Ingo Söhngen von Rialto Capital AG aus Frankfurt im Puff um 53.000€ betrogen

 

Düsseldorf – Er hat nicht gut gegessen, keinen Sex gehabt, aber für die Nacht im Wollersheim-Bordell an der Rethelstraße 53 000 Euro bezahlt. Doch betrogen fühlt sich Ingo Söhngen (48) nicht...

(Hinweis der Redaktion: Ingo Söhngen war mal bei der Deutschen Bank angestellt und flog dort wegen Betrügereien raus. Er ist jetzt Aufsichtsrat der super seriösen “Rialto Capital AG”.

„Es war nichts Besonderes“, sagte der frühere Investment-Banker am Dienstag als Zeuge im Prozess um betäubte und ausgenommene Freier vor dem Landgericht Düsseldorf aus.

Nach einem Essen im Hafen war der heutige Aufsichtsratschef einer Immobilien-Firma mit einem Freund um 0.18 Uhr im Bordell eingetroffen: „Ich habe mich erst mit Herrn Wollersheim unterhalten. Den kannte ich aus dem TV.“

Und Ingo Söhngen (anscheinend erfahrener Puff-Gänger) weiter: „Ich habe keine sexuellen Dienstleistungen in Anspruch genommen. Der Laden hatte nichts Spektakuläres. Ich würde nicht noch einmal hingehen.“

Der Richter hält ihm vor, dass seine Kreditkarte mit 53 010 Euro belastet wurde. Der Zeuge achselzuckend: „Interessiert mich nicht.“

 

Mit Befangenheitsanträgen, scharfen Belehrungen und tumultartigen Szenen startete der Steuerbetrugs-Prozess gegen 7 Ex-Mitarbeiter (34-65 Jahre) der Deutschen Bank.

Die Generalstaatsanwaltschaft wirft ihnen „schwere bandenmäßige Steuerhinterziehung“ vor. 220 Millionen Euro sollen die Bankmitarbeiter von 2009 bis 2010 vom Fiskus ergaunert haben. Das Geld hat die Deutsche Bank nach eigenen Angaben ans Finanzamt zurückgezahlt.

So lief der Steuerbetrug

Beim Handel mit Rechten zum Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxid (CO2-Zertifikate) wurden über deutsche Gesellschaften Emissionsrechte aus dem Ausland gekauft und im Inland über Zwischenfirmen weiterverkauft – ohne Umsatzsteuer zu zahlen. Die letzte Firma in der Kette (meist Deutsche Bank) veräußerte die Papiere wieder ins Ausland – und kassierte vom deutschen Finanzamt Umsatzsteuer, die sie nie gezahlt hatte.

Zum Prozessauftakt überzogen Anwälte das Gericht und den Vorsitzenden Martin Bach mit Befangenheitsanträgen. 4 Angeklagte halten ihn und 2 Beisitzer für voreingenommen. Zudem bezweifelten die Verteidiger die Zuständigkeit der Kammer. Bach verhandelt trotzdem vorerst weiter. Eine andere Kammer muss über die Anträge entscheiden.

Öffentlich wurden die Ermittlungen durch eine Razzia bei der Deutschen Bank. In einem ersten Prozess 2011 verurteilte die 2. Große Wirtschaftsstrafkammer unter Richter Bach 10 Angeklagte, die nicht auf der Gehaltsliste der Deutschen Bank standen, zu hohen Haftstrafen (bis 7 Jahre, 10 Monate). Damals hatte der Vorsitzende deutliche Kritik an der Rolle der Deutschen Bank geäußert.

Ein Sprecher des Instituts: „Die Deutsche Bank kooperiert mit den Behörden.”

Betrug und Unterschlagung bei der Rietumu Banka JSC Riga

Bank sperrt Konten unbescholtener Kunden ohne Rechtsgrund.

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Klaus K. aus Berlin meldet sich bei Fraudanwalt – sein Rietumu Konto wurde im März gesperrt. Angeblich wolle man keine weiteren Kunden mit Firmen aus Drittländern (insbesondere Steueroasen).

Fraud at Rietumu Banka
Fraud at Rietumu Banka

Mit diesen Firmen hatte die Bank in den letzten Jahren viel Geld gemacht und sogar für die Kontoeröffnung geworben. Leider wurde Sie – zuletzt von der französischen Bankenaufsicht – zu einer Strafzahlung von über 80 Mio Dollar verurteilt eben wegen dieser Steuerhinterziehungsmodelle. Nun sind aber nicht alle “Shelf”-Companies strafbare Konstrukte. In Ländern wie Deutschland oder Belgien ist es nicht verboten, in Steueroasen Firmen zu gründen.

Nun holt die Rietumu Bank weiter aus als nötig – offensichtlich will man sich den Schaden nun bei den Kunden wieder reinholen. Man befürchtet wohl, dass alle Kunden Ihre Guthaben von der Rietumu Banka abziehen – dann stünde die Bank – schon alleine wegen der 80 Millionen Strafe – mittellos da und könnte Ihre Pforten für immer schließen.

Zahlreiche Kunden der Bank berichten, dass Guthaben von mehreren hundert Tausend Dollar bereits seit März “frozen” also eingefroren sind. Und plötzlich werden monatliche Gebühren für die “Kontoführung” von 1000 Dollar und mehr berechnet.

Wann man das Geld zurückerhalte oder ob überhaupt bleibt fraglich – auf diese Frage erhielten alle unsere Informanten bisher keine Antwort.

Fraudanwalt warnt ausdrücklich vor der Rietumu Banka – es ist nicht auszuschliessen, dass Sie Ihre dortigen Einlagen vollständig verlieren. Wir raten allen Kontoinhabern an, sich an die Finanzaufsicht Ihres Landes zu wenden (in Deutschland z.B. die BAFin) und auch an die Aufsicht in Lettland (https://www.bank.lv/)

Gegen den Vorstand der Rietumu Banka bietet sich eine Strafanzeige an. Diese erstatten Sie direkt bei der Bankaufsicht.

Viele Geschädigte und Betrogene haben sich auch in diesem Forum zusammengefunden

Frans D. aus Dänemark berichtet

Ich hatte zum Glück nur noch 15.000 EURO auf der Rietumu Bank als man mir kündigte und das Konto sperrte. Das Geld solle alsbald an mich überwiesen werden. Das war im März. Nun wurde für März, April, Mai und Juni jeweils 1.000 EURO Kontogebühr berechnet. Blieben noch 11.000 EURO. Jetzt wurde noch 5000 EURO AML (Geldwäsche d. Red.) Gebühr abgezogen. Bleiben noch 6.000 EURO. Ich bin sicher auch davon werde ich keinen Cent erhalten. Man wird weiter Monatsgebühren abziehen bis das Konto leer ist. Das ist gewerblicher Betrug im großen Stil. Bandenmäßig und offensichtlich von einer kriminellen Organisation durchgeführt.

Wie man bei “Die Presse” erfährt ist der Chef der Rietumu Bank tatsächlich wegen Geldwäsche zu 4 Jahren verurteilt worden aber weiter im Amt. Unvorstellbar was bei der Bank abgeht.

Wir baten die Bank um Stellungnahme haben bis heute jedoch keine Antwort erhalten.

 

 

Gemeinsames Konto nach Trennung leergeräumt – was man jetzt noch tun kann

Solange eine Beziehung funktioniert, ist ein gemeinsames Konto eine praktische Sache. Problematisch wird es erst, wenn das Paar sich trennt. Nämlich dann, wenn einer von beiden eigenmächtig das gesamte Geld abhebt.

Was man über Gemeinschaftskonten wissen muss

In vielen Partnerschaften gibt es Giro- oder Sparkonten, die als gemeinsames Konto geführt werden. Man erkennt das daran, dass beide als Inhaber auf dem Kontoauszug stehen. Insbesondere bei Girokonten ist es zweckmäßig, wenn diese als Oder-Konto eingerichtet wurden. Denn in diesem Fall kann jeder Inhaber ohne Zustimmung des anderen über das gesamte Kontoguthaben verfügen und beispielsweise Geld abheben oder Überweisungen veranlassen. Was im Alltag durchaus erwünscht ist, kann im Trennungsfall zum Verhängnis werden, wenn sich ein Partner illoyal verhält und heimlich das gesamte Konto abräumt – im schlimmsten Fall sogar noch den Dispokredit ausreizt.

Das Gegenstück zum Oder-Konto ist das Und-Konto: Hierbei können sämtliche Kontoverfügungen nur gemeinsam getätigt werden. Eine Kontoplünderung nach der Trennung wäre bei einem Oder-Konto also gar nicht erst möglich.

So ist die Rechtslage bei Kontoplünderungen

Die Inhaber eines Oder-Kontos sind aus juristischer Sicht sogenannte Gesamtgläubiger im Sinne des $430 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB). Deshalb kann ein Kreditinstitut das komplette Guthaben an einen der Kontoinhaber mit schuldbefreiender Wirkung auszahlen und braucht sich nicht darum zu kümmern, wem es tatsächlich zusteht. Im Innenverhältnis gehört allerdings jedem Kontoinhaber grundsätzlich die Hälfte, falls es keine anderweitige Bestimmung gibt. Dabei ist es vollkommen egal, wer das Geld eingezahlt hat oder woher es stammt. Gehen auf einem Girokonto beispielsweise nur Gehaltszahlungen des Ehemannes ein, so steht der Ehefrau trotzdem der hälftige Anteil zu.

Dieser Ausgleichsanspruch hat übrigens nichts damit zu tun, dass ein Paar verheiratet ist. Auch bei unverheirateten Paaren gilt nichts anderes. Deshalb kann man seinen Anspruch ggf. auch zusätzlich zum Zugewinnausgleich oder Unterhalt geltend machen.

Wer etwas will, muss tätig werden

Wer sich als Opfer einer Kontoplünderung im Recht fühlt, hat deswegen noch lange nicht sein Geld wieder. Vielmehr muss man seinen Anspruch einfordern. Wenn außergerichtliche Bemühungen nichts bringen, wird ein gerichtliches Verfahren unausweichlich. Nachdem es sich hierbei um eine sonstige Familiensache (g 266 FamGF) handelt, ist das Familiengericht zuständig. Aufgrund des gesetzlichen Anwaltszwanges muss man neben den Gerichtskosten auch ein entsprechendes Honorar einkalkulieren. Wer kein oder nur geringes Einkommen hat, kann auch die staatliche Beratungs- und Verfahrenskostenhilfe beantragen und muss die Kosten entweder nur in Raten oder gar nicht selbst bezahlen.

Ganz so einfach ist  es dann doch nicht

Der Anwaltszwang ist durchaus berechtigt, denn es warten jede Menge Fallstricke, wenn man nach einer Kontoplünderung sein Recht durchsetzen will. Das hat verschiedene Gründe:

Der Ausgleichsanspruch unterliegt einer Verjährungsfrist von drei Jahren.
Wartet man zu lange, ist das Geld verloren. Bei Eheleuten beginnt diese Frist erst mit der Rechtskraft der Scheidung, da die Verjährung unter Eheleuten während einer bestehenden Ehe gehemmt ist. Ansonsten gilt als Verjährungsbeginn der Schluss des Jahres, in dem die Kontoplünderung erfolgte und man davon Kenntnis erlangte. Aber auch schon vor Ablauf der Verjährung kann man seinen Anspruch unter bestimmten Voraussetzungen verwirken. Etwa dann, wenn man lange Zeit untätig war und der andere davon ausgehen konnte, dass er das Guthaben für sich alleine behalten darf.

