VORSICHT VOR DER GEHEIMEN MACHT DER PHARMAUNTERNEHMEN

Sie sind allgegenwärtig, jeder kennt sie, jeder kauft ihre Produkte aber niemand weiß, was wirklich hinter den Kulissen der Pharmariesen gespielt wird. Die Rede ist von Korruption, von Patienten, die unwissentlich als „Versuchskaninchen“ benutzt werden und von dubiosen Verstrickungen in Verbänden und Selbsthilfegruppen. Zusätzlich verfügen sie über eine riesengroße Lobby, die mittels unzähliger offizieller und inoffizieller Interessensvertreter einen gigantischen Einfluss auf Politik und Wirtschaft nimmt. Zum Leidwesen unschuldiger Patienten, deren Misere eiskalt benutzt und vermarktet wird. Auchdie Mologen AG aus Berlin ist ein Unternehmen, das Versuche an Menschen durchführt – Fraudanwalt berichtete darüber.

Es geht um viele Milliarden. Gelder, die in die Forschung fließen, die in Versuchsreihen gesteckt werden und mit denen hochrangige Entscheider aus Politik und Wirtschaft geschmiert werden. So manch eine Zulassung für Medikamente wäre sonst niemals erteilt worden, mutmaßen Experten. Der neue Trend der Pharmafirmen geht dahin, sich in Selbsthilfegruppen und Verbände einzuschleusen, um unauffällig firmeneigene Produkte zu platzieren und mittels Vertretern in Vorträgen bestimmte Medikamente zu pushen. Auch auf den Webseiten von Selbsthilfe-Gruppen tauchen sie ungefragt mit dem berühmten „product placement“ (Produktplatzierungen) auf. Patienten sind lukrativ für die Konzerne. 5,6 Millionen Euro spendeten die Unternehmen in den letzten Jahren an Patientenverbände. Allein in Deutschland gibt es 70 000. Der Vorteil: Die Industrie sichert sich so Zugang zu Patientendaten, kann neue Medikamente aggressiver bewerben. Den Konzernen im großen Konkurrenzkampf mit anderen Branchenriesen ist jedes Mittel recht. Hauptsache die Absatzzahlen stimmen! Und weil sie wissen, dass Patientenverbände ihrerseits immer Geld benötigen, sponsern sie diese reichlich, um ihre Produkte gezielt zu platzieren. Dass dabei die Neutralität und auch die Entscheidungsfreiheit des Einzelnen umgangen werden, wird nicht berücksichtigt. Da ist es überhaupt nicht verwunderlich, dass die Deutschen 4,6 Milliarden Euro zu viel für Medikamente zahlen. Patienten und Kassen könnten jedes Jahr Milliarden sparen, wenn Ärzte verstärkt die günstigeren Alternativpräparate verschreiben. Doch die Pharma-Industrie blockt ab. Ab 2017 werden Medikamente noch teurer. Einsparmöglichkeiten gibt es auch im Bereich der Analogpräparate. Anders als bei alternativen Generika, die den gleichen Wirkstoff wie patentgeschützte Medikamente besitzen, unterscheiden sich Analogpräparate in ihrer Zusammensetzung minimal von ihren Vorgängerprodukten. Es werden neue Wirkstoffe verwendet, die aber ähnlich oder genauso wirken wie das Vorgänger-Medikament. Dadurch entstehen Scheininnovationen. Diese Präparate würden meist zu teureren Preisen verkauft und verursachten zusätzliche Kosten, die vermieden werden könnten, so die Experten. „Pharmafirmen lassen durch Analogpräparate die Kassen klingeln“, beklagt Wolf-Dieter Ludwig, der Vorsitzende der Arzneimittelkommission, einem Bericht der Welt zufolge. Intensives Marketing, eine Verlängerung des Patentschutzes sowie „unseriöse Absprachen, um den Marktzutritt von Generika zu verlangsamen“, seien die häufigsten Strategien der Pharmahersteller, um ihre teuren Produkte am Markt zu halten. Wenn man so etwas liest, mutet es fast wie strategische Kriegsführung auf Kosten der Patienten an. Es wird Zeit, dass die Bundesregierung den miesen Machenschaften der Giganten der Pharmaindustrie einen Riegel vorschiebt.

