ zu lesen und dadurch auf Gsells Gedanken zu stoßen. Er selbst hatte nie viel Geld, jedoch viel Zeit, um sich mit diesem, zumindest theoretisch, zu beschäftigen. Als er dann 1931 per Los zum Bürgermeister von Wörgl wurde und zumindest seine Heimat vor der Krise, die dort schon längst angekommen war, schützen wollte, beschloss er, sich nicht länger auf die Regierung zu verlassen und somit seine Gemeinde in Arbeitslosigkeit und Armut versinken zu lassen, sondern selbst die Probleme zu lösen – die Regierung Wörgls war schließlich er. Zunächst ließ er über die Gemeinde Brücken bauen und Straßen reparieren. Im Anschluss entwarf er viele bunte Scheine mit unterschiedlichem Wert: Neues, anderes Geld namens „Arbeitswertbestätigung“. Dieses Geld jedoch war nur für eine bestimmte Zeit gültig. Für die Verlängerung der Gültigkeit eines 10-Schilling-Scheines z.B. musste man eine Marke im Wert von einem Groschen kaufen und diese auf den Schein kleben. Somit verlor der Schein, je länger man ihn in der Tasche ließ, immer mehr an Wert. So waren die Bürger natürlich daran interessiert, diesen schnellstmöglich gegen Waren oder Dienstleistungen einzutauschen. Nach anfänglicher Skepsis den neuen bunten Scheinen gegenüber verbreitete es sich dann allerdings sehr schnell und die Menschen gaben das Geld aus – wie von Gsell vorhergesagt und von Unterguggenberg erhofft. Während in Österreich und dem Rest Europas die Arbeitslosigkeit weiter steigt, sinkt diese in Wörgl und gleichzeitig wachsen die Einkünfte und Steuereinnahmen – als hätte jemand Säcke voll mit Geld geschickt. Dabei waren gerade einmal rund 5500 Schilling der neuen Parallelwährung im Umlauf. Nur ihre Zirkulation hatte sich erhöht. Der Steinmetz ging zum Bauern, der Bauer zum Metzger, welcher zum Wirt ging, der wiederum zum Steinmetz ging.

Und alle waren glücklich und lebten in Eintracht miteinander. Die Nachbargemeinden sahen den Erfolg und ahmten Wörgl nach. So verbreiteten sich die zur Abwechslung guten Neuigkeiten, die Journalisten anlockten. Auf der Suche nach dem Erfolgsgeheimnis stießen sie auf die bunten Scheine und fragten sich, ob das alles gewesen sein soll. Wie ein Lauffeuer wurden Wörgl und sein Bürgermeister Unterguggenberg nicht nur national, sondern international berühmt. Bald war nicht nur von „dem Wunder von Wörgl“, sondern von „dem Wunder von Österreich“ die Rede. Doch dieser genialen Idee machte die Nationalbank einen Strich durch die Rechnung. Nur sie sei befugt, Geld herauszugeben. Nach eineinhalb Jahren und einem harten Kampf wurde das Schwundgeld verboten. Es verstieße gegen das Gesetz, so der Verwaltungsgerichtshof. Und somit kehrte die Krise wieder zurück. Engelbert Dollfuß‘ Regierung wurde die Sozialdemokratische Arbeiterpartei, welcher Unterguggenberg angehörte, aufgelöst, was ihm zum Rücktritt zwang.

Selbst der bedeutendste Wirtschaftswissenschaftler des 20. Jahrhunderts, John Maynard Keynes, war begeistert von der Theorie des zu Unrecht übergangenen Silvio Gsell und glaubte, die Zukunft würde noch viel von Gsell lernen können. Doch der zweite Weltkrieg ließ die Erinnerungen an das Wunder von Wörgl verblassen und die Freigeldlehre ist nunmehr nicht einmal Fachleuten bekannt – jedoch ist sie noch nicht ausgestorben. In der Bundesrepublik sind noch 40 Regionalwährungen im Umlauf, wie in Schleswig-Holstein der KANN WAS oder der Urstromtaler aus Sachsen-Anhalt. Während die meisten eher unbekannt als Spielerei abgetan werden, zeigt der im Jahre 2003 gegründete Chiemgauer aus den Landkreisen Rosenheim und Traunstein seine volle Wirkung. Diese aus einem Schulprojekt heraus entstandene Währung sorgt für Wohlstand und Lebensqualität in Zeiten der Finanz-und Wirtschaftskrise. Die Idee basiert ebenfalls auf Gsells Gedanken. In moderner Form übertragen sind jedoch nur Unternehmen imstande, die Chiemgauer in Euros umzutauschen und das auch nur gegen eine Gebühr. So soll das in den Gemeinden erwirtschaftete Geld auch in den Gemeinden bleiben und dort ausgegeben werden. Als erfolgreichste aller Parallelwährungen des 21. Jahrhundert beweist sie, dass in der undurchsichtigen Welt des Kapitalismus es immer nur auf eines ankommt: dass viele Menschen oft Geld ausgeben.

Aus diesen Regionalgeldern eine nationale Parallelwährung zu machen oder den Euro in „Rost-Euro“ umzuwandeln, kommt den Deutschen jedoch niemals in den Sinn. Dafür lieben sie das Sparen und vermehren zu sehr, wie man unschwer an dem momentanen Unmut gegenüber Mario Draghis Geldpolitik erkennen kann. Außerdem: Wer will schon freiwillig sein Geld „verfaulen lassen“? Allerdings denken andere Nationen bereits über die Idee nach, neben dem Euro eine Parallelwährung einzuführen. Vielleicht hilft ihnen diese aus der Krise.

