BAUFINANZIERUNG GILT UNTER MAKLERN ALS VERKAUFSSCHLAGER

Die Zahlen der Commerzbank sind symptomatisch: Bis zum Jahr 2020 will die Großbank ihr Neugeschäft mit privaten Immobilienfinanzierungen um 40 Prozent steigern. Auf 17 Milliarden Euro würde sich die Neukreditsumme des Instituts dann belaufen, nachdem im vergangenen Jahr 12 Milliarden zu Buche standen und für das laufende mit 14 Milliarden Euro gerechnet wird. „Wir gehen davon aus, dass der Markt für Immobilienfinanzierung kontinuierlich weiter wachsen wird“, ließ sich Privatkunden-Vorstand Michael Mandel in der „Welt“ zitieren. Ein anderes Beispiel: Die höchsten Provisionserlöse unter den deutschen Spezialvertrieben wurden 2016 nicht im Segment Immobilien und nicht mit Versicherungen oder Sachwerten erwirtschaftet, sondern mit Baufinanzierungen. Gleich die ersten beiden Plätze sicherten sich die Platzhirsche unter den Immobilienkreditvermittlern, Interhyp und Postbank Finanzberatung. Erst auf Rang drei folgt mit Planet-Home ein Immobilienmakler.

Der Markt für Baufinanzierungen läuft, wie diese Beispiele zeigen, auf Hochtouren. Dafür sind vor allem zwei Gründe ausschlaggebend: Zum einen erleben wir in puncto Hypothekenzinsen historische Zeiten, von denen wir unseren Enkeln  noch mit Tränen in den Augen erzählen werden. Im Oktober 2016 kratzte die Zinskurve bei zehnjähriger Bindung an der 1-Prozent-Marke, übers Jahr blieb der effektive Durchschnittszins ebenso deutlich unter 2 Prozent wie 2017. Ab hier kann und wird es nur noch aufwärtsgehen, und das wissen Invegeht. Aus diesem Nachfrageüberhang resultieren die satten Preisanstiege, die seit Jahren zu den Standard-Wirtschaftsnachrichten gehören. Minizins, viele Käufer, hohe Kreditsummen, das sind die Treiber für den Bullenmarkt der Baufinanzierung. Im letzten Jahr summierte sich das Baufi-Neugeschäft in Deutschland auf über 209 Milliarden Euro.

Bis zum 21. März dieses Jahres konnte man sogar noch ohne spezifische Qualifikation in diesem Markt vermitteln. Zu dem Stichtag hat der Gesetzgeber die Zügel mit der Wohnimmobilienkreditrichtlinie (WIKR) angezogen, für Kreditnehmer wie für Berater. Während die Kreditvergabe an schärfere Solvenzbedingungen geknüpft wird, brauchen Immobiliardarlehensvermittler nun eine Lizenz zum Beraten.

Deren Voraussetzungen sind in Paragraf 34i der GewerbeOrdnung (GewO) festgeschrieben: Zuverlässigkeit,  geordnete Vermögensverhältnisse, Berufshaftpflichtpolice und Sachkunde. Wer keine 34i-Erlaubnis vorweisen kann, dem bleibt nur noch das Tippgebermodell, bei dem angehende Immobilienkäufer gegen eine kleine Provision an einen 34iVermittler vermittelt werden. Auch mehr als nichts, aber doch kein Vergleich zur „echten“ Finanzierungsvermittlung. Die Erwartungen hinsichtlich der Zahl der lizensierten Vermittler wurden denn auch bereits weit übertroffen: Mit rund 25.000 hatte man zum 21. März gerechnet, im Register des DIHK standen am 1. April knapp 45.000. Bis Anfang Juli hat sich diese Zahl zuzüglich der Honorarvermitt1er der 50.000ef-Marke stark angenähert. Baufi ist in.

Dass die erforderliche Sachkunde nun nachgewiesen werden muss, wird der Thematik nur gerecht. Denn Baufinanzierungsberatung bedeutet mehr, als „nur“ Geld zu günstigen Zinsen zu organisieren — und schon dies ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Doch zunächst gilt es zu klären, welche Kreditsumme der Kunde sich langfristig überhaupt leisten kann, welche Ratenhöhe ihn auch in ungünstigen Zukunftsszenarien nicht überfordert, wie viel für ein avisiertes Objekt am Ende mit Nebenkosten unterm Strich benötigt wird und einiges mehr. Auch infrage kommende Förderungen sollten bekannt sein und zur Sprache kommen. Nicht wenige Makler unterstützen Interessenten zudem schon bei der Auswahl und Bewertung des Wunschobjekts. Es braucht also Know-how, um fundiert Immobilienfinanzierungen vermitteln zu können.