MOLOGEN AG AKTIONÄRE BRAUCHEN LANGEN ATEM

Das börsennotierte Biotechunternehmen Mologen AG aus Berlin fährt seit Jahren in unruhigen Gewässern. Vorstandwechsel, Forschungsrückschläge und fehlende Lizensierungen sind nur einige Punkte, mit denen sich die Berliner Mologen AG und deren Aktionäre beschäftigen mussten. Schon im letzten Jahr durfte an der Rentabilität des Forschungsunternehmens gezweifelt werden, nachdem im ersten Quartal 2015 lediglich 20.000 Euro Umsatzerlös durch den Verkauf von Waren und Dienstleistungen erzielt wurde – bei Ausgaben, die im unteren Millionenbereich angesiedelt waren. Wohin ist das Geld geflossen? Noch nie hat es Mologen erreicht, ein verkäufliches, ein staatlich zugelassenes Medikament herzustellen.

Das Flagschiff, eine Krebsimmuntherapie fürs Überleben bei metastasierendem Darmkrebs und bei kleinzelligen Lungenkrebs im fortgeschrittenen Stadium, wurde immer noch nicht getestet. Für zwei Studien sollten Lungenkrebspatienten und Darmkrebspatienten rekrutiert werden. Sobald die Studien abgeschlossen sind, dauert es noch einmal ein bis anderthalb Jahre, bevor festgestellt werden kann, ob die von der Mologen AG erforschte und entwickelte Therapie überhaupt praxistauglich ist. Bis die Berliner Forscher Erfolge vorweisen können, wird es aller Voraussicht nach dauern – die Aktionäre der Mologen AG brauchen dafür einen langen Atem.

Neue Finanzierung ohne Erfolge

Es ist bemerkenswert wie die Biotechfirma es immer wieder schafft, Anleger dazu zu bewegen, in ein unerprobtes und hochriskantes Investment einzuzahlen. Ohne nennenswerte Erfolge schloss Mologen eine neue Kapitalerhöhung am 23. September 2016 ab. Das Grundkapital Mologens soll von 22.631.501 Euro um bis zu 11.315.750 auf bis zu 33.947.251 durch Ausgabe von bis zu 11.315.750 neuen, auf den Inhaber lautenden Stammaktien mit einem anteiligen Betrag am Grundkapital von 1,00 Euro, gegen Bareinlage erhöht werden. Der Bezugspreis je neuer Aktie beläuft sich auf 1,20. Das Bezugsverhältnis beträgt 2:1. Der Hauptaktionär, die Global Derivative Trading GmbH („GDT“), hat die Zusage gegeben, ihre Bezugsrechte auszuüben und wird die Möglichkeit eines Überbezugs von nicht bezogenen neuen Aktien erhalten. In diesem Zusammenhang hat die TowerCrest Limited Liability Cooperation, Peking (China), („TowerCrest“) verbindlich zugesagt, bis zu 3,4 Mio. neue Aktien im Rahmen der Privatplatzierung zu erwerben. Letztlich hat das Unternehmen doch nicht zugegriffen und von einer weiteren Investition abgesehen.

Zusätzlich hat MOLOGEN eine Wandelschuldverschreibung im Gesamtnennbetrag von EUR 2,54 Mio. an GDT begeben. Bei Vollplatzierung der Kapitalerhöhung und durch Ausgabe der Wandelschuldverschreibung sollten dem Unternehmen Bruttoerlöse von über EUR 16 Mio. zufließen. Die Kapitalerhöhung verlief aus Sicht der Mologen AG erfolgreich, aus Anlegersicht riskant. Erst, wenn ernsthafte Forschungsergebnisse hervorgebracht werden, haben Mologen-Aktionäre die Gewissheit, ihr Geld nicht einem kränkelnden Unternehmen geliehen zu haben.