Aufgrund der gesetzlichen Vermutung, dass jedem Kontoinhaber die Hälfte des Guthabens gehört, steht derjenige in der Beweislast, der das Konto leergeräumt hat. Er muss das Gericht davon überzeugen, dass er mehr als die Hälfte behalten durfte. Wenn ein nicht rentenversicherungspflichtiger Unternehmer beipielsweise auf einem gemeinsamen Sparkonto etwas für seine eigene Altersvorsorge angespart hat und das auch plausibel darlegen kann, so kann dies den Halbteilungsgrundsatz bereits ins Wanken bringen. Das Problem liegt freilich darin, die Existenz einer solchen Vereinbarung nachzuweisen, da es in aller Regel an der Schriftform fehlt.

Auch wenn man vom Gericht grundsätzlich Recht bekommt, bedeutet das noch lange nicht, dass man tatsächlich auch sein Geld wiedersieht. Denn wo nichts ist, da kann man bekanntlich auch nichts mehr holen. Die juristische Bezeichnung
hierfür lautet Entreicherung: Sie bedeutet nichts anderes, als dass der Kontoplünderer das Geld bereits ausgegeben hat, um damit beispielsweise seinen Lebensunterhalt zu finanzieren.

Lieber vorsorgen als später dem Geld hinterherrennen

Es klingt zugegebenermaßen sehr unromantisch: Wenn jeder Partner sein eigenes Konto hätte, dann gäbe es keine Kontoplünderungen nach einer Trennung. Wer das nicht möchte, sollte wenigstens über ein Dreikonten-Modell nachdenken, bei dem jeder seinen Anteil für Fixkosten auf ein extra Konto einzahlt. Weiterhin ist es ratsam, unmittelbar nach einer Trennung die Bank zu informieren. Diese kann veranlassen, dass Kontoverfügungen nur noch von beiden Inhabern gemeinsam getätigt werden können.

Anlegerbetrug mit Schneeballsystem

Im Februar war die Staatsanwaltschaft Frankfurt mit 1200 Fahndern in den Räumen der Immobiliengruppe S&K angerückt und hatte 130 Standorte untersucht. Die beiden Geschäftsführer der S&K Kapitalanlagegesellschaft, Schäfer und Köller, sind nach Angaben des Generalstaatsanwalt Hans-Josef Blumensatt die Hauptbeschuldigten. Ihnen wird Untreue sowie gewerbs- und bandenmäßiger Betrug mit Kapitalanlagen vorgeworfen. Sie sollen die Anleger über ein Schneeballsystem geprellt und das Geld mit einem extrem aufwendigen Lebensstil verprasst haben. Bei einem Schneeballsystem werden die Gelder der Anleger gar nicht investiert, sondern neue Einzahlungen genutzt, um die Ausschüttungen an alte Gläubiger zu bezahlen.

Das System der S&K bestand aus zahlreichen Tochterunternehmen und diversen Fonds. Um zu erkennen, dass dabei etwas nicht stimmte, mussten Anleger schon sehr genau hinschauen und eine ordentliche Portion Finanzwissen mitbringen. So investierte der Fonds „Deutsche S&K Sachwerte Nr. 2“ laut Emissionsprospekts gar nicht direkt in Immobilien, vielmehr wurde mit dem Geld der Anleger ein Darlehen an ein S&K-Tochterunternehmen gezahlt. Dessen Investitionen sollten dann „im weitestgehenden Zusammenhang mit Immobilien“ stehen.

Gelockt wurden die Anleger mit sehr hohen Zinsen. Ihnen wurde eine jährliche Rendite von zwölf Prozent in Aussicht gestellt – und das, obwohl von ihrer Einlage und dem zu zahlenden Aufschlag nur etwas mehr als 80 Prozent als Darlehen weitergegeben wurden. Der Rest ging laut Prospekt für Vergütungen, Provisionen, sonstige Kosten und eine kleine Liquiditätsreserve drauf.

Nicht nur der mutmaßliche Anlegerbetrug sorgte für Aufregung, sondern auch der exzessive Lebensstil der S&K-Gründer Stephan Schäfer und Jonas Köller. Es wurden zahlreiche Bilder öffentlich, die sie bei ihren legendäre Partys, mit Models, Promis und Luxuskarossen zeigten.

 

Eins, Zwei, Polizei – Drei, vier, ab in den Knast.. Hätte er doch einfach Veripay bezahlt…

Gefunden auf www.euro-collect-inkasso.de

Warum immer mehr Schuldner vor dem Strafgericht landen

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Bereits vor zwei Jahren berichteten wir über die Betrugsmasche mit Fake-Bestellungen. Der aktuelle Fall von Peter S. aus Schönbeck ist symptomatisch für eine ganze Gattung von Schuldnern. Anwälte kosten Geld und helfen auch nicht immer weiter. Von vielen Anwälten wie dem Lustmolch Ray M.  fühlen sich viele schlecht beraten und geradezu abgezockt. Da man oft dort auch noch Rechnungen offen hat geht man doch gleich zur Polizei, diese arbeitet kostenlos und in den meisten Fällen glauben die Polizeibeamten die Geschichten auch, welche die Schuldner dort auftischen.

Peters toller Trick: Ich geh einfach zur Polizei und mache eine Anzeige und sage, dass ich das nicht war und die Mastercard nie bestellt habe

Hat man nicht genug Argumente für eine Forderungsabwehr-Anzeige  so druckt man sich einfach anonyme – meist in schlechtem Deutsch verfaßte – Internetforenbeiträge aus, wo Ali, Adolf & Uschi sich gegenseitig Tipps geben wie man Internetleistungen nicht bezahlen muss. Dass die bei Bestellung gespeicherte IP-Adresse heutzutage dem Gläubiger wenig nutzt wissen die Betrüger allemal – leider sind unsere Mandanten wie vorliegend die Veripay BV aus Heerlen schlauer und verifizieren die Besteller per SMS. Das hatte der Peter leider vergessen.

Peter ist nicht so schlau, geht hoffentlich in den Bau!

Bald Peters neues Zuhause?
Bald Peters neues Zuhause?

So wie vorliegend im Fall Peter S. aus Schönbeck. Der hatte auch keine Lust für seine Bestellungen geradezustehen und ging zur Polizei. Diese glaubte ihm und ermittelte zunächst gegen Unbekannt. Als nun aber Euro Collect im Rahmen des Auskunftsersuchens mitteilte, daß die Bestellung über das Mobiltelefon des Anzeigenerstatters verifiziert wurde, enttarnte dies den Peter S. als armseligen Lügner. Dazu konnten wir der Polizei sachdienliche Hinweise zum Tathergang geben. Dass er seit Jahren zahlungsunfähig (‘pleite’) ist, hat er natürlich verschwiegen.

Die Mühlen mahlen zwar langsam aber langsam doch sehr gründlich. Endlich wurde gegen den Peter S. Anklage erhoben, wozu wiederum Euro Collect zeugenschaftlich vernommen wird. Wir hoffen dass dem Peter das Handwerk gelegt wird und sich herumspricht, dass Lügen kurze Beine haben.

Beantwortung des Auskunftsersuchens:

PD Sachsen-Anhalt Nord

Polizeirevier Salzlandkreis

Revierkriminaldienst, Herrn KOK XXX

Franzstraße 35

06406 Bernburg

 

 

vorab per E-Mail: [email protected]

 

VeriPay B.V. ./. Peter XXXXX

Ihr Zeichen: Ihr Ermittlungsersuchen vom 16.11.2017

Unser Zeichen: 48-                                                                         (Dieser Schriftsatz hat 6 Seiten)

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

sehr geehrter Herr XXXXX

 

in vorbezeichneter Angelegenheit nehmen wir Bezug auf Ihr Ermittlungsersuchen vom 16.11.2017 wegen der Hauptverhandlung (Vortäuschen einer Straftat) vor dem Amtsgericht Schönebeck gegen den Angeklagten Herrn Peter XXXXXXX aus 3XXX Schönbeck.

Zu unserem Schreiben vom 13.09.2016 in dieser Sache können wir ergänzend wie folgt vortragen:

Vorliegend wurden wir von der VeriPay B.V. (ladungsfähige Anschrift: Vogt 21, 6422RK Heerlen, Niederlande) damit beauftragt, eine nicht beglichene Rechnung in Höhe von 98,90 EUR einzuziehen.

Der Forderung liegt die Ausgabegebühr einer online bestellten Mastercard zugrunde.

Unsere Beauftragung erfolgt auf elektronischem Weg per Datei.

Auf die Bestelldaten des Angeklagten wird auf beiliegende elektronische Dokumentation der VeriPay B.V. verwiesen.

Zum Hintergrund des vorliegenden Fernabsatzvertrages können wir Folgendes mitteilen:

Unsere Mandantin, die VeriPay B.V., betätigt sich auf dem Markt als Vermittlungsdienstleisterin für Mastercard Karten und ist Betreiberin der Webseite www.sofort.credit .

Verbraucher können über die o.g. Webseite eine schufa-freie MasterCard Karte hochgeprägt (Tarif `Gold`) zu einem Ausgabepreis von 98,90 EUR beantragen, wobei sie bereits auf der Bestellseite auf alle wesentlichen Bestandteile des Vertrages hingewiesen werden. Optional und unabhängig davon gehört zum Leistungsumfang des Vertrages eine Kreditofferte bis zu 7.500,00 EUR. Als Zahlungsmöglichkeit wird mit den Verbrauchern ausschließlich die Nachnahmezahlung via Deutsche Post AG vereinbart.

Beweis: Inaugenscheinnahme der Webseite www.sofort.credit, § 4 der beiliegenden AGB

Die Vorauszahlung von Prepaid Mastercard Karten ist dabei branchenüblich.

Des Weiteren entspricht die Bestellsituation auf der betreffenden Webseite den gesetzlichen Pflichtanforderungen für Fernabsatzverträge.

Nachdem die Verbraucher unter Einbeziehung einer Datenschutzerklärung ihre personenbezogenen Daten inklusive ihrer mobilen Rufnummer auf der Bestellseite eingegeben haben, müssen diese innerhalb eines Markierungsfeldes mittels Setzens eines gesonderten Häkchens folgenden Text bestätigen:

“Ich habe die AGB und Widerrufsbelehrung heruntergeladen, gelesen und bin einverstanden. Auch die Kartengebühren und Zahlungsmodalitäten habe ich zur Kenntnis genommen.”