VEGAS COSMETICS GMBH-BERATER: ZIEMLICH KRIMINELLE FREUNDE?

Es ist ein spätsommerlicher Mittwochabend im Jahr 2013 als sich Carlos Fernandes (Vegas Cosmetics-Gründer) entschließt zwei dubiose Akteure aus der MLM-Szene ins Boot zu holen. Carlos Fernandes hat keinen Schulabschluss, aber dafür hat er Erfahrung mit Kosmetik-Produkten und dem Vertriebssystem MLM. Dennoch hat er es nicht geschafft, seine Vegas Cosmetics dort hinzuführen, wo andere wie L&R Beauty bereits vor ihm waren – an der Spitze, erfolgreich.

Kriminalität ist innerhalb der MLM-Szene eine Begleiterscheinung, die jedem Mitwirkenden bewusst ist, wenn auch manchmal nur innerlich. Kontinuierlich zockt eine Firma ihre Vertriebspartner oder „Berater“ wie es im Fachjargong heißt, ab, oder die „Berater“ zocken ihre Bekannten ab, weil sie ihnen wertlose Produkte verkaufen, das halten viele für normal oder haben es selbst erlebt. Aus diesem Grund ist es wenig verwunderlich, dass Carlos Fernandes gleich zwei mutmaßlich kriminelle MLM-Profis zu Vegas Cosmetics GmbH geholt hat. „Jürgen Liebig ist umtriebig und gierig“, sagte ein Weggefährte gegenüber Fraudanwalt. Und sein neuer „ziemlich krimineller Freund“ Oliver Brecht, der mit „GlobePartners“ schon mal abzockte ist ebenfalls mit dabei, auf der Suche nach Beute.

Jürgen Liebig ein Gauner in Nadelstreifen?

Der MLM-Profi Jürgen Liebig ist nach eigenem Bekunden ein Selfmade-Millionär und war früher die selbsternannte Nummer 1 bei L&R Beauty. „Geld verdirbt den Charakter“, kaum eine Weisheit soll auf Jürgen Liebig so zutreffen wie diese. Denn nachdem er bei L&R aufgestiegen ist, soll er Aussagen von Beteiligten zufolge – seine eigenen Vertriebskollegen abgezockt haben. Überall wo Jürgen Liebig war, hinterließ er Verärgerung und Trümmer, weshalb sollte es jetzt bei Vegas Cosmetics anders sein? Kurz nachdem er sich bei Vegas Cosmetics eingelebt hatte, plante er seine erste Intrige, um an das Geld anderer Vertriebspartner zu gelangen. Und die sollte erfolgreich laufen. Der eigentlich seriöse Networker Rainer Schulte wurde fristlos von Carlos Fernandes, Geschäftsführer Vegas Cosmetics, gekündigt. Rainer Schulte, der bis 1998 als erfolgreicher Networker unter den TOP 10 von LR Kosmetik war, sollte nun, nach mehr als 10-Jähriger Vertriebspartnerschaft Vegas Cosmetics verlassen – fristlos. Ein dubioser Umsatzbringer wie Liebig ist Fernandes eben mehr wert als ein seriöser Vertriebspartner.  Unter seiner Beraternummer bei Vegas vermittelte er, nach eigenen Angaben, insgesamt 26 Millionen Verkaufsumsatz. Kann Vegas Cosmetics mit Jürgen Liebig eine seriöse Zusammenarbeit mit seinen Beratern führen? Wie soll das gehen? Vielleicht mit dem windigen Oliver Brecht, den Liebig eingespannt hat? Wohl kaum. Auf Mallorca hat Liebig mit seiner Frau Immobilien erworben, um Vegas-Berater und die, die es noch werden wollen, zu empfangen. Doch dazu an anderer Stelle mehr.

Serienbetrüger Oliver Brecht Berater bei Vegas Cosmetics?

Der dubiose MLM-ler Oliver Brecht ist auf Anraten von Jürgen Liebig bei Vegas Cosmetics eingestiegen, zunächst als „Vegas Berater“, heißt es aus unternehmensnahen Kreisen. Oliver Brecht ist selbsternannter Finanzspezialist, Tradingexperte und jetzt bei Vegas Cosmetics auch Kosmetik-Guru – eben für alles, was sich über MLM verkaufen lässt ist Oliver Brecht ein selbsternannter Experte. Mit GlobePartners hat Brecht ein Schneeballsystem erschaffen, dass seine wahre kriminelle Energie offenbart. Laut Aussagen von Insidern soll deshalb die Staatsanwaltschaft auf den Plan gerufen worden sein. Möglicherweise hält sich Oliver Brecht meist im Ausland auf, um sich den Deutschen Strafverfolgungsbehörden zu entziehen. GlobePartners sollte den Handel mit binären Optionen am internationalen Finanzmarkt ermöglichen. Bei seinen Betrügereien schreckt Oliver Brecht nicht einmal davor zurück öffentlich zu lügen! Auf der Seite seines Schneeballsystems schrieb er:

“GlobePartners ist ein sicheres und solides Finanzinstitut mit mehreren Niederlassungen auf der Welt und einer weltweiten Lizenz als Broker! Das Headquarter mit dem internationalen Support-Center und über 60!! Angestellten! befindet sich in Israel!“

Nachdem Brecht von Anlegerschützern ertappt wurde schrieb er öffentlich: „Wer sich ernsthaft für diese Chance, ganz am Anfang dabei zu sein mit einer neuen Sache, interessiert, kann mich gerne kontaktieren! www.oliverbrecht.com“. Zu dumm, dass die Seite gar nicht existiert.

