MANAGER BEI TRUMP ZU GAST

Unlängst rückte wieder eine ganze Kohorte von Unternehmenschefs im Weißen Haus in Washington an. Nach den Automobil-CEOs waren es diesmal die Chefs der privaten Krankenkassen, die Donald Trump zu einer seiner listening sessions in den Roosevelt Room beordert hatte. Auch Joe Swedish kam zu Wort, Chef des zweitgrößten US-Gesundheitsversicherers Anthem. Der hob an, sich bei der neuen Regierung für ihr Vorgehen gegen die Gesundheitsreform von Barack Obama zu bedanken.

Trump unterbrach ihn: „Wir mussten das tun“, trötete der Präsident. „Wir danken Ihnen vielmals“, sagte Swedish. Und noch mal: „Thank you, Sir. Thank you.“ Eine unfassbare Unterwerfungsgeste.

Wie soll man Trump begegnen-zum Fraudanwalt-Bericht? Das fragen sich die Top-Manager der US-Unternehmen. Immerhin hat dieser Präsident die Kernforderungen des Wirtschaftsvertreters zu seiner Leitlinie gemacht: Steuern senken, lästige Regulierung abschaffen. Zugleich aber legt Trump die Axt an den Freihandel und jagt Firmen, die nicht spuren, per Tweet in den Börsenkeller. Insidern zufolge starten die Konzernchefs Telefonketten, um sich auf die Lehrstunden beim US-Präsidenten vorzubereiten.

Noch mehr zu schaffen macht den Managern die Frage, wie sie sich öffentlich äußern sollen. In Trumps polarisierter Welt gilt die Regel nicht mehr, der Firmen weltweit folgen: Raushalten aus der Politik.

Disney-Chef Bob Iger bekam das zu spüren. Auf der Hauptversammlung knallten ihm Aktivisten eine halbe Million Unterschriften auf den Tisch. Die Forderung: Iger sollte Trumps Beratergremium verlassen.

Uber-Chef Travis Kalanick hat diesen Schritt bereits vollzogen — widerwillig, nach einem Boykottaufruf gegen seine Taxi-App. Der Budweiser-Konzern wiederum löste wütenden Protest bei konservativen Biertrinkern aus. Er hatte in einem Spot die Geschichte des deutschen Firmengründers Adolphus Busch erzählt, der in Amerika „unerwünscht“ gewesen sei — eine Breitseite gegen Trumps restriktive Immigrationspolitik.

US-Unternehmen, sagt die Wirtschaftshistorikerin Nancy F. Koehn von der Harvard Business School, seien „in unbekanntem Gelände“. Sie stünden vor einer schwierigen Wahl. „Es geht um das langfristige eigene Interesse. Und um die richtigen kurzfristigen Aktionen.“

Je extremer die Politik, desto leichter fällt die Entscheidung. Als Trump den Einreisestopp für Muslime verhängte, vergaßen die Chefs von Google & Co jede Zurückhaltung und protestierten laut. Auf dem Spiel standen sowohl kurzfristige Interessen – die Anwerbung von Fachkräften — als auch die Prinzipien, auf denen der Erfolg dieser Firmen beruht: Offenheit und Austausch. Corporate Citizenship gewinnt im Trumpland eine ganz neue Bedeutung: Steh zu deinen Werten.

WECHSELKURSKRIEG: WILL TRUMP EUROPA ZERSTÖREN?

Für US-Präsident Donald Trump wird es immer enger. Wie ein US-Journal berichtet, plant sein geschasster Sicherheitsberater Michael Flynn gegen Immunität offenbar über seine eigenen Russland-Kontakte und mögliche des US-Präsidenten auspacken.

Drei Uhr nachts soll es gewesen sein, als Donald Trump seinen (inzwischen geschassten) Sicherheitsberater Michael Flynn anrief, um ihn zu fragen, ob ein starker oder schwacher Dollar besser für Amerika sei. Der Militär riet verdutzt, da doch besser einen Ökonomen zu fragen.