Sobald dieser Text angeklickt wird, öffnen sich diese Formulare in einem PDF Dokument, das zudem auch das Muster-Widerrufsformular beinhaltet. Auf diese Weise können die Formulare dauerhaft auf einem Datenträger gespeichert oder ausgedruckt werden. Anschließend muss von den Verbrauchern der Button “Karte zahlungspflichtig bestellen” gedrückt werden.

Beweis: Inaugenscheinnahme der Webseite, Screenshot über die Bestellseite, AGB, Widerrufsformulare

Der Angeklagte hat auf die o.g Weise mit seinen personenbezogenen Daten am 02.03.2016 um 10:08:13 Uhr einen Fernabsatzvertrag über die Vermittlung einer MasterCard abgeschlossen und als Bestell-IP Adresse ist an unsere Mandantin die IP 178.X.XX.XXX übermittelt und von ihr elektronisch gespeichert worden.

Folgende Personendaten hat der Angeklagte für den Vertrag auf der Bestellseite bzw. in der betreffenden Eingabemaske eingegeben:

 

Peter XXXXX

XXXstrasse XX

3XXXX Schönebeck

E-Mail: [email protected]

Telefon: 0177XXXX

Geburtsdatum: XX.XX.19XX

 

Beweis: Ausdruck aus der elektronischen Dokumentation der VeriPay B.V.

In § 4 der AGB werden die Kunden bzw. Antragsteller Mastercard wie folgt hingewiesen:

“(….) Der Kunde verpflichtet sich bei Bestellung der Vermittlungsleistung, alle notwendigen Unterlagen/Daten für eine erfolgreiche Abwicklung des jeweiligen Vertrages wahrheitsgemäß zu übergeben/übermitteln (…).”

 

Überdies setzt die VeriPay B.V. hinsichtlich der Online-Kundenbestellungen ein Betrugsschutzsystem in Form eines SMS-TAN-System-Verfahrens ein, so wie es bspw. auch beim Online Banking üblich ist, um die Gefahr von Spaß- bzw. Fakebestellungen auf ein Minimum zu reduzieren. Im Rahmen des o.g. Betrugsschutzsystems erhalten die Verbraucher nach Abschluss der Bestellung auf ihre hinterlegte Mobilfunkrufnummer einen mehrstelligen Pin-Code in Form einer SMS. Dieser Pin- Code muss sodann vom SMS-Empfänger bzw. Besteller auf der Bestellseite eingeben werden, sodass der jeweilige Besteller sicher per SMS verifiziert werden kann.

Auf die vorgenannte Weise ist die Mobilfunkrufnummer 0177XXXXXXX verifiziert worden.

Beweis: Ausdruck aus der elektronischen Dokumentation der VeriPay B.V.

Wegen der auf der vorgenannten Weise verifizierten Mobilfunkrufnummer regen wir an, beim entsprechenden Mobilfunknetzbetreiber zu ermitteln, ob die Mobilfunkrufnummer 0177 XXXX dem Angeklagten zuzuordnen ist, sofern noch nicht geschehen.

Nachdem unsere Mandantin dem Angeklagten vertragsgemäß ein Finanzinstitut für die Ausstellung der beantragten MasterCard vermittelt hat, mithin ordnungsgemäß ihre Vermittlungsdienstleistung einer Prepaid Mastercard Karte betreffend erbracht hat, hatte sie geschäftsübliche 1-3 Tage danach versucht dem Angeklagten das Starterpaket per Nachnahmesendung zukommen zu lassen. Die vertraglich vereinbarte Nachnahmesendung mit dem Sendungscode NT4220XXXXXDE via Deutsche Post AG ist hierbei gescheitert.

Beweis: Sendungscode NT4220XXXXXDE aus der elektronischen Dokumentation der VeriPay B.V.

Da der Zustellungsversuch nunmehr über 12 Monate zurückliegt, lässt sich der Grund für die gescheiterte Nachnahmezahlung (Annahmeverweigerung oder Nichtabholung der Sendung innerhalb der 7-tägigen Abholfrist der Deutschen Post trotz Benachrichtigung) für uns nicht mehr über https://www.deutschepost.de/sendung/simpleQuery.html  verfolgen.

Beweis: Ausdruck über die aktuelle Sendungsverfolgung der Deutschen Post AG

Diesbezüglich regen wir an, bei der Deutschen Post AG mithilfe des o.g. Sendungscodes zu ermitteln, wann die Nachnahmezahlung gescheitert ist und insbesondere aus welchem Grund.

Seit der gesetzlichen Neureglung der §§ 355 ff. BGB mit Wirkung vom 13.06.2014 stellt die bloße Annahmeverweigerung von Waren oder über die Erbringung von Dienstleistungen keinen Widerruf im Sinne des § 355 Abs. 1 BGB dar. Der Widerruf hat nach § 355 Abs. 1 Satz 2, Satz 3 BGB mittels einer eindeutigen Erklärung gegenüber dem Unternehmer zu erfolgen. Da unserer Mandantin kein Widerruf des Vertrages zugegangen ist, ist nach Ablauf der gesetzlichen Widerrufsfrist der vorliegende Fernabsatzvertrag zustande gekommen.

Da auch auf die letzte Mahnung vom 29.03.2016 hin, die dem Angeklagten auf seine hinterlegte Bestell-E-Mail-Adresse [email protected] via vom System automatisch generierter E-Mail hin zugestellt worden, keine Zahlung erfolgte, mithin Zahlungsverzug eintrat, war die Beauftragung unseres Inkassounternehmens zum Forderungseinzug angezeigt.

Beweis: elektronische Dokumentation bzgl. der letzten Mahnung und E-Mail-Adresse [email protected]

Laut Systeminformationen haben wir dem Angeklagten mit Erstschreiben vom 20.04.2016 unsere Beauftragung gem. § 11 a Abs. 1, Abs. 2 RDG ordnungsgemäß angezeigt und ihn aufgefordert den Gesamtbetrag in Höhe von 181,30 zu bezahlen. Unsere Zahlungsaufforderungen sind dabei stets sowohl auf dem Postweg als auch auf die Bestell-E-Mail-Adresse des Angeklagten [email protected] hin versendet worden. In der Folge erhielt der Angeklagte unsererseits an nachfolgenden Tagen weitere Zahlungsaufforderungen:

ERSTEMAIL:20.04.2016

ERINNERUNG:02.05.2016

ZWEITEMAIL:17.05.2016

ERSTEMAIL:18.05.2016

ERINNERUNG:30.05.2016

ZWEITEMAIL:13.06.2016

ERINNERUNG2:27.06.2016

Erst nach unserem dritten Aufforderungsschreiben erfolgte in dieser Sache die erste Reaktion. Dabei wandte sich mutmaßlich die Ehefrau des Angeklagten am 17.05.2016 an unseren telefonischen Support. Der Inhalt dieses Telefonats wurde von unserem Callcenter Agenten mit der Sachbearbeiter Nummer SB14 wie folgt dokumentiert:

“2016-05-17 12:26:33 (SB:14)

Ehefrau des Schuldners streitet ab möchte sich erst mit VeriPay in Verbindung setzten meldet sich anschließend bei uns”

Beweis: Ausdruck aus der elektronischen Inkassoakte über die Aktennotizen

In der Folge erhielten wir seitens des Angeklagten vier E-Mails, die er an unseren E-Mail-Support richtete. Und zwar am 01.06.2016, 18.06.2016, 27.06.2016 und 11.07.2016.

Besonderes Augenmerk verdient hier die Tatsache, dass der Anzeigende sich mit der Bestell-E-Mail-Adresse [email protected] an uns wandte, die er bei seiner Bestellung vom 02.03.2016 zwingend zu hinterlegen hatte und die sich aus der elektronischen Dokumentation unserer Mandantin ergibt.

Beweis: E-Mail-Support Tickets #102432, #104796, #105865, #107876

In seiner ersten E-Mail (#Ticket 102432) vom 01.06.2016 bestritt er uns gegenüber, dass er die Bestellung ausgelöst habe und verweist dabei im Wege der unsachlichen und unbestimmten Orientierung auf irgendwelche Interneteinträge über unsere Mandantin, die ganz offenkundig von querulantischen Schuldnern vorgenommen worden sind, was einzig dem Zweck dienlich sein soll, unserer Mandantin in der öffentlichen Wahrnehmung zu schaden. Dabei droht es uns mit der Anzeigenerstattung, die er am 06.06.2016 vornehmen wolle, sofern wir nicht das Inkassoverfahren gegen ihn einstellen sollten.

Am 18.06.2016 teilt er innerhalb des E-Mail-Tickets #104796 wahrheitswidrig mit, er habe in dieser Sache bereits Anzeige wegen Betruges bei der Polizei erstattet und die Anzeige sei dort zur Bearbeitung.

Dass der Angeklagte gelogen hat bezüglich der Mitteilung, dass er bereits zum Zeitpunkt des 18.06.2016 Strafanzeige erstattet habe, ergibt sich unstreitig aus der Tatsache, dass er uns erst in seiner E-Mail vom 11.07.2016 (E-Mail-Ticket #107876) mithilfe eines PDF Dokuments die Bescheinigung über eine Anzeigenerstattung zukommen lassen hat. Aus dieser Bescheinigung geht hervor, dass der Angeklagte erst am 04.07.2016 Strafanzeige bei POM`in XXXX bei der Dienstelle Bernburg (Saale) unter der Vorgangsnummer SLK RKD 180XXX/2016 erstattet hat.

 

Beweis: E-Mail-Ticket # 104796, Bescheinigung über die angehängte Bescheinigung der PHM´in XXXX

Mithilfe seiner Lüge vom 18.06.2016 über eine bereits erstatte Strafanzeige sollten wir ganz evident dazu genötigt werden, das Inkassoverfahren wegen der zugrundeliegenden Forderung einzustellen. Am 17.08.2017 wandte sich abermals mutmaßlich die Ehefrau des Angeklagten an unseren telefonischen Support, wobei der Inhalt dieses Telefonats vom Callcenter Agenten mit der Sachbearbeiter Nummer SB12 wie folgt dokumentiert worden ist.

“2016-08-17 10:16:36 (SB:12)

Ehefrau des Sch teilt mit, dass sie bei der Polizei war .

Sie setzt sich nochmal mit dem Mandant in Verbindung”

 

Beweis: Ausdruck aus der elektronischen Inkassoakte über die Gesprächsnotiz

Auf unsere Rückfrage hin, teilte unsere Mandantin VeriPay B.V. mit, dass weder seitens des Angeklagten noch einer anderen von ihm bevollmächtigten Person (Ehefrau) eine Kontaktaufnahme zu ihr erfolgte.

Eine Zahlung ist bis dato nicht erfolgt.

Beweis: aktuelle Forderungsaufstellung

Soweit die von uns ausgewiesenen Gesamtbeträge an uns überwiesen werden, veranlasst unsere Mandantin erneut die Versendung des Starterpakete an ihre Kunden. Und soweit die Kunden der dortigen beschriebenen Mitwirkungspflicht bzgl. ihrer Identität nach den Vorschriften des GwG nachkommen, erhalten diese anschließend zeitnah auf dem Postweg ihre goldene Mastercard Karte hochgeprägt, die auf ihren Namen ausgestellt ist.

