Rechtsanwalt Stefan Bernhardt aus Dillenburg – Unseriöse Falschberatung

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Aus gegebenem Anlass warnen wir ausdrücklich vor Rechtsanwalt Stefan Bernhardt aus Dillenburg. Dieser verschickt für seine zahlungsunfähigen Mandanten wie Michael Faulheit (der Name ist wohl Programm) nötigende Mahnungen und Drohungen. Seine beeindruckende Website findet sich hier: http://www.ra-bernhardt.de/

Dabei zitiert er völlig zusammenhangslos Urteile falsch und fordert zur Zahlung auf. Anscheinend ist er nicht in der Lage, Landgerichtsurteile zu verstehen, selbst einfache juristische Zusammenhänge geraten bei ihm durcheinander.

Wenn Sie von diesem Anwalt Schreiben erhalten, ignorieren Sie diese, zahlen Sie auf KEINEN FALL! Sofern auch Sie der Meinung sind, die Forderung des Herrn Bernhardt ist unberechtigt, wenden Sie sich an die nächste Polizeidienststelle und erstatten Sie Anzeige gegen diesen angeblichen Rechtsanwalt.

 

WIRTSCHAFTSWUNDER: FRANKREICH’S NEUE TECH-SZENE

Knapp 200 graue Herren und ein paar Damen fluten am frühen Morgen die Halle Freyssinet am Gare d’Austerlitz, mittendrin der Premier und eine Handvoll Minister. Kurz treffen die angereisten Anzugträger auf die hier heimischen Vollbartträger, doch letztere schlurfen schnell wieder zurück in ihre Container. Das kennen sie nämlich schon: Seit Emmanuel Macron Präsident ist, können sich Frankreichs Startup-Gründer vor Umarmungen des Staatsapparats kaum retten. Ihr Arbeitsplatz, die Station F, ist zu einer Art Pilgerstätte geworden. Station F, so wird heute die riesige Halle Freyssinet genannt. Sie ist so lang wie der Eiffelturm hoch und in manchen Kreisen schon genauso berühmt. Einst hat hier die Staatsbahn SNCF Güterwagen entladen. Jetzt sitzt hier Europas größtes Start-up-Zentrum, das im Sommer eingeweiht wurde – natürlich von Macron persönlich. Zum Fraudanwalt-Bericht.

Seitdem geben sich hier Staatsdelegationen die Klinke in die Hand. Angereist sind heute Frankreichs internationale Diplomaten. In die Heimat zitiert haben sie der Präsident und sein Premier, um ihnen die neue Regierungslinie zu vermitteln. „Ich sehe wenige andere Orte in Frankreich, an denen sich die neue Realität so klar zeigt“, erklärt ihnen Regierungschef Édouard Philippe in seiner Grundsatzrede: „Wir müssen der Welt erklären, dass wir dabei sind, unser teures und altes Land zu verwandeln.“

Es gibt Ecken im Land, wo diese Verwandlung längst begonnen hat. Nicht nur in der Station F, quer durch Paris ist nicht erst mit Macron eine Gründerszene entstanden, die derzeit in Europa in mancher Hinsicht den Ton angibt. Ähnliches ist in Metropolen wie Lille, Nantes, Lyon im Gange. „Frankreich hat sich durch seine überdurchschnittlich technophile und internetaffine Bevölkerung einen Marktvorsprung verschafft“, sagt Charles-Édouard Bouee, der als Pariser die lokale Landschaft gut kennt, als globaler CEO der Unternehmensberatung Roland Berger aber auch den weltweiten Überblick hat.

Klischee-Ende

Sicherheitsfixiert, konzernverliebt, hierarchisch: Lange traf dieses Klischee der französischen Wirtschaft weitgehend zu. Noch vor zehn Jahren ermittelten Umfragen, dass über 70 Prozent der französischen Jugend von einem Job im Staatsdienst träumen. Heute liebäugelt ein Drittel bis die Hälfte damit, Unternehmer zu werden. „Kulturell bedeutet das einen radikalen Wandel“, sagt Bouée. Glaubt man einer Studie aus Lyon, gibt es derzeit nicht einmal in den USA so viel Gründergeist wie in Frankreich. Und das Kapital zieht mit: In Sachen Start-up-Finanzierung hat Paris im vergangenen Jahr erstmals Berlin abgehängt und lag zeitweise sogar vor London.

„Viele Fonds aus Kalifornien, England, Deutschland rufen an“, bestätigt Sébastien Caron. Der 36-jährige Gründer der Geo-App Mapstr streckt sich im hinteren Teil der Station F vor seinem Rechner, als übe er eine Yoga-Stellung. Mit seiner App können Nutzer ihre Lieblingsorte in einer digitalen Karte speichern und mit anderen teilen. Es läuft, sagt Caron, Mapstr hat 300 000 aktive Nutzer. Ein schöner Erfolg, aber für sein Geschäftsmodell müssen es Millionen werden, auf aller Welt, daran arbeiten sie jetzt hier oben, stellen Leute ein, basteln an einer neuen Finanzierungsrunde, die 3 bis 5 Mio. Euro in die Kassen spülen soll.