Dass bei Weitem nicht alle Berater es mitbringen oder einsetzen, zeigte kürzlich ein Test der Zeitschrift „Finanztest“. 21 Banken und Kreditvermittler wurden zu einem Standardfall jeweils mehrfach in verschiedenen Filialen um Beratung und Angebote gebeten. Nicht nur unterschieden sich die Zinsen um bis zu 0,5 Prozent pro Jahr, was summa summarum schnell einen fünfstelligen Betrag ausmachen kann. Überdies wurde auch die Ratenhöhe in jedem vierten Tilgungsplan zu hoch angesetzt. Hinzu kamen noch Defizite in der Festsetzung der Kreditsumme und der Information der Kunden. Am Ende erhielten nur fünf Anbieter ein „gut“ keiner ein „sehr gut“. Zwei Institute, die Sparda-West und die Sparkasse Köln-Bonn, wurden sogar mit einem „mangelhaft“ abgestraft. Nun ist bekannt, dass die Prüfkriterien von Verbraucherschützern nicht über jeden Zweifel erhaben sein müssen. Doch dass in der Baufinanzierungsberatung an manchen Stellen einiges im Argen liegt, dürfte unzweifelhaft sein. Problematisch wird es vor allem dann, wenn ein Anbieter — eine Bank — seine eigene Finanzierung an den Mann oder die Frau bringen will, ohne einen echten Vergleich zuzulassen.

Umso mehr können sich Finanzprofis mit unabhängiger Vermittlung und kundenorientiertem Service als Positivbeispiele etablieren. Wer als Allfinanzmakler eine gute Finanzierung vermittelt, hat gute Chancen, vom zufriedenen Kunden auch in anderen Bereichen zurate gezogen zu werden — von den immobiliennahen Versicherungen über die Altersvorsorge bis hin zur biometrischen Absicherung. Und das häufig für ganze Familien und über Jahrzehnte, denn Immobilienkäufer (für den Eigenbedarf) sind im Schnitt um die 40 Jahre alt.

Kreditbedarf hängt von der Region ab

Die Baufinanzierungsvermittlung ist aber nicht nur und nicht in erster Linie als Türöffner fürs Cross-Selling interessant. Auch die Provisionen selbst rechtfertigen den Beratungsaufwand. Für deren Höhe gibt es verschiedene Angebotsmodelle von Finanzhäusern. Zudem hängt es stark vom Standort ab, wie viel Provision eine Vermittlung — in absoluten Zahlen — durchschnittlich einbringt. Denn die Lage hat großen Einfluss auf die Immobilienpreise und damit auch auf die erforderliche Kreditsumme. Zwar verdienen die Bewohner teurer Städte wie München in der Regel auch mehr und können so mehr Eigenkapital ansammeln, doch am Ende müssen sie dennoch mehr als in anderen Städten fremdfinanzieren. Konkret: rund 420.000 Euro im Durchschnitt. Leipziger dagegen nehmen im Schnitt knapp 226.000 Euro auf. Deutschlandweit benötigen Immobilienkäufer jeweils 243.000 Euro, während Häuslebauer 320.000 Euro in Anspruch nehmen.

Eklatant werden die Unterschiede zwischen hoch- und niedrigpreisigen Regionen, wenn man die Kaufpreise in Relation zum Jahresdurchschnittseinkommen setzt. Konkret: zum Gesamtnettoeinkommen einer Region geteilt durch die Anzahl aller ihrer Bewohner. Die durchaus gut verdienenden Münchener müssen für eine 100-Quadratmeter-Wohnung im Schnitt 21 Jahreseinkommen hinlegen; nur für die Nordfriesen stellt eine solche Immobilie einen noch größeren Luxus dar: 23,3 Jahreseinkommen. Teuer sind auch Freiburg (18,1), Miesbach (17,6), Hamburg (15,9) und Berlin (15,8). Geradezu traumhaft erscheinen dagegen die Bedingungen in den Landkreisen Kyffhäuserkreis, Wunsiedel und Vogtlandkreis, wo kaum mehr als drei Jahresdurchschnittseinkommen für eine solche Wohnung aufgerufen werden. Da sich die Preisentwicklung in zahlreichen Städten von der Einkommensentwicklung abgekoppelt hat, sind auch die erforderlichen Kreditsummen gestiegen. Die niedrigen Zinsen führen indes dazu, dass die Erschwinglichkeit darunter nicht unbedingt leiden muss. Zumindest in den letzten beiden Jahren bewegt sich der entsprechende Index der Deutsche Bank Research seitwärts — im letzten Jahrzehnt ist er allerdings um mehr als die Hälfte gefallen.