Aus unserer Sicht ist diese Darstellung ein vorsätzlicher Betrug! Wie so häufig hat nur Brecht, der Gründer der Abzocke, abkassiert, seine Jünger haben nur gezahlt. Dass Oliver Brecht jetzt gemeinsame Sache mit Jürgen Liebig und Vegas Cosmetics GmbH macht – lässt uns aus Sicht der Berater Böses erahnen. Zum Fraudanwalt-Bericht.

Die dunkle Seite von Vegas Cosmetics GmbH

„Vegas Cosmetics-Berater, insbesondere die Neuankömmlinge lassen sich gerne blenden“, berichtet ein ehemaliger Vertriebler gegenüber Fraudanwalt. Und tatsächlich sieht das Leben eines Vegas-Beraters ungefähr so aus: Ein eigenes Haus, teure Anzüge, Sportwagen und jede Menge Geld, das man bekommt ohne wirklich etwas dafür zu leisten.

Die Wahrheit ist ganz anders, da rechnerisch nur ein geringer Teil, der kaum größer ist, als dass das Management-Team um Carlos Fernandes und Jürgen Liebig damit ernsthaft gutes Geld verdienen könnte.Das klassische MLM-System lebt davon, dass die eigenen Vertriebler die Waren kaufen und danach nochmals irgendwelche Menschen finden, die die meist minderwertigen oder überteuerten Produkte nochmals kaufen und sich innerhalb der Pyramide an ihr Provisionsmodell angliedern.

Bei Vegas Cosmetics erhalten Vertriebspartner keine Testprodukte kostenlos, selbst die „Testkosmetik“ muss vom Neuvertriebler bezahlt werden. Das bedeutet, dass Vegas Cosmetics Geld verdient, in dem sich neue Berater vom Erfolg blenden lassen – oder warum gibt es nicht einmal die Test-Produkte umsonst?

Vorsicht vor Vegas Cosmetics-Veranstaltungen

Die Masche von Vegas Cosmetics beinhaltet nicht nur, dass der meiste Umsatz innerhalb der Vertriebsbelegschaft generiert wird, nein, auch Veranstaltungen mit Eintrittspreisen von ca. 40 Euro sorgen dafür, das Geld in die Kassen von Fernandes gespült wird.

Eine dieser Verkaufs-Veranstaltungen fand erst vor wenigen Wochen in Dortmund statt.

Am 30.09.2017 lud Vegas Cosmetics ins Best Western Hotel Dortmund Airport ein. Von 13.00 Uhr bis 17.30Uhr durften die Teilnehmer dem Versprechen von Erfolg und Reichtum lauschen. Die Orgaleiter aus dem Team Rocket Münsterland und Soest, waren Markus Peyrick, Sergej Hass, Sergej Pavlük. Allesamt gescheiterte Persönlichkeiten, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht haben, Leute dazu zu bringen, anderen Leuten Kosmetik-Produkte anzudrehen. Ebenso wie Vegas-Chef Fernandes verfügen viele MLM-ler nicht einmal über eine ausreichende Schulbildung, aber erzählen von Reichtum und Erfolg. Auf den Facebook-Seiten von Markus PeyrickSergej Hass und Sergej Pavlük kann man die Vegas-Masche gut erkennen: Mit Geld präsentieren“, lautet die Devise.

Jeder der drei Orgaleiter hatte mehrere Gruppenleiter mit dabei, welche wiederum bis zu 6 oder 7 weitere sogenannte Partner mit dabei hatten.  Auf der Veranstaltung waren mehr als 80 Menschen. Hauptsächlich russische junge Frauen waren an dieser Veranstaltung beteiligt. Warum? Weil es egal ist wer kommt, Hauptsache die Proben werden gekauft.

„Es wurde immer wieder bei der Verkaufs-Veranstaltung erwähnt, dass man diese Vegas-Produkte erst einmal für sich selbst kaufen solle, um diese zu testen“, erinnert sich eine Teilnehmerin. Entweder Cremes, Gesichtsmasken oder ein Parfümtester in Brieftaschenformat. Der erste Step ist immer die Gesichtsmaske. Die Teilnehmer wurden von den Orgaleitern aufgefordert Proben zu verschicken.

Die letzte Veranstaltung vor einer Woche:

Auszug Newsletter:

Strukturmeeting Orga Liebig & Kühs

08.10.17 in D-44791 Bochum
Achat Hotel, Kohlleppelsweg 45
Beginn: 14:00 / Ende: 18:00 Uhr
Informationen für den Erfolg, neue Produkte im Q4 für Partner & Interessenten
Referenten: Jürgen Liebig, Joachim Kühs, Sergej Hass

Bitte direkt bei Jürgen Liebig anmelden!
0170-4588303

Jedoch wer jetzt glaubt alle Facetten des dubiosen Treibens von Vegas Cosmetics zu erkennen, der irrt!

Nicht nur, dass Testprodukte zum Testen erstmal gekauft werden müssen und die eigenen Vertriebsleute 40 Euro für eine Verkaufsveranstaltung berappen sollen, nein, Vegas macht auch noch Geld mit Webseiten für die eigenen Vertriebler – bezahlen müssen sie sie natürlich selbst.

Dafür, dass die Webseiten von Vegas nur kopiert werden und der Vertriebspartner dem Unternehmen Umsatz bringen soll – sind 40 Euro eine stolze Gebühr.