 

Anlässlich Ihres Ermittlungssersuchens vom 16.11.2017, haben wir am 17.11.2017 eine Bonitätsauskunft über eine Wirtschaftsauskunftei angefordert und dabei festgestellt, dass am 06.09.2016 die Eidesstattliche Versicherung (Ausschluss Gläubigerbefriedigung nach Maßgabe der ZPO) des Angeklagten im Schuldnerverzeichnis eingetragen worden ist. Bevor eine Vermögensauskunft vom betroffenen Schuldner vor einem Gerichtsvollzieher abgegeben wird, gehen der Vermögensauskunft in der Regel über einen langen Zeitraum erhebliche Zahlungsschwierigkeiten voraus, mithin Zahlungsunfähigkeit.

In diesem Zusammenhang sei zudem ausdrücklich angemerkt, dass die von ihm beantragte Prepaid Mastercard schufa-frei ist. Dieses Angebot richtet sich in der Regel an solche Interessierte, die über eine schlechte Schufa-Bonität verfügen und daher über die regulären Banken keine “normale” Mastercard mehr ausgestellt bekommen. Da Verbraucher mit einer schlechten Schufa-Bonität dennoch normal am wirtschaftlichen Leben teilnehmen wollen und im Alltag für Online-Bezahl-Transaktionen eine Mastercard als Zahlungsmöglichkeit brauchen, sind diese an einer Prepaid Mastercard interessiert. Ebenso gehört zum Leistungsumfang des Vertrages optional und unabhängig davon eine Kreditofferte bis zu 7.500 EUR.

 

Ebenso sei jedoch ausdrücklich darauf hingewiesen, dass sich seitens unserer Mandantin im Rahmen ihres wirtschaftlichen Interesses ihr Angebot einer schufa-freien Mastercard betreffend nicht an zahlungsunfähige und zahlungsunwillige Kunden richtet, welche sich anschließend in fantasiereiche Schutzbehauptungen ergehen und unserer Mandantin zudem ständig mit böswilliger Absicht und gleichwohl einem nötigenden Charakter mit einer Strafanzeige drohen, obwohl es diese Kunden selbst verschuldet haben, den Vertrag zu widerrufen und daher die vertragliche Zahlungsverpflichtung entstanden ist.

Zudem haben wir über die eingeholte Bonitätsauskunft erfahren, dass der Angeklagte sich bereits einmal (eingetragen im Schuldnerverzeichnis am 30.06.2008) im Insolvenzverfahren befunden hatte.

Mithin handelt es sich bei dem Angeklagten seit etlichen Jahren unstreitig um einen chronischen “Pleitegeier”, der seine Finanzen nicht im Griff hat.

Wir regen daher an, dass Sie im Rahmen Ihrer Ermittlungen diesbezüglich beim zuständigen Amtsgericht eine Auskunft über die abgegebene Vermögensauskunft beantragen, aus der die Schulden des Angeklagten hervorgehen, sodass Sie feststellen können, seit wann er zahlungsunfähig ist. Denn mit Blick auf den engen zeitlichen Zusammenhang zwischen der Bestellung vom 02.03.2016 und der Vermögensauskunft vor einem Gerichtsvollzieher am 06.09.2016 besteht zudem der Verdacht des Eingehungsbetruges zum Nachteil unserer Mandantin VeriPay B.V.

 

Vor diesem Hintergrund wird namens und in Vollmacht unserer Mandantin (VeriPay B.V.)

neben des dem Angeklagten bereits zu Last gelegten Tatvorwurfs des Vortäuschens einer

Straftat

 

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gegen den Angeklagten wegen des Verdachts des (versuchten) Eingehungsbetruges

zum Nachteil unserer Mandantin sowie unter allen weiteren rechtlichen

Gesichtspunkten erstattet.

 

Nach alldem – einschließlich aller vorgelegten Beweise- gehen wir hinreichend davon aus, dass der Angeklagte infolge seiner Zahlungsunfähigkeit mit der böswilligen Absicht Strafanzeige erstattet hat, um unter rechtsmissbräuchlicher Zuhilfenahme der Strafverfolgungsbehörden die bestehende Forderung zzgl. der Inkassokosten aus Verzugsschaden gem. §§ 280, 286 BGB abzuwehren. Denn die Inanspruchnahme der Strafverfolgungsbehörden im Wege des Amtsermittlungsgrundsatzes bzgl. der Forderunsgabwehr ist im Gegensatz zu der eines Rechtsanwalts “kostenfrei”.  Und mit Blick auf die unstreitige Zahlungsunfähigkeit des Angeklagten konnte er sich offenbar keinen Anwalt für seine Interessenwahrnehmung leisten.

Unsere Mandantin teilte mit, dass sich in dem Starterpaket, das sie dem Angeklagten mit dem o.g. Sendungscode zuzustellen versuchte, ein für ihn persönlich generierter Sicherheits-Pin-Code (Voucher) befand, der einen Wert von 98,90 EUR hat (vgl. auch AGB des Vertrages) und der damit verbundene Pin- Wert für sie unbrauchbar geworden ist, da sie diesen Pin-Code nicht mehr an andere Kunden versenden kann, um den Schaden ausgleichen zu können. Denn unsere Auftraggeberin als Vermittlungsdienstleisterin für Mastercard Karten musste diesen generierten Pin-Code mit der ausgebenden Stelle/Bank bzw. Lizenzgeberin der Mastercard verrechnen und an diese bezahlen, sodass hier ein stoffgleicher Schaden vorliegt.

 

Die zuständige Staatsanwaltschaft wird gebeten uns als Bevollmächtigte der geschädigten VeriPay B.V.  über den weiteren Fortgang in dieser Sache (Urteil oder Einstellung des Verfahrens) zu unterrichten und dabei unser o.a. Aktenzeichen mitzuteilen.

 

Hochachtungsvoll

 

Mimount Aharroud

Diplom-Juristin

 

 

 

Anlage / Beweis:

– Inkassovollmacht A 1

– elektronische Dokumentation der VeriPay B.V., A 2

– Screenshot über www.sofort.credit, A 3

– Ausdruck Sendungsverfolgung der Deutschen Post Sendungscode NT422XXXXXXDE, A 4

– aktuelle Forderungsaufstellung, A 5

– Ausdruck über Aktennotizen (Telefonate vom 17.05.2016 + 17.08.2016), A 6

– E-Mail- Support-Ticket #102432 vom 01.06.2016 (3 Seiten) , A7

– E-Mail Support-Ticket #104796 vom 18.06.2016 (3 Seiten), A 8

– E-Mail-Support-Ticket #105865 vom 27.06.2016 (3 Seiten), A9

– E-Mail-Support-Ticket #107876 vom 11.07.2016 (1 Seite ), A10

– Bescheinigung über eine Anzeigenerstattung vom 04.07.2016, A11

– AGB, Widerrufsformulare, A 12

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Die Akte Euro-Collect, Veripay BV und Sven F. – Hausdurchsuchung beim Serien-Betrüger

Diesen Beitrag haben wir auf der Seite des Inkasso Unternehmens Euro-Collect gefunden und veröffentlichen es zu allseitiger Belustigung:

Manche Schuldner glauben, man könne durch Täuschung, Falschanzeige oder Vortäuschung einer Straftat der Zahlungspflicht entkommen. Dies dachte auch Sven F. aus dem bayrischen Marktredwitz.

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Nachdem Euro Collect ihm das Mahnschreiben zusandte meldete sich hier Sven F. persönlich. Per Email versuchte er etwas Zeit zu gewinnen und stellte die Frage nach der genauen Forderungssumme.

111213_1111_img_0989Am 17.11.2017 meldete sich eine namentlich unbekannte weibliche Person bei unserer Hotline  und teilte mit, dass die Mobilfunknummer mit der seinerzeit die Mastercard bestellt und bestätigt wurde, ihr seit August gehöre. Damit könne Sven F. also nicht der Besteller sein. Anscheinend war dies nicht der erste Betrugsversuch der beiden Ganoven. Denn die spätere Hausdurchsuchung am Wohnort des Sven F. führte erschreckendes zu Tage.

Sven F. hatte bei mehreren Onlinehändlern Bestellungen getätigt und nicht bezahlt, weswegen nun die Staatsanwaltschaft wegen Betruges ermittelt.

Die Vorgehensweise von Sven F. und seiner Komplizin ist hinlänglich bekannt und trifft täglich tausendfach Händler und Dienstleister in ganz Deutschland, so wie vorliegend unseren Mandanten Veripay BV. Die dort von Sven F. bestellte Karte wird wohl nie bezahlt werden. Erst recht nicht wenn der Herr ins Gefängnis wandert.

Bei Euro Collect zieht die Masche nicht:

Täglich erstattet Euro Collect zahlreiche Anzeigen gegen Betrüger wie Sven F. Wir lassen uns von der altbekannten Masche “hab ich nie bestellt” oder “hab ich nie bekommen” nicht einschüchtern. Besonders dreiste Betrüger drohen dem Gläubiger dann auch gerne mit Anzeigen um Ihren betrügerischen Versuchen, die Forderung in Abrede zu stellen, Nachdruck zu verleihen.

Die Stellungnahme von Euro Collect auf die zeugenschaftliche Vernehmung in der Ermittlungssache Sven F.:

Polizeiinspektion Marktredwitz

  1. Hd. Herrn PHK Richter

Karlsbader Straße 2

95615 Marktredwitz

vorab per Telefax: 09231-9676-140

VeriPay B.V. ./. Sven XXX

Ihr Zeichen: BY4403-009814-17/3

Unser Zeichen: 48-257859

Sehr geehrte Damen und Herren,

sehr geehrter Herr Richter,

in vorbezeichneter Angelegenheit nehmen wir Bezug auf Ihr Schreiben vom 20.11.2017 wegen des Ermittlungsverfahrens gegen Herrn Sven XXX.

Vorliegend wurden wir von der VeriPay B.V. (ladungsfähige Anschrift: Vogt 21, 6422RK Heerlen, Niederlande) damit beauftragt, eine nicht beglichene Rechnung in Höhe von 98,90 EUR einzuziehen.

Der Forderung liegt die Ausgabegebühr einer online bestellten Mastercard zugrunde.

Unsere Beauftragung erfolgt auf elektronischem Weg per Datei.

Auf die Bestelldaten des Herrn XXX wird auf beiliegende elektronische Dokumentation der VeriPay B.V. verwiesen.

Zum Hintergrund des vorliegenden Fernabsatzvertrages können wir Folgendes mitteilen:

Unsere Auftraggeberin, die VeriPay B.V., betätigt sich auf dem Markt als Vermittlungsdienstleisterin für Mastercard Karten und ist Betreiberin der Webseite www.sofort.credit .

Verbraucher können über die o.g. Webseite eine schufa-freie MasterCard Karte (Tarif `Gold`) zu einem Ausgabepreis von 98,90 EUR beantragen, wobei sie bereits auf der Bestellseite auf alle wesentlichen

Bestandteile des Vertrages hingewiesen werden. Als Zahlungsmöglichkeit wird mit den Verbrauchern ausschließlich die Nachnahmezahlung via Deutsche Post AG vereinbart.