Nach acht Jahren als Unternehmensberater hatte Caron die Mühle satt und setzte den Gründertraum, der in ihm schlummerte, in die Tat um. Er hatte Glück: Der Facebook-Inkubator, der im Dachgeschoss der Station F sitzt, nahm ihn unter seine Fittiche. Caron wird nun gelegentlich von Sheryl Sandberg zum Plausch nach Menlo Park gebeten. Bei Facebook interessiere man sich erstaunlicherweise besonders für den sensiblen Umgang mit Nutzerdaten, sagt Caron. Er ist ein illusionsloser Typ, der für das Start-up- Abenteuer seinen Lebensstandard heruntergefahren hat und in seinem eng geschnittenen Knitterpulli kaum auffällt in der Station F, obwohl er mit 36 etwas älter ist als die meisten hier. „Frankreich steht erst am Anfang“, sagt er. Man habe noch viel aufzuholen, aber die Bewegung sei nicht mehr aufzuhalten.

Facebook ist nicht der einzige Internetgigant, der in Paris seine Fühler ausstreckt. Mehrere Inkubatoren bieten in der Station F Arbeitsplätze zu attraktiven Bedingungen, den größten betreibt die Wirtschaftsuni HEC. Dazwischen drängeln sich Finanzierer, Berater und staatliche Stellen. Noch ist nicht alles perfekt hier, vieles wirkt improvisiert, doch Unternehmer wie Caron fühlen sich in diesem enthusiastischen Gründerumfeld bestens aufgehoben. „Die Wahl Macrons hat einen enormen Effekt gehabt“, sagt der Mapstr-Chef.

Der neue Präsident spricht gerne von der „Gründernation“ Frankreich – und hat sich im Wahlkampf selbst als eine Art Gründer bezeichnet, als er für seine Bewegung systematisch Mitstreiter bei Start-ups rekrutierte. Nach dem Wahlsieg gab die Regierung das Ziel aus, Frankreich zum Digitalstandort Nummer eins in Europa zu machen. Dazu soll ein Teil der üppigen staatlichen Firmenbeteiligungen abgestoßen werden, um aus den Erlösen einen 10-Mrd.-Euro Fonds zu formen, der zu wesentlichen Teilen in Gründerunternehmen fließen soll.

Mounir Mahjoubi, 33, ist in Macrons Regierung als Staatssekretär für Digitales zuständig. Er residiert in einem glanzvollen Stadtpalast, aber Besucher werden hier erst einmal geduzt. Mahjoubi brütete schon als Jugendlicher über Geschäftsideen, gründete später eine Website für den Direktverkauf in der Landwirtschaft und leitete dann Macrons Digitalwahlkampf. „Wir haben den klaren Willen, europäische Champions zu formen“, sagt er über die Start-up-Politik. „Natürlich muss die Regierung eine Rolle spielen, wenn es darum geht, das zu beschleunigen.“ Es klingt wie die Fortsetzung der klassischen französischen Industriepolitik mit digitalen Mitteln.

Begonnen hat der Aufschwung schon vor Macron. Seit etwa fünf Jahren nehme die Bewegung Tempo auf, sagen Beteiligte. Es begann mit der Entwicklung, die Frankreich nach der Finanzkrise nahm, als für den Nachwuchs des Landes die klassischen Karrieren in Staatsdienst, Banken, Beratungen und Großkonzernen immer weniger Perspektiven boten. Wer gut vernetzt war, suchte sich alternative Betätigungsfelder — und landete in den Start-ups von Kalifornien und Berlin, wo es heute nur so wimmelt von Franzosen. Dass diese Welle irgendwann nach Frankreich zurückschwappen würde, war nur eine Frage der Zeit. Manche sagen, dass auch die Facebook-Verfilmung „The Social Network“, die hier überaus erfolgreich lief, ihren Teil zum Gründerboom beitrug.

Was als Graswurzelbewegung begann, traf auf günstige politische Bedingungen. Schon unter Macrons Vorgängern Sarkozy und Hollande wurde ein großzügiges staatliches Finanzierungsprogramm in die Wege geleitet. Die Förderbank Bpifrance vergibt großflächig Grün-

derdarlehen und steckt Geld in Startup-Fonds. Hinzu kommt, dass der Fiskus die Techfirmen schont. Viele Start-ups profitieren von einer Steuergutschrift für Forschungsausgaben. Wer den Status „Jeune entreprise innovante“ erhalten will, muss zwar viele Formulare ausfüllen, wird dann aber acht Jahre lang weitgehend von Steuern und Abgaben befreit. Auch spielt der generöse Sozialstaat vielen Gründern in die Hände, die sich vor Beginn der Entwicklungsphase oft für ein Jahr irgendwo anstellen lassen und dann das auskömmliche Arbeitslosengeld nutzen, um an ihren Plänen zu basteln.

„Wenn wir uns in Deutschland etwas abgucken können, dann sicher die konsequente staatliche Unterstützung für die Szene“, sagt Andreas Wiele, der als Vorstand bei Axel Springer schon eine Reihe von Großinvestitionen in französische Digitalfirmen getätigt hat und sich immer wieder wundert, wie wenig die dortige Entwicklung in Deutschland wahrgenommen wird.

Dabei kann die französische Szene inzwischen auf eine ganze Reihe von Erfolgsgeschichten verweisen. Und auf starke Vorbildgründer wie Xavier Niel, der die Station F mit rund 250 Mio. Euro komplett selbst finanziert hat. Niel ist mit dem Minitel groß geworden, einer französischen Vorläufertechnik des Internets, mit der viele Franzosen schon in den 80er-Jahren ihr Digitalverständnis schulten. Später verkaufte er Internetanschlüsse und baute den Mobilfunkanbieter Free auf, wodurch er auf Platz sieben in der Liste der reichsten Franzosen kletterte — die nebenbei angeführt wird von Bernard Arnault, dem Vorstandsvorsitzenden des französischen Luxusartikelherstellers LVMH, mit dessen Tochter liiert ist.