Zinsewende bereits im Gang?

Relation zum Jahresdurchschnittseinkommen setzt. Konkret: zum Gesamtnettoeinkommen einer Region geteilt durch die Anzahl aller ihrer Bewohner. Die durchaus gut verdienenden Münchener müssen für eine 100-Quadratmeter-Wohnung im Schnitt 21 Jahreseinkommen hinlegen; nur für die Nordfriesen stellt eine solche Immobilie einen noch größeren Luxus dar: 23,3 Jahreseinkommen. Teuer sind auch Freiburg (18,1), Miesbach (17,6), Hamburg (15,9) und Berlin (15,8). Geradezu traumhaft erscheinen dagegen die Bedingungen in den Landkreisen Kyffhäuserkreis, Wunsiedel und Vogtlandkreis, wo kaum mehr als drei Jahresdurchschnittseinkommen für eine solche Wohnung aufgerufen werden. Da sich die Preisentwicklung in zahlreichen Städten von der Einkommensentwicklung abgekoppelt hat, sind auch die erforderlichen Kreditsummen gestiegen. Die niedrigen Zinsen führen indes dazu, dass die Erschwinglichkeit darunter nicht unbedingt leiden muss. Zumindest in den letzten beiden Jahren bewegt sich der entsprechende Index der Deutsche Bank Research seitwärts — im letzten Jahrzehnt ist er allerdings um mehr als die Hälfte gefallen.

Dass die goldenen Hypothekenzinszeiten nicht ewig anhalten werden, sagt nicht nur der gesunde Menschenverstand, sondern auch Mario Draghi. Wie man es gewohnt ist, nicht expressis verbis, sondern hintenrum: „Die Gefahr einer Deflation ist vorüber“, ließ der EZB-Präsident am 27. Juni verlauten. Das heißt nichts anderes, als dass der Hauptgrund für die quantitative Lockerung entfallen ist. In absehbarer Zeit wird die EZB auf den Pfad ihres US-amerikanischen Pendants einschwenken und die Zinsen wieder zaghaft erhöhen. Das kann zwar noch dauern, wie Draghi in seiner verklausulierten Art andeutete, als er „Ausdauer“ in der Geldpolitik für wichtig erklärte. Doch die Hypothekenzinssätze schnellten nach seiner Äußerung bereits in der Breite nach oben, um bis zu 0,2 Prozent. Auch wenn nicht ausgeschlossen ist, dass sie noch einmal nach unten nachgeben — mittelfristig werden sie unweigerlich steigen. Es gilt also für Kaufinteressenten wie auch für Kreditnehmer mit bald ablaufender Zinsbindung, sich möglichst zügig die günstigen Konditionen zu sichern. Am besten gelingt das Mit fachkundiger und unabhängiger Beratung. Kunden, die auf eigene Faust im Internet vergleichen und abschließen, machen selten den besten Fang; schon allein, weil viele einschlägige Vergleichsportale gar nicht so umfassend und neutral den ganzen Markt abdecken, wie sie den Anschein erwecken. Noch mehr aber, weil viele individuelle Faktoren und Kennzahlen zu berücksichtigen sind, die ein Laie in der Regel nicht allesamt auf dem Schirm hat. Hinzu kommen Abwägungsentscheidungen wie: Ist ein Zinsvorteil von 0,3 Prozent den Verzicht auf die Option der Tilgungsänderung wert? Welchen Aufschlag kann man für eine längere Zinsfestschreibung akzeptieren?

Im resultierenden Beratungsbedarf liegen jede Menge Chancen für freie Finanzmakler, ob sie nun — wie die Mehrheit— mit der Baufi-Abteilung eines Pools, mit einem Finanzierungsvermittler, einer Bank oder Bausparkasse kooperieren.

KANN MAN ISLAMIC BANKING TRAUEN? ETHISCHER ALS WESTLICHE BANKEN?

