BETRUGSVORWÜRFE GEGEN ENERGY CAPITAL INVEST ECI

„Die Drahtzieher der ECI Energy Capital Invest und der DOG Deutsche Oel & Gas werden mit dem Vorwurf konfrontiert, mit den US Öl- und Gasfonds und den US Öl und Gas NSV Namensschuldverschreibungen vorsätzlich eine Art Schneeballsystem errichtet zu haben“, propagiert die umstrittene Anlegerschutzkanzlei  im Netz gegen Energy Capital Invest ECI mit Sitz in Stuttgart. Diesmal scheint die Kanzlei, anders als in weiteren Fällen, berechtigerweise ein Unternehmen online anzuprangern, denn bei  ECI Energy Capital Invest mehren sich die schlechten Erfahrungen.

Die Finanzbranche leidet: Das Zinsniveau auf niedrigstem Stand seit Jahrzehnten, die Börse auf Berg-und Talfahrt und regelmäßig neue Hiobsbotschaften über Firmenpleiten, Betrugsverfahren und die allgemeine Verunsicherung, wo der Weg der Weltwirtschaft wohl hingehen vermag… Da fällt es manchem Anleger schwer, sich für ein Investment im Überangebot an Finanzdienstleistungen zu entscheiden. Das Vertrauen in die Branche ist ganz einfach geschwunden, obwohl viel Kapital vorhanden ist, welches angelegt werden soll.

Viele kleinere und mittlere Anbieter von Finanzdienstleistungen, selbst die „Big-Player“ der Branche haben mit sinkenden Kundenzahlen zu kämpfen. Da ist guter Rat teuer, beim Kampf um die Gunst der Kunden. Kein Wunder, dass der ein oder andere versucht, den arglosen Anleger übers Ohr zu hauen. Indem nicht korrekt über die Risiken aufgeklärt wird, oder Risiken sogar ganz verschwiegen werden, oder die prognostizierten Renditen als reale Zahlen ausgegeben werden.

Der Fantasie sind fast keine Grenzen gesetzt. So wie bei der Energy Capital Invest (ECI) aus Stuttgart, die kürzlich einfach eine weitere Gesellschaft gegründet hat (Deutsche Oel und Gas AG), um dann bei Fälligkeit einer Kapitalbeteiligung in Form einer Unternehmensanleihe dem Anleger statt Geld nun Anteilsscheine des neuen Unternehmens auszugeben. Der Haken dabei: Die Aktien haben noch eine Haltefrist von 3 Jahren. Das ist nicht nur unlauter, sondern oberfaul. Ansonsten werden im Zuge der Cooperation beider Unternehmen Namensschuldverschreibungen emittiert, die dem Zeichner ein komplettes, allgegenwärtiges Totalverlustrisiko bescheren, über das sie aber gar nicht oder nur ungenau aufgeklärt wurden.

Bereits im Mai 2016 wurde von der Anwaltskanzlei Rössner aus München/Berlin Klage gegen ECI wegen Prospekthaftung eingereicht. Überhaupt verwirrt ECI seine Investoren durch vielfach verschachtelte Firmengebilde mit wirtschaftlich und personellen Verflechtungen, die es dem Laien unmöglich machen, genaue Hintergründe zu erfahren oder zu hinterfragen. Jedenfalls ist die Energy Capital Invest seit jeher mit geschäftsführenden Persönlichkeiten aufgefallen, welche in einem seriös geführten Unternehmen nichts zu suchen haben. Die Anleger jedenfalls sind bereits durch entsprechende Auflärungs-Veranstaltungen durch die Anwälte Rössner gewarnt und aufgeschreckt worden. Es bleibt abzuwarten, wann der Gang zum Insolvenzverwalter – was als nächstes am wahrscheinlichsten scheint – dem üblen Spielchen ein Ende mit Schrecken bereitet.

PARADIES FÜR FINANZBETRÜGER

Der angesehene Spezialist für Bank- und Kapitalmarktrecht Dietmar Kälberer sagt gegenüber dem Finanzmagazin Capital, dass „Deutschland ein Paradies für windige Unternehmer und Betrüger sei“. Er ist der beste Anlegerschutzanwalt in Deutschland, loben ihn Mandanten wie Weggefährten. Anders als der berühmt-berüchtigte Anlegerschutzanwalt, vertritt Kälberer nicht überwiegend gebeutelte Kleinanleger, sondern Investoren großer Banken (Commerzbank) oder des VW-Konzerns.