Des Weiteren entspricht die Bestellsituation auf der betreffenden Webseite den gesetzlichen Pflichtanforderungen für Fernabsatzverträge.

Nachdem die Verbraucher unter Einbeziehung einer Datenschutzerklärung ihre personenbezogenen Daten inklusive ihrer mobilen Rufnummer auf der Bestellseite eingegeben haben, müssen diese mittels Setzens eines gesonderten Häkchens folgenden Text bestätigen:

“Ich habe die AGB und Widerrufsbelehrung heruntergeladen, gelesen und bin einverstanden. Auch die Kartengebühren und Zahlungsmodalitäten habe ich zur Kenntnis genommen.”

Sobald dieser Text angeklickt wird, öffnen sich diese Formulare in einem PDF Dokument, das zudem auch das Muster-Widerrufsformular beinhaltet. Anschließend muss von den Verbrauchern der Button “Karte zahlungspflichtig bestellen” gedrückt werden.

Beweis: Inaugenscheinnahme der Webseite, Screenshot über die Bestellseite, AGB, Widerrufsformulare

Mit den personenbezogenen Daten des Herrn XXX wurde auf die o.g Weise am 25.07.2016 um 00:47:01 Uhr ein Fernabsatzvertrag über die Vermittlung einer MasterCard abgeschlossen und die Bestell-IP Adresse 138.XXX.XX übermittelt und gespeichert.

Überdies setzt die VeriPay B.V. hinsichtlich der Online-Kundenbestellungen ein Betrugsschutzsystem in Form eines SMS-TAN-System-Verfahrens ein, so wie es bspw. auch beim Online Banking üblich ist, um die Gefahr von Spaß- bzw. Fakebestellungen auf ein Minimum zu reduzieren. Im Rahmen des o.g. Betrugsschutzsystems erhalten die Verbraucher nach Abschluss der Bestellung auf ihre hinterlegte Mobilfunkrufnummer einen mehrstelligen Pin-Code in Form einer SMS. Dieser Pin- Code muss sodann vom SMS-Empfänger bzw. Besteller auf der Bestellseite eingeben werden, sodass sich der jeweilige Besteller sicher per SMS verifiziert werden kann.

Auf die vorgenannte Weise ist die Mobilfunkrufnummer 0176 XXXXXXX verifiziert worden.

Nachdem unsere Auftraggeberin vorliegend vertragsgemäß ein Finanzinstitut für die Ausstellung der beantragten MasterCard vermittelt hat, versuchte sie Herrn XXX das Starterpaket per Nachnahmesendung zukommen zu lassen. Die vertraglich vereinbarte Nachnahmesendung mit dem Sendungscode NT422XXXXXDE via Deutsche Post AG ist hierbei gescheitert.

Da der Zustellungsversuch nunmehr über 12 Monate zurückliegt, lässt sich der Grund für die gescheiterte Nachnahmezahlung (Annahmeverweigerung oder Nichtabholung der Sendung innerhalb der 7-tägigen

Abholfrist der Deutschen Post trotz Benachrichtigung) für uns nicht mehr über https://www.deutschepost.de/sendung/simpleQuery.html  verfolgen.

Diesbezüglich regen wir an, mithilfe des o.g. Sendungscodes den genauen Grund der gescheiterten Zahlung bei der Deutschen Post AG zu ermitteln.

Seit der gesetzlichen Neureglung der §§ 355 ff. BGB mit Wirkung vom 13.06.2014 stellt die bloße Annahmeverweigerung von Waren oder über die Erbringung von Dienstleistungen keinen Widerruf im Sinne des § 355 Abs. 1 BGB dar. Der Widerruf hat nach § 355 Abs. 1 Satz 2, Satz 3 BGB mittels einer eindeutigen Erklärung gegenüber dem Unternehmer zu erfolgen. Da unserer Auftraggeberin kein Widerruf des Vertrages zugegangen ist, ist nach Ablauf der gesetzlichen Widerrufsfrist ein Fernabsatzvertrag zustande gekommen.

Da auch auf die letzte Mahnung vom 24.01.2017 hin, die Herr XXX auf seine hinterlegte Bestell-E-Mail-Adresse [email protected] via vom System automatisch generierter E-Mail hin erhielt, keine Zahlung leistete, mithin Zahlungsverzug eintrat, war die Beauftragung unseres Inkassounternehmens zum Forderungseinzug angezeigt.

Bei dem von Ihnen aufgefundenen Schreiben vom 05.09.2016, handelt es sich um unser Erstschreiben in dieser Sache, in welchem wir Herrn XXX unsere Beauftragung gem. § 11 a Abs. 1, Abs. 2 RDG ordnungsgemäß angezeigt haben, und ihn aufgefordert haben, den von uns ausgewiesenen Gesamtbetrag in Höhe von 181,30 EUR zu bezahlen.

Da keinerlei Reaktion erfolgte, erhielt Herr XXXX ausweislich der Inkassoakte noch an folgenden Tagen Aufforderungsschreiben (jeweils sowohl auf dem Postweg als auch auf die Bestell-E-Mail-Adresse [email protected] hin):

ERSTEMAIL:05.09.2016

ERINNERUNG:16.09.2016

ZWEITEMAIL:04.10.2016

ERINNERUNG2:17.10.2016

Die erste Reaktion seitens Herr XXXX in dieser Sache erfolgte am 31.01.2017. Dabei wandte er sich an unseren E-Mai-Support und teilte Folgendes mit:

“31. Januar 2017, 12:29

Sven XXXX <[email protected]>

Sven XXX 31. Jan., 12:29

Sehr geehrte Damen und Herren

Bitte teilen Sie mir die genaue Summe mit

Mit freundlichen Grüßen

Sven XXXX

—–Original-Nachricht—–

Von: Ermittlungsdienst / SD Abt. 2 <[email protected]

<mailto:[email protected]> > ”

Beweis: E-Mail-Support-Ticket #145772

Zu diesem Zeitpunkt war Herrn XXXX die genaue Forderungshöhe bereits bestens bekannt, anderenfalls hätten Sie im Rahmen Ihrer Ermittlungen gegen Herrn XXX wegen Leistungsbetruges das Aufforderungsschreiben vom 05.05.2016 nicht bei ihm aufgefunden. Seine Anfrage an unseren E-Mail-Support ist mithin einzig als Hinhaltetaktik zu verstehen, um nicht sobald der Zahlung nachkommen zu müssen.

In dieser Sache erhielt er unsererseits fernerhin eine Mahn-SMS auf seine bei Bestellung verifizierte Mobilfunkrufnummer 0176 XXXXXX hin.

Als Reaktion darauf, hat sich mutmaßlich seine Frau am 17.11.2017 an unseren telefonischen Support gewandt.

Unser Callcenter-Mitarbeiter mit der Sachbearbeiter Nummer SB22 hat den Inhalt dieses Telefonats innerhalb der Inkassoakte wie folgt dokumentiert:

“2017-11-17 10:01:00 (SB:22)

Frau ruft an wegen SMS

hat die Nummer erst seit Aug. 17

bittet um Löschung der Daten

Anfrage per Post

“2017-11-17 10:01:11 (SB:22)

FA* raus ”

* FA= Abkürzung für Forderungsaufstellung

Beweis. Ausruck über die Aktennotizen aus der Inkassoakte

Mithin ist uns wahrheitswidrig mitgeteilt worden, dass die bei Bestellung verifizierte Mobilfunkrufnummer erst seit dem 17.08.2017 existieren würde und nicht bereits seit dem 25.07.2017, mithin am Tag des Vertragsschlusses.

Auf diese Weise (Aufforderung zur Löschung der Inkassoakte) sollten wir angehalten werden, die bestehende Forderung im Wege des Inkassoverfahrens nicht weiter zu verfolgen.

Da wir diesen Anruf dennoch “wohlwollend” als ein Bestreiten der zugrunde liegenden Forderung ausgelegt haben, haben wir Herrn XXXX am 27.11.2017 auf dem Postweg die ergänzenden Vertragsumstände mitgeteilt.

Eine Zahlung ist bis dato nicht erfolgt.

Heute haben wir eine Bonitätsauskunft über eine Wirtschaftsauskunftei angefordert und dabei festgestellt, dass am 29.06.2017 die Eidesstattliche Versicherung (Ausschluss Gläubigerbefriedigung nach Maßgabe der ZPO) des Herrn XXX im Schuldnerverzeichnis eingetragen worden ist. Bevor eine Vermögensauskunft vom betroffenen Schuldner vor einem Gerichtsvollzieher abgegeben wird, gehen der Vermögensauskunft in der Regel über einen langen Zeitraum erhebliche Zahlungsschwierigkeiten voraus, mithin Zahlungsunfähigkeit.

In diesem Zusammenhang sei zudem ausdrücklich erwähnt, dass die von ihm beantragte Prepaid Mastercard schufa-frei ist. Dieses Angebot richtet sich in der Regel an solche Interessierte, die über eine schlechte Schufa-Bonität verfügen und daher über die regulären Banken keine “normale” Mastercard mehr ausgestellt bekommen. Da Verbraucher mit einer schlechten Schufa dennoch normal am wirtschaftlichen Leben teilnehmen wollen und im Alltag für Online-Bezahl-Transaktionen eine Mastercard als Zahlungsmöglichkeit brauchen, sind diese an einer Prepaid Mastercard interessiert. Ebenso gehört zum Leistungsumfang des Vertrages optional und unabhängig davon eine Kreditofferte bis zu 7.500 EUR. Es sei jedoch ausdrücklich angemerkt, dass sich seitens unserer Auftraggeberin im Rahmen ihres wirtschaftlichen Interesses ihr Angebot einer schufa-freien Mastercard betreffend nicht an zahlungs- und zahlunsgunwillige Kunden richtet.

Wir regen daher an, dass Sie im Rahmen Ihrer Ermittlungen in diesem Zusammenhang beim zuständigen Amtsgericht eine Auskunft über die abgegebene Vermögensauskunft beantragen, aus der die Schulden des Herrn XXXX hervorgehen und insbesondere seit wann er zahlungsunfähig geworden ist.

     Vor diesem Hintergrund wird namens und in Vollmacht unserer Auftraggeberin (VeriPay B.V.)

     Strafanzeige gegen Herrn XXXX wegen des Verdachts des (versuchten)

     Eingehungsbetruges zum Nachteil unserer Auftraggeberin erstattet.

Unsere Auftraggeberin teilte mit, dass sie sich in dem an Herrn XXXX versendete Starterpaket bzgl. der Mastercard Karte ein persönlicher Sicherheits-Pin-Code (Voucher) befand, der einen Wert von 98,90 EUR hat (vgl. auch AGB des Vertrages) und der damit verbundene Wert für sie unbrauchbar geworden ist, da sie diesen Pin-Code nicht mehr an andere Kunden versenden kann, um den Schaden ausgleichen zu können. Denn unsere Auftraggeberin als Vermittlungsdienstleisterin für Mastercard Karten musste diesen Pin-Code mit der ausgebenden Stelle/Bank bzw. Lizenzgeberin der Mastercard verrechnen und an diese bezahlen.