Die Finanzkrise hat das Bewusstsein der Menschen für wertebasierte Geschäftsmodelle geschärft. Die Öffentlichkeit fordert, dass Banken sich im Zuge dessen ihrer volkswirtschaftlichen und sozialen Verantwortung bewusst sind. Islamkonform arbeitende Banken kommen einem wichtigen Bedarf der Menschen nach. Islamic Banking zeigt auf, dass Profit und Ethik miteinander vereinbar sind und ist Teil des „Socially Responsible Investment“-Bereichs. Der Fokus liegt auf nachhaltigem, integrem und verantwortungsbewusstem Investieren. Alle Produkte und Dienstleistungen sind auf den Grundsätzen des islamischen Wertekanons aufgebaut. Gleichzeitig entsprechen sie den allgemeingültigen ethischen Prinzipien, was das Angebot einer islamischen Bank prinzipiell für jeden wertebewussten Menschen attraktiv macht.

Im islamischen Wirtschaftsrecht haben die Herstellung von Gerechtigkeit und das Wohlergehen der Gesellschaft oberste Priorität. Der Markt symbolisiert im Islam seit Anbeginn die menschliche Freiheit und Solidarität, gepaart mit wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Verantwortung. Die moralische Forderung an die Marktteilnehmer verlangt seit jeher Nachsicht, Gutmütigkeit und Gottesfurcht. Auf diesen Grundsätzen basiert das islamische Bankwesen. Die erste zinslos arbeitende Bank wurde im Jahr 1963 eingeführt in Mit-Ghamr in Ägypten nach dem Modell der deutschen Sparkassen gegründet.

Mit der Eröffnung des ersten islamischen Finanzinstituts im Euroraum werden erstmals die speziellen Finanzierungsbedürfnisse der Millionen Muslime berücksichtigt. Für Herausforderungen wie beispielsweise den Kfz-Kauf und die islamische Immobilienfinanzierung hat die erste islamische Bank im Euroraum Regularien erarbeitet, die konform mit der deutschen Gesetzgebung gehen und von den deutschen Behörden anerkannt wurden. Islamic Banking bedeutet für das Aktivgeschäft, dass die islamische Bank den Finanzierungswunsch des Kunden entweder als Handel oder als Beteiligung strukturiert.

Da es im Islamic Banking im Unterschied zum konventionellen, westlichen Bankwesen verboten ist, Geld gegen Zins zu verleihen, liegt der Fokus islamischer Banken auf der Realwirtschaft. Eine islamische Bank finanziert beispielsweise keine Urlaubsreisen oder einen aufwendigen Lebenswandel. Einfach das Konto überziehen gibt es bei einer islamischen Bank nicht. Zudem müssen alle Zahlungsströme zwingend mit Realgütern unterlegt werden. So wird sichergestellt, dass die volkswirtschaftliChen Ersparnisse in den Realsektor kanalisiert werden.

Das Zinsverbot ist im Islamic Banking als der prägnanteste Unterschied zu herkömmlichen Bankgeschäften bekannt. Ohne Zinsen zu arbeiten bedeutet für eine islamische Bank dennoch nicht, dass Kredite zum Nulltarif vergeben werden. Der Handel  zum Erhalt eines angemessenen Gewinnaufschlags ist im Islam erlaubt und wird an vielen Stellen sogar gefördert. Aus Sicht des Kunden wird dabei nicht allzu selten die Frage gestellt, worin der Unterschied zum konventionellen Bankwesen besteht – schließlich zahlt der Kunde sowohl im islamischen als auch beim herkömmlichen Bankwesen einen Aufpreis auf die tatsächlich erhaltene Kreditsumme. Der Anspruch einer Bank, islamisch zu sein und die Bezeichnung des Erlöses als Profit, kommen an dieser Stelle oft etwas zu kurz und reichen selbst für viele Muslime als alleinige Unterscheidungsmerkmale meist nicht aus. Daher besteht aktuell ein großer Bedarf daran, dass die relevanten Hintergründe und Zusammenhänge des islamischen Bankwesens ausreichend in den Mittelpunkt der Debatten gerückt werden, um die wahre Nachhaltigkeit und die vorhandenen Vorzüge des Islamic Bankings sowohl für den einzelnen Kunden als auch für die gesamte Volkswirtschaft erkennbar zu machen. Für das Zinsverbot gibt es, ähnlich wie bei dem Verbot des Alkoholkonsums, sowohl direkte moralische Argumente als auch volkswirtschaftliche Gründe, die aufgrund ihrer schädlichen Auswirkung auf die Gesellschaft zugleich auch ethische Werte involvieren. Das Verlangen von unverhältnismäßig hohen Wucherzinsen für den Verleih von Geld an jemand Bedürftigen ist direkt als unmoralisches Verhalten anzusehen. Der Erhalt eines angemessenen „marktüblichen“ Zinses jedoch, für den Verzicht auf die Verfügbarkeit über das eigene Geld für eine bestimmte Zeit, erscheint im konventionellen Banking zunächst völlig legitim und auch moralisch vertretbar.