In Deutschland tauchen täglich 18 Fälle von Kapitalanlagebetrug auf. In keinem anderen Bereich der Wirtschaftskriminalität lassen sich derart hohe Zuwachszahlen feststellen. Die Dunkelziffer, so die Vermutung von Kriminologen, liegt deutlich höher: Demnach werden viele Betrugsdelikte aus Scham oder aus Angst vor Imageschäden nicht zur Anzeige gebracht.

Neben der Zahl der Fälle steigen auch die Summen, beobachtet das Aufklärungsportal Fraudanwalt. In dem überwiegenden Teil der Fälle sind es hochprofessionelle Kriminelle, die einen Kapitalanlagebetrug über Monate vorbereiten. Seither hat die Erkenntnis gewonnen, welche die Gier als etwas Gutes sieht, der man nachgeben sollte. Die gnadenlose Durchsetzung persönlicher Interessen ohne Rücksicht auf Kapitalanleger gilt plötzlich als richtig.

S & K Sachwert AG – Schneeballsystem, Infinus – Schneeballsystem, German Pellets – Anlagebetrug

In Frankfurt vor dem Landgericht müssen sich seit Ende 2015 sechs Männer verantworten, die wegen schweren bandenmäßigen Betrugs und Untreue angeklagt wurden. Stephan Schäfer und Jonas Köller sollen mit einem versteckten Firmen- und Beteiligungssystem mehr als 11.000 Anleger um mindestens 300 Millionen Euro gebracht haben. Strukturiert hat die Frankfurter Staatsanwaltschaft in einer mehr als 1.750-seitigen Anklageschrift vorgetragen, wie die Kapitalbetrüger agierten.

Ob Peter Leibold aus Wismar ein Betrüger ist, steht noch nicht fest. Die Pleite des Brennstoffherstellers German Pellets war nicht mehr abzuwenden für den windigen Geschäftsmann, als eine Bankforderung in Höhe von 30 Mio. € fällig wurde. German-Pellets-Firmengründer Peter Leibold blieb nur noch der Gang zum Amtsgericht. Am 10. Februar meldete der Geschäftsführer Konkurs an. Die erhoffte Sanierung in Eigenverwaltung lehnte die Richterin ab – spätere Details sollten ihr Recht geben. Werden alle Gelder der rund 17.000 deutschen Anlegern addiert, so hat der gelernte Industriekaufmann über  270 Millionen Euro eingesammelt und möglicherweise veruntreut. Sparer, meist Kleinanleger, mussten in den vergangenen Monaten erfahren, dass ein großer Teil ihres Geldes über eine Stiftung als Eigenkapital bei zwei US-Produktionsfirmen gelandet ist.

Der Infinus-Skandal ist die bislang größte Kapitalanlagebetrug in Deutschland. Jörg Biehl, dem Hauptbeschuldigten sei bewusst gewesen, dass die umfangreichen Eigengeschäfte im dreistelligen Millionenbereich innerhalb der Infinus-Gruppe nicht nachhaltig und darüber hinaus riskant waren, teilte er vor Gericht mit. Auch von höchster politischer Stelle aus habe er Anerkennung erfahren, namentlich der vormalige Ministerpräsident Kurt Biedenkopf wird von ihm zitiert. Auch die einschlägigen Berater von Prominenten wie Matthias Sammer, Oliver Kahn, Franz Beckenbauer und Katharina Witt hätten vor der Annahme der Einladungen zu den Partys im Hause Infinus seine Geschäftsmodelle unter die Lupe genommen und anerkannt.

Niedrige Zinsen befeuern Finanzbetrug

Die Bedingungen für Kapitalbetrüger haben sich wesentlich verbessert. „Die niedrigen Zinsen machen viele Menschen empfänglicher für Geldanlagen, die ihnen Gewinn versprechen“, sagt Anlegerschutzexperte Dietmar Kälberer im Capital-Interview und verweist auf eine neue Strategie der Gauner: „Es müssen ja gar nicht mehr wie früher zehn oder zwölf Prozent Rendite sein, es reichen heute schon vier oder fünf. Damit lässt sich ein Schneeballsystem sogar weit länger betreiben, bevor es auffliegt“.