Die zuständige Staatsanwaltschaft wird gebeten uns als Bevollmächtigte der VeriPay B.V.  über den weiteren Fortgang in dieser Sache zu unterrichten und dabei unser o.a. Aktenzeichen mitzuteilen.

Hochachtungsvoll

Mimount Aharroud

Diplom-Juristin

Anlage / Beweis:

– Inkassovollmacht A 1

– elektronische Dokumentation der VeriPay B.V., A 2

– Screenshot über www.sofort.credit, A 3

– E-Mail- Support-Ticket #145772 ( 3 Seiten) , A 4

– aktuelle Forderungsaufstellung, A 5

– Ausdruck über Aktennotizen (Telefonat vom 17.11.2017), A 6

– AGB, Widerrufsformulare, A 7

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Die Betrüger Bande: Thomas Louis, Volkmar Brückner, Wolfgang Weber

Die Betrügerischen Machenschaften von Thomas Louis, Volkmar Brückner und dem öffentlich Rechtlichen Fernsehen (SWR)

Dass sich Betrüger bei Verbraucherzentralen, dem angeblichen Verbraucherschutz oder gar bei der Polizei zusammenrotten um sich mittels falscher Verdächtigung und Verleumdung der Zahlungsverpflichtung zu entziehen versuchen ist nichts neues.

Nun haben es aber zwei Verbraucher Verbrecher sogar ins Fernsehen geschafft:

Vor laufender Kamera lügen Thomas Louis aus Wegber und Volkmar Brückner aus Werl und geben vor, es wäre Ihnen telefonisch eine völlig kostenlose Mastercard angeboten worden. Der SWR glaubt den Lügnern und berichtet in seiner Sendung über diese beiden Fälle. In Wahrheit sieht es leider ganz anders aus, wie uns zugespielte Aufzeichnungen der Telefonate belegen:

Deutlich ist jeweils zu hören wie mitgeteilt wird, dass man die Mastercard prepaid als Voucher per Nachnahme zu 98,90 EURO erhält. Dies bestätigen die beiden Betrüger deutlich und teilen mit, alles verstanden zu haben. Letztendlich haben sich die beiden Betrüger aber selbst eine Grube gegraben, denn im Rahmen des Einstweiligen Verfügungsverfahrens gegen den SWR haben die beiden Betrüger nun auch noch falsche eidesstattliche Versicherungen abgegeben.

Wir haben den Anbieter um Stellungnahme gebeten. Die Geschäftsführung von VERIPAY BV dazu:

Diese beiden Betrüger  Volkmar Brückner und Thomas Louis sind uns bekannt. Sie haben sich durch betrügerische Handlungen versucht der Zahlungsverpflichtung aus der Kreditkartenbestellung zu entziehen. Wir haben gegen die beiden – und die Verantwortlichen des SWR – Strafanzeige erstattet. Uns liegt mittlerweile die vollständige Aufzeichnung der beiden Gespräche vor und diese belegen eindrucksvoll dass es sich hier um Betrug und falsche eidesstattliche Versicherung handelt. Die beiden erwartet bei Verurteilung mindestens 12 Monate Freiheitsstrafe. Leider kann man die beiden nicht für die unzähligen Trittbrettfahrer zur Rechenschaft ziehen, welche auf den Betrugszug der beiden aufgesprungen sind.

Traurig, was mit den Zwangs-TV-Gebühren der Deutschen für betrügerische Machenschaften unterstützt!

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WARUM REGIOGELD VON BANKEN GEFÜRCHTET WIRD

Sparer haben es momentan in der Eurozone nicht einfach. In Folge der schweren Finanzkrise zwischen 2007-2009 wurde nicht nur von der amerikanischen Notenbank Fed (Federal Reserve), sondern auch von der Europäischen Zentralbank (EZB) der Leitzins im Laufe der folgenden Jahre stetig herabgesenkt, um einer Deflationsspirale zu entgehen, die Wirtschaft anzukurbeln und ein Massenaussterben von Unternehmen zu verhindern. Als dann vor einem Jahr der Leitzins die historische 0%-Marke erreichte, waren die Aussichten auf ertragreiche Kapitalanlagen düsterer denn je. Wie es scheint, wird sich auch so schnell noch nichts an der momentanen Situation ändern, obwohl die Deutschen langsam ihre Geduld verlieren und die Kritik an dem Währungshüter Mario Draghi immer lauter wird. Dieser jedoch muss nicht nur die immer noch recht hohe Verschuldung anderer Mitgliedsstaaten wie Italien und Spanien oder Griechenland berücksichtigen, sondern auch die nach wie vor bestehende Gefahr, in eine Deflation zu rutschen, bewachen und die stagnierende Wettbewerbsfähigkeit Frankreichs und Spaniens dämmen. Die Bundesrepublik kann die Beweggründe nicht nachvollziehen und hat sogar schon mit dem Bundesbank-Chef Jens Weidmann einen Nachfolger für Draghi aus dem Ärmel geschüttelt, muss sich jedoch mit dem Entschluss des jetzigen EZB-Chefs wohl oder übel zufriedengeben. Zumindest hat der Europäische Gerichtshof den zügellosen Kauf von Staatsanleihen mit Auflagen verhängt, wodurch die EZB diese im Laufe der nächsten Jahre drosseln werden muss. Doch damit allein ist es nicht getan, denn die Zinserhebung wird bei gleichbleibender Geldpolitik frühestens ein halbes Jahr nach Auslaufen der Anleihekäufe denkbar. Dementsprechend ist eine Erhebung der Zinsen vor dem Frühling 2019 nicht möglich. Zudem sieht die generelle Ausgangslage der USA, in denen die Fed bereits mit der allmählichen Anhebung des Leitzinses begonnen hat, deutlich besser aus. Das heißt im Grunde genommen für den deutschen Sparer, das weiterhin alles teurer wird und man immer weniger für sein beiseite geschaffenes Geld bekommt.

Dementsprechend ist es also nicht verwunderlich, dass immer mehr kleinere Regionen auf die Idee kommen, eine Parallelwährung zu gründen – das „Regiogeld“. Ganz zum Vorbild des unorthodoxen Geldtheoretikers Silvio Gsell (1862-1930) sollte das Geld wie auch die sich mit diesem erkauften Waren und Lebensmittel an Wert verlieren und nicht mit der Aufbewahrung durch Zinsen und Zinseszinsen auch noch an Wert gewinnen, denn darin liege seiner Meinung nach das Grundübel aller Finanzen. Folglich baute er darauf eine ganze Theorie auf, um das Geld der Vergänglichkeit alles Irdischen nicht länger zu entziehen und „rosten zu lassen“. Doch war es bis dahin nur eine Theorie. Dies sollte sich allerdings nach dem von ihm vorhergesagten Börsencrash in New York im Jahre 1929 ändern. Ein ehemaliger Lokomotivführer namens Michael Unterguggenberg, der mit viel Engagement und etwas Glück Bürgermeister des österreichischen Dorfes Wörgl wurde und dessen Namen durch das „Wunder von Wörgl“ berühmt machte, indem er Gsells Theorien in die Tat umsetzte.

Denn er war es, der in der Kriegszeit den Dienst an sein Vaterland für einen kurzen Moment unterbrach, um eine kriegszensierte Zeitschrift mit kleiner Auflage und skurrilem Namen „Physiokrat“ zu lesen und dadurch auf Gsells Gedanken zu stoßen. Er selbst hatte nie viel Geld, jedoch viel Zeit, um sich mit diesem, zumindest theoretisch, zu beschäftigen. Als er dann 1931 per Los zum Bürgermeister von Wörgl wurde und zumindest seine Heimat vor der Krise, die dort schon längst angekommen war, schützen wollte, beschloss er, sich nicht länger auf die Regierung zu verlassen und somit seine Gemeinde in Arbeitslosigkeit und Armut versinken zu lassen, sondern selbst die Probleme zu lösen – die Regierung Wörgls war schließlich er. Zunächst ließ er über die Gemeinde Brücken bauen und Straßen reparieren. Im Anschluss entwarf er viele bunte Scheine mit unterschiedlichem Wert: Neues, anderes Geld namens „Arbeitswertbestätigung“. Dieses Geld jedoch war nur für eine bestimmte Zeit gültig. Für die Verlängerung der Gültigkeit eines 10-Schilling-Scheines z.B. musste man eine Marke im Wert von einem Groschen kaufen und diese auf den Schein kleben. Somit verlor der Schein, je länger man ihn in der Tasche ließ, immer mehr an Wert. So waren die Bürger natürlich daran interessiert, diesen schnellstmöglich gegen Waren oder Dienstleistungen einzutauschen. Nach anfänglicher Skepsis den neuen bunten Scheinen gegenüber verbreitete es sich dann allerdings sehr schnell und die Menschen gaben das Geld aus – wie von Gsell vorhergesagt und von Unterguggenberg erhofft. Während in Österreich und dem Rest Europas die Arbeitslosigkeit weiter steigt, sinkt diese in Wörgl und gleichzeitig wachsen die Einkünfte und Steuereinnahmen – als hätte jemand Säcke voll mit Geld geschickt. Dabei waren gerade einmal rund 5500 Schilling der neuen Parallelwährung im Umlauf. Nur ihre Zirkulation hatte sich erhöht. Der Steinmetz ging zum Bauern, der Bauer zum Metzger, welcher zum Wirt ging, der wiederum zum Steinmetz ging.

Und alle waren glücklich und lebten in Eintracht miteinander. Die Nachbargemeinden sahen den Erfolg und ahmten Wörgl nach. So verbreiteten sich die zur Abwechslung guten Neuigkeiten, die Journalisten anlockten. Auf der Suche nach dem Erfolgsgeheimnis stießen sie auf die bunten Scheine und fragten sich, ob das alles gewesen sein soll. Wie ein Lauffeuer wurden Wörgl und sein Bürgermeister Unterguggenberg nicht nur national, sondern international berühmt. Bald war nicht nur von „dem Wunder von Wörgl“, sondern von „dem Wunder von Österreich“ die Rede. Doch dieser genialen Idee machte die Nationalbank einen Strich durch die Rechnung. Nur sie sei befugt, Geld herauszugeben. Nach eineinhalb Jahren und einem harten Kampf wurde das Schwundgeld verboten. Es verstieße gegen das Gesetz, so der Verwaltungsgerichtshof. Und somit kehrte die Krise wieder zurück. Engelbert Dollfuß‘ Regierung wurde die Sozialdemokratische Arbeiterpartei, welcher Unterguggenberg angehörte, aufgelöst, was ihm zum Rücktritt zwang.