Auszug Vegas-Werbung:

„Mit der neuen Website ist die Partnerseite ein MUST HAVE für jeden Partner! Und wer noch keine hat, ist gut beraten, diese jetzt für nur 36 Euro (30UP/15UV) im Jahr im internen Bereich unter TOOLS zu beantragen.
Die Partner-Website ist eine 1:1 Kopie der Vegas Website, einziger Unterschied: unter Kontakt stehen eure Kontaktdaten, so dass Interessenten und Kunden bei euch landen, bzw. sich direkt bei euch registrieren.
Mit der Partner-Site kann jeder Partner durch online- und offline Werbung einfach neue Kunden und Partner gewinnen.
Jeder Besucher kann jetzt Vegas Produkte im Online-Shop einkaufen und am Ende im Warenkorb selbst entscheiden, ob er als Endkunde beim Berater bestellen möchte oder doch lieber Partner oder Premiumkunde werden möchte…
Die Partner Website erreicht man, indem man hinter der Vegas Domain seine Beraternummer eingibt (Beispiel: www.vegascosmetics.de/de10010)
Tipp: Um eine eigene kurze Domain zu haben, empfiehlt es sich,  bei 1und1, Strato, Domain Factory, etc. eine eigene Domain zu beantragen und dort eine Weiterleitung zur Partner Website einzurichten“.

 

Wer wirklich Geld verdienen will und dem ehrliche Vertriebspartner wichtig sind, sollte sich genau überlegen, ob Vegas Cosmetics der richtige Ort für Erfolg und Reichtum ist.

Die Beteiligten an der Vegas-Masche setzten wir auf die Warnliste.

AKTIEN: AUF DIESE BRANCHE KÖNNEN SIE WETTEN

AktienresearchsAktienresearchs120 000 Aktionäre und 100 000 Anleihegläubiger waren ihr Geld los. Misswirtschaft und die neue Konkurrenz durch Flugzeug und Auto hatten der größten US-Eisenbahngesellschaft die Luft abgedrückt. Stattdessen waren Autohersteller und Fluggesellschaften die Stars der frühen Siebziger. Mobilität der Zukunft? Das war, nur ein Jahr nach der Mondlandung, näher dran an Überschallflugzeugen und Raketen als an stinkenden Dieselloks.

Mit dieser Prognose lagen die meisten richtig. Die Bedeutung von Flugzeug und Auto für die Mobilität kletterte weit stärker als die von Eisenbahnen. Nur ein Irrer hätte in Eisenbahnaktien investiert. Oder?

Elroy Dimson hat dieses „Oder?“ nicht losgelassen. Über viele Jahre hat der frühere Professor der London Business School die Kursentwicklung von Aktien und Sektoren in Industrieländern seit dem vorletzten Jahrhundert in einer Datenbank erfasst. Das Ergebnis: US-Eisenbahnaktien haben ab 1970 nicht nur andere Transportbranchen, sondern auch den Gesamtmarkt haushoch geschlagen. Aus 1000 Dollar in US-Eisenbahnaktien wurden 630 000 Dollar. Wer 1975 einstieg, kommt auf 334 000 Dollar. Das ist immer noch mehr als das 25-fache dessen, was mit Autoaktien und Fluggesellschaften drin war. Es ist eine Konstante der Börsengeschichte: Investoren können mit ihrer Technologieprognose richtigliegen. Ob sie damit aber an der Börse Geld verdienen, ist eine ganz andere Frage. Eisenbahngesellschaften kämpften gegen den Niedergang,  gingen aber umsichtig mit dem Geld um und zahlten üppige Dividenden. Die Wachstumsmärkte Auto- und Luftfahrt waren hart umkämpft. In 200 Jahren Börsengeschichte wurde Innovation oft über-, Substanz hingegen unterbewertet.

Angriff der Start-Up’s

Eine Lehre, die die großen Duelle dieser Tage in einem anderen Licht erscheinen lässt: Tesla gegen Daimler und BMW; Airbnb gegen Hilton; Amazon gegen den Rest der Welt folgt man der Einschätzung an den Börsen, dann sind all diese Megaduelle schon längst gelaufen, die meisten alten Weltkonzerne sind dem Untergang geweiht. Capital glaubt das nicht und hat die Bewertungen der großen Rivalen genauer analysiert.

Der Optimismus für disruptive Techkonzerne ist größer denn je, sie tragen die globale Aktienrally. Nachdem der US-Technologieindex seit Jahresbeginn noch mal um gut 22 Prozent zugelegt hat, haben Techaktien das mit weitem Abstand größte Gewicht im S&P 500 und das zweitgrößte im MSCI World.

Richtig ist zwar: Viele BranChen werden schlicht verschwinden – so wie rund 80 Prozent aller BranChen, die es noch im Jahr 1900 gab. Und anders als etwa zu Zeiten der Techblase im Jahr 2000 erwirtschaften Apple, Google und Co. auch Milliardengewinne. „Die großen Techaktien sind in den vergangenen drei Jahren nicht teurer, sondern fundamental billiger geworden, weil ihre Gewinne rascher wuchsen als die Kurse“, sagt ein Fondsmanager.

Dennoch mahnen die Empiriker unter den Kapitalmarktforschern vor überzogenen Erwartungen. Anders als klassische Fondsmanager interessieren sie sich nicht für blumige Präsentationen über die Zukunft. Sie identifizieren wiederkehrende Muster wie Euphorie und Depression. „Dass dividendenstarke Substanzaktien kaum vom Fleck kommen und Technologieaktien wie Netflix, Amazon, Google in stratosphärische Höhen schießen — diesen Film haben wir doch schon mal gesehen. Und wir wissen auch, was in der nächsten Szene passiert. Wir wissen nur nicht, wann sie beginnt“, warnte schon vor einigen Monaten der US-Kapitalmarktforscher Robert Arnott.