O2 BEWERTUNG: KUNDENSERVICE IST KATASTROPHAL

Die Erfahrungen mit O2 von Tarifkunden, das gleiche Problem – eine Nummer: zweimal die Fünf, dreimal die Zwei. Die Hotline von 02. Da die Anzahl der Handyläden sinkt, wird die Servicenummer wichtiger, hier könnte Telefonica Deutschland, noch direkt mit seinen Kunden in Kontakt treten. Eigentlich.

Doch bei 02 ist die Hotline zum Symbol einer Entfremdung verkommen. „Heute kann es leider etwas länger dauern.“ Für die Kunden klingt das wie Hohn, Wartezeiten von über einer Stunde sind nicht ungewöhnlich. Wenn überhaupt jemand abhebt.

Telefonica ist mit Marken wie Base, Fonic oder 02 der nach Kundenanzahl größte deutsche Mobilfunkanbieter. Die Premiumlinie 02 stand einst für Innovation und gehobenen Anspruch. Heute versprüht sie den Esprit eines Billigfliegers. Die Preise mögen unschlagbar sein, aber die Qualität verkümmert. Ob Zeitungen, Facebook oder Internetforen – die Kanäle quillen über vor galligen Serviceerlebnisberichten. Kein Wunder: Ohne Smartphone steht heute schnell das Leben still.

Während die Kunden an Netzausfällen und miesem Service verzweifeln, beißen sie in der Münchener Zentrale die Zähne zusammen. Die Integration des Ex-Konkurrenten E-Plus, den man sich 2014 einverleibte, war aufwendiger als erwartet. Statt gegenzusteuern, sinken die Investitionen in diesem Jahr um voraussichtlich 10 Prozent. Der Mobilfunker verliert den Anschluss auf dem deutschen Markt. Da kann CEO Haas noch so sehr beteuern, „wieder näher an den Kunden ran“ zu wollen.

Die qualitätsbewussten Geschäftskunden sind bereits abgesprungen (nur Daimler hält wacker durch). Die Sparte gilt intern als „am Ende“. Mit seiner Reputation verlor Telefonica auch viele Führungskräfte. Die jüngsten Abschiede: Anfang August wechselte die hochgelobte Finanzchefin Rachel Empey zu Fresenius, Personalchef Thomas Gottschlich verließ das Unternehmen Anfang August mit noch unbekanntem Ziel.

Offiziell steigt zwar die Anzahl der Handykarten, die im Telefonica-Netz telefonieren und surfen. Doch der Umsatz sinkt, der monatliche Ertrag je Kunde lag im zweiten Quartal 2017 70 Cent unter Vorjahr. Durchschnittlich 9,70 Euro nahm Telef6nica je Mobilfunkkarte ein — das ist auch dann sehr wenig, wenn man Regulierungseffekte wie die sinkenden Gebühren für Telefonate in Fremdnetze herausrechnet. Die Telekom setzt in Deutschland derzeit durchschnittlich 13 Euro pro Kunde um.

Telefonica leidet überdies darunter, dass viele Neukunden über Partner wie Drillisch oder Freenet ins Netz kommen – bei den Vertragskunden waren es zuletzt 55 Prozent. Diese „Reseller“ saugen zusätzlich Umsatz ab.

Es gehört zum Paradoxon 02, dass CEO Haas und sein Vorstand dennoch gute Laune versprühen. Hauptquell ihrer Freude: Das Unternehmen wird immer profitabler. Das operative Ergebnis wächst seit 2014. Die Dividende soll die nächsten drei Jahre weiter steigen. Das hilft vor allem der Muttergesellschaft in Madrid, die knapp 70 Prozent der Anteile hält. Sie braucht das Geld, um ihren Schuldenberg abzutragen. Die Ergebnisfixierung der Münchener ist gefährlich. Während Rivalen wie Vodafone oder die Deutsche Telekom Milliarden in schnellere und zuverlässige Netze investieren, tut CEO Haas so, als wäre das in diesem Ausmaß überzogen. Und das obwohl datenintensive Streamingdienste wie Netflix oder Spotify rasant an Bedeutung gewinnen. Spätestens wenn die ersten halbwegs autonom fahrenden Autos mit opulenten Multimediasystemen durchs Land surren, können sich die Mobilfunker keine tagelangen Netzausfälle mehr leisten.

Im 02-Tower in München sehen sie das naturgemäß anders. Markus Haas empfängt in einem Konferenzraum mit Blick über seine Heimatstadt. Für ihn ist 02 nach wie vor die führende Konsumentenmarke in Deutschland. Okay, der Service muss natürlich wieder besser werden. Aber hey, „wir arbeiten uns da raus“.

2018 soll das neue, integrierte Netz bereit sein (Haas: „Wenn das alles fertig ist, wird es großartig!“). E-Plus ist dann endgültig Geschichte. Derzeit montieren Techniker landauf, landab Antennen neu, um die Doppelstrukturen zu tilgen. Telefonica will vor allem Miete und Strom sparen, dank neuer LTE-Antennen (im Technikerjargon „Kindersärge“) soll die Leistung steigen. Der Service wandert weiter ins Netz, wer die Hotline nicht anruft, wird bald mit Datenvolumen belohnt.

Haas hat sein gesamtes Berufsleben bei 02 verbracht, seine Karriere begann er 1998 bei der Vorgängergesellschaft Viag Interkom. Anfang des Jahres folgte er als CEO auf den ehemaligen E-Plus-Chef Thorsten Dirks, als der überraschend zur Lufthansa-Tochter Eurowings wechselte.