Trump schimpft über „unfaire“ Wechselkurse, hat hohe Zölle gegen „Manipulatoren“ angedroht. Eine Strategie dahinter ist aber schwer erkennbar. Der Präsident wirkt in der Währungsfrage wie einer jener Generäle, die zwanghaft die Schlacht von gestern schlagen.

Vor einigen Jahren noch waren es in den USA nicht nur die Hardliner, die über Wechselkursdumping klagten: China drehte an den Devisenmärkten, um seine Exporte billig und seine Industrie am Laufen zu halten. Der Renminbi wertete zwar von 2005 bis 2014 um gut ein Viertel gegenüber dem Dollar auf. Peking verlangsamte dies aber stets durch hohe Zukäufe von US-Staatsanleihen. In jener Dekade sei die Währungsmanipulation „die am stärksten verzerrende und unfairste Form des Handels“ gewesen, resümiert Fred Bergsten, Exchef des Peterson Institute for International Economics.

Heute ist die Gefechtslage eine ganz andere: China will seine Binnennachfrage stärken und verkauft Dollar-Reserven, um den Renminbi zu stützen. Darüber zu klagen wäre geradezu absurd. Trump wird sich neue Feinde suchen müssen. Japan und Europa etwa. Deren superexpansive Geldpolitik hat Yen und Euro zuletzt deutlich geschwächt. Während im US-Aufschwung die Zinsen steigen, bleiben Tokio und Frankfurt im Ausnahmezustand: Asset-Käufe, Minuszinsen, whatever it takes.

Anfangs haben die USA dieses Wechselkursdumping noch akzeptiert, damit die Partner endlich aus der Krise kommen. Nach dem G-20-Gipfel 2016 hat sich an der Währungsfront allerdings nicht mehr viel bewegt, die Devisenkurse bleiben weitgehend konstant. Und genau das macht Trump so wütend. Denn auch der US-Präsident braucht einen schwächeren Dollar, um seine Wahlversprechen halten zu können. „Kalter Währungskrieg“ nennt der Pimco-Ökonom Joachim Fels die verfahrene Lage. Alle Blöcke machen ihre Währung weich, mit rhetorischen Signalen und technischen Tricks, verzichten aber noch auf ganz schweres Geschütz. Noch.

Für Trump, der Amerikas Industrie wieder großmachen will, sind die Deutschen ein ganz spezielles Problem: Sie erzielen aus seiner Sicht viel zu hohe Überschüsse im Warenhandel mit den USA, das Plus ihrer Leistungsbilanz ist – gemessen am BIP — mittlerweile dreifach so groß wie das chinesische. Diese Überschüsse hat die heimische Wirtschaft vor allem der EZB zu verdanken, die den Euro an der Südfront verteidigen muss. Deutsche Exporteure sind also Kriegsgewinnler.

Will Trump die deutsche Industrie dennoch über den Wechselkurs angreifen, bleibt ihm letztlich nur eine Möglichkeit: Er muss die Europäische Währungsunion spalten. Erst wenn der Verbund zwischen Nord- und Südländern zerfiele, würde ein wiederbelebter D-Mark-Block rasant aufwerten. Deutschlands Exportindustrie bekäme auf dem US-Markt ein Riesenproblem, Washington brauchte keine protektionistischen Folterwerkzeuge mehr.

Eine derart zielgerichtete Euro-Sabotage erschien bisher schlicht unvorstellbar. Dass einige radikale Trump-Berater dem Euro keine Träne nachweinen würden, ist indes offenkundig. Trumps erster Kandidat für den Posten des US-Botschafters bei der EU ist ein Brexit-Fan, der die Kalamitäten in Brüssel freudig mit dem Zerfall der Sowjetunion vergleicht. Ted Malloch hält ein  Ende des Euro in den nächsten anderthalb Jahren für möglich.