Es komme eben immer ganz anders, als die Masse denkt – und die sei, so Arnott, derzeit so innovations- und technologiebegeistert wie selten. Nur sind Innovationen und Profit unterschiedliche Dinge.

Ähnlich argumentieren die Empiriker Manfred Schlumberger und Norbert Keimling. Mit rund 20 Kilometer Abstand zum trubeligen Frankfurt sitzen die Fondsmanager der Starcapital AG in Oberursel an den Hängen des Vordertaunus und wälzen die meiste Zeit historische Kursdaten. „Die besten Branchen der vergangenen zehn Jahre sind meist die schlechtesten der folgenden Dekade — und die ungeliebten der letzten zehn oft die attraktivsten für die kommenden zehn“, sagt Schlumberger. Und nach zehn Jahren mit doppelt so hohen Renditen wie der Gesamtmarkt sei der Zyklus für Technologiekonzerne bald komplett. Die Sieger des nächsten Jahrzehnts fänden Anleger seiner Meinung nach eher unter den Verlierern des letzten Jahrzehnts: Finanzwerte, Rohstoffwerte und Autoaktien, aber auch Schwellenländertitel. Dass die Mehrzahl der Investoren derzeit lieber den Innovatoren nachjage, hält er für ein Problem. „Derzeit investieren nicht die starken, sondern die schwachen Hände in große Technologieaktien“, sagt Schlumberger. Der ETF-Boom verstärke das, da viele Anleger gar nicht wüssten, wo genau sie Geld reinsteckten. Jeder vierte passiv in US-Standardwerte investierte Euro und jeder fünfte weltweit lande aber automatisch in Technologiekonzernen.

Die Kehrseite: „Wann immer ganze Branchen wie derzeit Autohersteller oder Einzelhändler oder zuvor Banken kollektiv abgestraft werden, eröffnen sich Opportunitäten“, sagt Markus Herrmann, Fondsmanager bei Lupus alpha. Die Investoren unterschieden kaum beim Abverkauf. Er selbst setzt auf Einzelhändler, die eine kluge Multikanalstrategie fahren und ihre Onlinegeschäfte mit stationären Läden verzahnen.

UBS-Fondsmanager Thomas Digenan hat die Betreiber von Luxusmalls als Profiteure ausgemacht: „Deren Geschäfte laufen nicht so sehr Gefahr, von Amazon attackiert zu werden, weil man teure Uhren, Schmuck und Bekleidung lieber stationär kauft. Sie sind aber durch Amazons Expansion mit in den Abwärtsstrudel an der Börse geraten.“

Deutsche-Asset-Manager Poppe hingegen hat damit begonnen, deutsche Autohersteller und ihre Zulieferer zuzukaufen. „Die Konzerne stellen sich den Herausforderungen der Elektromobilität, reißen das Ruder herum und haben die für Investitionen nötigen Mittel“, sagt der Fondsmanager.

Aktiengrößen als Schnäppchen

So haben Daimler, BMW und Volkswagen von den Höchstkursen Anfang 2015 zwischen 35 und 50 Prozent verloren — obwohl sie unterschiedliche Strategien verfolgen und im abgelaufenen Geschäftsjahr zusammen netto rund 22 Mrd. Euro verdienten. „Drastische Gewinneinbrüche sind eingepreist, da die Autoherstel1er auf nur noch rund zwölf Prozent Indexgewicht im Dax kommen, aber ein Drittel der Dax-Gewinne erwirtschaften“, sagt Starcapital-Manager Schlumberger. Autoaktien seien „nach allen gängigen Bewertungskennziffern wie Buchwert, Dividende, Cashflow und Co. günstig.

Die aktuellen Top-Favoriten an der Börse lieber zu meiden zahlt sich meist aus. Denn die Nummer-einsAktien ihres Sektors und Landes hinkten im Jahrzehnt nach dem Aufstieg zum Spitzenreiter dem Gesamtmarkt im Schnitt um drei bis vier Prozent pro Jahr hinterher. „Wenn Sie die Nummer eins Ihrer Branche sind, müssen Sie sich laufend entschuldigen. Weil die Geschäftspraktiken, die Sie zur Nummer eins gemacht haben – Aggressivität, Fokussierung, die Rivalen ausmanövrieren — nicht länger akzeptabel sind“, argumentiert Arnott.

Eine Vorstellung davon bekommt derzeit Google, Quasimonopolist für Internetsuchen und mit Facebook Oligopolist für Onlinewerbung -zum Fraudanwalt-Bericht. Auch der nach Börsenwert größte Handelskonzern Amazon bekommt Schwierigkeiten – bei einem Börsenwert von 474 Mrd. Dollar ist er doppelt so viel wert wie der Einzelhändler Walmart, macht aber nur halb so viel Umsatz bei geringerer Profitabilität. „Amazon schadet steuerzahlenden Einzelhändlern, damit auch Städten, Kommunen und Bundesstaaten, und kostet Jobs“, wetterte bereits US-Präsident Donald Trump. „Ich halte es für möglich, dass Amazon in den kommenden Jahren kartellrechtliche Probleme bekommen wird“, warnt Steven Berexa, Leiter des globalen Aktienresearchs von Allianz Global Investors. Trotzdem stieg die Amazon-Aktie seit Jahresbeginn um weitere 31 Prozent.

Einer, der diese Chance verpasst hat, ist US-Starinvestor Warren Buffett. „Ich habe die Kraft des Geschäftsmodells nicht verstanden“, gab Buffett im Sommer zu.