Im Konzern heißt es, dass der Übergang auf Haas bereits nach der Fusion mit E-Plus vereinbart worden sei. Dazu passt, dass die deutsche Telef6nica als einzige Landesgesellschaft zwei Mitglieder ins Executive Committee in Madrid entsandte: Haas und Dirks. Dirks ging demnach früher als geplant, was nicht nur in Spanien für Verstimmung sorgte.

Haas ist ein freundlicher, aber vorsichtiger Mann. Seine Sätze klingen oft nach PR-Prosa. Auch sonst verliert er ungern die Kontrolle. In seinem Umfeld gilt der Jurist mit den weichen Gesichtszügen als penibler Mikromanager, der überall mitredet. Im Konzern nennen sie ihn „das wandelnde Archiv“, weil er noch Jahre später längst vergessene Details aus Verhandlungen zum Besten gibt.

Ende Juli stellte Haas seinen neuen, achtköpfigen Vorstand vor: sein „Dream-Team“. Vom alten Führungszirkel war schließlich nur er selbst übriggeblieben. Die Truppe rekrutierte der Konzernsoldat unter seinesgleichen. Einzig das Personalressort wurde extern besetzt: Nicole Gerhardt kam von ProSiebenSat.l, wohin sie 2015 von Telefonica aus gewechselt war.

Im Aufsichtsrat traf Haas‘ Mannschaft auf Wohlwollen, nur die Wahl des Technikchefs stieß einigen übel auf. Die Arbeitnehmerseite scheiterte allerdings mit dem Versuch, eine Einzelabstimmung über Cayetano Carbajo Martin zu erzwingen, den man intern für die stockende Integration des E-Plus- in das 02Netz verantwortlich macht.

Haas wird sich anstrengen müssen, seine Leute für die anstehenden Herausforderungen zu motivieren. Im Juni strich die EU die Roaminggebühren innerhalb der Mitgliedsländer, was die Umsätze erst mal weiter reduzieren dürfte.

Die derzeit besonders populären Kombitarife aus Mobilfunk und DSL- oder Kabelanschluss sind für Telefonica strategisch tabu. Mangels eigenem Festnetz ist der Konzern bei Paketangeboten auf Kooperationspartner wie die Telekom angewiesen. Haas hofft, mit neuen Tarifen wie dem „02 Free 15″ gegensteuern und den wachsenden Datenhunger der Deutschen stillen zu können. Satte 15 Gigabyte Highspeed-Datenvolumen kosten bei 02 bloß 30 Euro im Monat, was den Kunden freilich wenig nützt, falls das -Netz weiter haken sollte.

Die ewigen Qualitätsprobleme sind vielen Mitarbeitern peinlich, ihr Stolz ist lädiert. 02 war mal cool, eine moderne Alternative zum „Beamtenladen“ Telekom. Innovationen wie der Tarif Genion, mit dem man in der Nähe der Wohnung auch über eine Festnetznummer erreichbar war („Homezone“), prägten das Image des smarten Angreifers.

Heute müssen stammelnde Verkäufer die Kunden in den Shops um Geduld bitten, weil selbst die Händlerhotline zeitweise kaum zu erreichen war oder IT-Systeme streikten.

Von der Verzweiflung an der Servicefront erzählen Geschichten wie die von Natascha Kohnen. Nachdem sie bei der Hotline nicht durchkam, suchte die Vorsitzende der Bayern-SPD in den 02-Shops in Berlin und München Hilfe, ihr DSL-Anschluss war seit vergangenem Februar gestört. Dort traf sie auf resignierte Mitarbeiter, die nur einen Rat hatten: Kündigen Sie! Anleitung inklusive. Kohnen, seit zehn Jahren 02-Kundin, will nun zurück zur Telekom („Ich halte das nicht mehr aus“). Ihr DSL-Anschluss funktioniert noch immer nicht.

Bei Telefonica heißt es, die Probleme mit der DSL-Hotline hingen auch mit der Erpressungssoftware Wannacry zusammen, wegen der man die IT-Systeme sicherheitshalber für mehrere Tage runtergefahren habe. Beruhigend klingt das nicht.

Hinter vorgehaltener Hand erklären sie in München die Probleme mit dem Dividendenfetisch des Hauses: Dirks und Haas wollten die Synergien aus der E-Plus-Übernahme schon heben, bevor die Integration abgeschlossen war. Grund: der hohe Druck aus Madrid. Ein nachhaltiges Konzept hätte zusätzliche Investitionen nötig gemacht. Kein Wunder, dass es nun scheppert.

Césars Traum von O2

Im Distrito Telefonica brennt die Sonne auf einen hypermodernen Komplex aus Glas und Stein. Die Telef6nica-Zentrale in Madrid ist ein Manifest der Boomjahre vor der Finanz- und Euro-Krise. Das Areal vor den Toren der Stadt ist so groß wie ein eigenes Stadtviertel, ausgestattet mit Fontäne, Metrostation und einem eigenen Kaufhaus, dem EI Corte Inglés. Oben prangt die größte Solaranlage, die je auf einem europäischen Dach installiert wurde.

Der Gigantismus geht vor allem auf einen Mann zurück: César Alierta. Der legendäre Telef6nicaCEO (von 2000 bis 2016) machte seinem Vornamen alle Ehre. Er blies den ehemaligen Staatskonzern zu einem weltumspannenden Imperium auf. Zeitweise erstreckte sich sein Reich von Irland bis Italien, von Costa Rica bis Feuerland.