Hier stellt sich nun die Frage, wieso im islamischen Wertekanon ein absolutes Zinsverbot vorgegeben ist. Beispielsweise heißt es im Koran im dritten Satz des 275. Verses im zweiten Kapitel, „…Allah hat den Handel/ den An- und Verkauf erlaubt und den Zins untersagt.“ Was also ist der Unterschied zwischen dem Gewinnaufschlag beim Handel und dem Verlangen von Zinsen auf den Verleih von Geld? Geld hat im Wesentlichen drei Funktionen – es wird als Tausch- und Zahlungsmittel eingesetzt, gilt als Recheneinheit, beziehungsweise als Wertmaßstab und als Wertaufbewahrungsmittel. Wird nun aufgrund des Verzichts auf die Verfügbarkeit über das eigene Geld für eine bestimmte Zeit eine Leihgebühr durch den Zins verlangt, wird das Geld faktisch selbst zum Handels- beziehungsweise Mietgegenstand gemacht. Zudem verzerrt der Zins die Ermittlung der Geldmenge innerhalb der Wirtschaft. Die ausgewiesene Geldmenge ist nicht mehr die gleiche Summe der sich im Wirtschaftskreislauf befindlichen Waren und Dienstleistungen. Frühe islamische Wirtschaftswissenschaftler und Philosophen definierten aufgrund dieser Eigenschaft des Geldes selbiges als „Spiegel“, der den realen Gesamtwert einer Wirtschaft wiedergibt. Wird diese Eigenschaft verzerrt, verliert das Geld an seinen Funktionen als Recheneinheit, Wertmaßstab und Wertaufbewahrungsmittel. Zins kann damit als Zuwiderhandlung gegen die Natur des Geldes klassifiziert werden.

Überwiegend britische Philosophen und Ökonomen wie Sir William Petty im 17. Jahrhundert, Adam Smith im 18. Jahrhundert, David Ricardo im 19. Jahrhundert und schließlich John Maynard Keynes im 20. Jahrhundert,schufen durch ihre historisch bedeutsamen Theorien und Modelle das Grundlagenregelwerk des heutigen Kapitalismus. Auch wenn hin und wieder Theorien wie die sogenannte „unsichtbare Hand“ zur Erklärung der Selbstregulierung der Märkte moralphilosophisch von Adam Smith aufgeworfen wurden, entwickelten jene Wissenschaftler allesamt Theorien und Modelle ohne den Faktor „Gottheit“. Die Theorien dieser westlichen Ökonomen besagen, dass es dem Menschen, dem „Homo Oeconomicus“ obliegt, bei vorliegender Ressourcenknappheit zu versuchen, seinen Nutzen zu maximieren.

Das islamische Wirtschaftssystem hingegen setzt einen Schöpfer aller Menschen und aller Ressourcen voraus, der zudem in Kapitel 35 Vers 20 Satz eins des heiligen Buches der Muslime, des Korans, besagt, dass alles auf Himmel und Erden – und somit auch die Gesamtheit aller Ressourcen – zu Diensten der Menschheit erschaffen und unter den Menschen verteilt worden ist, diese Ressourcen jedoch, wie beispielsweise Bodenschätze, Rohstoffe oder Arbeitskraft und auch Wissen, nicht zu gleichen Anteilen unter den Menschen verteilt werden. Zum einen besteht eine Unterscheidung darin, wer wovon bekommt. Diese Unterscheidung ermöglicht und macht notwendig, dass Menschen, Völker oder Nationen untereinander Handel betreiben.