Dafür hatte er mit einer anderen Investition den richtigen Riecher – 2009 stieg er bei der Eisenbahngesellschaft Burlington Northern and Santa Fe ein. Die Investition von rund 35 Mrd. Dollar brachte ihm seither nicht nur rund 22 Mrd. Dollar Dividenden ein. Heute ist die Eisenbahngesellschaft rund das Dreifache des Kaufpreises wert.

DIE MASCHE DER STAR OIL PRODUCTION GMBH

Die Boschstraße 23 in Hamburg ist Heimat der Star Oil Production GmbH. Geführt wird die Firma aus Hamburg von den selbsternannten „Ölgräbern“ Thomas Ruf, einem angeblichen „Branchenexperten“, und dem PR-Mann Andreas K. Tichy. Der zweitgenannte Tichy ist bei Star Oil Production für die Bereiche Finanzen, Compliance und Personalwesen zuständig, woher er als gelernter PR-Mann die Qualifikation hat, um Kundengelder und Ölprojekte adäquat zu verantworten, bleibt das Unternehmen aus Hamburg schuldig.Und dabei verspricht Star Oil „maximale Transparenz“, heißt es zumindest auf der notdürftig zusammengebastelten Homepage.

Nach eigenen Aussagen will die Star Production GmbH Direktinvestitionen im US-Ölgeschäft anbieten. Dass sich der Ölpreis seit Jahren im Sturzflug befindet, der Vormarsch von Erneuerbare-Energie-Trägern nicht mehr aufzuhalten ist und dass eine Beteiligung an einer ominösen US-LLC sehr viele Risiken und Pflichten für deutsche Anleger mit sich bringt – davon scheinen Ruf und Tichy nichts mitbekommen zu haben. Die beiden werben mit kräftigen Gewinnen. Gegenstand des Unternehmens soll „die Erschließung und Bewirtschaftung von Erdöl- und Erdgasquellen, An- und Verkauf von Explorations-Lizenzen sowie alle damit im Zusammenhang stehenden Tätigkeiten“, sein. In der Realität sollen nur Anteile an mutmaßlich wertlosen LLC’s verkloppt werden, nimmt die Redaktion an.

Die Masche mit Öl und Gas ist neu

Es haben schon viele dubiose Akteure die Taschen mit Anlegergeldern gefüllt. Immer wieder sollten „Förderechte“ oder ganze „Fördergebiete“ gekauft werden. Letztlich haben Anleger in den überwiegenden Teil der Fälle einen Totalverlust erlitten. Einige traf es sogar noch härter, wie die Anleger der Canada Gold Trust-Fonds, die ihre Ausschüttungen zurückzahlen müssen oder die Anleger von Proven Oil Canada, die nur noch auf einen kleinen Prozentsatz ihres Investments hoffen dürfen.

Die Star Oil Production GmbH aus Hamburg ist vergleichsweise „jung“ und das Management kann keine nachweisbaren Erfolge in der Branche vorweisen. Aber das ist für das listige Ölduo kein Hindernis, um „positive Presse“ zu präsentieren. Gleich bei mindestens drei renommierten Zeitungen haben die Verantwortlichen von Star Oil Production Anzeigen in Form von Advertorials gekauft. Advertorials sind plumpe Anzeigen, die nach einem redaktionellen Bericht aussehen. Diese Advertorials werden gerne von Betrügern im Graukapitalmarkt genutzt. Zwar ist innerhalb der redaktionellen Anzeigen ein Hinweis mit der Aufschrift „Anzeige“ versteckt, aber für den normalen Leser kaum zu identifizieren. Die Macher der guten Presse sind Ruf und Tichy. Und woher stammen die knapp 4000 Euro für die gekauften Anzeigen? Aus ihrer eigenen Tasche oder vom Anlegergeld? Wir können es nur erahnen.

Aus unserer Sicht ist das Geschäftsmodell eine gute Möglichkeit, sein Ersparnis loszuwerden…die Star Oil Production GmbH ist ein Fall für die Warnliste.

KRYPTOWÄHRUNG: EINE LIZENZ ZUM GELDRUCKEN

Im Februar 2016 wendet sich Max Kordek, 24 Jahre alt, Student der Elektrotechnik aus Aachen, an die Kryptoszene und bittet um Geld. 30 Tage später hat er 14 079 Bitcoin beisammen, damaliger Gegenwert: gut 6 Mio. Dollar. Mit dem Kapital  will Kordek ein Start-up aufbauen: Lisk, eine Softwareplattform, auf der Entwickler Blockchainanwendungen einfacher programmieren können.

Kordek hat zu diesem Zeitpunkt weder ein fertiges Produkt noch ein vorzeigbares Team, ganz zu schweigen von einem Büro oder einem angemeldeten Unternehmen.

Seinem Mitgründer, dem 36-jährigen Briten Oliver Beddows, ist er nie persönlich begegnet, die beiden kennen sich nur übers Netz.

Lösen Kryptowährungen Crowdfunding ab?

Dass jemand in einen solchen Laden Millionen investieren würde, klingt schwer vorstellbar. Bei professionellen Venture-Capital-lnvestoren war Kordek zuvor abgeblitzt. „Ich hatte null Renommee bei den VCS“, erinnert er sich. „Dann ist es schwer, an Geld zu kommen.“ Der Ausweg war ein Initial Coin Offering (ICO): Das Start-up gab im Tausch gegen Bitcoin eine eigene virtuelle Währung namens Lisk aus. Deren Marktkapitalisierung stieg zwischenzeitlich — das Unternehmen war da auf knapp 20 Mitarbeiter gewachsen, hatte aber immer noch kein fertiges Produkt auf über 900 Mio. Dollar. Wer beim ICO dabei war, hätte seinen Einsatz also theoretisch um das 150-Fache steigern können. Selbst für die ziemlich verrückte Welt der Kryptoinvestments ist das eine irre Zahl.