Mit Beginn der Euro-Krise entpuppte sich Aliertas Feldzug als existenzbedrohende Wette. Spanien war nun das „S“ der PIGS, des Klubs der notorischen Schuldnerstaaten. Die Verbindlichkeiten türmten sich auf fast 60 Milliarden Euro — das Anderthalbfache des Firmenwerts. Telef6nica drohte seine Kreditwürdigkeit (Investment-Grade) zu verlieren, die hohen Refinanzierungskosten drück-ten dem Konzern die Luft ab.

Rezessionen und Regierungskrisen in Südamerika verliehen dem einst so schicken Portfolio die Aura einer Biotonne: Die Fäulnis schien ansteckend.

Nur mühsam läutete Alierta die Wende ein. Telef6nica stieß Töchter in Irland, der Slowakei oder Italien ab, selbst Funkmasten wurden zwecks Cashgewinnung veräußert. In Großbritannien ist nach wie vor ein Börsengang im Gespräch.

Unter dem neuen CEO José Maria Alvarez-Pallete wenden sich die Spanier wieder der Zukunft zu. Aliertas Ziehsohn strich die Dividende zusammen, um sich Luft zu verschaffen. Die Schulden schmolzen auf zuletzt 48,5 Milliarden Euro.

Chema Alonso, ein ehemaliger Profihacker, zod 2016 als Chief Data Officer in den Vorstand ein. In der Zentrale führt er seitdem seine üppige Heavy-Metal-Frisur unter bunten Mützen durch die Flure. Eine ungewöhnliche Personalie — auch wenn Paradiesvögel in immer mehr Konzernen dazugehören.

Ålvarez-Pallete kann nicht über miese Startbedingungen klagen: In den wichtigsten Auslandsmärkten Brasilien und Deutschland steigen die Gewinne, beim teuren Glasfaserausbau daheim hat Telef6nica die schlimmsten Zeiten hinter sich. Gut 52 Prozent der Bevölkerung können die ultraschnellen Anschlüsse mittlerweile buchen. Während sich die Deutsche Telekom regelmäßig für ihre Glasfasermüdigkeit rechtfertigen muss, hat Telef6nica in der Heimat mehr „Fiber“ verlegt als Deutschland, Frankreich und Großbritannien zusammen.

Deutschland-Freund Alvarez. In Madrid bestreiten sie, dass die deutsche Tochter zugunsten der Muttergesellschaft gemolken wird. Man streiche lediglich die Erträge der Milliarden ein, die man dort über die Jahre investiert habe. Dank des stabilen Deutschland-Geschäfts können wir ruhiger schlafen, heißt es.

Für das vergangene Jahr überwies München über 450 Millionen Euro an die Mutter, für 2017 wird die Ausschüttung auch deshalb steigen, weil Alvarez-Pallete seinen Anteil um sechs Punkte auf 69,2 Prozent erhöht hat. Die deutsche Aktie ist lukrativer als die eigene. Verkaufsgerüchte hat der CEO stets bestritten. Sind die Deutschen zu Besuch, versichert er sie ihrer strategischen Bedeutung. Die Aufnahme des ehemaligen Siemens-Vorstandschefs Peter Löscher in den Aufsichtsrat verstehen sie in Madrid als zusätzlichen Treuebeweis.

Alvarez-Pallete gilt als introvertiert, ein Nerd mit viel Leidenschaft für Zahlen. Bei seinen seltenen öffentlichen Auftritten seit dem Führungswechsel spricht er vor allem über „Aura“, sein Zukunftsprojekt. Eine künstliche Intelligenz soll etwa erkennen, wenn die Kunden stets zur selben Zeit ins Ausland telefonieren oder Fußball schauen.

„Aura soll lernen und den Kunden Angebote machen“, sagt Mariano de Beer, ein warmherziger Argentinier, der im Vorstand die Digitalprojekte managt. Erste Anwendungsbeispiele will Telef6nica Anfang 2018 präsentieren. „Das wird ziemlich cool“, tönt de Beer. Wie er mit Aura Geld verdienen will, bleibt sein Geheimnis.

Aus den üblichen Buzzwords sticht vor allem eine Besonderheit hervor: Die Kunden sollen künftig allein bestimmen können, was Telef6nica mit ihren Daten anfängt. Sie können entscheiden, ob ihre Bewegungsdaten anonymisiert an Dritte gehen oder ob ihre Kfz-Versicherung sie nutzen darf. Wer nie ein übles Viertel durchquert, könnte ja einen Rabatt bekommen. Und wer kündigt, dürfe seinen Datenschatz mitnehmen, verspricht de Beer. Das wäre ein Knaller, Facebooks Mark Zuckerberg soll schon um ein Gespräch gebeten haben.

Mittelfristig soll Aura auch nach Deutschland kommen. Bis dahin setzt Statthalter Haas auf Mehreinnahmen durch vernetzte Maschinen und Gegenstände („Internet der Dinge“) sowie Datendeals mit Kommunen.

Bei der kommenden Netzgeneration SG, die superschnelles Internet mit extrem geringen Latenzzeiten verbindet, bleibt er zurückhaltend. Während Telekom-Boss Tim Höttges und Vodafone-Deutschland-Chef Hannes Ametsreiter kaum eine Gelegenheit auslassen, die Segnungen einer mobil vernetzten 5GGesellschaft zu preisen, gibt Haas den Realisten: Der Standard sei noch ebenso nebulös wie ein tragfähiger Businessplan. „Das kommt erst im nächsten Jahrzehnt.“

Die Telekom will 2020 bereits die ersten 5G-Verträge verkaufen, Konkurrent Vodafone hat sich ähnliche Ziele gesetzt.