Selbst der bedeutendste Wirtschaftswissenschaftler des 20. Jahrhunderts, John Maynard Keynes, war begeistert von der Theorie des zu Unrecht übergangenen Silvio Gsell und glaubte, die Zukunft würde noch viel von Gsell lernen können. Doch der zweite Weltkrieg ließ die Erinnerungen an das Wunder von Wörgl verblassen und die Freigeldlehre ist nunmehr nicht einmal Fachleuten bekannt – jedoch ist sie noch nicht ausgestorben. In der Bundesrepublik sind noch 40 Regionalwährungen im Umlauf, wie in Schleswig-Holstein der KANN WAS oder der Urstromtaler aus Sachsen-Anhalt. Während die meisten eher unbekannt als Spielerei abgetan werden, zeigt der im Jahre 2003 gegründete Chiemgauer aus den Landkreisen Rosenheim und Traunstein seine volle Wirkung. Diese aus einem Schulprojekt heraus entstandene Währung sorgt für Wohlstand und Lebensqualität in Zeiten der Finanz-und Wirtschaftskrise. Die Idee basiert ebenfalls auf Gsells Gedanken. In moderner Form übertragen sind jedoch nur Unternehmen imstande, die Chiemgauer in Euros umzutauschen und das auch nur gegen eine Gebühr. So soll das in den Gemeinden erwirtschaftete Geld auch in den Gemeinden bleiben und dort ausgegeben werden. Als erfolgreichste aller Parallelwährungen des 21. Jahrhundert beweist sie, dass in der undurchsichtigen Welt des Kapitalismus es immer nur auf eines ankommt: dass viele Menschen oft Geld ausgeben.

Aus diesen Regionalgeldern eine nationale Parallelwährung zu machen oder den Euro in „Rost-Euro“ umzuwandeln, kommt den Deutschen jedoch niemals in den Sinn. Dafür lieben sie das Sparen und vermehren zu sehr, wie man unschwer an dem momentanen Unmut gegenüber Mario Draghis Geldpolitik erkennen kann. Außerdem: Wer will schon freiwillig sein Geld „verfaulen lassen“? Allerdings denken andere Nationen bereits über die Idee nach, neben dem Euro eine Parallelwährung einzuführen. Vielleicht hilft ihnen diese aus der Krise.

STEINHOFF INTERNATIONAL: IMMER NEUE BETRUGSVERDACHTE

Liegen die Aktien der Steinhoff International Holdings im Feuer? Bruno Steinhoff könnte zufrieden sein mit seinem Lebenswerk. 1964 gründete der Bauernsohn und Industriekaufmann eine Firma für den Import von Polsterbezügen. Die lief gut an. Heute beschäftigt die im MDax notierte Steinhoff International Holdings mehr als 130 000 Menschen auf fünf Kontinenten.

Der nach Ikea zweitgrößte Möbelkonzern Europas produziert und vertreibt Hausrat (hierzulande in 118 Filialen der Marke Poco), handelt aber auch mit Bekleidung und vermietet Autos. Mit einem Vermögen von etwa 1,4 Milliarden Euro sind die im niedersächsischen Westerstede ansässigen Steinhoffs zu einer der reichsten Familien der Republik aufgestiegen. Ihr Besitz umfasst rund 5 Prozent an der Holding sowie Pflegeheime, Biogasanlagen und Ländereien in Ostdeutschland.

Der hemdsärmelige und öffentlichkeitsscheue Bruno Steinhoff hat, so scheint es, eine Erfolgsgeschichte geschrieben, die nur der ewige Rivale Ingvar Kamprad toppt. Ein zweites Ikea zu schaffen war von jeher Traum des Selfmademilliardärs.

Dieser Traum könnte nun schon bald zum Albtraum werden, vor allem für die Investoren. Denn wie die Recherchen von Fraudanwalt offenbaren, ist das Steinhoff-Konstrukt so einsturzgefährdet wie manche aus billigem Pressspan gefertigten Schränke und Schubladen in seinen Discounthäusern. Der Konzern scheint auf Treibsand gebaut zu sein.

Für einen eventuellen Schadensfall wäre der Namensgeber nur noch am Rande verantwortlich. Der Gründer wechselte bereits 2008 von der Firmenspitze in den Board, in dem auch seine Tochter Angela Krüger-Steinhoff wacht. Das Unternehmen leiten heute Christo Wiese, seit 2015 Chairman, und CEO Markus Jooste. Der Pate und sein Exekutor bewegen sich nicht selten am Rande der Legalität.

Hasardeuren gleich blähen sie die Umsätze mit waghalsigen  Zukäufen und fragwürdigen Buchungen auf; die Erlöse sind allein 2016 um ein Drittel auf 13,4 Milliarden Euro in die Höhe geschnellt. Verluste werden mitunter zwischen verbundenen Firmen hin- und hergeschoben, sodass sie im Jahresabschluss nicht mehr auftauchen. In mindestens drei Fällen haben die Wirtschaftsprüfer ihr Testat nur mit Einschränkung erteilt.

Mehrere Kapitalerhöhungen haben die Aktie verwässert, ihr Kurs ist abgeschmiert. Die Ratingagentur Moody’s bewertet Steinhoff mit Baa3, eine Stufe über Ramschniveau; Goldman Sachs und die Commerzbank warnten ihre Kunden jüngst vor dem Kauf des Papiers.

In drei Ländern ermitteln Fahnder wegen Steuervermeidung. Die Staatsanwaltschaft 01denburg hegt den Verdacht der gesetzeswidrigen Bilanzierung. Auch eine Strafanzeige wegen Urkundenfälschung liegt vor.

„Die mächtige Stellenbosch-Mafia“, titelt MM

Das Management hat einigen Ehrgeiz in den Aufbau eines Schattenreichs gesteckt, eines sogenannten Off-Balance-Sheet. Zudem ist das Konglomerat absichtsvoll verschachtelt: Der rechtliche Firmensitz liegt in den Niederlanden, die Aktie notiert seit 2015 in Frankfurt und nebenher in Johannesburg, wo Steinhoff 1998 an die Börse ging.

Gesteuert wird das Imperium von Stellenbosch aus. In dem südafrikanischen Weinstädtchen haben sich viele einflussreiche Unternehmer angesiedelt. CEO Jooste bewohnt dort ebenso ein Anwesen wie Chairman Wiese.

Die Herren der „Stellenbosch Mafia“, wie sie in Südafrika heißt, machen ihre Geschäfte bei der Jagd und beim Besuch von Rugbyspielen. Auch Bruno Steinhoff und Wiese fanden so zusammen.

Wiese investiert sein Geld in Firmenbeteiligungen, er ist der drittreichste Südafrikaner, rund fünf Milliarden Euro schwer. 2014 verkaufte er seine Textil und-Schuhkette Pepkor für 4,6 Milliarden Euro an Steinhoff ein Deal aus Bargeld und Aktien.

BRISANTER FUND bei Steinhoff

Mittlerweile hält Wiese 23 Prozent an dem Möbelmulti. Seine Anteile sind zusammen mit jenen des Managements und der Familie Steinhoff in einem Pool gebündelt, der knapp 33 Prozent der Stimmrechte vereint.

Der mächtigste Steinhoff Aktionär beherrscht das Spiel mit der Intransparenz virtuos. Die letzte Kapitalerhöhung im September 2016 konstruierte Hauptaktionär Wiese so, dass er seinen Anteil zwar aufstocken, auf ein Prospekt mit detaillierten Informationen aber verzichten konnte. Dafür musste er zur Finanzierung des Aktienkaufs seine Papiere an Goldman Sachs, HSBC, Citigroup und Nomura verpfänden – die Banken gingen lieber auf Nummer sicher.

Mit seinen Machenschaften hat sich der Bure so manchen Ärger eingehandelt. Zollbeamte erwischten ihn beim Einchecken am Londoner City Airport mit dicken Bündeln von Banknoten insgesamt 750 000 Euro. Er habe das mit Diamantengeschäften verdiente Geld auf ein Konto in Luxemburg einzahlen wollen, rechtfertigte sich Wiese.

Der brisante Fund alarmierte die südafrikanischen Behörden. Die stellten fest, dass der Tycoon wesentliche Teile seines Vermögens in Offshorefirmen verlagert hatte — und forderten eine Steuernachzahlung von 200 Millionen Euro.

Wie sich Wiese mit den Beamten arrangiert hat, ist unbekannt. Das in Großbritannien beschlagnahmte Geld erhielt er jedenfalls zurück. Auch die südafrikanische Börsenaufsicht, die den Juristen — ebenso wie Jooste und Bruno Steinhoff— wegen Insiderhandels verfolgt hatte, stellte ihre Ermittlungen ein. Die Beschuldigten hatten die Vorwürfe zurückgewiesen.

Großes Talent zeigt das Steinhoff-Management darin, Steuern zu drücken oder ganz zu vermeiden. Zwischen 2010 und 2015 zahlte der Konzern im Schnitt 11,7 Prozent auf das Bruttoergebnis; die Branche liegt bei mehr als 20 Prozent. Fahnder in Österreich, Südafrika und Deutschland ermitteln, ob Gewinne widerrechtlich in steuergünstige Länder transferiert wurden.

So geschickt die Manager in Steuerfragen agieren, so problematisch ist ihr Geschäftsmodell. Während Ikea allein auf seine blau-gelbe Marke vertraut und damit beträchtliche Synergien hebt, macht Steinhoff in KleinKlein: Die Gruppe führt in Europa, Afrika, Australien, Neuseeland und Amerika 50 Labels und mehr als 12 000 Läden.

Dieses Sammelsurium soll nun auch noch um Lebensmittel erweitert werden. Die Südafrika-Tochter von Steinhoffplant, über einen Aktientausch im Wert von 2,2 Milliarden Euro die Kontrollmehrheit an Shoprite zu erwerben – der größten Supermarktkette Afrikas, bei der Wiese (wer sonst!) wichtigster Aktionär und Chairman ist.

Es wirkt, als würde gekauft, was zu haben ist. Hauptsache, die Gruppe wiegt Investoren und Geldgeber mit zweistelligen Wachstumsraten in Sicherheit.

Vergangenes Jahr übernahm Steinhoff den US-Bettwarenhändler Mattress. Die Erlöse der Firma schrumpfen auf vergleichbarer Fläche, was Jooste und Wiese nicht hinderte, satte 3,4 Milliarden Euro zu zahlen – ein Aufpreis auf den Aktienkurs von 115 Prozent. Berater Tushar Jain von Goldman Sachs alarmierte Anfang August seine Kunden, die US-Tochter könnte zu einem Mühlstein für Steinhoff werden.

Ähnlich kurios mutet der Kauf von Poundland im September 2016 an, eine britische Ladenkette, die ihr Sortiment für jeweils ein Pfund verkloppt und mit sinkenden Umsätzen und Gewinnen kämpft. Trotzdem bot Steinhoff ein Premium von 43 Prozent. Anfang Juni gab KPMG sein Mandat als Wirtschaftsprüfer von Poundland zurück.

AUFGEBLÄHTE BILANZ bei Steinhoff International

Die überzogenen Preise stehen als Goodwill in der Bilanz — und das nicht zu knapp: Allein für 2016 verzeichnet der Steinhoff-Konzernabschluss einen Goodwill von gut neun Milliarden Euro. Hinzu kommen immaterielle Werte wie Patente und Lizenzen im Wert von mehr als sieben Milliarden Euro.