Kein Wunder, dass Anleger sich gerade um neue Coins reißen. Und dass mehr und mehr Start-ups auf die Finanzierungsmethode setzen.

Schon ist eine heftige Debatte um ICOs entbrannt, an der nicht nur Kryptonerds beteiligt sind, sondern auch Ökonomen, Investoren und Aufsichtsbehörden. ICOs sind das neue Crowdfunding, sagen die einen: eine Revolution der Unternehmensfinanzierung, demokratisch, effizient, sicher. Der ausufernde Boom spiegele nur das revolutionäre Potenzial der Technologie wider.

ICOs sind eine Einladung an Aufschneider und Betrüger, sagen andere: ein irrationaler Goldrausch, die nächste Dotcom-Blase, die unbedarfte Kleinanleger in großem Stil um ihr Erspartes bringen wird.

Klar ist: Der ICO-Markt dreht gerade komplett frei. Über 1,8 Mrd. Dollar sind nach Berechnungen des Portals Coindesk bislang damit eingesammelt worden – allein 1,5 Mrd. Dollar davon in den ersten acht Monaten dieses Jahres. 20 Mio. Dollar kommen im Schnitt pro ICO zusammen. Manchmal braucht es dafür nur Sekunden: Anfang Juni war das Start-up Brave, das einen werbefreien Internetbrowser entwickelt, innerhalb einer halben Minute um 35 Mio. Dollar reicher. Die Blockchainprojekte Tezos und Eos pumpten sich im Juli innerhalb weniger Tage um jeweils mehr als 200 Mio. Dollar auf.

Zocken wie im Casino

ICOs verbinden Elemente eines Börsengangs (englisch IPO) mit der Idee der Schwarmfinanzierung und der Technologie des Kryptogeldsystems. Meist im Rahmen einer zeitlich befristeten Auktion geben Start-ups dabei sogenannte Token oder Coins aus und bekommen dafür Geld in Form von Bitcoin oder Ether, den beiden wertvollsten Kryptowährungen. Wie beim Crowdfunding geht es den Geldgebern einerseits darum, dem Projekt Starthilfe zu bieten. Daneben lassen sich die Token mitunter auch als Zahlungsmittel auf der Plattform des jeweiligen Start-ups einsetzen – wie Jetons im Casino oder Fantasiewährungen in Onlinespielen, mit denen man neue Charaktere oder Waffen kaufen kann. Auch bei Lisk ermöglichen die Token den Zugang zur Plattform. „Wie bei einem Auto, für das du Benzin benötigst, brauchst du Lisk, um unsere Netzwerkfunktionen nutzen zu können“, erklärt Kordek.

Bei anderen ICOs geben die Token dem Inhaber ein Stimmrecht im Unternehmen, stellen Firmenanteile dar oder berechtigen zum Dividendenbezug. Dann gibt es ICOs, die eher werbewirksam die Erfolgsaussichten eines Projekts unterstreiChen sollen: Kauft unsere Token, so die Botschaft, denn sie können als Kryptowährung im Netz gehandelt werden und euch reich machen.

Was gerade passiert, ist sogar den Pionieren der Finanzierungsmethode unheimlich. ICOs seien eine „tickende Zeitbombe“, warnt Charles Hoskinson, Mitgründer von Ethereum, dem Projekt hinter der zweitwichtigsten Kryptowährung Ether. Ethereum sammelte 2014 mit einem der ersten ICOs 19 Mio. Dollar ein, eine aus heutiger Sicht fast bescheidene Summe.

„Es ist krass, was da abgeht“, sagt auch Max Kordek von Lisk. Er kritisiert, dass viele Start-ups auf ICOs setzen, obwohl ihre Idee gar nicht auf die Blockchaintechnologie angewiesen ist. „Die Leute überlegen sich irgendetwas, häufig ist es einfach eine Ausrede, um einen ICO machen zu können.“ Auch der Berliner Bitcoin-Aktivist Aaron Koenig sieht einen „sehr überhitzten Markt“. Vielen wollten gerade „auf den Zug aufspringen und einen eigenen Token herausbringen, auch wenn das überhaupt keinen Sinn ergibt“.

Kein Wunder, dass sich viele Beobachter an die Dotcom-Blase Ende der 90er-Jahre erinnert fühlen. Koenig glaubt: „Wir werden sicher auch bei den ICOs bald eine Korrektur erleben.“ Einschränkend fügt er hinzu, dass das Internet das Jahr 2000 überlebt habe. „Aus dem Dotcom-Boom sind starke Firmen wie Amazon und Ebay hervorgegangen.“ ICO-Fans entgegnen auf die Kritik, dass Spekulation nun mal Innovation antreibe – und die Blase zwar nicht schön, aber notwendig sei. Die Frage ist, ob das auch bei den Aufsichtsbehörden verfängt, die dem Treiben lange tatenlos zugesehen haben. Anfang September schritt als erste Institution die chinesische Zentralbank ein und verbot ICOs komplett. Diese seien „eine Art illega1er öffentlicher Kapitalbeschaffung“ und stünden häufig im Zusammenhang „mit kriminellen Machenschaften wie Betrug und Schneeballsystemen“. Die US-Finanzaufsicht SEC warnte schon im Juli, dass viele Token Eigenschaften von Wertpapieren aufweisen – und daher eigentlich den strengen US-Aktienmarktregeln unterworfen werden müssten.