Wie sich die Zeiten ändern. Als sich der junge Markus Haas nach dem Jurastudium bei Viag Interkom bewarb, faszinierte ihn die Idee, Festnetz und Mobilfunk zu verschmelzen. Das kam damals einer Revolution gleich, die Münchener trieben die Konkurrenz vor sich her.

Diesen Spirit hätte 02 in Deutschland inzwischen wieder nötiger denn je.

WAS BEDEUTET DIE FONDS-REFORM FÜR ANLEGER UND EMITTENTEN?

Eigentlich hat Sven Tintemann alles richtig gemacht: Kurz vor Weihnachten 2008 steckte der Anwalt aus der Wetterau bei Frankfurt exakt 250 000 Euro in ein buntes Potpourri an Aktien-, Anleihen- und Mischfonds: Die Kurse waren, kurz nach der Lehman-Pleite, tief. Zudem mahnte der Start der Abgeltungsteuer Anfang 2009 zur Eile. Die sollte mit ihren pauschalen 25 Prozent auf Kapitalerträge nicht nur alles einfacher machen. Wer vor Jahresende einstieg, erhielt zudem Bestandsschutz vor der neuen Steuer.

Auf rund 420 000 Euro ist Tintemanns Portfolio seither angewachsen, weitere 35 000 Euro hat er über Ausschüttungen verdient.

Nur eines ist gründlich schiefgegangen: Einfacher wurde nichts. „Das reinste Chaos“ sei seine Steuererklärung, klagt Tintemann. Bei manchen Fonds zieht die Bank die Abgeltungsteuer automatisch ein. Bei manchen muss er die Erträge selbst in der Steuererklärung angeben. Bei wieder anderen Fonds liefern die Fondsgesellschaften nicht die nötigen Daten — und dann gibt es den Horrorfall schlechthin: Investmentfonds mit Zulassung aus dem Ausland, deren Erträge gesammelt werden. Die werden doppelt besteuert — einmal mit der jährlichen Steuererklärung und beim späteren Verkauf.

All dies soll zum 1. Januar 2018 vorbei sein: Dann greift die im vergangenen Jahr verabschiedete Investmentsteuerreform. Sie betrifft rund sieben Millionen Fondsbesitzer in Deutschland, die insgesamt knapp eine Billion Euro in Publikumsfonds investiert haben. Die Reform soll — nun aber wirklich – die Besteuerung vereinfachen, denn „das Investmentsteuerrecht ist von einer hohen Komplexität geprägt, die selbst für viele Steuerberater und Finanzbeamte nicht mehr zu überblicken ist“, wie sogar das Finanzministerium in einem Gesetzeskommentar einräumt.

Statt 33 genügen künftig vier Rechengrößen für die Bestimmung der Steuer; statt selbst herumrechnen zu müssen, führen Fondsgesellschaften und Depotbanken dann tatsächlich alle Steuern automatisch ab.

Vor allem Durchschnittsanleger profitieren von der Reform, sie zahlen künftig nicht mehr, müssen sich aber weniger um Steuerfragen kümmern. Vermögende Fondsbesitzer hingegen müssen aufpassen: Ändern sie nichts, wird es teuer — dafür wachsen ihre Spielräume. „Die Gestaltungsmöglichkeiten gerade für sehr vermögende Anleger nehmen zu. Besitzer von thesaurierenden Anleihe- und Dividendenfonds zahlen künftig mitunter sogar weniger“, sagt ein Anlegeranwalt aus Hamburg.

Große Fonds im Visier

Konkret entfällt ab Januar der komplizierte Prozess, Steuerdaten von Fonds in der Steuererklärung angeben oder zu viel gezahlter Quellensteuer im Ausland nachlaufen zu müssen. Stattdessen zahlt ein Anleger künftig automatisch schlicht die Abgeltungsteuer auf Ausschüttungen und Gewinne – und das unabhängig vom Kaufzeitpunkt. Behält ein Fonds Zinsen, Dividenden und Veräußerungsgewinne und legt sie wieder an — sogenannte thesaurierende Fonds , verlangt der Fiskus eine Vorabpauschale auf die beim Verkauf fällige Abgeltungsteuer, die sich an den in einem Jahr aufgelaufenen Wertzuwächsen bemisst. Im Gegenzug gewährt er allerdings Teilfreistellungen, um das Versprechen zu halten, die Steuern nicht zu erhöhen. „Für Privatanleger steigt die Steuerbelastung unter dem Strich nicht“, urteilt der Fondsverband BVI.

Das dürfte auch der Grund sein, weshalb die Reform relativ leise über die Bühne ging – weniger Arbeit bei gleicher Steuerlast klingt attraktiv. Für einige wenige wird es aber deutlich teurer: etwa Anleger wie Jürgen Vollmann. Denn vom einst gewährten Bestandsschutz für vor 2009 erworbene Fondsanteile ist jetzt keine Rede mehr. Für alle Gewinne, die ab dem 1. Januar 2018 anfallen, will der Fiskus unabhängig vom Kaufzeitpunkt seine Abgeltungsteuer zuzüglich Solidarzuschlag sehen — plus eventuell Kirchensteuer.

Immerhin: Für künftige Gewinne aus den vor 2009 gekauften Fondsanteilen gewährt Berlin einen Freibetrag von 100 000 Euro pro Person. Und: „Der Wegfall des Bestandsschutzes ist kein Grund, vor 2018 zu verkaufen“, mahnt der BVI. Denn für die Berechnung der Steuer gelten erst die ab 1. Januar auflaufenden Gewinne auf Altbestände von vor 2009.