Zum anderen besitzen nicht alle Menschen im gleichen Maße Ressourcen. In diesem Zusammenhang wird an vielen Stellen im Koran erwähnt, dass diejenigen, die mehr an Reichtum besitzen, eine Verantwortung und Abgabeverpflichtung gegenüber Armeren haben und dass der Besitz von Reichtum eine Prüfung darstellt, in welcher der Mensch die Bereitschaft zum Teilen der Ressourcen unter Beweis stellen muss. Somit liegt einer der größten Unterschiede des islamischen Wirtschaftssystems gegenüber dem konventionellen darin, dass die gerechtere Umverteilung der vorhandenen Ressourcen anstelle der im Kapitalismus angenommenen Ressourcenknappheit eine zentrale Rolle einnimmt. Eine derartig grundlegend unterschiedliche Herangehensweise wirkt selbstverständlich unter anderem einem der größten ökonomischen Probleme unserer Zeit entgegen dem gesellschaftlichen Ungleichgewicht.

Aufgrund des erhöhten Stellenwerts der Notwendigkeit einer gerechteren Vermögensumverteilung sieht das islamische Wirtschaftssystem neben dem Privatsektor und dem Fiskus eine weitere dritte Instanz vor. Dieser gewissermaßen autonome „Sektor“ übernimmt wichtige

Rechte und Pflichten aus dem Sozialbereich des Staates, um ein ausgewogeneres soziales Gleichgewicht in der Gesellschaft anzustreben. Dieser Sektor übernimmt beispielsweise die Regulierung des „Zakat“, einer jährlichen Vermögenssteuer und die Abwicklung von „Qard Hassan“-Transaktionen, der einfachsten Form von Geldverleih auf bestimmte Zeit ohne jeglichen Aufschlag auf die verliehenen Finanzmittel.

Die Ergänzung des Wirtschaftssystems um eine dritte, unabhängige Autonomie auf makroökonomischer Ebene, welche als Wohlfahrtssektor ein gesundes soziales Gleichgewicht anstrebt, ermöglicht eine effektivere Bekämpfung von Armut und einer übergroßen Ungleichheit zwischen den Superreichen und den Bedürftigen.

Die KT Bank AG mit Hauptsitz in Frankfurt am Main hat das islamische Bankmodell als Pionier in Deutschland eingeführt und mit den Behörden abgestimmt. Die KT Bank arbeitet auch in Deutschland auf Basis der mikroökonomischen Grundzüge des islamischen Wirtschaftssystems und handelt nach den beschriebenen Geboten und Verboten. Neben sozialer Verantwortung ist die Bank selbstverständlich auch um das Erwirtschaften von Erträgen bemüht. Hierbei werden jedoch, wie bereits erläutert, keine Zinsen festgelegt, sondern ein gewisser Profit zum Gegenstand des Geschäftes gemacht. Wie arbeitet eine islamkonforme Bank konkret in Deutschland?

Sie ermöglicht ihren Kunden den Erwerb von Wirtschaftsgütern und Dienstleistungen. Neues Mobiliar oder ein neues Kraftfahrzeug können beispielsweise Gegenstand eines Kredites sein. Die Finanzierung von Wirtschaftsgütern und Dienstleistungen entsprechend der bereits beschriebenen islamischen Negativliste ist ausgeschlossen. Zur islamkonformen Abwicklung des Geschäftes werden die Zinsen vermieden. Eine Bank agiert an dieser Stelle wie ein Händler und kauft das Wunschobjekt für den Kunden zunächst selbst ein, um es dem Kunden anschließend gegen einen angemessenen Gewinnaufschlag weiterzuverkaufen. Die neue Kaufsumme ist die ursprüngliche Kaufsumme plus Gewinnaufschlag und wird vom Kunden in vorher vereinbarten festen Raten abgezahlt.

Die islamkonforme Bank verspricht ihren Kunden keinen festen Zinssatz für ihre Einlagen. Vielmehr basiert diese Form der Geldanlage auf dem Prinzip der Erfolgsbeteiligung, wobei Bank und Kunde gemeinsam investieren und gemeinsam profitieren. So legt der Kunde Geld bei der islamischen Bank an, das diese wiederum in islamkonforme Bereiche der Realwirtschaft investiert. Der daraus erzielte Gewinn wird entsprechend eines vorher vereinbarten Verteilungsschlüssels aufgeteilt. Die tatsächliche Gewinnbeteiligung des Kunden hängt dabei maßgeblich von der Laufzeit und der Höhe der angelegten Summe ab.