Nur gut ein Fünftel des Anlagevermögens entfällt auf Güter wie Maschinen und Fabriken. Und selbst diese Sachwerte werden üppig angesetzt, die Gruppe belässt es bei marginalen Abschreibungen: für 2016 knapp 5 Prozent, bei Ikea waren es 2015 rund 37 Prozent.

Zweifelhafte Vermögenswerte beschäftigen inzwischen die Gerichte. Mehrere Verfahren sollen klären, ob die im Steinhoff-Zahlenwerk ausgewiesenen Anteile an der Poco-Kette und dem französischen Möbelanbieter Conforama zu hoch angesetzt sind.

DUBIOSER VERTRAG, dubioses Joint Venutre

Die Poco-Filialen gehören einem Joint Venture von Steinhoff und Andreas Seifert, dem Co-Geschäftsführer der XXXLutz Einrichtungshäuser. Beide sind jeweils zu 50 Prozent an der Gemeinschaftsfirma beteiligt. Nun behauptet Steinhoff, Seifert habe seine treuhänderischen Pflichten verletzt und damit seinen Anteil verloren.

Vom Conforama-Eigenkapital standen Seifert und Steinhoff ebenfalls je die Hälfte zu. Vonseiten Steinhoffs heißt es jetzt, Seifert habe Zusagen nicht erfüllt, daher habe er nur noch Anrecht auf ein knappes Viertel.

Sowohl Poco als auch Conforama, die aufaddierte Erlöse von rund fünf Milliarden Euro erzielen, stehen als 100-ProzentTöchter in der Steinhoff-Bilanz. Obsiegt Seifert vor Gericht, muss der Konzern die beiden Firmen möglicherweise aus den Büchern nehmen, zumindest zum Teil. Die Assets würden dann deutlich schrumpfen, Umsätze und Gewinne in sich zusammensacken.

Finanziell vorgesorgt hat die Holding kaum. Die Rückstellungen betragen lediglich 491 Millionen Euro – eine geringe Summe angesichts der Risiken.

Der zurückgezogen lebende Österreicher Seifert könnte den Südafrikanern noch weitere Schwierigkeiten bereiten. Der sonst ruhige Mann reagierte fassungslos, als er im Juli 2016 in den Räumen der Polizeiinspektion Osnabrück als Zeuge zu diversen Dokumenten befragt wurde, die er unterzeichnet haben soll. „Ich habe die Papiere nie zuvor gesehen und sie nicht unterschrieben“, beteuert Seifert. Er hat mittlerweile Strafanzeige wegen Urkundenfälschung gestellt.

Unter den Schriftstücken befindet sich ein Vertrag vom 15. Januar 2012, in dem Seifert angeblich der Offshoregesellschaft Winecott, die damals der Steinhoff-Gruppe nahestand, die exklusive Nutzung seiner Marke Möbelix in mehreren europäischen Ländern zusichert. Die Urkunde legt fest, dass „nach Beendigung des Vertrages“ eine Einmalgebühr von 3 Prozent fällig wird — gemessen am MöbelixNettoumsatz. Wie lange die Vereinbarung läuft, ist nicht definiert. Will heißen: Dem Lizenznehmer entstehen zunächst keine Kosten, und er darf den Wert der Markenrechte in seiner Bilanz verbuchen.

Aufgetaucht waren die Akten bei mehreren Razzien, die der Oldenburger Oberstaatsanwalt Frank Lohmann in der Steinhoff-Europa-Zentrale in Westerstede sowie in den Privathäusern von zwei Steinhoff-Vertrauten durchführte. Die Verfahren laufen seit Anfang 2015.

Die Fahnder ermitteln wegen „überhöhter Umsatzerlöse“. Hintergrund sind Verträge, die den Verkauf von immateriellen Gütern beziehungsweise Gesellschaftsanteilen belegen. Verkäufer und Käufer waren Firmen, die dem Umfeld von Steinhoff  entstammen sollen. Es gehe bei den diversen Transaktionen um „jeweils dreistellige Millionenbeträge“, so die Staatsanwaltschaft.

Steinhoff hätte also, wenn sich der Verdacht bestätigt, Vermögenswerte in die Bilanz aufgenommen, die zu hoch angesetzt sind oder nicht existieren. Das Steinhoff-Management ist der Auffassung, dass die konsolidierten Abschlüsse der Gruppe die Sachverhalte zutreffend reflektieren.

Beschuldigt werden zwei Männer, die seit Jahren zum Netzwerk von Steinhoff gehören – Siegmar Schmidt und George Alan Evans—, sowie Steinhoff-Manager Dirk Schreiber und CEO Jooste.

Seit ermittelt wird, zieht es Jooste offensichtlich seltener nach Deutschland. Selbst zur Erstnotiz von Steinhoff in Frankfurt erschien er nicht. Der Vorstandsvorsitzende entschuldigte sich mit Nackenschmerzen. Um den ersten Kurs zu läuten, musste noch mal der Gründer ran.

Bruno Steinhoff und Jooste kennen sich seit Langem. Der Wirtschaftsprüfer stieß 1988 zu Steinhoff, 2000 stieg er zum CEO auf. Nebenbei betätigt er sich als Pferdezüchter, was erklären könnte, warum ausgerechnet Steinhoff mit seiner Discounttochter Poco das piekfeine Galopprennen in Iffezheim bei Baden-Baden sponsert.

Der Südafrikaner sagt von sich selbst, er sei „erfolgshungrig“. Weggefährten beschreiben ihn als durchtriebenen Manager mit einem geschickten Händchen für Steuern und Bilanzen.

Welche Kreativität Jooste und seine Zuarbeiter bei der Buchführung entwickeln, zeigt sich am Wirken des Mitbeschuldigten Siegmar Schmidt.

Schmidt stand Steinhoff mehr als zehn Jahre lang unter anderem als Finanzchef des Europa-Geschäfts zu Diensten. Heute führt er aus seinem Einfamilienhaus im nordwestdeutschen Provinzstädtchen Bad Zwischenahn ein halbes Dutzend Firmen. Mit dem bunten Strauß schafft er ein dichtes Geflecht, das unter anderem dabei hilft, den beunruhigenden Zustand des Steinhoff-Imperiums zu verbergen.

VERSTECKTE VERLUSTE im Steinhoff Imperium

Aktiv wird Schmidt etwa beim Kauf des österreichischen Möbeldiscounters Kika-Leiner, für den FC-Bayern-Star David Alaba ebenso schlicht wie eingängig wirbt: „I bin a Kika.“

Im Juni 2013 gibt Steinhoff bekannt, die europaweit gut 70 Kika-Leiner-Einrichtungshäuser mit einem Umsatz von rund 1,2 Milliarden Euro zu übernehmen. Alsbald reift die Erkenntnis, dass eine Vollkonsolidierung des verlustreichen Billiganbieters wohl keine so gute Idee sei.

Steinhoff findet einen Weg, die Übernahme zu verstecken: In der Bilanz von 2014 heißt es, man habe „den unabhängigen Kauf von Kika-Leiner ermöglicht, durch die Genesis Investment Holding“. Genesis indes ist alles andere als unabhängig. Ihre Muttergesellschaft Triton wird von Steinhoff mit 375 Millionen Euro finanziert, dem Kaufpreis von Kika-Leiner.

Mittendrin und zwischenzeitlich Hauptaktionär von Kika-Leiner: Der Steinhoff-Vertraute Schmidt. Er sorgt dafür, dass sich Kika-Leiner für rund zwei Jahre auf einer Geisterbahn außerhalb der Steinhoff-Bilanz verstecken konnte.

Als Schmidt über Zwischengesellschaften zu den Eignern von Kika-Leiner gehört, nimmt ihm Steinhoff die Immobilien der Möbelkette ab. Der Konzern zahlt dafür 452 Millionen Euro — 77 Millionen Euro mehr, als das gesamte Unternehmen gekostet hatte. Seitdem weist Steinhoff erkleckliche Mieteinnahmen aus, 2015 rund 70 Millionen Euro.

Das defizitäre Einzelhandelsgeschäft von Kika-Leiner gesundet zwischen 2013 und 2015 auf wundersame Weise. Ein Verlust von 11 Millionen Euro verwandelt sich in 38 Millionen Euro operativen Gewinn, obwohl der Umsatz um ein Fünftel einbricht.

Die Quelle des Profits mutet absurd an. 46 Millionen Euro verbucht Kika-Leiner-Besitzer Genesis für „Wissens-Dienstleistungen und Zuschüsse für die Förderung der Markennamen“. Das Geld kommt vermutlich erneut von Gesellschaften, die Steinhoff nahestehen.

Ende 2015, unmittelbar vor dem Börsengang in Frankfurt, werden die notdürftig aufgemöbelten Läden wieder in die offizielle Steinhoff-Bilanz eingefädelt. Immerhin geben die Wirtschaftsprüfer von Deloitte & Touche einen Warnhinweis: Im Börsenprospekt bekennen sie, dass sie nicht nachgeschaut hätten, ob alle Daten tatsächlich stimmten.

Ähnlich trickreich wie bei Kika-Leiner verfuhr Steinhoff mit anderen defizitären Töchtern, etwa JD Consumer Finance, eine Firma für Konsumentenkredite in Afrika. Sie wurden an Unternehmen weitergereicht, mit denen der Konzern zwar verbunden ist, die er aber nicht konsolidiert. Wie etwa Campion Capital, zu deren Gründern und Direktoren wiederum Schmidt gehört.

Was passiert nun, wenn die im Verborgenen schlummernden Einheiten zusätzliche Defizite anhäufen und die von Steinhoff ausgereichten Kredite in dreistelliger Millionenhöhe nicht zurückgezahlt werden können? Wer trägt dann den Schaden?

Fest steht: In den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres hat sich die Finanzlage zunehmend verschlechtert. Die operative Gewinnmarge fiel von 11,6 auf 8,8 Prozent. Vom Vorsteuerüberschuss in Höhe von 816 Millionen Euro kam in der Endabrechnung kaum Hartgeld an: Der Netto-Cashflow sackte auf 13 Millionen Euro was den Verdacht nährt, dass ein Großteil des Profits auf obskuren Buchungen fußt. Zugleich stieg die Nettoverschuldung von 2,9 auf 6,5 Milliarden Euro.

Steinhoff braucht vermutlich bald frisches Geld. Die Restrukturierung und Integration der milliardenteuren Zukäufe verursacht Kosten. Und die Behörden könnten Steuern nachfordern. In ihrer Not sind Jooste und Wiese auf einen neuen Kunstgriff verfallen. Das Duo hat alle afrikanischen Handelsaktivitäten, die für ein Viertel des Gesamtumsatzes verantwortlich sind, in eine Tochtergesellschaft eingebracht. Die soll bis Ende September an die Börse in Johannesburg gehen, der Emissionserlös die Kassen der Holding auffüllen.

Ganz so, als würde man eine auf Treibsand gebaute Bretterbude mit einem Hering absichern wollen. Die Steinhoff International Holdings setzt die Redaktion auf die Warnliste.