Das Ministerium erklärt seinen Wortbruch damit, man habe ein Steuerschlupfloch schließen wollen: „Die Rücknahme des unbegrenzten Bestandsschutzes für vor dem 1. Januar 2009 erworbene Investmentanteile ist erforderlich, da er für Steuergestaltungen ausgenutzt wurde.“ Vermögende Anleger hätten Wertpapierdepots in „Millionärsfonds“ angelegt, um die Abgeltungsteuer dauerhaft zu umgehen. So boten Banken in Luxemburg bis Ende 2008 Spezialfonds an, mit denen weder Kurs- noch Verkaufsgewinne versteuert werden mussten. Aber sicher nicht nur deshalb haben sich die Einnahmen aus der Steuer von knapp 13 Mrd. Euro im Jahr 2009 auf zuletzt weniger als 6 Mrd. Euro mehr als halbiert – die Null-Zinsen dürften ebenfalls ihren Anteil daran haben.

Emittenten vs. Staat

Das soll sich ändern. Kein Wunder, dass bei vielen Vermögenden und deren Beratern Hektik ausgebrochen ist. Denn nun beginnt wieder das altbekannte Hase-und-lgel-Spiel: Im Stillen loten Banken und Steuerexperten Gestaltungsoptionen aus – denen der Fiskus mit Anwendungsrundschreiben und Nachbesserungen einen Riegel vorschiebt.

Freibetrag: Die Lasten durch den Wegfall des Bestandsschutzes für vor 2009 erworbene Fondsanteile werden durch den Freibetrag von 100 000 Euro zwar gemildert. Doch auch diese Summe wird etwa von Selbstständigen, bei denen Investmentfonds den Sockel der privaten Altersvorsorge bilden, rasch erreicht. Schreibt man etwa die Durchschnittsrendite des Dax der letzten 50 Jahre für die Zukunft fort, rutschen Privatanleger mit einem vor 2009 erworbenen Fondsdepot von aktuell 50 000 Euro in knapp 15 Jahren in die Steuerpflicht. Weil aber der Freibetrag pro Person und nicht etwa pro Haushalt gilt, sollten Anleger das Vorziehen von Erbschaften durch Schenkungen innerhalb der Familie, etwa auf Ehepartner und Kinder, prüfen. Für derlei Schenkungen gelten mittlere sechsstellige Freibeträge. Viele Anleger kennen dieses Vorgehen aus der Hochzinsphase, als Sparerfreibeträge in der Familie verteilt wurden – damals wie heute ein schmaler Grat zwischen Steueroptimierung und Gestaltungsmissbrauch.

Aktienanteil: Weil der Fiskus künftig auf Fondsebene eine Körperschaftsteuer von 15 Prozent auf bestimmte Erträge deutscher Fonds einführt, erhalten Anleger im Gegenzug eine sogenannte Teilfreistellung auflaufender Gewinne. Das erledigen die Depotbanken automatisch. Die Höhe dieser Teilfreistellung hängt aber wesentlich von der Aktienquote eines Fonds ab: Ein reiner Aktienfonds erhält eine Teilfreistellung von 30 Prozent der Gewinne, ein Mischfonds eine von 15 Prozent, sofern er wenigstens 25 Prozent seines Vermögens in Aktien hält. Die Folge: „Das Fondsuniversum wird erheblich wachsen“, sagt ein Brancheninsider. Die Fondsanbieter wollen schließlich „steueroptimierte“ Lösungen anbieten, das verkauft sich immer gut. Erreichen lässt sich das, indem man die Aktienquoten für eine möglichst hohe Teilfreistellung anpasst. Daher sollten Anleger die Investitionen ihres Fonds in den kommenden Monaten kritisch prüfen, ihr Fonds könnte sich nämlich vom ursprünglichen Risikoprofil verabschieden. „Im Hinblick auf die Investmentsteuerreform haben wir intern bereits Mindestaktienquoten für verschiedene Investmentfonds festgelegt“, heißt es etwa beim Kölner Vermögensverwalter Flossbach von Storch. So wird einer der größten Fonds des Hauses, der FvS Multiple Opportunities mit rund 12 Mrd. Euro Volumen, künftig laut Prospekt in jeder Marktlage eine Aktienquote von mindestens 25 Prozent halten. Bislang konnte sie auch null Prozent betragen, wenn die Verwalter extrem pessimistisch waren.

Immobilienfonds: Für viele Anleger sind Immobilien eine stabilisierende Säule im Portfolio – für deren Kauf es bislang auch steuerliche Argumente gab: Die Fonds konnten Gewinne aus der Veräußerung deutscher Immobilien nach zehn Jahren steuerfrei ausschütten. Insgesamt ist rund ein Drittel der knapp 90 Mrd. Euro aus offenen Immobilienfonds in deutsche Liegenschaften investiert. Dieses Steuerprivileg fällt ab 2018 weg. Die Teilfreistellung von Gewinnen schafft zwar hier einen Ausgleich. Dennoch sind Direktanlagen in Immobilien und Fonds nicht länger gleichgestellt, weshalb Anleger ihre Nachsteuerrenditen kritisch prüfen sollten.