Jedoch werden nicht alle Geschäftsfelder im islamischen Bankwesen anders abgewickelt als bei einer konventionellen Bank. Der Bedarf an alternativen Vorgehensweisen und Ansätzen besteht tatsächlich lediglich an Stellen, an denen das konventionelle Banking und das Islamic Banking differieren. Beispielsweise beschränken derzeit geltende, steuerrechtliche Vorgaben den Handlungsspielraum. Trotz derartiger Herausforderungen sind auch zahlreiche Sachgebiete existent, bei denen keine unterschiedliche Handhabung erforderlich ist.

Islamic Banking ist im Allgemeinen nun nicht nur auf die Tatsache des Zinsverbotes im Islam zu reduzieren und nach dem potenziellen Profit zu beurteilen, sondern als wichtiger Bestandteil eines alternativen Wirtschaftssystems zu verstehen, das die ökonomische Nachhaltigkeit und den sozialen Ausgleich nicht nur in der muslimischen Community, sondern in der Gesamtgesellschaft fordern und fördern möchte. Lesen Sie wie es die Commerzbank macht oder die Deutsche Bank bei Fraudanwalt.

COMMERZBANK VERKAUFTE WEGEN ZU GERINGER PROVISION KEINE ETF’S

Es hat lange gedauert, nun scheint den Indexfonds der Durchbruch auch im klassischen Filialgeschäft zu gelingen: Die Commerzbank wird Strategiedepots aus Indexfonds verkaufen, dieses Jahr startet damit die Tochter Comdirect. Anschließend wollen wir das auch in der Commerzbank anbieten, zunächst voraussichtlich ETF-Portfolios für Selbstentscheider und ohne Beratung“, sagt ein Mitarbeiter in einer schriftlichen Anfrage der Redaktion. Führungskräfte des Konzerns erwarten, dass in einem späteren Schritt auch die Berater in den Filialen solche ETF-Depots verkaufen werden.

Bislang haben die meisten Bankberater Indexfonds und ETFS (Exchange-Traded Funds) boykottiert, weil sich die Provisionen bei Gebühren von teils weniger als 0,1 Prozent pro Jahr für die Vertriebsabteilungen nicht lohnten.

Die Commerzbank kalkuliert nun anders: Sie dürfte für die ETF-Strategiedepots eine Gebühr verlangen, die voraussichtlich bei 1,25 Prozent pro Jahr liegt: Für den Filialbetrieb eine kleine Preisrevolution. Und trotzdem verdient das Frankfurter Geldhaus daran höhere Margen als beim Verkauf fremder Fonds. Auf die bei herkömmlichen Fonds üblichen Ausgabeaufschläge von rund 5 Prozent verzichtet die Commerzbank allerdings. Die seien „nicht mehr zeitgemäß“, sagt der Angestellte, anders als die ETF-Depots.

Die Bank reagiert mit ihrem Vorstoß auch auf Angriffe von Start-ups und konkurrierenden ETF-Anbietern. Marktführer Blackrock verkündete unlängst eine Allianz mit dem Frankfurter Fintech Youvestor. Für 1,25 Prozent Gesamtkosten bekommen Anleger dort ein Depot mit Blackrock-Fonds. Die Frankfurter Neugründung Vaamo wiederum offeriert seit März fünf ETF-Depots, die von den 37 000 hierzulande zugelassenen Honorarberatern an die Kunden verkauft werden sollen.

Wenn andere Filialbanken dem Schritt der Commerzbank folgen, könnte das den Indexfonds einen weiteren Schub verleihen. Denn Start-ups und digitale Robo-Advisors wie Vaamo, Liqid und Scalable haben den Nachteil, dass sie ohne menschliche Vertriebskräfte nur wenige Kunden erreichen. Nach wie vor kaufen selbst von denen, die sich digital über Finanzprodukte informieren, mehr als 60 Prozent ihre Fonds beim Berater, ergab eine gemeinsame Studie von Google, Postbank und dem Konsumforscher GfK.

Auch die Qualität der ETF-Anlagen würde steigen. Derzeit sind es vor allem die Spekulanten unter den Privatanlegern, die in Indexfonds investieren. Das kurzfristige Wetten auf einzelne exotische Märkte und Branchen und das ständige Kaufen und Verkaufen der vergleichsweise riskanten ETFs macht dann auch deren Kostenvorteil bisher zumeist schnell zunichte.