EN STORAGE’S-ERBEN: BDT MEDIA AUTOMATION-ANLEIHE: DAUMEN RUNTER

Anleihen und Mittelstand waren bislang keine erfolgreiche Kombination, weder in der Wirtschaft noch am Finanzmarkt, davon können Anleihezeichner ein Lied singen. Erst vor wenigen Wochen flog das Betrugsmodell von EN Storage auf, als die Staatsanwaltschaft Edvin Novalic und Lutz Baier als Verantwortliche des Anlagebetrugs in Untersuchungshaft steckten. Das Unternehmen wollte Storage- und Datenspeichersysteme verpachten und als externer Dienstleister die Firmendaten verwalten. Doch statt Wachstum gab es einen Anlegerschaden mit einem Volumen von ca. 50 Mio. € – zum Fraudanwalt-Bericht. Die Creditreform als Ratinginstanz Nummer 1 hat die kriminellen Storagevermarkter sehr sicher eingestuft. Unter einem Prozent soll laut Creditreform Rating AG die Ausfallwahrscheinlichkeit von EN Storage GmbH gelegen haben. Am Anleihenmarkt machen sich Investoren lustig und behaupten, wo Creditreform draufsteht ist Ramsch drin -vergleichbar mit dem Gefälligkeitsrating in den USA zu Zeiten der Immobilienkrise (2008), als Moodys und Standard & Poors wertlose Immobilienpapiere mit Bestnoten bewerteten, so dass diese an ahnungslose Kleinanleger und Banken verscherbelt werden konnten. Diesmal scheint die Creditreform dazugelernt zu haben, zum Leidwesen von BDT Media Automation GmbH.

Die Geschäftsführung um Dr. Holger Rath der Emittentin BDT Media Automation GmbH mit Hauptsitz in Rottweil, hat gestern den Anfang vom Ende angekündigt. Noch vor sechs Monaten hat die BDT Media Automation am 29. August 2016 angekündigt: „Man werde die 2012 begebenen EUR 17,4 Mio. Schuldverschreibungen mit fester Verzinsung von 8,125 % und Fälligkeit 2017 (ISIN: DE000A1PGQL4, WKN: A1PGQL) zurückkaufen. In einem umfangreichen Rückkaufprogramm sollten Anleger ihre Schuldverschreibungen noch vor Eintritt der Fälligkeit am 9. Oktober 2017 ausgezahlt erhalten. Wie es scheint, alles nur leere Worte, denn gestern kam der Rückzieher.

Die BDT Media Automation GmbH ließ durch die Geschäftsführung verlauten, „dass eine Fortsetzung des Rückkaufprogramms aufgrund des höheren Kursniveaus der Schuldverschreibungen und des derzeitigen Marktumfelds sowie im Hinblick auf den Zeitpunkt der Fälligkeit der Schuldverschreibungen im Oktober 2017 wirtschaftlich nicht sinnvoll erscheint“.

Oder mit anderen Worten: Die BDT Media Automation scheint Liquiditätsschwierigkeiten zu haben. Die Creditreform stufte die Anleihen-Bewertung von BDT Media Automation GmbH aus n.r. – oder auch „Finger Weg, hohes Risiko“ herab. Und dabei ist die Grundidee des Technologieunternehmens auf dem ersten Blick zukunftsfähig. Die Media Automation GmbH entwickelt Datenspeicherlösungen zum Sichern und Archivieren von großen Datenvolumen sowie Papier- und Medienhandhabungs-Applikationen für Druckersysteme zum Zuführen oder Ablegen von Papier und anderen Medien.

Eigenen Aussagen zu Folge sollen 35 derzeit gültige Patente, die zum Teil weltweit Gültigkeit haben, und jahrelange Partnerschaften mit den führenden IT- und Bürotechnik-Anbietern dokumentieren, den Erfolg belegen. Leider belegt das Rating nur eines – die Anleihe von BDT Media Automation ist hochriskant und gleicht einer Wette auf der Pferderennbahn.  Die BDT-Gruppe beschäftigt rund 400 Mitarbeiter am Hauptsitz in Rottweil sowie an Entwicklungs-, Fertigungs- und Servicestandorten im Ausland. Bei einer Zahlungsunfähigkeit von BDT Media-Gruppe wäre auch die Belegschaft betroffen.

  • Rating                   Datum
  • n.r.                         29.03.2017
  • CCC                        28.10.2016
  • CCC (watch)       02.05.2016
  • CCC                        29.03.2016
  • CCC (watch)       25.08.2015
  • CCC                        02.04.2015
  • CCC                        09.04.2014
  • B- (watch)           12.04.2013
  • BB+                        16.04.2012

EN STORAGE VERUNTREUT 50 MILLIONEN EURO

Edvin Novalic und Lutz Baier aus dem beschaulichen Schwabenland sind die nächsten Kapitalvernichter im Graumarkt. Herrenberg, wo das Unternehmen sitzt, ist eine Provinz in Baden-Württemberg, etwa 30 km südwestlich von Stuttgart und 18 km westlich von Tübingen. Vor 5 Jahren wurde erst die neue Firmenzentrale in Herrenberg gebaut, jetzt droht die Insolvenz. Angaben aus internen Dokumenten belegen, dass rund 50 Millionen € von 1.800 Anlegern eingezahlt wurden. Edvin Novalic lebt auf großem Fuß, mehrere teure Autos, darunter ein Mercedes AMG mit Luxusausstattung schmücken die Einfahrt seines Anwesens samt Villa in der Nähe des Firmensitzes.

Seit dem 27.02.2017 ist die Firmenhomepage abgeschaltet, Telefone abgemeldet und IT verschwunden. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart informierte, dass es vor wenigen Tagen Hausdurchsuchungen gegeben hat, auch bei Firmengründer Edvin Novalic – Ermittlungen wegen Verdacht des Betruges sind eröffnet.

Anlegerskandal? Creditreform zeichnete EN Storage aus

„Die heutigen geschäftsführenden Gesellschafter Edvin Novalic und Lutz Beier starteten 2009 mit dem Unternehmen „EN Storage Consulting“, schreibt die Creditreform auf ihrer Seite über die Kapitalvernichter EN Storage. Auch in anderen Fällen griff die Creditreform daneben, lesen Sie mehr.

Weiterhin wird über das „geballte Erfahrungspotenzial“ der beiden Firmengründer, zum einen aus dem IT-Bereich, zum anderen aus dem Finanzsektor, schwadroniert. Die Ratingagentur führte die Anleger in die Irre, denn die „besonderen Referenzen“, die Industriekonzerne aus Finance, Food, Nonfood, Automotive und Government sein sollen – hat es nie gegeben.

Insbesondere kleine Provinzfirmen haben bei EN Storage bestellt. Dennoch hielt es die Creditreform nicht davon ab für die vermeintlichen Anlagebetrüger zu werben: „Als Anbieter für Datensicherung, Datenspeicherung und Datenführung in der IT-Branche ist dir Firma „EN Storage GmbH“ seit 2009 für die Industrie und seit 2013 auch für staatliche Institutionen mit ihren Storage-Systemen ein wichtiger Partner und zuverlässiger Dienstleister“ – eine weitere skrupellose und ungeprüfte Stimmungsmache für EN Storage GmbH und deren Anleihen.