Schrottfonds: Viele Investoren haben sich im „Schlussverkauf“ des Jahres 2008 aus steuerlichen Gründen sogenannte vermögensverwaltende Fonds oder flexible Mischfonds andrehen lassen. Das typische Verkaufsargument damals lautete: Wer 2008 noch kauft, genießt dauerhaft Bestandsschutz vor der Abgeltungsteuer. Also möge der Anleger doch sein Geld in eine „Universallösung“ packen. Diese Entscheidung erwies sich meist als fatal: Nicht nur, dass europaweit allein 2008 bis 2013 rund 680 flexible Mischfonds mangels Leistung wieder verschwanden. Langfristig eine überzeugende Wertentwicklung gegenüber einer einfachen Mischung aus Aktien- und Anleihe-Indexfonds testiert die Ratingagentur Morningstar nicht mal zehn Prozent aller Mischfonds. Die Steuerfreiheit war da ein wichtiges Argument, an Fonds mit stark unterdurchschnittlicher Wertentwicklung festzuhalten. Dieses Argument fällt nun weg: Anleger können schlecht laufende Fonds ohne Reue aus den Depots werfen, da sie zum 1. Januar steuerlich als neu angeschafft gelten, egal ob sie gut oder schlecht liefen.

Steuerstundung: Vordergründig werden zwar verschiedene Fondsgattungen künftig gleich behandelt, unabhängig davon, ob sie Zinsen, Dividenden und Veräußerungsgewinne ausschütten oder ansammeln. Das ist laut Experten wegen der komplizierten Berechnung bei thesaurierenden Fonds aber nur die halbe Wahrheit. Bei ihnen erhebt der Fiskus, sofern eine Wertsteigerung erzielt wurde, jährlich eine Vorabpauschale, die — was erst jeweils am Jahresende feststeht — höher oder niedriger als die tatsächlich erzielte Rendite ausfallen kann und sich an der Höhe des Basiszinses (aktuell 1,1 Prozent) bemisst. „Fällt die tatsächliche Rendite höher aus als die Vorabpauschale, kommt es bei thesaurierenden Fonds zu einem Steuerstundungseffekt bis zur Veräußerung der Anteile. Der Anleger muss jedoch seiner Bank die Mittel für den Kapitalertragsteuer einbehalt auf die jährliche Vorabpauschale zur Verfügung stellen“, sagt der Hamburger Anlegeranwalt.

Das ist ein guter Grund für Optimisten, bei ansonsten identischen Fondsmerkmalen zur thesaurierenden Variante zu greifen, zumal die Fondsanbieter in der Regel beide Varianten – ausschüttend und thesaurierend – zu ansonsten identischen Konditionen und Verwaltungsprinzipien anbieten. Ob der Stundungseffekt aber Bestand hat, ist ungewiss.

Denn von der Linken bis zu Minister Wolfgang Schäuble würden die meisten am liebsten die Abgeltungsteuer nach der Bundestagswahl reformieren. Dann würde auf Kapitalerträge wie früher der persönliche Einkommensteuersatz fällig.

GREEN CITY ENERGY AG: WER EINMAL LÜGT, DEM GLAUBT MAN NICHT

Green City Energy AG steht in der Kritik und das zu Recht, ist die Meinung der Redaktion fraudanwalt.com. Das Thema ist nicht neu in der Finanzbranche:  Um Geld einzusammeln, lässt mancher schon mal Fünfe gerade sein. Und gibt vor, aus einer Mücke keinen Elefanten machen zu wollen, und dann im Verkaufsgespräch unterläßt, dem Kunden ein Investment von A-Z genauestens zu erklären, und ein so unschönes Wort wie Total-Verlust gar nicht erst in den Mund zu nehmen.

Allerdings sieht die Wahrheit bei den als sicherheitsorientiert bezeichneten Nachrangdarlehen etwas anders aus: Wenn’s um die Wurst geht, bzw. ums liebe Geld, wird der Anleger nachrangig behandelt, d.h. alle anderen Forderungen werden befriedigt, bevor der Anleger noch einen Krümel vom Kuchen bekommt.

Der neueste Coup der Firma, eine „Bürger-Aktie“ – im September 2016 auszugeben, sollte bei jedem Interessenten einen schalen Geschmack auf der Zunge hinterlassen. Erinnern wir uns nur an die „Volks-Aktie“ der Telekom vor gut 20 Jahren. Die hat Tausenden Investoren viel Leid und Tränen eingehandelt, als sie plötzlich den Rückwärtsgang einlegte, obwohl sie vorher als „Unverlierbar“ eingestuft worden war. Und dabei handelt es sich um einen Dax-Wert, ein Milliardenunternehmen.

Green City Energy AG dagegen ist eine Zusammenstellung von Öko-Typen, die als moderne Weltverbesserer trotzdem einen geschärften Blick für den schnöden Mammon entwickelt haben, und sogar so dreist sind, den „Alternativen Gedanken“ in den Vordergrund zu stellen und dabei die Grundrisiken rhetorisch gekonnt in den Hintergrund zu stellen.

Der Anteilseigner wird beim Aktienerwerb  somit Mitbesitzer der Firma, trägt also auch das volle unternehmerische Risiko. Bis hin zum…  Sie wissen schon: Totalverlust. Korrekt ist das nicht, und dafür hagelt es dann Kritiken.

Übrigens bevor wir jetzt die Geschäftstüchtigkeit des Vorstands vergessen, sei gefragt, wie sieht es eigentlich mit den hohen Verlusten in Höhe von satten 5,8 Mio. Euro aus, die das Unternehmen bis Ende 2014 angesammelt hat? Konnten die getilgt werden, oder sind Weitere dazu gekommen? Das wird die 2016er Bilanz demnächst zeigen. Immerhin hat das Öko-Unternehmen noch Verbindlichkeiten bis 2023 und 2033 bei seinen Anlegern. Das ist ein verdammt langer Zeitraum, in dem niemand weiß, ob das Unternehmen bis dahin überhaupt noch geschäftstüchtig ist. Bei einem DAX-Unternehmen sollte man sich da keine Sorgen machen, bei einem kleinen Mittelständler wie Green City Energy AG allerdings schon.