Noch sind es vor allem Bitcoin-Veteranen, die ihr Geld in ICOs stecken. Viele haben mit dem Aufschwung der Währung über die vergangenen Jahre gut verdient, jetzt wollen sie ihr Kryptoportfolio diversifizieren. Dazu kommen vermehrt institutionelle Investoren, sogar VC-Firmen werden in dem Hochrisikomarkt aktiv. Genaue Zahlen zur Käuferstruktur gibt es nicht, denn die Transaktionen sind grundsätzlich anonym. Der Anteil normaler Anleger gilt noch als gering – das aber könnte sich angesichts der irren Gewinne und niedrigen Einstiegshürden bald ändern. Bitcoin-Aktivist Koenig sagt, es sei doch toll, „dass jetzt nicht nur Superreiche an diesem Boom teilhaben, die es sich leisten können, hohe Summen in Risikokapitalfonds zu investieren“.

Die deutsche Finanzaufsichtsbehörde Bafin hat sich bisher nicht öffentlich zum ICO-Markt geäußert. Aus dem Umfeld der Behörde heißt es, eine Stellungnahme sei in Vorbereitung. Ein generelles Verbot dürfte es kaum geben. Bei der Bafin argumentiert man, es sei sinnvol1er, jedes Projekt für sich zu prüfen, denn die Funktionsweise der Token sei von Fall zu Fall sehr unterschiedlich. Allerdings wird die Aufsicht nur auf Anfrage oder Aufforderung etwa durch die Staatsanwaltschaft tätig. Die allermeisten ICOs, auch jene aus Deutschland, haben daher bisher ohne Kenntnis oder Genehmigung der Bafin stattgefunden. Dass sie sich in einer regulatorischen Grauzone bewegen, ist nach dem Geschmack der Kryptojünger. Das Misstrauen gegenüber Autoritäten und Zentralinstitutionen ist bei ihnen tief verwurzelt, Teil der Bitcoin-Philosophie waren immer anarchische und radikal marktliberale Züge. Gut beobachten ließ sich das Ende August bei einem Treffen der Berliner Kryptoszene in einem Neuköllner Hinterhof. Die Veranstaltung, bei der Experten über ICOs als „neuen Weg der Unternehmensfinanzierung“ informieren wollten, fand in einem hippen Großraumbüro statt, es gab Augustiner-Bräu, im Publikum dominierten junge Männer. „Es ist toll, wie viele Leute auftauchen, wenn es um die drei magischen Buchstaben ICO geht“, sagte Veranstalter Sven Läpple. Eine der wenigen, die an diesem Abend die Euphorie etwas bremste, war die Anwältin Nina-Luisa Siedler. „Die bisherigen ICOs waren ganz überwiegend rechtlich nicht sauber strukturiert“, mahnte sie. Frage aus dem Publikum: „Was denken Sie persönlich, muss der freie Markt den Regeln folgen oder sollte es nicht umgekehrt sein?“ Siedler gab eine längliche Antwort, der sie am Ende fast entschuldigend hinzufügte: „Don’t shoot the messenger.“

Die Anwältin sieht es als ihre Mission, den Tatendrang und die Aufbruchstimmung der Blockchainanhänger mit den nun einmal existierenden gesetzlichen Rahmenbedingungen in Einklang zu bringen. Mit anderen hat sie im Juni den Bundesblock gegründet, einen Lobbyverband, der auf die anstehenden Koalitionsverhandlungen im Herbst einwirken will, um Rechtssicherheit für die neue Technologie zu schaffen.

Erst einmal rät sie aber: Vor einem ICO sollte ein Gründer die Bafin kontaktieren. Was nicht helfe, sei die Flucht in schwächer regulierte Standorte wie Gibraltar oder die Schweiz. „Für regulatorische und steuerrechtliche Fragen ist es irrelevant, von wo aus ein ICO gestartet wird. Wichtig ist, wo das Angebot wahrgenommen werden kann.“ Mehr und mehr ICOs sind deswegen auf bestimmte Regionen begrenzt oder schließen etwa US-Amerikaner von der Teilnahme aus.

Bisher haben viele Start-ups für ihre ICOs den Schweizer Kanton Zug gewählt und dort Stiftungen gegründet – so auch Lisk. Die Lisk Stiftung, deren Präsident Max Kordek ist, verwaltet das enorme Vermögen des Projekts. Die 14 079 Bitcoin, die Anfang 2016 eingesammelt wurden, sind heute gut das Zehnfache wert also 60 Mio. Dollar.

Dass in Deutschland schon jetzt auf legalem Weg ICOs möglich sind, will ein Berliner Start-up beweisen. Zoe Adamovicz und Marcin Rudolf, in der Hauptstadt bekannt als Gründer der 2014 erfolgreich verkauften App-Suchmaschine Xyo, werkeln seit Monaten an einem Projekt namens Neufund. Entstehen soll eine Investmentplattform auf Block chain-Technologie, auf der auch Nicht-Kryptounternehmen Geld einsammeln können.

Neufund firmiert als korrekt angemeldete GmbH, und CEO Zoe Adamovicz steht nach eigener Aussage in engem Kontakt zur Bafin. Sie lobt sogar die Regulatoren aus Bonn: „Die wollen das Thema verstehen.“ Zu Jahresbeginn hat Neufund bereits 2 Mio. Euro von traditionellen Risikokapitalgebern eingeworben. Um die Kriegskasse aufzustocken, ist — natürlich – auch ein ICO geplant: Im Herbst sollen 200 Mio. Euro zusammenkommen. Klingt vollmundig, aber es dürfte gelingen.

 

 

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